den Kampf bis zum heutigen Tage geführt haben, ist die hefte Gewähr dafür, daß sie sich keinesfalls zu unbesonnenheiten werden hinreißen lassen. Auf der anderen Seite steht aber die Tatsache, daß den Bergarbeitern jezt mehr als je die Trag weite des Abwehrkampfes bewußt geworden ist, und daß sie den Kampf nicht aufgeben können, wenn nicht die grundfäßliche Anerkennung der Siebenstundenschicht in absehbarer Zeit zur tatsächlichen Anerkennung zu werden verspricht. Be stimmt hätte sich über ein derartiges Abkommen mindestens reden lassen, wenn die Unternehmer nicht alles getan hätten, um die berechtigten Ansprüche der Bergarbeiter zurückzumeisen und wenn sie nicht auf diese Weise die Radikalisierung weiter Bergarbeiterkreise geradezu fünstlich gezüchtet hätten. So, wie die Dinge heute liegen, verlangt der Schiedsspruch von der Arbeiterschaft mehr Einsicht in die Bedürfnisse der Gesamtwirtschaft, als sie die Unternehmer selbst an den Tag gelegt haben, als sie die Tore der Zechen vor den arbeitswilligen Bergarbeitern schlossen und damit die gesamte Wirf schaft des Ruhrgebiets in die Gefahr des Erliegens brachten. Das muß festgestellt werden, wie auch die Entscheidung der Bergarbeiter ausfallen mag.
aut
Gebiet übergegriffen. Der Hinweis der Germania " deutschnationale Staatsstreichpläne hat seine Bes gründung in den Vorgängen, über die die„ Boffische Zeitung" folgendes berichtet:
derung der Deutsch nationalen nach dem Rüdiriff der Regierung wurde erörtert. Es ist anzunehmen, daß die Reichsregierung den Reichspräsidenten in den nächsten Tagen ersucht, über die Neubildung der Regierung Borverhandlungen auf zunehmen. Borläufig dürfte die Regierung nicht zurüdtreten. Biel - ,, Dieser Hinweis auf die Möglichkeit eines deutschnatio mehr wird damit gerechnet, daß der im Eventualfall erfolgende Rüd- nalen Staatsstreichs ist durchaus ernst zu nehmen, trift nur formeller Natur ist und der bisherige Reichskanzler Es sei nur an die Verhandlungen erinnert, die nach dem Rücktritt Dr. Marg erneut mit der Kabinettsbildung beauf des Kabinetts Stresemann der Zentrumsabgeordnete Steger fragt wird, nachdem die Deutschnationalen eine flare Stellung- wald, noch ohne formalen Auftrag, über eine Kabinettsbildung nahme zur Erfüllungspolitik trotz aller Aufforderungen haben ver- führte. Stegerwald wollte damals den Bürgerblod, und er hat mit den Deutschnationalen sehr eingehend verhandelt. Die Deutsch miffen lassen. nationalen find bereit gewesen, in ein Rabinett Stegerwald einzu treten, haben aber die bekannte Bedingung gestellt, daß fich die Zu fammenfegung der Roalition in Preußen den Veränderungen int Reiche anpasse. In parlamentarischen Kreisen ist seinerzeit behauptet worden, daß Stegerwald grundfäßlich einverstanden gewesen sei, aber auf die Schwierigkeiten hingewiesen habe, die Parteien bes preußischen Landtages zu einer Aenderung der Roalition zu veran laffen.
Mittelparteien und Deutschnationale.
-
Der Ansturm der Deutschnationalen gegen die Regierung Marr hat ein jähes Ende gefunden. Die Regierung ist zum Gegenangriff übergegangen, und die Deutschnationalen sehen fich auf der ganzen Linie in die Verteidigung ge brängt. Ihre Preffe fezt der Erklärung der Reichsregierung einen Rattenkönig von formellen Erörterungen entgegen. Sie diskutiert talmudistisch, ob diese Erklärung jeder Auslegung Stich halte aber sie weiß auf die sachliche Die amtliche Mitteilung über das Berhandlungsergebnis Argumentierung nichts zu sagen, und sie schweigt sich über die jagt nichts darüber, ob die Einigungsformel bei den Unter- Frage nach dem außenpolitischen Programm der nehmern Anflang gefunden hat. Nach der Haltung, die die Deutschnationalen in allen Tonarten aus. Eine parteiamtliche Bergherren vor Beginn der Verhandlungen eingenommen Erflärung der Deutschnationalen verweist auf das Sergt. haben, besteht wenig Aussicht, daß sie der Kompromißformel Interview und die deutsch nationale Breffe. Ist zustimmen werden. Aber auch das wird die Bergarbeiter die Verwirrung in den eigenen Reihen und die gewollte Un ebenso wenig bei ihrer Entscheidung beirren dürfen, wie die flarheit ein außenpolitisches Programm? fommunistischen Generalstreifparolen, deren 3wed und Ziel, Auf diese parteiamtliche Erklärung der Deutschnationalen soweit sie nicht in der Zerstörung der Gemerferläßt die Reichsregierung eine neue Gegenerflärung, schaften bestehen, rein politischer Natur sind. Nimmt in der sie mit beißender Höflichkeit darauf verweist, daß gerade die Bergarbeiterschaft des Ruhrgebietes die Einigungsformel die deutschnationalen Preffeerörterungen über das Hergt an, so bringt sie dem Interesse der Gesamtwirtschaft ein im Interviem durchaus widerspruchsvoll seien. geheures Opfer. Aber auch wenn fie es ablehnt, in dem Bewußtsein, daß der Kampf nun einmal zu Ende ausgetragen werden muß, wird sie bei der Arbeiterschaft des Reiches volles Verständnis finden. Die Bergarbeiter find durch die unfoziale Haltung der Unternehmer und durch die starke Belastung der Produktion mit den Micum- Verträgen so tief in der Lebenshaltung gedrückt worden, daß die wachsende Etbitterung gegen derartige Machenschaften verständlich und berechtigt ist. Gizung der Bergarbeiterinternationale. Bochum , 16. Mai. Das Egefufiofomitee der Bergarbeiter Internationale wird am 21. Mal zu einer außerordentlichen Sigung in Brüssel zusammentreten, bei der die durch die Bewegung der englischen und deutschen Bergarbeiter geschaffene Cage erörtert werden soll.
Einspruch gegen die Unterstützungsaktion. Dortmund , 16. Mai. ( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend Dortmund , 16. Mai. ( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend findet in Schwerte eine Konferenz der Bürgermeister und Wohl fahrtsdezernenten des Ruhrgebiets unter dem Vorsitz des Regierungs. präsidenten statt, die sich mit der Frage befaffen soll, wie weit die Städte den ausgesperrten Bergarbeitern Unterstügung gemähren dürfen. Ueber die Ursache dieser Konferenz verlautet, daß verschiedene Kommunalbezirke mit Verwaltungen bürgerlicher Mehr heit, darunter der Landret von Dortmund , Einspruch erhoben haben gegen die Unterstüßungsattion, die von verschie denen Städten zugunsten der Ausgesperrten unternommen wurde.
Die Besprechung der Koalitionsparteien. Formeller Rücktritt der Kalitionsregierung? Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst teilt mit: Am Freitagvormittag besprachen die Führer der jehigen oalitionsparteien in Gegenwart des Reichskanzlers und des Reichsarbeitsministers die augenblickliche parlamentarische Lage. Die Besprechungen führten zu dem Ergebnis, daß der geplante na tionale Block der Mitte" infolge der Haltung der Boltspartei nicht gebildet werden kann. Auch die ultimative For.
Nach zehn Jahren
Von Bittor Schiff.
Zehn Jahre sind es her, seitdem ich diese Stadt verließ, in der ich aufgewachsen,- genau gerechnet 121 Monate. Und schon in der ersten Stunde. als ich sie wiedersah, kam es mir zuweilen so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Man glaubt, vieles inzwischen der geffen zu haben, aber die Erinnerungen stellen fich bligartig und automatisch wieder ein, man erkennt nicht nur jede Straße, sondern auch jedes Haus, jedes Geschäft wieder und, soweit man sie einst ge fannt und ihnen begegnet, trotz der zwei Luftren, die feither verstrichen, auch jeden Menschen.
Nur weniges hat sich verändert. Am meisten fällt das fast voll ständige Verschwinden der Pferde auf. Die Pferdedroschken sind durch die Kraftwagen fast restlos verdrängt, ebenso die Fuhrwerte durch die Lastautos. Die Straßen find entsprechend sauberer geworden, der Verkehr entsprechend schneller, aber auch lebensgefährlicher, zu mal das Fahren viel fühner und rücksichtsloser betrieben wird als 8. B. in London . Wäre nicht die Straßenpolizei so vorzüglich gehandhabt, so würde die Pariser Straße einen wahren Heren teffel bilden, selbst für den, der von London her an allerhand gewöhnt ist. Bon Berlin ganz zu schweigen: in dieser Hinsicht sind
wir bestenfalls eine Kleinstadt.
Und sonst? Nun, mancher alte Häuserblock wurde niedergeriffen und durch stattliche moderne Gebäude ersetzt. Es wird überhaupt nach wie vor viel gebaut, und nicht nur, wie meist in Deutschland , aufgestodt. Man macht hier ganze Arbeit und leidet anscheinend nicht unter Kapitalmangel. Es muß Frankreich recht gut gehen, zumal wenn das alte französische Sprichwert weiter gilt: Geht das Baugewerbe gut, so geht alles gut." Es find, besonders auf dem linken Seineufer, das einst den Ruf einer verhältnismäßig rüd fchrittlichen, altmodischen Gegend genoß, ganze Straßen, ganze Biertel neu entstanden, eine Entwicklung, die allerdings bereits längere Zeit vor dem Kriege ihren Anlauf genommen hatte, inzwischen jedoch ungeheuer vorwärtsgeschritten ist.
Banffilialen, zum Teil auch Kinos, haben im Laufe der Jahre manches alte Kaffeehaus, manchen bekannten Laden verschlungen. Ganz wie bei uns. Das Untergrundbahnneh ist erheblich erweitert, der Autobusverkehr wesentlich entwickelt, die Oberleitung der Straßenbahnen zumeist unterirdisch verlegt.
*
Und die Menschen? Zumindest im Aeußeren sind sie wenig ver wandelt. Die meisten gut, ja elegant gekleidet, auch die Arbeiter. Die Kleidungsnot, die eines der Hauptmerkmale unferes herunterge. tommenen Boltes ist, ist fast nur bei älteren Mittelstandsangehörigen zu beobachten, auch dann aber nicht entfernt in demselben Maße wie bei unferen Opfern der Inflation.
Die Presse der bürgerlichen Mittelparteien ist ihrerseits zum Gegenstoß übergegangen. Sie fordert Klarheit von den Deutschnationalen . Die Germania " schreibt:
Es herrscht also keinerlei Klarheit darüber, wie sich die Deutsch nationalen in diesem Buntte verhalten wollen. Und doch ist diese Klarheit die notwendige Voraussetzung für die Lösung der Frage, ob die Parteien der Mitte mit den Deutschnatio nalen zufammengehen fönnen oder nicht. Grundfäß lich ist hier immer der Standpunkt vertreten worden, daß aus dem Machtzumachs der Deutschnationalen die Konsequenzen zu ziehen seien. Aber es ist ausgeschlossen, daß fich die Mittelparteien an einer Regierungsfonftellation beteiligen, die die Fortführung der bisherigen Außenpolitit nicht garantiert.... Bekennen sich die Deutschnatio nalen zu den Grundlinien der bisherigen Bolitit, so liegt fein Grund vor, ihre Mitarbeit abzulehnen. Aber angefichts des Berhakens der deutschnationalen Bresse verstärkt sich immer Führung der Reichsgeschäfte zu überlassen. Dazu haben mehr die Auffassung, daß es ganz unmöglich ist, ihnen die sie auch nach der Kräfteverteilung im Reichstag tatsächlich feinen Anspruch, denn für ihre bisher vertretene Politik befizen fie im Bariament feine Mehrheit. Wir haben alles Intereffe daran, die Deutsch nationalen zu zwingen, Farbe zu bekennen und ihnen keinen Borwand zu einer billigen Agitationspolitik zu geben. Aber es besteht noch weniger Grund, den Deutschnationalen das Deutsche Reich auszuliefern und ihnen die Plattform zu einer Boliit zu schaffen, die mit einem offenen oder versteckten Staats Streich endet,
Die Auseinandersehungen haben eine außerordentliche Schärfe angenommen. Die Frage ist, ob die Mittelparteien die nötige Entschlossenheit und die nötige innere Einmütigkeit aufbringen werden, um diesen Kampf entfchloffen zu Ende zu führen. Sie wollen die Deutschnationalen zur Klarheit zwin gen die Deutschnationalen wollen die Regierung Marr zu Fall bringen, um die Führung der Reichsregierung zu gewinnen. Augenblicklich sind die Deutschnationalen in die Ver teidigung gedrängt sie fezen jedoch ihre Hoffnungen auf die nach rechts drängenden Politiker in den Mittelparteien. Die Auseinandersetzungen haben auf das innerpolitische
->
Die Frauen schminken fich noch etwas mehr als früher, was eine um fo merkwürdigere Geschmadsverwirrung ist, als ja die Bariferin im allgemeinen recht hübsch und frisch aussieht und auch sonst eines ästhetischen Inftinftes nicht entbehrt. Und trotzdem dieser unheimliche, unerklärliche Drang, die Natur zu übertrumpfen, die graziöfefte Lippe knallrot zu beschmieren, die weißeste Haut bis zur Bleichheit zu pudern! Man weiß in den meisten Fällen nicht, wen man vor sich hat: artige Haustochter oder Straßenmädchen, ehr würdige Familienmutter oder Rofotte.
Auch fällt die ungeheure Zahl der Orden auf: heute trägt jeder dritte Mann auf der Straße etwas im Knopfloch, die meisten das grüne Bändchen des Kriegsfreuzes, aber auch erstaunlich viele Menschen die Ehrenlegion. Einst sah man unwillkürlich beim Anblid des roten Bändchens auf. Heate ist durch die Flut der Berleihungen die Ehrenlegion, wenigstens in ihrer untersten Stufe, offenbar er heblich entwertet.
Und schließlich, als besonderes Wahrzeichen des verfloffenen Krieges: auffallend viel Amputierte, entweder ganz ohne Brothefe oder mit der einfachsten, rückständigsten Form des Gliederfazes. Diese große Zahl der Amputierten, die man meder in England noch in Deutschland findet, müßte eigentlich darauf schließen lassen, daß die chirurgische Kunst in Frankreich etwas zurückgeblieben ist, oder gar, daß man mit ben Opfern des Schlachtfelbes nicht so forgfältig umging wie anderswo. Und der Mangel an Prothesen läßt vermuten, daß dieser Industriezweig in Frankreich ungenügend ent midelt ift. Warum sollte Deutschland einen Teil feiner Reparationsschulden nicht in der Form von Lieferungen fünftlicher Glieber abtragen, zumal es auf diesem Gebiete, wie man z. B. auf der Münchener Ausstellung von 1923 wahrnehmen fonnte, offenbar viel leistungsfähiger ift? Wäre es nicht eine vernünftigere und ver föhnendere Art, den wirklichen Opfern des Krieges zu helfen als alles, was bisher auf dem Gebiete ber Wiedergutmachung ge. fordert und geleistet wurde? Bis auf diese traurigen Wahrzeichen erinnert eigentlich nichts in der Hauptstadt an die grauenhafte Bergangenheit von 1914-1918.( In Nordfrankreich ist es freilich anders, obwohl auch dort vieles wieder aufgebaut ist und die rote Zone" nicht mehr den entsetzlichen Anblid bietet wie in den Tagen, als wir nach Versailles fuhren.)
"
Ich habe versucht, alles das aufzuzählen, was einem an äußer. Tichen Beränderungen gegenüber 1914 auffält.
Aber die feelifchen Veränderungen des französischen Boltes feit 1914, vor allem Deutschland gegenüber, find ein viel weiteres Feld. Darüber zu sprechen, möchte ich jedoch nicht schon nach wenigen Tegen Pariser Aufenthaltes magen. Ich muß noch mit viel, viel mehr Leuten sprechen, mit allen und mit neuen Bekannten, mit politisch Tätigen und Geschulten sowie mit dem„ Mann auf der Straße" dann mag vielleicht ein zusammenfaffendes Urteil gestattet fein. Allerdings oberhalb des Striches...
Ist es richtig, daß damals die deutschnationalen Führer Herrn Stegerwald darauf hingewiesen haben, man fönne im Falle eines Widerstandes der Roalitionsparteien eventuell mit Gemalt nach einer anderen Verfion sollten die Deutschnationalen fogar gemeint haben: mit militärischer Gewalt- die Bildung des Bürgerblods in Preußen erzwingen?"
Je länger sich die Diskussion über das Regierungsproblem hinschleppt, um so gespannter wird die innerpolitische Situation. Darauf setzen die Deutschnationalen ihre Hoffnungen. Sie er warten, daß der rechte Flügel der Volkspartei in gespannter Situation die Mittelparteien noch mehr hemmen werde wie bisher. Sie fezen die Taktik der gewollten Unflarheit fort, werden die Mittelparteien aber die Konsequenzen aus dem Ergebnis ihres Gegenstoßes ziehen?
Eine neue Erklärung der Reichsregierung. WIB. verbreitet folgende neue Erklärung der Reichsa regierung:
Die Leitung der Deutschnationalen Boltspartei veröffentlicht eine neue Erwiderung auf die Darstellung über die Stellungnahma der Reichsregierung zu dem gestrigen Beschluß des Vorstandes der Deutschnationalen Volkspartei . Diese Erwiderung vermeidef ein Ein gehen auf die fachliche Zurückweisung des deutschnationalen Berlangens, verfucht indes, unsere Darstellung über die mit deutschnationalen Parteiführern stattgehabte Besprechung und unsere anderen Feststellungen als falsch und irreführend abzufun. Demgegenüber sei nochmals festgestellt, daß den Parteiführern Erzellenz Hergt, Graf We starp und Dr. Reichert vom Reichs. tangler und vom Reichsfinanzminister Luther ein gehend die Gründe dargelegt worden sind, welche die Reichsregierung zwingen, die Vorarbeiten für die zur Durchführung Aufschub durchzuführen. Die deutschnationalen Parteiführer haben der Sachverständigengutachten erforderlichen Gesehentwürfe ohne gegen die von dem großen Ernft der Lage beherrschten Ausführungen des Reichsfinanzministers feine fachlichen Einwendungen gemacht. Im übrigen sei zu der Erwiderung der Parteileitung festgestellt, daß es leider nicht richtig ist, daß über das deutsch nationale außenpolitische Programm durch das befannte Interview von Exzellenz Hergt und die weiteren Erörterungen klarheit geschaffen worden ist; vielmehr waren gerade die an diese Erklärung Hergts in der deutschnationalen Dreffe fich anknüpfenden Erörterungen durchaus widerspruchsvoll
Gegenerklärung der Deutschnationalen .
Die Parteileitung der Deutschnationalen veröffentlicht eine Gegenerklärung gegen die Erklärung der Reichsregierung. Diese Gegenerklärung fucht formelle unrichtigkeiten der Erflärung der Reichsregierung zu verbreiten, läßt aber nach wie vor volle Untlar heit über das außenpolitische Programm der Deutschnationalen . Der Schluß der Erklärung lautet:
Die Frage, wie die Partei denn zu den großen und wichtigen Einzelfragen der deutschen Außenpolitit stehe", ist an die Bartei von der Regierung oder von den dafür zuständigen Stellen, mie
Zur Gründung des Sozialdemokrat". Ein unveröffentlichter Brief an Engels. Nach längeren inneren Rämpfen hatte sich die Sozialdemokratie im Auguft 1879 zur Herausgabe eines eigenen Parteiorgans in der Schweiz entschieden. Engels und Marg lehnten zunächst ihre Mitarbeiterschaft ab, weil sie befürchteten, Karlberg, ber einem sehr effeffischen Sozialismus huldigte, würde einen überragenden Einfluß auf die Haltung des Organs gewinnen, ja, dieses ganz zu feinem Privateigentum machen. Um die Bedenken von Engels zu zerstreuen, schrieb Karl Höchberg , der große Opfer für die Bartei in diesen Tagen der schlimmsten Heze gebracht hatte, diesen Brief:
Berber Genoffe!
Wie mir mitgeteilt wird, haben Sie die Mitarbeiterschaft an dem neuen Blatt in Zürich zurückgezogen, weil es angeblich mein Privat eigentum fei" und eine gemäßigte Haltung einnehmen solle. C. Hirsch soll Ihnen das geschrieben haben. Eines ist so falsch wie das andere, und ich habe C. H., der jetzt in London ist, ersucht, seinen Irrtum zu redressieren. Das Blatt ist Eigentum der Partei und diese hat die Oberaufsicht über dasselbe, bie haltung soll eine ganz entschiedene fein, freilich ohne in die Revolutionsspielereien der Freiheit" und dergleichen zu verfallen.
Ich weiß nicht, wie so C. H. dazu tammt, folche Dinge nach London zu schreiben; daß er ärgerlich war, daß wir die Schreibweise ber Laterne nicht vollkommen billigten( in lebereinstimmung mit der ganzen deutschen Partei) begreift fich. Uebrigens hatte mir gerade Hirsch den Vorschlag gemacht, ein Blatt zu grünben, wobei ich dann wirklich der Eigentümer geworden wäre; bas war vor dem Erlöschen der„ Laterne", und ich ging damals nicht darauf ein, weil ich die Gründung eines solchen Unternehmens für Parteisache hielt, oder wenigstens verlangte, daß die Partei damit einverstanden sein müsse, mas damals nicht überall der Fall war. Das jezige neue Unternehmen ist gang aus der Initiative der Partei hervorgegangen, welche durch Delegierte uns( Schramm, Bernstein und mir) das Amt der Verwaltung Boften auszuschlagen nach Lage der Sache gar nicht anging. und Aufsichtskommission in redaktioneller Hinsicht anbot, welchen
Ich hätte in dieser Angelegenheit nicht geschrieben, wenn es fich um eine persönliche Verdächtigung gehandelt hätte, gegen die man fich ja nicht überall wehren fann; aber es handelt sich um weiter gehende Interessen, weshalb ich einige Zeilen für notwendig hielt. Auf Anfrage fönnen Sie übrigens von mir oder anderen, die um die Sache wissen, jedenfalls eine ausführlichere Darstellung des Sadper haltes bekommen, die ich schon deshalb mir für heute versagen muß, weil ich sehr angegriffen bin und mir möglichste Schonung zur Pflicht gemacht wird. Mit sozialdemokratischen Gruß ergebenst Karl Höchberg , Scheveningen beim Haag, Hotel Ealeries, d. 24. 8. 79, Die Probenummer des Sozialbemotrat" erschien am 28. September 1879 in Zürich . Der erste Redakteur des Blattes mar ber Genoffe Georg v. Bollmar. C. Hirsch und Hans Moſt ( Freiheit") waren zuerst mit sozialdemokratischen Blättern im Ausland herpor getreten. Die„ Laterne" Carl Hirschs erlosch aus Mangel an
Abonnenten sehr bald.
"