Nr. 338 41. Jahrgang
3. Beilage des Vorwärts in A
Wenn man fünf Minuten nachgeht.
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Eine schiefäugige alte Here hat mir einen Fluch in die Biege gelegt, ich verpasse stets die rechte Zeit, meine Lebens. uhr geht fünf Minuten nach. Das ist ehernes, unabänderliches Schicksal, Torheit, dagegen anfämpfen zu wollen. Die lächerliche Tragit folch fluchbeladenen Daseins wirst du kaum erfaffen, lieber Zeitgenosse, aber du kannst mich ja einfach für ein bißchen doof halten, ich bin Rummer gewöhnt,
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Binzigteiten, Laufigkeiten sind es, die mir ewig Knüppel zwischen die Beine werfen, ich fomme immer erst zum Tisch, wenn die Schüsseln leer sind. Ich habe meine Pläne mit Feldherrnumsicht vorbereitet, Maßnahmen mit Indianerfchiäue getroffen, es war alles für die Razz. Ich mimte absolute Burschtigkeit, um die Schick falsdämonokokken hinters Licht zu führen, fie fielen nicht darauf - zuletzt war ich doch der Lackierte. Wenn ich nur von Uhr zeiten höre, werde ich schon nervös, eine schlotternde Angst überfällt mich, wenn ich einen bestimmten Zeitpunkt innehalten muß.
rein,
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Lehthin bemühte ich mich drei Tage lang vergebens, den Ham burger Zug zu erreichen. Am dritten Tage es war der 1. Mai stand ich bei Tagesgrauen auf, und es gelang mir, eine volle Stunde vor Abfahrt auf dem Bahnsteig zu sein. Ich hatte das Bewußtsein, daß mir nun nichts mehr passieren fonnte. Ein beglückendes Gefühl! Erhobenen Hauptes fchritt ich auf dem Bahnsteig auf und ab, ich spürte, daß nun ein neuer Abschnitt meines Lebens begann, in 3ufunft würde ich es immer so machen, gelobte ich. Nach Verlauf einer halben Stunde hatten sich eine Menge Reisende auf dem Bahnsteig gesammelt, ein Zug schnaubte herein, die Leute drängten sich in die Wagen. Natürlich tamen die üblichen Nachzügler gerannt, Leute, die nie zur rechten Zeit tommen fönnen. Sie öffneten fämt liche Rupeetüren und wurden dann vom Schaffner im letzten Moment in das überfüllteste hineingequetscht. Es beluftigte mich höch lichst. Als abgepfiffen wurde, hekte in grotesten Sprüngen noch ein lichst. Als abgepfiffen wurde, hetzte in grotesten Sprüngen noch ein Herr die Treppen herunter. Er hatte alle Hände voll Koffer und Pakete und schrie fortwährend:" Johanna, tomm schnell!" Der Schaffner öffnete ihm ein Abteil, er stand einen Moment unschlüssig, schrie noch einmal in grausamer Gewiffensqual: Johanna, fomm schnell!" Dann setzte sich der Zug in Bewegung, und als Johanna herangefeucht fam, rollte feierlich der letzte Wagen an ihnen vorbei. Auf den Schienen lag zermatscht ein Patet, das ihm entfallen war. Die beiden schritten majestätisch, ein frampfhaftes Lächeln heuchelnd, von dannen. Dabei hätten sie am liebsten vor Wut einander vergiftet. Albernes Bolt, mir könnt Ihr nichts vormachen! Ich hatte noch eine halbe Stunde, es wurde allmählich langweilig, der Bahnsteig war leer, es gab nichts zu beobachten, hätte ich mir nur was zu lesen mitgenommen! Ich fragte einen uniformüberzogenen Mann, der allein noch anwesend war und mich mit unverholenem Interesse zu beobachten schien, wann der Zug 12 Uhr 05 nach Ham burg einlaufe. 12 Uhr 05 Hamburg ?"„ Der ist doch vorhin abgefahren, der fährt seit heute eine halbe Stunde früher!" Ich versuchte es, wieder zu lächeln, bekam aber einen Bachkrampf und mußte einige Stunden in der Zwangsjade zubringen.
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Etwa eine Fahrt mit der Eisenbahn. Das geht allemal schief! Wenn man erst mal drin sitt, läßt sie sich ja auch Zeit; ein paar Stunden Verspätung spielen da gar keine Rolle. Aber wehe, wenn du mitwillst, da ist sie pünktlich bis zur Rückfichtslosigkeit. Da hat man nun Berge von Hindernissen überwunden, hat sich in der halben Stunde, während man vorm Schalter Kette steht, von Leuten, die sich vormogeln wollten, die wuchtigsten Grobheiten sagen lassen. Man fiebert, die Uhr drängt mit schauerlicher Stetigkeit der Abfahrtsminute zu. Endlich hat man seine Karte, Berzweiflung im Herzen, stürzt man zur Sperre und läßt dabei das Wechselgeld im Stich. Der Mann mit der Knipszange steht unbe wegt, dreht und betrachtet die Fahrkarte mit einer Ausgiebigkeit, als hätte er nie so ein Ding gesehen, wobei du vor Aufregung von einem Bein auf das andere hüpfft. Man erreicht den Bahnsteig, als es gerade pfeift und der Zug anzieht. Unter rüdsichtslojem Einfat feiner letzten Kräfte bricht man sich Bahn durch die herum- Man sollte es taum für möglich halten, was für einen gewaltigen lungernden Gaffer, rennt ein paar über den Haufen, prallt gegen Apparat die finsteren Mächte in Bewegung setzen, wenn es gilt, einen monumentalen Kofferträger, infolgedessen man mit allem Bu- mich reinzulegen. Da fize ich ganz arglos auf meiner Bude, blase behör einen Salto über einen Gepäcwogen vollführt. Hezt deffen- friedlich die Schalmei und bin in hochgradiger Weltumarmungsstim Te- le- phon, trrrr! Lissy, das liebe Mädchen! Also ungeachtet neben dem schneller werdenden letzten Wagen her, stülpt mung. um 8 Uhr beim Potsdamer Plaz! Ja, bestimmt, diesmal ganz den Mann mit Bier gefällig?" in einen vertrauensselig in seinem O Kielwasser treibenden Rindermagen, bis einem zuletzt die Puste und pünktlich!- Gott, o Gott, schwach wird mir und elend, ich einem die Erkenntnis aufdämmert, daß für diesmal die Lokomotive fehe schon, das gibt wieder eine Pleite. Also schleimigft anziehen das Rennen macht. Natürlich haben alle Leute das Schauspiel beund denn los! Argwöhnisch beobachte ich, daß wider die Regel alles obachtet und die neugierig- schadenfrohen Blicke zeugen von dem er. flar geht, der Kragen läßt sich willig anheften, die Manschettenknöpfe schredenden Tiefstand unserer Kultur. Benn man auch vor But finden sich nach kurzem, nedischen Versteckspiel in einem abgelegten Weise hinter das Bett gelangt ist. Stiefelpuzen! Das
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zerplazen möchte, so ist es in diesem Falle besser, es nicht zu zeigen. Oberhemd, das au mache ich als alter Soldat über dem Fuß. Aha!
Man jeße eine oftentatio heitere Miene auf und gebe sich den Anfchein, als habe man einen lieben Freund zur Bahn gebracht und fei ein Stück mit dem Zuge gelaufen. Dann ärgern sich die anderen. Ich mache es immer fo.
Es ist mir, trotz ehrlichen Ringens, nur felten gelungen, einen dann habe Bug zu erreichen. Stets tommt etwas dazwischen, ich die am Tage vorher besorgte Fahrkarte im anderen Rod steden, die Straßenbahn ist stillgelegt, die Best ist ausgebrochen oder die Spartatiften haben den Bahnhof in die Luft gesprengt; die gröbsten, Fitschigsten Mittel müssen herbei, um mich zu verhindern.
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Die
Die Blechschachtel mit der Schuhcreme geht nicht auf. In feiner Weise! Wichsschachteln lassen sich nie öffnen, sie sind eigens so fonftruiert. Ich drehe, zerre, flopfe nig zu machen! Nur ruhig! Ruhig! Also nodymal mit Anlauf! Scheibe! Wütend knalle ich das Biest auf den Boden. Hah! meine große Behe iſt platt, Schadytel frumm, aber auf geht fie nicht. Ein Pferd für einen noch 20 Minuten. dreipfündigen Fluch! Götter, steht mir bei, Neuer Versuch, fie tommt, fie tommt. Bfubb!" geht der Deckel auf und ich fiße mit fünf Fingern in der auf allen Ausstel
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Sonntag, 20. Juli 1924
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Krach,
lungen prämiierten schwarzen Schmiere. Karacho! Hihig stürze ich zum Waschtisch, reiße das Kabel mit der Stehlampe um, Bisch, stickenduster. Kurzschluß!
So, nun gute Nacht! Jezt bin ich glücklich ganz aufgeschmissen. Als erfahrener Mann habe ich eine Kerze irgendwo. Betonung liegt auf wo, mit drei Fragezeichen. Ich könnte einen Eid ablegen, daß ich nur eine einzige Wichsschachtel befize. Es sind jetzt plöglich ein die Schachtel hinhält, wohin ich faffe, ich greife nur in Wichse. Dugend. Es ist überhaupt jemand im Zimmer, der mir andauernd Nach einem unerwarteten Zusammenstoß mit dem Schreibtisch, wobei ich den fürzeren ziehe, einer Begegnung mit der Benus von Milo, die zu meinen Gunsten ausfällt, weil mein Schädel nicht aus davon, das ist Allgemeingut, banal! Wie die Kerze brennt, gibt das Gips ist, gelingt es mir, Licht zu machen. Feuerzeug! Nein, still Elektrische seine passive Resistenz auf und bestrahlt mit mildem Schein die Greuel der Verwüstung. Ich sinte erschöpft in einen Stuhl, fahre entsetzt wieder hoch, ich hatte etwas hartes gespürt. Es war natürlich wieder die verfluchte Wichsschachtel, leider noch geöffnet, Butterseite nach oben. Na, ganz egal, versuchen wir nochmals das Butterseite nach oben. Na, ganz egal, versuchen wir nochmals das Rennen zu gewinnen,
Der Sturm der Dämonen hat sich anscheinend gelegt, es geht alles gut. 5 Minuten vor 7 stürze ich los. Auf der halbduntien Treppe erschvidt mich ein Warnungsruf, beinahe hätte ich die emfige Scheuerfrau mitsamt ihren beiden Eimern überfahren. Glücklich umschiffte ich diese gefahrvolle Klippe. Es gibt gemütsrohe Leute, die sich auf der dritten Etage eine falbsgroße Dogge halten und sie den ganzen Tag einsperren. Wenn dann so ein armes Viech, ges quält von einem dunklen Drange, in höchster Not ins Freie stürzt, die drei Etagen in drei Sägen nimmt, so erwächst dadurch eine eminente Gefahr für friedliche Leute, die ebenfalls die Treppe bes nuzen. Ich stelle diese Erwägung erst nachträglich an, damals folgten sich die Ereignisse zu schnell. Oben flinkte die Etagentür gerade in dem Augenblid, als ich Frau Wurzelbürste mit ihren Cimern ausbog. Ein Schnauben, Bellen raste die Treppe herunter. Das gellende Gekreisch ging unter in dem Donnergepolter und Klappern der Eimer. Hundegeheul, Wafferrauschen, eine brüllende Lawine stürzt über mich herein, ich werde mitgeriffen, gebissen, erfäuft, plattgewalzt, begraben.
Als ich mich aus der Umarmung der Scheueraltsche befreit hatte, war ich nicht mehr rendezvousfähig. Ich froch zähneklappernd auf meine Bude, hängte mich zum Trocknen auf und pflegte meine
Wunden.
Am Potsdamer Play mag ich gar nicht vorbeigehen! Vielleicht steht Lissy noch dort??? Sie ist immer so püntilich.
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