immer wieder, und wird es bei den kommenden parlamentari- fchen Kämpfen doppelt spüren, daß es immer schwieriger wird. die gemeinsame Weltanschauung cls den großen Parteikitt zu bewahren. Das materielle Jnteresseder sozialen Zusammengehörigkeit dröhnt gegen die alten For- nieln der Solidarität der Klassen, und der eben ausgefochtene Kampf Imbufch-Stegerwald ist nur ein Merkmal dafür, daß das ideologische Gewand mit immer größerer Mühe den offenen Ausbruch sozialer und entsprechender staatspoli- tischer Gegensätze im Zentrum verhindert. In Hannover haben die um Wirth und Joos den größten Widerhall gefunden, und stürmisch hat man auch den alten Fehrenbach begrüßt. Solange der Katholizismus mit dem Zentrum die in den vergangenen Jahren innegehaltene Linie hält, wird sich der Hauptkampf der Sozialdemokratie nicht gegen sie richten, mögen daneben auch soziale und weltanschaulich- schulpolitische Auseinandersetzungen unvermeidlich, sein. Gerade im katholischen Westen hat der Kampf der Sozialdemokratie gegen das Zentrum bei der Wahlschlacht des Mai eine solch untergeordnete Rolle gespielt wie nie zuvor. Die gemein- sam getragene politische Verantwortung ver- pflichtete und dämpfte, und sie hat auch den Katholikentag in Hannover beeinflußt. Nun aber steht Hannibal vor den Toren: der Kampf um die Lastenverteilung. Hier wird sich erweisen, ob die neuen staatspolitischen Bekenntnisse des Katholizismus auch dort Taten zeugen, wo das Zentrum sterblich ist: in der Wirtschafts- und Steuerpolitik. » Die Reichsparteileitung der Deutschen Zentrumspartei ver- öffentlicht folgend« Erklärung: „Der„Lokal-Anzeiger" bringt in seiner Morgenausgabe vom 6. September eine Nachricht über lebhaft« Auseinandersetzungen in der letzten Sitzung des Reichsparteivorstandes in Hannooer und auch auf dem Katholikentag. Der Inhalt dieser Auseinandersetzung soll im Bemühen des linken Flügels der Partei unter Führung des Ab- geordneten Dr. Wirth bestanden haben, dem Abg. Steger» wald den Austritt aus der Partei nahezulegen. Zu dieser Nachricht muß folgendes festgestellt werden: Die Sitzung des Partei- Vorstandes ergab ein« völlig einmütig« Beurteilung der polltischen Lage. Gerade Abg. Stegerwald ist es gewesen, der die eindeutige Entschließung des Parteivorstandes�er Sitzung formuliert vorgelegt hat. Die Katholikentag« sind eine rein religiös« veran- staltung. Direkt« politische Erörterungen sind deshalb auch in diesem Jahre nicht Gegenstand der Beratung des Katholikentages in Hannover gewesen."
deutschnationales. Hergt und die Spekulation.— Bazille als Paulus. Am 25. August hat Herr Hergt im Reichstag die Ab- lehnung der Dawes-Gesetzc für seine Fraktion verkündet und ausgerufen:„Ich möchte beinahe sagen: hier stehe ich, ich kann nicht anders!" Es war sehr bainahe, schon am anderen Tagkonnteerauchanders. Die„Hilfe" teilt mit: Derselbe Hergt, der bis zur letzten Minute den Entschluß seiner Fraktion geheim zuhalten wußte, hatte schon drei Tag« vorher einem in Berlin weilenden amerikanischen Bankier erklärt, die Annahme der Gesetz« sei gesichert." Der Handelsmann Hergt hat die Finanz wahrheits- getreu genau unterrichtet, die deutsche Oeffentlichkeit aber ange- logen, indem er wider besseres Wissen Ueberzeugung spielte. Die Annahme der Gesetze sei„g e s i ch e r t", hat er gesagt, nicht etwa„leider zu erwarten". Es hat ihm also etwas daran gelegen. Im Herzen war er auch Jasager. Herr Bazille, ein offener Jasager, gesteht indeffen den Zusammenbruch der unentwegten deutschnationalen Ideologie ein. Bei einer Gedächtnisrede im Schwarzwald sagte er: „Der Krieg hat Deutschlands Entwicklung zerrissen. Jetzt zum ersten Male noch zehn Iahren zeigt sich durch Annahme des Londoner Abkommens die Möglichkeit zu einer Wendung. Ich habe noch nie in meinem politischen Leben Tage
von solcher Spannung und solcher Erschütterung erlebt. Das Gefühl der nationalen Ehr« mußte überwunden werden, das GefM des Festungslommandanten, der lieber sterben als seine Festung übergeben will. Aber der Staatsmann hat«in« andere Aufgabe als der Offizier. Jetzt scheint sich der Anfang der Berständigung zwischen den Völkern mizubohnen. Uns beseelt«in« leise Ahnung, daß die entwürdigend« Sklaverei dereinst weichen werde." Weichen werde durch die Politik der Demokratie, durch die Ideen des Rechts und der Verständigung, durch die Er- füllungspolitik! Aber deshalb wollen die Deutschnationalen in die Regierung, um diese Politik zu sabotieren.
Die �bschlußrevision. Kontrollbeginu in den Fabriken und bei der Polizei. Die Reichsregierung hat bekanntlich für Montag, den 8. Sep- ttmber den Beginn der Abschlußrevifion der Interalliierten Militärkontrollkommission angekündigt. Wie eine Berliner Korrespondenz erfährt, werden die Besuche der über das ganze Reich verstreuten Unterkommission von Ententeoffizieren zunächst den stüher für Heereszwecke arbeitenden Fabriken und Werten sowie ferner den Formationen der Schutzpolizei in einer Reihe größerer Städte gelten. Bei der Kontrolle der Polizei wird es sich um die Feststellung handeln, ob die Organisation der Schutzpolizei den bekannten For- derungen der Botschasterkogserenz entspricht. Die meisten Unter- kommissionen der Interalliierten Kontrollkommission haben ihr Kommen an den verschiedenen Stellen ihrer Kontrolltätigkeit bereits angekündigt, damit die nötigen Vorbereitungen für einen reibungs- losen Verlauf der Revision getroffen werden können. Di« Besuche der Kontrollkommissionen bei den verschiedenen Truppenteilen und Einrichtungen der Reichswehr dürsten errst zu einem späteren Termin erfolgen, da im Augenblick eine Kon- trolle an den oerschiedenen Reichswehrstandorten wegen der Ab- Wesenheit»der Truppen anläßlich der Herbstmanöver unmöglich ist. Di« Vertreter der Kontrollkommission werden bei ihren Besuchen wie gewöhnlich von deutschen Verbindungsoffizieren der Heeres- stiedenskommission begleitet werden.
völkisther Settel. Aus Hannover wird uns geschrieben: In den bürgerlichen Tageszeitungen Hannovers werden im An- zeigenteil Arbeitslose gesucht, nm von Haus zu Haus, von Geschäft zu Geschäft und von Ort zu Ort als völkisch« Werber zu fungieren. Ihre Hauptaufgabe soll darin bestehen, Unterschriften für«inen„Volksentscheid" zu sammeln. Es existiert nämlich ein „Deutscher Volksbund Schwarz-Weiß-Roi E. B. ", der mit allen Mitteln die Wiedereinführung der Farben der abgehalfterten Monarchie erstrebt. Die Unterzeichnungslisten hat dieser famose Bund auch gleich mit einer Rubrik sür Spenden versehen. Er hat nämlich Geld nötig, und das dringend. Damit sich die genügende Anzahl charakterloser Leute unter den Erwerbslosen findet, wird ihnen ein Köder vorgeworfen, auf den vielleicht eine ganz« Anzahl anbeißen: Tie Werber bekommen ninnlich von den gesammelten Spenden 26 Proz.! Aber nicht allein das. Neben dieser Hauptbeschäftigung sollen sie noch ihre Werbekrast für das Organ des Valksbundes, für die„Deutsche Front", dos Blatt der vaftr- ländischen Bewegung, entfalten. Für jeden Abonnenten erholten sie 10 Proz. und für jede geworbene Annonce 20 Proz. besten, was der Abonnent oder der Geschäftsmann zu zahlen hat. Dieses in Hamburg erscheinende Machwerk entpuppt sich be! näherem Zusehen als eines der übelsten völkischen Hetzorgan«. Zu- gleich gibt es aber auch Auffchluß über dos. was der schwarzweiß- rote Bund noch alles erreichen will. Sobald ihm der erste Pro- grommpunkt(Wiedereinführung der Monarchistensahn«) gelungen ist, hat er noch«in« Anzahl anderer Sachen vor. Als erstes„Wehr- hasimachung des Bolkes. Einführung des Arbeitsdienst. ja h res für all« Jugendlichen von 18—22 Iahren." Wer bis jetzt noch nicht gewußt hat, was die Verfechter der Arbeitsdienstpflicht, für die nebenbei bemerkt auch Unterschriften zur Herbeiführung eines Bolksentscheides geschnorrt werden, damit erreichen wollen,
Der Unorganisierte. Bon Johannes Berthold. „Bor Monaten büßte ich meine Stellung in einem großen Bant- Haus« ein," erzählt« mir mein Freund.„Mit der Stabilisierung der Mark waren über Nacht hundert« Hände überflüssig geworden. Aber es war auffallend, daß besonders wir freigewerkschastlich orga- nisierten Beamten zuerst zur Entlastung kamen. Doch unser Der- band sicherte fast für jeden Angestellten«in« Abfindungssumme durch den Spruch des Kaufmannsgerichts. Trotzdem verließen wir mit Erbitterung unsere Arbeitsstätte, die, neben anderen Kräften, noch einer unendlichen Schar unorganisierter Kollegen Brot und Arbeit verhieß. In dieser Situation sah ich nach einiger Zeit un- erwartet ein« Gestalt auf der Straße auf mich zukommen und mich besäßen: „Guten Tag. Herr Friedrich!" Ich blick« auf. „Herr..." will ich sogen. „Krüger.. Krüger. hilft mir der Grüßende, den entfallenen Namen doppelt geschwind ins Gedächtnis rufend, nach. Herr Krüger—! Ich blickt« sprachlos. Das war einer der Kollegen, die unseren Verband wie jeden Gedanken einer Organi- sation weit von sich wiesen! Ob seines Dünkels hati« er mich wie die anderen seinesgleichen während meiner zweijährigen Tätigkeit in der Dank niemals beachtet, niemals gegrüßt, niemals gekannt. Mir war das im Grunde gleich. Nur daß für ihn die gesetzliche Arbeitszeit überhaupt keine Geltung haben sollte--! Da mußt« er oft, trotz seiner wütenden Blicke, mein« Meinung hören. Aber alle Worte glitten an ihm ab. Ihm war selbst die tarifliche Geholtsregelung verhaßt, wie er einmal sagte. Er wollte durchaus etwas„Besseres" sein..! Und nun—? Meinem verblüfften Gesicht kam der Kollege Herr Krüger über- roschend entgegen: „Wie geht- Ihnen, Herr Friedrich..? Haben Sie wieder Stellung..? „Nein— noch nicht." anwortete ich. „Ja, es ist heute schwer, wirklich schwer..." „Allerdings!" sog« ich darauf nachdrücklich und mit verhaltenem Grimm. Aber es stört ihn nicht. Er spricht mitteilsam weiter: „Man hat mich auch vor vierzehn Tagen abgebaut..." „Sie—?" Ich frag« so ungläubig zurück, daß er in diesem«inen Wort sein widerliches Verhalten während der ganzen Jahre spüren muß. Und er antwortet hastig: „Ja, mich.— Mich hat man entlasten... Und ohne Ab- fiodungssmnme..
„Nanu— 1" Bei diesem Ausruf stockt der Kollege, Herr Zkrüger, etwas ver- legen. Ich weiß nicht, ob fein Zugehörigkeitsgefühl zu denen, die er immer verleugnete, doch im Augenblick in ihm brennt. Denn etwas gedrückt sagt er: „Aber Sie wissen doch, ich war ja nicht organisiert— Natürlich wußte ich es. Und nun sah ich ihn-- k ohne gewerkschaftliche Hilf«, ohne einen Rechtsvertreter. Hilflos— noch in der unbewußten Haltung seines jahrelang gehegten Dünkels. Und der hatte mich mißachtet..!" Mein Freund schwieg. Di« Erinnerung hotte ihn im Erzählen erregt. Der Unorganisierte erhob sich sichtbar vor unseren Augen au» dem Heer der Schaffenden. „Aber wir»erden auch diesen Menfchentyp gewmnen," fügte mein Freund hinzu.
Silütelegraphie über mehr als 1000 Kilometer. Di« telegraphische U ober tragung von Photographien und graphischen Darstellungen oller Art, die dem deutschen Erfinder Prof. Arthur Korn gelungen ist, findet augenscheinlich in den Per- einigten Staaten mehr Begeisterung und praktische Ausführung als bei uns. In der„Umschau" wird daraus hingewiesen, daß es ge- lungen fft, Bilder von Cleveland in Ohio nach New Park zu übertrogen, auf einer mehr als 1000 Kilometer weiten Drahtleitung. Die eigentliche Uebertragung geschah in 4 Minuten 3« Äkunden. /44 Minuten nach der Ausnahme in Cleoeland war«ine Straßen- szene bereits in New Park wiedergegeben. Die Methode, die dabei angewendet wurde, ist in ganz ähnlicher Weif« vor Jahren von Prof. Korn ausgearbeitet worden, bei uns aber nicht zur Ein- fübrung gelangt. Das Prinzip der Uebertragung beruht darauf, daß das zu übertragende Bild auf eine durchsichtige Walz« aufgelegt wird. Ein von einem Beleuchtungssystem ausgehender Lichtstrahl fällt durch den Zylinder hindurch auf ein« im Innern befindliche phatographische Zelle. Die Walze führt außer der Drehung um ihre Achs« auch eine fortschreitende Bewegung aus, so daß der Licht- strahl jeden Punkt des Bildes einmal passieren muß. Je nachdem die betreffende Stelle des Bildes hell oder dunkel ist, fällt mehr oder wesiger Licht auf die Zell «, die einen der Helligkeit entsprechen- den Strom nach der Empfangsstation sendet. Dort wird durch den Strom ein Elektromagnet betätigt, der der Stärk« des Stromes entsprechend eine Blende mehr oder weniger öffnet. Durch die Blende fällt ein feiner Lichtstrahl auf einen Film aus einer Walze, die in ihrer Größe, Anordnung und Bewegung genau der in der Sendestation entspricht. Der vollständige Gleichlauf der beiden Walzen wird durch bestimmte Borrichtungen erreicht. Durch die Größe der Oeffnung der Blende wird die Stärke der Belichtung geregelt, so daß jeder Punkt des Aufnahmefilms enrsprechend der Schwärzung des Bildes in der Sendestation belichtet wird. Das übertragene Bild bestcht danach aus einer Reihe feiner Striche, die da, wo kein Licht auf den Film fiel, ausfallen und an den anderen
dem wird das nun ja wohl klar werden. Selbstverständlich erstrebt der Bund die Aufhebung der Weimarer Berfassung, Rückkehr zu Bismarckschen Grundsätzen, rücksichtslosen Kampf gegen Marxismus , Pazifismus und(selbstverständlich) Juden. Was nicht ausschließt, daß man nach Angabe des Generäl- werbers, Herrn Lange, Semmernstr. 11, auch bei jüdischen Geschäftsleuten Unterschriften und Spenden sam- meln kann! Das jüdische Geld können auch Arier ganz gut ge- brauchen. Den Juden, denen man die Taschen erleichtern will, auch die Zeitung zu zeigen, hält dieser biedere Wotansjünger allerdings nicht für geboten. Um Dumme anzulocken, enthält das Programm noch einen ganz besonderen Speckhappen:„Einen grßzügigen Ausbau der Alters-, Invaliditäts- und Krankenkastenversvrgung und der Fürsorge für unser« Kriegsopfer." Ach nee! Welch edelmütige Raffe, diese Arier. Daß sie die Kriegsopfer endlich als die ihrigen erkennen, ist sehr nett: das hindert sie aber nicht, neue Kriegsopfer heraufzu- beschwören. Keiner Partei wollen sie dienen. Beweis dafür sind folgende Ehrenmitglieder: Otto Fürst v. Bismarck (M. d. R.), Artur Dinier(M. d. R.), Freiherr v. Freitagh-Loringhoven<M. d. R.), Max Maurenbrecher , Iustizrat Claß, Oberfinanzrat Bang. o. Lettow-Borbeck, Graf Westarp (M. d. R.). Schon dies« kleine Auslese von den„Auserlesenen" genügt. Dieser aus„reinstem" Idealismus entstanden«, aus Idealismus arbeitende und auf den Idealismus spekulierend« Bund hat nach den Bekundungen des Herrn Lange schon verschiedene nördliche Ee- biet«(Hamburg , Schleswig-Holstein , Mecklenburg ) abgegrast: Siadt und Provinz Hannover sind jetzt ebenfalls zum größten Teil mit einem Netz von Werbern überzogen, die nun auf die Dörfer gehen, um für völkische Ideale zu schachern. Höchstwahrscheinlich ist man jetzt schon dabei, auch in anderen Teilen des Reiches derartige vaterländische„Geschäftsstellen«inzurichten- Mögen alle Republi- kaner dafür sorgen, daß den bezahlten Elemente� die sich in den Dienst solcher Sache stellen, überall«in ganz energisches„Betteln und Hausieren verboten" entgegemönt! von Hnaüen der völkischen. Bertagung des Thüringischen Landtags. Weimar , 6. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Regierung Leutheusser ist noch einmal gerettet worden. Am Schluß der Abend- sitzung des Landtages wurde ein Mißtrauensvotum gegen die Bürger- blockregierung mit 36 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Für das Miß- trauensvotum stimmten Sozialdemokraten, Demotraten und Koni- munisten. Die Demokraten haben mit dem Dürgerblock gebrochen. Herr Leutheusser amtiert nun noch durch die Gnade der Völkischen . Der Landtag ist auf unbestimmt« Zeit vertagt, aber der Kampf gegen die Regierung des Rechtsblocks, der Uebergriff«, der Unordnung und der Versastungsfeinde geht weiter.
Parlamentsbeginn in Sapern. Die Amtsenthebung Seisiers aufgehoben? München . 6. September. (TU.) Der bayerische Landtag wird vermutlich Anfang Oktober wenigstens in den Kommissionen seine Arbeit wieder aufnehmen. Wie der Landesdienst der Telegraphen-Umon erfährt, Hot sich der bayerische Ministerrat gestern auch mit dem Fall S« i ß c r neuerdings beschäftigt. Ueber die Entschlüsse kann ncch nichts be- kannt gegeben werden. Nach einer Mitteilung der„Allgemeinen Zeitung " dürste die Angelegenheit in der Weis « ihre Regelung finden, daß der Beschluß des Ministeriums Zknilling, durch den Seißsr seines Amtes enthoben worden ist, infolge der Entscheidung des Staatsgerichtshofes aufgehoben wird und daß Seißer zum mindesten in den Genuß seines vollen Gehaltes bis zum Ablauf feines Dienstoertrages kommt. Ob Seißer sich damit zufrieden geben wird. sei ein« andere Frage.
ver Abgeordnekenmord in Estland . Im Lause der Unter- suchung wegen der Ermordung des sozialistischen Abg. Ran ilf on wurden bisher 7 Personen, darunter 2 Kommunisten. verhaftet.
Stellen je nach der Stärke der Belichtung mehr oder weniger dick sind. Es ist gleichgültig, ob die Uebertragung durch Drahtleitung oder auf drahtlosem Weg« geschieht. Nach dem heutigen Stande der Tech- nik ist die Uebertragung aus Kabeln der sicherste Weg: aber auch Versuch« der Uebertragung aus drahtlosem Weg sind in den Ber - einigten Staaten bereits durchgeführt. Die Bildtelegraphi« stellt eine vielversprechende Bereicherung des Pressedienstes dar. Man kann aber auch Unterschriften, Photographien verfolgter Verbrecher, Identitätsnachweise, ja sogar ganze Zeitungstexte auf diesem Wege übermitteln.
Trianon-Thealer:„Sie". Wer könnte auf der Bühne, die den echtesten Rottergeist atmet,„Sie" anders fein als Erika G l ä ß n e r, die hervorragende Bettkünstlerin und unübertroffene Kokottendar- stellerin? Es ist ganz gleichgültig, w a s sie spielt: sie ist immer die- selbe: schmissig, rassig, routiniert, keß bis»r und über die Grenze des Erlaubten, die heute ja sehr weit geht. Immerhin braucht man zu ihren Qualitäten, die besonders im Dekollete erglänzen, so etwas wie ein Stück. Das letzte hieß Listy, dem die Rotter ihrer Rolle(und dem Geschäft) zuliebe den Untertitel: die Kokotte gaben. Diesmal wählte man Georg R« i ck e s aus dem Komödienhaus her bekannte Komödie:„Sie". Ein Sittenstück mit guten Einzelbeobachtungen und Anläufer zu einer sozialkritischen Einstellung. Sie ist die hübsche, gerissene Tochter eines Berliner Droschkenkutschers, die hinauf will, kost« es, was es wolle. Ihre Klugheit, ihre Schönheit, ihre Reize setzt sie in das Spiel um die gute Partie. Aber sie macht elend Fiasko. Das erstemal, als st« kurz vor der Derlobung mit dem gc- köderten reichen Glatzeninhaber die Wahrheit ihrer Herkunft gesteht. (Sie hat als Schwindclkiinstlcrin sich natürlich ein ganz anderes Air gegeben.) Der zweite Fall ist noch tiefer: der Baron entpuppt sich als Hochstapler. Den strebsamen Oberkellner aber weist sie hoch- näsiq ab, um Rettung bei dem Iu�rndfrcunde, einem schwärmerischen Diolinisten, zu finden.(Dies ist die schwächste Stelle des Stücks.) „Sie" lebt von den Launen, den Berfuhrungskünsten, die im erstcn Akt zweifellos weit über die Absichten des Dichters hinaus getriebc>r werden, dm Frechheiten der Gläßner. Trotzdem die Mitglieder Rudolf Celtinger, Erich Kaiser-Titz (Baron), Georg Wieczorek(der Droschkenkutscher) ihr Bestes tun.— r. Erslaussuhrungen der Woche. Dienst. Deutsche » Th. :, G n m u r u n— IMtbv. Schloßpart-Th. :»DerPrinz vonHomburg'.— Vovverst. Dramat. Th. :„Komödie um Rosa".— Residenz-Th. :„Die vier Schlaumeier— Arelb Oper am Königsplatz:„Leier- xasten',, Tasso', Kammertänze. Uraalavorlräge. Thealer. Sonnt. 5. 7, Moni. 5, 7, 9:„Colum- du» film', sonnt. 7, 9. Dientt. bis Freit. 5, 7, 9. Sonnab 4: „Razapate'. Sonnab. S>/,. 9:„Alt.Berlin. II.'—«lelner Saal. Sonnt. S, Sonnab.«>/,:„Bot, der Zugspitze zum Watzmann ". Moni.«, Donn. 8:„Im Kamps mit den Bergen'. Tägl. S oder 8:. D a s Werden des Menschen" DienSt., Mittw.. Freit. 6 oder 8:„Wunder de» Schneeschuh»"� Zm Deutsche« Opernhaus findet am Sonntag eine V o r st e I l u n g zu volk«tümlichcn Preisen statt. Zur Aussührung gelangt „Die Fledermaus ", mit Mets Sememeyer als Rosalindc. Beginn der Vorstellung 7'/, Uhr.