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die seltsame Erscheinung finden, daß eine Partei in jedem Wahlkreise zu einem Mandat kommt. Diese Glücklichen sind hier die Deutschnationalen. Bon Annäherung an den Einer Preis ist aber durchaus in Brandenburg feine Rede. Nur zwei Einertreise sind vorhanden, dagegen vier Zweier- und ein Dreierfreis.

Völlig unhaltbar ist die mandatshäufung in einzelnen fleinen Kreisen. Von den 23 Ber­ liner Mandaten würden. am 4. Mai nicht weniger als neun auf Berlin III und IV entfallen sein, bei 923 000 Einwohnern, während die verbleibenden acht Berliner Kreise mit 2 870 000 Einwohnern nur 14 Sige erhalten hätten. In Niedersachsen mit 12 Wahlkreifen ergibt sich ein ähnliches Bild; dort ent­mit 12 Wahlkreisen ergibt sich ein ähnliches Bild; dort ent­fallen 12 von 25 Mandaten auf die drei Kreise Hannover : Stadt, Land Bremen und Land Braunschweig . Wozu braucht man denn Riesenwahlkreise zu zerschlagen, wenn in der Praris nichts anderes herauskommt als eine Mandatsüber­fütterung einzelner Kreise, unter der das Gros der Wahl­freise leiden, einige fogar völlig vertretungslos bleiben müssen. Gegen letzteres lebel gibt es zwar die in der Regierungs­vorlage ausdrücklich zugelassenen Doppelkandidatu ren, die indessen auch nur verlockend scheinen, aber feines­wegs begrüßenswert sind. Gewiß fönnten zum Beispiel unsere Anhänger in Berlin I und II an erster Stelle einen gemeinsamen Kandidaten nominieren, der als gemeinsamer Abgeordneter beider Kreise sicher gewählt werden würde. Da dadurch aber eine Kandidatur entsteht, die von vornherein allen sozialdemokratischen Mitbewerbern um 25 000 Stimmen voraus ist, verschlechtern sich damit die Aussichten gar manches Einzelfandidaten, und es entsteht der Anreiz zur Schaffung weiterer Doppelkandidaturen, die dann alle natürlichen Mehr heitsverhältnisse auf den Kopf stellen. Draußen im Lande aber, wo ein Doppelmandatar Wahlkreise, die 15 bis 16. Stadt aber, wo ein Doppelmandatar Wahlkreise, die 15 bis 16. Stadt­und Landkreise umfassen, zu beacfern hat, schlagen Doppel­mandate dem so hochgepriesenen angeblichen Erfolg der Re­formvorlage, den Abgeordneten wieder in enge Fühlung mit feinen Wählern" zu bringen, direkt ins Gesicht.

Wir fönnen uns nicht vorstellen, daß es auch nur eine einzige Partei gibt, die an den Ergebnissen des Systems der einzige Partei gibt, die an den Ergebnissen des Systems der fleineren Wahlkreise Freude haben könnte. Schließlich dürfen die auf dem Boden des Frauenstimmrechts stehenden Parteien auch nicht vergessen, daß das geplante System unter allen Umständen zu einer weiteren hinausdrän= gung der Frauen aus den Parlamenten führen muß, zu denen sie sich kaum Zugang verschafft haben. Schon sind die Frauen im gegenwärtigen Reichstag auf 26, gegen 36 im vorigen, reduziert worden. Die fleinen Wahlkreise, in denen die Frau naturgemäß in Mandatenkonkurrenz des Mannes viel eher erliegt als im Großwahlkreise, werden die Zahl der Abgeordnetinnen um mindestens ein weiteres Dutzend zurückschreiben. Angesichts aller dieser teils schweren Mängel der Reformvorlage kommen wir zu dem Ergebnis, daß sie über das von dem Verhältniswahlsystem, an dem unter feinen Umständen gerüttelt werden darf, gegebene Ziel der Wahl­freisverkleinerung weit hinausschießt.

Wer macht Krise?

Eine Mahnung zur Wahrhaftigkeit. während die volksparteiliche Zeit" langsam von den Deutschnationalen abrückt und die Gültigkeit des Berliner Baktes bestreitet, schreibt die gleichfalls volksparteilich- offiziofe " Nationalliberale Korrespondenz" noch ganz im Stil der deutschnationalen Bresse das folgende:

Die Sozialdemokratie fehnt sich nach Neuwahlen. Sie hatte bestimmt auf eine Auflösung des Reichstages bei den Berhandlungen über das Dawes- Gutachten gehofft und auch schon umfassende Bor­her itungen für den Wahlkampf getroffen. Aus sozialdemokratischen Prefen waren jogar Drohungen laut geworden, eine Annahme des Eisenbahngefeßes durch nur teilweise Zustimmung der Deutschnatio­nalen zu verhindern; es sollten dann eine entsprechende Anzahl sozialdemokratischer Abgeordneter aus dem Sigungsfaal verschwinden. Das Manöver wurde

Das Pferd.

Von Bruno Frei .

Ein Feiertag! Wie leicht ist man glücklich auf einer Insel im Adriatischen Meer , gebadet in, Sonne und Wasser. Wochen des ge­ficherten Genuffes. Sie fühlen sich gestärkt und erholt, sie streden Ihren Körper im Wohlbehagen stählerner Stärke, Sie haben ge­turnt, find weit hinausgefchwommen in die glitzernde Unendlichkeit des Waffers. Der feurige istriarusche Wein pulst in Ihren Adern Die Peft brachte gute Nachrichten von zu Hause. Sie haben auch ein wenig gearbeitet, leicht und fruchtbar. Sie denten, wenn doch immer alles so schön wäre, wenn doch immer alles so spielend ge­länge. Nun gehen Sie an der Seite einer schönen Frau im abend­lichen Wold spazieren. Die Pinientronen rauschen hoch oben. Sie fühlen fich ais Lebensfieger; Lebensdrang und Kroftbewußtsein er füllen Sie Sie schreiten auf sicherem Grunde.

Bon unfaßbarer Schönheit ist das Sterben der Sonne im Meere. Die Bant am Waldrande, unmittelbar an der Küste, läßt Ete finnend verweilen. Die Farbenglut am Firmament malt eine Schlacht zwischen Brand und löschendem Strahl.

Und es ist eine grenzenlose Stelle im Angesichte dieses Dramas von Hell und Dunkel.

Und schließlich siegt dennoch das Dunkel.

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Sie schreiten durch die engen Gäßchen der kleinen Stadt langsom heimwärts. Berauscht, ein wenig betäubt von dem Gewicht der Schönheit und des Glücks.

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Sie biegen um eine Ecke. Sie sehen einen Haufen Leute auf­geregt beisammenstehen. Es ist vor einem Gasthof, in dessen Bor­garten die Menge fich drängt. Die anderen, die nicht hineinkönnen, versuchen neugierig zwischen den Latten des Zaunes durchzugucken. ,, Das Bolt hier ist leicht erregt" Denten Sie ,, was tann den Arges passiert sein". Ihre Neugierde läßt Sie aber weiterforschen. Die Menge meicht vor der Autorität Ihres guten Anzugs. Schließlich stehen Sie vor einem verendenden Pferd. Dachte ich mir's doch, es wird nichts fein," fagen Sie berärgert. Ein Pferd, was ist schon dabei... Das sterbende Pferd aber ist häßlich. Von einer Häßlichkeit, die allen Glanz und alle Schönheit des Tages im Augenblick aus löscht, als ob sie nie gewesen wären Da liegt es mit aufgcblafenem Bauch und stößt frampfhaft zudend mit den Beinen in die Luft. Irgendetwas zwingt Gie hinzuschauen. Da eine Haffende Wunde im Unterleib, Blut und Eingeweide quellen hervor. Das Pferd muß verlegt worden sein. Das Antlig des Pferdes ist ein lautloser Schrei ohnmächtigsten Schmerzes. Die Augen brüllen den stummen Hilferuf der leidgequälten Kreatur.

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durch die deutsch nationale Taktik bei der Abstimmung ver­hindert. Seitdem arbeitet die Sozialdemokratie auf eine Regierungsfrise hin; mindestens ein Teil der demo­fratischen Bresse unterstützt sie dabei.

Es ist kaum möglich, in so wenigen Sägen mehr unwahr heiten zu vereinigen. Es ist wohl richtig, daß die Sozial­bemokratie diesen arbeitsunfähigen Prügel- Reichstag mit seinen 60 Kommunisten, 24 Nationalsozialisten, und 106 Deutsch­nationalen ehestens los zu werden wünscht, alles andere aber ist bewußte Irreführung der Leser.

Indem die Volfspartei den Deutschnationalen vier Size in der Reichsregierung versprach, eröffnete sie die Re­gierungsfrise. Und indem sie den Deutschnationalen half, die Kriegsschuldfrage auf einen falschen Weg zu bringen, verur­fachte sie die scheußlichen Verlegenheiten, in die sich die Re­gierung verstrickt hat. Indem die Deutschnationalen ihr Ultimatum in der Notifizierungsfrage erließen, vermehrten fie diese Schwierigkeiten ins Ungemessene. Dann tam Herr Stresemann am 12. September nach Berlin zurück und hielt vor den Bressevertretern eine Rede, die auf beiden Seiten übereinstimmend als eine Anpassung an die deutschnationalen Forderungen aufgefaßt wurde. Damit sahen wir die Re­gierungsfrise als eröffnet an und teilten dies unseren Lesern mit. Seitdem ist

Dummheit und Feigheit.

Deutschnationale Selbstbespiegelung.

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In der Pflicht", de: Wochenschrift der Baterländischen", schreibt der deutschnationale Oberfinanzrat Dr. Bang: ,, Erfauft" worden wie es in dem efelhaften Jargon unserer Hausiererlogit heißt( Höre, Hergt! Red. d.".") ist mit der Breisgabe unferer Ehre, unserer Freiheit und unserer Souveränität, nichts, nicht das geringste, Bein irgendwelcher politischer oder wirtschaftlicher Vorteil, auch fein Beitgewinn". Und er wird poetisch und zitiert:

Ihr habt euch selber euer Los geschaffen,

So gebt den Göttern nicht die Schuld daran, Dummheit und Feigheit bieten selbst die Waffen, Daß freche Nedertracht sie fnechten kann.

In derselben Zeitschrift schreibt Prinz Friedrich Wilhelm zur Lippe:

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demokratisch gehandelt, dadurch, daß sie Vertreter der besetzten Ges Die deutschnationale Fraktion hat im ganzen republikanisch und biete und der Landesverbände zur Bernehmung heranholte, also doch dem Gedanken Ausdruck gab, die Masse zu Worte kommen zu laffen. Deshalb ist es ganz gleichgültig, welcher der beiden Frak­tionsteile in der Einschätzung des vaterländischen Willens des Volkes recht gehabt, wie weit der eine ihn überschätzt, der andere ihn unter­nicht zuletzt vielleicht infolge unserer Verschätzt hat die ganze Fraktion hat- wenn auch mit Abstufungen öffentlichungen- eine rüdläufige Bewegung ein- demokratisch gehandelt. getreten. Herr Stresemann forrigierte am 13. feine Ertlä­rungen vom 12. Damit war die Einigkeit" wiederhergestellt. der deutschnationalen Fraktion vorwerfen, sie hätte republi­" Dummheit und Feigheit", das mag noch hingehen. Aber mit der Notifizierung hat man es nicht mehr so eilig, und fanisch und demokratisch gehandelt", das ist eine Beleidigung, die Beit" gibt den Deutschnationalen zu verstehen, daß sie die sie sich nicht gefallen lassen kann! gar keinen Anspruch auf Regierungssige hätten, da die Ver­antwortung für das Zustandekommen des Londoner Ver­trages von ihnen gar nicht übernommen worden sei.

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Es ist richtig, daß auf diese Weise für die Volkspartei und Herrn Dr. Stresemann eine peinliche Situation entstanden ist, die wahrscheinlich in der Reichstagsfraktion noch ihr Nach piel haben wird. Aber es fann nicht gestattet werden, daß diejenigen, die diese Krise gemacht haben, sich jetzt als die Unschuldsengel hinstellen und so tun, als wäre der liebe Frieden nun von den bösen Sozialdemokraten gestört

worden.

die

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Notifizierung im Augenblick untunlich.

Ueber das Ergebnis der gestrigen Kabinettsfizung weiß Germania" zu berichten:

Die Reichsregierung hat zwar erklärt, daß sie den Widerruf der Kriegsschuld den fremden Mächten amtlich zur Kenntnis bringen werde. Sie hat sich aber in feinem Augenblick auf Form und Beitpunkt der Notifizierung festgelegt, sondern mehrfach erklären lassen, daß darüber in einem demnächst stattfindenden Ka­binettsrat Beschluß gefaßt werden solle. Es war von vom herein klar, daß entscheidend für den Entschluß der Regierung lediglich die gegen wärtige Gesamtlage sein kann. Nun hat sich aber inzwischen immer deutlicher gezeigt, daß die Notifizierung im Augenblid unfunlich ist und die politische Lage unnötig erschweren würde, ohne die Kriegs­fchuldfrage selbst auch nur einen Schritt vorwärts zu bringen. Des­halb wird die Notifizierung einstweilen nicht erfolgen, und hierauf bezieht sich auch die Ücbereinstimmung der Auffassungen, von der in dem amtlichen Kommuniqué die Rede ist. Es darf als sicher gelten, doß der Kabinettsrat, der am nächsten Dienstag unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten stattfindet, in diesem Sinne beschließen wird. Die äriegsschuldfrage dürfte damit einstweilen als erledigt gelten und fo lange verlagt fein, bis sich ein geeigneter Anlaß zu ihrer Bieber

aufrollung ergibt.

Wie Herr Mary hat auch Herr Stresemann Berlin wieder verlassen. Es nerlautet jezt, daß der Reichstag nicht vor dem 15. Oftober einberufen werden und daß zuvor bestimmt tein Schritt in der Kriegsschuldfrage unternommen werden wird.

fährt, den Hannoverschen Regierungspräsidenten angewiesen, den Innenminister Severing hat, wie der Hannoversche Kurier" er­Vertrag mit Oberbürgermeister Leinert, durch den dieser auf Lebens. zeit mit vollem Gehalt pensioniert wird, zu beanstanden.

Dos Bolt steht gaffend und schwahend im schwachen Licht der Straßenlaterne,

Und das Pferd leidet in grenzenloser Einsamkeit die letzte Bein

alles Lebenden.

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Da ist es aus mit Ihrem Glücksgefühl, mit Ihrem Kraftbewußt fein, mit Ihren arglosen Siegergedanken. Ein Schrei gellt in Ihren Ohren der Schrei der Angst und der Qual, der Schrei von freis ßenden Müttern und sterbenden Greisen, ein Schrei aus zehntausen Spitälern und Millionen Schmerzenslagern. Sie sehen die Tränen vorlaffener Frauen und den Auflageblick hungriger Kinder. Sie hören das Zähnefnirschen der Unterdrückten und den Peitschenschlag roher Pferdeschinder.

Sie sehen das Märchen von der Schönheit als Lüge zerrissen und die Lüge vom Glüd als Märchen. Sie erkennen, daß es fein Glück geben kann für den Menschen, der sich ausschließt aus der Beidgemeinschaft aller Kreatur. Sie erkennen, daß der sittliche

Mensch anfämpfen muß gegen olle niederträchtigen, weil über­flüssigen Leiden. Sie ahnen, daß es tur eine einzige Schönheit, nur ein einziges Glücksgefühl wirklich gibt: die Schönheit, die in der Ueberwindung des Häßlichen liegt, das Glück, das im Kampfe gegen das Leid besteht.

Und dies ailes, weil Sie zufällig die letzte Vierteistunde eines elenden Zugpferdes erlebten.

Valentins Vorstadt- Theater.

Gastspiel im Neuen Operettenhaus .

In München wird der Komifer Karl Valentin auch von den bescheidenen Leuten bewundert, die nicht auf Adolf Hitler schwören und denen es fauer aufstößt, wenn Ludendorff als ein National­held gefeiert witd. Also halten die besseren Leute zu Karl Balentin. Sie tun es, weil er so dämlich, so dummschlau, so mager, so findlich ist. Valentin ist stod mager, sein Kopf unendlich winzig, die Augen sind so verwässert, daß man es fofort weg hat: der Kerl leidet an Blutarmut und muß also im Grund ein armer Teufel fein. Wirklich, will Valentin nur ein wenig auffallen, dann muß er sich die Backen ganz ziegelrot anstreichen. Er ist sicher fein feffer Romiter, wie er in Berlin besonders beliebt sein könnte, er ist ein zaghafter, ein sparsamer, sogar ein geistiger Clown. Er tut die graden Lippen faum auf, um zu reden. Es geschieht höchst seiten, daß er sich in lebhafterer Bewegung ausgibt. So ist dieser Harlekin aus München beschaffen. Man möchte meinen, die Spaßmacher, die von dorten ftammten, müßten vierfchrötiger, bierbäuchiger, muskulöser und lauter raunzend oder grunzend auftreten. Daß Valentin das Gegen, teil von alledem tut, überrascht am meisten. Denn es muß gefagt werden, daß er immer erst mit Gesten und Drucksen und Plieren und Ellbogen- und Handknöchelverrenkung einen Anlauf nimmt, be­vor er eines von feinen gar nicht gepfefferien, nur tragifomisch blöden Wigworten herausbringt.

Jetzt ist alles zum Ruhme Valentins gesagt. Man müßte noch

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Kahr predigt Staatsgesinnung.

Rahr, der es vorgezogen hatte, nach dem Ludendorff- Prozeß in der Bersentung zu verschwinden, bringt sich jetzt wieder in wohl­wollende Erinnerung. Er ist noch immer Regierungspräsident und wartet darauf, die Treppe hinaufzufallen. Auch die Sprache hat er wiedergefunden. Er hielt vor dem landwirtschaftlichen Kreisverein Oberbayerns in Bad Aibling eine Rede, die merkwürdig bekannt anmutet. So fagte er u. a.:

Es ist lebensnotwendig, daß sich unser Bolt in seiner Gesamt­heit wieder auf den Staat besinnt, daß es sich über sein Wesen und feine Notwendigkeit, über das Pflichtverhältnis des ein. zelnen zum Staate flar wird. Das allergrößte Interesse an ber Wiederaufrichtung, an dem Gedeihen des Staates, vor dem man Ehrfurcht haben kann, hat im deutschen Volke der Bauer."

Derartige Sprüche hat Rahr auch vor dem Hitler- Ludendorff­Butsch gehabt. Aehnliche Worte gebrauchte er, um sich bei seinem Ber­hör im Butschprozeß einen passablen Abgang zu verschaffen. Sie stehen

einem Manne schlecht zu Gesicht, der das Gegenteil dessen tut, was er als Sonntagsprediger verkündet. Rahr ist es gewesen, der in Bayern die Achtung vor dem Reich untergraven hat. Kahrs Schuld war es, wenn die Reichseinheit zeitweise in einem blutigen Bürger­frieg unterzugehen drohte. Kahrs Verdienst ist es, wenn die Staats­autorität in Bayern felbst vollständig versagte.

Wenn Kahr von der Ehrfurcht vor dem Staat und von der Bflichterfüülung gegen den Staat spricht, macht er dabei den inneren Berbehalt: Wie ich ihn auffaffe." So auch in seiner Aiblinger Rede. Er ist Monarchist und predigt als solcher Staatsgefirnung; er ist ein erbitterter Feind der Repubiit und bekämpft als solcher die

Staatsgefinnung. Was dabei herauskommt, hat die Vergangenheit gezeigt. Eine derartige Auffassung von den Pflichten dem Staate gegenüber gibi jedem Hochverräter ein verbrieftes Recht auf Revolution. Leute wie Kahr bleiben beshalb stets eine Gefahr für die Republik und das Bestehen des Reichs, und es ist Each Reiches, hier nach dem Rechten zu sehen.

Ein Mißgriff.

Die Schundliteratur- Ausstellung in München . Wir haben heute morgen von der Entrüstung der katholischen Presse Mitteilung gemacht, die sich gegen eine im sozialdemofra­tischen" Gewerkschaftshause" veranstaltete Ausstellung von Schund­

| betonen, daß er auch mutiger ist als Ludendorff, der Münchener Alt- Siegfried von 1924, und Adolf Hitler , der bekannte Windjacken­erfinder und der noch bekanntere Narren- und Windhundprophet. Respett, wem Respekt gebühret. Denn er wagte, was die beiden und warf sich nicht gleich in den Dred, als ihm die Kritiker ents onderen nur wollten, doch nicht wagten, den Marsch auf Berlin , gegentraten.

Die Kritifer find nämlich der Ansicht, daß Karl Valentin zu

fammen mit seiner Gemahlin, List Karlstadt, die im Gegensatz zum Herrn Gemahl furz und rundlich wirkt, deswegen aber nicht weniger fomisch, der Ansicht sind die Kritiker, daß Karl Valentin piel zu pompos bei uns einwanderte. Er wollte ein ganzes Bor­Stadttheaterstück bringen und er machte aus einer Varieté- Nummer, bei der man fich 20 Minuten lang tot gelacht hätte, einen Theater abend, bei dem man sich zwei Stunden lang beinahe ärgerte. Das lag nicht am Komisertalent Valentins, sondern an seiner miserablen Regie. Solch Bierulf zwischen den Schmierenmusitanten und dem Schmierenfapellmeister paßt ins Tingeltangel, aber nicht ins groß­artige Theater. Der Mann gehört zwischen Seiltänzer und Elefan­ten was gar feine schlechte Gesellschaft für einen anständigen Clown ift, der etwas auf fich hält. Valentin bleibt nichtsdestoweniger ein ordentliches Originalgenie, das die Münchener Mastrugs picherei beinahe vergeistigt und die Meinung ad absurdum führt, die Men fchen würden an der far nur mit Bomuchelstöpfen geboren. Nein. Karl Valentin wurde mit einem hellen, firen, findlichen Köpflein geboren, und feiner Gemahlin, der Frau List Karlstadt, hat er ihr angeborenes Komödiantentalent so gut erzogen, daß sie aus eirer Dame ein fabelhaft echter, rundlicher, tölpischer, in Körperschwere und forpulenter Schlemihligkeit feuchender Schmerenmufitmeister m. h.

wurde.

Südamerika im Film. Oberingenieur Dreyer, dem wir bereits eine Reihe interessanter Kulturfilme vertanken, führt jcht in der " ll rania" den ersten seiner Südamerikafilme vor, die er Anfang dieses Jahres dort aufgenommen hat. Wir machen auf einem neuen Lloyddampfer die Uberfahrt; das Leben an Bord( besonders der hier überwiegenden 3. Klasse) wird gezeigt. Wir genießen die ma jestätische Schönheit des Meeres, erfreuen uns uns am Anblid Lissabons , besuchen Modeira und die Capverdischen Inseln. Die Aequatortaufe wird mit breitem Behagen eingelegt. Dann aber geht die Fahrt nach Brasilien , dessen Haupthäfen angelaufen werden. Abstecher werten ins Jrrere unternommen. Die wirtschaftliche Struktur des Landes wird demonstriert, die deutschen Kolonien besichtigt. Ja, Rio de Janeiro ist wirklich eine der schönsten Städte der Welt wundervollen Lage an dieser schön geschwungenen Bucht mit den hohen Bergen im Hintergrunde. Und sein botanischer Garten mit ben geraden Königspalmen ist wirklich eine Sehenswürdigkeit. Gin Besuch im Schlangeninstitut. wo ein Serum gegen Schlangenbiffe gewonnen wird, eine Drah feilfahrt auf einen zuckerhutförmigen Berg oder ein Abstecher in den Camp oder in die Kaffee und Baum­wollplantagen gewähren vortreffliche Einblide in brofilianisches Leben. Der Film erfüllt hier aufs beste unsere Sehnsucht nach frem. den Ländern und Kulturen.

in feiner