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3. B. das Gesetz von 1905 über die zweijährige Dienstzeit, die in be­trächtlichem Maße die Stärke der französischen Armee verringert hätten; zu gleicher Zeit habe Deutschland nicht aufgehört, feine Armee zu verstärken; indessen wäre unter den obmaltenden Verhältnissen der inneren Politik in Frankreich faum das Bewußtsein der Notwendigkeit par alleler Maßnahmen erwacht, wenn die deutsche Regierung selbst nicht durch eine Reihe von 3mifchenfällen und Drohungen die gegenmär­tig gesteigerte nationale Stimmung in Frankreich machgerufen hätte."( Materialien S. 345.)

In demselben Brief weist Jswolffy auf die Umstände hin, die zu den eben angeführten Erklärungen Jonnards Anlaß ge­geben hatten. Hier war man," schreibt er, höchst überrascht über den Ton des Tagesbefehls Kaiser Wilhelms an die Armee, anläßlich der 100- Jahr- Feier von 1813 und insbesondere über den Inhalt des Artikels der offiziösen Kölnischen Zeitung"."( Es handelt sich hier um jenen bom­bestischen Tagesbefehl, den Wilhelm II. am 10. März 1913 bei der Parade im Lustgarten verlas, sowie um den berüchtigten ,, Störenfried"-Artikel der offiziösen Kölnischen Zeitung ", in dem Frankreich offen beschuldigt wurde, daß es Deutschland überfallen und Elsaß- Lothringen zurüderobern wolle.) Wenn Poincaré im Notfalle" Rußland die Unter­stügung Frankreichs versprach, so fonnte er dies nur insoweit tun, als er damit rechnete, daß die Haltung der deutschen Nationalisten und Wilhelms II. einen entsprechen­den Einfluß auf die öffentliche Meinung Frankreichs ausüben würde. Daß dies die wichtigste Voraussetzung war, mit der Poincaré rechnete, geht mit aller Deutlichkeit aus einem Bericht des russischen Außenministers Ssafonow an den Zaren vom 4. Auguft 1912 hervor. Ssafonom teilt hier über seine Unterredungen mit dem damals in Petersburg weilenden Poincaré folgendes mit:

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Herr Poincaré erachtete es als seine Pflicht, hervorzuheben, daß die französische öffentliche Meinung der Regierung der Republik nicht gestatten würde, sich wegen reiner Balkanfragen zu Kriegs: handlungen zu entschließen, wenn Deutschland unbetei­ligt bliebe und nicht aus eigener Initiative die An wendung des casus foederis( Kriegsfalles) her vorriefe, in welchem Falle mir selbstverständlich auf die volle und genaue Einhaltung der Verpflichtungen, die Frankreich uns gegenüber hat, rechnen fönnten."( Materialien G. 259.) Bekanntlich hatte Poincaré in den fritischen Tagen des Sommers 1914 feine großen Schwierigkeiten zu überwinden, als er die im Grunde friedliebende öffentliche Meinung Frank reichs von der Notwendigkeit der Einhaltung der französischen Bündnisverpflichtungen gegenüber Rußland zu überzeugen fuchte. Diese Arbeit wurde ihm von jenen erleichtert, die vor dem Weltkriege die fäbelraffeinde, maulaufreizerische Politik Wilhelms II. und der Alldeutschen unterſtüßten und die jetzt - nach der Niederlage die Legende von der völligen Un­schuld aller deutschen Kreise dazu benutzen, um die Ansätze zu einer Gesundung der deutschen Außen- und Innenpolitik in zu einer Gesundung der deutschen Außen- und Innenpolitik in Stücke zu schlagen.

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Die verarmten Hohenzollern . Eine Verteidigungsschrift ihres Generalagenten. Der ehemalige Chef tes faiserlichen Zivilkabinetts und jekige Generalvertreter des Hauses Hohenzollern , v. Berg, last burch die Telegraphen- Union eine Entgegnung auf die Denkschrift des preußischen Finanzministeriums verbreiten. Derin fucht er den Anschein zu erweden, als wenn den Hohen­ zollern bitteres Unrecht geschehen sei. Nach seiner Meinung brauchen die Hohenzollern bei niedrigster Schäßung ihres Bedarfs jährlich 14 Millionen Goldmart. Er selbst gibt die Zahl für die in Frage kommenden Personen aus der engeren föniglichen Familie" auf 26 an, die der übrigen Mit­glieder des Hohenzollernhauses auf 17, das find zusammen 43 Personen. Nach seiner Berechnung muß also je der dieser Zollernsprößlinge, einschließlich aller schul- und vorschulpflich

Jm Dienst des Klassenkampfs. Im

Von Artur Crifpien.

Eine Proletarische Feierstunde findet am Sonntag, den 21. Sep­tember, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus statt. Der Sozialistischen Internationale und Krieg gegen den Krieg ist die erste Proletarische Feierstunde im kommenden Winterhalbjahr gewidmet. Es find das zwei Fragen, von denen schon jede für sich weltbewegend ist. Zwei Fragen, die in der innigften Weise miteinander verbunden find. Denn was anderes ist die Aufgabe der Sozialistischen Inter­nationale als die Verwirklichung des Sozialismus. Und was anders ist die Verwirklichung des Sozialismus als die Ueberwindung der Bestie im Menschen, die Entwaffnung der Menschheit.

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tigen Rinder, mindestens 2500 Mart pro Monat| dem der Direktor der Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt erklärte, beziehen! Eine solche Forderung wird erhoben in einer Zeit, daß beide Angeflogie Psychopathen feien, auf die der§ 51 da Millionen deutscher Arbeiter mit Hungerlöhnen von jedoch keine Anwendung finden könne, sich das Gericht zur weniger als 10 bis höchstens 20 Mart pro Woche Urteilssprechung zurück. Es befand die geklagten der Straftat bei neun- und zehnstündiger Arbeitszeit abgespeist werden und für schuldig und erkannte für beide An etlagte auf je 5 Jahre viele Hunderttausende als Arbeitslose der öffentlichen Fürsorge 3uchthaus. Als erdrückender Beweis erschien dem Gericht das anheimfallen. Dabei setzt der Generalvertreter stillschweigend Geständnis der Angeklagten in München . voraus, daß für solche nicht unerheblichen Renten die Herren Prinzen auch nicht einen Handschlag an förperlicher oder geistiger Arbeit zu leisten haben. Ihre Tätigkeit soll nach wie vor darin bestehen, gelegentlich Kriegervereins- oder Pferdeparaden abzunehmen. Damit ist ihr Beitrag zur deut­fchen Kultur" in der Folge erledigt.

Schon bisher, und zwar seit dem 1. Januar d. J., sind den Hohenzollern 50000 Mart monatlich überwiesen mor­den, also jedem einzelnen von ihnen mindestens 1000 Mart monatlich oder 250 Mark wöchentlich. Dabei ist noch nicht be­rücksichtigt, daß außerdem dem früheren Kronprinzen die ge­famte Herrschaft Dels, bestehend aus mindestens 14 einzelnen Gütern mit einem Flächeninhalt von mehr als 10 000 Heftar oder 40 000 Morgen zur unbeschränk ten Nutzung schon jetzt überlassen ist, und daß dem Prinzen Friedrich Leopold die ihm durch Gerichtsurteil zugesprochenen Liegenschaften ebenfalls herausgegeben sind. Die von dem Generalagenten vor weg geforderten 440 000 Morgen oder 110 000 hektar land- und forstwirtschaftlichen Bodens würden nach der Berechnung des Finanzministeriums bei vor­sichtiger Bewirtschaftung nach Art der preußischen Domänen über 5,7 millionen Goldmart im Jahre Rein= ertrag abwerfen. Aber erst nachdem diese sogenannten Hofkammergüter" den Hohenzollern bedingungslos ausgehändigt worden sind, wollen sich die notleidenden Herr­schaften auf ein schiedsgerichtliches Verfahren über die Frage einlaffen, was mit den weiteren Bermögensobjekten werden soll, über deren rechtliche Zugehörigkeit selbst die Kronjuristen früherer Zeiten sich nicht einig werden fonnten.

nis entlassenen Herrschaften immer ansehnlicher wird, je größer Man sieht, daß der Appetit der aus ihrem Dienstverhält die Zeitspanne ist, die sich zwischen ihrem Ausscheiden aus der macht und der endgültigen Bereinigung ihrer vermeintlichen Ansprüche legt. Mit dem Höherschrauben ihrer Forderungen folgen sie allerdings mur den Traditionen ihrer Familie. Man fann darüber in Mar Maurenbrechers Hohenzollern - Legende" das Notwendige nachlesen. Aber heute ist nicht mehr die Zeit etwa der zur preußischen Nationalheiligen emporgelobten Königin Luise, die es als ein unerträgliches Hungerleben be­zeichnete, wenn ihr Mittagstisch in der Zeit der tiefften preußis schen Not nur drei bis vier Gänge aufweisen durfte. Landesfürsten sind freilich weder auf einem schiedsgerichtlichen Die Auseinandersetzungen mit den endgültig erledigten Wege noch auf dem des ordentlichen Gerichts herbeizuführen. Der Reichstag foll endlich reine Bahn schaffen, indem er durch Reichsgesetz den Ländern das Recht gibt, alle diefe Angelegenheiten durch gesetzgeberischen Att aus der Welt zu schaffen. So wie die Dinge liegen, würde die Zusammen segung des Preußischen Landtages ja auch dann noch den Hohenzollern sicher ein reicheres Einfommen garantieren, als fie der Bedeutung ihrer Personen nach verdienten. Wenn der Reichstag den sozialdemokratischen Antrag nicht doch noch an­nimmt, werden allerdings die preußischen Gerichte sehr viel Arbeit bekommen, um die Rechtsverhältnisse der umstrittenen Vermögensobjekte festzustellen, um so mehr, wenn sich die hohenzollern etwa mieder auf den Standpunkt stellen sollten wie einer ihrer ehemaligen Hausminister, daß fie eigentlich die ganze Mark Brandenburg fäuflich erworben" hätten!

Zuchthausstrafe für Völkische .

Der Ausgang des Münsterer Prozesses. Münster , 17. September. ( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch wurden die Verhandlungen vor dem Schwurgericht in Münster über die Attentäter gegen den Boltswillen" fortgefegt. Nach

feiner Führung lehnten es 16 000 Männer während des Krieges in England ab, fich von den kapitalistischen Mächten gegen die prole­tarischen Brüder jenseits der Grenzen Mordwerkzeuge in die Hände drücken zu lassen. Unbeirrt troßten diefe Tapferen allen Beschimp­fungen und Berfolgungen der Machthaber. Manchen Kriegsdienst­verweigerer trieben die entmenschten Kriegsfanatiker in den Ge­fängnissen bis zum Wahnsinn.

Die Wee der Brüderlichkeit triumphiert letzten Endes doch. Auch die Bewegung der Kriegsdienstverweigerer hat seit dem letzten Krieg Fortschritte gemacht. In Rußland , in Norwegen , in Schweden , in Dänmark, in Holland , wo überall die Wehrpflicht besteht, mußte den Kriegsdienstverweigerern ein waffenloser Alternativdienst gefeßlich zugestanden werden. In Frankreich und in der Schweiz geht der Kompf um ähnliche gefeßliche Bestimmungen. In Deutschland und in anderen Ländern bestehen ebenfalls bereits friegsdienstfeindliche Organisationen. Insgesamt haben sich in 17 Ländern 30 Organi fationen zu einer Internationale der Kriegsgegner zusammenge. schlossen, deren Siz in London , ist.

Der internationale Charakter der Feierstunde wird diesmal durch die Mitwirkung der Genossen Longuet aus Frankreich , Fenner- zialdemokratifchen Arbeiterpartei Rußlands , gehört zu jenen Sozia Brockway aus England und Abramowitsch aus Rußland ganz be­fonders hervorgehoben.

Genosse Longuet, der Enkel von Kort Marg, ist in der ganzen Welt als ein würdiger Erbe des großen Werkes anerkannt, bas uns sein Großvater, der Altmeister des Sozialismus und Mit­begründer der Internationale, hinterlassen hat. Wer könnte be­rufener sein, unsere Gedanken auf jenen 28. September 1864 zurückzulenben, an dem die Gründung der sozialistischen Inter nationalen Arbeiterassoziation in London beschlossen

wurde.

Im Kommunistischen Manifest und in der Inaugural adresse formulierte Karl Marx die Grundgedanken des wissen fchaftlichen Sozialismus, entwidelle aus diesen Grundgedanken die Ritlinien für die Taktik des Proletariats, für die Mittel und Wege, die zum Biele führen. Wie das 1847 verfaßte Kommunistische Manifest, schloß die Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter affeziation von 1864 mit dem Ruf: Proletarier aller Länder, ver­einigt Euch! Dem. Gebot der Inauguraladresse: die Befreiung der Arbeiter erfordere internationale Brüderlichkeit, hat Genosse Longuet stets nachgelebt. Der auswärtigen Politik der Regierung des kapitalistischen Frankreichs seßte er die internationale proletarische Brüderlichkeit entgegen. Gegen die frevelhaften Pläne der Imperia. listen, die in Raubzügen Blut und Gut des Boltes vergeuden, fämpft er ebenso leidenschaftlich wie unermüdlich. Auch die internationalen Berbindungen des sozialistischen Proletariats haben ihre Geschichte. Wer die Geschichte studiert, findet einen allgemeinen Aufstieg der Sozialistischen Internationale, der immer wieder alle Hemmungen und Unterbrechungen überwond und regelmäßig auch die der je­weiligen geschichtlichen Epoche entsprechenden organisatorischen For men schuf. An dem Aufstieg der Sozialistischen Internationale ist Genoffe Longuet hervorragend beteiligt.

Genosse Fenner- Brodway, Generalsekretär der Inde pendent Labour Party , hat durch die Tat bewiesen, doß ihm der Rampf gegen den Krieg heilig ist. Genosse Fenner- Brockway ist Mitbegründer der Bewegung der Conscientious objec tors, der Kriegsdienstverweigerer aus Gewiffensbedenken. Unter

Genosse A bra momitich einer der Hauptführer der So­listen, die, durch drei Höllen menschlicher Raserei wandernd, dem Sozialismus dennoch die Treue gehalten haben. Weder die Greuel bes 3arismus, noch die des menschenfressenden Krieges, noch der Terror der Bolschemisten konnten Männer wie den Genossen Abramo­witsch zerbrechen oder in ihrem Glauben an den endlichen Sieg des Sozialismus verzweifelt machen.

Neben den großen Demonstrationen veranstalten die Arbeiter Groß- Berlins eine Proletarische Feierstunde zur Er­innerung an die Gründung der Internationale vor 60 Jahren zur Anfeuerung des Kampfes gegen den Krieg und zur Begrüßung der Vertreter der Proletarier aller Länder. Eine Feierstunde, wie sie die proletarische revolutionäre Bewegung geboren hat und deren Hauptträger unser Sprechchor ist, dem wir schon so viele echte Weihestunden und Stunden der Erhebung, der Ergriffenheit und der Begeisterung verdanken.

Das Proletariat fann feine Kämpfe nicht führen, wenn nicht zur verstandesmäßigen Betätigung auch die inbrünstige Hingabe, die lodernde Begeisterung und der große Glaube an die Sache fom­men. Das Proletariat fonn feine Kampftraft nicht erhalten und fieigern, wenn es feine Vorfämpfer nicht erfüllt mit einer hohen fozialistischen Sittlichkeit, die sie über alle Gemeinheiten des täglichen Geschehens erhebt. Um im Proletariat diese Borbe­dingungen für den Sieg zu schaffen, dazu bedürfen wir auch eines Inftruments, wie wir es im Sprechchor für Proletarische Feierstunden glücklicherweise befizen. Bom Sprechchor wird der Millionenschrei der proletarischen Massen aufgenommen und durch künstlerische Schulung in seiner Wirkung gesteigert weiterge= geben. Der Sprechehor gibt unser eller Sehnsucht Ausdruck und unfer aller Siegeszuversicht. Der Sprechchor ist ein Mittel des Klaffenfampfes. Bon jeder Feierstunde geht ein neuer Strom des Kraftgefühls und des Selbstbewußtseins in die Massen über. Wie manche proletarische Feierstunde wurde uns beschert, die unvergeßlich für uns bleiben wird. Setzen wir alles daran, daß auch die Feierstunde am 21. September ein gelungenes Fest und eine würdige Begrüßung der Genossen werde, die unsere auslän­dischen Bruderparteien vertreten!

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In der Begründung heißt es u. a.: Die Angaben Schreibers, die von ihm angegebenen Einzelheiten über das Attentat von den mirklichen Tätern erhalten zu haben, sind nicht glaubwür­dig. Ein solcher Täter hätte so etwas nicht ohne weiteres erzählt. Der Alibibeweis, den die Angeklagten gaben, ist mis­Iungen. Es ist nur ein einziger Zeuge da, und dieser kann nicht einmal mit Gewißheit behaupten, daß die Angeklagten tatsächlich) bei dem Hermannsdenkmal anwesend waren. Die Motive zur Tat sind zu verstehen, wenn auch selbstverständlich nicht zu billigen. In den Kreisen der Angeklagten galt der Volkswille" als ein Blatt, das den Ruhrabwehrkampf sabotiere. Es ist als feststehend anzunehmen, daß an der Tat noch weitere Kreise beteiligt sind. Doch sind nähere Einzelheiten nicht festzustellen. Das Gericht mußte auf fünf Jahre Zuchthaus als niedrigste Strafe erfennen. Möge diese Strafe eine Warnung für viele junge Leute sein, die glauben, ihren politischen Idealen durch Gewalt zum Siege zu verhelfen, und mag sie auch als Warnung für die geistigen Führer dieser jungen Leute dienen. Die Tat der Angeklagten fällt nicht unter die Amnestie, doch wird das Gericht ein Gnadengesuch befürworten, damit die Zuchthausstrafe in Gefängnisstrafe umgewandelt und die Strafe ermäßigt wird.

Demokratischer Landeshauptmann.

Die Ersazwahl für Landsberg .

Halle, 17. September. ( Eigener Drahtbericht.) In der Mittwoch­fizung des Provinziallandtages in Merseburg wurde der, Ober­Landeshauptmann gewählt. Auch die Sozialdemokraten regierungsrat Dr. Hübener( Demokrat) mit 87 Stimmen zum stimmten für Hübener, um die Wahl des deutschnationalen Randi­daten zu verhindern. Die Kommunisten gaben ihre Stimme für Roenen ab.

Der letzte Landtag der Provinz Sachsen hatte bekanntlich den Genossen Landsberg zum Landeshauptmann gewählt, der jedoch nicht bestätigt wurde. Die Wahl war damals nur mit einer Stimme Mehrheit erfolgt, da zwei bürgerliche Vertreter weiße Stimmzettel abgaben, während die Kommunisten nach vorhergegangener scharfer Auseinanderlegung innerhalb ihrer eigenen Fraktion der Bernunft folgten und für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmten. In­nistische Provinzial- Landtagsfraktion den Bannstrohl geschleudert. zwischen hat die 3entrale. Scholem - Golfe gegen die' kommu­Sie erhielt dann den dienstlichen Befehl, nie wieder für einen Sozialdemokraten zu stimmen. Damit hatten die Kommunisten der Reaktion den Weg freigemacht und prompt versuchten die Deutsch­nationalen, die Stimmen der bürgerlichen Parteien auf den reaktio­nären ehemaligen Regierungspräsidenten von Gersdorf zum Landeshauptmann zu vereinigen. Diesem Zusammenarbeiten der Deutschnationalen und Kommunisten gegenüber bedurfte es aller Anstrengungen, um die schlimmsten Folgen zu verhüten. Die Sozial­demokraten setzten sich daher für den demokratischen Kandidaten Hübener ein.

Kommunalkrach in Dortmund .

Auflösung des Stadtverordnetenkollegiums?

Dortmund , 17. September. ( Eigener Drahtbericht). Der Ober­bürgermeister hat die Fraktionsführer des Stadt­berordnetenkollegiums zu einer Besprechung mit dem Minister des Innern eingeladen. In dieser Besprechung soll die Frage einer Auflösung des Kollegiums erörtert werden. Be­fanntlich ist die Dortmunder Stadtverordnetenversammlung infolge des Verhaltens des kommunistischen Vorstehers feit längerer Zeit vollständig arbeitsunfähig.

Die Reklame- Leiche.

Unter den Todesanzeigen einer Berliner Tageszeitung fand sich neulich folgende Trauerfundgebung:

Nachruf!

..

Sum 36. Geburtstage des zu früh am 30 Dezember 1923 ver­storbenen russischen Biolinkünstlers M. M.. gedenken wir des hervorragenden Künstlers und wertvollen Menschen, der vorzugs weise für unser Repertoire gewirit hat.

Die gesamte ernste Fachkritik ist mit uns darüber einig, daß der musikalischen Welt in M. M.... ein genialer Biolinist ver­loren gegangen ist.

Unterzeichnet ist der gemütvolle Nachruf von einer bekannten Grammophonplattenfabrit, beren Retlamechef einen Breis für guten Geschmack und Originalität verdient. Da die Reklame mit Lufischiffen, Preisausschreiben und elektrischem Blinklicht nicht mehr recht ziehen will, so ist dem neuen Tip ernsteste Beachtung zu fchenfen. Aufstrebenden Firmen werden die hier gegebenen Winte von Nutzen sein:

Am Sonntag wurde unfer geschägter Kunde Hans Brendel

bei einem Zusammenstoß zwischen Auto und Eisenbahn vollständig germalmt. Seine Brille mit unseren gefeglich nefügten, augen verbessernden Buntingläsern blieb dagegen pöllig intatt. Ein Beweis für die Unverwüstlichkeit unserer Fabrilate.

Optiker Publke.

Borgestern wurde uns unfer langjähriger Geschäftsführer Karl Kreiss

durch den Tod entrissen. Der Berluft ist unerfeglich. Er wird auf seinen im Testament niedergelegten Munich in einem hoch eleganten Eichenfarg( Muster Nr. 1227, Breis 870. netto) bestattet, der fich erfahrungsgemäß als am gefündesten erwiesen hat.

Bestattungsinstitut Lohengrien.

Die Nachricht von dem plöglichen Tode des Profeffors Hackenberg

hat auch uns tief erschüttert. Die Wissenschaft verliert in dem Dahingeschiedenen einen ihrer prominentesten Vertreter. Der Revolver, der den Gelehrten aufs prompteste getötet hat, stammt aus unserer weltberühmten Fabritation.

Kurella, Gewehrfabrik.

Wilhelm Rour, Professor der Anatomie in Halle, ist im Alter von 74 Jahren plöglich gestorben. Er war der Begründer eines neuen Wissenszweiges, der Entwidlungsmechanik der Organismen. Ceine Theorie von der funktionellen Anpassung" lehrte, daß jedes Organ sich durch die Betätigung in zweckmäßiger