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Nr. 446 41. Jahrgang

Vom

1. Beilage des Vorwärts

Sonntag, 21. September 1924

Puffing Billy" zur Turbinenlokomotive.

Die größte Eisenbahnschan der Welt am Seddiner See .

Heute wird die größte eisenbahntechnische Ausstellung der Welt eröffnet! Sie liegt zwischen Wonnsee und Beelitz auf dem meiten Gelände des Verschiebebahnhofs Seddin, südlich von dem idyllischen Kaputh. Sie wird in Verbindung mit einer ergänzenden Ausstellung in der Technischen Hochschule zu Charlottenburg und den bekannten Sammlungen des Bau- und Verkehrsmuseums in der Invaliden­Straße einen Ueberblick über die Gestaltung des modernen Eisen­bahnwesens geben, wie er bisher noch nicht geboten wurde. Schon der Umstand, daß hier nidyt weniger als 120 Lokomotiven unterschied lichster Bauart aufgestellt sind, während z. B. in der großen briti­schen Reichsausstellung in Wembley nur drei Maschinen die alte gute Puffing Billy" und zwei moderne zu sehen sind, läßt den Umfang ahnen. Ergänzt wird die Vorstellung von der Größe noch durch die Mitteilung, daß derjenige, der die Ausstellung gewissenhaft durchwandern will, dabei nicht weniger als 9 Kilometer zurücklegen muß.

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Lokomotiven und Wagen.

Unmöglich ist es, im Rahmen eines furzen Artikels das ganze weite Gebiet eingehend zu würdigen. Jedes einzelne Ausstellungs­ftüd enthält eine folche Summe geistiger und förperlicher Arbeit,

Elektrische Lokomotive mit 6 Motoren für die Riesengebirgsbahn Daß man bei ihm verweilen möchte, um es eingehend zu schildern. Aus der großen Fülle seien daher zunächst nur die wesentlichsten Dinge hervorgehoben. Als Revolutionäre im Cokomotivbau, der bis por furzem im großen und ganzen in den von Stephenson vorges schriebenen Bahnen ging, stehen auf dem Ausstellungsgelände die Turbinenlokomotive von Krupp, die Diesellokomotiven und nicht zu­letzt die Triebwagen. Die erste deutsche Turbineniokomotive, die nach grundlegenden Plänen von Zoellyn bei Krupp gebaut wurde, hat jetzt eine Reihe von Probefahrten hinter sich, bei denen Ge­eschwindigkeiten bis zu 110 Kilometern bei einer Kohlenersparnis von 20 Pro3. gegenüber der Koloenlofomotive erreicht wurden. Die vorn eingebauten Turbinen leisten 2000 Pferd stärken. Sie übertragen ihre Umdrehungen auf ein Zahnradgetriebe, das durch Treib und Kupelstangen auf die Räder wirkt. Der Abdampf wird in dem als Kondensator ausgebildeten Tender niedergeschlagen und dann wieder den Heffel zugeführt. Die Maschine macht bei einer Länge von 23 Metern einen geschlossenen harmonischen Ein­druck. Sie dürfte das Glanzstück der Lofomolivausstellung sein. Die Diesellokomotiven sind bisher nur für etma 400 Pferdeftärten gebaut morden, und erst jetzt wird für Rußland mit der Herstellung einer Maschine von 1200 Bferdeftärten begonnen. Diese Maschinengattung hat einen besonders hohen Gesamtwirkungsgrad, da die Verbren= nung der zum Betrieb verwandten Schwer oder Mineralöle im Zylinder der Antriebsmaschine erfolgt, wobei gegenüber der Kolben­Dampflokomotive sogar bis zu 70 pro3. Brennstoff erspart wird. Besonders in Ländern mit großem Deireichtum dürfte sie ein meites Berwendungsgebiet finden. Triebwagen find in den verschiedensten Ausführungen zu sehen. Die mit Berbrennungsmotor ausgerüfte­ten unterschieden sich im mesentlichen durch die Aufstellung der Mo­toren voneinander, die nach Art der Automobilmotoren gebaut und

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Die Familie Frank.

Roman von Martin Andersen Nero.

Einen Monat später hatten sie Hochzeit gemacht und sich auf Kosten des Brauers eingerichtet; und nach weiteren fünf Monaten wurde Schneider Frank Bater.

Er trant sich aus diesem Anlaß einen großen Rausch an; und seine Frau und andere Menschen glaubten, es geschehe

aus Freude.

Aber Frank war nicht dümmer, als die Menschen sonst find; und es stellte sich heraus, daß er recht gut sechs Monate pon neun abziehen konnte.

Hätte er nun wenigstens einen Wutanfall gefriegt, sie durchgeprügelt, an den Haaren auf die Straße geschleift und verlangt, daß sie geschieden würden! Sie hatte sich nach dieser Richtung hin auf alles mögliche vorbereitet und hätte sich darein gefunden und ihn obendrein vergöttert.

Schwerste Lokomotivé der deutschen Reichsbahn von Borsig meist mit Benzol betrieben werden. Sie werden den Berkehr auf meniger benutten Nebenstrecken mit Erfolg bewältigen, denn sie fönnen höchstens zwei leichte Anhänger ziehen, dabei aber find sie sparsam im Betriebe und erreichen Geschwindigkeiten ,, die um 50 Kilometer liegen. In diesem Zusammenhang muß auf die Lokomotive mit Sauggasbetrieb von Julius Pintsch hingewiesen werden, die etwas ganz Neues ist. Auf dieser Lokomotive ist eine richfige fleine Gasanstalt montiert, deren Gos aus Holzkohle, An­trazytkofs oder anderen Rohstoffen erzeugt, dem gewöhnlichen Ber­brennungsmotor zugeführt wird. Bei den elektrischen Loftomotiven fällt allgemein die Ausrüstung mit Kurbelstang nbetrieb in Dreied­anordnung auf, die die Maschine frei von Schüttelschwingung macht. Neben den Vollbahnlokomotiven sind zahlreiche Sonderlokomotiven für alle möglichen Zwecke ausgestellt. Einen großen Raum nehmen auf dem Ausstellungsgelände Personen- und Güterwagen ein, de ebenso wie die Lokomotiven, glänzend ladiert, wahre Schmuckstücke sind. In Deutschland geht die Tendenz dahin, Personenwagen aus Bauweise der Borzug gegeben wird. Unter den Güterwagen fallen Eisen zu verwenden, während im Ausland vielfach der hölzernen insbesondere die Großraumgüterwagen auf, die für 50 bis 60 Tonnen Ladegewicht sämtlich mit Entladevorrichtungen versehen sind. Die Verwendung von staubförmiger Braunkohle hat die Herstellung von Kohlenstaubtransportwagen nötig gemacht, die mittels Saugluft ent­lehrt werden. Großraumfeffelwagen, Kühlwagen, schmere Wagen für die Beförderung von Transformatoren und gewichtigen Ma­fchinenteilen vervollständigen neben vielen anderen Sondermagen dieses Gebiet.

Straßenbahnwagen für Schweden . Türen und klappbare Trittbretter werden mittels Druckluft vom Führer betätigt. Ein Auf- oder Abspringen während der Fahrt ist unmöglich

selbst bei seiner Demoralisierung nicht fertig gebracht hatte, das vollendete sie nun hierdurch und durch Nachgiebigkeit gegenüber seinem Hang zu starten Getränken.

Er wurde faul bis zum äußersten, selbstsüchtig und ergab fich dem Trunke.

Als sie ihn so weit gebracht hatte, fand sie, daß sie nun genug gebüßt habe, und wollte ihn ans Land ziehen. Aber das war nicht mehr möglich.

Da stand er in ihren Augen da als das, wozu fie ihn selbst gemacht hatte: als Zerstörer des Heims. Sie wurde gehässig und bitter gegen ihn, weil er sie in allen Punkten ausbeutete, und begann, ihn zu befriegen.

Aber der Krieg selbst machte sie gallig, weil jeder physische Sieg, den sie errang, infolge seiner völligen Gleichgültigkeit zu einer Niederlage wurde.

In wahnwißiger Berzweiflung sah sie, wie er, unange fochten von allem, fortfuhr, nach der Richtung hin zu rollen, nach der sie ihn selbst gestoßen hatte, und sie mochte sich noch so- alle fehr mehren: das Heim, der Junge und sie selbst wurde mitgerissen.

Aber so war Frant nicht. Alles, was er sagte, als der Knabe zur Welt fam, war: Das hast du gut gemacht, Mutter." Und später fam nie ein Vorwurf über seine Lippen, so daß man nicht einmal ganz sicher war, ob er Bescheid wußte. Sie hatte beſtimmt auf einen heftigen, brutalen Aus­bruch gerechnet, durch den die Rechnung beglichen worden wäre. Er blieb aus; und anstatt ihre Verachtung für den Mann zu steigern, machte dieser Umstand sie in hohem Grade unsicher.

Bielleicht spielte er den Dummen und speicherte seinen Grimm auf, damit er ihn eines schönen Tages über ihrem Haupte entlüde. Sie war so gewöhnt daran, den Mann herrschen zu sehen, daß sie sich schwer eine andere Erklärung

benten fonnte.

Die Strafe, auf die fie gerechnet hatte, blieb aus, und das Ereignis laffete weiter schwer auf dem Heim. Die be ständige Spannung machte sie nervös, und sie blies ihre Schuld auf und bildete sich ein, ihr Mann brüfe über einer fürchterlichen Rache, während er in Wirklichkeit weder grü­belte noch über dem Ereignis brütete, vielmehr rein negativ davon gelähmt war, da seine sowieso nicht start ausgeprägte Betätigungslust geringer wurde und sein Drang nach starken

Getränken wuchs.

Mit ihren gemischten Gefühlen von Furcht und Schuld­bewußtsein legte sie sich stark ins Zeug, um ihm in etwas die verhaßte Rackerei abzunehmen. Und was das Ereignis

Auch jetzt, wo sie hier im Beft lag, hatte sie das Gefühl, fic) bergab zu bewegen, aber die Fahrt erregte sie nicht mehr. Für eine Weile wurde dieses Gefühl so lebhaft in ihr, daß ihr war, als drehte fich das Haus selbst, als rollte es in weichen Sprüngen wie ein ovales Rad. Sie faß selber rittlings auf dem Tach, um auf den Schornstein achtzugeben, und bei jeder Unidrehung rief fie: Laß es rollen, Marie! Laß es rollen, Marie! Dann schaufelte es einmal sehr heftig, und sie lag wieder im Bett und hatte große Schweißtropfen auf der Stirn.

Wo Frank nur sein mochte? Eigentlich war er vorhin so nett gewesen, als er sich um sie zu schaffen machte, und er hatte so betrübt ausgesehen, weil sie frank war. Sie sehnte sich danach, ihm ein freundliches Wort zu sagen. " Frank!"

fein

Sie bekam teine Antwort. Frant! Frant!"

Still lag sie da und lauschte. Er mußte weggegangen in Sic Sneipe. Ein herbes Zucken lief über Madam Franks Gesicht, aber fie gab das gleich wieder auf. Sie hatte nicht die Kraft mehr, wütend zu werden, und verspürte auch keinen Drang mehr danach fie empfand es als eine große Erleichterung, daß sie so weit war.

Worüber brauchte man denn wohl in Wallung zu ge­reten? Es rollte weiter; aber das hatte es all die Jahre hin­

Die große Halle.

Während Lokomotiven und Wagen und zum Teil auch Signal­einrichtungen auf dem freien Gelände des Verschiebebahnhofes aus­gestellt sind, haben in einer Halle von 6000 Quadratmeter Fläche alle jene tausendfältigen Dinge Unterkunft gefunden, die den Witterungseinflüssen nicht ausgesetzt werden dürfen. Da werden die zahlreichen Signalanlagen, Rangierstellwerte, Stredenblod. anlagen, felbfttätige Fernsprechanlagen und so weiter in guter Ueber ficht gezeigt. Wir sehen schwere Berkzeugmaschinen, die im Loko­motivbau Verwendung finden, wie z. B. die Spezialaushau­maschinen zur Bearbeitung der langen Lokomotivrahmen, mit dene: 1 auch Bleche bis zu 40 Millimeter Dicke geschnitten werden können. Schleifmaschinen, Drehbänke aller Art, Bohrmaschinen, Schweiß­maschinen, Pressen usw. Besondere Beachtung dürfte der Meßftand der AEG. zur Untersuchung von Lokomotivradsätzen verdienen. Er gestattet das Nachprüfen von Kurbellängen, Winkeln und Durch­messern, das Ermitteln der Achsmitte- und Radschenkellängen, das Prüfen der Radreifen, Lauftreisdurchmesser und Kurbelzapfen­mitten, endlich das Untersuchen der Gegenturbeln. Diese fleine Zu­fammenstellung, die sich nur auf einen Teil des Lokomotivbaues bezieht, zeigt, wie vielgestaltig hier die Dinge im einzelnen sind.

Turbinenlokomotive von Kropp

Viel Interesse dürfte auch der in der Halle aufgestellte Meß­wagen, der mit Meßgeräten aller Art gefüllt ist, erregen. Ferner wird die Entstehung eines Personenwagens gezeigt

In der Ausstellung in der Technischen hoch. schule werden Modelle, Zeichnungen, Abbildungen und Schan bilder zu sehen sein, die im einzelnen die Arbeit, Ziele und Be­strebungen der im Lokomotivbau tätigen Behiebe zur Geltung bringen sollen. Endlich wird eine große 3ahl von Filmen zur Vorführung gelangen, die die einzelnen Gebiete des Eisenbah: 1- baues behandeln. Diese Filmvorführungen werden während der Ausstellungszeit um 3 Uhr nachmittags in der Technischen Hoch­schule gezeigt werden. Die Ausstellung in Seddin wird von 9 Uhr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit, die in der Technische: 1 Hochschule von 9 bis 7 Uhr geöffnet sein. Der Eintrittspreis beträgt für die Ausstellung in Seddin 1 m., für Kinder bis zu 15 Jahren 50 Pf., für Schulen und Verbände werden Ermäßi­gungen nach Vereinbarung gewährt. Die Besichtigung der Aus­stellung in der Technischen Hochschule fostet 50 Pf. Die Eisenbahn­direktion Berlin wird eine Reihe von Sonderzügen laufen lassen, um den Besuch von Seddin zu erleichtern. In Verbindung mit der Ausstellung findet vom 21. bis 27. September eine eisenbahn­technische Tagung statt, in der die Hauptprobleme des Eisenbahn­wesens zur Besprechung gelangen.

durch getan, seit sie verheiratet war. Vielleicht fing auch fie eines Tages an zu trinfen, dann konnten sie einander um­faffen und als Sauffumpane durchs Leben gehen.

Jedenfalls wollte sie von nun an gut gegen Frank sein und nicht zornig werden, selbst wenn er sie ein wenig rupjte.

Sie lächelte.

In wehmütiger Nachsicht, mit einem Anflug von Humor, fah fie im Geiste, wie er einst, vor langer Zeit, am Tische saß und mit seiner Tasse hin und her manövrierte, um so ein Zehnörstück zu verdecken, das Madam Frant hingelegt hatte, während er sie eifrig unterhielt, um ihre Aufmerksamkeit ab­zu lenten. Sie erinnerte sich so deutlich daran, weil dies das erstemal war, wo er den Versuch machte, sie zu bestehlen. Fast war sie danach aufgelegt, ihm etwas zu geben, da­mit er das Verfassungsfest besuchen könnte! wiffern, daß er nicht da war. Sie rief, in erster Linie allerdings, um sich zu verge­

Und als sie nach kurzem Lauschen ihrer Sache sicher war, langte sie nach ihrer Kleidertasche und begann, ihr Geld zu zählen.

in

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seiner Lieblingsstellung, die Beine unter sich heraufgezogen, Schneider Frank saß auf dem Schneidertisch in der Stube, und träumte.

Auf seinem fleischigen Gesicht lag ein stiller, sorgenvoller Ausdrud.

Er hatte soeben Kaffee für seine Frau gemacht, und sie. hatte ihn wieder ausgebrochen sie mußte ernstlich frank sein. Sonst würde sie sich auch gar nicht darein finden, im Bett zu liegen, wenn er sie recht kannte.

Und wie still sie lag!

Er hatte sie seit wer weiß wie langer Zeit nicht zu Bett liegen sehen; ja, seit damals nicht, als sie Thorvald bekam! Und selbst damals war sie nicht frank gewesen, sondern hatte vom Morgen bis zum Abend gelegen und mit den Frauen geschwatzt, die ihr das Wochenbettessen brachten. Und schon am dritten oder vierten Tage war sie aufgestanden und hatte fich an ihre Arbeit gemacht. Sie pflegte zu lachen, menn andere Frauen davon sprachen, wie hart es sei, Kinder zu gebären, und sagte dann wohl: Ein Kind zu kriegen, ist ungefähr ebenfo, wie wenn einem ein Milchzahn ausgezogen wird." ( Fortsetzung folgt.)