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Nr. 466+ 41. Jahrgang

1. Beilage des Vorwärts

Soziale Aufgaben der Stadt.

Untergrundbahnhof Hermannstraße als Kreuzungsbahnhof beschlossen.

Hierauf kam die Borlage wegen

Freitag, 3. Oktober 1924

fassung begreiflich werden, die sich hie und da, auch in unseren Kreisen, geltend macht, als ob die Gemeinden schon wieder im Geide schwimmen. Um in dieser Hinsicht klar zu sehen, und um zu er= femnen, ob und wie weit im Sinne unseres Antrags Mittel vor­handen sind, bedürfen wir einer genauen Kenntnis der derzeitigen Finanzlage; die bisher damit getriebene Geheimniskrämerei muß aufhören. Angesichts der ungeheuren Opfer, die uns die Inflation auferlegte, ist gewiß Sparsamfeit geboten, diese darf aber nicht so

nung verbleibt. Für die Besserung des Wohnungswesens muß un bedingt mehr als bisher geschehen. Die Finanzierung der städtischen Gestaltung des Untergrundbahnhofes Hermannplatz Werke und des Straßenbahnwesens darf fernerhin wie bisher lediglich zur zweiten Beratung. Der Ausschuß hat sich in seiner Mehrheit nicht auf Kosten der Arbeiter betrieben werden, die hier bestehenden schaftsbahnhof abgelehnt. Von unseren Genossen ist beantragt, die für den Kreuzungsbahnhof entschieden und den Gemein­sozialen Pflichten der Stadt muß man endlich einlösen. Gemiß ist die Anlage des Gemeinschaftsbahnhofs auszuführen. In der Erörterung Groß- Berlin immerhin viel günstiger daran als jede andere Groß­Geldflüssigkeit zum Teil bloß augenblicklich; aber Berlin ist auch als legte sich Dr. Klindhard von der Dtsch. Bp. mit größter Lebhaftigkeitstadt, und es wird, mag auch der Finanzausgleich ausfallen wie er für den Kreuzungsbahnhof ins Zeug, der billiger fei als ein Ge­will, auch sozial mehr zu leisten imftande sein. meinschaftsbahnhof fich stellen würde, und der einen Ein- Minuten­Verkehr ermöglichen würde. Stadtbaurat Hahn verwahrte sich dem Redner gegenüber dagegen, daß er sich dem Projekt gegenüber mit sich selbst in Widerspruch gesetzt habe. Er habe das frühere Gemein­Gestalt gab, bie einen großen Umweg und somit Berlängerung der schaftsbahnhofsprojekt bekämpft, weil man der Trasse eine andere Fahrzeit und größere Kosten involvierte. Gen. Harnisch führte aus: Gestalt gab, die einen großen Umweg und somit Berlängerung der Beide Entwürfe erkennt die Aufsichtsbehörde als brauchbar an; für gegen Meinung. Die Technifer, auch die Anhänger des beide ist die Genehmigung zugesichert. Im übrigen steht Meinung Kreuzungsbahnhofs, erklären, daß

Genoffin Todenhagen: Nicht alle im Augenblick brennenden Sozialfragen dürfen von dem Ergebnis der Prüfung der Finanzlage abhängig gemacht werden. Dazu gehört vor allem

In der Berliner Stadtverordnetenversammlung| Union 92" von der RVA. für Angestellte zu gewährendes Dar verstanden werden, daß es einfach bei der dritten Steuernotverord­ist eine Erörterung über die Fürsorge für Unbemittelte lehen von 10 000 m. und Erwerbslose nicht möglich, ohne daß die Kommunisten daraus eine lärmende Kundgebung machen. Ais gestern über eine ganze Gruppe von Fragen dieser Art verhandelt wurde, begründeten die Kommunisten ihre Anträge unter der üblichen Schimpferei auf die Sozialdemokratie, zur hämischen Freude der Bürgerlichen. Die fachlich wertvollen Ausführungen der fozialdemokratischen Redner, des Genossen Reuter und der Ge­noffin Lodenhagen, die den die Wiederaufnahme der zurüdgestellten fozialen Aufgaben der Stadt for: dernden Antrag unserer Fraktion begründeten, waren den kom­munistische Maulhelden offenbar unbequem. Das merkte man an dem verdoppelten Geschimpfe, mit dem sie den Eindruck dieser Reden in ihren Erwiderungen abzuschwächen suchten. Um nochmals Um nochmals schimpfen zu können, taten fie, wie wenn sie nicht wüßten, daß die Ueberweisung der Anträge an einen Ausschuß durch die Ge­schäftsordnung vorgeschrieben ist. Alles war bei ihnen darauf an­gelegt, auf die Tribüne zu wirken. Im ersten Teil der Sigung wurde über den Untergrundbahnhof Hermannstraße beschlossen. Die Vorzüge eines Gemeinschaftsbahn­hofes wies Genosse Harnisch nach, aber die Bürgerlichen wollen von einer solchen, den Verkehr erleichternden Bahnhofsanlage nichts wissen. Mit ihrer Mehrheit setzten sie den Kreuzungsbahn hof durch.

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Infolge des Ausfalls der Sizung am vorigen Donnerstag hat sich der Beratungsstoff sehr gehäuft. Ueber die gestrige Sigung ergoß sich sofort zu Beginn eine Flut von Dringlichkeitsanträgen und Anfragen; dazu kam eine Dringlichkeitsvorlage des Magistrats. Die lettere, die Ueberlassung des Rathausfestsaales zur Feier des 50jährigen Bestehens des Krankenhauses Friedrichshain betreffend, wurde furzerhand genehmigt. Der Dringlichkeitsantrag unserer

Genossen, der sich gegen die unbillige Mehrbelastung wendet, die durch die Wiedereinführung der Gasmessermiete für die Gas­verbraucher entstehen würde, wird in der nächsten Sigung beraten werden; desgleichen der Dringlichkeitsantrag der Deutschnationalen, der ebenso wie zwei Anfragen der Deutschen Volkspartei und der Kommunisten

die Zunahme der Straßenbahnunfälle

und die Gefährdung von Leib und Leben der Berliner Bevölkerung durch die Unsicherheit des Betriebes zum Gegenstande hat. Eine weitere Anfrage unserer Genoffen( gestern von uns bereits mit geteilt) verlangt Auskunft darüber, ob der Magistrat tatsächlich be­absichtigt, in den Arbeitsnachweisen tätige Angestellte durch abgebaute Beamte zu ersetzen. Endlich liegt von Merten und den Demokraten ein Dringlid, teitsantrag vor, monach der Magistrat schon in der nächsten Sigung ausführlichen Bericht erstatten soll, was er getan hat, um den skandalösen Zustand der Straßenbeleuchtung zu verbessern. Die sofortige Beratung des Antrages verhinderte von rechts kommender Widerspruch.

Bom Stadtrat Poetsch ist gegen seine Versehung in den Ruhe­Stand Einspruch erhoben worden. Für Schumacher( Romm.) ist Frau Frida Rofenthal in die Versammlung eingetreten.

Zur Anfrage der Dtsch. Vp. wegen der drohenden Ab­holzung des Waldgutes Saarmund bei Potsdam und dessen Berwendung zu Siedlungszweden gab Stadtrat Gen. Wuffy die bestimmte Versicherung ab, daß von der Stadt alles geschehen werde, mas in ihrer Macht liege, um eine weitere Verminderung des Wald­bestandes zu verhindern. Die Neuregelung der Schulgeld säge an den städtischen Fach- und Fortbildungsschulen wurde nach den Ausschußvorschlägen beschlossen.

Dem Ausbau des Sportplages an der Marienstraße in Köpenid stimmte die Versammlung trotz des Widerspruchs des Komm. Sell heim zu, genehmigte auch mit 70 gegen 64 Stimmen die Ueber nahme einer Bürgschaft für ein dem Berliner Tor- und Fußballklub

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Die Familie Frank.

Roman von Martin Andersen nero. Warum hast du da so gelegen, Mutter?" fragte er, während er ihre langen Beine ins Bett hineinschob und die Bettdece um fie feststopfte.

Ach, ich habe gehört, daß du draußen warst und Geräusch machtest; da wollt ich dich hereinlassen. Ich dachte nicht

daran, daß die Tür offen war."

,, Ja, ich meine, geht es dir sehr schlecht?" ,, Ach, ich hab' bloß Prügel gefriegt, sonst nichts," er­widerte sie und lächelte bitter.

,, Bom Bater?" fragte er. Er hatte nie richtig begriffen, warum der Bater nicht wieder schlug.

,, Nein, mein Freund, wir sind zwar Schweine, aber wir

wühlen doch nicht."

Thorvald hatte das Bedürfnis, der Mutter etwas Gutes anzutun, und beschäftigte sich um sie, auf mehr gut gemeinte als nüzliche Art, indem er sich die Behandlungsweise, die Lars seiner fleinen Schwester gegenüber angewandt hatte, zur Richt­schnur nahm.

,, Liegst du gut so, Mutter?" " Ja, mein Junge."

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Sind feine Knoten unter dir?" ,, Knoten? Nein, ich liege wie im siebenten Himmel." Soll ich dir etwas wärmen- ein bißchen Zuckerwasser?" " Zuckerwasser? Bist du verrückt? Meinst du, ich wäre ein Säugling?" Sie lachte und stöhnte dazwischen vor Schmerz. Es tam ihm just so vor, daß Weiber und Säuglinge so einigermaßen den gleichen Geschmack hatten wenigstens mit Bezug auf Flüssigkeiten. Aber er lachte mit. Und während er das Zimmer wieder ein wenig in Ord­nung brachte, erzählte ihm die Mutter von der Schlägerei: Du weißt doch, was die Leute auch über mich sagen mögen, ich bin nicht so wie Jonas Baulsens Alte, die um die Wette mit ihrem Mann Branntwein in sich hineinschüttet und wie ein richtiges schia.npiges Luder mit ihm in den Kneipen herumliegt und Lars und das Kleine verkommen läßt. Dank du Gott dafür, wenn für nichts anderes. Als ich mir erst klar darüber geworden war, von welchem Kaliber dein Vater war, hab' ich mich verschworen, daß fein anderer Branntwein hier ins Haus fommen solle als der, den er in feinem Wanst nach Hause schleppte und da tommt das Un­geheuer von Viehknecht und hält mir eine ganze Flasche unter

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d: idealfte Anlage der Gemeinschaftsbahnhof sei. Ist dem so, dann handelt es sich nur noch um die Frage der Kosten und der Betriebssicherheit. In der Magistratsbegründung finden sich effektiv fast nur Argumente für den Gemeinschaftsbahnhof. finden sich effektiv faft nur Argumente für den Gemeinschaftsbahnhof. Der 1915 zwischen Neukölln und Berlin geschlossene Vertrag sah ausdrücklich einen Gemeinschaftsbahnhof vor. Die Frage sollte doch Kreuzungsbahnhofs werden anscheinend auch dadurch zu ihrer wirklich jedes Parteiintereffe ausschließen. Die Freunde des Haltung bestimmt, daß es dann möglich werden würde, beide Linien, die Nord- Süd- und die AEG.- Bahn, völlig getrennt zu führen und so auch die Tarifgemeinschaft auszuschließen. Damit wäre aber bloß eine Erschwerung und Verteuerung des Verkehrs wäre aber bloß eine Erschwerung und Verteuerung des Verkehrs gegeben. Ein Gemeinschaftsbahnhof macht naturgemäß ein ge­trenntes Tarifwesen unmöglich. Es scheint daher, daß auch hier privatfapitalistische Interessen

mitspielen( Widerspruch rechts), dazu bieten wir die Hand nicht. Wir halten es auch für ein Unrecht, den Fahrgästen, auch den Rindern, den alten und franken Personen und den Kriegsbeschädigten, das Passieren von 50 bis 60 Stufen zuzumuten. Mir blicken auf bas abschreckende Beispiel des Bahnhofs Stralau- Rummelsburg und stimmen für den Gemeinschaftsbahnhof, selbst auf die Gefahr hin, daß die Betriebsfoften fich etwas teurer stellen.

In der weiteren Aussprache trat Dr. Michaelis( Dem.) für den Kreuzungsbahnhof als das fleinere Uebel ein, während Gäbel ( Komm.) für den Gemeinschaftsbahnhof plädierte und Dr. Steiniger ( Dnatl.) dem Magistratsvorschlag zustimmte, aber mit der Maß­gabe, daß eine laufende Treppe zu allgemeiner Benutzung her­gestellt wird".

Die Abstimmung ergab die Ablehnung des Antrags unserer Genossen mit 91 gegen 75 Stimmen und die Annahme der Vorlage mit dem Steinigerschen Zufah.

Der Ausbau der V. Oberrealschule in Alt- Berlin murde beschlossen. In gemeinsamer Beratung erörterte die Ler sammíung hierauf die Anträge der Kommunisten, die im Interesse ber Erwerb siofen eingebracht sind, und den Antrag unserer Genossen, ici

die Wiederonfnahme der zurüdgestellten jozialen Aufgaben der Stadt

verlangt Der erste der tomm. Anträge datiert schon vom 24. Sumi 1924. Die Vertretung der tomm. Anträge, welche 1. die Gewährung von Darlehen an Erwerbslose und Einlagen der Landesversicherungs­anstalt bei der Girofaffe der Stadt Berlin , 2. Maßnahmen im Inter­effe der Erwerbslosen, 3. Schutz der Erwerbslosen gegen Aufhebung des Mietsverhältnisses, 4. die Unterstügung der Rentenempfänger ver­langen, übernahm Gehlmann, der es natürlich auch an den üblichen Ausfällen gegen die SPD . nicht fehlen ließ.

Gen. Reuter: Eine Reihe äußerer Erscheinungen läßt die Auf­

die Nase. Aber du fannst mir's glauben, ich habe ihn gehörig| verprügelt; er wird die Madam Frank nicht so bald vergessen.

Der Gedanke an das verhaßte Getränk erregte sie aufs höchste, und sie schlug mit den flachen Händen aufs Bett und schrie: Pfui, Branntwein! Zum Satan damit!"

Thorvald nickte beifällig. Auch er fonnte nicht verstehen, daß jemand so ein Zeug trinken fonnte, da es doch etwas gab, das Arraf hieß.

daß man sie auswringen fann wie ein Tuch. Um die Frauen ,, Da schlürfen sie's wie füße Milch und sind so schwammig, fümmern sie sich nicht, sondern zwingen so einen armen Teufel, drum herumzugehen, wo man doch zu essen im Hause hat, Sie müßten in Spiritus gesetzt werden, das müßten sie, wie Gewürm! Und schlottrig sind sie an den Beinen wie neu­

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geborene Kälber.

merken fann- Gott behüte: nein! Und sie glauben nicht einmal, daß man ihnen etwas an­

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Ich will dir was sagen, mein Junge, mit mir ist es so gewesen, daß ich wieder ausbrach, was ich gegessen hatte, bloß weil ich in einer Stube mit ihm schlafen mußte. Jetzt passiert mir das nicht mehr, denn jetzt bin ich abgehärtet; ich rieche es faum noch. Aber diesmal hatt' ich's nun doch gerochen, und ich sah, wie seine Gudlöcher leuchteten. Und da mußte des Großmaul von Biehknecht damit prahlen, daß er es wäre! Aber du kannst mir's glauben, ich hab' ihn ausgeflopft, und es hätte noch mehr Hiebe gesetzt, wenn der Schuft mich nicht hingeworfen hätte.

,, Hat er dir ein Bein gestellt?" fragte Thorvald gekränkt. Hat er dir ein Bein gestellt?" fragte Thorvald gekränkt. Er verfolgte alles, was die Schlacht betraf, mit großem Interesse. ,, Nein, denn ich hab' seine beiden Enden zusammenge bogen und seinen Kopf zwischen den Beinen gehalten, während

ich ihn verwichste. Aber da richtete er sich mit mir auf."

Das kam daher, weil du so lang bist," sagte Thorvald fachkundig. Du hättest ein wenig in den Knien einfinfen follen, dann hätte er sich nicht aufrichten können."

,, Es mag schon sein, daß du recht hast," erwiderte die Frau nachdenklich.

Beide grübelten, sie über die strategische Belehrung, die fie erhalten hatte, er darüber, ob es nicht dumm von ihm war, sie ihr zu erteilen.

,, Wo ist Bater?"

,, Danach braucht man gerade zu fragen! Bei dem ist wohl ein Irrtum unmöglich."

,, Er hat im Wald eine komische Rede gehalten und ge­

die Erhöhung der Unterstützungen,

die in einem Maße haben abgebaut werden müssen, daß ihre jezige Höhe auch nicht den allerbescheidensten Ansprüchen genügt. Der denn schnelle Hilfe tut bitter not. Ausschuß, an den der Antrag gehen muß, möge schnell arbeiten,

antragt, bis der Magistrat wieder anwesend sei.( Am Magiftrats­Bon Gäbel( Romm.) wurde Aussehung der Berhandlung be­tisch waren nur Bürgermeister Scholz und Stadträtin Weyl zu­gegen; unmittelbar nach der Verkündung des Antrags erschien Ober­bürgermeister Böß. Die Verhandlung wurde fortgesetzt.) Mit großem Aufgebot von Stimmitteln und Präftig von der Buhörertribüne unterstüßt führte das neue Mitglied der Versamm­lung, Frau Frieda Rosenthal( Komm.), unter wachsendem Ge­ohle auf der Rechten den Kampf für die kommunistische Forderung, daß jeder Erwerbslose mindestens das Eristenzminimum als Unterstützung erhalten müsse. Stürmischer Beifall ihrer Frak­ersten Auftreten. Vorsteher Genosse Haß sah sich veranlaßt, die tionsgenossen und Beifallsklatschen und-getrampel folgte ihrem

Tribüne zu ermahnen, sich ruhig zu verhalten. Aufrechterhaltung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen ein. Brunow von der Wirtschaftspartei flocht einen Protest gegen die Ostrowski( Komm.) protestierte gegen jede Ausschußberatung und Verschleppung, die Anträge seien vier Monate alt, und die Antrag­Stunde, und Not tennt fein Gebot. Oberbürgermeister Böß flärt steller verlangten sofort die Annahme. Es sei die zwölfte die geringe Belegung der Magistratsbank dahin auf, daß der Bürger­meister mit den Fraktionen vereinbart habe, daß die sämtlichen Anträge im Hauptausschuß vorberaten werden sollen. Im übrigen habe meder er noch der Kämmerer irgendeiner Unternehmerorgani­fotion Anweisungen auf die Girofasse der Stadt gegeben. Richard Kunze ( Dtschso3.) wetterte über den unerhörten Zinswucher der Banken und Großkapitalisten, gegen den der Hauptangriff gerichtet werden müsse. Für die Anträge wird er stimmen, damit die Sache endlich in Fluß fomme. Müller- Franken( Wirtschaftspt.) glaubte feststellen zu können, daß der Aufmarsch dreier Kommunisten ent= weder beweise, daß den Kommuniste, die auf fofortige Ablehnung ihrer Anträge spekulierten, das Konzept verdorben sei, oder daß fie sich der Tribüne besonders empfehlen wollten.( Stürmische Manifestationen auf der Tribüne; Vorsteher- Stello. Reimann droht die Räumung an.) Gäbel( Romm.) beruft sich auf Stadtrat Brühl als Zeugen dafür, daß im Juni die Girotasse dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie 4 Millionen Mart zu sehr niedrigem Binsfuß angeboten habe. Der Oberbürgermeister ent­gegnet, daß das ganz selbständig dastehende Landesarbeitsamt seiner­zeit Gelder an die Girofasse gegeben hat mit der Anweisung, sie an die Industrie weiterzugeben, sofern dadurch Arbeiterentlassungen vermieden werden. Darin iiege nichts, was vom Arbeiterstandpunkt anstößig erscheinen fönnte. träge dem Hauptausschuß. Mit großer Mehrheit überwies die Versammlung sämtliche An= Schluß 9 Uhr.

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Berlin foll heller werden. Der Magistrat Berlin hat beschloffen, die öffentliche Straßenbeleuchtung um weitere 9 Proz. zu verbessern, nachdem sie schon in letzter Zeit in verschiedenen Bezirken bis zu 16 Broz. verbessert morden ist und in einzelnen Stadtteilen bereits den Friedensstand erreicht hat.

sagt, es lägen zweiundzwanzig reine Jungfrauen drüben in den kleinen Tannen und schliefen."

,, Ach Herrgott, schwatzt er nun wieder von seinen reinen Jungfrauen? Das hat er in alten Zeiten immer getan, menn er fanonenbetrunken war und ins Blaue hinein faselte. Da nannte er mich wahrhaftig eine mich wahrhaftig eine reine Jungfrau und flennte und behauptete, er besudle mich. Und ich war ja dumm genug, es mir zu Herzen zu nehmen und mich gekränkt zu reden sein sollten, sondern daß er es wirklich meinte, fühlen, bis ich flug daraus wurde, daß es gar keine Stichel­3weiundzwanzig reine Jungfrauen-! Der Tropf, er ist ja noch nicht einmal ein Mann! Ach, Gott helfe uns, zweiund­zwanzig! Ja, den Mund vollnehmen, das kann er, aber zu was anderem taugt er auch nicht. Du kannst ihm ruhig einen schönen Gruß bestellen und ihm sagen, das hätte ich gesagt." ,, Der Schuhmann hat ihn abgeführt." ,, Hm."

,, Der dicke Mads hat gesagt, es sei das richtige Delirium." ,, Ja, das fette Schwein fennt wohl seine Pappenheimer am Gang." Madam Frants Laune hatte sich wieder ver­schlechtert, während sie von ihrem Mann sprach.

Jst er überhaupt nicht zu Hause gewesen?" ,, Doch, er hat sich hereingeschlichen, während ich schlies, und mir die Hälfte von meinem Geld gestohlen, der diebische Bursche! Eine ganze Krone hat er mir geraubt, obendrein in Silber; zum Glück war der Rest Kupfergeld, und das ist für so einen Herrn zu gewöhnlich; sonst hätt' es morgen gut ihn gefahren und hätte einen ehrlichen Menschen aus ihm ge­für uns ausgesehen. Ich dachte übrigens, der Teufel wäre in macht, als er mir neulich das Geld für die Beste ganz von selber brachte. Aber es hat nie was Gutes zu bedeuten, wenn der Satan zur Kirche geht."

,, Die Weste liegt drüben beim Trödler im Schaufenster zum Verkauf. Es steht eine Krone fünfundsiebzig dran. die gute Weste weg, wo man eben die viele Mühe damit ge­

,, So ein Biest, der Ole Andersen! Geht er hin und gibt

habt hat, sie ihm für beinah nichts instand zu setzen. Aber das ist der verfluchte Alkohol, man hört nie von was anderem. Und was fann er wohl dafür gefriegt haben? Gar nichts. Denn die Trödler sind genau so wie die Aerzte, fie leben vom Glend der anderen Leute."

Thorvald ließ der Mutter ruhig Zeit zum Austoben, dann rief er:

,, Ja, aber Ole Andersen fragte mich heut nachmittag draußen im Wald, ob die Weste bald fertig sei."

( Fortsegung folgt.)