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unter den heutigen deutschen Getreidepreisen liegen! Anstatt das Getreide im Inland auftaufen zu lassen und für den Not­fall aufzuspeichern, hat man gewaltige Mengen deutschen Ge­freides dem Ausland halb geschenkt. Gleichzeitig aber traten bereits die deutschen Getreideimpor die deutschen Getreideimpor teure in Tätigkeit. Sie hatten ja an dem geplanten Schutz­zoll nur zu verdienen! So fauften sie, als die Entblößung des Marktes offenbar wurde, Weizen und Roggen in größeren Mengen auf, die jetzt im Oktober und November herein­fommen. Die Wirkung der überhafteten Rauftätigkeit aber war ein verschärftes Anziehen der Weltmartt preise. Heute fönnen wir denselben Roggen, der im Auguft zu 17 M. je Doppelzentner hinausging, für 25 m. wieder Das ist der Schutz der nationalen Arbeit", wie er von der Regierung proflamiert wurde. Immer wieder ist zu be­tonen, daß der deutsche Landwirt feinen oder mindestens geringeren Nugen davon hatte als der internationale Getreide handel. Die deutsche Landwirtschaft wäre in jedem Falle in den Genuß des hohen Getreidepreises ge­fommen, sobald die Knappheit offensichtlich wurde. Statt deffen hat sie gutes Getreide zu verhältnismäßig niedrigem Preise abgegeben, und mancher Bauer, der dann von der Miß­ernte betroffen wurde, wird heute den hohen Preis anlegen müssen, um seinen eigenen Bedarf zu decken. Getreide- bieb a hem Bärferbund ausfélag be

Marx über die Völkerbundfrage. Eintrittsgesuch auch ohne Antwort auf das Memorandum. Reichskanzler Dr. Marr äußerte sich einem Bertreter des Daily Expreß " gegenüber in bemerkenswerter Weise über die Frage eines Eintritts Deutschlands in den Bölkerbund. Er sagte:

einführen.

Die Ernährungssorgen, die angesichts der hohen Getreide preise gehegt werden müssen, sind eine Folge der Politik Ranig. Diese war eine einzige Spetulation auf gute in- und ausländische Ernten, eine Speculation, die fehlgeschlagen ist. Die breiten Boltsmassen sollen den Verlust bezahlen. Das Geschrei hätte man hören sollen, wenn etwa einem sozialistischen Ernährungsminister eine derartige Kurzsichtigkeit nachgewiesen worden wäre! Einem Fachminister freilich ist, wenn er Großgrundbefizer und Förderer des Reichslandbundes ist, alles erlaubt!

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Die Arbeiterschaft hat bei der ganzen Geschichte insofern noch Glück gehabt, als durch das Eingreifen der Sozialdemo: fratie und der Gewerkschaften die le berrumpelung des Reichstages mit der Zollvorlage verhindert wurde. Wäre das geplante Zollgefeh bereits in Geltung, so wäre der Roggen preis noch um 50 m. höher, also fast doppelt so hoch wie der Borkriegspreis. Jetzt, nachdem ohnehin die unerhörte Ge­treideteuerung eingetreten ist, wird der Kampf gegen die Zölle mit doppelter Kraft geführt werden müssen. Dieser Kampf ist feineswegs- wie es bie politischen wie es die politischen Landbündler glauben machen wollen ein Kampf gegen die Landwirtschaft. Die erfreuliche ablehnende Hal­timg, die der Agrarfreund Prof. Sering zu den Schutzöllen einnimmt, bestätigt nur, was von uns früher in der gleichen Frage gesagt wurde als richtig. Wenn je, so ist jest Ge­legenheit zu zeigen, daß unserer Partei an einem Kampf gegen die Landwirtschaft nichts liegt. Die Mißernte ist diesmal gerade in solchen Gegenden zu verzeichnen, wo ein starter, in zäher Arbeit stehender Bauernstand der Scholle ihren Ertrag abringt. Wir begrüßen es, daß gerade die preußische Regierung sich hier zu Hilfsmaßnahmen entschloffen hat, die felbe Breußenregierung, die die Landbündler om liebsten Sprengen möchten.

Was wir fordern müssen, das ist, daß anstatt der politischen Landbundwirtschaft eine produttive Agrar. politif getrieben wird, daß diese in Einklang gebracht wird mit einer vernünftigen Ernährungspolitit. Das vermiffen wir im gegenwärtigen Reichslandwirtschaftsministerium, das einen feltenen Beweis von Kurzsichtigkeit, um nicht zu sagen Un­fähigkeit erbracht hat. Auf seine Politik gibt es für die deutsche Arbeiterschaft nur eine Antwort: scharfften Brotest!

Die Schlesische Arbeiterzeitung" wurde auf Grund des§ 21 des Gefeßes zum Schuß der Republit auf die Dauer von 14 Tagen, und zwar vom 1. bis 14. Oftober 1924 einschließlich verboten.

Astronomie der Berufe.

Bon Lola Landau .

Gibt es nicht eine Astronomie der Berufe, eine örtliche zufällige Bestimmung, die sich allmählich zur gestirnähnlichen schicksalhaften Ronstellation zur Welt entwickelt! Da ist die dahinrollende Arbeit, unter der die Straßen sich wie heißgelaufene Schienen ausdehnen, beweglich haftig, herrschfüchtig. Träger, Boten, Handwerker, Lehrer, Aerzte, fie tragen sich in die Häuser, befehlen die Stunde und ver­teilen das Werf wie das Brot. Geduldiger ift die gefesselte Arbeit, eingerammt hinter Tischen und Werkzeugen. An ihr bricht sich die Flut der Dinge und fann nicht vorüber, ehe sie nicht in ihren Hän den geballt ist, ewiges Wasser zu Glas geblafen. Welches ungleiche Weltbild muß in den Menschen entstehen, allein durch die sonder­bare Dynamit der Arbeit, die sie vor sich herstoßen oder von der sie felber geschleudert werden.

Aber niemals eindringlicher erkennt man die unheimliche Ge walt des räumlichen Zwanges als bei den Geftalten hinter den Schaltern, die wie Schaufensterpuppen hinter den Glaswänden der Scheiben fizen, wächsern, in der Hand nur das automatische Zittern des Geldzählens. Und seht dann den Mann in dem trüben Zwielicht des Untergrundbahnhofes, der die Billetts durchlöchert! Gingesperrt in seinen Kaften, wie in einen engen hölzernen Räfig, hockt er emig in dem Gefängnis seines Berufes wir alle find die Besucher vor seinem Gitter, ohne ihn doch eines Blickes zu würdigen. Wir sehen ihn ganz dicht, atemnah, ohne ihn anzusehen; wir reichen ihm hin, mas er verlangt, unfere Hände berühren sich beinahe, feine Hand, eine fünffingrige Zange, öffnet sich und schnappt zu, um ein Loch in die Karte zu schlagen. Daß eine lebendige Hand eines atmenden Menschen sich ausstreckt, empfinden wir nicht. Wie sollten wir es auch in der halben Gefunde vor seinem Gitter. Denn jede halbe Sefunde blitzt vor diesem Gefesselten ein neuer Mensch auf und ist vorüber. Die Gesichter wechseln so schnell, als wäre es immer nur ein und dasselbe Geficht, das sich grimaffenartig verzieht, bald männ. lich, bald weiblich, bald in findlichen Formen feine 3üge verändert, ein Sput des Lebens.

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Gibt es etwas Erschreckenderes als diese räumliche Nähe der Menschen und zugleich ihre unendliche Ferne und Fremdheit? Dieses Ereignis ist es, welches das Leben des Mannes unaufhörlich um­freift. Begriffe er es, so würde er vielleicht aus seinem hölzernen Räfig ausbrechen. Aber der Mann hinter der Schranke ist geschützt durch Nichtwiffen, gesegnet durch Nichterkennen. Denn auch er sieht teine Menschen, ein Raleidostop einzelner wirren Menschenfeßen wirbelt an ihm vorüber. Die scharfe Sichel eines Kinns, Haar­strähnen, der Goldknopf einer Manschette, eine rote Hutschleife und vor allem Hände, spise und stumpfe, Hände in Handschuhen und nadte Hände, von Arbeit gegerbt. Ein wirres Geflecht von Glied maßen ist es, das sich vor dem Mann auftürmt wie eine Hede, fein

mürbe, daß die deutsche Regierung die entsprechenden Summen im Innern zur Entschädigung der deutschen Exporteure aufzu= bringen hätte, und daß dadurch die deutsche Reparations­fähigkeit sowohl in hohem Grade geschmächt würde als auch neue Gefahren für die Stabilität der deutschen Währung heraufbeschworen würden.

Geisler klagt?

Abwarten!

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Das deutsche Bolt habe bisher feinen Brunb gehabt, die Beteiligung am Bölkerbund zu erstreben, von dessen Leistungen es naturgemäß nur die für Deutschland negativen empfunden habe. Daß der Bölferbund in wichtigen Fragen auch positive Arbeit geleistet habe, werbe wohl von einzelnen erkannt, doch habe man pon ber Die Bereinigten Baterländischen Berbände haben anscheinend großen Masse des deutschen Volkes nicht erwarten können, daß es ihren berüchtigten Vorsitzenden, den deutschnationalen Reichstags. angesichts der Entscheidung über Oberschlesien , um abgeordneten Geisler, in den legten Tagen mächtig unter Druck nur das Hauptbeispiel herauszugreifen, besonders geneigt wäre, durch gefeht und ihn endlich gezwungen, entgegen seiner ursprünglichen die Mitgliedschaft im Bölkerbund Aktionen zu sanktionieren, deren Absicht die Beleidigungsflage zu erheben, zu der ihn Ge­Kosten das deutsche Bolt selber zu zahlen hatte. Nachdem nunmehr noffe Hörfing, der Bundesvorsitzende des Reichsbanners Schwarz bas Reparationsproblem geregelt sei, glaube die deutsche Regierung Baterländischen Berbände, daß sich Geisler lange hat es ge Rot- Gold gepreßt hat. Wenigstens verkünden die Vereinigten angesichts der wichtigen Fragen, die der Entscheidung des Bölfer bauert, und er mußte gebührend gebrandmarft werden als bewußter Baterländischen Verbände, daß sich Geisler bundes unterlägen, ihre bisherige Haltung aufgeben zu bauert, und er mußte gebührend gebrandmarkt werden als bewußter Berleumder und Ehrabschneider" zu der Klage bequemt habe. müssen. Die deutsche Regierung habe es jedoch für eine Pflicht der Aufrichtigkeit gehalten, bevor sie ihren Antrag zur Aufnahme Deutsch - Berleumdungen der Angehörigen des Reichsbanners erbringen müſſen Nun wird er den Beweis für seine hanebüchenen, echt vaterländischen lands in den Böllerbund stellte, sich Gewißhei: über einige Bunkie Berleumdungen der Angehörigen des Reichsbanners erbringen müſſen zu verschaffen, deren Bedeutung für die zufünftige Stellung Deutsch bände durch ihre Anfündigung lediglich eine Beschwichtigung der menn er in einiger Zeit nicht doch wieder kneift und seine Ber­die deutsche Regierung in einem Memorandum formuliert, abschneiderei als jedes Anstandes bar allmählich selbst zu fauftdick lands zu dem Bölferbund ausschlaggebend sei. Diese Punkte habe jenigen Kreise im rechtsrabifalen Lager versuchen, denen Ehr welches den im Rate des Bölkerbundes sigenden 10 Nationen zu geworden ist gestellt worden sei. Die deutsche Regierung verlange auf dieses memorandum weniger eine bestimmte Zu- oder Absage, sondern betrachte es als eine einseitige Erklärung, die sie aus Gründen der Loyalität vor Stellung des Antrages abgeben zu müffen glaubte. Deutschland liege im wesentlichen daran, feine zufünftige Stellung als Hauptmacht anerkannt zu sehen.

Die Erklärung läßt darauf schließen, daß der Reichs Schritte zweds Aufnahme Deutschlands in den Bölkerbund tanzler und mit ihm die gesamte Reichsregierung bereit sind, auch dann zu unternehmen, wenn sich die Völkerbundmächte damit begnügen, das Memorandum zur Kenntnis zu nehmen, ohne ausdrücklich auf die einzelnen Buntte einzugehen. Nach dem bisherigen Echo, das das Memorandum bei den aus wärtigen Regierungen gefunden hat, ist nicht anzuneh tend machen wird. Die Erklärung des Reichskanzlers fann men, daß sich ein prinzipieller Wider ft and gel mithin als ein weiterer Schritt vorwärts in der Bölkerbund frage betrachtet werden. Da die Deutsch nationalen fich nach wie vor zum Bölferbund schroff ablehnend verhalten, bedeutet sie zu gleicher Zeit einen neuen Schritt fort vom Bürgerblock.

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So muß es kommen! Kommunistenspaltung in Weitmar .

Ausgeschloffen

wegen Stimmabgabe für einen Sozialdemokraten. Bochum , 3. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Auf Beschluß der Bezirksleitung der Kommunistischen Partei des Ruhr­Beitmar aus der Partei ausgefchloffen worden, weil gebiets find acht Gemeindevertreter der KPD. in sie entgegen dem Befehl der Bezirksa itung der PD. für die Wahl des sozialdemokratischen Amtmanns geftimmt hatten. Die Fral tion" der Rommunisten besteht jetzt noch aus einem einzigen Auf­rechten. Das Ausschlußurteil wird in der komunistischen Bresse mit einem langen Rommenter versehen, in dem es heißt, daß das Bers Haffenfeindlichen Charakters der SPD. fei. Die Wahl des fozial halten der Ausgeschloffenen eine fatastrophale Berkennung bes bemokratischen Amtmanns fei ein Eintreten für die Etellung ber Sozialdemokratie zu dem Sachverständigengutachten und zu allen anderen Fragen. Bemerkenswert ist, daß die Haltung der Ausge schlossenen von der überwiegenden Mehrheit der kommunistischen Mitglieder in Weitmar gebilligt wird. Durch den Ausschluß der Gemeinderatsmitglieder ist eine Spaltung der Rommu

Im weiteren Berlouf feiner Unterrebung äußerte fich der nistischen Partei in Weitmar bewirkt worden dan 103 Reichskanzler über die Reparationsabgabe folgendermaßen:

Militärbehörden beschränken die Versammlungsfreiheit. Sabotage des Londoner Abkommens?

Die deutsche Regierung fönne nicht umhin, ihrer Besorgnis über die Anwendung einer der britischen Recovery Act analogen Sondersteuer in anderen alliierten Ländern Ausdruck zu geben. nach Auffassung der deutschen Regierung lasse sich diese einseitige Reparationseintreibung nicht in Eintiang mit den Be- Essen, 3. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Obwohl die Wieders stimmungen des Dawes Blanes bringen. Der Dawes- Plan herstellung der Hoheit der deutschen Behörden ein Teil der Lon­lege gang befonderes Gewicht auf die Frage der lebertragung von boner Abmachungen ist, haben foeben die französischen Milfs Reparationsleistungen aus Deutschland auf die reparationsberech tärbehörden einen neuen Erlaß, der diese Verpflichtung tigten Länder. Bei dieser Uebertragung fei die größte Rüdsicht auf ignoriert, herausgegeben. Der Bresse des Ruhrgebiets ist befohlen die Stabilität der deutschen Währung zu nehmen. worden, eine Verfügung zu veröffentlichen, in der betont wird, daß Aus den in Deutschland aufkommenden Martbeträgen, die für Re- bisher feine Henderung der Anordnungen über die Ber parationszmede zur Verfügung stünden, dürften nach Ansicht der sammlungsfreiheit erfolgt ist. Sämtliche Beschränkungen Verfasser des Dames- Blanes fremde Devisen nur in dem Maße und Verfügungen der Besaßungsbehörde über politische Versamm erworben merden, als nicht eine Erschütterung der deutschen Wählungen und über die Versammlungen der Gewerkschaften find nach rung zu befürchten sei. Die Anwendung der Recovery Act dagegen wie vor in vollem Umfange in Kraft. Demzufolge muß für poli­durch eine Anzahl, ja vielleicht die Mehrzahl der reparationsberechtische Versammlungen mindestens drei Tage vor ihrer Einberufung tigten Länder würde in ihren Konsequenzen dazu führen, daß ein die Genehmigung der Militärbehörden eingeholt werden. Bersamm Devisenbetrag in Höhe von mehreren 100 millionen lungen der Gewerkschaften und der Arbeitgebervereine müssen min­Goldmark der deutschen Wirtschaft von vornherein entzogen destens 24 Stunden vorher mündlich oder schriftlich angezeigt werden.

einziger Mensch. Bald sieht er auch dies nicht mehr. Sein Auge be­tommt einen abwägenden starrblinden Blid. Und was gäbe es auch zu fehen! Auf einer abschüssigen Drehscheibe, die immer schneller und schneller zu freifen scheint, sieht er das Karussell der Menschen heranfahren. Und wie es ja immer ein und dasselbe Gesicht bleibt, das nur fein Mienenspiel mastenhaft verwandelt, so ist es auch nur eine einzige, unwesentliche, gleichgültige Person, die immerzu wieder­tehrt und ihm immer wieder denselben fleinen Gegenstand hin­reicht. Das höllische Geheimnis der vergeblichen und rasenden Be­wegung, die nichts bedeutet als ewiges Stillftehen, der Bielgestalt, bie nichts ist als Einzigkeit, erfüllt sich vor diesem Manne Sefunde um Sekunde. Allmählich muß eine lächelnde Apathie, eine heroische

Gleichgültigkeit in ihn einziehen.

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einem Gindrud aufgeriffen wird. Eine Matrosenfchleife, die ihn an Vielleicht allerdings gibt es Augenblicke, in denen fein Auge von fein eigenes Kind erinnert, ein leises Glimmen aus einem Frauen blid, das ihn lodt, aufzublicken, und er sieht hin, sieht endlich das Leben zischt auf eine halbe Sekunde, das Wiedererkennen zwischen zwei Seelen, aber schon ist es erloschen und wieder steht er in dem trüben Halbdunkel unter der Erde wie ein Wächter der Unter­welt, an dem die endlosen Schatten der Menschen vorübergleiten.

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2nd Die amerikanischen Zeitungen. Ein Vergleich, den fürzlich Paul W. Withe in Editor and und aus der Zeit vor 25 Jahren angestellt hat, zeigt als auffallendste Bublisher" zwischen 110 amerikanischen Tageszeitungen von heute Beränderung in diesem Zeitraum das Anwechsen des Umfanges. Die typische ameritafische Zeitung hat heute 16 Seiten zu je acht Rolumnen gegen 12 Geiten zu je fieben Kolumnen vor einem Vierteljahrundert. Der den Nachrichten( Allgemeines, auswär­tige Bolitit, Kriminalnachrichten, Geschäftsleben) gewidmete Raum, der in den früheren Blättern etwas mehr als die Hälfte einnahm, beträgt in den heutigen Zeitungen nur noch 40 Prozent. Die Aus­landsnachrichten sind heute doppelt so umfangreich wie damals; fie beanspruchen etwa 2% Prozent des Gesamtraumes. Die Abteilung Bolitie" ist sich ungefähr gleich geblieben, während die Krimi nalnachrichten wesentlich zugenommen haben. Der dem Sport gewidmete Prozentsaz( 7% Prozent) zeigt ebenfalls eine starte 3u nahme; dagegen befinden sich die Gesellschaftsnachrichten in einer mächtigen Flaute.

Auffallender als alle anderen Veränderungen im Zeitungswesen ist die Berminderung bes für die Meinungsäußerung bestimmten Raumes. Der Prozentjaß für redaktionelle Aeußerung ist um mehr als zwei Drittel herabgefeht worden; aber der Rückgang ist sogar ein absoluter, bruden doch die zum Bergleich herangezogenen Beitungen heute im Tagesdurchschnitt nur mehr als 56 3oll Leitartikel gegen 65 Zoll im Jahre 1890; die Briefe an die Redaktion" sind bis Schwinden bes redaktionellen Einflusses und der rebaftionellen Be zu einem Sechstel ihrer früheren Quote beschnitten worden. Das deutung der amerikanischen Zeitungen ist seit langem eine bekannte Tatsache.

Bielleicht das wichtigste von allem aber ist, daß der Anzeigen­teil sich um etwa 50 Prozent vergrößert hat. Dieses Anwachsen wird noch deutlicher, wenn man sich vor Augen hält, daß der Tages­durchschnitt für Anzeigen in den 25 Jahren von 539 Boll auf die zunehmende kommerzialisierung unserer Presse. 1172 Boll gestiegen ist. Dies ist natürlich ein weiterer Beweis für Tageszeitungen in den Bereinigten Staaten auf annähernd 15 Millio Wenn man bedenkt, daß in diesen 25 Jahren die Verbreitung der derungen des heutigen Zeitungswesens sich ständig komplizieren, fo nen Exemplare emporgeſchnellt ist, und daß die finanziellen Anfor­findet diefe Entwidlung ihre volle Begründung.

" Roland von Berlin." Die Leitung der neueröffneten Kleintunft. bühne im Admirals polast verdient einen Preis: sie hat es zu­mege gebracht, troß Heranziehung einiger guter Kräfte, gähnende Bangeweile in den reizenb hergerichteten Raum, der wohl einer der schönsten in Berlin ist, hineinzuzaubern. Die einzigen Lichtblicke Beitlang einen wirklichen Kontakt mit dem Bublifum herstellte, und maren der ungarische Musikhumorist Lajos Ezendy, der eine Elifabeth Bergner, die eine meisterhafte dramatische Leistung nehmen, um zum Schluß diese Leistung zu genießen. Außerordentlich bot. Leider mußte man die Langeweile des ganzen Abends auf sich peinlich und befremdend aber wirfte die Tatsache, daß den anwesen­den Pressevertretern Gratisbewirtung angeboten wurde. Wie niedrig muß die Leitung des Unternehmens die Pressevertreter einschätzen, wenn sie es moat, fie mit Champagner und anderen dargebotene Bewirtung zurückzuweisen. Hoffentlich wird von den onwesenden Bressevertreter nidt das notwendige Tattgefühl, um die schönen Dingen bewirten zu lassen! Leider hatte eine Anzahl der zuständigen Berufsorganisationen dafür Sorge getragen daß die hier gerügte Unfitte aus dem Berliner Kunstleben perschwindet, A. S. gerügte Unfitte aus dem Berliner Kunstleben perschwindet. A. S.

Die Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Mit dem 1. Oftober ist die Bereinigung der Staatsschulen für freie und ange­wandte Kunst, die schon früher räumlich erfolgt war, nun auch organi­faterisch vollogen. In dem früheren Hochschulgebäude in der Harden­bergstraße sind bis auf eine Werkstätte aus der Kunstgewerbeschule alle Ateliers und Klaffen der beiden nun verschmolzenen Unterrichts­anstalten vereinigt worden. Und zwar hat man darauf Wert gelegt, die drei Abteilungen aus denen fich die Staatsschulen zusammen­fegen, die für freie Runft, für angewandte Kunst und für Architektur, nicht räumlich zu trennen. Indem man die Klassen, Hilfsfächer und Werkstätten räumlich in enge Beziehung miteinander brachte, foll ermöglicht werden, daß die anregende Wirkung dieser Nachbarschaft freier Künstler" mit Kunstgewerblern, Zeichnern mit Drudern uff. fich vervielfacht. Im allgemeinen find die Bildhauerwerkstätten im Rückflügel an der Kurfürftenallee, die tunstgewerblichen Werkstätten im ersten Querflügel, vorn findet man eine Reihe von Malerwerf ftätten, meist nebeneinander die der Lehrer aus der früheren Hoch­schule und aus der alten Kunstgewerbeschule. Endlich enthält das Rünste. Es wird nun alles barauf anfommen, die neuen Staats. weitläufige Gebäude auch noch die Meisterateliers der Akademie der schulen so auszubauen, wie es fachlich erforderlich ist, und diese neue Diganisation über die erste Uebergangszeit hinwegzubringen.