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Du sollst dich nicht krank melden!"

,, Erziehung" der Krankenkassenmitglieder.

Die menschlichen Maschinen haben immer noch so viele Fehler und Schwächen, daß sie jeden Unternehmersyndikus zur Verzweif lung bringen. Sie wollen mitreden bei der Kalkulation über ihre Verwertung bei der Bemessung der Löhne und Arbeits­zeit, wollen Sommerurlaub, streifen von Zeit zu Zeit oder müssen wegen Renitenz" ausgesperrt werden. Die In­dustrie, vielmehr die Wirtschaft", macht zwar alle Anstrengungen, solchen Massenstörungen der Produktion zu begegnen, den Produktionsausfall zu beseitigen, die Produktion zu erhöhen, allein fie muß auch mit dem Widerstand der einzelnen rechnen, die entweder danach trachten, beffere Arbeitsstellen durch Wechsel zu finden oder aber, wenn sie feine Lust zum Ar­beiten haben, sich einfach frant melden, um sich auf Roften der Krankenkasse einen guten Tag zu machen, oder gar darauf aus­gehen, entlassen zu werden, um für ihr Nichtstun die Erwerbs lofen fürsorge in Anspruch zu nehmen und gelegentlich etwas hinzuzuverdienen, um sich ein angenehmes Leben zu verschaffen.

Allmählich ist die Industrie" hinter diese Schliche" gekommen. Sie hat diese Fehlerquellen wissenschaftlich" erforscht und ist unab­lässig bemüht, sie abzustellen. Durch gleichmäßige Niedrighaltung der Löhne und gleich lange Ausdehnung der Arbeitszeit sucht sie dem Wechsel der Arbeitsstellen zu begegnen, und durch die Einrichtung der Betriebstrantentaffen mit sogenannten Ver trauensärzten sucht man auch den Krankmeldungen der Simulanten" beizukommen.

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In der Wirtschaft" gibt es nur 3iffern. 3iffern für die technischen Prozesse wie für den faufmännischen Betrieb, 3iffern auch für die Masse Mensch. Die wissenschaftliche" Schrift der Ber ein gung der deutschen Arbeitgeberverbände über die Arbeitszeit­frage hat bereits als eine der Ursachen mit für den Ausfall von Produktionsstunden auf die Kranfmeldungen hingewiesen, auf die Tariffrankheit", und eine Steigerung des Ausfalls der Arbeitsstunden gegen die Kriegszeit um 30 Broz. nachgewiesen". Der schamhaft seinen Nanken verschweigende Berfaffer dieser Unter­nehmerdenkschrift hat es immerhin noch menschlich erklärlich gefunden, daß die beträchtliche Höhe des Krankengeldes, dessen weitere Herauffezung auch heute noch von den Gewerkschaften verlangt wird, immerhin einen gewissen Anreiz zu Krank meldungen bietet, zumal nach den derzeitigen Bestimmungen auch für den Sonntag Krankengeld gezahlt wird und dadurch im Wochenverdienst oft nur ein völlig unzureichender Unterschied zwischen Arbeitsverdienst und Krantenentschädigung vorhanden ist." In der Industrie- und Handels- Zeitung" geht nun der Re­gierungsbaumeister a. D. W. Bolz, da er nichts mehr zu bauen hat, den Dingen auf den Grund. Kranfmeldungen in der Industrie. Der Einfluß hohen Krantengeldes und finkende Beschäftigung" ist seine tiefgründige wissenschaftliche" Untersuchung überschrieben, die er angestellt hat, da seit Anfang dieses Jahres in den industriellen Betrieben eine auf­fallende Steigerung der Krankenziffern festzu­stellen sei.

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Für alle Auffälligkeiten in seinen Tabellen hat der Bearbeiter eine einfache Erklärung. Im Jahre 1921 z. B. war der Kranten­stand in den sicherlich zu den gesündesten zählenden Monaten" August und Juni am höchsten, im November und Ottober am niedrigsten. Der Mai 1923 hatte die höchste, der November die niedrigste Krankenziffer aufzuweisen.

Grund für diese an sich widersinnigen Erscheinungen ist eben der furz vorhergehende Höchst- bzw. Tiefstand der Krankengeld­

furve."

Urabstimmung in den Städtischen Gas- und Wasserwerken

Die Belegschaften der Städtischen Gas- und Wasserwerke Aktien­gesellschaft hatten in einer Urabstimmung mit übergroßer Mehrheit einen Schiedsspruch abgelehnt, der das Ueberarbeitszeitabkommen bis Ende Dezember mit 8% Stunden Arbeitszeit täglich verlängerte und darüber hinaus bis zum Ablauf des Tarifes 8% stündige Ar­beitszeit vorfah. Die Direktionen hatten die Berbindlichkeitser­flärung dieses Schiedsspruches beantragt. Bei den Verhandlungen darüber hatte das Reichsarbeitsministerium den Parteien aufge­geben, sich in nochmaligen Verhandlungen über den Streitfall zu einigen. Diese Verhandlungen führten zu feinem Er­gebnis, so daß sich erneut das Arbeitsministerium mit der Sache befassen mußte. Von den Vertretern des Ministeriums wurde da­Arbeitnehmer abgelehnt werden mußte. Durch Vermittlung des bei ein Vermittlungsvorschlag gemacht, der von den Vertretern der Berbandshauptvorstandes und einiger Aufsichtsrtäe der Attiengesell­schaften wurden die Parteien erneut zu Verhandlungen zusammen­gebracht, in denen man sich nach langer Aussprache auf folgender Basis einigte:

Die Arbeitszeit für Tagesarbeiter wird vom 23. Oktober bis 31. Dezember auf 84 Stunden festgesetzt; vom 1. Januar 1925 ab gilt die achtstündige Arbeitszeit. Für die Schicht arbeiter verbleibt es auch über den 1. Januar hinaus bei der Rege­

Mit dieser Erklärung steht zwar die Tatsache im Widerspruch, daß in dem Zeitraum von Mitte 1922 bis Anfang 1923 die Kranten turve sich mit einigen Schwankungen auf der Höhe von etwa 4 bis 5 Proz. der Belegschaft hält, während die Kranken­geld furve einen außerordentlich tief gelegenen Bunkt erreicht hatte. Dieser scheinbare" Widerspruch löst sich aber bei Bolz in der Er­flärung auf, daß diese Ziffern in einer der Gesundheit ungünstigen lung, die bis zum 30. September d. J. gegolten hat. Die Lohn­Jahreszeit das natürliche Minimum darstellen, das niemals unter- äe in allen Gruppen werden ab 29. September um 3 f. und ab 19. Oftober um weitere 2 Pf. erhöht. schritten wird". Die Arbeiterinnen erhalten 3 refp. 1 Pfennig. Das Lohnab­tommen gilt bis zum 30. November.

Welche Jahreszeit ist denn nun eigentlich der Gesundheit günstig, wenn die ganze Zeit von der Mitte des einen bis zum Anfang des nächsten Jahres her Gefundheit ungünstig ist?

Zum Beweis für seine Theorie, daß die Höhe des Krankengeldes zur Krankmeldung animiere, ist Bolz einer ganz besonderen" Erscheinung auf die Spur gekommen. Seit dem Ende der Inflation, der Umstellung auf Goldmart, hat das Krankengeld einen verhältnismäßig hohen beständigen Wert. Die Krankenziffer müßte also steigen und sich auf einer gewissen Höhe halten.

Trotzdem schwankt die Krankenziffer in den letzten 9 Monaten bei der Firma A. von 3,2 Proz. über 13 Proz. auf 8 Proz., bei der der Firma B. von 2,5 Proz. über 8,5 Proz. auf 6 Proz., bei der Firma C. von 2,8 Proz. über 9,5 Proz. auf 8 Proz."

Während in all den Jahren von 1908 bis 1913 die wirtschaftliche Lage der von unserem Regierungsbaumeister a. D. untersuchten Be triebe nicht die geringste Rolle spielt, führt er zur Wiederherstellung des Gleichgewichts seiner Theorie, die 1924 vom hochgespannten Seil herunterzufallen droht, die wirtschaftliche Lage der drei Firmen ins Feld, die im Winter 1923/24 zu Betriebseinschränkungen, Entlassungen und Kurzarbeit geführt, vom Frühjahr ab aber ein all­mähliches, sehr günstiges Zunehmen der Beschäftigung mit sich ge­bracht habe. Die Beweisziffern für diese Erklärung bleibt er uns schuldig. Dafür behauptet er:

In einer Vollversammlung der Gas- und Wasserwerksarbeiter, die gestern abend im Saalbau Friedrichshain tagte, berichtete Po­lenste über die Verhandlungen und den vorliegenden Einigungs­vorschlag, den er im Auftrage der Obleutekonferenz zur Annahme empfahl. Nach langer Aussprache wurde der Vorschlag mit einer geringen Mehrheit abgelehnt. Es findet nunmehr heute in den Betrieben eine Urabstimmung statt.

Tarifabschluß in der chemischen Industrie.

In der chemischen Industrie Groß- Berlins ist es nach längerem tariflosen Zustand zum Neuabschluß eines Tari bertrages gekommen. Die wesentlichsten Bestimmungen des neuen Tarif­bertrages sind folgende: Erhöhung der Stundenlöhne/ um rund 10 Broz., Aufhebung der Fachgruppenspanne, die 5 Proz. betrug, Berdoppelung der Familienzulage und Erhöhung der Schmutzulage. chemischen Industrie wurde das Verhandlungsergebnis nach einem In einer start besuchten Veriammlung der Funktionäre der Chemischen Industrie wurde das Verhandlungsergebnis nach einem Heiterfeitserfolg der Kommunisten angenommen.

Nähere Auskunft sowie Ausgabe der Tariftabellen im Verbandss bureau der Fabritarbeiter, Engelufer 24/25, Aufgang C., 1 Treppe, Bimmer 93.

Zusammenschluß der Schwachstrommonteure. Dem von den Betriebsräten der führenden Firmen der Berliner Schwachstromindustrie gebildeten Agitationsausichuß ist es in ber­sammenfassung der Schwachstrommonteure und helfer in der Organis fation eine Grundlage zu finden. Die Monteure und Helfer werden die unien angezeigte Versammlung zu besuchen, um die legten not­deshalb im Auftrage jämtlicher Betriebsräte der Branche ersucht, wendigen Beichlüsse zu faffen.

" Schwankungen in der Krankheitsziffer sind also kein Ausdruckschiedenen Verbandlungen mit dem DMV. gelungen, für die Bu des wirklichen Gesundheitszustandes einer Belegschaft... Das Krankengeld erweist sich als zu hoch, weil der Arbeitswille nicht mehr der gleiche wie vor dem Kriege ist. Diesem Arbeitswillen hat nicht nur der Krieg Jeschadet, sondern vielmehr die Erwerbslosen­fürsorge."

Das Krankengeld betrage heute bei den norddeutschen Werken etwa 3 bis 3,60 M. für den Facharbeiter für jeden Tag. Der " Krante " hat feine Abzüge, braucht fein Fahrgeld, so daß die Bon drei großen Unternehmen, einem süddeutschen und zwei Differenz zwischen seinem Nettolohn abzüglich der Werbungsfoften norddeutschen, mit insgesamt fast 150 000 Arbeitnehmern standen und dem Krankengeld viel zu gering sei ,, das Krankengeld also ganz ihm statistische Angaben aus den Jahren 1908 bis 1924 zur Verzweifellos ein fügung. Daß in dieſen 16 Jahren einige kleine Veränderungen ein­getreten find, ein Stahlbad" von 52 Monaten mit nachfolgender Entfettungstur" und etliche andere Unebenheiten, Wohnungsnot, Menschenabbau, Verkürzung und Wiederverlängerung der Arbeits­zeit und dergleichen, das alles bildet für einen Regierungsbau­meister a. D. fein Hindernis, um ziffernmäßig nachzuweisen, was

zu beweisen war.

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Unser Statistiker muß freilich zugeben, daß der Gesund heitszustand unseres Boltes fich wesentlich ver= schlechtert hat. Aber diese Berschlechterung erkläre noch lange nicht die in den letzten Jahren eingetretene Steigerung der Rrantenziffern um mehr als 100 Pro3. Die Haupt­rolle spiele dabei das Krankengeld, dessen Höhe vom Lohn abhängig ift. Die Krankenziffern paßten sich in ihrer Bewegungsrichtung vollkommen der Krankengeldhöhe an.

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Bei hohem Krankengeld sehen wir hohe Krant. heitsziffern, bei niedrigem Krankengeld die geringste Bahl von Erkrankungen selbst in den Jahreszeiten allgemein günstigen Gesundheitszustandes, z. B. im Sommer."

fei die herabsehung des Kranken­Radikalmittel en des Simulantentums begünſtige"." Das geldes. Den Kassen blieben einstweilen als Abwehrmittel im wesentlichen nur die Nach untersuchungen durch Vertrauens­ärzte der Kassen oder Kontrolle durch besondere Krankenbesucher. Bei der Firma C. feien von 1597 in 12 Arbeitstagen sich frank Meldenden 451 Personen nachuntersucht mit dem Erfolg, daß fofort 351 gefund geschrieben wurden. Die Firma B. habe schon 1912 bis 1913 etwa 35 bis 40 Proz. gesundschreiben lassen, in den Jahren 1921 bis 1923 steigerte sie ihre Erfolge auf 45 bis 73 Proz. Daraus gehe hervor, daß die soziale Erziehung der Kassen­mitglieder noch verbessert werden muß".

Uns scheint nach allem, daß es mit der sozialen Er­8iehung der Unternehmeranwälte sehr schwach bestellt ist. Anstatt einer Würdigung der Krankenziffern auf Grund der ge= samten sozialen und wirtschaftlichen Berhältnisse eine einseitige Stellungnahme gegen die Arbeitnehmerschaft und Ankündigung vermehrter sozialer Reaktion. Erziehung" durch die Betriebskrankenkassen, Heilung durch Gesund schreiben.

Gemeindearbeiterstreik in Mitteldeutschland .

Zur gleichen Zeit, in der die Gemeindearbeiter in Halle a. d. S. in den Streit getreten sind, haben auch die Gemeindearbeiter in magdeburg und Erfurt fowie in einer Anzahl weiterer Städie Mitteldeutschlands die Arbeit eingestellt. Der Anlaß ist in den schon seit Wochen anhaltenden Lohnbewegungen zu suchen. Außer in den Betrieben der Gas-, Wasser und Elektrizitätswerke wird auch in den Krankenhäusern, Theatern usw. ges streift. Die Technische Nothilfe wird eingesetzt.

Achtung, Buchdrucker! Wie uns mitgeteilt wird, ist das nach Stellung einer Ausgleichsforderung fristlos entlassen Handiegerpersonal der Firma Hermann& Co.

worden.

Der Streit der Porzellanarbeiter in Nordböhmen ist beendet. Schwachstrom- Monteure! Am Freitag, den 24. Oktober, abends 7 Uhr, im Garde- Rafino, Sophienstr. 34, öffentliche Bersammlung sämtlicher Monteure und Helfer der Groß- Berliner Schwachstrom- Industrie. Lohnergebnisse und Stellungnahme dazu.

Wetter für Berlin und Umgegend. Meist bewölkt, nur vorübergehend ettvas aujilarend, zeitweise leichter Regen bei wenig geänderter Temperatur. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus;

Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin . Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin . Drud: Vorwärts- Buchdrudcret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen.

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