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Nr.500 41.Jahrgang Ausgabe Nr. 254

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Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" mit ,, Gied. Jung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal.

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Sozialdemokrat Berlin *

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands

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Donnerstag, den 23. Oktober 1924

Zum Kampf bereit!

Tagung der Reichstagsfraktion und des Parteiausschusses.

Am Mittwoch traten die Mitglieder der sozialdemokra- Die Landesvorstände der Deutsch nationalen Partei fifchen Reichstagsfraktion und die Mitglieder des werden sich am fommenden Sonntag in Berlin versammeln. Bei Parteiausschusses in bester Stimmung zu einer Konferenz dieser Gelegenheit dürften auch die Führerfrage und der Wahl­im Reichstage zujammen. Nach einer furzen Begrüßung durch den aufruf der Nationalsozialisten behandelt werden, in dem die Genossen Weis erstattete Genosse Hermann Müller den Be- deutsch nationalen Führer, die sich um die Ministersessel richt über die gescheiterten Regierungsverhandlungen. Der Sozial- bemühten, als Partei bonzen und Schieber apostrophiert demokratie sei es zu danken, daß der Versuch mißglückt sei, die Re- werden. Im übrigen spricht der Wahlaufruf die Hoffnung aus, gierung einseitig nad) rechts zu erweitern und einen Bloc der Ka- die Neuwahl möge eine Mehrheit bringen, die die Dawes-Gesetze pitalisten gegen das deutsche Volk aufzurichten. Auch der Wahl- zerschlägt. Da auch der phantasiebegabteste Nationalist keine fampf habe das Ziel, diesen Befihbürgerblod zu verhin- nationelsozialistische Mehrheit erwarten fanm, hat der Aufruf einen dern, den außer den Demokraten alle bürgerlichen Parteien er- Umfall der Deutschnationalen nach der rechtsradi. Umfall der Deutsch nationalen nach der rechtsradi. reichen wollen. Die deutsche Politik dürfe nicht mehr unter die talen Seite zur stillschweigenden Voraussetzung. Aber auch das Führung der Propagandisten für die Revanche und der Monarchisten nürde die Durchführung der Dawes- Gesetze, die mit Hilfe der Deutsch jowie der Junter und der Großfapitaliften geraten. Es gelte zu­nationalen angenommen wurden, nicht verhindern können. Luden­nächst die Republik zu sichern und die Befriedung Europas her- dorff hat sich trotz aller entgegengesetzten Ratschläge seiner Freunde beizuführen, die durch die Außenpolitik der Sozialdemokratie ein- und Freunde" wieder an die Spike der nationalsozialistischen Reichs­geleitet worden ist. Im Mittelpunkt dieses Kampfes stehe der fo- liste gestellt. jiale Schuh aller Schwachen, für den die Sozialdemokratie fich mit allen Kräften einfegen werde.

Nach kurzer Ausfprache billigte die Fraffion und der Bar­teiausschuß einmütig die Haltung des Vorstandes. Der Parteivor­fland wird den Wahlaufruf in den nächsten Tagen veröffentlichen. Nach der Besprechung organisatorischer Fragen erreichte die Sigung, die von der Siegeszuversicht der Partei, der Schlagfraft der sozial­demotafischen Organisation und der Begeisterung der Massen des werktäligen Boltes Zeugnis ablegte, in der zweiten Mittagsffunde

Ihr Ende.

Die Vorbereitungen der Parteien. Der Borstand der demokratischen Partei hat für den 2. November einen außerordentlichen Parteitag nach Berlin einberufen. Auch der Parteitag des Zentrums wird in Berlin und nicht, wie ursprünglich vorgesehen war, in Frankfurt am Main stattfinden. Er ist auf den 26. und 27. Oftober festgesetzt worden. Die Volkspartei hält am 16. November in Dort­ mund einen außerordentlichen Parteitag ab Die Reichstagsfraktion der Boltspartei tagte gestern unter Hinzuziehung von Mitgliedern der Landtagsfrattion. Von einer offiziellen Beröffentlichung des Ergebnisses dieser Sigung wurde auf Wunsch des Vorsitzenden. Abg. Dr. Scholz, Abstand genommen. Es wurde aber mitgeteilt, baß die Fraktionsmitglieder die politische Führung der Parteileitung einmütig gebilligt haben. Die Wirtschaftliche Bereini gung( Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes, Bayerischer Bauernbund , Deutsch- Hannoveraner) wird auch diesmal eine eien­heitliche Reichsliste aufstellen.

Die befreiten Gebiete.

Bayerische Demokraten gegen Stresemann .

München , 22. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Demo­ratische Partei Südbayerns richtet einen Offenen Brief an Dr. Stresemann wegen der Rundgebung der Deutschen Bolfspartei, in der gesagt ist, daß bei der Haltung und bei den Entschlüssen der Demofratischen Reichstagsfraktion in der Frage der Regierungserweiterung Einflüffe inter nationaler Trusts eine verhängnisvolle Rolle gespielt und die Reichstagsauflösung berschuldet hätten. Dieser Saz, so heißt es in dem Offenen Brief, enthält eine so ungeheuer­liche Anschuldigung einer ganzen Frattion, daß in aller Deffentlich teit genauestens aufgeklärt werden muß, auf welche bestimmten Unterlagen in sachlicher und persönlicher Hinsicht sich dieser Bor wurf politischer Unmoral und Bestechlichkeit stützt.

Auslegung der Stimmlisten.

Der Reichsminister des Innern hat bestimmt, daß die Stimm. listen und Stimmtarteien für die Reichstagswahl vom 16. November 1924 bis einschließlich 23. November 1924 auszulegen find. In Preußen werden die Listen mit Rücksicht auf die Regelung im preußischen Wahlverfahren vom 15. bis einschließlich 22. November ausgelegt. Näheres über Ort und Zeit der Aus­legung geben die Gemeindebehörden bekannt. Einsprüche gegen die Stimmlisten müssen bis zum Ablauf der Auslegungsfrist erhoben werden. Wählen kann nur, wer in die Stimmliste ein­getragen ist oder bei Abwesenheit vom Wohnort am Wahltage einen Stimmschein sich rechtzeitig hat ausstellen lassen.

Uebergabe. Die Regiefranten werden sofort außer Kraft gesetzt; die Reichsbahn lehnt es ab, diese Zahlungsmittel einzulösen. Elberfeld , 22. Oftober.( WTB.) Heute wurde das Ge­Die bestehenden Verträge der Regie mit den Bahnhofsbuchhand­biet von Vohwinkel , Remscheid , Wipperfürth , Ründeroth sowie die Gebietsstreifen nordöstlich und öftlich derungen und den Rollfuhrunternehmern werden gekündigt. Alle Bollerklärungen kommen in Wegfall. Grenze des Brüdentopfes& öln geräumt. Aus Remscheid zogen die Truppen in der Frühe ab. Die Truppen

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Krachen im Gebälk.

Geftörter Bürgerblockfrieden. Der Riß in der deutsch­nationalen Partei. Geßler will Demokrat bleiben.

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Der Aufruf der deutschnationalen Reichstagsfraktion ist gestern hier einer scharfen Kritik unterzogen worden. Auch die demokratische und die Zentrumspresse hat sich über ihn in abfälligster Weise geäußert. Nun fommt auch das offiziöse Organ der Volkspartei, die Beit", mit einer Zurüd­weisung, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt. sei er von irgendeinem jungen Abgeordneten völkischer Rich­Die Beit" meint höhnisch, der Aufruf sehe so aus ,,, als fei er von irgendeinem jungen Abgeordneten völkischer Rich­tung verfaßt und ohne Korrekturprüfung an die Deffentlich­feit gebracht worden". Und sie fährt fort:

Der ganze Aufruf steht in vollem Gegensatz zu der Politik, die die Deutschnationale Partei und Herr Hergt gerade in den letzten Wochen getrieben hat. Verstehen wir ihn recht und ist er mehr als eine Zusammenstellung von Schlagworten, dann ist er eine Absage an den Parlamentarismus überhaupt. Das geht aber nicht an. Man kann nicht gleichzeitig unter Berufung auf die Stärke der Partei den Anspruch auf die Zuteilung von Ministersigen erheben und den Parlamentarismus überhaupt ablehnen. Man kann sich auch nicht bereit erklären, mit Parteien zusammenzugehen, die in bezug auf die Stellung zum Staate eine bejahende Saltung einnehmen und den Staat dann derartig an­greifen, wie man es hier getan hat. Wir bedauern auch unserer­seits außerordentlich, daß in dem Aufruf der Kampf gegen die Judenherrschaft als Ziel des Wahlkampfes hingestellt wird. Das alles erschwert die Durchsetzung der Ideen, um derethalben der Kampf der letzten Wochen gegangen ist. Dabei braucht nicht erst betont zu werden, daß die Deutsche Volkspartei als liberale Partei besonders mit dem Gedanken der Religionshehe und der Raffenhetze nichts zu tun hat. Da wir glauben, über die Entstehung des Aufrufs einigermaßen unterrichtet zu sein, wollen wir ihm nicht die Bedeutung beilegen, die wir ihm beilegen müßten, wenn er ais offizielle Parteifundgebung anzusehen wäre. Wir hoffen, daß die offizielle Parteileitung Beranlaffung nehmen wird, in ihrem Aufruf das Einigende mehr zu betonen als das Tiennende. Und wir wieder­holen die Warnung, die wir gestern ausgesprochen haben, daß man fich hüten möge, durch die Methoden des Wahlkampfes das zu verderben, was die Verhandlungen der Parteien in den letzten Wochen der Erfüllung nähergebracht haben.

wegen

Die Ausführungen der Zeit" lassen deutlich erkennen, daß sich die vorläufig noch bestehende deutschnationale Parteileitung bei der Volkspartei nichts an der Tatsache, daß er eine durchaus offizielle Erklä­dieses Aufrufs entschuldigt hat. Das ändert aber rung der bisherigen deutschnationalen Reichstagsfraktion dar­stellt, derselben deutschnationalen Reichstagsfraktion, deren un­begründeten Anspruch auf vier Ministersize die Bolfs= partei mit allen Mitteln" bis zur angedrohten Spren gung des Kabinetts und zur Reichstagsauflösung verfochten hat! Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat der Bolts­partei für all diese Liebesmühe mit einem flatschenden Schlag ins Gesicht gedankt. Sie hat alle Behauptungen, mit denen die Volkspartei für den Bürgerblod eintrat- bie Deutschnationalen hätten mit der bestehenden Staatsordnung und der bisherigen Außenpolitit ihren Frieden gemacht

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aus Vohwinkel fuhren mit der Bahn nach Koblenz . Einige fran- Die kommunistische Niederlage in Norwegen . glatt widerlegt und damit die Politik der Volkspartei ſelbſt

zöfifche Eisenbahner blieben zurück, die jedoch im Laufe des Tages abziehen werden.

Limburg , 22. Oktober .( WTB.) Heute mittag haben die Franzosen die Stadt Limburg endgültig geräumt. 3rgendwelche Zwischenfälle haben sich nicht ereignet.

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Die Flagge halbmast.

Christiania , 22. Ottober.( Eigener Drahtbericht). In Christiania herrscht bei den Kommunisten, die in Norwegen noch vor wenigen Jahren die gesamte Arbeiterbewegung beherrschten, über ihre fata­strophale Niederlage große Bestürzung. Der Eindruck der Wahl­Christiania so niederschmetternd, daß am Dienstag die rote Flagge halb mast gehißt wurde.

Reichspräsident, Reichsregierung und preußische Regierung haben niederlage war im tommunistischen Hauptquartier in an die befreiten Gebiete Glückwunschadressen gerichtet.

Die Uebernahme der Regiebahnen. Köln , 22. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Uebergabe

unheilbar bloßgestellt.

Und so ergibt sich die überraschende Tatsache, daß der Wahlkampf, der um den Bürgerblod unter maßgebendem Einfluß der Deutschnationalen geführt wird, mit einer moralischen Isolierung der Deutschnatio= nalen beginnt! Zugleich wird dadurch die sozial­demokratische Behauptung bestätigt, daß nicht die angeblich erzielte Uebereinstimmung in politischen Tagesfragen, sondern lediglich die Gemeinsamkeit der gegen die Arbeiterschaft ge­richteten sozialreaftionären 3iele die Grundlage aller Bürgerblockbestrebungen bildet.

der Regiebahnen an die Reichsbahn A.-G. ftellt auch die ußlands Anerkennung durch Frankrei). Boltspartei zuliebe auch im Wahlkampf die Filzpantoffeln

Eisenbahndirektion Köin vor schwere Aufgaben. Von 40 000 Eisen­bahnbediensteten der Kölner Direttion sind nicht weniger als 24 000 bei der Regie tätig. Von diesem Personal müssen diejeni gen, die früher bei der Reichsbahn beschäftigt waren, wieder über­nommen werden, während die Franzosen und Belgier ausscheiden. Umftritten ist noch die Frage, mas aus den neueingestellten Regiebediensteten werden soll, die ohne fachliche Vorbildung find. Die Regie rechnet sie zum ständigen Bersonal, während die Deutsche Reichsbahn unter Hinweis auf ihre hohen Reparations­Leistungen nur diejenigen übernehmen will, deren Dienstwert cinen reibungslosen Berkehr gewährleistet. Zahlreiche Lokomotiven ftchen schon an der Grenze des besetzten Gebietes, die sofort die starf verschliffenen Maschinen der Regie ersetzen sollen. Alle Vor­fart verschliffenen Maschinen der Regie ersetzen sollen. Alle Vor­breitungen sind getroffen, damit die Zugsicherung und das Melde­wesen, deren Einrichtungen unter der Regie stark gelitten haben, wieder instandgesetzt werden. Einstweilen bleiben die bisherigen Fahrpläne der Regie in Kraft, höchstwahrscheinlich bis zum 30. No­vember. Die deutschen Tarife gelten jedoch mit dem Tage der Uebergabe. Die Fahrkartenausgabe wird sofort neu organisiert. Die gierfahrtarten verschwinden um Mitternacht des Tages der

Kein Verzicht auf die französischen Forderungen. Paris , 22. Oktober .( Eigener Drahtbericht.) Die französische Regierung hat die Sowjetregierung am Mittwoch de jure an­erkannt. In dem Telegramm an die Sowjefregierung wird be­tont, daß Frankreich mit diesem Aft der Anerkennung keinen Ver­zicht auf die Rechte franzöfifcher Staatsangehöriger an ihrem von der Sowjetregierung fonfiszierten Besitz oder auf franzöfifche Schadenersahforderungen ausspricht.

Es ist nun abzuwarten, ob die Deutschnationalen der wieder anziehen werden, auf denen sie in die Regierung ein­schleichen wollten, oder ob sie im Stil ihres letzten Aufrufs fortfahren werden den Kampf mit jener verlogenen Dema­gogie zu führen, der sie ihren vergänglichen Wahlsieg am 4. Mai verdankten.

Der Miesbacher Schriftleiter Martin Weger, der wegen Be= leidigung des früheren Reichsjustizministers Dr. Rabbruch Fraktionsvorsigender zu sein. Herr Hergt ist Anzeiger" als verantwortlicher Redakteur au vier Monaten Ge­durch einen nicht von ihm geschriebenen Artikel im Miesbacher fängnis verurteilt wurde, ist begnadigt und nach Verbüßung der halben Strafe entlassen worden.

Deutsche Pazifisten in Frankreich . Der zweite Vortrag von Dr. Gumbel in Frankreich fand am 21. Oftober in Orléane tatt. Gumbel sprach zusammen mit dem Professor der Physit Langevin vor etwa 700 Personen, die seine Ausführungen be­geistert aufnahmen.

In der Abschiedssitzung der deutschnationalen Reichstags frattiones gibt kein Wiedersehen! wurde Herrn Hergt aus Anlaß seines 55. Geburtstages ein Blumenstrauß über­reicht, worauf der so Gefeierte melancholisch erklärte, da es feine Fraktion mehr gäbe, habe er ja aufgehört, wie lange. Nach den eigenen Erklärungen der deutschnatio­aber noch Partei vorsigender, indes weiß man nicht, für nalen Barteileitung bestand die Absicht, die bisherigen Führer durch Männer der schärferen Richtung zu ersetzen, wenn der Berliner Baft nicht zur Ausführung gelange. Nach­dem nun sämtliche Ministerfelle davongeschwommen sind, scheint dieser Fall eingetreten zu fein: die Schlange, Freytag Loringhoven und Laverrenz haben ein Recht auf die Parteiführung erworben und sind die designier­

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