fr. 51041. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Für Republik und Demokratie!
Aufruf des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold. Werte Kameraten!
Endlich, wenn auch reichlich spät, ist der Reichstag aufgelöst worden, dieser Reichstag, der schon 8 Tage nach seiner Wahl dem Volkswillen nicht mehr entsprach. Durch Lügen und Verleumdung gegen die republikanischen Parteien wie sie die Welt bisher noch nicht erlebt, durch demagogische Versprechungen, die deutlich be= wiesen, für wie dumm die Deutschnationalen, Böltischen ( Nationalsozialisten, Deutschsoziale) und Kommunisten die Wähler hielten, errangen diese Parteien bei der letzten Reichstagswahl einen Erfolg. Wie im Wahlkampf, so haben sich diese Parteien auch im Reichstage benommen. Durch unwürdige standalöse Radauszenen und den übelsten Kaschemmenton wurde das deutsche Barlament zum Gespött der ganzen Welt.
Noch erbärmlicher benahmen sich die Deutschynationalen, Böltischen und Kommunisten in ihrer politischen Tätigkeit. Durch Ablehnung der Gesetze aus dem Dawes- Gutachten trieben sie es entweder zu einem neuen Krieg oder zur Aufteilung Deutsch lands.
Das Rheinland haften fie bereits aufgegeben.
Bei diesem Treiben der übelsten Reaktionäre, das das deutsche Bolt und nicht zuletzt die Arbeiterschaft, die Beamten, Angestellten, Rentner, Kriegsfrüppel, Kriegshinterbliebenen, Witwen und Waisen in die größte Not und in das bitterste Elend gestürzt hätte, mar. schierten die Kommunisten mit den Verderbern Deutschlands Schulter an Schulter. Oft waren fie fogar führend und übertrafen die Deutschnationalen und Bölkischen in ihrem verbrecherischen Treiben.
War das widerwärtige und abstoßende Treiben der Deutsch nationalen , Völkischen und Kommunisten vom Standpunkt der deutschen Nation ein Verbrechen, besorgten sie damit die Ge schäfte der uns feindlich gesinnten Ausländer, so setzten ihm die Deutschnationalen die Krone auf durch einen Berrat ihrer eigenen Wähler. Aus berechtigter Wahlfurcht und
um durch einige Ministerseffel an die Reichsfufferkrippe zu kommen, stimmte die eine Hälfte für, die andere Hälfte ge gen tas entscheidende Gesetz aus dem Londoner Vertrage. Durch diese Handlung wurde die würdelose Deutschnationale Partei zum Gespött sowohl des Inlandes wie des gesamten Auslandes. Noch nie hat eine Partei eine solch erbärmliche Rolle gespielt wie die deutschnationale, die eine Außenpolitit treibt, die zum Verderben, und eine Innenpolitit, die zum Bürgerkrieg und damit zum Untergang Deutschlands führen muß.
Man sollte meinen, daß diese volts- und vaterlandsverräterische Bolitik und das standalöse Treiben der Deutschnationalen , Böltischen und Kommunisten gar nicht mehr zu übertreffen ist. Es ist jedoch anders gekommen: Die Deutsche Bolt partei, jene Bartei, die sich so oft, die schwarzweißrote Fahne schwenkend, halb republikanisch gebärdete, mit republikanischen Parteien in verschie.. denen Regierungen saß, jene Bartei wollte mit den Deutschynationalen gemeinsame Sache machen. Noch während des Rampfes um die Gesetze aus dem Londoner Abkommen hat die Bolkspartei den Deutschnationalen Ministerfige versprochen, hat felbft dann noch, als die Deutschynationalen sich bei der Abstimmung halbiert und vor aller Welt lächerlich gemacht hatten, ihre Aufnahme in die Regierung und damit
die Schaffung des Bürgerblods
mit allen Mitteln angestrebt. Die Deutsche Boltspartei ift demnach ebenso reattionär wie die Deutschnationalen. Sie bewies durch ihr Berhalten, daß sie an Würdelosigkeit die Deutschrationalen, Bölkischen und Kommunisten noch übertrifft. Der außenpolitische Schaden, den die Deutsche Volksparte unferem Bolte und Lande zugefügt hat, ist unberechenbar.
Die Treibereien der Volkspartei haben nun zur Auflösung des Reichstages geführt. Die Behauptung der Volkspartei, die Demofraten hätt die Auflösung des Reichstages verursacht, ist genau so unwahr, wie die Behauptung Dr. Stresemanns, die Bolkspartei hätte feinen Bürgerblod, sondern nur eine Erweiterung der Regierung nach rechts angestrebt, die nur für die allernaivsten Gemüter im Lager der Bolkspartei berechnet ist.
Am 7. Dezember d. J. findet die Neuwahl zum Reichs. tage und zum Preußischen Landtage statt. Dieser Wahltag muß ein Gerichtstag für die Monarchisten und deren Helfershelfer, die Kommunisten, werden.
Kameraden!
Der Wahlkampf hat begonnen. Mit welcher Berlogenheit er geführt wird, zeigen die Wahlaufrufe und Breffeäußerungen der Deutschnationalen , Völlischen, Volksparteiler und Kommunisten. Dieser Lügenfeldzug richtet sich jedoch nicht nur gegen die republikanischen Parteien, sondern in erster Linie gegen uns als Reichsbanner. Mit, der Lüge aber werden die Monarchiften und Kommunisten auch wieder zu der brutalsten Ge. ma't, zu Bersammlungsfprengungen, tatsäch. lichen Angriffen usw., wie sie bei der Nachwahl in Ober Schlesien in Erscheinung traten, greifen. Schon sind die Bater. ländischen nach langen Beratungen sich einig, wie sie ihren Lügenfeldzug gegen die republikanischen Parteien und unseren Bund und die Versammlungssprengungen am besten betreiben können. Hier, Kameraden, beginnt unsere Arbeit.
"
Es darf bei dieser Wahl nicht eine Berfammlung der republi. tanischen Parteien von den Monarchisten und Kommunisten gefprengt werden.
Wir haben als Reichsbannerleute alle Versammlungen der republifanischen Parteien zu schüßen, die Ruheftörer, falls Polizei nicht vorhanden, zu entfernen. Aber mit Versammlungsschutz allein ist es nicht getan. Jeder unserer Kameraden hat die Pflicht, mit allen Kräften im Rahmen seiner Bartei für deren Sieg und damit für die republi fanische Sache zu arbeiten.
Wir können als republikanische Verfassungs. parteien nur die sozialdemokratische, die demofra. tische und die 3entrumspartei ansehen. Zwergparteien, auch wenn diese sich republikanisch nennen und es vielleicht auch gut meinen, zersplittern nur die Kräfte und Stimmen und schaden der republikanischen Sache. Sie zu unterstüten haben wir feine Urfa che.
Kameraden!
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Die genannten republikanischen Parteien, Sozialdemo. tratie, Demofraten und 3entrum, deren Bersammlungen mir zu schützen haben, für die wir mit allen Kräften jeder für feine Partei arbeiten werden und müffen, haben große, ja fogar grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, eins aber haben sie alle gemeinsam:
Mittwoch, 29. Oktober 1924
Zum Wahltag in England.
( Vom Leuchtturm der Arbeiterpartei strahlt das Licht der Volkswohlfahrt.)
THE PEOPLE'S WELFARE
ABOUR
Dieses Licht können sie doch nicht auspusten!
den Willen zur Erhaltung der Republik !
und damit des Deutschen Reiches. Angesichts diefes hohen Zieles glauben mir, nicht dringend genug raten zu können, die Austragung der Meinungssverschiedenheiten inner. ( halb der republikanischen Parteien in Wort und Schrift während dieses Wahlkampfes zu unter. Iaffen. Wir alle haben einen gemeinsamen Feind, die reaktionären Monarchisten und deren Helfer, die Rommunisten. Diese niederzuringen ist das Gebot der Stunde, darum:
Schützt die Bersammlungen der republikanischen Parteien! Arbeitet mit allen Kräften, jeder für seine Partei! Unterlaßt die Austragung von Meinungsverschiedenheiten während der Wahl!
Rüttelt alle Säumigen, Männer und Frauen, auf! Stärft unferen Bund, das Reichsbanner, mit allen Kräften! Die Welt sieht bei diesen Wahlen nicht nur auf die republikanischen Parteien, sondern auch auf das Reichsbanner.
Darum, auf zum Wahlkampf mit allen Kräften, der Sieg wird
und muß unser sein!
Nieder mit den monarchistischen, reaffionären Deutschnationalen und Volksparteilern, den Völkischen und den verräterischen Kommunisten, die unser Volk und Land an den Abgrund gebracht haben und dieses Treiben vereint fortsetzen.
Hoch die Republik und die republikanischen Parteien!: Sozialdemokratie, Demokraten und Zentrum! Hoch das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold! Der Bundesvorstand.
Kommunistischer Kintopp.
Ein Film der Roten Fahne". Wir verzichten auf jeden Kommentar; wir geben nur Ueberschriften und Manschetten der Roten Fahne" aus den legten vierzehn Tagen der Regierungskrise wieder. Zwischendurch einige Zitate aus den lichtvollen" Erläuterungen, mit denen das Kommunistenblatt feine marttschreierische Unwissenheit zu begleiten beliebte. Wer dann noch nicht begreift, daß die Kommunisten in der Entwicklung der innerpolitischen Krise nur die Rolle des dummen August zu spielen vermögen, dem ist nicht zu helfen. Dem kleinen Häuflein dieser
Houy
NHNM
1924
( New Leader.)
Unbelehrbaren wollen wir gerne das Vergnügen lassen, am 7. Dezember fommunistisch zu wählen. Die Arbeitermassen haben den Unfug der KPD . Iängst fatt, sie werden diesen Arbeitervertretern die Quittung geben, die sie ver= dienen.
Freitag, den 3. Oktober: Der Schacher hat begonnen.
Die SPD. als kosten.
lose Zugabe. Sonnabend, den 4. Oktober: Die SPD. - Führer erklären fich für die Koalition mit den Deutschnationalen. Sozialdemokratische Arbeiter, wollt ihr euch mit Tirpitz koalieren? Sonntag, den 5. Oktober: Vertrauensmänner Nollets für das Westarp- Kabinett. Montag, den 6. Oktober:
Zur Tirpik Hilferding- Koalition. Dienstag, den 7. Oktober:
Die Bedingungen der Deutschnationalen als Regierungsprogramm. Friß SPD. - Vogel oder stirb. Mittwoch, den 8. Oktober:
-
Sie betteln nochmals um Aufnahme in die DawesKoalition Hergt- Wels.
Donnerstag, den 9. Oktober:
Die SPD . Reichstagsfraktion für die Koalition mit den Deutschnationalen.
Es ist klar, daß die SPD. - Führer die Bedingungen der Deutschnationalen sch I uden werden. Haben sie ja bisher als Minister schon gegen die berechtigten Arbeitskämpfe der Proletarier mit allen Mittel Front gemacht. Die Arbeiterschaft, die aber weiß, was gespielt wird, muß sich gegen die Versklavungskoalition zum Kampfe fammeln, die deutschnationalen Bedingungen wie di mit ihnen tonformen Richtlinien des Zentrumstanzlers zerreiße Freitag, den 10. Oktober:
Trotz allen Bettelns doch ein Fußtritt für die SPD. - Führer.
Dem Geschrei von der Reichstagsauflösung tommt immer weniger Bedeutung zu. Die fozialdemo fratischen Führer werden auch nach dem jetzigen Fußtritt wieder antriechen. Wer glaubt, daß sie nun dem Mary- Kabinett oder einem