kanntlich aus einer Reihe verschiedener Faktoren zusammen, die den Preis des Produttes bestimmen. Zu diesen preis- bestimmenden Faktoren gehört auch die sogenannte Lohn- g u o t e. d. i. der Anteil des Lohnes an den Gestehungskosten. Bezeichnen wir weiter die Gesamtsumme der sozialen Lasten als die S o z i a l q u o t e. Nun darf ja wohl noch heute als unbestritten gelten, daß seit dem Kriege die Lohnquotegefallen ist und sich auch bis heute noch nicht auf ihre frühere Höhe erhoben hat. Roh- Produkte, Maschinen, Geräte, Betriebsmittel und olles andere sonst ist teurer geworden— mit am meisten aber ist der Unternehmergewinn, die Profitrate, worunter wir auch den Zwischenhandelsgewinn verstehen, gestiegen. Es ist daher ohne weiteres einleuchtend, daß unter solchen Umständen die Lohnquote geringer geworden sein muß. Ja, die Lohnquote wäre selbst dann heute geringer, wenn alle Arbeitnehmer schon wieder den Friedensreallohn erreicht hätten. Alle anderen Produktionsfaktoren aber sind in die Höhe gegangen. Im Verhältnis zur Lohnquote ist auch die soziale Quote erheblich gestiegen. Aber kann deshalb im Ernste von einer sozialen Ueberlastung gesprochen werden? Müßte nicht erst fest- gestellt werden, ob und inwieweit Lohnquote und soziale Quote zusammen eine Steigerung der Produktionskosten bedingt haben? Wir sind überzeugt, der Nachweis läßt sich nicht erbringen. Oder ist es nicht geradezu absurd, ja noch schlimmer als das, zur selben Zeit, da bekannt wird, daß der Hutgroß- Handel seine Mitglieder zu einem Preisaufschlage von 30 P r o z. verpflichtet— und das ist kein Aus- nahmefall, die heute noch allgemein üblichen„Kalkulations"- Methoden sind hinreichend bekannt—, von einer sozialen Ueberlastung auch nur andeutungsweise zu reden? Man muß in der Tat den Mut der Leute bewundern, die es in solcher Situation fertig bringen, den Abbau der Sozialpolitik zu fordern. Aber daß so etwas möglich ist, zeigt uns. wessen sich die Herren der Industrie schon bei der heutigen Reichsregierung versehen und was die Arbeiterschaft noch zu gewärtigen hätte. wenn es gelänge, am 7. Dezember den so heiß ersehnten Bürgerblock zustande zu bringen. Jttzwischen aber möchten wir doch an die zuständige Stelle die eindringliche Mahnung richten:„R urnichtäng st lich, Herr Reichsarbeit s- „Nur nicht ängstlich, Herr Reichsarbeits- minister!" Denn selbst wenn es so wäre, wie es zweifellos nicht ist, und wenn das Unternehmertum alles, was es be- hauptet, beweisen könnte, so bliebe doch noch immer ein letzter und sozialpolitisch entscheidender Gesichtspunkt übrig, der gebieterisch Beachtung heischt: dieselben Kreise, die bis heute weder nominal und noch viel weniger real ihr Friedensarbeitseinkommen erlang-'n konnten, nicht zum wenig- sten infolge der Haltung des Unternehmertums, sind es, die auch im Kriege und in der Inflationszeit mit a m s ch w e r st e n gelitten haben. Sie haben an Lebensenergie und Ar- beitsfähigkeit eingebüßt neben allem, was sie materiell ver- loren haben. Auf der anderen Seite sind es dieselben In- dustrieherren, die durch den Krieg und durch die Inflation Riesengewinne eingehe im st und sich enorm bereichert haben, die auch j�tzt noch nicht nur nicht auf die gewohnten Gewinne verzichten wollen, sondern sie noch immer— selbst jetzt noch auf Staatskosten— zu steigern wuß'ten! Stellte es demgegenüber nicht einen wenn auch nur b e- scheidenen Ausgleich dar, wenn den Kreisen, die sich nicht bereichern konnten, die alle Opfer getragen haben, die noch immer zum weitaus größten Teile die Kosten des wirt- schaftlichen Wiederaufbaues in der Form von unfrei- williger Unterentlohnung tragen, dafür wirklich ein relativ höheres Maß an sozialer Fürsorge zuteil würde? Nur relativ— von einem absoluten Mehr ist ja ohnehin kaum etwas zu verspüren. Wenn der Begriff„Sozialpolitik" überhaupt einen Sinn hat, müßte sich dann nicht hier und in dieser Weise dieser Sinn offenbaren? Was hat alles Gerede über„Menfchenökonomie" für einen Sinn, wenn er sich nicht in der Form aktiver Sozialpolitik offenbaren will! Müßte
Schicksalsgefährtin. ü)er Roman„Schicksalsgefährtin" von Erich K u t t n« r im Verlag von I. H. W. Dieß Nachf., Berlin , ist ein Zeitroman. In ihm ist die Entwicklungsgeschichte eines Individualisten hin zur Gemein- schuft nachzulesen. Der Held de» Romans, ein junger Student, ein- gespancU in das bedrückende Joch mühseliger Bücherarbeit und Vor. bereitunz zum Gelehctenberuf. wird auf schön erzählte Art und Weis« ron cinem jungen Mädchen, der Gegenspielerin, in die Frei- hell und Versuchung des Lebens geführt. Dort ist«r lange Zeit die hilflose und täppische Pupp« in den Händen des Gegenspielers, bis er sich endlich nach vielen Irrungen und Wirrungen befreit und dem Mädchen ergibt, der„Schicksalsgefährtin" wie sie Knttner so schön nennt Des ist in drei Sätzen der Schattenriß der Handlung. Der Roman selbst ist viel bewegter und vielgestaltiger, er zeigt intellek - tuelle Jugend, linkes Lager, rechtes Lager, die sich belauern und be- kämpfen, also den GewaUhaufen der feudalen Jugend, mit dem kalten Gegenspieler, dem Emporkömmling Brandt, der die Menschen kenn», verachtet, ausbeutet und größenwahnsinnig triumphieren will, dann die andere Seit«, zu der auch am Ende der Student stößt, das Lager der um die Neugestoltuitg der Welt kämpfenden, um die mutige Schar der Gemeinschaft hin zum Sozialismus.„Wenn man inner- lich für die ganze Welt steht," sagt die Schicksalsgefährtin,„dann hat man auch die Kraft, nach außen allein gegen die Welt zu stehen." Um dieses Mädchen geht der Kampf. Von den zwei Lagern aus. Das alles ist lebhaft, manchmal mit grellen Kino- Mitteln erzählt, bis natürlich der Student loder das Mädchen, wie ihr wollt) Siezer bleibt. Also«in moralisches Buch? Nein, ein aktuelles Buch mit gegenwärtigen Problemen unserer verrückten Zeit. Es ist schon gesagt, daß Kuttner auch Kinomittel nicht ver- ichmäht um Gezen'ätz« herauszuarbeiten,«r greift auch an manchen Stellen zur Kolportrg«, aber das macht nichts, er treibt damit d?.i Roman und feine lebendige Handlung nur rascher vorwärts. Ein- mal aber hemmt er selbst den Fluß der Erzählung. Er beginnt den zweiten Teil de, Roman » mit einem Tagebuch und bringt dafür schlechte Lyrismen wie:„Ich presse den schlangenbäumenden Leib in meine Anne. Meine Glut schmilzt das Schloß ihrer Lippen. Sie sinkt rückwärts auf den Sarkophag. Wirbelnde Seligkeit, rote Ab- gründe, loderndes Vergehen. Eine atemkurze Spanne. Sie reißt sich los: ,Gott, Leon, wenn jemand käme.' Aber niemand kam." Aber Kuttner selbst kommt bald dahinter und ändert den Ton und findet sehr rasch Anschluß an'das gute Tempo seines Romans. Ist die„Schickjalszefährtin" der Roman, nach dem wir alle sehnsüchtig suchen? Nein, er ist es nicht, aber er ist wertvoll, wichtig, aktuell, er bereichert und der Leser spielt noch lange, wenn das Buch schon geschlossen und die Stunde des Nachdenkens gekommen ist, mit den Schicksalen der von Kuttner vorgeführten Romanfiguren. Am kk�rsten aber leuchtet aus der Fülle feiner Menschen die Schick- salsgefährtin, die dem Romän den prachtvollen Titel gibt.
also nicht gerade fetzt eine Regierung, die überhaupt Wört darauf legt, noch als eine soziale Regierung angesprochen zu werden, als Antwort auf die Zumutungen der sozialpolitischen Reaktion weithin leuchtend und vernehmbar die Parole ver- künden: Run erst recht Sozialpolitik! Diese selbst- verständliche Parole hat die Reichsregierung nicht ausge- geben. So wird es am 7 Dezember in der Hand der Ar- be i t e r f ch a f t liegen, daß auch auf diesem Gebiet das Ver- säumte nachgeholt wird._ Die Zübrerniete. Herr Winckler und die Kriegsschuldfrage. Die Führerpartei ohne Führer hat einen schweren tak- tischen Fehler begangen. Sie hat Herrn Winckler als Führerersatz eingeführt, als Platzhalter für den großen Unbe- kannten. Daß niemand im Lande ihn näher kennt und seine Oualitäter abzuschätzen weiß, mochte angehen. Vielleicht ge- hört das gerade zu dem sagenhaften Führer der Deutsch - nationalen. Der Nebel der Ungewißheit, das Geraune und Geflüster muß Format vortäuschen, wo keins da ist. Hätte Herr Winckler fein stillgeschwiegen, er wäre nach einiger Zeit eben dadurch, daß er da ist ohne da zu sein, den Herren Mit- läufern der Deutschnationalen als großer Mann erschienen. Herr Winckler hat geredet. Zwei Tage lang verzeichneten die offiziellen Mittellungen der Deutschnationalen: vor einem cnesenen Kreise. Bor der Auslese der Intelligenz und der Führer der Deutschnationalen, die seine tiefschürfende Rede mit. Begeisterung aufgenommen habe. Schauer der Ehrfurcht mußten das deutschnationale Fußvolk überlaufen. Der neue große Führer hat vor den Auserwählten die neue Heilslehre verkündet. Aber da kam der Regiefehler. Man hat die Rede veröffentlicht. Das war dumm, so dumm wie die Rede selber; denn nun wird Herr Winckler zum gewöhnlichen Menschen mit gewöhnlichem Format. Und was für einem! Mit kindlicher Raivetät redet er die albernsten Lügen daher, wie sie nur politische Unwissen- heit erfinden kann. Da sagt er über die Kriegsschuldsrage: „Das wird wohl das traurigst« Kapitel m der deutschen Ge- schichte bleiben, daß«s rrn deutschen Volke Parteien gab, di« das Bekenntnis der Kriegsschuld für ihre Partei- zwecke ausnutzten.— Ein Sozialdemokrat war es. der offen aussprach:„Ohne die Schuld üeutschfards am Weltkriege ist di« Revolution nicht zu reckstsertigcn." So lächerlich auch die Whaup- tung von der deutschen Alleinschuld schtießlich muh oll den Acuß:rungen englischer, amerikanischer und italienischer Poll- tiker und Staatsmänner ist, ihr Widerruf wäre gefähr- lich für di« deutsche Soziaidemotratiel Ties« legt taher den Männern, d'e in treuer Arb'it gegen die Schuld! üg« ankämpfen. Stein« in den Weg. Sie oerhindert de n Widerruf, sei es, dcß sie in der Rezierunz sitzt oder l«i«s. daß sie in Oppositionsstellung tie Regierung am Gängelband« hält. Diese ungeheure geschichtliche Schuld der Sozialdemo- k r o t i e ist es, die immer wieder und ganz be'onters in diesem Wahlkampf, un'ercm Volk vor Arrnn gehalten werden mu*." Herr Winckler muß seit dem Ende des Krieges geschlafen haben. So hat er verschlafen, daß Sozialdemokraten die ersten waren, die ihre Stimme gegen das abgezwungene Alleinschuld- bekenntnis im Bersailler Vertrag erhoben. Er weiß nichts von der Erklärung Brockdorff-Rantzaus in der Nationalversammlung, nichts von der Erklärung des Reichs- kanzlers Bauer. Damals dachten freilich die Deutschnatio- nalen noch nicht an Protest gegen die Schuldlüge— sie haben sich erst dafür interessiert, als sie sie für partekagitatorische Zwecke für geeignet hielten. Ebenso steht es mst dem Wider- ruf. Sie wollten aus varteiagitatoriscyen Gründen den Wider- ruf, um ihre Sehnsucht nach Ministersesieln damit vor ihren Wählern zu verdecken. Diese Frage, eine Frage des deutschen Volkes war ihnen gut genug, als Mittel zum Zweck des Schachers um Ministerposten. Und sie wollten den Widerruf in einem Augenblick, als gerade ihre polstische Verlogenkheit offenkundig war. Eine Partei der politischen Lüge sollte sich
Nach ihr haben alle Sehnsucht, nach der liebevollen Frau, deren Welt, noch einem alten Wort, nicht nur di« Liebe, deren Lieb« auch die Weit ist, die verändert und neugebaut werden soll. Es lebe die gute Genossin! In dem Roman von Erich Kuttner sagt sie ein. mal, und das eine Wort erhellt die Tendenz des Buches:„Arbeit wird erst dann adlig, wenn sie nicht mehr dem eigenen Ich gilt." Der Verlag hat sich um die Ausmachung und Ausstattung des Romans sehr bemüht. Nehmt und lest dieses Buch, es ist«in Gast. gefchenk für den Weihnachtstisch. M. B. ,Ge!ü wie Heu." (L u st s p i« l h a u s.) Diese Theaterdirektoren sind doch komische Leutchen. Sie im- Portieren ausgerechnet die schlechten Stücke. Der Grund ist nicht gut einzusehen. Es ist übrigens auch ein Märchen, das dieser drei» aktige Schwank von Evans und Valentine drei Jahre rn London Riesenkasse gemacht Hot. So dumm sind die Engländer auch nicht. Besonders g. bildete Fachleute meinen, daß in diesem Schwank ein Stückchen Unsterblichkeit von„Charleys Tante" wieder gekommen sei. Auch das st nwnt nicht. Es ist einfacher Unsinn, mcht «in Unsinn, bei dem man sich totlacht. Man wird nur müde, weil man sich langweilt. Dabei ist olles angebracht, was«in Schwank bringen soll: Di« unverhoffte Erbschaft, die Vecwechflung, das ver- lorene Gedächtnis, der Mann, der nackig aus dem Bad« steigt, die taube Tan!«, di« immer falsch verstcht. die männerlüstern« all« Schachtel usw. usw. Aber alles das ist nicht recht gemischt, es geht nicht auf. Mit einem Wort miserabel! Man sagr, daß wir lachen müssen, und hat nicht unrecht mit diesem Rat. Doch wie soll man lachen, wenn man entdeckt, daß zwei sehr schwachsinnige Herren sich brüderlich vereinten, um ein« undiskutable Sache zusammenzuschustern? Der Schwank ohne Psychologie, der mir die unglm blichlten Situationen durcheinander quirlt, also so etwas wie«in gesprochener Ehoplin-Kino, wäre gor nicht übel. Im Kinvschwank ist das Entscheidend«, daß di« größt« Ueberrraschung immer einige Logik, einige Situationskomik, einen unerwarteten Trick, eine Ueberspitzung des Verslandes und«inen besonders witzigen Nasenstüber zeigt, der dem Menschen mit borniertem Gehirn ins Gesicht flitzt Diese Technik, dieses rasend« Tempo, dieses Rennen nach dem Wunderbaren und Unverhofften könnte ja auch auf der Bühne gezeigt werden. Man könnte strupet- los Possen reißen, wenn wirklich etwas vorhanden wäre, das den Spaß lohnt. Aber«s muß irgendwie die Achs« vorhanden sein, um die sich alles dreht. In diesem Schwank ist keine Achs« zu ent-' decken, man findet sich eben nicht heraus. Es gibt in tiefem Schwank nicht einmal Rollen. D«r Mann. der einige Male stirbt.' damit seine Frau erben kann, und der immer wieder kommt, ist nicht lustig, obwohl sich Herr Paul Heid«- mann bemüht, ihn mit Fröhlichkeit zu laden. Und all di« übrigen Teilnehmer an diesem Begräbnis, Frl. v. Thellmann, Frl. Stein, Frau Ludmilla Hell, die Herren Walter, Junker- mann und Rex, waren durchaus zu beklagen. Der Import lohnt« wahrhaftig nicht. Wenn die Theaterdirektoren nur solche Einfuhr- Politik treiben, möchte man nach Schutzzöllen rufen. W H.
hüten, gerade den Kampf gegen die Schuldlüge monopolisieren zu wollen. Aber Herr Winckler braucht das alles nicht zu wissen Um bei den Deutsehnationalen Führer oder Führerersatz zu sein, genügt eine kräftige Dosis Engstrrnigkeit und Beschränktheit, die unentwegt an den ältesten Lügen festhält. Die Rede des Herrn Winckler hat nicht nur ihn charakterisiert— sie hat auch gezeigt, was man im deutschnationalen Lager unte'' Führertum versteht. Und so etwas will regieren! Der Iwistbenfall von Ingolftaüt. Wer sind die Drahtzieher? München . 6. Ncvember.(Eigen« Drahtbericht.) Ueber den Zwischenfall in Ingolstadt wird noch bekannt, daß die Belästigung der Ententeoffizier« schon bei der Dornahm« der Kontrolle selbst einsetzte. Hier gelang es ober der Po izei noch rechtzeitig, die Leute abzudrängen. Bei der Abfahrt drängte aber plötz'ich aus ver. fchiedenen Seitenstraßen an der Donaubrücke«ine Men�e von Leuten, denen gegenüber die geringen Polizeikräft« machtlos waren. Dem Auto wurde die Weiterfahrt gesperrt, es flogen Stein« gegen den Kraftwagen und di« Insassen wurden angespuckt. Zu besonderen Tätlichkeiten soll es nicht gekommen sein, nur einem Offizier wurde ein Knopf von der Uniform abgerissen. Schließlich gelang es der Polizei, die Menschen abzuwehren, wobei verschiedene Verhaftungen vorgenommen wurden. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein äiterer, sonst als ruhig bekannter Bürger aus Ingo stadt, so daß die Vermutung naheliegt, daß sich die D r a h t z i eh e r im Hintergrund hallen. * Di« beiden französischen Offiziere, die in Ingolstadt nach der Ausübung der Miüiärkon'rolle tätlich beleidigt worden sind, waren in Zivil. Die bayerisch« Regierung hat ernen Regierungo- kommissar nach Ingolstadt geschickt. In der rechtsstehenden Presse wird«ine BS.-Meldung groß aufgemacht, wonach einzelne Trup- penteil« zehn- und elfmal hintereinander urler verschiedenen Vorwändcn kontrolliert worden seien. Diese Behauptung geht auf ein« beiläufige Aeußerung eines Referen'en der zuständigen Reichsbehörde zurück, der auf«ine Frage des BS.-D:r- treters, wie lang« di« Generalinspektion dauern könne, geantwortet hat, daß ein bestimmter Zeitraum dafür nicht abgemacht sei und daß in früherer Zeit einzelne Truppenteile zehn- bis«'final kcn- trolliert worden seien. Wenn es setz' wieder so gemocht würde, dann könnte di« Generalinspektion wohl länger« Z:it dauern. Aus dieser ganz beiläufigen Bemerkung ist«in solches Geschrei gemacht worden! Di« Generalinspek ion ist bis jetzt fast überall voll- kommen reibungslos ver'aufen. Der Zwischenfall in Inqol- stadt ist um so bedauerlicher und vernrtei'enswerter als g'eichfnlls in Ingolstadt schon im November 1S22 Kontrollofsiziere insultien worden sind. Die baperilcben Könkasmacher. Sie wollen abwarten. München , 6. Ncvember.(TU.) Zu der in der letzten Zeit in Bayern wieder v'el erörterten Kör.igcfragq bringt heut? der dem Ministerpräsidenten Held nah:, stehende„Regelt: burger Anzeiger" u. a. folgerd« Ausführungen: So wie die Dinge heut« liegen, muß der Gedanke der Wieds ran stich tung der bayerischen Monarchie im Rohmen d« deutschen Republik als Utopie bezeichnet werden. Ein« isolierte bayerisch« Restauration würde als ew Vorstoß g-gen den Reich sgedarken aufgefaßt werden, und die zum Cchloi aus- holende Republik um Bayern herum würde nicht nur Revublchcnzr als Bundesgarvssan haben Di« Monarchie in Bayern dürfte nicht durch«ine Revolte,«inen Staatsstreich oder einen Putsch kommen. Ein« unzeitgemäße Fcrcierung der monarchistischen Restaurierung in Bayern würde«ine groß« Gefahr in sich bergen. Der im Lande lebende jdönigsgedanl« ist«in kostbares Element des Staatsgedankens. Darum gehört die Pflege de» Kön!g-gedark:ns zu den Aufgabe« einer nm dl« Slärkuag des bayerischen Slaals- gedanken» bemühte« PolikZt.'(
Berliner Volkschor. Liszts J) eil ige Elisabeth". Liszie bekanntestes, noch vor zwanzig Jahren laut umjubeltes Chorw-.e ist heute fast schon«in Chorwerk zweiten Ranzeg. Schuld dar-: ist die etwas rberflächlich«, keineswegs organische Dichtung, iei di« Vertonung, die nach der Art vieler späterer symphonischer Dich- tungen(seiner Nachfolger) allzusehr auf äußere Charakteristik, prunkhast Fanfaren med estektvolle ungansche Rhythmen eingestellt ist. Aber Dr. Zander tat doch gut daran in der Veran- staltung des Volkschors in der Brau«rei Friedrichs Hain, dieses in vielem glänzende, wenn auch wiederum im Bana'en und kitschiger Seligkeit schwelgend« Werk, das in den letzten zwei Dritteln auch bedeutend« innere Wert« birgt, wieder einmal zu Ehren zu bringen. Diese so recht sanglichen und niemals überanstrengenden Ehör« mit ihrer einschmeichelnd«, Orchesterbegleilung müssen vor ollem di« Ausführenden aufs intensivst« zur Betätigung reizen. Der Berliner Bolkschor, der namentlich in den Männerstimmen ein« bemerkenswert« Ku'tur zeigt, während die frischen Frauen- stimmen sich etwas größerer Deutlichkeit befleißigen dürften, und das treff.ich sekundierende Blüthner-Orchester vollbrachte unter Dr. Zanders Führung eine sehr anerkennenswerte Leistung, Dos Leicht«, Graziöse, Ritterliche, auch manchmal bei Liszt Ge- fährliche und darum schnell zu Uebergehende ist für seine nordische Natur weniger geeignet als die mehr nach innen gerichtete Musik, die er mit schöner Einfachheit zu interpretieren weiß. Rose Walter, di« Elisabeth, befitzt«ine sener gut gebildeten, beweglichen, kleinen Stimmen, die mehr zu Koloratur und Zier- gesang sich eignen. Große Ausdrucksfähigkeit und dramatisch? Steigerung ist ihr versagt, auch ihrer inneren Natur nach, während das rein Lyrische und Naiv« ihr recht gut liegt. Frau I o l a n- Helfferich mit chrem dunklen Mezzosopran wußte die Bruto- sität und abstoßende Herrschsucht der Loadgräfin Sophie auf» beste darzustellen. Hern onn S ch e y. dessen Baß-Bariton eigentümsicher. weise in den höheren Lagen besser fundiert ist als m der Tiefe. brachte in der zweiten Hälft« c's Landgraf ihermann Ludwig und Kaiser Friedrich II. m.inches Bedeutende und schön Abgeklärte. Stimmlich besser und sehr srmpathisch im Ausdruck brachte Werner Engel seinen ungarischen Magnaten und den Senescholl. H. M. Deutscher Auss6)uß für Sulwrbauwesr«. Unter dem Borsitz des Regisrungs- und Ba-urats Prof. Dr.-Jng. Zunker fand im Haufe des Vereins Deutscher Ingenieure eine Versammlung statt, welcher bei- wohnten: die Vertreter der Kulturbauverwaltungen zahlreicher beut- scher und österreichischer Staaten, die Inhaber der Lehrstühle für Kuliurtechnik, die Vertreter der geologischen Landesanstalten und sonstige Wissenschaft'«! und Praktiker Die Versammlung führte zur Gründung des Deutschen Ausschusses für Kulturb ou- wesen, dessen Aufeaben sind: 1 Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Praxis. 2. Lösung kulturtechnischer Probleme durch Forschung und praktische Versuche auf Versuchsfeldern. 3. Ver'in- heitlichung kulturtechnischer Gegenstände und Berfahren. 4. An- possung der Berussoorbildung an die Forderungen der Praxis,