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Nr. 542 41. Jahrgang

Jahrgang

Der Stromer.

Bon Oswald Hertel

4. Beilage des Vorwärts

,, Klara, tomm hier her! Rubi, so wird es bir ergehen, wenn du nicht arbeiten willft! Ob der Kerl uns nichts antun wird, Männe?" So sprudeln die Worte aus dem Munde einer behäbigen Dame, die sich mit ihrer Familie am Waldrand von den Anstrengungen des Sonntagsausfluges erholt. Und wem gelten diese besorgniserregen. den Ausrufe? Auf der Landstraße tommt langsam ein Stromer einhergeschlendert, ganz der Typ seiner Zunft. Barfuß, die Stiefel an den Strippen über die Schulter baumelnd, die schmierigen Kleider mit den widersprechendsten Flecken geflict, pendelt er langsam seinen

furz in allem. Zurüd zur Einfachheit in jeder Beziehung. Sie werden sich wohler fühlen und der Volkskörper und noch mehr die Bollsseele wird gefunden.

Entfegt hörte das Ehepaar dem Stromer zu: Die Verwirt lichung Ihrer Ideen gäbe aber eine Umwälzung unserer ganzen Kultur, unferer ganzen Technif, unferes ganzen Lebens!" versuchte der Herr den Landstreicher zu befehren.

,, Das soll es auch, die Gesundung des Bolfsganzen ist schon eine Revolution wert. Aber das ist gar nicht nötig Die Rückkehr zur Einfachheit wird nicht von oben gemacht", fie dringt allmählich in die Masse. Versuche es nur ein jeder, das in seinem Leben fortzu.

Sonntag, 16. November 1924

rhythmisch geordneten Linien und Farben. Je nachdem der erste oder der zweite Faftor im Kunstwert vorherrscht, spricht man von naturalistischem oder erpressionistischem Stil im Impreffionismus unserer Tage gipfelte. Dann feßte der Um Die jüngste Vergangenheit hatte einen naturalistischen Stil, der schwung ein und es gelangte ein expreffionistischer Stil zur Herrschaft, der gleich radikal zum äußersten Extrem, zur absoluten, gegenstands lofen Kunst führte, zu jenen Gemälden, die nur noch aus rhythmis geordneten Linien und Farben, und jenen Plastiken, die nur aus rhnthm ich geordneten Formen beftchen. Diele Werte foalter has Naturbild aus und geben nur die rein malerische oder plastische Vision. Daneben aber grb es auch im Rahmen des ernr ffionit. then Stils immer noch eine gegenständliche Kunst, die auf die Mitwirkunig des äußeren Naturbildes nicht verzichtete, diefes aber als unter­acordneten Faktor behandelte, dr sich er rhythmich n Liniers und Erfordernissen der Komposition unter Umständen sehr radikal umge­staltet wurden.

Weg- und welch' ein Graus, der Plaß scheint ihm auch zu gefallen, Oeffentl. Wählerversammlungen Farbenvision anzupaffen hatte, beffen Formen und Farben nach den

ausgerechnet gegenüber der Familie sucht er sich einen Siz auf dem Rafen, um auch ein wenig zu verschnaufen.

Er nimmt ein Stüd Brot aus seinem Ranzel, streckt sich lang aus und beginnt langsam zu futtern. Der Ehemann, der auf die ängst­lichen Worte feiner besseren Hälfte hin bereits seinen Etod fester gefaßt hatte, atmet ob dieser friedlichen Betätigung des Stromers erleichtert auf. Sieh' einmal, Frauchen, das scheint doch ein guter Mensch zu sein, wie ruhig er sein Brot ißt." Auch in ihr regt sich das Mitleid: Ja, und trodenes dazu. Ob ich ihm ein paar belegte Schrippen gebe; wir haben genugt mit."-Ja, und eine Sonntags. zigarre wird er mir auch nicht abschlagen."

Gesagt, getan. Die Kinder werden als Parlamentäre mit einigen Schrippen hinübergefchidt, die der Stromer erstaunt mit einem ,, Bergelts Gott !" quittiert. Die Dame will ihr Liebeswert noch voll. enden und ruft ihm zu: Junger Mann, ich gebe Ihnen noch etwas zum Trinken dazu."

Der Frembling tommt über die Straße, zieht einen arg mit genommenen Becher aus dem Ränzel und nimmt mit höflichem Dant ben erfrischenden Trant entgegen. Jetzt benutzt der durch das an­ständige Benehmen des Landstreichers längst neugierig gewordene Herr die günstige Gelegenheit, ein Gespräch mit ihm anzufnüpfen, ist aber höchst erstaunt, als er nach einigen Worten: Sie scheinen aus besserer Familie zu stammen von dem Landstreicher unterbrochen wird, der in demselben Ton fortfährt: Wäre es da nicht besser, Sie ergriffen einen festen Beruf, der Sie ernährt, so daß Sie nicht auf Almosen angewiesen sind? Entschuldigen Sie, mein Herr, daß ich Sie unterbrochen habe, aber so wollten Sie doch gewiß fortfahren?" Als er dies erstaunt zugibt, fährt der Land. streicher fort: Sehen Sie, mein Herr, ich tannte Ihre Ansicht, weil fie die Ansicht aller in bürgerlichen Verhältnissen Leben den ist. Und diese Ansicht trennt uns fahrendes Bolt von dem feßhaften Bürger. Jeder Mensch hat das Bestreben, so viel zu verdienen, daß er und seine Angehörigen gut leben tönnen. Und

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hier fegt bie Trennung ein. Was heißt gut leben"? Der eine hält

dazu Auto und Billa für unentbehrlich, Sie verlangen so viel, daß Sie gut essen und wohnen, sich anständig fleiden und schließlich noch einige Ersparnisse für das Alter und die Erziehung der Kinder machen können. Das ist wohl das Ziel der meisten Menschen, auch das meinige, aber ich habe mir die Grenzen enger gesteckt. Mit der Erfüllung der Wünsche wachsen diese bekanntlich bis ins Un endliche und führen so zu der Hab- und Raffgier, die unser Zeitalter beherrschen. Da sagte ich mir, es muß auch hierin eine Grenze geben, und ich fand und setzte sie mir. Wozu soll ich dreihundert Tage im Jahr arbeiten, wenn ich schon in hundert Tagen so viel verdiene, daß ich leben tann? Und ich brauche nicht einmal fo viel, da ith allein stehe. Ich habe keine Ausgaben für Wohnung, wenig für Kleidung. nur für Verpflegung muß ich ganz aufkommen, denn gebettelt habe ich noch nie in meinem Leben. Hoch stelle ich meine Unsprüche an das tägliche Brot auch nicht und fann ruhig einige Tage hungern, wenn ich nicht Arbeit bekomme. Das ist alles Ge. wöhnung. Wenn ich Gelegenheit habe, arbeite ich auf dem Lande. dort erhalte ich für die Dauer der Arbeit freie Verpflegung und außerdem so viel, daß ich wieder einige Zeit walzen tann. Wenn ich baren Gelbes zu Kleidung, Wäsche oder sonstigen Ausgaben bedarf, wird eben etwas länger gearbeitet, viel brauche ich ja nicht. So tomme ich auf meine Art sehr gut durch das Leben."

Hier unterbrach das Ehepaar, das die Kinder schon bei Beginn der Unterhaltung fortgefchidt hatte, da derartige Reben doch zu aufrührerisch waren, gleichzeitig den Landstreicher: Aber wo fämen wir hin, wenn jeder so dächte und handelte, wie Sie?"

Der Stromer zog ruhig an der Zigarre, die der Herr ihm mäh. rend der Unterhaltung angeboten hatte, und antwortete: ,, Das perlangt auch niemand. Ich wollte Ihnen nur zeigen, daß auch meine Lesart des Lebens zu rechtfertigen ist. Nach alter Väter Sitte in Horden durch die Lande ziehen können wir heute nicht mehr gut; auch paẞt meine Auffassung nur für Alleinstehende. Aber hören Sie weiter: Geben Sie jedermann, der es haben will, ein Stüd Land, gerade so groß, daß es gärtnerisch ausgenutzt, für die Bedürf. nisse einer Familie ausreicht. Ich wäre dann trotz aller Wander. lust der erste, der zugreifen würde. Dann wird das Land bestellt, einige Stunden täglich im Beruf, sei es als Arbeiter, Handwerker oder Beamter, gearbeitet und der Rest des Tages zur Verschönerung des Heims sowie zur Instandhaltung der Wirtschaft gebraucht. Denn basteln muß jeder, nur die unumgänglichsten Arbeiten dürfen durch andere ausgeführt werden. Der Barlohn der wenigen Berufsstunden dient zur Beschaffung der Lebensmittel und sonstiger Bedürfnisse, die man nicht selbst erzeugen fann Diese sind natürlich in den engsten Grenzen zu halten. Dadurch wird dann gleichzeitig der Ausgleich geschaffen für die im Gegensatz zur heutigen Wirtschaft weniger geleisteten Arbeitsstunden. Sehen Sie sich unsere Industrien an. Wieviele dienen wirklich zur Schaffung von Lebensnotwendig. feiten? Wieviel Millionen Arbeitskräfte find damit beschäftigt, nuß lose Werte zu schaffen? Nehmen Sie nur die Genußmittel-, die Bekleidungsindustrien. Fort mit diesem überflüssigen Kram und hin­aus aufs Land! Wenn Deutschland nicht ausreicht, die Welt ist groß

genug.

,, Aber man fann doch nicht ohne Kleidung umherlaufen." Das sollen Sie auch nicht, nur allen Firlefang, wie ihn die Mobe", fage Fabrikanten, vorschreibt, sei es in Kleidung, Wäsche, Möbeln,

STÜCK LIKŐRE

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Sonntag, den 16. November, vormittags 10 Uhr: Lantwith: Lehmanns Festfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 29. Redner: Eduard Bernstein .

Montag, den 17. November, abends 71/2 Uhr: Redner: Baumschulenweg : Lyzeum Baumschulenstraße. Erna Kresse und Falkenberg.

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Dienstag, den 18. November, abends 7½½ Uhr: Prenzlauer Berg ( 24. und 25. Abt.): Oberrealschule, Pasteur­straße 44.

Kreuzberg : Erbe( vorm. Kliem), Hasenheide 13. Marienfelde: Haseloff, Berliner Straße 114. Neukölln: Erbe( vorm. Kliem). Hasenheide 13. Britz : Beckers Gesellschaftshaus, Chauffeestraße 97. Treptow : Nitschke. Am Treptower Part 26. Alt- Glienice: Franz Bohn, Grünauer Straße 55. Oberschöneweide: Aula Gemeindeschule, Frischenstraße. Friedrichshagen : Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Lichtenberg : Aula Mittelschule, Marktstraße. Niederschönhausen : Schloß Schönhausen , Lindenstraße 11.

Tagesordnung: Deufidhnationale oder sozialdemokratische Polifit?- Kriegs- oder Friedensreichstag?

Redner: Crispien. Kuttner, Dr. Löwenstein, Karl Leid, Müller- Franken, Siering, Ernst Reuter , Heinrich Schulz, Dr. Weŋl, Wermuth.

Dieser gegenständliche Expreffionismus hat in den letzten Jahren die abfolute Kunst mehr und mehr zurückgedrängt. Und diese Tat­fache gab denen, die für den neuen Stil noch kein Verständnis ge­wonnen hatten, zu dem Irrtun Beranlassung, es sei wieder eine naturalistische Epoche heraufgekommen.

Man betrachte einmal von dem soeben angedeuteten Gesichts­punkt aus die Arbeiten auf der Juryfreien Kunstschau. Etwa das Triptychon Passion" von Karl Casper( Saal 2, Nr. 179). Sind es die dargestellten Figuren, die hier die Grundlage des Gemäldes bilden, oder ist es nicht vielmehr der Organismus aus rhythmisch aufgebauten Linien, in deffen Gerüst sich die Fizuren usw. eirfügen? Oder man nrüfe die Bilder von Reinhold Ewald ( Saal 1, Nr. 276-279), bei denen ganz offensichtlich der Farben­rhnthmus das Erite, das Naturbild des Rweite ist Od r die ben Arbeiten von H. A. Heimann im Zimmer 26( Nr. 472 und 473), die die Naturbi der aus deutlich in die rhythmisch lineare und fach ge Aufteilung der Bildfläche hineinfomponiert und dieser untergeordnet haben. Noch deutlicher fast treten die wahren Grundlagen des ân­fcheinend anturalistischen Stils zutage in den Zeichnungen und Graphifen der Akademie Ausstellung. Man vertiefe sich in irgend eines der Blätter, und man wird fast bei jedem fonstatieren fönnen: der Ausgangspunkt ist nicht das Gegenständliche, sondern das rhnthmilche inien- und Forheng mebe in des das Naturbild ne wissermaßen hineingeflochten ist. Ob man die Lithos und Zeichmum­gen von Karl Hofer ( 3immer 8, Nr. 199-201), das ergreifende Holzschmittblatt der Käthe Kollwit( Saal 2, Nr. 308, Frau mit Kindern in den Tod gehend"), die troß ihres fleinen Formats Gaal 2, Nr. 370 und 372) ober Bechsteins Aquarelle( 3immer 9, monumental wirkenden Radierungen von Defterle( besonders Nr. 398-402), von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet überall wird das Resultat das gleiche sein. Und ebenso verhält es sich mit den Plastiten. Als befonders charakteristische Beispiele nenne ich milly Reneé Gintenis( 3immer 6, Nr. 591-594), bie niende" von Heinrich Salze( Bimmer 9, Nr. 573).

Oeffentl. Frauenkundgebungen Stegers Weibliche Figur( Zimmer 6, Nr. 597), die Bronzen ber

Montag, den 17. November, abends 7 Uhr:

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Prenzlauer Berg : Lyzeum Greifswalder Str. 25.- Redner: Ausstellungen der Berliner Gezeffion und des Vereins Berliner

Mathilde Burm.

Charlottenburg : Schellbach. Königin- Elisabeth- Str. 6. Redner: Pfarrer Franke. Zehlendorf : Lindenpart, Berliner Str. 8. Runert.

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Redner: Marie

Dienstag, den 18. November, abends 7'/ 2 Uhr: Wilmersdorf : Oberrealschule am Seepart.- Ansprache. Rezi­tation, Gesangsvorträge. Redner: Pfarrer August Bleier.

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laffen, mas entbehrlich ist; ein jeder auf seine Art, wenn auch nur wie ich als Tippelbruder.

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Während der Stromer sprach, hatten sich die Kinder unbemerkt wieder hinzugefellt und mischten sich in die Unterhaltung. ,, Gelt, Bater, das muß dann aber ein schönes Leben sein!"

,, Nun wird's mir aber zu bunt, auch die unschuldigen Kinder mit Ihren Reden anzustecken! Ich habe mich leider in Ihnen geirrt, ich habe Sie nach Ihrem Aeußeren für einen anständigen Menschen gehalten. Komm, wir müssen gehen. Guten Tag!"

Und von fern hörte der Landstreicher noch die Entrüstung: ,, Der reinste Bolschewist! So ein Reinfall! Das hat man davon!"

Auch er schnallte sein Ränzel um und zog seine Richtung fort, ein Lied auf den Lippen: Ich wünsch' mir ein Häuschen am fernen Rhein !"

Woher und wohin?

Bon John Schitowsti.

In den bildenden Künsten sind in letzter Zeit äußerlich Ber­änderungen vor sich gegangen, die man irrtümlich auf eine innere Neveinsella 21 ridfubrt. Leute die die neue Kanic a una noch nicht lebendig in sich aufgenommen hatten, triumphieren jetzt und be­haunt n die vermeintliche Mode bebe bereits abgespielt uno man jei wieder beim guten Alten angelangt.

Man folgert dies aus der Tatsache, daß die sogenannte abfolute Malerei und Plastik, die ausschließlich durch das reine Kunstmittel ( bort Linie und Farbe, hier Form) wirkt, zurückgegangen ist und die gegenständliche Kunst, in deren Werten äußere Erscheinungsformen der Natur sichtbar werden, Raum gewonnen hat. Man sieht auf den Ausstellungen die gegenwärtige Jurnfreie am Lehrter Bahn­ hof , die Akademie Ausstellung am Pariser Plazz, die Jahresaus ellung der Berliner Sezeffion und die Herbst­ausstellung des Vereins Berliner Künstler bieten lehr­reiche Beispiele- nur noch wenige Blder. die ledi lich aus rhnthirich geordneten Linien und Farben bestehen, während mieber Menschen und Tiere, Bäume, Blumen und Häuser usw. auf der Leinwand fichtbar werden.

In jedem Gemälde sind die Linien und Farben des darin er. fcheirenden Naturbildes nach rhythmichen Gefehen zu einem schloffenen Organismus gestaltet. Das Naturbild, der Mensch, das Tier, die Landschaft ufm., wird nicht so wiedergegeben, wie es fich dem Auge des Malers in der Wirklichkeit darstellt, fondern es wird umgeformt und umgefärbt nach dem idealen Gebilde aus Linien und Farben, das dem Künstler beim Schaffen als Bision vorschwebt. Diefes Umgestalten des Naturbildes ist das, was man Romo­nieren" des Gemäldes nennt. Bei der Entstehung eines Gemäldes wirten also zwei Fattoren mit: das Naturbild und die Bision aus

DEUTSCHER WEINBRAND

Die gleichen Eindrüde gewinnen wir beim Durchschreiten der Künstler. Als Beispiele erwähne ich aus der Sezession die norwegische Landschaft( 48) von edendorf, bei der der Ruliffenaufbau der Inseln das eigentliche Motiv bildet. Ferner die portreffliche Kollektion Schweizer Künstler( 160-186), die alle zum deutlichen beherrschenden Flächenrhythmus streben, und zwar nicht nur die, die ausdrücklich Entwürfe zu Wandbildern geben wollen, wie Albert Müller ( Nr. 177) oder Otto Staiger ( Nr. 184),

sondern auch solche, bei denen das Gegenständliche zu dominieren scheint( Stoed lin Neuhaus ,, Matrosenfiraße" Nr. 185; Bergbauern" Nr. 178).-Aus der Ausstellung der Berliner Künstler hebe ich Stübners Russisches Ballett" hervor, einen rhnthmisch flutenden Farbenstrom, der das Naturbild kaum noch erfennen läßt; die Kühe im Wald" von Feyerabend, einen Busammenflang von Grün und Braunrot mit dem flaren tom­positionellen Linientontrast der breiten Horizontalen des Border­und der schlanken Senkrechten des Hintergrundes.

Gewiß gibt es auf allen diesen Ausstellungen auch Gegen­beispiele: die ältere Generation, die von den neuen Kunst­anschauunaen unberührt geblieben ist, schafft heute wie früher im Geist des Naturalismus. Aber die Jungen, die Träger der Zukunft, die, auf die es antommt, schreiten samt und fonders auf neuen Bahnen vorwärts.

Auf die Frage: woher fommt diese Kunst? lautet die Antwort: aus der Anschauung, die sich im Laufe der jüngsten eineinhalb Jahrzehnte in allen Kulturländern der Welt herausgebildet hat und die man erpressionistisch" nennt. Mit dem Naturalismus hat der in ihr herrschende Geist nichts mehr zu tun, so viel äußerliche Aehnlichkeiten fich auch finden mögen. Die Grundstimmung ist eine andere geworden.

Und wohin führt diese Kunst? Sie führt leßten Endes zu dem groken Gesamtkunstwerk, in dem alle bildenden Künste, Architektur, Plastik und Malerei, sich zu einheitlicher Wirkung zu fammenschließen, zu dem umfassenden monumentalen Stil, den der Naturalismus verloren hatte und vergebens ersehnte. Es ist kein Zufall, daß Baufünftler heutzutage zu Leitern der staatlichen Kunstakademien gewählt werden. Denn die Baukunst, die wirk­lichkeitsfernste der bildenden Künste, ist zur Trägerin des neuen werdenden Stils berufen. Der rhythmischen Raumoliederung der Architektur ordnen sich die Plastiken und Malereien zwenalos ein, die im Grunde nichts anders als rhythmische Formen und Flächen­gliederung bedeuten. Die materiellen Schwierigkeiten, die die Ent faltung der Baufunst heute namentlich in Deutschland hemmen, lassen die Entwicklung nicht so rasch vorwärts schreiten, als es unter normalen Umständen der Fall wäre. Troßdem bleibt das Ziel deutlich erkennbar und trotzdem dürfen wir hoffen, daß die heute heranwachsende Generation noch das erleben wird, was ihre Bäter und Großväter vergebens ersehnten: den einheitlichen, alle bildenden Künste umfassenden Stil und als notwendiges Ergebnis eine das ganze Bolt durchdringende ä ft hetische e nheitliche, Kultur!

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