Abendausgabe
Nr. 566 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 283
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orwarts
Berliner Volksblatt
5 Goldpfennig
Montag
1. Dezember 1924
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Roffod, 1 Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Stadtver- 7 bis 8( 0). Das Berhältnis zwischen Bürgerlichen und Linfen ordnetenwahlen, die am Sonntag hier stattfanden, ergaben wieder dürfte mithin bei der jetzigen Stadtverordnetenwahl etwa 23:23 mie bei allen Wahlen der letzten Wochen einen tatastrophalen( 1921: 27:21) fein. Rüdgang der Bölkischen und der kommunisten, eine Schwachung des bürgerlichen Misch maschs, soweit er fich im Schlepplau der Deutschnationalen befindet und einen erfreulichen Aufstieg der Sozialdemokratie. Wir haben die 19 Mandate von der Stadtverordnetenwahl am 27. November 1921 behauptet. Damals erhielt die Sozialdemokratie 10 794 Stimmen, bei der Reichstagwahl am 4. mai 9786 und diesmal 10 338. Der Bürgerliche Wirtschaftsblod, dessen Parteien bei der Reichstagswahl 13 585 Stimmen auf sich vereinigten, brachte es nur auf 10 985 Stimmen. Damit haben die Bürger. lichen 3 Mandate verloren. Die Kommunisten gingen von 4727 am 4. Mai auf 2906 zurüd. noch größer ist die Niederlage der Völkischen . Am 4. Mai auf hohen Roffen mit 7541 Stimmen, brachten sie es jetzt noch auf ganze 3471, womit sie weit über 50 Proj. ihrer Stimmen eingebüht haben. Die Wahlbefeiligung befrug rund 70 Pro3. Die Mandate verteilen sich wie folgt: Bürgerblod 20, Sozialdemokraten 19 Mieter 9, Bölfische 6, Kommunisten 5, Demokraten 2. Der Anteil der Sozialdemokratie an den abgegebenen Stimmen betrug: bei den Candtagswahlen am 17. Februar 1924 22 Pro3., bei den Reichstagswahlen am 4. Mai 26 Proz. und bei den gestrigen Stadtverordnetenwahlen 30 Proz.
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Wismar , 1. Dezember. ( WTB.) Bei der geftrigen Stadt perordnetenmahl murden 12 096 gültige Stimmen abgegeben ( bei der letzten Wahl 1921: 12 331). Davon entfielen auf den Kommunalwahlverein 3034 Stimmen( 1921: 5096), Sozialdemofraten 4544( 2867), Kommunisten 1344( 2000). freier wirtschaftlicher Wahlperein 1209( 1741), Nationalsozialisten 1965( 1921 nicht auf gestellt). Die Sißte verteilen fich wie folgt: Kommunaler WahlDerein 12( 1921: 20), Sozialdemokraten 18( 11), Rommunisten 5( 10), Freier wirtschaftlicher Wahlverein 4( 7), Nationalsozialisten
Nur ein Rheinländer. Die Deutschnationalen beschimpfen den deutschen Rheinländer.
Wer nicht deutschnational wählt, ist fein Deutscher. Das ist die These, die die Deutschnationalen während des Wahlkampfes aufstellen. Ein Deutscher ist nur, mer von alten Konservativen abstammt, wie Herr Bestarp aus Ludom stammt oder in Bombst amtiert, Besitzer eines Riteryuts ist und auf Wohl und Behe des Boltes pfeift, das
Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, ist ein Jude. Ist das ou unwahrscheinlich, bann ist er ein Rheinfelte. Die„ Nationalpoſt" veröffentlicht in einer Sonderausgabe eine Karifetur von Breitscheid mit der Unterschrift: „ Dr. Rudolf Breitscheid , Reisender, schreibender und schönredender Apostel der Weltdemokratie, westwärts gerichteter Rheinfelte."
Kein Deutscher, nur ein Rheintelte! Eine größere Infamie ist nicht denkbar. Die Rheinländer sind Die Rheinländer sind Kelten, Rheinfelten. Wer einem Rheinfelten das Deutsch tum abspricht, spricht je dem Rheinländer das Deutschtum ub
Es gibt französische Theorien, die diesen Wahnfinn allen Errtes vertreten. Berrès und andere Theo refifer des Separatismus gründen darauf die franzö fischen Ansprüche auf die Rheinlande. Niemand ist in Deutschland , der diese irrfinnigen Theorien ernst nimmt, der mehr in ihnen sieht als die schlechte Berhüllung nationalistischer Raubgier- mit Ausnahme der Deutsch nationalen.
Insgeheim denken sie wie Barrès und die Theoretifer des Separatismus. Insgeheim halten sie die Rheinländer für Deutsche zweiten Ran ges, für feine echten Deutschen . Insgeheim denken sie von der Bevölkerung des Rheinlandes, die ihr Deutschtum mit beispielloser Treue verteidigt: feine Deutschen , nur Rheinfelten. Hier ist eine Erklärung dafür, daß Deutschnationale mit den Ideen der Bersadungspolititer fprechen konnten, daß Herrn ergt ein fleines Ostdeutschland lieber ist als die große einheitliche deutsche Republit. Im Rheinland wohnen ja gar keine Deutschen , nur
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Rheinfelten.
Rein Deutscher, nur ein Rheinländer! Da mit wollen die Deutschnationalen in ihrem abgrundtiefen, verblendeten Haß gegen die Männer des neuen Staates einen Rheinländer beschimpfen und verächtlich machen. In ihrer Berblendung fühlen sie nicht, wie sie den ganzen Volksstamm Deutschlands Strom, nicht Deutschlands am Rhein Grenze! beschimpfen, wie sie ihre Ideengemeinschaft mit den französischen Anregionisten
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Zwidau, 1 Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Stadt Flaniz bei zwidau hatte am 12. Januar t. 3. ein Stadtver ordnetenfollegium von 9 Sozialdemotraten, 7 Kommunisten und 9 Bürgerlichen gewählt Da sich die Kommunisten voll ständig auf die Seite der Bürgerlichen schlugen und mit diesen gemeinsam einen bürgerlichen Bürgermeister zur Wahl verhalfen, legte die sozialdemokratische Frattion ihre Diese fand am Sonntag statt und brachte der Sozialdemokratie Ma date nieder und erzwang damit eine Neuwahl einer starten Erfolg. Unsere Genossen nahmen den bürgerlichen Gruppen ein Mandat und den Kommunisten zwei Mandate ab, so daß das Stadtverordne tenkollegium sich nunmehr aus 12 Sozialdemokraten, 5 Rommunisten und 8 Bürgerlichen zufammensetzt. 3mar fönnen die Rommuniften noch immer mit einer Stimme Mehrheit kommunistischen Bürger blod" spielen helfen, aber vielleicht ist ihnen die Luft dazu inzwischen vergangen. Aber für die Reichstagswahl bildet auch diese Wahl ein günstiges Borzeichen!
Wahlerfolg in Niederösterreich . Stimmengewinn bei den Kleinbauern und Landarbeitern.
Wien , 1. Dezember. ( Eigener Drahtbericht.) Am geftrigen Sonntag wurden im Bundesland Niederösterreich , aus dem Wien längst als eigenes Bundesland herausgehoben ist, die Geeinderäte neu gewählt, jedoch nicht in den Städten und Märkten, also in der Haup jache die der reinen and gemeinden. Die Wahlbeteiligung war teilweise recht ansehnlich. Soweit sich das Ergebnis bis jeht übersehen läßt. hat die Sozialdemokratische Partei rund 250 mandate neu und durchschnittlich gegenüber der lehter mahl 10 Proz. Stimmen gewonnen.
Englische Backpfeife für Hergt. Konservative Absage an die Deutschrationalen. Seit dem Wahlfieg der englischen Konservativen ließ ergt feine Rede vorübergehen, ohne seinem gläubigen Bublifum vorzugaufeln, daß die Bildung einer tonservativen Regierung in England ein Aniporn für das deutsche Volk sein müßte, gleichfalls rechts zu wählen. Die Deutschnatio nalen gingen in der würdelosen Anbiederung soweit, daß sie aus der bloßen Tatsache, daß der Berliner Berichterstatter der Times" ein Gerücht wiedergegeben hatte, wonach deutschnationale Führer nach England zu reifen gedächten, allen Ernstes die Schlußfolgerung zogen, eine solche Fühlungnahme werde von der Baldwin- Regierung gewünscht. Die deutschnationale Pressestelle entblödete sich nicht, darin einen Erfolg" der Hergtschen Wahlreden zu erblicken!
Jetzt liegt die englische Antwort auf diese Anbiederungsversuche vor. In einem Leitartikel der Times" vom 29. November werden die kommenden Reichstagswahlen besprochen und da heißt es wörtlich:
Die hohle Bombe.
Deutschnationale Unfähigkeit selbst in Fälschungen. Der deutschnationale Versuch, durch einen nacherfundenen Gino wjew Brief in letter Stunde die Wahlgeschäfte verbessern zu können, ist dem Fluch. der Lächerlidfeit berfallen. Trog der be cbitigten Schauheit, mit der die Fälscher zu Werke gehen wollten, als sie das angeblic; e Memorandum Herriots in die deutsche Preise zu lancieren suchten, zeigt sich ihr Verhalten doch von einer auffallenden Taigkeit. Man stelle sich por: das unmögliche Manuskript einer angeblichen französischen Note an die Alliierten wird in Berlin in russischer Sprache herumgezeigt. Es wird in dieser Form amerikanischen Journalisten und der Redaktion eines neu herausgegebenen republifarischen Abendblattes in die Hand gespielt. Man rechnet mit der Senfationsluft gemisser Journalisten und hofft, daß diese sofort Man hat sich in diesem Falle aber verrechnet. Bielmehr unterum der Reflame willen diesen fetten Bissen schlucken würden. blieb die Veröffentlichung, nachdem die Fälschung als solche erkannt war. H. von Gerlach, der auf dem Umweg über jene Beitungsredaktion von der Wahlente Kenntnis erhalten hatte, warnte am vorigen Montag bereits vor der Erfindung.
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Das ganze glänzende Geschäft mit der angeblichen Aktion Herriots gegen Seedt schien verdorben. Aber ein hoher deutschnationaler Kriegsrat hat nach langen Beratungen einen Ausweg gefunden, um die vermeindliche Bombe noch noch platen zu lassen Er suchte die am wenigsten gelesene deutschnational antisemitische Berliner Börsenzeitung" aus, damit sie das Odium von der offiziellen deutschnationalen Presse nähme und die Erfindung zum ersten Male der Deffentlichkeit übergäbe. 3war standen die Macher der Schwindelaffäre vor der unbestreitbaren und unangenehmen Tatsache, daß ihre Erfindung schon vorher in der Presse als Fälschung entlarvt wurde, aber die Börsenzeitung " mußte heuchlerisch versichern, daß sie nach eingehender Prüfung des Schriftstücks" an seine Echthet glaube.
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Damit war das Elichwort gegeben. Bas sonst noch an deutschnationalen Blättern in Berlin erscheint, bringt denn auch am Sonntagmorgen in großer Aufmachung das vermeintliche Memorandum unter dem scheinheiligen Vorgeben, daß, wenn sogar, ein Blatt vom Range der Börsenzeitung " an die Echtheit des Schreibens glaube, dann doch etwas das hinter steden müsse. Der Reichsbote", notorisch eines der dümmsten deutschnationalen Organe, muß sich in seiner Beurteilung der Sache wieder an berühmte Borbilder anlehnen, indem er von deutsch - demokratischen Dolchschergen spricht, sonst aber brudt er mortwortlich die geistige Leistung der Kreuzzeitung " ab, freilich ohne sie zu zitieren:
Andererseits aber gibt es auch sehr zu denken, daß gerade die
reise, die durch das Memorandum bloß gestellt werden, schon vor seiner Sefanntgabe De mentis in die Welt sandten Auch im Dementieren waren sich die Franzosen und die deutschen Demokraten und Bazifiſten einig. Es liegt also die Vermutung nahe, daß das Schriftstück in irgendeinem französischen ministerium abhanden gekommen ist. Es lag somit die Be
fürchtung vor, daß es in fremde Hände kommen konnte, und daher wurde schleunigst, sozusagen pränumerando, der Dementierapparat von dem schönen Bundesgen offenpaar, den Franzosen und deutschen Demokraten, in Bewegung gefeßt..
Da Reichsbote" und Kreuzzeitung" mortwortlich denselben Tegt bringen, liegt die Bermutung nahe, daß ihnen diese Auslegung von prominenter deutschnationaler Seite bittiert worden ist. Nur sind sie auch in der Fähig feit, Ausreden zu erfinden, so ungeschickt, daß ein Blinder mit dem Krüdstod ihre Verlegenheit merfen fann. Wenn wirklich ein franzöfifcher Tert aus dem französischen Ministerium vers schwunden" wäre, um in deutschnationalen Händen wieder aufzutauchen, dann müßte es doch geradezu Wunder nehmen, daß dieser Tert in Deutschland gerade in russischer Sprache verbreitet wurde!
„ Die Deutschnationalen haben jedoch kein Recht, den tonfervativen Sieg in Großbritannien cls ein Argument zu ihren Gunsten zu beanspruchen. Sie haben nichts gemeinsam mit den britischen Konservativen und ihr teattionar- militaristisches Bro gramm mit seiner hartnädigen Ableugnung der deutschen Ber. antwortlichkeit am Kriege, die sie leidenschaftlich hoffen, irgendwie und irgendwann zu erneuern, erzeugt Mißtrauen in der großen Mehrheit des englischen Volkes und verzögert ernsthaft die Entwicklung zur Verständigung. Es ist nicht die Sache der anderen Die Bauernschlauheit der deutsch nationalen Fäl Nationen, Partei im deutschen Wahlkampf zu ergreifen; aber es ift fcherzentrale hat offensichtlich so spekuliert: Durch die dennoch möglich, den Wunsch zum Ausdrud zu bringen, daß dieser Wiedergabe des französischen Dokuments in russischer Sprache Rampf mit der Errichtung einer tüchtigen und realpolitisch und Leitern würde der Anschein erweckt, als wenn das Schreibentenden Regierung, die stort genug ist, fonsequent ben auf dem Umwege über irgendeine Sowjetgesandtschaft für den Frieden zu arbeiten und jene Irrtümer zu verfäme. Man hat dabei allerdings übersehen, daß die Sowjetmeiden, die immer wieder die Versuche hintertrieben haben, normale internationale Beziehung zu Deutschland wiederherzustellen."
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Die Times" ist das offiziöse Sprachrohr der Baldwin Regierung. Eine deutlichere Absage an das deutschnationale Liebeswerben der letzten Wochen ist gar nicht denkbar. Herr Hergt hat ein Ermunterungswort von englisch - konser vativer Seite gebettelt und eine Badpfeife erhalten, mit der er bis zum 7. Dezember kaum renommieren dürfte. Er wird sich in der letzten Woche des Wahlkampfes anderer Bauern angereien bedienen müssen, wenn er die deutschnationale Pleite aufhalten will.
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Rückkehrerlaubnis für Adelung.
Paris , 30. November. ( Eigener Drahtbericht.) Die zuständige und Separatisten offenbaren. Wer an den Ufern des Senatskommission hat am Sonntag beschlossen, den seinerzeit gegen Rheins geboren ist, foll fein echter Deutscher sein? Oberbürgermeister Adelung- Mainz ergangenen AusDiese Befimpfung des deutschen Rheinmeifungsbefehl zurüdzunehmen und gegen beffen WiederLandes, diese Hilfeleistung für Separatisten und französische einfegung in sein früheres Amt feinen Widerspruch zu erheben. Sinnegionisten wird den Deutschnationalen nicht vergessen delung wird wahrscheinlich bereits in den nächsten Tagen nach merben! Mainz zurüdtehren.
leute zumeist ein piel besseres Französisch und oft ein ebenso gutes Deutsch schreiben und sprechen, als die Deutschnationalen in unserm Lande. Die llebersetzung ins Russische zeigt also geradezu eine teuflische Bosheit, die nur durch Dummheit gemildert wird.
Die Darstellung, die unserem Pariser Korrespondenten schon am Sonnabend von den französischen amtlichen Stellen gegeben und in der die ganze Geschichte als von A bis 3 erfunden bezeichnet wurde, wird noch unterstrichen durch eine persönliche Erklärung, die Herriot selbst schon vor mehreren Tagen dem Sekretär der französischen Liga für Menschenrechte, Guermut, auf eine Anfrage megen des in Deutschland zirkulierenden angeblichen Schreibens abgab. Diese Erklärung ist knap, flar und unmißverständlich. Sie hat fol genden Wortlaut:
der franzöflichen Regierung an die verbündeten Regierungen zugestellt und erwähnt, dies Memorandum furjiere heimlich in Deufic
, Sie haben mir am 21. Kopie eines angeblichen Memorandums
land und folle veröffentlicht werden.
Ohne alle mich weife erkläre ich Ihnen, daß dieje Mcfunte eine plumpe Galichung ist, und ich ermächtige Sie, von diejem Brief jeden Ihnen gut düntenden Gebrauch zu machen. Herriot