�ufrufsphrasen. Das Einzige, was die Kommunisten können. Die erste Seite der„R o t e n � a h n e" wird mal wieder von einem ellenlangen Aufruf geschmückt. Irgendwie muß sich die Aktivität der Berufsrevolutionäre doch zeigen. Wenn man auch sonst grundsätzlich jede politische Arbeit ab- lehnt und die Proletarier auf den kommenden Tag des großen Kladderadatsches vertröstet, so muß man doch ab und zu so tun, als ob man auch zur Gegenwart etwas zu sagen hätte. Natürlich ist nach Meinung der Kommunisten Zukunft und Gegenwart der deutschen Arbeiterklasse in finsteres Dunkel gehüllt. Verlängerung der Arbeitszeit, Massenentlassungen, Kürzung der Löhne, Steuern, Schutzzölle und völlige poli» tische Entrechtung der Arbeiterschaft steht, wie die Kommu- nisten sagen, uns bevor. Wahrscheinlich denken sie daran, daß der Bürgerblock einen Teil dieses kommunistischen Pro- gramms verwirklichen könnte, und weil sie gegen diese Ge» fahren energisch ankämpfen wollen, deswegen geben sich offen» bar die Kommunisten alle Mühe, den Bürgerblock in den Sattel zu helfen. Wer mit solcher Energie auf kommende Gefahren hin» weist, sollte auch den Mut haben, offen zu gestehen, daß er eine Regierung des Lürgerblocks absichtlich herbei- führen will, weil er einen solchen Kurs gegen die Arbeiter- fchaft für„erzieherisch� und politisch nützlich hält. Wenn die Kommunisten ernsthaft gegen diese Dinge ankämpfen wollen, weswegen helfen sie dann dem Bürgerblock in den Sattel, weswegen u n t e r st ü tz e n sie durch ihr Verhalten die Machtansprüche der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei ? Darauf gibt der Phrasenschwall des Aufrufs keine Antwort. Es wird aber dafür gesorgt werden, daß diese Frage den kommunistischen Arbeitern überall vorgelegt wird. In den stärksten Tönen beschwört der Aufruf die Ge- fahren eines neuen Krieges gegen Sowjetrußland, als ob das die einzige Sorge der Kapitalisten wäre und kategorisch wird verlangt: .Kampf gegen jeden versuch, das deutsche Proletariat tu eiaen lmperlalistischeu Krieg zu stürzen." Als die Zentrale der KPD. diese Forderung ausstellte, dachte sie wahrscheinlich an die kommunistische„Rote F a h n e", die am Sonntag eine Sympathiekundgebung von Offizieren für den Kampf gegen den Dawes-Plan veroffent- lichte. Diese Kundgebung lautete wörtlich: „Seit Wcchm verfctgt«In größerer kreis ehemaliger Aront. offiziirre mit wachsendem Interesse den Kampf der.Roten Fahne" gegen den Dawes»P!cm. Erfüllt von tiefer Besorgnis um das Schicksal unsere» Volkes sehen wir endererset.s� wie eine sogenannt«„nationale Bewegung" von ihrer ursprüngliche Aufgabe als Trägerin des Freiheitsgedankens immer mehr herabgeglitten und zum Gendarmen des Verfktavungsplaoes, zum Schergen.ine, morschen Stoats- gedankcns wurde. Di« nationale Bewegung hat sich auf den Kopf gestellt. Statt „Freiheil" ist ihr« Parole„Ruhe und Ordnung zum Schuh der Sklaverei". Junge, nach Freiheit ringende Herzen sollen ihr energiestrotzen. des Iugendtmn in oerkalkt«, blutleere Gehirne umwandeln zum Ge- wlun und zur Ehre de» Seueoalqgouteu der SepaeaOouotommlfilin und feiner deutsch » Helfer. Das heißt Jugend und Energie töten und somit den Sesteiungs» kämpf abwürgen! Darum begrüßen wir mit wärmster Sympathie die Brand» nrarkung einer solchen.nationalen" Bewegung, die auf Heuchelei, Gewinnsucht oder mangelnder Intelligenz bericht. Der Kampf de» Proletariats gegen den Kapitalismus muß auf« Freiheitskampf fein gegen den Ealente-llmperiallsmas. gez. von Eicken. Oberlt. a. D." Diese nationalistischen Phantasien revanche» lüsterner Offiziere hat der Aufruf der KPD . vielleicht im Auge, wenn er sich gegen imperialistische Kriegstendenzen
wendet! Im Ernst: es gibt nichts Verlogeneres ol; diese Aufrufe der Kommunisten gegen den Imperialism.. s und für den wirtschafllichen Fortschritt der Arbeiterschaft. Die Kommunisten wünschen den imverialistischen Z u- s a m m e n st o ß, und ihnen ist nichts so unangenehm, als wirkliche wirtschaftliche Erfolge der Arbeiterschaft. Der wirt- schaftliche Ausstieg entzieht ihrer verlogenen Hetze den Boden unter den Füßen, der Kampf gegen imperialistische Zu- sammenstöße, wenn er mit Erfolg geführt wird, raubt ihnen fast jede Zukunftsperspektive. Bon diesen Aufrufen der KPD. wird kein Arbeiter satt werden. Ihre Phrasen werden immer weniger Eindruck machen, je mehr die wirk- liche Entwicklung entgegen ihren Prophezeiungen den Weg aufwärts und vorwärts führt. �
Der kommunistische flmnestieschwinöel. ' Auf unsere gestrig« Fessstellung, daß gerade die Kommu» nisten die Niederschönenfelder politischen Gefangenen in der letzten Amnestiedeballe im Reichstag verraten haben, ant- wortet die„Rote Fahne" heute mit einem langen Geschwafel über allerlei, woraus es nicht ankommt. Entscheidend ist doch nur, ob die Kommunisten im Reichstag schließlich für eine Amnestie gestimmt haben, von der die bayerischen politi- schen Gefangenen von 1919 ausgeschlossen waren. Das wagt selbst die„Rote Fahne" nicht zu bestreiten. Es ist eben dieser Verrat der Kommunisten selbst von der„Roten Fahne" nicht zu leugnen. Bei dieser Gelegenheit sei noch auf folgende sehr eigentüm- liche Tatsache hingewiesen: Im Reichstag bringen die Kommu- nisten jetzt in der Amnestiestage eine Interpellation ein. im preußischen Landtag aber einen Gesetzentwurf. Also gerade im Reichstag, wo eine Amnestie am durchgreifendsten gestaltet werden kann, verzichten sie auf einen Gesetzentwurf, da lassen sie es bei einer Interpellation, d. h. bei der R e d« r e i bewenden! Und dann wollen die Kommunisten noch jemanden glauben machen, daß sie allein die Vorkämpfer der politischen Gefangenen seien! Es wird Zeit, auch diesem Schwindel ein für allemal ein Ende zu machen.
Diktaturgelüste ües Stahlhelm. Stahlhelmminister, Stahlhelmbeamte, Stahlhelm« gesetzgebnng. Die Rechtsparteien in Braunschweig haben die Wahlhilfe des Stahlhelm mit Abmachungen erkauft, die glatt gegen die Verfassung oesstoßen. Der Stahlhelm legt nach den Wahlen, die eine knappe Rechtsmehrheit im Landtag brachten. die Rechnung vor. Er fordert Einfluß auf R« g i e r u n g, Gesetzgebung und Verwaltung. Er fordest brüsk und droht unverhohlen: „Die politischen Parteien, für die der Stahlhelm mit seinem RanKn gebürgt hat, werden vor die Frage gestellt rverben müssen, inwieweit sie ihm diesen Einfluß gewähren wollen, und wir hoffen und vertrauen darauf, daß sie dies i n vollstem Maße tun nxrdem Tun sie es n i ch t, verweigern sie dem Stahlhelm jede Einflußnahme auf die Gestaltung der Dinge, dann müssen sie sich bewußt fein, daß sie sich im Stahlhelm eine Opposition schaffen, d'e die Kraft und die Macht hat, wie sie die rote Hersschast gestürzt hat. ouchsiezu stürzen. An den Parteien ist es. die Antwort auf die Frage zu geben. Der Stahl- Helm wartet darauf." So zu lesen in der Braunschweiger Stahlhelmzeitung. Der Stahlhelm will also Stahlhelmminister. Stshchelmbeamte. Stahlhelmrecht vor Landtagsrecht, jkurzum, er wA die demokratisch-parlamentarifche Verfassung ersetzen durch «in« Stahlhelmdiktatur. Wenn die Rechtsparteien diesen Fo» derungen in Braunschweig nachgeben, würden sie einen glwien Vesstoß nicht nur gegen die Landesverfassung, sondern auch gegen die Reichsverfassung begehen. Der Stahlhelm aber behauptet nach wie vor, er sei«ine politisch neutrale Organisation.
Bestreben der deutschen Handelspolitik fein, am Abbau des hochschutzzöllnerifchen Absperrungssystems zu arbeiten, das die Folge des Krieges und der Währungswirren ist und den freien Warenaustausch unter den Völkern verhindest. Ein neues System von Handelsverträgen, das dem Ideal des Freihandels nahekommt, muß den freien Güteraustausch fördern und eine sichere Grundlage für die Hebung der deut- ichen Produktiokraft und für möglichste Stetigkeit der deutschen wistschafllichen Entwicklung abgeben. Die Neuregelung des deutschen Zolltarifes muß unter dem Gesichtspunkte essolgen, daß die von Deutschland selbständig festgesetzten Zölle nur als Mittel für die Bildung eines in der Haupttendenz frechänd- lerisch genchteten Haichelsvertraassystems zu dienen haben. Die Zollpolitik muß vollständig den größeren Gesichtspunkten der allgemeinen Handelspolitik, der Hebung der deutschen Produktionskraft untergeordnet werden. Unter diesen Gesichtspunkten ergibt sich eine scharfe Ablehnung neuer L e b e n s m i t t e l h o ch s ch u tz» zölle und neuer Industriehochschutzzölle, sowie des Versuches, ein neues hochschutz.zöllnerisches Solidaritäts- fystem zwischen Landwirtschast und Industrie herzustellen. Gegenüber den Forderungen nach hohen Getreidezöllen stellt der Verfasser folgende Gesichtspunkte fest: Erhöhung der Getreidezölle bedeutet Schwächung der Kaufkraft der Bevölke- rung und damit Einengung des inneren Marktes. An Stelle der Steigerung der deutschen Produktion wird durch den Ge- treidezoll eine neue Einengung der Produktion eintreten. Die ohnehin schon knappe Kapitalsdecke der deutschen Industrie wird durch den Getrcidezoll noch mehr der Landwirtschaft hin- übergerissen. Abnehmende Beschäftigungsmöglichkeit, Zwang Sr Ueberfremdung der Industrie sind die Folgen. Die soziale irkung auf die Arbeiterschaft, die Verschlechterung der Er- nähriingsoerbältnisse muß sich als Rückgang der Intensität der Arbeit und der Produktion auswirken. Für die Landwirt- fchaft selbst hat der Getreidezoll keine produktionsfördernde Wirkung. Er bewirkt lediglich eine Erhöhung der Lodenpreise und der Bodenrenten Wiedereinführung agrarischer Hochschutzzöll« wird mit Notwendigkeit industrielle Hochschutzzölle nach sich ziehen. Wird aber die deutsche Handelspolissk unter den Ge- fichtspunkten einer ausgesprochenen Hochschutzzollpolitik ge- fiihrt, so stellen sich der Wiedereingliederung Deutschlands in die Weltwirsschaft, der Ueberwindung der Kriegssolgen in den wirtschaftlichen Beziehungen der Völker unüberwindliche Hindernisse entgegen. Dann wird das System der gegen- stitigen Absperrung auf unabsehbare Zeit binaus verlängert, Deutschland hat keine Möglichkeit, seinen Export zu steigern und den Weltmarkt in großem Umfange wieder zu gewinnen, es wich ausgeschlossen vom Bezüge billiger Rohstoffe, auf die seine Fertigwaren und Vesseinerungsindustrie angewiesen ist. Die Wirtschaftskrise in Deutschland wird verlängert, die Um- stellung auf rationelle Produktion verbindert. Die deutsche Wirtschaft wird weiterhin im Zeichen oer hohen Preise, Im Zeichen des Geistes des raubtierischen Monopolismus, der Arbeitslosigkeit, des sozialen Elendes stehen. Die Darleg"ngen dieser Schrift werden durch zahlreiche illustrierende Beispiele sowie durch eine Anzahl statistischer Nzchweisungen belegt. Für den Kampf gegen die wirtschafts- politischen TenhöN'ön, die von den Intersssentenoerbänden aus- gehen, und die Interessen einzelner wirtschaftlicher Mächte- g nippen über die Sesamtinteressen des Volles stellen, bietet ciesq Schrift wertvolles und instruktives Material. Sie ist ein wertvoller Ansatz zur Füllung einer Lücke in der sozialdemo- kratischen Literatur, die gerade in der Zeit der großen Handels- politischen Entscheidungen sich sehr empfindlich bemerkbar mochte.
P-sschllnimsrung im Befinden Lrankings? Lrantings Sehnen- «nizünbung am linken Bein hat sich ausgebreitet. Dies wirkt ungünstig auf das Allgemeinbefinden. Zum Schiedsrichter für die Dawes Zudustrieobllgaliooen ernannt wurde von der Revoralionskommifsion im Einverständnis mit Deutschland der fchrveorschs Bankdirektor Marcus Wallender g.
�pelleas und Melisanöe" von Maeterlinck (W a l l n e r- T h« o t« r.) Vernunft ist besser als Haß. Jahrelang hat Maeterlinck gegen Deutschland gescholten. Er hat den Irrtum begangen, die deutsche Kunst mit den großdeutschen Kriegsmatadoren zu verwechseln. Don ollen, die drüben gegen uns gefletscht haben, P Maeterlinck der bissigst« gewesen. Sein großer Landsmann Derhaeren hat während de» Krieges auch furchtbare Bannflüche geg-n Deutschland geschleudert, aber schließlich drang doch das Wort der Vernunft und sogar der Lieb« immer wieder m seine Schrift«in, wenn er sich in Schmerz:« über das Leid feines belgischen Vaterlandes wand. Run. L er haaren ist dahingegangen, Maeterlinck ist geblieben. Lange haben wir ihn in Deutschland nicht mehr gespielt, nun wollen wir Kränkung und Beleidigung vergessen, wir führen ihn wieder auf. Das Wallner-Thsater spielt am Borabend der Weihnacht„Pelleas und Melisande ". Auch diese Ausführung ist ein« Friedensbotschaft. 2&:t dürfen reicht weitcr hassen, auch Maeterlinck wird gern einen breiten Strich durch die übrigen» künstlerisch ganz mißlungenen Auswürfe seines Hasses machen. Pelleas und Melisande— Mondsüchtigkeit und Liebe». schwärmerei, gemischt aus Shakespeare und dunkleren Mystikern. Maeterlinck hat einstmals den Dichter der deutschen Hymnen an die Rocht, den unsterblichen Novalis, in«ine schwingend» andacht- beschwert« Sprache übersetzt. Er ist immer diesem dunklen Deutschen verwandt geblieben, er hat ihn immer wieder gesucht, dann selbst. wenn er irgendein« mythologisch fern liegend« Zeit mit seinem okkulten Instinkt« durchleuchtet Bruderliebe um die gleiche Frau, im äußeren Geschick nicht» anderes. Und der jüngere Bruder wird «rschlagsn. weil Melisande, die Gattin des älteren Bruder», bclm Anblick Tränen der Freude vergießen muß und Tränen des Wehs. Täuschen wir uns nicht: Maeterlinck wußte sehr gut. wo» di« Bühne braucht. Wüßt« er da» nicht, er würde nicht so zündend wirken. Aber darüber hinaus reden ii, ihm die großen Stimmen. Er kommt ganz nahe an das Herz heran. Musik, Mystik, ein« Uebcrsinnlich- keit, die noch weiter zurückliegt, alz ein frommer Verstand es be- greisen mag, das sind feine Neigungen, das sind fein« Nachahmungen. Dl« Aufführung im Wallner-Theater leitet« Emil Lind, dessen Ohr für solche Orgeltöne wohl geübt ist. Nun spielt am Wallner. Theater Grete Iacobsen die Melisande. Sie ist ein« jung« Frau, die durch ihr« Natur schon zu Marienschicksolen geschassen wurde. Sie vermag das Wort derartig auf der Zunge festzuhalten, daß man die Zusammengehörigkeit zwischen dem Gefühl und dem Worte sehr stark fühlt. Sie kommt nicht in den Verdacht, ein« routiniert« Künstlerin zu sein. Die Empfindungstraft scheint vorläufig ihr« best« Eizenschaft. Ernst Deutsch war der jüng«re Bruder. Theodor Loo» der massive älter«. Der Mord des Lelteren ist verständlich. wenn der Jünger«, der noch ein halber Knabe fem soll, fast zusammen-
sinkt unter der Last seines poetischen Temperaments. Mondsüchtig- keit und Liebe, zwei Eigenschaften, die kund werden müssen. Nun, erstaunlich, daß Ernst Deutsch gor nichts von der Süßigkeit dieses armen Pelleas ahnen läßt. Ernst Deutsch war«her Intrigant und Tragöde, er war kein Liedersänger, er war kein Schwärmer, er war kaum ein Jüngling. Wogegen Theodor Loos manche Talent« be- fltzt, die ihn für die Rolle des eifersüchtigen Gatten bestimmen. Das Wurmige, das Grabend«, das Grübelnde, alles das gelingt ihm. Aber er lebt nicht mit, wenn sich der große Schmerz austobt. Do find Lücken zwischen dem gegebenen Text und dem wiederschenkenden Künstler._ MaxHochdorf.
Parademarsch im»Berliner Theakrr".(„Anneliese von Dessau".) Emmy Sturm war so heiser, daß felbst die es merkten, di« ihr« unbändige Freude hatten, wenn ein paar Soldaten ausmarschierten. Und wie tobten sie erst als der Dessauer Morsch gespieit wurde! Stresemann nickte von seiner Log« aus freundlich mit dem Kopf«, ein zweiter illustrer Gast war wegen der jüdischen Feiertage nicht anwesend, Rabbi Atiba. Er hätte etwa gesagt:„Historien auf der Bühne— dos war schon da. Di« Parademärsche in der Opere.te — welche Tautologiej Parademarsch ist schon selbst ei« Stück Operette. Gesang an den Kuckuck, an ine Schivaibe— das ist Süßho'z für Backfisch«. Di« drei sogenannten Schlager— oll« Kamellen. Wir fügen hinzu: das ist gar keine Operette, fondern«in« Zusam» menstellung von kleinen Liedern, abgeklungenen Eouplets, lebenden Bildern. Man kennt das nun alles zum Ueberdruß. Jeder Be- sucher kann sich nach zwei Takten die ganze Meiodi« zusammen- klauen. Nur ein« Parodie auf den„Trompeter von Säckingen" im letzten Alt atmete dank Eugen Rex (nicht Fridericu» Rex) wirk- liche Lustigkeit. Im ersten Akt geht'« tränenreich zu. Im zweiten sentimeniol, im dritten dank der Fwschheit Wuard Lichten- stein? sauarob. Im übrigen ereignet sich was an Baterlieb«, Mutterliebe, Treue, Festigkeit. Brust raus, Ehrpusscligkeit, abgeston. dener Operetten-Apothekerwor« aller Art. Emmy Sturm hat kein« Rolle; sie muß immerfort meiancholisch stin und seufzen und zittern, Ganz apart spielt di« klein« Iofefinc Klein. Und auch der rode» brecherede Marquis Hermann Böttchers bringt in die Steißbeine ein bissel Humor daher. Wäre zündend« Musik(etwa Robert Winterberq) aus diesem wäss-rigen historischen Boden gezau- bert worden. Schmidt- Gentner, der Dirigent, hätte sie zu einem Riesenerfolg gebrocht. Meine Bekanntschaft mit ihm war der einzige Gewinn de» Abends, denn den Dessauer-Marsch harten wir schrei gekannt, und Emmy Sturm war krank. Z»« Claque und di« Militarist«» erzwangen einen äußeren Erfolg. Alles schon da- gewesen. K. S. ZNamzell Nilouche. Es ist doch gut. daß der Bühnenverein di« Franzosen wieder zugelassen hat, sonst hätten die Besucher de, Theaters am Kurfürstendamm nicht diese hübsche Weih- nachtsüberraschung bekommen. Di« Literatur scheint diesem koketten Theaterchen nicht zu bekommen, e, flüchtet zum älteren vaudeoill«, dem lickiigen, frechen, witzig«», satirischen(je nachdem) Stück, das di« Musik als Umrahmung, als Couplet und Ensemble hat. uns
aber nicht darin ertränkte und daneben dem gesprochenen Wort Raum läßt. Zwar haben di« guten Deutschen auch sehr nette musikalische Sächelchen der Art gemacht(sogar musikalisch noch besser«), ober doch nicht so pariserisch, wie sie der Kurfürstendamw verlangen kenn. H« r v e(nicht zu oerwechseln mit dem Kriegs- fanatiker HerS mit dem doppelten Vorzeichen) ist durch Offenbach oerdrängt worden, aber sein„Fräulein Scheinheilig"(1883 entstmi» den) ist noch quicklebendig, und was ihr an aktuellen Reizen ab- geht, hat der Bearbeiter Karl Rösler reichlich durch Archiielungen und Witz« ersetzt. So wird den dieses graziös«, kecke, spigbübische. aber im Grund« unverdorben« Frauenzimmerchen, zugleich braves Stiftsfräulein und ausgelassene Soubrette, die im Daudeville ihres Lehrer» einspringt und die Hauptrolle singt, die Berliner entzücken. Zumal sie in Erika von T hell mann«in« ideal« Verkörperung findet. Sie ist in Figur, Spiel und Gesang wie geschaffen dafür und erfüllt mit ihrer lustgen Schelmerei das ganze Haus. L d a l- bert macht den Organisten, etwas trocken und unergiebig(für Adalbert). Zuviel des Guten tut Paul Morgan als Theater« direktor: er spielt(in der Maske Offenbachs ) eine ganz« Berliner Theaterrevu«, die von Witz und Bosheit smikelt. Winterst«in ist ein Bombenbramarbos von Theoterdirektor, Illa G rün in g«in« höchst würdige Oberin(mit dem gelegentlichen Ausblick zum Irdi- schen), reizend Charlotte Döcklin als Corinn«, reizend der ganz« Chor der Schauspielerinnen. Han, May ist Herne « Partitur«in trouer Pfleger, die Zartheiten kommen anmutig und di« Militärmusit schneidig heraus. Ja, das Militärische gefiel besonders: kann man es nicht deutsch haben, so tut es auch die französische Blechmusik, d, Die erste allgemeine deutsche Kunstausstellung in Moskau hat jetzt stattgefunden. Don zwei Künstlern. Otto Nagel und Eric Io« hanson von der„Internationalen Arbeiterhilfe" veranstaltet, hat die Ausstellung noch einem Moskauer Bericht Paul Ettingers im„Ei- cerone stark enttäuscht. Die besten Nomen der jüngeren deut'chen Kunst waren nicht zulänglich vertreten. Nicht das Richtig« für Mos« kau war die schonungslos« Verhöhnung des unsterblichen Bourgeois. die dorr ins Leere verhallte, und die allzu laute Betonung des Ero» tischen. Da» Hauptinteresse konzentrierte stch m«f eine in Rußland bisher ganz unbekannte Holzschnittfolge von Käthe Kollwitz . Don Barloch, von dem üeider jedes Bildwerk fefstte, bewunderte man wenigstens die Graphiken. Für«in« zweite Ausstellung deutscher Kunst in vollkommenerer Gestalt ist vorderhand in Moskau nicht viel Aussicht, und das:st sehr bedauerlich, da di« deutsche Kunst dort so gut wie völlig unbekannt ist.
Cabnrig starbt gibt in der berliner Sezelfion, Kurfürttendanmi 2S% abend« 8 Uhr, 8 Abende. Zweiten Feiertag: Heiterer Abend. Sonnabend, den 27.: Novellen Tboma« Mann. Knut Hansun, Her» mann Bang, Wrdelind, Neue« von Kaffa und Nllenberg. Sonntag, den 28.: ghinefilche, japanische, persische Lyrik, Bekenntnisse von Qckermonn, Börne. Arnim. Strindberg, Zola, Wilde, Grotesken von Scheerbartz, Morgenstern und Mynona. vie Suasthandluna Biebici-chesellsgast. Boyersschestr. 6(am Olip.ier Bläh), veranstaltet eine Ausstellung von Originalbandielchnungen der stan,ösilchen Schul« vom XVX dl» XIX. Iahrbundert. Tie Ausstellung ist dt» End« Januar täglich von 10 bis 2 und von t bis S Uhr geöjfuet.