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Gewerkschaftsbewegung

Kommunistischer Zuwachs.

Die Kominunistische Partei ist eifrig bemüht, den Beschluß res Zentralausschusses durchzuführen, wonach bis zum 1. Dezember eber tommunistische Parteijunttionär und bis zum 1. Februar 1925 jedes tommunistische Parteimitglied freigemertschaftlich organisiert sein muß. Es mag bahingestellt sein, ob die Zahl der bisher noch nicht oder nicht mehr gemertschaftlich organisierten, organisationsfähigen Mitglieder der Kommunistischen Partei mehr oder minder bedeutsam ist. Sicher­lich ist sie bei weitem nicht so groß, als die Zahl derjenigen Gemert­schaftsmitglieder, die infolge jahrelanger systematischer Quer. treibereien der Kommunisten gegen die Gewerkschaften, aus ihrer Organisation vertrieben wurden. Die tommunistischen Sonder. organisationen der Bauarbeiter, Bekleidungsarbeiter und Unionisten bleiben jedenfalls einstweilen noch bestehen. Immerhin, die Gewerf schaften müssen an sich gegenwärtig jeden Zuwachs begrüßen, der bereit ist, mit ihnen am gleichen Strang zu ziehen. Gilt es doch mehr denn je, den letzten Mann, die legte Frau der Gewerkschaft einzureihen, die Reihen zu schließen.

Allein die ganze Einstellung der KPD. gegen die Gewerkschaften macht ihren Einheitsfronteifer höchst verdächtig. Es handelt sich für fie teineswegs darum, den Gemertsgaften zu dienen, als vielmehr darum,

der Kommunistischen Partei zu nühen, Nicht aus gewerkschaftlichem Intereffe, sondern aus ihrem politischen Parteiintereffe 3mingt die KBD. ihre Parteimitglieder, den Gewerkschaften wieder beizutreten, mit der Verpflichtung, unbefümmert um die Sazungen, Beschlüsse und Aufgaben der Gewerkschaften und ihre Sazungen, Beschlüsse und Aufgaben der Gewerkschaften und ihre durch die Erfahrung, Sachkenntnis und Verhältnisse bedingte Tott, sich in den Gemertschaften im Sinne der KPD . und nach deren bestimmten Anweisungen zu betätigen.

Jeder Kommunist muß oftiver Gewerkschaftsfunttionär fein. Er muß sich nicht nur zu jedem Funktionärposten, wie Ber­trauensmann im Betrieb Mitglied der Branchenkommissionen, Ortsverwaltungen und Bezirksleitungen zur Verfügung stellen, nein, er muß um diese Funtiionen tämpfen. Er muß sowohl bei Lohntämpfen wie bei Umgestaltung des Verbandes in vorderster Front stehen.

Eine wirklich erfolgreiche Arbeit in diesem Sinne ist nur möglich durch eine intensive Frattionsarbeit. Rein Betrieb, feine Ortsgruppe, feine Branche ohne eine gut ausgebaute und gut arbeitende fommunistische Frattion."

Das heißt, tommunistische Sonderorganisationen innerhalb der Gewerkschaften. Damit kommen wir zur Einheitsfront" der Gewerkschaften, wie sie die KPD. - Zentrale propagiert. Auch wer von Organisation nur einen schwachen Begriff hat, weiß zumal rach den Erfahrungen der Nachkriegsjahre, daß solche Sonder organisationen auf die Geschlossenheit der Gewerkschaften

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mie Sprengpulver wirken. Die fommunistischen Partei­mitglieder, die auf Parteibefehl den Gewerkschaften bei treten müssen, um die Porteiattion" durchzuführen, haben vor allem auf die

hinzuwirken.

Ausmerzung des Reformismus

Der vielgeschmähte sozialistische Reformismus bildet mun aber einmal die Grundlage der Gemertschaften. Die Gemert schaften find reformistisch oder sie sind nicht. Ihr zielbewußter Reformismus ift dem Unternehmerium läftiger als alle fommunisti schen Phrasen und Parolen. Gewiß, wenn die Gewerkschaften ben Blänen der KPD - Zentrale feinen Widerstand entgegensetzen, fich von der Kommunistischen Partei erobern und für die 3mede dieser Bartei mißbrauchen lassen, dann ist es mit dem Reformismus der Gewerkschaften vorbei. Die Gewerkschaften sind dann samt threm Reformismus ausgemerzi" unb

nur noch Zweigstelle der PD,

die sie zu einem wirklich revolutionären Machtorgan ber Arbeiter. tlasse" machen will, das heißt aus dem kommunistischen Agito­tionsphrasendeutsch übertragen zu Stoßtrupps der Kommunisti

fchen Partei.

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Wenn mit Gewaltatten, durch Butschaftionen, die tapita listische Wirtschaftsordnung über Nacht aus den Angeln zu heben und ohne weiteres durch eine sozialistische Wirtschaftsordnung zu erfeßen wäre, dann wäre es freilich Torheit, fich mit Reformen innerhalb der heutigen Wirtschaftsordmung aufzuhalten. Es ist jedoch eine grobe Täuschung und eine bewußte 3rreführung Der Arbeitnehmerschaft, ihr vorzumachen, fie bedürfe feiner Auf­flärung, Schulung und Disziplinierung, es ginge ohne Erkenntnis, ohne Wiffen, ohne zähes beharrliches Bormärtsdrängen Schritt um Schritt, ohne allmähliches eranreifen der Verhältnisse und der Menschen, es genüge die Entschloffenheit zur Diktatur, der Mut der Berzweiflung, tolltühne, räuberromantische Berwegenheit und dazu etwas Pfiffigkeit und Verschlagenheit, um den Gegner zu übertölpeln,

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ber Entwicklung der Dinge vorzugreifen, die gesellschaftliche Ent. widlung gewissermaßen zu überlisten.

Der umfangreiche Anschauungsunterricht, den uns die Bolsche misten in Rußland wie in Deutschland erteilt haben, bewahrt uns davor, in unserer Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Zuständen und in unserer Ungeduld auf ihre Umgestaltung, den Weltrevolutions. plänen von Wirrtöpfen und Desperatos zu verfallen.

SP

Die deutschen Gewerkschaften insbesondere missen, moran sie mit der KPD. find, die ihnen gerade genug geschodet hat, als daß fie sie noch weiterhin zu schädigen brauchte. Schließlich wird sich aber auch das kommunistische Treiben als ein Teil jener Kraft er­weifen, die die Weltrevolution" will und den Reformismus" fchafft. Der von der Kommunistischen Partei befohlene Eintritt ihrer Mitglieder in die Gewerkschaften wird die Gewerkschaf. ten anfpornen, durch unermüdliche Beranziehung der Unorganisierten, mie durch nachholtige Auf. flärungsarbeit unter den Gewerkschaftsmitgliedern, der kom munistischen Parteiaktion in den Gemertschaften ein Gegen. gewicht zu bieten. Im übrigen aber werden alle parolen der RBD- Zentrale die Gewerkschaften nicht hindern, sich an ihre Sahun gen zu halten, noch ihren eigenen Gesezen zu verfahren und ihre ganze Kraft in den Dienst des Reformismus zu stellen, das heißt, für günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder forgen, für die Durchsehung des Achtstundentags wie für die fortschrittliche Ausgestaltung der sozialen Gesetzgebung. Metallarbeiter Internationale und Achtstundentag. Internationale Metallfonferenz.

der Metallarbeiterinternationale ist am Sonntag in Paris zu einer Paris , 5. Januar. ( Eigener Drahtbericht.) Der Zentralausschuß Sigung zusammengetreten. Im Vordergrund der Erörterung stand eine Aussprache über die Durchführung des Act stunden tages in der Metallindustrie der verschiedenen Länder. Bon deutscher Seite lag ein Antrag vor auf Einberufung einer internationalen Konferenz, die sich speziell mit den Arbeitsbedingungen in der Schwerindustrie ten Dißmann und Reichel gaben in der Begründung dieses ( Hütten- und Walzwerke) beschäftigen soll. Die deutschen Delegier. Antrages eine Schilderung der Berhältnisse in Deutschland . Die deutschen Gewerkschaften hätten die durch die Inflation verursachte schwere finanzielle Krise nahezu überwunden und seien im Begriff, das während dieser Krise verlorene Gelände zurückzugewinnen. Die Hauptforge der deutschen Gewerkschaften fei gegen­wärtig, die Regierung und das Unternehmertum zu zwingen, den Achtstundentag wieder herzustellen. Die Tätigkeit der Bewerkschaften sei vor allem auf die Ratifitation des Washingtoner Abkommens gerichtet. Dabei müsse aller­dings bei den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen in Deutschland mit der Möglichkeit eines Mißerfolges der parlamentarischen Aktion lichkeit einer groß angelegten direkten Attion nicht von vornherein gerechnet werden. Die Gewerkschaften schlössen deshalb die Mög­Gefahren Rechenschaft gebe, die die Verlegung des Achtstundentages aus, zumal da man sich in Deutschland im vollen Umfange von den deutsche Antrag wurde einstimmig angenommen. in Deutschland für die Arbeiter der anderen Länder habe. Der Die internationale Metallarbeiterfonferenz soll am 1. März in Köln zusammentreten und sich u. a. mit den internationalen Handelsverträgen und dem Problem der internationalen Kartellie rungen und Konzernbildung in der Schwerindustrie befassen.

Telephonarbeiterstreik.

In der Telephonfabrik Don Dauernheim, Köpe nider Straße 114, steht die Belegschaft feit Sonnabend in einem bmehrstreit. Aus nach den Neujahrsfeiertagen die Arbeit wieber aufgenommen werden jollte, erklärte der Inhaber der Firma den Arbeitern und Arbeiterinnen, daß er es nicht mehr zulassen Er fähe fich gezwungen, den allgemeinen Verhältnissen Rechnung tönne, daß im Lohnafford 1,10 m. in der Stunde verdient werden tragend, die Berdienste auf 85 Pfennig zu reduzieren. Auf Verhandlungen ließ sich der Herr meder mit der Betriebs­pertretung noch mit einem Bertreter des Deutschen Metallarbeiter­berbandes ein, nahm vielmehr seinen Koffer und verschwand durch eine Hintertür nach London , wie seine Angestellten mitteilten. Da er bei der eiligen Abreise vergessen hatte, seinen Vertretern die Bollmacht zu hinterlassen, verhandeln zu können, so war es auch nicht möglich, den Streitfall zu einem befriedigenden Abschluß zu meiteres den Abzug gefallen zu lassen, und so blieb nichts weiter bringen. Die Belegschaft war aber auch nicht gewillt, sich ohne übrig, als in den Abwehrkampf zu treten. Die Berliner Arbeiter­schaft wird darum gebeten, 3uzug trengstens fernzu. halten und auch sonst Solidarität zu üben.

Schiedsspruch für die Seeschiffahrt.

Der Schiedsspruch vom 23. Dezember über den neuen, ab 1. Dezember geltenden Tarif der deutschen Seeschiffahrt ist von beiden Barteien angenommen worden. Der Tarif feßt für Schiffs offiziere mit einer Heuer von meniger als 150 m. monatlich eine Erhöhung um 8 Broz. und von 150 m. und darüber eine Erhöhung um 5 Proz. feft. Die Heuer für Ded- und Maschinenpersonal wird um 8 Broz. erhöht. Die neuen Bestimmungen gelten bis zum 31. März

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Befferung des Kohlenabsatzes.

Aus den vorliegenden Berichten der einzelnen Rohlenreviere if erfichtlich, daß augenblicklich ein befferer Kohlenabsatz als in den Bor monaten zu verzeichnen ist. So konnte z. B. Deutsch- Oberfchlesien, das unter der Abfaktrise am schwersten gelitten hat und in den Des gembertagen seine Produktion z. B. in der Woche zum 21. Dezember von rund 265 200 Tonnen auf 286 500 Tonnen bedeutend steigern fonnte, seinen Abjaz in der genannten Woche von 251 882 Tonnen auf 255 862 Tonnen vermehren. Von Bedeutung ist auch die Mehr einfuhr englischer Kohle. Während in der Zeit vom 1. bis 12. De 3ember 1924 im Lübecker Hafen nur 5290 Tonnen englische Kohle einliefen, betrug die Einfuhr in der Woche vom 13. bis 20. Dezember

16 000 Tonnen.

Die Schillingwährung in Deutschösterreich. über die Aufstellung von Bilanzen in Shillingrechnung In Wien wurde der Regierungsentwurf eines Bundesgesetzes unter Neubewertung von Attien und Verbindlichkeiten( Goldbilanz gesez) veröffentlicht. Danach wird beim llebergang auf die Schilling rechnung eine Eröffnungsinventur und eine Eröffnungsbilanz in Schillingrechnung geschaffen, in der die Reubewertung der Bilanz posten zu erfolgen hat. Die Borräte und das Inventar dürfen höch­stens mit den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten aufgeführt wer ben. Die Mindestgrenze des Attienkapitals ist mit 90 000, bei den G. m. b. 5. mit 10 000 Schilling festgelegt. Nach der Goldumstellung find neue auf Schilling lautende Attien auszugeben, welche gegen die

alten Aftien eingetauscht werden.( 1 Schilling 10 000 Kronen 0,60 Reichsmart.)

Zollabfertigung von Ausfuhrgütern. Nachdem die Reichsbahn gesellschaft zugestimmt hat, daß der Vorabfertigungszwang für Aus. fuhrgüter versuchsweise beseitigt wird, hat der Reichsminister der von Waren zur Ausfuhr nur noch auf Antrag vorzunehmen. Im Finanzen die Zollstellen angewiesen, die zollamtliche Borabfertigung übrigen findet die Zollabfertigung von Ausfuhrgütern bei den Grenz­zollamtern an Hand der Begleitpapiere statt.

Aus der Partei.

Der Konflikt in Sachsen .

Dresden , 5. Januar. ( Gigener Drahtbericht.) Die Bezirksver. bände der SPD . Sachfens nahmen am vergangenen Sonnabend in über die Beilegung des sächsischen Konfliktes Stellung. Die Be­einer gemeinsamen Sigung zu den Vorschlägen des Parteivorstandes zirksverbände lehnten die Vorschläge des Parteivor­standes als ungenügend ab, erklärten sich aber bereit, an der Berständigung auch weiterhin mitzuarbeiten. Außerdem nahm die Konferenz folgende Entschließung an: Die Landesinstanzen Genossen Edel der letzte Zweifel zerstört worden ist. Die fächſiſche der SPD . Sachsens protestieren gegen die Personalpolitik der Re gierung Held, über deren Zug durch die brutale Maßregelung des schaft beharren und bezeugt den Opfern der Regierung Held ihre Bartei wird dieser Personalpolitik gegenüber in schärfster Gegner vollste Sympathie und Solidarität.

Hierzu erfahren mir, daß auf Beschluß des Gesamtministeriums im Rahmen der allgemeinen Sparfamfeitsmaßnahmen die An ftellung des Genossen Edel als beamtetes Mitglied der Redaktion der Sächsischen Staatsgeitung" widerrufen und Edel mit einem Halb jahresgehalt am 31. Dezember aus dem Dienst entlassen worden ist. Es besteht nicht die Absicht, die freigewordene Stelle wieder zu befezen. Ebel gehört zu den Führern der Fraktionsminderheit.

Hermann Rhein 25 Jahre in der Bremer Bürgerschaft . Did erste Gigung der neugemählten Bremer Bürgerschaft ge ftaltete sich zu einer Feier für den sozialdemokratischen Frattions. Dorfigenben, Genossen Hermann Rhein , der an diesem Tage nahme der Kommunisten von ihren Plätzen erhoben, feierte Der auf eine 25 jährige Zugehörigkeit zur Bürgerschaft zurücbliden fonnte In einer Ansprache, bei der sich alle Mitglieder mit Aus Bräsident der Bürgerschaft den Jubilar, schilderte den Kampf der Sozialdemokratie um die Eroberung des Bremer Landesparlaments und erinnerte baran, wie vor 25 Jahren der heutige Senator Rhein gemeinsam mit Fris Ebert in die vom Bürgertum beherrschte bremische Boltsvertretung einzog. Damals waren 11 Sozialdemo fraten in der Bürgerschaft; heute fann Genosse Rhein die Geschäfte einer sozialdemokratischen Fraktion von 48 Köpfen führen.

Genoffe Eduard Schmid , der 5% Jahre lang als Erster Bürgermeister der Stadt München mit der ihm eigenen Gemiffenhaftigteit für die Allgemeinheit wirfte, ist wieder auf seinen Boften als Redakteur unseres Münchener Parteiblattes, der Mün chener Post", zurüdgefehrt, um wieder das Referat für Kom­munalpolitit zu übernehmen, das er vor dem Jahre 1919 bereits über ein Vierteljahrhundert vertrat. Genosse Schmid steht im 63. Lebensjahre. Genau vor 25 Jahren wurde er als Vertreter der Sozialdemokratie zum erstenmal in das Münchener Rathaus gewählt, dem er seither ununterbrochen als Stadtrat angehört,

Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter ; Wirtschaft i. B.: 3. Steiner; Gemertschaftsbewegung: Friebe. Entorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Bormärts- Buchbruceret und Sonstiges: Fris Karstadt : Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin . und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SB. 68, Lindenstraße 3.

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