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Abendausgabe

Nr. 7542. Jahrgang Ausgabe B Nr. 37

Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife­find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Cindenstraße 3. Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin

Vorwärts

Berliner Volksblatt

5 Pfennig

Freitag

13. Februar 1925

Berlag und angetgenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr

Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2302

Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Wo bleibt die Rechenschaft?

Die Zuwendungen an die Ruhrindustrie.

Herr Dr. Beder und die Regierung haben entrüstete Erflärun­gen erlassen, als das Berliner Tageblatt" im Zusammenhang mit bem 700- Millionens: andal die Geldhergabe der Sita" an die Roh eisenindustrie erörterte.

Als Antwort darauf rollt das Berliner Tageblatt" den ganzen Fragentompler der Ruhrfinanzierung während des Ruhrkampfes auf. An der Ausgabe der Gelder waren das Reichs wirtschaftsministerium, das Reichsarbeitsministerium und das Reichs finanzministerium beteiligt. Es handelt sich vor allem um Kredit­hilfe und Lohnsicherung.

Somohl das amtliche Dementt wie auch Dr. Beder verfchweigen, daß Ende Februar 1923 dieser Hila eine Kredithiife für die besezten Gebiete" angegliedert worden ist. In den Richtlinien, die von dieser Kredithilfe ausgegeben wurden, steht unter Ziffer 4 das Folgende: Die Darlehen dürfen ausschließlich zur Behebung wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Be­triebe verwendet werden. Sie sollen nur zur vorübergehenden Ber stärkung der Betriebsmittel, dagegen nicht zur Ablösung von Geld­gebern oder zur Erweiterung bestehender und zur Errichtung neuer Unternehmungen dienen." Unter Ziffer 6 heißt es dann weiter: Erzielt ein Unternehmer auf Grund der Unterstüßungsmaßnahmen der Hifa einen Gewinn, der über eine Berzinsung des Stamm­fapitals und eine angemessene Entlohnung für die Unternehmertätig feit hinausgeht, so ist die Sita an diesem Gewinn zu beteiligen. Der Darlehusnehmer ist verpflichtet, der Hifa oder

einer von ihr beauftragten Treuhandgesellschaft jederzeit seinen finan.

ziellen Stand buchmäßig nachzuweisen.

Im Anschluß daran stellt das Berliner Tageblatt" folgende Fragen:

Die Regierungsbildung in Preußen. Die Deutschnationalen für chriftliche Volksgemeinschaft. Die Deutschnationale Landtagsfraktion hat an den preußi fchen Ministerpräsidenten Marg ein Schreiben gerichtet, in dem die Frage, ob die Fraktion zur Beteiligung an einer Re gierung der Volksgemeinschaft bereit sei, dahin beantwortet wird:

Bir nehmen Bezug auf die grundsägliche Erklärung der deutsch , nationalen Reichstagsfraktion vom 8. Oftober 1924, die ausdrücklich das Eintreten der Deutschnationalen Volkspartei für die Voifs­gemeinschaft als Zusammenfassung aller auf chriftlichem, natio­nalem und sozialem Boden stehenden Bolfskräfte betont. Wir sehen roraus, daß die zu einer Regierung der Boltsgemeinschaft m Preußen fich zusammenschließenden Parteten die vor schweren Aufgaben stehende Reichsregierung in loyaler Zusammenarbeit unterstützen und sich in der preußischen Politif zu folgenden Zielen bekennen: 1. Christliche Jugenderziehung und Durchdringung des

ganzen Volks- und Staatslebens mit christlichem Geist; 2. Aufrechterhaltung geschichtlich begründeter Verpflichtungen des Staates zum finanziellen Eintreten für die christlichen Kirchen, bei voller Wahrung ihrer durch die Reichsverfassung ge­3. Ablehnung des mit der Volksgemeinschaft nicht ver­träglichen Klassentampfgedankens;

mährleisteten Selbständigkeit;

4. Pflege vaterländischen Denkens; pflegliche Behandlung aller auf gesetzlichem Boden stehenden nationalen Bestrebungen."

Es zeigt sich, daß die Verhandlungen der Mitte mit der Rechten immer wieder zu denselben Manövern führen. Genau wie die Kommunisten mit den Schlagworten proletarisch" und revolutionär arbeiten, arbeitet die Rechte mit den Schlgworten christlich und vaterländisch zu sogenannten Entlarvungszwecken. Der Schwindel ist in beiden Fällen genau derfelbe.

Wenn sich Herr Marg auf Diskussionen über solche Schlag­worte einlassen wollte, dann wäre zu befürchten, daß seine Kabinettsbildung noch sehr lange dauernd wird.

Der Polizeipräsident beurlaubt.

Auf eigenen Wunsch.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern Severing ein Urlaubsgefuch des Berliner Polizeipräsidenten Richter genehmigt.

Die Beurlaubung erfolgte auf Grund des folgenden Schreibens, das der Polizeipräsident an seinen vorgesetzten Minister gerichtet hat:

Im Interesse des mir anvertrauten hohen Amtes bitte ich er gebenst, mich bis auf weiteres zu beurlauben. Ich hoffe, damit auch die völlige Aufklärung der fortgesetzt gegen mich erhobenen Angriffe - und meiner Ueberzeugung nach völlig haltlosen Verdächtigungen zweckdienlichst zu fördern. Meine Bertretung wird mein ständiger Stellvertreter, der Bizepräsident Moll, übernehmen.

-

Richter, Polizeipräsident." Durch diesen Schritt hat der Polizeipräsident den Weg freigemacht, auf dem jezt endlich einmal eine der vielen ver­leumderischen Verdächtigungen erwiesen werden könnten, menn fie beweisbar sind.

Bis jett liegt, wenn wir richtig informiert find, weder beim Minister des Innern, noch beim Justizministerium eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft vor, daß sie Anlaß oder gar die Absicht hätte, ihr Ermittlungsperfahren auf den Bolizeipräsidenten Richter auszubehnen. Wir glauben jogar zu wiffen, baß die Staatsanwaltschaft dem Ministerium

Erftens: Wieviel Gelder hat diese kredithilfe beim Reichswirtschaftsminifterium im Laufe des Ruhrkampfes von der Reichsbant angefordert?

Zweitens: Welche Firmen haben, was aus den Büchern der Kredithilfe ohne weiteres zu ersehen sein muß. Gelder und in welcher Höhe erhalten?

Kredit bedachten Unternehmungen beteiligt worden? Drittens: In welchen Fällen ist die Hita an Gewinnen der mit

Zur Lohnficherung merden folgende Fragen aufgeworfen: Erstens: welche Maßnahmen ergriffen worden sind, um feft­zustellen, ob tatsächlich diese Cohnsicherung lediglich der Fort­führung des Betriebes gedient, oder ob und weiche Be­triebe diese Cohnzuwendungen dazu benutzt haben, ihre Unterneh­mungen auszubauen, zu ergänzen oder zu erweitern. Zweitens: ob in diesem Falle bei den Ende vergangenen Jahres ausgezahlten Ruhrentschädigungen auf diese Tatsache ent­fprechend Rücksicht genommen ist.

Wir selbst haben diese Fragen mit einer Reihe weiterer Fragen mit aller Deutlichkeit gestellt. Wir haben die Regierung aufgefordert, der Deffentlichkeit Rechenschaft zu geben über die gesamte Ruhr gierung in ihrer Denkschrift diese Fragen peinlich genau be­finanzierung. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, daß die Re=

antwortet.

daß im großen Stile zugunsten der Roheiseninustrie das Volksver. Verdunkelung und Schweigen stügt nur den Berdacht, mögen beraubt worden ist.

Aber wo bleibt die bezeichnete Dentschrift?

auf mehrfache Erfundigungen ausdrücklich geantwortet hat, fie fähe bisher keinen Grund, gegen Richter vorzugehen. Noch heute hat sie diese Erklärung amtlich wieder holt. Das Urlaubsgesuch Richters und seine Genehmigung dient also lediglich dem Zwecke, die für notwendig gehaltene Klärung zu erleichtern.

Die durch einzelne Blätter verbreitete Nachricht von der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Polizeipräsidenten entbehrt jeder Grundlage.

In diesem Zusammenhang darf aber doch noch einmal ausgesprochen werden, daß die Barmats jetzt schon je chs Wochen in Untersuchungshaft sigen, ohne daß die Staats­anwaltschaft in der Lage wäre, auch nur mitzuteilen, welchen Bergehens gegen welche Bestimmung des Strafgesetzbuchs fie befchuldigt werden.

Die

von den

Hette ist es soweit gekommen, daß jeder Sozialdemokrat öffentlich des Diebstahls an filbernen Löffeln öffentlich des Diebstahls an filbernen Löffeln oder ähnlicher schöner Dinge beschuldigt werden darf, und daß man ihm dann den Beweis dafür zuschiebt, daß die Be­schuldigung unwahr ist. den Schwer industriellen zur Bertretung ihrer Interessen aus ge­findung immer neuer Anschuldigungen in der Erwartung, daß haltene Preffe überschlägt sich geradezu in Er: zehn Berichtigungen den ersten Eindrud solcher verleumde­zehn Berichtigungen den ersten Eindruck solcher verleumde­rischen Behauptungen nicht verwischen können.

dann bei diesem System der politischen Berleumdung Wenn von Unmoral" irgendwo geredet werden darf, und Verdächtigung!

Französischer Parteitag.

Schlußfihung.

Grenoble , 13. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Der fazia feiner Schlußsizung zusammen. Er nahm zunächst den Bericht der listische Parteitag trat am Donnerstag nachmittags 3 Uhr zu Berwaltungskommission und der übrigen Kommissionen entgegen. In die französische Delegation für die Internationale wurden Brade, Renaudel und Longuet gewählt. Alsdann wurde eine Anzahl von Entschließungen angenommen, darunter auch die Resolution Lebas über die Tattit bei den kommunal wahlen Sie empfiehlt den Bezirken, nach Möglichkeit rein sozialistische Listen aufzustellen und bestimmt, daß Wahlbünd= nisse nur mit 3uftimmung der Bezirksorgani: fation abgeschlossen werden dürfen.

Der Parteitag ging dann zur Abstimmung über den Bericht der Kammerfraktion über und hieß ihn mit 2642 gegen 142 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen gut. Eine längere Diskussion entstand lediglich über die Wahlreform. Mit 2201 Stimmen gegen 463 billigte der Parteitag endgültig das Verhältniswahlrecht. Doch mußte sich der Parteitag für den Fall, daß die Verhältniswahl in der Kammer feine Mehrheit findet, zwischen der Arrondissement­( Kreis-) Wahl und der Listenwahl entscheiden. Für die Wahl im Einzelwahlkreise sprachen sich 1595 aus, während für die Listenwahl nur 672 Stimmen abgegeben wurden. Dann erhielt das Wort Léon Blum , um den Wortlaut der Entschließung über die allgemeine Politit vorzutragen, die der Parteitag sich dann mit 2655 Stimmen zu eigen machte.

Paris , 13. Februar. ( BTB.) Zu den Beschlüffen des fozia listischen Parteitages in Grenoble schreibt Ere Nouvelle", der Parteitag bleibe nicht nur dem Kartell vom 11. Mai treu, er wolle den Nußen des Steges durch eine gesunde und überleg.e Beteiligung an dem gefeggeberischen Wert der Mehrheit und durch eine weitgehende Anstrengung in ganzen Lande einheimjen. Die anderen Linfsparteien würden nicht verfehlen, sich das als Lehre dienen zu lassen. Es sei Zeit, daß die Linte sich ernstlich organifiere.

Die Verluste des Weltkrieges.

Schlagende Wetter der großen" Politik.

Bon Dr. Julius Moses .

Je mehr die Zeit vorrückt, die uns vom Weltkriege trennt, desto plastischer hebt sich das Bild ab, das Vergangen heit und Gegenwart gewähren, und es bleibt jedem Einzelnen mie der Gesamtheit überlassen, die Zukunft sich auszumalen, für die Vergangenheit und Gegenwart die Unterlagen gegeben. Man wird es deshalb begrüßen, daß in dem Reichsarbeits­blatt" Regierungsrat Förster auf Grund amtlichen Zahlen­materials eine ausführliche Darstellung der Verluste im Welt friege gibt.

Wenn man sich vor Augen führt, daß die Zahl der diretten Teilnehmer am Weltkriege, d. h. der zum Heeresdienste. Ginberufenen auf 75 Millionen ge fchäzt wird, überkommt einen ein unnennbares Grauen. Und wenn man die Verluftziffern sich. vergegenwärtigt, an denen noch mehr wie die anderen Länder Deutschland seinen Anteil zu tragen hat, so muß man sich in innerster Seele getroffen und erschüttert fühlen.

Nur sehr langsam und dann stückweise, in Absätzen, sind die Ziffern bekanntgegeben worden, als hätte man eine be= heit. Auf etwa 1800 000 wurde vor kurzem die Zahl der greifliche Scheu vor dem Bekanntwerden der ganzen Wahr­Gefallenen, soweit Deutschland in Frage fommt, ge­schätzt. Jetzt hat sich die Zahl auf etwa 2 055 000 erhöht. schlossen hot, die sogenannten Vermißten, die bisher merk­Das rührt zum Teil daher, daß man sich endlich dazu ent­würdigerweise amtlich noch immer zu den Lebenden gerechnet werden, als das zu nehmen, was sie wirklich sind, nämlich als Tote.

Verhältnismäßig geringfügig erscheint demgegenüber die 3ahl der gegenwärtig rentenbezugsberechtigten Beschädigten der Welt, die zurzeit- bei den festge­setzten Aenderungen und Schwankungen, die gerade hier naturgemäß eintreten und demzufolge eine genauere Feft­stellung sehr schwierig machen auf etwa 7 bis 8 Mil­lionen geschätzt wird. Dieses Resultat erklärt sich daraus, daß viele der Berwundeten eben nur so geringfügige Ber­legungen erlitten haben, daß fie für den Bezug von Rente nach den gesetzlichen Vorschriften verschiedener Länder aus­scheiden.

Die Zahl der Hinterbliebenen aller Staaten ( Witwen, Halbwaisen, Bollwaisen und Eltern) dürfte nach Förster zurzeit auf rund 12 bis 15 millionen zu schätzen sein. Auch hier verschiebt sich selbstverständlich das Bild von Tag zu Tag infolge Abgang durch Tod, Wiederver­heiratung usw.

Die schwersten Berluste hat naturgemäß 1835 000 Todesfälle beim Landheer, zirka 35 000 Todesfälle Deutschland zu verzeichnen. Festgestellt find rund bei der Marine und gegen 15 000 Todesfälle bei der Schuh­truppe. Rechnet man dazu noch etwa 170 000 Bermißte, die auf das Konto ,, tot" verbucht werden müssen, so kommt die oben bereits angegebene Ziffer von rund 2 055 000 Gefallenen heraus. Bon ben Toten belief fich u. a. die Rahl der im Gesamtzahl, im Alter von 21 bis 22 Jahren 8,16 Proz. Die Alter von 20 bis 21 Jahren Stehenden auf 9.35 Broz. der Zahlen ergeben, daß für Deutschland die verlust­letztere Tatsache redet eine lehrreiche und furchtbare Sprache, und die Frühjahrsoffensive 1918 im Westen. Namentlich die reichsten Reiten die ersten Monate des Feldzuges waren fintemal man ja schon damals und gerade damals in der obersten Heeresleitung ganz genau wissen mußte, daß der Krieg nicht mehr zu gewinnen war.

Auf der Gegenseite hat Frankreich am meisten ge­fitten. Berlust 1 359 000 Mann weiße und 67 000 Mann Serbien mit 690 000, Italien mit 497 000, Belgien mit 115 000 farbige Truppen. Dann folgt England mit rund 946 000, und Amerika mit 57 000 Toten. Nicht festzustellen sind bis jetzt die Berluste Rußlands , die sicherlich eine furchtbare höhe erlitten haben, und Rumäniens .

4248000 gezählt, und zwar beim Landheere 4 216 000, bei Verwundungen waren auf deutscher Seite rund der Marine 31 000 und bei der Schußtruppe etwa 1300. Bei Frankreich inkl. Kolonien beträgt die Ziffer etwa 2 700 000, bei England einschließlich Kolonien 2 122 000, Italien 949 000 und Amerika 246 000.

Ein Krieg, zumal ein verlorener, wirkt sich natürlich noch lange aus. Da sind zunächst die Kriegsbeschädigten, die je nach Art ihrer Verlegungen und auch ohne solche in ihrem Gesundheitszustand und damit ihrer Erwerbsfähigkeit mehr oder weniger hart mitgenommen sind und vom Staate ganz oder zum Teil Hilfe zu verlangen berechtigt sind. Für die anderen am Kriege beteiligten Staaten fehlen zurzeit noch die Unterlagen. Was speziell Deutsch I and anbelangt, so gab es im Jahre 1920 etwa 1537000 Beschädigte. Nach Abfindung eines Teiles, und zwar nach Abfindung der um 10 v. 5. in ihrer Erwerbsfähigkeit geminderten Beschädigten, blieben 1275 000 Versorgungsberechtigte. Im Jahre 1923 wurden wiederum eine Anzahl Beschädigter abgefunden. Augenblicklich sind neue Zählungen nach einer anderen Methode im Gang, deren Resultate noch nicht genau feststehen. Nach einer vorläufigen Zählung der Aemter vermindert sich die Zahl der Beschädigten von 800 000 auf 772 080. Bon diesen maren rund 408 990 leicht und 312 670 fchmer beschädigt.

Die Art und Weise der Rentenbemessung ist im einzelnen natürlich sehr verschieden. Maßgebend ist dabei in erfter Reihe der Grab ber Ermerbsfähigteit. Ber