Einzelbild herunterladen
 

hat ihn sofort wieder auffreien Fuß gesetzt. Warum. die Festnahme? Was sind die Beschuldigungen der Staats­anwaltschaft?

Die Art dieser Berhaftung ist ebenfalls ein Skandal. Die Bossische Zeitung" stellt folgendes fest:

Engelbert gehört, hat die Staatsanwaltschaft tatsächlich vorläufig " Den Justizrat Werthauer, zu deffen jüngeren Sozien

festgenommen". Zu diesem Zwed hat sie

1. feine Privatwohnung mit einem Massenaufgebot von Kriminalbeamten umstellt,

2. einen Staatsanwalt mit dem Flugzeug nach Dresden gesandt,

3. den von Dresden mit dem ersten erreichbaren Zug heim­tehrenden Werthauer am Anhalter Bahnhof verhaftet und nach dem Polizeipräsidium gebracht.

"

Man kann nicht leugnen, die großen Borbilder, die der Film feit Jahren vorführt, sind nicht ohne Wirkung geblieben. Mo. Mo­derner" fann eine Staatsanwaltschaft nicht gut arbeiten. Nimmt man noch hinzu, daß geeignete" Presseberichterstatter von zuständiger Seite so rechtzeitig informiert wurden, daß sie jeden Akt des gewaltigen Dramas" als Augenzeugen mitmachen und darüber den Befern ihrer Blätter einen ausführlichen Bericht vorsetzen fonnten, so hat man alles, was zum Bilde gehört."

3. Ist es richtig, daß Barmat im Kriege bereits| Wiffens der einzige Fall, in dem einer der Herren Barmat an mich große Lieferungen von Waren nach Deutsch herantrat. Bei den internationalen Beziehungen, die ich im Inter land durchgeführt hat? effe der Heimschaffung der Kriegsgefangenen zu pflegen hatte, find bei leberwindung der Baßschwierigkeiten behilflich zu sein. Alle eine Menge Leute an mich herangetreten, mit dem Ersuchen, ihnen furzerhand an das Auswärtige Amt. Ich glaube diese Ansuchen gab ich wie das jeder Abgeordnete getan hat­fonach, daß ich völlig forrett verfahren bin."

funft im Haag 1917 die Verbindung zwischen Barmat und der Bot­Herr v. Maizan antwortete darauf, daß schon bei seiner An­schaft bestanden habe. Bon wem fie aufgenommen und wer sie her: gewesen, mit Barmat auf die Neutralisierung ruffischer gestellt habe, fönne er nicht sagen. Der Zweck der Berbindung sei Seeresflüchtiger hinzuwirken. Außerdem sei es auch wohi darauf angekommen, Lebensmittel nach Deutschland ein­zuführen. Auf die Frage, ob er jemals eine Antwort auf sein Tele­gramm vom 22. Januar 1919, das zur Vorsicht gegenüber Barmat mahnte, Antwort befommen habe, erflärte Herr v. Malgan, das sei Barmat deshalb zu warnen, weil er von einer beabsichtigten Reise nicht der Fall. Er habe sein Telegramm lediglich abgesandt, um vor desselben nach Berlin Kenntnis bekommen habe. Bekannt jei ge­wesen, daß Barmat start renommiert habe mit seinen Beziehungen zu Politikern. Auf Anfrage teilte Herr v. Malgan mit, daß sich Barmat nicht gerühmt habe, zu dem Reichspräsidenten Beziehungen zu haben. Die Frage des Gen. Aufhäujer, ob nicht im Barmat benugt worden fei für eine probeutiche Kriege schon durch die faiserliche Regierung Brogaganda, beantwortete Herr v. Malyan dahin, daß in der Tat mit biefem solche Berluste gemacht seien. Zu einem Erfolg hätten die Bemühungen damals und später nicht geführt. Gern habe man auch Beziehungen im Kriege und nach diesem zu aus­ländischen Sozialisten gesucht, um auch durch diese zugunsten Deutsch.

Das ist nicht Rechtspflege, das ist übelster Senlands zu mirfen. sationsfilm. Die Staatsanwaltschaft tannte den Termin

der Rückkehr Werthauers. Wozu der Vergnügungsflug des Staatsanwalts Caspary nach Dresden ? Wir fragen: Wer bezahlt diesen Apparat, mer bezahlt diese kost­spieligen Flugzeugreisen der Herren, die die Sensationen eines Mabusefilms sich verschaffen möchten?

Ist es richtig, daß die Krimina polizei aus der Be­dienung der Sensationspresse e in Geschäft macht?

Wer ist verantwortlich für die Einladung von Pressevertretern zu der sensationellen Berhaftung" am Anhalter Bahnhof ?

Hier ist nicht Berufseifer, hier ist ein Mangel an Pflichtgefühl und Taft, der eine Justizbehörde un­heilbar diskreditieren muß. Im ganzen Verlauf der an die Staatsbank anknüpfenden Skandalaffären haben einige Staats­anwälte sich bemüht, zu Anwälten der Sensation zu werden. Es ist 3eit, daß das Justizministerium diesem Standal ein Ende macht.

Berhaftet ist leicht, wenn ein Staatsanwalt gewiffenlos genug ist, darauf zu spekulieren, daß er Gründe schon finden werde. Bisher aber hat die Staatsanwaltschaft noch nicht einmal öffentlich oder dem Richter gegenüber festgestellt, welcher Delifte sie einen Kutister beschuldigt.

Geht es so weiter, so seht die Staatsanwaltschaft sich der öffentlichen Beschuldigung aus, daß sie im Bunde mit der verleumderischen Sensationspresse eine politische Kam pagne führen wolle.

mitgeteilt:

Barmat in der Kaiserzeit.

Aus dem Untersuchungsausschus des Reichstages. In Ergänzung zu unserem gestrigen Bericht sei noch folgendes Gelegentlich der Bernehmung des Botschafters Herrn v. Malt­zan wurde auf Fragen des Gen. Schred festgestellt, daß die Akten der Botschaft im Haag erst mit dem 12. Januar 1918 beginnen. Auf der ersten Seite dieser Aften befindet sich die Bemerkung, daß die vorhergehenden Alten vernichtet seien. Ob es sich dabei nur um ein Attenblatt oder mehrer Stücke handelt, tonnte nicht festgestellt merden. Die Barmat Atten bes Auswärtigen Amts beginnen schon mit dem 16. Dezember 1917. Deshalb richtete auch, autnüpfend an die Darlegungen des Herrn v. Malzan, Gen. Schred an oiejen folgende Fragen:

1. Wann und durch men wurden die Beziehungen zmi ichen Barmai und der Botschaft im Haag im Kriege festgestellt? 2. Belche 3 wede fönnen mit der Herstellung dieser Berbin­dung verfolgt worden sein?

Eine Mörderin.

Bon Hanns- Erich Kaminski.

Paris , im Februar. Scheint es nicht oft, als ob unsere Welt immer grauer, immer materieller, immer einförmiger würde? Werden die Städte, die Kleidung, die Lebensformen nicht immer ähnlicher, die Menschen nicht immer fleiner, immer armseliger, immer gehässiger? Gibt es

noch große Leidenschaften, erschütternde Kräfte, einmalige Entschei

dungen, die ein Leben bestimmen? Gibt es noch etwas anderes als Kaufleute und Karrieremacher?

Es gibt fie. Manchmal wenigstens erfährt man, daß es noch Menschen gibt, die unter einem ganz persönlichen Schidsal stehen und die daran verbrennen: ohne Auflehnung, entschlossen, inbrünstig, hingegeben.

Eine solche Leidenschaft, eine solche Kraft, eine solche Flamme stand dieser Tage vor den Geschworenen von Paris : Stanislawa Uminsta, Schauspielerin aus Warschau , zwanzig Jahre alt. Sie war gerade erwachsen, stand erst ein Jahr auf der Bühne, die ersten Erfolge waren kaum erkämpft, als das Schicksal in ihr Leben eintrat. Es war ein Mann von Wert, Johann Zysnowski, ein Versprechen der polnischen Literatur.

-

-

Es ergab sich, daß der Grundstod zu Barmats Bermögen schon während des Krieges, also schon in der Raiserzeit durch Lebensmittellieferungen nach Deutschland gelegt worden ist.

Haftentlassung Werthauers.

Wie die ,, Berliner Neuigkeiten" mitteilen, ist auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft heute von seiten des Untersuchungsrichters in eine erneute Vernehmung und Nachprüfung der Atten Engel berts eingetreten worden. Rechtsanwalt Engelbert wurde in Haft genommen und der Haftbefehl vom Untersuchungsrichter

bestätigt.

Die eingehende Bernehmung des Justizrats Berthauer durch den Untersuchungsrichter führte Freitag nachmittag zur Haftenlassung, jedoch auch gegen diese Haftentlaffung ist von seiten der Staatsanwaltschaft sofort Beschwerde eingelegt worden.

Erklärungen zur Barmat- Untersuchung. Wer wird nun noch leichtfertig hineingezogen? Genoffe Solfmann hat folgenden Brief an den Vorsitzenden des Barmat- Untersuchungsausschusses im Preußischen Abgeordneten hause gerichtet:

11

Beitungsberichte über die Vernehmung des Herrn Georg Davidsohn erwecken den Eindrud, als habe Herr Davidsohn fchon im Jahre 1919 dem Parteiuntersuchungsausschuß, der unter meinem Vorsitz den sogenannten Fall Stlarz nachprüfte, Material über bedenkliche Beziehungen führender Sozialdemokraten zu den Barmats vorgelegt. Das ist bestimmt unrichtig. Der Untersuchungsausschuß beschäftigte sich lediglich mit den Behauptun gen, daß führende Parteigenossen durch ihren Verkehr mit dem Herrn Stiarz tompromittiert feien. Vor dem Ausschuß erklärte Herr Davidsohn, daß er aus eigener Renntnis über diese Be­fchuldigungen nichts wisse. Seine Hauptzeugen Sonnenfeld sen., Baumeister und Friedländer fagten aus, sie hätten niemals Beschuldigungen gegen führende Parteigenoffen erheben wollen."

Genoffe Daniel Stüdlen fendet uns folgende Erklärung: In der Barmat- Angelegenheit ist auch mein Name genannt worden. Ich erkläre dazu: Bei mir erschien eines Tages es mögen fünf Jahre her sein einer der Herren Barmat und Magte mir, daß seine Eltern in der Utraine in Gefangenschaft seien. Er fragte, ob ich es nicht ermöglichen fönne, daß er nach der Ukraine reifen dürfe. Ich erklärte, daß das nur durch das Auswärtige Amt gemacht werden fönne und gab diese Angelegenheit mit einigen empfehlenden Worten an das Auswärtige Amt, auf deffen Ent. scheidung ich natürlich feinen Einfluß hatte. Das war meines

auf Erden," antwortete er ihr mit dem letzten Rest seiner Kräfte.... Dann schoß sie.

Nun stand sie vor den Geschworenen. Klein, wach, mit einem Baar melancholischen Augen unter dem einfachen Hut. Sie mar müde und apathisch, und diese ganze Gerichtsszene wirkte demgegen über wie eine sinnlose Farce.

Aber die Menschen scheinen doch nicht so schlecht und so taktlos zu sein, wie man im allgemeinen annehmen muß. Vor diesem großen Schmerz wenigstens zeigten sie sich ehrfürchtig, bescheiden, ja demütig.

Der Borsigende entschuldigte sich, daß er die Angeklagte aus­fragen mußte. Der Staatsanwalt begann sein Plädoyer, in dem er für die Paragraphen sprach, mit dem Bekenntnis, daß er den Ber­teidiger beneide. Und die Geschworenen fälten ihren Freispruch nach weniger als fünf Minuten.

Stille, als Stanisława Uminsta von einer Freundin aus dem Ge­Niemand flatschte. Das Publikum verharrte in achtungsvoller richtssaal geführt wurde.

Sie ging zurück in die Klinik, in der sie eine Stellung als Pflege­rin von Krebstranten angenommen hat. Wird sie jemals auf die Bühne zurückkehren? Es war einer der letzten Wünsche ihres Ge­liebten. Und sicher hat es etwas Erschütterndes, sich diesen Men schen etwa in der Rolle der Antigone, der Frau unter dem Schicksal, vorzustellen. Aber vielleicht ist die Flamme dieser Leidenschaft nicht mehr fähig, für alle zu brennen, nachdem sie sich für einen einzigen

verzehrt hat.

-O

Dr. Müllers angebliche Warnung.

Der Austritt Dr. Müllers aus der Partei wird von der Presse weil seine wiederholten warnungen vor Barmat night dahin kommentiert, daß Müller sich von der Partei getrennt habe, beachtet worden seien. Dr. Müller hat den Parteivorstand niemals vor Barmat gewarnt. Er hat erft fürzlich vor einem bür­gerlichen Bublifum einen Vortrag gehalten, in dem er den Fall Barmat berührte. Daraufhin war er zu einer Aussprache in das ab in einem Brief, in dem er u. a. fagte: Meine Bedenken sind Bureau des Parteivorstandes gebeten, lehnte aber sein Erscheinen rein allgemein politischer und parteipolitischer Art und be­rühren die persönliche Integrität der Betreffenden ebenso wenig wie ihre parteipolitische." Für den Parteivorstand war damit die Angelegenheit erledigt. Wenige Tage darauf vollzog jedoch Dr. Müller seinen Austritt.

Das Kreditgeschäft der Nehring/ Ehdorff. Der Skandal der Landeskreditpfandbrief- Anstalt.

Der Untersuchungsausschuß des Landtags über die Borfommnisse trat Donnerstag 1 Uhr unter dem Vorsiz des Abg. Leinert( Soz.) zu­in der Preußischen Landeskreditpfandbrief Anstalt fammen. Einer der leitenden Beamten des Instituts gab eine ein­gehende Darstellung der Organisation derselben. Bei allen wichtigen Angelegenheiten sei man auf tollegialer Basis vorgegangen. Bei dem hier in Betracht kommenden Geschäft, das zweifellos gegen die Sazungen verstoße, sei das allerdings nicht geschehen.

Hierauf erstattete der Ausschußreferent einen eingehenden Be richt über die von der Presse aufgestellten Behauptungen, die dent unter Berzicht auf Pension aus seinem Amte geschiedenen Leiter gewiffen adeligen Herren, p. Ehdorff, v. 3igewig, v. Cerio des Instituts, Geheimrat Nehring, unlautere Kreditgeschäfte mit wig zum Vorwurf machen, wodurch die ganze Anstalt und der preußische Staat um sehr erhebliche Summen geschädigt worden sei. Nach der Berechnung des Berliner Tageblatt betrage der der Anstalt entstandene Verlust mindestens eine Million Mart. In einem Teil der deutschen Presse werde neuerdings auch be= hauptet, daß der preußische Staat die von ihm hergegebenen fünf Millionen Grundfapital eingebüßt habe. In der Deutschen Tageszeitung" hätten die Herren v. Ehdorff und D. 3izewiß eine Gegenerklärung abgegeben, die darin gipfelt, daß ein Schaden für die Landespfandbriefanstalt nicht entstanden sei. Der Vorsitzende fragte, ob dem Berwaltungsrat niemais aufgestoßen sei, daß Unregelmäßigkeiten vorfamen oder vorkommen

fönnten.

Der Ministerialrat vermeinte die Frage; ihm persönlich fei im Auguft als Vorsitzender des Verwaltungsrates eine bezügliche Mitteilung gemacht worden, die Geheimrat Nehring, dahin auf­geflärt habe, daß es sich lediglich um ein Geschäft der Stettiner Spartasse handie, Im März v. J. habe die legte Bücherprüfung durch den Staatsfommiffar stattgefunden auch da habe nichts von der Sache verlautet.

Minifterialdirektor Conze spricht die Bereitwilligkeit des Mini fteriums aus, jede gewünschte Auskunft zu geben,

Der Staatsfommissar legte auf Wunsch des Ausschuss Den Gang feiner amtlichen Tätigkeit gegenüber der Anstalt bai Auf Anfrage wurde ferner festgestellt, daß Geheimrat Nehrin zuerst unmittelbarer, später mittelbarer Staatsbeamter ge wesen ist.

Der Borsigende münscht noch Auskunft über die Frage wie bei der großen Zahl von Borstandsmitgliedern und Angestellten diese ganze Transaltion dauernd geheim und verborgen bleiben fonnte.

Es wird erwidert, daß vier Direttoren vorhanden sind; die Aufsicht führte Nehring. Drei von den vier Direktøren find im Hauptamt, einer im Nebenamt beschäftigt; gerade der legtere ist von der Kenntnis der Sache ausgeschlossen worden und hat den

Hinsichtlich der Leistungen und der geistigen Beschaffenheit der proletarischen Literatur ist die Kundgebung indeffen nicht besonders flar. Es wird zwar von gigantischen Errungenschaften des pro­letarischen Geistes gesprochen, doch erfährt der Leser nichts Genaue Ausnutzung der bereits vorhandenen Schäße der Weltliteratur, die res darüber. Ebensowenig ausgeführt sind die Hinweise auf die der proletarische Schriftsteller weiterbauen und umgestalten" foll Die Kundgebung enthält auch einen polemischen Ausfall gegen Troßfi. Dieser wird als einer der wenigen Kommunisten be­zeichnet, die teinen Glauben an eine selbständige proletarische Rui tur, Kunst und Literatur haben. Trojki und seine Anhänger seien der Meinung, die proletarische Literatur fönne nur eine Fortentmid­lung der bürgerlichen in ruhigen Bahnen und ohne einen Bruch mit allen Traditionen darstellen. Dieser Standpunkt erscheint den proletarischen Schriftstellern als eine Regerei.

Das heilige Jahr", ein schlechtes Geschäft. Jn Rom werden biele schlechte Wige gemacht über die Bilger, die nicht kommen". Der Becco Giallo" bringt eine Annonce, in der authentische Pilger gegen freie Station und Gehalt gesucht werden. Der ministrielle Trabajo" erzählt eine Bilgerantunft in mehreren Bildern: auerst ein Telegramm, das 3 520 877 Bilger anmeldet; dann eine Richtig ftellung: es sind nur 502 000. Gin dringendes Telegramm berichtigt noch einmal: es find nur 82 721, aber fie fommen fofort. Aue Bimmervermieter und Lebensmittelhändler vereinigen fich eiligst auf bem Frembenbureau und einigen fich über einen allgemeinen Breis­aufschlag. Behörden, Musikkorps, Polizei und Scharen Reugieriger erwarten die Bilger, beren Bug mit 198 Minuten Verspätung an­fommt. Dem Zug entsteigt ein einziger. dem eine junge Frau an den Hals springt: Mein lieber Pellegrino!" Der Mann hieß mit

PR

man schämt sich fast, es nieder sein. Es ist schön, einer Frau danken zu dürfen, die uns gezeiat feinem Vornamen Pellegrino, was eben Bilger heißt.

Sie liebten sich. Nicht auf die jeßt moderne Art, in der die Liebe nur noch ein Dessert ist, das nach dem Likör und den Bigarren tommt. Sie liebten sich zuschreiben wie fich Hero und Leander , Romeo und Julia liebten. Sie waren auf dem Gipfel ihres Glücks, im Begriff zu hei raten, als die Aerzte ein Krebsleiden bei Johann Zysnowsti fest­stellten. Man schickte ihn nach Paris , um ihn eine Radiumbehand­lung durchmachen zu lassen, die die letzte Rettungsmöglichkeit bot. Und Stanislawa Uminsta folgte ihm, nachdem sie pflichtgetreu die

legten zwei Monate der Saison zu Ende gespielt hatte. Aber der Krante war nicht mehr zu retten. Ein letzter Versuch blieb noch übrig: frisches Blut in diesen abgezehrten Körper zu pumpen. Stanislawa zögerte feinen Augenblid. Sie gab ihr Blut. Bergebliches Opfer, 3ysnowsti war endgültig verurteilt. Der Tod war nur noch die Frage von Tagen, die sich jedoch noch zu qual vollen Wochen hinziehen konnten.

Stanislawa faß Tag und Nacht, Stunde um Stunde an dem Bet des Geliebten. Sie sah seine fürchterlichen Schmerzen, dieses finnlose Martyrium, dessen Stigmata fie am eigenen Leibe fühlte. Bysnowski drückte ihr einen Revolver in die Hand. Töte mich," bat er. Sie weigerte sich. Er bat, er flehte, er befahl: Töte mich! Wenn du mich wirklich liebst, töte mich!"

Man gab ihm Morphium. Doch die Schmerzen ließen nicht nach. Da entschloß fie sich. Weißt bu, mein Junge, wie ich dich liebe," flüsterte fie dem Sterbenden zu. Du bist all mein Glück

Wir dürfen Stanislama Uminsta darum nicht weniger dankbar und wirtliche Menschlichkeit gibt. hat, daß es auch in unserer trüben Welt noch Hingabe, Leidenschaft

Die Aufgaben des Sowjet- Schriftstellers. Der Verband der proletarischen Schriftsteller aller Länder des Sowjetbundes ver. öffentlicht in der Prawda" eine Kundgebung über die Ziele und Aufgaben des Verbandes und seine Einstellung zum Geistesleben der bürgerlichen Welt. Diese ist schroff ablehnend: die profeta rische Literatur tenne nur ein Biel , die Förderung des Sieges der proletarischen Revolution, in deren Dienst auch fie ftehe. Die vor liegende Kundgebung bedeute auch darin einen Bruch mit allen Traditionen der Literatur im Westen, daß sie eine Maffenfund­gebung darstelle, ein Klassenmanifest, das in der Literaturgeschichte einzia dastehe, denn die Literaten der übrigen Welt betonten stets den Individualismus und wüßten sich der Klassenidee nicht unter­zuordnen. Auch im weiteren enthält diese schriftstellerische Mani­feftation größtenteils eine Art von Kriegserklärung an die westliche Geisteswelt. Dort habe man noch kein Verständnis dafür, daß die Gefeße des Klaffentampfes auch auf dem Gebiete der Literatur herrschen. Man träume von einem friedlichen Neben­ratur. Das aber sei eine burgeoise Utopie", denn auch die Lite­einander der bürgerlichen und der proletarischen Kunst und Lite­ratur stelle eine Arena bar, in der zwischen dem Bürgertum und dem Proletariat gefämpft wird.

Die Ureinwohner Chinas . Im Innern Chinas gibt es ungeheure Gebiete, die noch jo gut wie unerforscht sind. Eine englische Erpe­dition, die seit mehreren Monaten hier arbeitet, um die Spuren der vor den Chinesen hier seßhaft gewesenen Ureinwohner des Landes zu verfolgen, hat, wie die Times" berichtet, merkwürdige und fast gänzlich unbekannte Menschenrassen entdeckt. Die charakteristischen Merkmale diefer Menschen halten die Mitte zwischen den besonderen Kennzeichen der amerikanischen Indianer und denen der Malaten. Für unsere Begriffe recht seltsam nehmen sich die Chinesen mit den blonden, geringelten Haaren aus, da sie in auffallendem Gegensatz zu der vorherrschenden Rasse mit den tiefschwarzen, glatten Haaren ſtehen.

Cherubinis Over Medea", bie feit 50 Jahren von ben beutschen Bühnen verschwunden war, wird neubearbeitet bom Erfurter Stadt. theater zur Eröffnung des Erfurter Theater- und Mufitfeites" am 13. März wieder herausgebracht.

"

Eine journal ffische Ausstellung. Die zweite internationale Bubmesse, die im April dieses Jahres in Florenz eröffnet werden soll, wird durch eine Sonderausstellung des italienischen Journalismus einen eigenen Neig gewinnen. Die Ausstellung soll drei Abteilungen umfassen: ble historische ( der italienische Rournalismus von der Zeit der Renaissance bis zum Welt­frieg), die aftuelle( eine Sammlung aller Tageszeitungen und Beitschriften gedruckt werden), die technische( Vorführung neuer Systeme und App ate für von nationalem Interesse, die gegenwärtig in Italien und feinen Kolonien den gesamten Zeitungsdienst: Segerei, Druderei, Jllustrationsabteilung ufo.