Nr. 120.
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Vorwärts
8. Jahrg.
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Redaktion: Beuth- Straße 2.
Die Encyklika des Papkes.
II.
Wir fagten schon zum Schluß unseres vorigen Artikels, daß es zunächst nach der kurzen Einleitung, die wir bereits behandelt hatten, uns, den Sozialdemokraten an den Kragen geht, und wir versprachen auch diesem Herrn Gegner nicht das Geringste schuldig zu bleiben.
Aber wir versparen uns Alles, was er gegen uns zu sagen hat, als Leckerbissen bis zuletzt und genießen das Uebrige mit Behagen vorweg.
Mittwoch, den 27. Mai 1891.
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Expedition: Beuth- Straße 3.
Das ist nun gewiß ungemein beruhigend für die jene beiden Klassen in einträchtiger Beziehung zu einander Bourgeoisie! Ihr Eigenthum darf nicht angetastet werden stehen und ein gewisses Gleichgewicht hervorrufen. Die und die große Masse muß bis ins Unendliche hinein weiter eine hat die andere durchaus nothwendig. Das Kapital leiden und dulden! Das ist die frohe Botschaft, die ist auf die Arbeit angewiesen und die Arbeit auf das der unfehlbare Papst verkündet. Kapital. Eintracht ist überall die unerläßliche Vorbedingung Daß somit sein Mittel zur Heilung des sozialen von Schönheit und Ordnung; ein fortgesetzter Kampf daElends nach dem Grundsatze bereitet sein werde, der da gegen erzeugt Verwilderung und Verwirrung." lautet: wasch mir den Pelz und mach mich nicht naß, Die Identifizirung des Kapitals mit den Kapitalisten kann sich die Bourgeoisie versichert halten. und der Arbeit mit den Arbeitern ist thatsächlich eines Komischer Weise hält der Papst diejenigen, für welche der schwierigsten Kunststücke virtuosen Manchesterthums. seine Ausführungen bestimmt sind, für so beschränkt, daß Weil der Arbeiter zu seiner Arbeit unter den bestehenden er dies ihnen mit besonderer Deutlichkeit zu sagen für Verhältnissen Kapital braucht und dieses in den Händen Wir verstehen übrigens auch das Bedürfniß des nöthig erachtet. Nach einfacher Logik und richtiger Er- Weniger sich befindet, so brauchen die vielen Arbeiter die Papstes zu würdigen, welches ihn dazu trieb, sich zuerst kenntniß der Sachlage ist die soziale Noth eine Folge der wenigen Kapitalisten, meint der Papst. mit uns auseinander zu setzen. Es galt, den Verdacht sozialen Verhältnisse, und will man jene Noth lindern, Nach sozialistischer Logik ist die Sache anders. Weil zu zerstören, als wenn er dem Sozialismus zu weitgehende so muß man diese Verhältnisse ändern. feine Arbeit ohne Rapital möglich ist, so muß das Kapital Konzessionen mache. Das, was die Bourgeoisie dem sozialen Das wäre freilich für die Bourgeoisie gefährlich. der Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Demjenigen, Königthum so gern vorwirft, daß es dem Teufel einen Finger Deshalb giebt der Papst die köstliche Erklärung ab:" Das der arbeitet, gebührt als nothwendige Voraussetzung und reiche, der dadurch Gelegenheit bekäme, sich der ganzen einzig Richtige ist, die Dinge nehmen, wie sie wirklich sind als Produkt seiner Arbeit das Kapital. Der KapitalHand zu bemächtigen, dieser Vorwurf droht auch der Kirche. und das Linderungsmittel anderswo zu suchen." befizer, der nichts weiter ist als solcher, ist ein überDaher war es durchaus am Plaze, daß der Papst Prachtvoll! In der That ausgezeichnet! Die Dinge, flüssiger und schädlicher Mensch. Er stört die Harmonie, so deutlich als möglich seinen Abscheu vor dem Sozialis- das heißt hier doch offenbar die Zustände und die Ver- die zwischen Kapital und Arbeit bestehen soll; solange er mus kundgab und besonders vor denjenigen sozialistischen hältnisse sind nach des Papstes eigener Schilderung ganz existirt, ist Harmonie unmöglich. Die Verhältnisse müssen Forderungen, welche an dem theuersten Kleinod der Bour- erbärmlich, aber man nimmt sie wie sie sind und läßt sie so geändert werden, daß es weder Nur- Kapitalisten geoisie, an der Heiligkeit und Unverleglichkeit des Eigen- wie sie sind und sucht das Linderungsmittel nicht in einer noch Nur Arbeiter giebt, sondern daß Beides thums, etwas auszusetzen haben. Aenderung der schlechten Zustände und Verhältnisse, harmonisch vereinigt werde, daß der Arbeit also das Deswegen betont die Encyklika nicht nur einmal, sondern Kapital gehöre, die Arbeiter auch die Kapitalisten werden sondern öfter, daß sie von den eigenthumsfeindlichen sozia- Da kann er lange suchen, werden mit schmunzelndem und nicht die Verhältnisse so geordnet bleiben, daß die listischen Bestrebungen nicht das Mindeste wissen wolle Behagen die Vertreter unseres Großbürgerthurs sich zu- Mehrzahl der Menschen arbeitet, um für sich nur das und daß bei allen Versuchen zur Abhilfe gegenüber den raunen, und wie sehr werden sie Recht haben. Allernothdürftigste zu behalten und den Ertrag ihrer gegenwärtigen sozialen Nothständen durchaus als Grundsat Mit der Eleganz des Hexenmeisters, dem die bewußten Arbeit, das Produkt derselben und die Voraussetzung festgehalten werden müsse, daß das Privateigen- schwierigsten Sachen Kinderspiel sind, schwingt sich die künftiger Arbeit als Kapital an die wenigen Kapitalisten thum unantastbar und heilig sei." Encyklika nun auf das Thurinseil des kraffesten Manchester - abzugeben. Und des Weiteren hält er es mit Recht für gerathen, thums und enthüllt den Grundfehler in der Behandlung Der Papst aber will gerade das bestehende Unrecht zu versichern, daß seine eigenen Forderungen keine Spur von der sozialen Frage. Derselbe besteht nämlich darin, daß das in seinem ganzen Umfange erhalten wissen, daher weiß Gefahr für die bestehenden Eigenthumsverhältnisse in sich Vechältniß zwischen der besitzenden und der arbeitenden Klasse er in letzter Instanz fein anderes Hilfsmittel, und wir schlössen, indem die Kirche ja ohnehin schon und seit falsch dargestellt wird. Zwischen ihnen besteht kein Gegensaß, wüßten, wenn wir gleich ihm die bestehenden Verhältnisse Alters her ohne Unterlaß damit beschäftigt sei, die der sie zum Kampfe aufrufe. Im Gegentheil, ganz im nicht ändern wollten, auch keins, als das, was er die soziale Lage der niederen Schichten durch nützliche Ein- Gegentheil! Daß die Arbeiter nur so verblendet sein Tröstungen der Religion nennt. richtungen zu heben",- ein Bemühen der Kirche, welches konnten, diesen höchst erfreulichen Umstand gar nicht zu Die Bourgeoisie mag es sich hinter die Ohren bekanntlich der Bourgeoisie bisher nicht das Mindeste ge- merken: schreiben: Mit ihrer Herrschaft ist es über ein Kleines Die Natur hat Alles zur Eintracht, zu gegenseitiger zu Ende, wenn es nicht noch Vertretern der Kirche geschadet hat; und daß außerdem„ Leiden und Dulden nun einmal der Antheil unseres Geschlechtes sei, und so große Harmonie hingeordnet, und so wie im menschlichen Leibe lingt, dem Volke einzureden, daß das soziale Elend ein Anstrengungen man auch zur Besserung des Daseins bei aller Verschiedenheit der Glieder im wechselseitigen Ver- nothwendiges Produkt unabänderlicher Verhältnisse ist und machen möge, die Gesellschaft werde doch niemals von hältniß Einklang und Gleichmaß vorhanden ist, so hat daß im Jenseits Lohn und Entschädigung für alle Trübsal auch die Natur gewollt, daß im Körper der Gesellschaft auf Erden zu suchen und zu finden sei. großer Plage frei werden."
Feuilleton.
Nachbruck verboten.]
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Die Falkner von St. Vigil. Roman aus der Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol
von Robert Sa, weidjel
anderswv.
Er hatte sein Testament, welches Ambros zum Universal- cinem tieferen Aufathmen und nun ihren Mund süßlich erben erklärte, umgestürzt. In dem neuen wurden seine spizend, hob sie von der Ankunft des Vikars Lacedelli zu beiden Söhne mit je fünfzig Gulden abgefunden. Lisei aber erzählen an.
ganz an Ambros Stelle zu sehen, dazu hatte er sich nicht Lisei verließ geräuschlos die Stube. Ein tiefes Weh, entschließen können. Universalerbe sollte Lisei's ältester Sohn daß der Vater nun doch seine Ehre wegwarf, erfüllte ihre aus ihrer Ehe mit Georg Arigaya sein, unter der Be- Brust. Seine Drohung, daß sie den Hof verlassen müßte,
bingung, daß er den Namen Falkner annähme. Bliebe die wenn sie nicht gehorchte, erschreckte sie nicht; denn sie war Ehe jedoch kinderlos, oder entsproßten ihr nur Töchter, so ja von Kindheit auf an schwere Arbeit gewöhnt. Wie oft sollte Lisei die Nutznießung bis zu ihrem Tode haben, aber hatte sie nicht in der Sehnsucht nach der Zuneigung Es blieb ihm kein Zweifel mehr, daß sie sich un glück worauf im ersteren Falle das gesamuite Vermögen des des Vaters eine Gelegenheit herbeigewünscht, um ihm durch lich fühlte, und Schmerz und Neue peinigten ihn. Er hatte Erblassers an die Pfarre vou St. Vigil fiele, im zweiten eine That ihre Liebe deutlich zu offenbaren. Nun bot sich es ja voraus gewußt, daß Ambros sich nicht eignete, Falle nur der Klosterhof, während das bewegliche Vermögen eine solche Gelegenheit, und sie konnte sie nicht ergreifen, Stürbe der weil es sich nicht um ihr Glück allein handelte. um Stafi glücklich zu machen, und dennoch hatte er sich der ältesten Tochter zugesprochen wurde. Vefa kam, so oft sie in der Pfarre abkommen konnte, der Verbindung der Beiden nicht nur nicht widersetzt, wie Klosterbauer, bevor Lisei und Jerg kirchlich verbunden es seine Freundespflicht gefordert hätte, sondern selbst ihr wären, und weigerte sich Lisei nach seinem Tode Jerg zu auf den Klosterhof und that, was in ihren Kräften stand, den Segen der Kirche gegeben. Welche Gründe ihn dazu heirathen, so sollte sie, wie ihre Brüder, fünfzig Gulden um Lisei's Festigkeit zu untergraben. Die Frauen verstehen bewogen, daran dachte er jetzt nicht; er fühlte nur den erhalten, und die Kirche von St. Vigil sofort Universalerbin sich auf den kleinen Krieg, der den Gegner durch fortwährende Angriffe reizt und ermüdet, ohne ihn zu einem Stachel des Gewissens, daß er seine Ueberzeugung hatte werden. Die Berathungen mit dem Notar zu Bruneck über diese entscheidenden Schlage kommen zu lassen. Wie einige Jahre schweigen lassen. Er war es, der Stafi unglücklich gemacht hatte, und nicht fie allein. Die Folgen jener unseligen lettwilligen Bestimmungen hatten in dem Klosterbauer noch später die Kosaken das Heer Napoleons auf dem Rückzuge Trauung drohten nun auch Lisei in das Elend zu stürzen, einmal die ganze Galle gegen Ambros erregt und auch aus Rußland fortwährend umschwärmten und ihm nimmer und er, er trug die Schuld an alledem. Was fonnte er gegen Lisei, daß er sie ein Frauenzimmer in die Erb- Raft gönnten, so verfolgte und quälte Vefa die arme Lifei, folge des Hofes hatte einschieben müssen. Sein Gesicht war während der Bater die ganze Härte seines Wesens gegen sie thun, um seine Schuld zu fühnen? Unterbessen suchte Vefa auf dem Klosterhofe ihre eine drohende Wetterwolfe. Schwerfällig ließ er sich auf herauskehrte. Es war ein ewiges Grollen in ihm, das bei Nichte zur Vernunft zu bringen, wie sie es nannte. Nur seinem Lehnstuhl nieder und als ob Lisei, die ihn besorgt der geringsten Veranlassung ausbrach und es fehlte nur Halsstarrigkeit wäre es von Lisei, wenn sie sich weigerte, beobachtete, gar nicht in der Stube wäre, sagte er zu seiner noch, daß er sie thätlich mißhandelt hätte. Das Erwachen des Frühlings brachte ihr nur Leiden. Der Schuce schmolz Jerg zu heirathen. In der Halsstarrigkeit gliche sie ihrem Schwester: Es ist gut, daß Du da bist! Du kannst der Lisei auf den Bergen, unzählige Bächlein rauschten zu Thal, Bater; aber von dem Stolze, mit dem er auf die Ehre und das Ansehen seiner Familie bedacht wäre, befäße sie nichts, sagen, daß sie entweder den jungen Arigaya heirathet, die jungen Saaten grünten, und in frisches, saftiges Grün sonst würde sie sich überhaupt nicht an den hergelaufenen oder wie ihr Bruder ohne einen Kreuzer vom Hof geht. fleideten sich die Wiesen; die Tannen trieben neue SchößDarauf hab' ich heut in Bruneck mein Testament gemacht. linge und im Gezweig begannen Ammern und Finken zu Schmied gehängt haben. schlagen, und im Walde ließ der Kuckuck feinen Drafelruf Abgemacht!- Giebt's' was Neues?" Aber das Neue, was er so eben fund gethan, war für ertönen. Für Lifei war es eine Passionszeit. Was hoffte fie Vefa, obgleich es die Erfüllung ihrer Wünsche für Jerg nur durch ihren fortgesetzten Widerstand zu erreichen? Der enthielt, dennoch zu unerwartet, um seine Frage beantworten Fall ihres Bruders Ambros mußte sie doch überzeugen, daß zu können. Lifei erblaßte. Der Vater seinen Willen unter allen Umständen durchsetzen werde. Warum machte sie den peinlichen Tagen nicht ein Ende,
Lisei nahm die Vorwürfe, in soweit sie persönlich von denselben betroffen wurde, geduldig hin. Aber die Verunglimpfung Wolfs duldete sie nicht und sie erklärte dies mit einer solchen ruhigen Festigkeit, daß Vefa ganz kleinlaut Darüber kam der Klosterbauer aus Bruned zurück.
wurde.
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" Freilich, lieber Bruder," begann Vefa endlich mit