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tinische Heilung der Rachitis bedeuten. Diese Präparate find bereits der Allgemeinheit zugänglich, so daß diefe furchtbare Krankheit, die große Teile des Boltes verheert, voraussichtlich ihrem Ende entgegen geht. Wie bei allen neuen Heilungsmethoden ist natürlich auch hier erft der Weitererfolg in längeren Zeiträumen abzuwarten. Aber auch die bisherigen Ergebnisse erscheinen recht günstig.

Die Tierwelt des Suezkanals.

Eme biologische Expedition der Universität Cambridge hat in den letzten Monaten das Tierleben im Suezkanal eingehend studiert und wichtige Ergebnisse gewonnen. Das Problemi, das es zu unter: fuchen galt, ist recht interessant. Der Kanal, er 168 Kilometer lang ist, verbindet zwei Meere miteinander, deren Tierwelt ganz ver­schieden ist. In vorgeschichtlichen Zeiten verband eine Wasserstraße beide Meere, aber später verschlammte dieje. In der Zeit der Pharaonen dehnte sich noch ein Arm des Roten Meeres 60 Kilometer nördlich von Suez aus, und über den nördlichen Teil dieses Meeres­armes find wahrscheinlich die Ifraeliten zur Zeit der Ebbe geflohen. Die Pharaonen erbauten einen Schiffstanal von diesem Arm nach einem Teil des Niltales, so daß eine Berbindung zu Wasser zwischen dem Mittelländischen und dem Roten Meer bestand; später wurde diejer Kanal aufgegeben und trodnete aus, aber noch zu den Beiten der Eroberung durch Napoleon I. wurden verschiedene Fischarten des Mittelländischen Meeres im Golf von Suez gefunden, und ste müssen auf einem diefer alten Wafferwege nach Süden gewandert sein. Seit der Erbauung des gegenwärtigen Guestanals find viele Arten von Getteren durch den Kanal aus dem einen Meer in das andere gekommen. In der Mitte des Kanals liegen die sogenannten Bitteren Seen", deren Waffer fehr viel falziger ift als das des Meeres. Diefer hohe Salzgehalt rührt von einem Salzlager auf dem Boden der Bitteren Seen" her, das gebildet wurde, als das frühere nördlichste Ende des Roten Reeres austrodnete. Man hatte nun bisher angenommen, daß dieses überaus jalzige Wasser eine Schranke bilden würde, über die die meisten Seetiere, die durch den Kanal

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schwimmen, nicht herausfommen. Zu ihrer Ueberraschung fanden aber die Cambridger Biologen in den Wassern der Bitteren Seen" eine reichere Tierwelt, als sie fich in beiden Meeren an den Enden des Kanals vorfindet. Die Meertiere waren in diesem Salzwasser nicht nur zahlreicher, sondern viele Tierarten erreichten auch einen größeren Umfang, besonders einige Seewürmer, Seebarben und Seezungen. Die Seezungen in den Bitteren Seen" find besonders schmackhaft und werden von den Fischern gern gefangen.

Die Expedition sammelte alle Seetiere und Seegräfer an einer großen Anzahl von Stationen des Kanals und der Seen und fonnte eine Karte von dem Boden des Suezkanals entwerfen. Es wurden auch chemische Studien mit dem Wasser angestellt, und man unter­fuchte den schwarzen, schlechtriechenden, schleimigen Schlamm auf dem Boden der Bitteren Geen", der voll von Batterien ist. Bei den blutroten salzigen Teichen in der Wüste zu beiden Seiten des Kanals stellte man fest, daß die rote Farbe von einer nur mit dem Mikroskop erkennbaren Pflanze herrührt.

Wahlplatate und Straßenreklame im Klaffischen Altertum. Deutschland hat während der jüngsten Reichstagswahlen zum ersten mal eine Wahlpropaganda großen Stils mit farbigen Bildplataten, Straßenaufzügen und Trompetenfignalen Pennengelernt. Die Bro­paganda der Parteien für ihre Kandidaten wurde diesmal in einem Umfang und in einer Ausdehnung durchgeführt, wie sie bisher nur vom Hörenjagen aus Amerifa befannt war. Gar mancher ehrsame Spießbürger, der mit Kopfschütteln diese ungewohnten Borgänge erlebte, wäre recht erstaunt, zu hören, daß bereits vor 2000 Jahren folche Wahlpropaganda nichts Ungewohntes war. Die Reflame, in jeder Form, ist durchaus nicht ein Kind des 19. Jahrhunderts. Die jüngsten Ausgrabungen in Bompeji jener römischen Landstadt, die im Jahre 79 n. Chr. durch einen Ausbruch des Befuos verschüttet wurde liefern neue Belege für diese Tatsache. In älterer Zeit rühmte man den Kandidaten bei den Römern einfach als: quten Mann". Später fegte man gern hinzu: würdig des öffentlichen Amtes " oder sonst eine hochtrabende Empfehlung, etwa: Solche

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Männer sollten fiets in ber Rolonie leben". Ungemein zeitgemäß flingt es, wenn ein Kandidat die Empfehlung mitbekommt: ,, Diefer Mann wird den Daumen auf den Stadtfädel halten." Man verstand es auch recht gut, den politischen Gegner dem öffentlichen Gelächter preiszugeben mit dem beziehungsreichen Hinweis: Bum Bolizei Auch die bireftor erbitten den Batinius die Spikbuben. faschistische Bedrohung, allerdings in recht amüsanter Form, scheint nicht unbekannt gewesen zu sein: ,, Wer dem Quinftius feine Stimme versagt, soll auf dem Efel reiten." Wenn die oftelbischen Grund­befizer heutzutage die Wähler durch Freibier, Musik und Tanzver­gnügen zu födern suchen, so gewann man damals die Gunst der Menge durch Tierheßen und Fechterspiele. Da liest man in großen Lettern Anfündigungen wie: Bon Alleius Nigidus Daius Quin quennal( Titel des Kandidaten) werden ohne irgendwelchen Auf­chub zwanzig Fechterpaare und ihre Erfahmänner in Bompeji fämpfen." Auch die Geschäftsreflame war den Pompe janern nicht unbekannt. Wie heute jebe Druckerei den fleinsten Auf­trag bazu benuẞt, um für sich selbst wenn auch nur durch Firmen­Bermert Refiame au machen, so vergaßen die Plakatmaler der alten Zeit nie, ihre Tüchtigkeit anzupreisen. Aemilius Celer hats gemalt, ganz allein, im Mondenschein", das heißt ohne die übliche breifache Hilfe des Laternenträgers, bes Grundierers, der die weiße Tünche auftrung und des Leiterhalters. Neidische Konkurrenz hielt man fich durch Berwünschung vom Leib: Krantheit über dich, wenn Die Liebeserklärung und der du mein Wert neidisch verdirbst. Heiratsantrag im Inferat war vor 2000 Jahren nicht minder beliebt als heute. Rur benußte man dazu, da es noch feine gedruckten Nach­richtenblätter gab, die Blakatfäule oder wand. Liebe des Bolkes fehre bald zurüd! Sehnsucht der Mädchen! Bierbe der Mädchen! Arzt der Mädchen!" Das galt ben Gladiatoren, jenen mustelftarten, schöngewachsenen Zirfusfechtern, die Abend für Abend unter dem Beifall der Menge ihr Leben aufs Spiel sehen mußten. Büfe 3ungen behaupten, daß die Bergötterung der modernen Fauftkämpfer und Rennfahrer durch das schönere Geschlecht beweise, daß wir um nichts flüger und gefitteter geworden seien.

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