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Nr. 180 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 93

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Freitag, den 17. April 1925

Hindenburg - Dämmerung.

Stürmischer Widerspruch gegen Hindenburg bei der Bayerischen Volkspartei .

München , 16. April. ( Eigener Drahtbericht.) Kein einziger| war unvermeidlich. Sie konnte aber teilweise ausgeglichen werden, Beschluß der Leitung der Bayerischen Boltspartei feit hätten sich Bayerische Boltspartei und Deutschhannoveraner im ihrer Gründung im Jahre 1918 hat bei den Mitgliedschaften und zweiten Wahlgang für Marg erflärt. Wer bei Marg menig Föde­Anhängern so stürmischen Widerspruch ausgelöst mie ralismus zu finden glaubt, findet bei Hindenburg und seinem die Parole für Hindenburg , gegen Mary. Für die Führung der Reichsblod sicher noch weniger. Die bewußten Föderaliſten in Bayerischen Volkspartei ist dies um so peinlicher, als ihre Ent Layern und in Hannover werden auch zumeist für Marr stimmen, scheidung für Hindenburg nicht gedeckt ist durch die Autorität ihrer für Hindenburg jedenfalls nicht." prominenten Führer, die während der ganzen letzten Wochen be­fanntlich in Rom dem Batikan ihre Reverenz erwiesen haben. Weite Parteifreise erwarten immer noch eine offizielle Abschwächung des ersten Beschlusses, eine Tat­fache, der die Parteileitung insofern bereits Rechnung getragen hat, afs sie ihre Breffe zu der Erklärung veranlaßte, daß der Beschluß des Landesausschusses für die Wähler der Partei selbstverständlich feinen Gewiffens zwang in sich schließe und die Parteidisziplin bei der jezigen Präsidentenwahl feineswegs so eng aufgefaßt werden dürfe wie bei den Wahlen zu den Parlamenten.

Das bedeutet für die Praxis, daß die Leitung der Bayerischen Volkspartei die Wahl für den 26. April

freigibt.

München , 16. April. ( TU.) In einem gegen die Flaumacher in der Bayerischen Bolkspartei gerichteten Artikel der Bayeri fen Boltspartei Rorrefpondenz" wird erklärt, es würde Sache der Landtagsfraktion sein, der Behauptung nachzu gehen, daß der Hilferuf aus Bayern in der Germania Zandtagsfraktion der Bayerischen Volkspartei tomme, denn gegen die Kandidatur Hindenburg von einem Mitglied der es gäbe Grenzen, die ohne schwere Verlegung der Ehre einer Partei nicht überschritten werden fönnten.

Pech, Herr von Loebell!

Die Hindenburg - Pfennige des Volkes und die Zehn tausender der Industrie.

Inzwischen ist am Donnerstag der disziplinierteste Teil der eines Hindenburg- Pfennigs für die Wahlkosten der Reaktion. Der Loebell- Ausschuß erläßt einen Aufruf zur Stiftung Darin heißt es:

Partei, der Berband der süddeutschen fatholischen Arbeiter vereine, in Bayern offiziell von der Hindenburg­Barple abgerüdt und fordert feine Mitglieder auf,

mit ganzer Kraft für Marr

einzutreten. In dem betreffenden Aufruf wird u. q. erklärt, daß der Landesausschuß der Partei nur aus parteipolitischen Erwägun gen zu feinem Beschluß für Hindenburg gekommen fei. Diese Ent­scheidung sei um so bedauerlicher und für die christlich organisierte Arbeiterschaft untragbar, meil dem bisher allgemein angesehenen Feldmarschall durch seine wahrschein­liche Niederlage eine Blamage bereitet wird.

Außer den christlichen Arbeitern bekämpft auch der extrem föderalistische Flügel der Bayerischen Volkspartei den

offiziellen Beschluß und

erhebt Marg auf den Schild.

Die Beguer, die auf jede Beise bestrebi find, die Kandidatur des Generalfeldmarschalls von Hindenburg herabzuziehen, be: haupten, der Reich block sei die Organisation der Schwerindustrie und des Großfapitals. Sie sezzen gefliffentlich Gerüchte in Umlauf, dem Reisblod feien von einzelnen großfapitalistischen Stellen enorme Be­träge für den Wahlkampf zur Verfügung gestellt. Sie wollen damit Berwirrung in die Kreise unserer Anhänger tragen. Die gegne rifchen Behauptungen sind frei erfunden."

Zur selben Stunde, als dieser Aufruf erging, veröffent lichten wir den Original- Schnorrbrief des Herrn von Loebell, in dem er genaue Auskunft über die Rationie rung und die Organisation der Subfidien des Großkapitals

gibt. Das ist Bech.

Oder ist dieser Brief auch nur ein Gerücht und frei er­funden? Will Herr von Loebell ihn abstreiten? Er wird doch seine Unterschrift fennen?

Es geschieht dies in der bekannten Münchener katholischen Wochen schrift 211 gemeine Rundschau", die u. a. fchreibt: Wer Man fann aber auch annehmen, daß dieser Aufruf die politisch nüchtern denkt und nicht gefühlsmäßig, läßt sich durch Berlegenheitsantwort auf unsere Veröffentlichung ist. In den Namen Hindenburg nicht blenden. Er weiß, diese jedem Falle muß man die eiserne Stirn und die moralische tiler der Borkriegszeit, Borarbeit für die hohen- presse von dem Ausschuß des Herrn von Loebell angelogen Bahl bedeutet schwarzweißrote Herrschaft der Unglüdspoli. Unbekümmertheit bewundern, mit der die Leser der Rechts zollern. Wer das nicht will, muß Mary wählen. Stimment­haltung genügt hier nicht! Die Linksbelastung seiner Wahlfront

werden.

Mit der Lüge für Hindenburg !

Obwohl man die Präsidentenwahlen nicht automatisch mit den Reichstagswahlen vergleichen darf, überraschte die relativ hohe Stim­menzahl der SPD. und die relativ geringe Zahl der kommunistischen Stimmen. Die Arbeiter fühlen instinktiv die stän dige monarchistische Gefahr."

Der ernsteste Augenblick für die Arbeiterschaft| nationale führte Ruth Fischer darüber folgendes aus: Was aber tut die kommunistische Parteileitung? Die fommunistische Presse hat die Aufstellung der Randi datur Hindenburg mit Recht als die Demaskierung des schwer industriellen, großagrarischen, monarchistischen Bürgertums bezeichnet. Hören wir einige fommunistische Stimmen! Die Sächsische Arbeiter 3eitung in Leipzig schreibt: lleber diesen Rämpfen innerhalb des Reichsblods dürfen wir nicht die außerordentliche Gefahr übersehen, die uns die Aufstellung des Massenschlächters Hindenburg als Kandidaten zeigt. Daß es beute die Bourgeoisie wagt, offen die republikanische Maste fallen zu lassen, bedeutet den Anfang der Militärdiktatur, den Uebergangschaft erfordert die Teilnahme am politischen Leben, erfordert zur offenen Diftatur." Im Kämpfer" in Chemnitz ist folgendes zu lesen: " Die Bourgeoisie, wirft die Maske ab. Sie verzichtet auf jede Dekoration. Offen und brutal schmeißt sie der Arbeiterschaft die Bronptation hin: Sie präsentiert den Getreuen Wilhelms, den fünfjährigen Schlachter deutscher Arbeiter als Statthalter für den fünftigen Montard, istenthron. Die Republik ist bei ihrer Vollendung angelangt. An ihre Spize ist im Begriff ihr legitimer Sohn zu treten: der Kaiser! Der ernst este Augenblick für die Arbeiterschaft ist da."

zu enthalten oder gar für die gänzlich aussichtslose Kandidatur Nichts könnte also törichter fein, als sich jetzt der Stimme Thälmann zu stimmen. Jede nicht abgegebene Stimme, aber auch jede Stimme für Thal Hindenburg s. Der ernftefte Augenblick für die Arbeiter­mann bedeutet die direkte Unterstügung die Zusammenfassung aller proletarischen Kräfte auf den einen, zunächst erreichbaren Punkt, und das ist die Sicherung der Wahl des Kandidaten der republikanischen Parteien wil helm Marg!

In höchstem Maße bestürzt.. Die Industriellen über die deutschnationale Außenpolitik. Aus Anlaß der Ablehnung des deutsch spanischen Handelsabkommens durch den handelspolitischen Ausschuß bustrieller in Hirschberg: des Reichstages drahtete der Bund Niederschlesischer In

Was läge also näher, als daß die Leitung der Kommu nistischen Partei die Parole an ihre Anhänger ausgäbe, in diesem ernsten Augenblid nicht teilnahmslos beiseite zu stehen, sondern ihre ganze Kraft für das zunächst erreichbare Ziel einzusetzen und dem Kandidaten der republikanischen Parteien zum Siege über Hindenburg , dem Platzhalter der Monarchie, zu verhelfen? Aber gerade das politisch Bernünftige ist von ber kommunistischen Barteileitung nicht zu erwarten und so fordert ste ihre Anhänger auf, ihre Stimmen ganz finn- und zwedlos zu verschleudern und sie ihrem Splitterfandidaten Thälmann zu geben! Wir sind überzeugt davon, daß die bisher kommunistisch gesinnten Arbeiter dieser Barole der Una chlaffen des Egports bemertbar. Bir müssen schärfften vernunft nicht folgen werden.

Barum isoliert sich die Kommunistische Bartei immer mehr von der Masse des Proletariats? Auf der fürzlich ab­gehaltenen Konferenz der Erefutive der kommunistischen Inter­

,, Gesamte niederschlesische Industrie ist über unerwartete Ab­lehnung Spanienhandelsabkommen im Reichstagsausschuß in höchstem Maße bestürzt. Nichtratifikation bedeutet nach uns vorliegendem Material fofortige Unterbindung des um fangreichen Exports nach Spanien , damit Beschäftigungs­losigkeit und Arbeiterentlassungen seitens der inzwischen auf den Spanienerport eingestellten Mitgliedfirmen in großem Umfange. Wirkungen der Hinausschiebung der Ratiflation bereits jeptim Brotest gegen einseitige Rüdfichtnahme auf übertriebene Befürch tungen der Binzer zuungunsten der allgemeinen deutschen Wirt­tungen der Winzer zuungunsten der allgemeinen deutschen Wirt fchaftsinteressen erheben. Jezige Unsicherheit macht sofortige Rati fitation des Abkommens dringend erforderlich."

Vorwärts- Verlag G.m.b. H. , Berlin SW. 68, Lindenstr.3

Boftfcheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellschaft, Depofitentaffe Lindenstrake 3

Wo bleibt die Führung?

Die Regierung und die außenpolitischen Gefahren der Kandidatur Hindenburg .

Hat Deutschland eine aktionsfähige Regierung? Haben wir eine außenpolitische, eine innenpolitische Führung? Die Vorgänge der lezten Tage legen die Frage nahe und sie können dazu veranlassen, sie zu verneinen. Diese Frage ist nicht mir theoretisch. Sie ist von der größten Bedeutung für die deutsche Zukunft. Die deutsche Republik führt außenpolitische Berhand­handlungen, die zu Ergebnissen von großer historischer Be­deutung führen können. Um diese Verhandlungen zum Ziele zu führen, bedarf es einer ft a rfen und entschlossenen Führung, die sich gegen alle Widerstände durchsetzt, und gewillt ist, den großen außenpolitischen Aufgaben die Innen­pplitif unterzuordnen. Nicht nur wir werfen die Frage auf: Hat die deutsche Republif eine feste und führende Regierung? das in den Kreis diefer Verhandlungen und Kombinationen Diese Frage stellt sich der leitende Staatsmanit jedes Landes, einbezogen ist.

Die Regierung des Rechtsblocs unter Luthers Führung mit Stresemann als Außenminister ist unter diejem Ge­sichtspunkt ein unmögliches, widerspruchsvolles, gefährliches Gebilde. Herr Strefemann hat geglaubt, die Außenpoli tif, die die republikanischen Parteien seit dem Kriegsende vis Dieser Bolitik einbezogen worden sind, während die eigentlichen zum Abschluß des Londoner Bertrages geführt haben, fortsetzen zu fönnen mit einer Regierung, in die die schärfsten Gegner Träger und Stüßer dieser Außenpolitik nou der Leitung der Staatsgeschäfte ausgeschaltet find. Herr Stresemann hat ge meint, Außenpolitit und Innenpolitif völlig unabhängig von­einander behandeln zu fönnen. Er hat die Deutschnationalen in die Regierung gebracht, und hat damit der Außenpolitik des bisherigen Kurses die feste innerpolitische Grundlage entzogen. Er hat als Außenminister dieser Regierung Altionen ein geleitet, die auf den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und auf den Abschluß eines Sicherheitspaftes hinauslaufen, will unter dem Vorbehalt der Möglichkeit einer Revision der der den Gebietsverlust im Westen ein für alle mal anerkennen deutschen Ostgrenzen. Diese außenpolitischen Aktionen ſteher in prinzipiellem Gegensatz zu den außenpolitischen Grund: fäßen, die die Deutschnationalen bisher öffentlich vertreten haben. Man hat gehört, daß die deutschnationale Reichstags­erhoben hat, und daß eine große Auseinandersetzung zwischen frattion gegen diese Politik des Außenministers Einspruch Außenpolitik unmittelbar bevorsteht. den gegenwärtigen Regierungsparteien über die Frage der

Es ist die Pflicht jeder Regierung der deutschen Republik, tischen Kurs bedrohen. Es ist ihre Pflicht, laut und vernehme zu führen. Es ist ihre Pflicht, das Volk auf alle Gefahren aufmerksam zu machen, die den eingeschlagenen außenpoli­lich ihre Stimme zu erheben, menn innerpolitische Ausein= andersetzungen die Fortführung der bisherigen Außenpolitik zu gefährden drohen. Es wäre die Pflicht der Regierung Luther- Stresemann gewesen, die Bedrohung der außenpoli­tischen Aktionen durch die Haltung der Deutschnationalen nicht als Barteigeheimnis zu behandeln. Durch ihre Methode der Bertuschung, der Berschleppung und der Berheimlichung hat fie das deutsche Wolf in eine große Gefahr verfegt. Das Parteiinteresse der Deutschnationalen Rechtsblocks höher gestellt worden, als das außenpolitische und der Deutschen Volkspartei , ihr gemeinsames Interesse an der Präsidentenwahl, ist von den Männern der Regierung des Intereffe des deutschen Volkes.

Die deutsche Präsidentenwahl ist mehr als ein Mannes, der am 26. April endgültig gewählt werden wird, rein innerpolitisches Ereignis. Nicht nur die Person des fondern auch die Persönlichkeiten der Kandidaten, die von den großen Parteigruppen in den Vordergrund gestellt werden, zeitigen Rückwirkungen auf die Erfolgsaussichten der außen­politischen Aktionen der Regierung und auf die Stellung Deutschlands in der Welt. Die Regierung Luther- Strefe­mann hat diesen Gefichtspunkt anerkannt, als fie eine Aftion einleitete, um die Kardidatur Geßler, die vor dem ersten Wahlgang an die Stelle der Kandidatur Jarres gesetzt werden sollte, zu verhindern. Der deutsche Außenminister hot damals darauf hingewiesen, daß die Kandidatur Geßler den deutschen außenpolitischen Interessen abträglich sein würde. Es ist ihm gelungen, diese Kandidatur zu verhindern. Die Regierung hat an diesem Zeitpunkt die Pflicht zur Führung anerkannt. Niemand hat ihr daraus den Vorwurf gemacht, daß fie eine Wahlbeeinflussung versucht habe.

Wo aber bleibt die Anerkennung dieses Gesichtspunktes durch die Regierung Luther- Stresemann gegenüber der Kandidatur Hindenburg ? Wir sind sicher, daß der Reichskanzler und der Reichsaußenminister von vornherein die Gefahren, die nicht nur die Wahl Hindenburgs zum Reichs präsidenten, sondern auch schon die Tatsache, daß die Rechts­porteien geschlossen Hindenburg zum Kandidaten für die Präsidentenwahl nominiert haben, für die deutsche Außen­politif nicht unterschätzt haben. Sollten fie es dennoch getan haben, so haben die Ereignisse der letzten Tage ihr Anlaß genug geben müssen, eine optimistische Auffassung zu revi­