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Serlm wählt de 3n den Hinterhäusern. Di« in den Höfen wohnen, brauchen nicht zu flaggen. Die Armen. Die ohne Straßenjonn« zwischen Häusermauer» leben, die heute um Licht und Befreiung kämpfen. Jene, denen es um Frie» den und Brot geht, nicht um verlorene Macht. Und ihr« Zahl geht in die Millionen. Die vorn heraus wohnen, alle Fenster mit Fahnen behängt haben, sind zu zählen. Don Aeußerlichkeiten hängt unsere Gesinnung nicht ab. Deshalb bleiben unsere Flaggen auch schlicht und unausfällig. Gönnen wir doch den Rechtsleuten diese letzte schwarzweitzrote Parade. Es ist ja nur der verzweifelte Trotz eines sterbenden Körpers, der sich noch einmal wild aufbäumt. Schwarz. Rot-Gold würde ganz Berlin überfluten, hätten feine Anhänger nur bester« Gelegenheit, ihr« politische Gesinnung zu zeigen. Aber in den Höfen der großen Mietkasernen zu flaggen, erscheint mit Recht ziemlich nutzlos. Der oberflächlich« Spaziergänger sieht bloß die Borde» Häuser. Mag der Schein auch trügen der 26. April wird beweisen, daß die eigentliche Mass« des Volkes republikanisch denkt und fühlt. Der haß gegen Schwarz- RoKSold. Räch dem Gesetz zum Schutze der Republik können auch Be» schimpfungen der republikanischen Fahne durch Strafe geahndet wer. den. Aber das hindert die Feind« der Republik nicht, immer wieder in Schmähungen des Schwarz-Rot-Gold und sogar in B e s ch ä d i- gungen schwarzrotgoldener Fahnen ihr Mütchen zu kühlen. Ein Bubenstreich dieser Art ist in Berlin im Hause Mol» k e nm a r k t 7/8 verübt worden, wo die Firma Kroner u. Co. aus ihren im vierten Stockwerk gelegenen Geschäftsräumen eine schwarz- rotgoldene Fahne herausgehängt hat. Diese Fahne ist so long, daß sie vom vierten Stockwerk über das dritte hinwegreicht, in dem die Tuchfirma W. Schuster ihr« Geschäftsräume hat. Gestern tonnte nun der Inhaber der Firma Kroner u. Co. zu seiner lieber» raschung und Bestürzung feststellen, daß die Fahne in dem vor dem dritten Stockwerk hängende» Teil arg beschädigt war, und zwar anscheinend durch Saurespritzer. Große Stücke des Tuches lösten sich in Fetzen heraus, so daß die Fahne vernichtet war. Herr Kroner hat die Hahne so. wie sie ist. dem Gauoorstond Berlin des .Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" überwiesen, die sie zur Kenn- Zeichnung der Kampfesweise republikseindlicher Halunken öffentlich ausstellen will. Die zerstörte schwarzrot- goldene Fahne ist von Herrn Kroner sofort durch eine neue ersetzt worden, die in gewaltiger Länge von dem vierten Stockwert herab- weht. hladenburg im vlumenkopf. Doch das Neueste ist hindenbury im Blumentopf, kleine schwarzweißrote Fähnchen, die auf ihrem unschuldigen Weiß in großen Buchstaben für hindenburg werben. Arme Blumentöpfe, die keine anderen Stecklinge tragen. Wo der Krieg hinkommt,der grausamste Krieg ist der humanste", da wächst nicht Gras und Blume mehr. Und einer dieser Blumentöpfe in einer Kellerwohnung in der Zimmerstraß«, so tief und dumpf gelegen, daß kein Sonnen- strahl sie trifft. Das ist ein erschütterndes Bild politischer Der» blendung und läßt einem an die Hindenburg -Töpfe der Besitzenden in Licht und Lust, in blendendem Sonnenschein denken. Es gibt noch viel Arbeit zu leisten, um die Köpfe zu erhellen. Jede Stunde ist kostbar, denn der Kampf geht fiebernd seinem Höhepunkt zu. Wer es ernst mit der Republik meint, der sorge dafür, daß hindenburg am Wahltage keinen Blumentopf ge» winnt. Der schwarzweihrote Schupotwuw. In den in der Freiwginorgennummer hier wiedergegebenen Instruktionen de» Berlmer Polizewizepräsidenten Dr. Friedens» b u r g an da» Kommando der Schugnolizei Berlin wird u. a. gesagt: Die FarbenSchwarz-Rot-Gold" stehen als Wahrzeichen von Staat und Verfastung unter dem besonderen Schutz des Gesetzes zum Schutz« der Republik . Die Achtung vor diesen Wahrzeichen zu sichern, gehört zu den vornehmsten Pflichten der Polizei, die sich ihres Charakters als des vollziehenden Organs der Staatsgewalt bewußt fein muß." So der Polizeivizepräsident. Einzelne Beamte der Schutzpolizei scheinen aber anders über die Achtung vor den Wahrzeichen der Republik zu denken. Da ist beispielsweise draußen in der h ä s e l« r»

kl Republikaner. st r a ß« in Charlottenburg die Ansiedlung des Berliner Spar- und Bauvereins, dessen Mitglieoerschaft sich ausschlleßiich aus Arbeitern und Angestellten zusammensetzt In dieser Straße erregt es allgemeinen lebhaften Unwillen, daß bei jeder Wahl von, Balkon der W o h n u n g« iues Schupowachtmsisters eine große schwarzweißrote Fahne Herausgehangl wird. Diesmal tut der treue Beamte der Republik noch ein übriges, indem er außerdem noch seinen ganzen Balkon dicht mft schwarzweißroten Fähnchen und der AuftorderungWählt hindenburg" besteckt hat. Die Be- wohnerschast der Ansiedlung empfindet diese provokatorische heraus- stellung der Farben des allen kaiserlichen Deutschland gerade durch einen republikanischen Polizeibeamten als eine unerträgliche Berhöhnung der Republik , die schlecht zu den vom Polizeimzepräsidenten betonten vornehmsten Pflichten der Polizei, sich ihres Charakters als des vollziehenden Organs der Staats- gewall bewußt zu fein" und den Farben Schwarz-Rot-Gold die gebührend« Achtimg zu sichern, paßt. Wenn ihm die Republik so sehr zuwider ist. wie man nach seiner aufdringlichen Propaganda für Schwarz-Weiß-Rot und Kaiserreich doch annehmen muß. warum oerhisit man ihm dann nicht dazu, den Dienst in der oerbaßten Republik zu quittieren? Gut gegeben! Es saßen vier Herren in der Straßenbahn zusammen, je zwo, einander gegenüber. Drei, die zusammen geborten, unterhiellen sich über die erregten Wahlzeiten und oer einenahm übel". Er erregte sich darüber, daß mandie verfluchte Bande mit den schwarzrotgoldenen Fahnen" soviel herumziehen sehe. Plötzlich mischte sich der vierte Herr, der nicht zu dieser Gesellschaft gehörte, ei» und verbat sich derartige Bemerkungen. Der erste Sprecher tot sehr erstaunt und sagte, daß er ihn doch gar nicht persönlich gemeint Halle. Darauf der Republuäner:Das ist mir auch sehr gleichgüllig, aber die Straßenbahn gehört uns allen und nicht Ihnen allein und ich brauche mir so etwas nicht mit anzuhören." Zur Antwort erhielt er:Ich kann doch reden, was ich willl'Rein, das können Sie nicht. Dieselbe Berechtigung hätte ich auch und ich würde dann m« inerseit» Leute mit schwarzwerßroten Fahnen für«ineverfluchte Bande" erklären." Einen Augen- blick Stillschweigen dann zieht einer aus der Gesellschaft ironisch den Hut und bedankt sich für diefreundliche Bezeichnung". Darauf der Republikaner gelassen:Sie dürfen Ihren Hut ruhig aufbehallen. Ich ziehe meinen Hut auch nicht vor Ihnen." Polilifches" Gespräch im Bäckerladen. Die Bäckersfrau im Gespräch mll ihrer Kundin:Wifsen Sie es schon, hindenburg spricht heute abend nicht im Rundfunk!" Dt« Kundin:Unmöglich, heute ist es doch noch durch Rund- funk angesagt worden, doßEr" bestimmt um 8 Uhr 13 Min. sprechen wird." Die Bäckersfrau:Ja, aber sehen Sie doch hier. Wir bekommen jetzt denVorwärts", und da steht's doch: Ruth Fischer spricht für hindenburg." Schweigen. Dann meint die Kundin:Ich kenne Fräulein Fischer gar nicht. Na, wir Werdens ja hören." Sprach's und ging. Der völkische Unfug aus dem Potsdamer Platz hat die zu- ständigen Polizeibehörden veranlaßt, die Zahl der Polizeibeamten auf dem Potsdamer Platz zu erhöhen und auch mehrere Kriniinai- bcamten, darunter auch höhere dort zu postieren, die gegen jede Be- lästigung der Pasianten sofort einzuschreiten haben. Wir hören diese Botschaft zwar, wollen sie auch glauben, aber da sich aus diesem Platz wiederholt dieser Unfug breitgemacht hat, so scheint es dringend notwendig, daß nunmehr die Leitung des zustän- digen Polizeiamtes für olle erneut vorkommenden Fälle unverzüglich verantwortlich gemocht wird. Polizeiliche Behinderung sozialdemokratischer Wahlagitation. Wie man uns von zuverlässiger Selle mllteilt, vertrieben in den Mittagsstunden Polizeibeamte die vor dem Bahnhof Aleronderplatz Dienst taten, unsere Fwgblälleroerteiler. die die Sonderausgab« desVorwärts" verteilten, indem sie sie ständig aufforderten, weiter zu gehen. Wir protestieren entschieden gegen dies« merkwürdige Behinderung der erlaubten Wahl- Propaganda.

völkische M-röbuben. Ei» ReichsblUlnermaun erschösse«. Me uns kurz vor Schluß de» Blatte» mitgeteilt wird, wurde gegen 2 Uhr nachmittags aus dem Bayertscheu Platz elu Ueichsbauuermauu. der sich auf einem Propagandawageu des Volksblockes befand, von einem völkischen erschossen. Weitere Einzelheilen fehlen zurzell noch.

Fuaterparaüies. Wer Hindeuburg wählt, wählt die Jmikerherrschaft. In einer Dolkeblockkundgebung in Görlsdorf m der Reu- inark hiell der dort ansässige Rillergutsbesitzer Eberhard von der L a n g ck e n folgende, wörtlich wiedergegebene Diskussionsrede, nach­dem er wüst auf Kathollken und Zentrum geschimpft hall«: WähU chindenbura, dann kommt wieder Ordnung! Dem Aus- land ist es lieber, mll Hindenburg zu verhandeln als mit Budikern. Sattlern und Stromern. Di« General«, die der Republik dienen, sind niederftächlige Waschlappen. Für uns gibt es keinen Acht- stundenlag: das geht nicht! Belriebsräle find Nichtstuer. Die Sozialdemokraten sind solch« Louis mit schieser Ulütze und Zigarette im Maul. Di« Sozialdemokratie hat uns alles Elend eingebrockt, weil Ebert und Scheidemanu die deutsche Niederlage gewollt haben, um ans Ruder zu kommen. Die republikanischen Minister hoben es alle verstanden, sich die Taschen zu füllen und ibr Schäfchen ins trocken« zu führen. Gerade die Besitzend�, werden heule von den Steuern gedrückt; die Sozialdemokratie schrell immerSiedeln, Siedeln" und will die Rittergüter zerschlagen. Landarbeiterl Ihr hängt doch auch an Eurer(!!) Scholle. Nach einem Hoch auf Hindenburg verlleß Herr von der Langcken mll seinem Anhang den Saal, in dem die Doiksblockkund- gebung für Mar; dann ungestört vor sich ging. Dieser selbe Herr von der Langcken verweigerte kürzlich der Frau eines seiner Landarbeller, die wegen einer Dlinddarmentzün- dung in Lebensgefahr schwebte und zu einer schnellen Ope- ratio» in die Stadt gefahren werden sollte, seine Kutsche und bot der weinenden Frau höhnend den M i st w a g« n an. Er gab die Kutsche trotz allen Bittens nicht, bis sich schließlich ein Bauer der Frau erbarmte. Der durchaus ebenbürtige Sohn des Herrn von der Langcken hat am 7. Dezember die Landarbeiter bedroht: . Wenn Ihr nicht denifchnallonal wählk. gibt's was mlk der Snnket" Dieser Sohn schlägt die Arbeiter tatsächlich. Zwischen- rufe in der Versammlung nahmen darauf mehrfach Bezug. Di« erbillerten Landarbeller riefen: Augen blau schlagen..' Einen Landarbeiter hat von der Langcken mll einem Knüppel über- fallen und ihn von hinten niedergeschlagen und ihn am Misthaufen. wo er besinnungslos zusammengesunken war. liegen gelassen. Das'ist das wahre Junkerparadies. Wir wollen es ausrollen. Die Rechtsparteien aber wollen es wieder im ganzen Lande einführen. Wer den Junker mit seiner ganzen Brutalität wiederhaben will, wählt Hindenburg . Wir anderen wählen den Republikaner Rtarx!

Kunögebungen in potsüam. In zwei großen öffentlichen Wählerversammlungen hat gestern der Volksblock in Potsdam zu den republikanischen Parteien gesprochen und die Gründe für die Kandidatur Marx in eingehender Weise dargelegt. Im Konzerthaus stand die stark besuchte Versammlung unter dem Borsitz der SPD . ImAllen Fritz" wurde die Versammlung von einem Zentrumsverftetsr geleitet. Nach einer Cröffnungsanfprach« des Wahlvereinsvorsitzenden der SPD . nahm namens des Zentrums der G«w«rtschaftss«rretär Winter das Dort. Er kennzeichnete die Ziel« des Wahlkampfes beim Reichsblock als das Bestreben, beide Hebel der Gewalt, nämlich die Ge- setzesmaschin« des Reichstages und da« Amt de» Reichspräsidenten , in eine Hand zu bekommen und dann die Verhältnisse wieder nach rückwärts zu revidieren. Dies« Parteien, die für Lohnerhöhungen nie Geld haben, verfügen über Geld im Ueberfluß für Wahlzweck«. Genosse Redakteur K l ü h s beleuchtete in scharfen Ilmrissen die Verhältnisse beim Reichsblock, der sich gegenüber dem als Muster- beispiel der Eignung und Tüchtigkell gepriesenen Ja r res der größten Untreue schuldig gemacht und ihm schließlich einen Fußtritt versetzt habe, um den 78iährigen Hindenburg als sogenannten über- parteilichen Kandidaten aus der Versenkung zu holen. Der Reichs- block müsse sich mit seinem Kandidaten darum auch die Kritik der Republikaner gefallen lassen. Hindenburgs Aufstellung fei das größte Armutszeugnis für die Kreise des Reichsblock», die aus den inneren Zwistigkellen im Loebell-Ausschuß nicht heraus- kämen. Seine Geldschnorrerei kennzeichne am besten die Uneinig. kell, und Hindenburg habe allen Anlaß, als das gepriesene Vorbild für Sauberkeit und Reinlichkell de» öffentlichen Lebens mll der Reinigungsarbell unter seinen Anhängern zu beginnen. Der Redner bewies an der Hand verschiedener Flugblätter die Niedertracht der Kampsesweis« des Reichsblocks, der in einer Schlammflut von Verleumdungen und Fälschungen nach seinem Erfolge strebe. Die Wahl Hindenburgs würde nur inneren Kampf entfesseln und jede Entwicklung hemmen. Hindenburg sei polllisch nicht s o harmlos, wie man ihn hinstelle. Mll Ludendorff habe er in der Obersten Heeresleitung stch als Kanzlerstürzer betätigt und seine Einmischungen in die Poiillk, sein Hervortreten als Gegner der Friedensresolution gestatte es keinem Republikaner, diesen ausgesprochenen Anhänger der Monarchie in die Verlegenheit zu bringen, einen Eid auf die Verfassung der Republik zu leisten. Am 26. April müßten all« Hoffnungen der Monarchisten zuschandeu werden. Hindenburg sei die letzte Karte der Reaktion im großen polllischen Spiel und sie müßt« entscheidend gestochen werden. Die Ausführungen des Redner» lösten starten Beifall au». Nach ihm wandte sich Staatsminsster a. D. Dernburg namens der Demotraten an die Zuhörerschaft. Er schilderte an unwlderleglichen Belegen die polllische Rolle Hindenburgs im Krieg«, kennzeichnete ebenso wie der Vorredner den Mangel seder polllischen Vorbereitung des allen Marschalls, und warnte im Hinblick auf die außen- politischen Folgen, auf die wertere Verzögerung der Ruhrrlumung und der Befreiung der Rheinland «, auch di« Störungen in den Handelsbeziehungen, einen Mann wie Hindenburg in da» oberste Reichsamt zu berufen, der nur Figur, Programm und Lautsprecher für T i r p i tz sein würde. Ein Republikaner dürfe niemand ander» wie Wilhelm Mar; als gelernten Reichspräsidenten sein« Stimme geben. Die Kundgebungen hinterließen einen starken Ein. druck und waren erfolgreicher als die paar armseligen Per- onstaltungen des Reichsblocks, der sich noch heute Abend mll Musik und Umzug bei der Wählerschaft bemerkbar machen will. Be» der Heidelberger Bürgermelsierwahl ist gestern durch di« Voltsblockparteien Regierungsrat Dr. Amberger- Offenbura zum 3. Bürgermeister gewählt worden. Der bisherig« Stelleninhaber, der der Rechten angehört«, war verstorben., Der Bau des WitleNandkanol». Der Provinzialausschuß von Hannover beschloß, von dem für den ö. Mai«inberufenen Provin- ziallandiag die Ermächtigung zur Uebernohme der Garantie für eine Anleihe zum Bau des Mittellandkanals der Gene A (11 Millionen) einzuholen.

Retchs-Reklame-Neffe. Zu einem nicht sehr glücklich gewähllen Zeftpunkt, einen Tag vor der Wahl des Reichspräsidenten , hat die Reichsreklamemesse, oer- austaltet vom Verband Deutscher Reklamefachleute unter der Direktion des Berliner städtischen Messeam- tes ihre Pforten geöffnet. Das Haus der Funkindustrie auf dem Messegelände am K a i s e r d a m m ist mll den tausenderlei Werbe- Mitteln gefüllt, di« eine in der Wiederaufrichtung begriffene Wirt- schaft wie die deutsch « nötiger denn je gebraucht, um dem Konkurrenz- kämpf auf dem Inlands- und Auslandsmarkt begegnen zu können. Mit allen Mitteln ist versucht worden, eine Uebersicht über das ungemein verzweigte Gebiet der Reklame, ihrer heutigen Aufgabe und ihrer psychologischen Möglichkeiten zu geben. Der äsihcnsche Eindruck mag im allgemeinen befriedigend sein, im einzelnen spielt aber das Werk des Künstlers immer noch eine sehr geringe Rolle Reben der Fülle der Werbemittel für den Handel, di« Plakate, Handzettel. Broschüren. Kalender und Zugabeärtikel, die wechselnden Schrift- und Bildformen, den gedruckten, aus dem Nichts entstehen- den erleuchteten Schriften ist ein« gute Schau über das gesamt« well verzweigte deutsche Zeitungswesen vorhanden. Die sozialdemokratische Press« hat auf der Galerie eine gaftz« Koienslucht in»«, die in außerordentlich übersichtlicher und gefchmack- voller Weise das Anwachsen dieser Zeitungen und ihre Werbekroft vor Augen führen. Auch derVorwärts" zeigt in einem gemütlichen Lesezimmer ein« Auswahl feiner besten Plakate. Ein« hübsche Neuerung,«in amüsantes Reklametheater, ist mll der Metze verbunden und zeigte gestern vor geladenen Gästen fein erstes Spiel: Ist denn hier der Teufel los?" Das Spiel, das August Neidhardt geschrieben und Ernst Hauke musikalisch umkleidet hat. zeigt neben der gedruckten Reklame zum ersten Male auch die gesungene, geianzle und gesprochene Werbekunst. Man hatte mll der Aufführung Künstler wie Fritz Langendorff, Dora Hrach, Emil Ludwig, Gertrud Lieste und Heinz Lingen in den Dienst der Sache gestellt. Man kann ruhig behaupten, daß es di« munterste und lustigst« Sache ist. Auf dieses und vieles andere, was die Messe bietet, zurückzukommen, wird nach den Wahlen noch Gelegenheit sein.. Die Messe bleibt bis zum Z. Mai geöfsnet und kann von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends besichtigt werden. Heute vormittag fand in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden und der Presse nochmals eine größere Eröff- nungsfeierlichkeit statt. Oberbürgermeister Dr. Boß überbrachte di« Wünsche der Stadt Berlin , ferner sprach namens der preußischen Staatsregierung Handelsminister Dr. Schreiber. Im Anschluß daran fand ein Rundgang durch di« Messe statt.

die letzte« Versammlungen. Man erkennt di« nationalistische Hochburg Wilmersdorf kaum wieder. Im großen Saal des Viktoria- Gartens Kopf an Kopf.. Bürger, Handwerker, Arbeiter, alle durchglüht von ein- heitlicher Begeisterung für die Republik . Unter sudelndem Beifall zieht da» Reichsbanner ein. Ein Wald schwarzrotgoldener Fahnen um die Tribüne. Karl Ebeit rezitiert. Sein von innerer Ueber» Zeugung durchglühtes Pathos läßt die Versammlung aufjubeln. Dann spricht Abg. K n t t» e r für di« SPD . Ein kraftvoller Appell: da»

neue Deutschland der Arbell und der Geistigkeit gegen da» ungesstige System der Uniform, des Korporalstocks und des Anbindens. Für die Demokraten spricht, lebhaft applaudiert Hugo Preuß , der Schöpfer der Weimarer Verfassung Kluge , sympathische Worte. Er begrüßt als Resultat der direkten Präsidentenwahl durch das Volk, daß die Republikaner alle sonstigen noch so tiefen Gegensätze zurückstellend sich zu einer einheitlichen Front zusammengesunden haben. Für das Zentrum spricht Reichstagsabg. Dr. R ä u s ch e r. Als«r in hoher Anerkennung seiner Verdienste den Namen des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert erwähnt, erhebt sich die Bersammlungspontan von den Sitzen und applau- dlert minutenlang. Zum Schluß wendet sich ein Bertretcr des Mittelstandes gegen die Ludendorff-Partei, die die Parole für Hindenburg ausgegeben und damit die Interessen des Mittelstandes verraten hat. Alle Redner finden brau- senden Beifall, der sich oft spontan nach einzelnen Sätzen entlädt. Musik umrahmte die Veranstaltung, die auf olle Anwesenden un- anslöschlichen Eindruck gemacht hat. Auch in Wilmersdorf herrscht schon der republikanische Gedanke. Die vom Volksblock und Reichsbanner in Pankow veranstaltete Volksversammlung war ein voller Erfolg. Di« Ausrnbrungen der Referenten Zimmermann vom Zentrum, Frl. Fisch von den Demokraten. Genosse Dr. Weyl fanden ungeteilten Beifall. Als Schlußredner sprach ein Kamerad vom Reichsbanner. Die über- füllte Versammlung stimmte begeistert in dos vom Borsitzenden ausgebracht Hoch auf di« Republik . Di« Versammlung, die in völligster Ruhe verlief, sst als ein gutes Vorzeichen für die am Sonntag stattfindende Wahl zu betrachten. Gegnerisch« Dersamni- lungen am Ort hatten bisher nicht die Besucherzahl auszuweisen. wie sie gestern durch den Volksblock in Erscheinung trat. In einer bi» auf den letzten Platz gefüllten Wählerversammlung in der Schulaula Oranienstraß« in Charlottenburg sprachen für die Zentrumspartei Dr. Steiger, für die Demokraten Otto R u j ch k e und für die SPD . Genosse Lempert. Auch hier bot die Aula mit ihrem reichen schwarzrotgoldenen Flaggenschmuck ein eindrucks- volles Bild. Den Reden folgt« jubelnder Beifall. Die Dersamm- lung war«ine würdig« Kundgebung für die Republik . Auch in der Schulaula der Fürstin-Bismarck-Schule in Charlottenburg sprach für die Zentrumspartei Dr. Steiger, für die Demokraten N u s ch k c, dagegen für di« SPD . Genosse Barth. Sie fanden ebenfalls die volle Zusliminunq der Bersammelten. Mit einem Hoch aus die jung« deutsch « Republik schloß die Kundgebung.

Auf z tun letzte« Appell? Heute abend findet die letzt« große Wahlkundgebung in Berlin statt. Da« Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ruft alle Republikaner auf. heute abend im Sportpalast zu erscheinen, um noch einmal ihren Willen kundzutun. Es sprechen Reichskanzler a. D. Dr. Josef Wirth , Frau Mimsterialrat Dr. Gertrud Bäumer und Genosse Artur Crispien. Die Kundgebung beginnt pünktlich um 8 Uhr und wird von Dar- bietungen des Berliner Bläferchors umrahmt. Das angekündigre Standkonzert der Reichsbanner-Kapelle vor dem Sportpalast kann leider nicht abgehalten werden, da d l e Polizei ihre Genehmigung verweigert hat.