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Industrie sofort diefelben Borzugszölle erhalten müßte. Und ob die Zollermäßigung Rumäniens und Südslawiens, die beide nach Einnahmen gieren, so groß sein werden, daß sie eine wesentliche Steigerung der deutschösterreichischen Produktion nach sich ziehen, ist noch sehr fraglich. Der große französische Geldsad, der bis vor kurzem den Kleinstaaten die Rüstungen gezahlt hat, kann aber nicht mehr und wird daher auch nicht ben fleinen Ententebrüdern den Zollausfall vergüten.

Herr Benesch will ja auch noch persönlich in die Arena steigen und in Wien eine österreichisch - tschechische Gesellschaft gründen. Das ist eigentlich für einen aktiven Außenminister im Ausland ein ungewöhnliches Beginnen. Indes, wir sind feine Oberhofzeremonienmeister und halten es da eher mit Hans Sachs : Nur mit der Melodej, seid Ihr ein wenig frei, doch sag ich nicht, daß dies ein Fehler sei."

Herr Benesch handelt als guter Tscheche, wenn er feinem

Bropaganda betreiben und gemeinsam mit der KPD . alle mög lichen und unmöglichen Pläne schmieden. Und das sind auf der anderen Seite jene Weißgardist en, die mit deutschen Rechts­radikalen zusammenarbeiten, weil ihre monarchistischen Restaurations pläne dadurch am besten gelöst werden können. Gegen diese poli­tische Betätigung der beiden Extreme auf deutschem Boden muß in der Tat unbedingt Front gemacht werden. Und nachdem Herr Kenkel fogar enthüllt hat, daß jene Weißgardisten zum Teil Ententespione find, haben die Behörden die doppelte Pflicht, mit eisernem Besen auszukehren.

Das Blatt der Claße. Handelsteil gegen politischen Teil.

Die Deutsche Zeitung" hatte vor einigen Tagen ihren Lejern

| Form, daß er sich über Prof. Delbrüd bet ber philo. sophischen Fakultät der Berliner Univers fität beschwerte! Obgleich solche Dinge die Fakultät nicht im geringsten angehen, nahm Prof. Delbrüd auf Grund der Beschwerde dennoch Veranlassuna, dem Obersten Bauer ein Schiedsgericht vorschlagen zu lassen, dem sich die Zeugen für die Wahrheit seiner Behauptung vorstellen wür­den. Auf dieses Anerbieten hat Prof. Delbrüd niemals eine Antwort erhalten.

Aus diesem Verhalten des Obersten Bauer tann man den Wert der Dementis dieses Mannes ermessen, der auf seinem einflußreichen Bosten während des Krieges eine so unheil­volle Rolle gespielt hat. Man darf erwarten, daß die ein Jahr lang hingezögerte und jetzt angekündigte Veröffent über die katastrophe von 1918 dem deutschen lichung der Gutachten der drei Sachverständigen

der Obersten Heeresleitung während des Krieges hineinzu­leuchten und die verhängnisvolle Tätigkeit der Militärkafte kennenzulernen, die sich heute noch anmaßt, die Rolle der Retter" Deutschlands zu spielen.

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Bolt und Staat Freundschaften wirbt. Aber mit vorgelogen, daß die wegen Preiswuchers verurteilten Wiener 2ner Bolte endlich Gelegenheit geben wird, in das innere Getriebe feinem Widerstand gegen den Anschluß, mit seiner Sabotage des Gelbst bestimmungsrechts der Deutschöster­reicher, tut er das Gegenteil. Rein Staatsmann handelt flug, fein Staatsmann wirbt seinem Volk dauernde, zuver- wenigstens fäffige Freundschaften, der sich den Tendenzen einer natür lichen, notwendigen Entwidlung entgegenstellt. Das zu lernen, haben gerade die Staatsmänner der Tschecho­ slowakei am Beispiel Altösterreichs Gelegenheit genug ge­habt. Und am wenigsten sollte es darum sie nach Metternich s Lorbeern gelüften..

Für und wider die Weißgardisten. ..Deutsche Zeitung" gegen Nationalpoft".

Es war vorauszusehen, daß die von uns erwähnten Anklagen des deutschnationalen Landtagsabgeordneten Eduard Kentel in der Nationalpost" gegen die weißgardistischen Elemente in Deutsch­ land nicht nur in diesen rechtsgerichteten russischen Emigranten­

brotwerte ein sozialdemokratisches Unternehmen" unter roter Leitung" gewesen seien. Im politischen Teil, wo sie erschien, ist diese Lüge trotz der Festnagelung des Bormärts" bis heute nicht berichtigt worden. Nun aber müssen Lügner wenigstens aufmerksam sein. Durch ein Versehen hat die politische Redaktion der Deutschen Zeitung" es verabsäumt, auch ihren andels redakteur von ihren Absichten zu informieren, so daß dieser ahnungslose Herr im wirtschaftlichen Teil der Deutschen 3eitung" vom 6. Mai ganz harmlos folgendes, schreibt:

,, Es wurde seitens der Anker brotwerke, die eine über­mächtige Konkurrenz gegenüber allen Brotfabrifen und Kleinbädern auszuüben vermochte, der Brotpreis vollkommen diftiert und die jenigen mit der Vernichtung bedroht, die unter diesen herab­zugehen sich anschickten. Dies konnten die Ankerbrotwerke um so eher tun, als sie jederzeit in der Lage waren, die Preise soweit zu jenten, daß feine andere Fabrit, insbesondere aber die damals noch in den Händen der Sozialdemokraten gelegenen Hammerbrof. werke, die Konkurrenz häffen aushalten können."

Es steht schlimm um eine politische Redaktion, die sich von ihrem

treisen, sondern auch bei ihren deutschen Protettoren wie eine eigenen Handelsredakteur so nachdrücklich rektifizieren lassen muß.

Bombe wirten würden. Die Deutsche 3eitung", die seit jeher das Leibblatt dieser Cliquen ist, polemisiert in einem Leit­artifel auf das schärfste gegen die Kenkelschen Warnungen und wirft dem Verfasser Unrichtigkeiten, Oberflächlichkeiten, Unkenntnis der Dinge, Berallgemeinerungen und dergleichen mehr vor.

Nun ist Herr Rentel nicht der erste beste deutschnationale Ab geordnete und Schriftleiter. Vielmehr gehört er zu den Gründern feiner Partei und ist mehrere Jahre nach der Revolution Chef redakteur des führenden deutschnationalen Organs Königsbergs , der Ostpreußischen Zeitung", gewesen. In dieser Eigenschaft dürfte er hinreichend Gelegenheit gehabt haben, das Wesen der aus Rußland eingewanderten weißgardistischen Elemente gewissermaßen an der Quelle zu studieren. Denn Königsberg war naturgemäß, beson­ders in der ersten Zeit, das Hauptquartier dieser Weißgar­disten und ist heute noch ihre Durchgangsstation nach dem übrigen Deutschland , wo sie ihre für die Entente so segensreiche Tätigkeit entfalten. Seine Warnungen gewinnen dadurch besonders an Wert. Die Erwiderung der Deutschen Zeitung" enthält das Geständnis, daß man feineswegs für die Gesamtheit der russischen Emigranten in Deutschland eintreten" fönne, betont aber nachdrücklich, daß ein fehr großer Teil von ihnen ehrliche Deutschenfreundschaft" hege. Die Deutsche Zeitung" befürchtet, daß die Ausführungen Renfels lediglich den Bolfchemisten zugute kommen fönnten.

Auch wir treten in der Behandlung des russischen Emigranten problems entschieden für Unterscheidungen und gegen Berallge­meinerungen ein. Wir wissen, daß von den Hunderttausenden ver­triebener oder geflüchteter Russen, die sich in Deutschland aufhalten, der größte Teil lediglich daran denkt, fern von jeder politischen Betätigung sich eine neue Eristenz zu bauen. Andere wiederum, mie die vertriebenen Menschemiti und Sozialrevolutionäre, legen entschieden Wert darauf, sich jeder Einmischung in die inner deutschen Verhältnisse zu enthalten. Aber es gibt meierlei Gruppen von Russen, deren politische Betätigung in Deutschland unbedingt verworfen werden muß. Das sind einmal die Boliche wifi, die in mehr oder minder engem Zusammenwirken mit der Botschaft und der Handelsvertretung attive tommunistische

Das Plakat.

Von Erich Gottgetreu .

Mein Buchhändler ist ein sehr anständiger Mensch und ein catsprechend schlechter Geschäftsmann, denn Geschäft und Charakter find zwei Dinge, die nur schwer miteinander zu vereinen sind.

Als sich die Raffles aller Schattierungen ihre Bibliotheken melerweise anschafften, benutzte mein Buchhändler nicht diese Ge­legenheit, seine alten Ladenhüter loszuwerden, sondern blieb seinen voltserzieherischen Grundsätzen treu; so unmodern anständig ist er. Jüngst zeigte er in seinem Schaufenster pazifistische Schriften. Um die Tendenz der Auslage noch zu verstärken, hing er ein großes Plakat aus dem Kriegsjahr 1916 ins Fenster. Auf diesem Plakat gibt der Magistrat der Stadt Berlin bekannt, daß jeder Bürger ouf den Abschnitt C der Lebensmittelfarte Nr. 28 ein halbes Pfund Sauerkohl faufen darf, vorausgesetzt, daß er Geld dazu und Appetit Idanach hat.

Die Hindenburglegende.

Delbrück gegen Bauer.

Wir haben vor mehreren Wochen anläßlich einer Cha rakteristik des Feldherrn Hindenburg , der von zahlreichen Militärfritifern nicht ernst genommen wird, u. a. auch darauf hingewiesen, daß General Ludendorff und Oberst Bauer ihren einstigen Oberbefehlshaber mit zynischer Offenheit als eine strategische Null entlaroten. Wir miesen auch darauf hin, daß Prof. Delbrüd, eine Autorität auf dem Gebiete der Militärwissenschaft, in seiner Schrift ,, Ludendorffs Selbst­porträt" die Aeußerung des Obersten Bauer über Hindenburg zitierte: ,, Wir haben dem Feldmarschall zuletzt gar nicht mehr gesagt, wo die Armeekorps it and en."

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Der Reichslandbund schimpft

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aber er entlastet sich nicht.

Dem Reichslandbund sind unsere Beröffentlichungen über den Kreditskandal des Landbundkonzerns" ordentlich auf die Nerven gefallen. Es ist schließlich keine Kleinigkeit, wenn durch das Verschulden prominenter Landbundführer die Reichsgetreidestelle um 355 000 Goldmarf erleichtert" wird. Der Reichslandbund sucht sich nun da durch aus der Affäre zu ziehen, daß er behauptet, der Land­bundkonzern sei eine Gegengründung entlassener Land­bundangestellter unter Mißbrauch des Namensgegen ge= wesen. Der Reichs- Landbund habe seinerzeit in aller Deffent­die Reichs Landbundgenossenschaften lichkeit vor dieser Neugründung gewarnt.

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Wenn trotzdem dem Landbundkonzern wesentliche Kredite zu­gebilligt worden sind, so trifft den Reichs- Landbund feinerlei Ber­antwortung dabei. Als dann der vom Reichs- Landbund voraus gesehene Zusammenbruch des Ronzerns erfolgte und dadurch die Landwirtschaft in vieler Beziehung schwer geschädigt zu werden drohte, griff der Reichs- Landbund ein. Nur unter schweren ma­teriellen Opfern von seiten der Reichs- Landbund- Ein- und Verkauf­A.-G. war eine Sanierung möglich."

Dazu stellen wir folgende Fragen:

Ist der deutschnationale Steuerstreitheger v. Nahmer, der dem Landbundkonzern vorstand, ein entlassener Land­bundangestellter"? War er nicht vielmehr eine Säule der Landbundbewegung in der Lausitz ?

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Welches Interesse hatte der Reichslandbund sonst Diese Aeußerung, die der Oberst Bauer im Frühjahr an dem Konzern, wenn er ihm nicht nahestand? Es ist doch 1919 anläßlich einer Unterhaltung mit Prof. Delbrück gemacht eine ungewöhnliche Sache, daß man einem von Anfang an hat, und deren Wiedergabe in der Delbrüdschen Schrift drei bankerotten Gegner noch 350 000 m. zuwendet, um ihn zu Jahre lang unwidersprochen blieb, wird nun vom Obersten sanieren". Oder fühlt sie der Reichslandbund etwa als Schutz­Bauer in der Weise ausgelegt, daß er versucht habe, Professor gesellschaft für bankerotte freiherrliche Kreditspekulanten? Delbrück flar zu machen, es sei nicht eine Hauptführerauficha ft", zu deren Vorteil der Reichslandbund angeblich die Welches Interesse hat schließlich die Landwirt. gabe", bei einem Heere von rund 170 Divisionen die Stellung shaft", aller einzelnen Divifionen im Kopfe zu haben. Mit Recht Sanierung vorgenommen hat, an dem Schuß derartiger fauler wendet sich nun Prof. Delbrück in der Boffischen Zeitung" Unternehmungen? gegen diesen Versuch Bauers, jest, nach der Wahl Hinden burgs zum Reichspräsidenten, seiner defpeftierlichen Aeuße rung eine harmlose Auslegung zu geben. Zugleich teilt Prof. Delbrüd einen Vorgang mit, der für die Mentalität der Wir begnügen uns vorerst mit diesen Fragen. Der militärischen Halbgötter außerordentlich charakteristisch ist. Reichslandbund, der so gern mit dem Vorwurf der Lüge um In seiner bereits erwähnten Broschüre hatte Prof. Delbrück fich wirft, wird wohl oder übel dazu Stellung nehmen müssen. auch die Mitteilung gemacht, daß Oberst Bauer Anfang Of- Im übrigen weisen wir darauf hin, daß das, was der Land­tober 1918 aus dem Hauptquartier nach Berlin gekommen bund einen ,, Borwärts"-Schwindel nennt, sich auf Angaben sei, um die sofortige Abberufung des Generals Ludendorff zu der Reichsregierung stüßt. An deren Adresse, speziell verlangen, da dieser total die Nerven verloren habe. Oberst an die des Landbundministers Graf Kanig würde sich also Bauer bestritt diese. Tatsache, und zwar in der merkwürdigen der Vorwurf des Schwindels richten. Ob das beabsichtigt war?

Am Abend nahm der Buchhändler das mißverstandene Plakat aus dem Fenster. Seit heute morgen geht er bereits mit der Idee um, den Laden zu verkaufen. Wie ich höre, soll ein Kneipwirt fchon lange auf ihn reflektieren.

Gastspiel Paul Wegener .

Der Schauspieler Paul Wegener fommt als Gast in das Theater am Kurfürstendamm . Die Berliner Theater­direktoren sind nicht imftande, ihn bei ihren Truppen zu halten. Er muß daher mit Künstlern, die er fleißig zusammenlieft, durch die Gaue ziehen. Man sieht ihn darum in Berlin beinahe wie einen geistig starken Wegenerschen Charakterisierungsart ist noch nichts Fremden an, der sich vorstellt. Nun, von der massiven und auch verloren gegangen. Er ist ein Schauspieler, der sich wohl diszipliniert, dann sogar, wenn er sich eines richtigen Schauspielerstückes be­mächtigt. Die dreiattige Familientragödie Jacqueline" von Sascha Guitry sammelt alles, was aufregend ins Bartett hinein­plazen lann. Es wird eine Gattin von ihrer Nebenbuhlerin er­schossen. Der Gatte, der als harter Ehetyrann diesen Skandal ver­schuldete, beschimpft die Tote noch über ihren Tod hinaus. Aber hell bricht er zusammen und wartet auf den Moment, da sich sein witwete Tyrann sucht Trost bei einem hübschen Mädchen, das er unverlöschlicher Haß in Berzweiflung umwandeln wird. Der ver­aus einem schlechten Hause befreit. Auch dieses verlorene Mädchen verläßt den Mann, der ihr grausig scheint. Dritter Aft, in dem die Aber dann gibt es auch Leute, die haben das alles wieder inzwischen freigesprochene Mörderin der verschwundenen Che­nergessen und sind beleidigt und nennen einem unpatriotisch, falls brecherin sich persönlich bemüht, um irgendwie den noch nicht er­man den Versuch macht, ihr Erinnerungsvermögen wieder aufzuweichten Weiberschrecken auf ihre Seite zu ziehen. Und der Mann, frischen. Wenn man sie se von der großen Zeit" reden hört, dann der sich geheilt glauble von seiner Unmenschlichkeit und Haltlosigkeit, erdrosselt mit seinen Händen die Frau, die im ersten Att die teure fónnte man manchmal verzweifeln. Gatim weggeknallt hatte. All diese Probleme können groß fein, fie fönnen auch nur Kolportage sein. Nach der ersten Hälfte des ersten Aktes, der den Kriminalinstinkt famos anspannt, merft man, daß es fich nur um Kolportage handelt.

Wir, die wir nicht nur die Deutsche Zeitung" und die Süd­deutschen Monatshefte" lesen, wissen, daß der Buchhändler mit feine Anschauungsunterricht sagen wollte, so schlecht waren die Menschen, sich das anzutun, so dumm, fich das gefallen zu lassen. Das Ergebnis? Zehn Millionen Tote aller Bölker! Was haben fie genügt? Nichts!

Gestern blieb ein plumper Fettwanst vor dem Fenster stehen. 2uf dem runden Bauch wippte eine schwere goldene Kette, justa ment so eine, wie wir sie seinerzeit in heller Begeisterung für Eisen und ein Gedenkblatt hergaben. An der schwulstigen Hand führte der feiste Mann einen zarten etwa zwölfjährigen Knaben.

Ja, Oskar, das waren schöne Zeiten damals. Aber sie kommen

wieder, sag ich dir, gerade menn du so weit bist. Die Schmach von Bersailles muß blutig gerächt werden. Unser tapferes Heer und unsere Chemiker werden's schon schaffen."

So sprach der Mann zum Buben. Der guckte vergnügt in die Belt und freute sich offensichtlich auf den frisch- fröhlichen Krieg. Der Buchhändler aber, der die Szene durch die Scheiben be. obachtet hatte, zog sich in die hinterste Ecke seines Ladens zurüt und meinte, meinte wie ein Kind, dem man erzählt hat, daß es vom Weihnachtsmann übergangen wird. Er weinte, wie nur ein Mensch meinen fann, dem plötzlich eine harte Erkenntnis aufge­gangen ist. Aus der einen Begebenheit glaubte er den Mißerfolg aller menschlichen Erziehungsarbeit sehen zu können, das Beispiel mar zu deutlich. Es müssen ja nicht immer gewaltige Ereignisse jein, die dem Menschen zum Erlebnis werden...

Aber Paul Wegener kann diese Mängel verwischen. Gerade, da er sehr gedrungen auf der Bühne steht und anzusehen ist, wie ein wirklich angsteinflößendes Ungeheuer, wird seine eigene Angst Der starke Mann, der jeinen außerordentlich überzeugend. Nebenmenschen nicht durch plöglich seinen Kleiderschrank, um die Zärtlichkeiten verwöhnt, verwöhnt, öffnet Gewänder der er­mordeten Gattin zu streicheln. Auch diese Szene ist von dem französischen Schauspieler und Dramatifer nach gutem Vorbilde ausgeflügelt und an sich ein falter Trid. Paul Wegener gibt der Szene aber eine höchft ursprüngliche Lebendigkeit. und selbst dann, wenn von dem Dramatiker nur noch die fomödian­tische Afrobatif gefordert wird, erzaubert Wegener den Schein von geschichte, die nur mit Hintertreppenironie nacherzählt werden darf, seelischen Vorgängen. So wurde schließlich doch eine Hintertreppen zum erschütternden Begebnis.

M. H.

Die Kunftausftelinng Der Sturm", Botsdamerfir. 134a, zeigt im Mai, Keramit der Hael- Berte und eine ausgewählte Gesamtschau aller Sturm­Handwebereten aus der Beristatt Hablit- Rindemann sowie expressionistische fünftler.

Wie kommt die Reichsgetreidestelle dazu, mit dieser Gesellschaft zu arbeiten, wenn hinter ihr nicht maß­gebende Führer der Landwirtschaft" standen?

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Luftspiel für Primitive. Die goldene Eva" spielt im 16. Jahrhundert ,, also zu einer Zeit, wo die deutsche Dramatik noch in den Kinderschuhen steckte. Die schöne und reiche, aber dammt noch mal bloß bürgerliche Goldschmiedsmitme giepert nach Standeserhöhung durch gräfliche Heirat. Moral: Hochmut fomint vor dem Fall. Der Fall"? Sie heiratet nicht den unmöglichen Grafen, sondern den neuen, den sympathischen Gesellen: Der In­halt die Ebenbürtigkeitsfrage ist, wie man sieht, von so be­flemmender Harmlosigkeit und von fo brennendem Interesse, daß man ihn läppisch nennen tönnte. Man befürchtet, die Berfasser stammten auch aus dem 16. Jahrhundert. Das jedoch ist eine irr tümliche Annahme. Sie gehören einer wir hofften schon ver­flungenen Gegenwart an: Hans v. Schönthan und rang ters Steglig darf man die Wahl des Stüdes nicht übel nehmen. Roppel- Ellfeld. Roppel Ellfeld. Dem Leiter des Schloßpart Thea Das Stegliger Kleinbürgertum, provinziell und primitiv, fühlt sich glücklich bei solcher Koft. Die Aufführung selbst unter Kirchners Leitung bewegt sich auf höchst anständigem Niveau. Otto Bra mis Gesell Peter ist eine fein ziselierte, durchdachte und lebensvolle Gestalt. Dgr.

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Eine neue Ebert- Büste hat die österreichische Bildhauerin Hart mann, die Witwe unseres Genossen Ludo Hartmann , soeben voil endet. Eine kleine nach der Natur gefertigte plastische Skizze liegt der vortrefflichen Arbeit zugrunde, die in überlebensgroßem Format schen Details wiedergibt. Besonders gelungen erscheint der energische die Züge des verstorbenen Reichspräsidenten mit allen charakteristi Ausdruck des Mundes und Kinns und das schönste an dem Wert der Blick der halbbeschatteten Augen. Der ganze Kopf ist von packender lebendiger Porträtähnlichkeit und darüber hinaus ein Sinnbild gesammelter Kraft. Schultern und Brust sind in weich aneinander gesetzten Flächen nur leise angedeutet, um den beherrschen­den Eindruck der Gesichtszüge nicht zu schmälern. Ein Bronzeabguß in der Größe des Originals wird bei Gladenbed ausgeführt werden. Daneben beabsichtigt man die Herstellung fleinerer Abgüffe in billigem Material, so daß auch minderbemittelten Republikanern die An­schaffung der Büste ermöglicht ist.

Bon der Expedition Amundsen. Nach dem jüngsten Funtsprud von Bord der Fram" droht dem ursprünglich für Mittwoch vor­gesehenen Aufstieg zum Nordpolflug ein Witterungsumschlag. Auf den Hochdruck im Polargebiet zwischen der Insel Spißbergen und dem Pol ist ein Tiefdruck aus dem Labrador gefolgt, der sich nach Norden, Süden und vielleicht auch nach dem Osten ausdehnen wird, so daß sich noch nicht überblicken läßt, ob das Tiefdrudgebiet sich bis zur Bolarzone erstrecken wird. Die Expedition erwartet noch die Hoffnung Ausdruck, daß der Witterungsumschlag sich auf den Süden Mitteilung der Wetterstation Grönland . Der Funtspruch gibt der beschränken und den geplanten Flug nicht beeinträchtigen werde. nehmen. Während 5 weitere Begleiter den Flug nur bis zum letzten fortgesetzt. An dem Polarflug werden im ganzen 6 Personen teil Die letzten Vorbereitungen zum Aufstieg werden inzwischen ruhig Aufstiegsplatz mitmachen.

Die Straße", Dichtung eines Jahrhunderts, heißt eine Matinee i Edith- Either Corten aus Dichtungen von Bügner, Heine, E. T. U. Hoffmanz Theater Die Tribune" am Sonntag, den 10. mai, 12 Uhr mittags, in der Hölderlin, Liliencron , Rietsche, Toller na lejen wird.