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machte und hinsichtlich der Aufrichtigkeit, mit der sie auch beabsichtige, thre Verhandlungen fortzusehen,

und er wolle bei dieser Gelegenheit hinzufügen, daß er nicht nur ihrer Aufrichtigkeit, sondern auch dem Mute und der Staatsfunft der Männer, die die fühne Initiative ergriffen, Anerkennung zolle.( Beifall) Chamberlain fuhr fort, diese Initiative fel der britischen Regierung als eine hoffnungsvollere Aussicht erschienen, als alles, was fich feit der Unterzeichnung des Versailler Bertrages ereignet habe. Sodann wiederholte er, daß die Verpflichtungen Englands auf bie Weſtgrenze beschränkt werden müßten, daß aber diese Verpflich tungen nicht ein einseitiges Bündnis sein dürften, sondern ein gegenseitiger Baft, unter den Mächten, deren frühere gleichzeitig mit dem Infrafttreten irgendwelcher gegenseitigen Ber­einbarungen dieser Art

Deutschland in den Bölkerbund eintreten und den ihm gebührenden Blag einnehmen, sowie den ihm zutommenden Einfluß im Rate der Welt ausüben

müßte.

Zum Schluß versprach Chamberlain, dem Parlamente volle Gelegenheit zu geben, vor der Ratifizierung irgend eines neuen Ber: trages durch die Regierung seine Meinung auszusprechen. Er bat um eine unparteiische und wohlwollende Erwägung dieser Vorschläge und fragte: Wer unter Ihnen hat mit Befriedigung die Gefchichte der legten 20 Jahre und wer unter Ihnen ohne Besorgnis bie Aussichten der Zukunft betrachten fönnen? Europa jei heute, sechs Jahre nach der Unterzeichnung des Friedens, immer noch in zwei Lager geteilt, die von Feindseligkeit und Mißtrauen er­füllt seien, einem Mißtrauen, das mit der Zeit nicht geringer, sondern größer werde, und das Gespenst des Ausbruchs eines fünftigen Krieges nehme nicht ab, sondern wachse. Chamberlain sagte, er wiederhole das, meil es ein grundlegender. Fattor der Lage sei.

Furcht beherrsche die Gemüter der Welt und die Haltung eines jeden Candes.

Unter den Siegern nicht weniger als unter den Besiegten bestehe die Psychose des Besiegten.

Jede der Nachkriegsregierungen in England habe versucht, einen Weg aus diefer Schwierigkeit zu finden. Jetzt biete fich eine neue Gelegenheit, vielleicht die lehte Gelegenheit, Sie fei aus einer deutschen Initiative entstanden und habe die freund lichste und verföhnlichste Aufnahme bei Frankreich gefunden.

Chamberlain begrüßte die Nachrichten über den Entschluß Frank­ reichs , das Ruhrgebiet zu dem festgesezten Termin zu räumen. ( Beifall.) Er schloß mit einem warmen Appell an das gesamte Bar­lament, an dem eingeleiteten Werke mitzuwirken.

Macdonald

fahloh fich Chamberlain in der Be glückwünschung Deutsch lands zu seinem sehr mutigen Schritte an, den es mit der Entsendung der Note an Frankreich getan habe. Auch er wandte fich scharf gegen den Gedanken der Isolierung. Er protestierte gegen jedes System separater Batte, bas Chamberlain vor zuschlagen scheine, da dies England automatisch in den Krieg ziehen würde. Chamberlain habe die Tatsache betont, daß Großbritannien nur an der Westgrenze garantiere. Es gebe jedoch feine berartige Beschräntung. Diese Garantie für die Westgrenze sei eine Garantie, die Großbritannien an einem euro­ päischen Kriege teilnehmen laffen würde. Er glaube nicht, daß die Westgrenze je die Ursache eines neuen europäischen Strieges fein werde. Angenommen jedoch, Rußland befomme Streit mit Polen und Frankreich ersuche, im Hinblick auf sein Defensivbündnis mit Polen Deutschland um ein Durchzugsrecht für seine Truppen nach Bolen. Wenn dann Rußland Deutschland warne, daß es die Erteilung der Durchzugserlaubnis als eine feindjelige Handlung auffassen würde, fo würde Deutschland gezwungen fein, entweder sich Frankreich zu widersehen oder den Drohungen Ruß­ lands gegenüberzutreten. Dies würde bedeuten, daß, weil ein Garantievertrag an der Westgrenze bestehe und meil Rußland im Kriege mit Polen sei, England in den europäischen Krieg eintreten müßte. Großbritannien würde nach der Bölterbundsayung oder nach dem Genfer Protokoll unter feiner Berpflichtung gestanden haben, bevor alle Arten von vorgesehenen Verfahren erschöpft worden seien.

Macdonald erklärte weiter, er stimme nicht mit Chamberlains Schlüffen über die Abrüstung überein und glaube nicht, daß irgend eine Nation je durch wirtschaftlichen Drud gezwungen werden würde, ihre Rüstungen zu vermindern, außer wenn eine Konfe­renz mit anderen Nationen einberufen und eine Vereinbarung erzielt werde. Chamberlain ermutige Gruppen pon Defensivbündnissen. Hier machte den Chamberlain 3wischenruf: Gruppen von gegenseitigen Garantiebündnissen". Macdonald sagte: Ich fann alle diese Unterscheidungen nicht jehen. Es ist wie die alte unterscheidung zwischen Offensiv und Defensiv. Chamberlain erwiderte: Es ist ein Unterschied zwischen Bündnissen gewisser Mächte gegen eine andere Macht oder Mächtegruppe und einer gegenseitigen Garantie zur friedlichen Rege lung von Streitigkeiten zwischen einer Gruppe von Mächten, die an einem besonderen Gebiet interessiert find." Macdonald fuhr fort: Chamberlain hätte ein Abrüftungsabkommen zu einem wesent­lichen Teil des Planes machen müffen, ebenso wie es zu einer wesentlichen Bedingung gemacht worden sei, daß Deutschland dem Bölkerbund beitreten müsse. Die Methode von Bündnissen sei nuglos, wenn der Frieden das Ziel sei. Reine Nation, die schwer arbeitende fluge Untertanen und große wirtschaft. liche Macht habe, fönne jemals lange niedergehalten werden. Er wolle eine britische Politit, teine selbst süchtige Poli­tit, sondern eine Weltpolitit, bie von England in Freund­schaft mit der gesamten Welt verfolgt werde.

In Beantwortung der Debatte fagte Chamberlain, er wisse nicht, ob irgendein Batt auf Großbritannien , Frankreich , Belgien und Deutschland beschränkt sein würde. Großbritannien habe zwar seine Berpflichtung und Garantie begrenzt, aber Großbritannien und, wie er sicher glaube, auch Frankreich , Belgien und Deutschland werden Italiens Teilnahme an dem westlichen Garantiepaft willkommen heißen. Chamberlain fagte ferner, England würde sich den anderen großen Mächten für jegliche Konferenz zur weiteren Einschränkung der See­rüftungen oder zur Verminderung der Landrüstungen an= schließen. Er glaube, daß, wenn die Mächte mit größeren Heeren erst einmal Gewißheit wegen ihrer Sicherheit hätten, es nicht unwahrscheinlich sein werde, daß sie die Initiative ergreifen und eine folche Abrüstungstonferenz einberufen oder den Bölker bund einladen würden, dies zu tun.

In Erwiderung auf eine Bemerkung Lloyd Georges über die Kölner Frage erklärt Chamberlain, er hoffe, daß Köln binnen einigen Monaten geräumt werde. Er wisse, daß es bei gutem Willen auf beiden Seiten geräumt werden fönne. Wenn ein Zweifel darüber bestehe, ob die Entwaffnungs bestimmungen erfüllt seien, von dem Augenblick an, wo die Militär­tontrolle in Deutschland zurückgezogen ist( was der Fall sein wird, wenn die Bestimmungen erfüllt sind, die England die Räumung Röins ermöglichen), bann bestimme der Bertrag, daß die Abrüstung Deutschlands unter die Aufsicht des Völkerbundes gestellt werden folle; es sei dann Sache des Bölferbundes zu entscheiden, ob die Bedingungen erfüllt find oder nicht.

Sowjetruffische Kriegsschiffe, zehn an der Bahl, liegen in Ropenhagen vor Anter. Drei dänische Militärflugzeuge trafen bald nach ihnen ein, um an der Südspige Lange Lands porläufig Aufenthalt zu nehmen.

Gegen die schwarz- weiß- rote Hungerblockade!

Gestern sind im Reichstag bei der ersten Lesung der Zollvorlage| hohen Zoll bringt die Gefahr mit sich, daß der Zollfaz an den Wert die Präludien der Schlacht der Voltsvertreter gegen die des Produktes herantommt, ja diesen übersteigt. Dadurch ist die Sollprojette der Junterregierung entbrannt. Die sozialdemokratische Einfuhr überflüssiger Startoffelmengen des Auslandes, die unferen Parteiorganisation in Wilmersdorf hatte aus diesem Anlaß eine Kartoffelpreis gegebenenfalls erheblich herunterdrücken fönnen, zur start besuchte Bersammlung in den Biftoriagarten" in der Unmöglichkeit gemacht. Aber nicht nur Getreide und Kartoffeln wer­den bezollt werden, wenn die Rechte ihre Pläne durchsezt, sondern Wilhelmsaue einberufen, in der die Reichstagsabgeordnete Genoffin überhaupt alles, was der Werftätige zum Leben braucht. Es foll Frau Klara Bohm Schuch über die Lebensmittel ein lückenloser Solltarif werden, ben die monarchistischen Hunger­teuerung und die Ausbeutung des arbeitenden attentäter beabsichtigen. Alles soll in die Taschen der Voltes sprach. Nachdem sich die stattliche Bersammlung zu Reaktion fließen. Diese Patrioten haben es ja immer glänzend Ehren des ermordeten Märtyrers der Republik , Walter Rathenau , verstanden, das Volk bis aufs Aeußerste auszufaugen. Jetzt wollen erhoben hatte, ergriff Genoffin Bohm- Schuch das Wort, um ein sie ihre geradezu empörende Ernährungspolitif bis zum unerträg­lebendiges Bild der fatastrophalen Folgen des schamlosen Aus- lichen Gipfel durchsetzen. hungerungssystems der Reaktion aufzuzeichnen.

Schon immer, so führte die Rednerin aus, hatten die Deutsch nationalen das Bestreben, ihre Aushungerungszölle durch Intrigen und Hintertreppenverhandlungen durchzufezen. Ihren jämmerlichen Umfall bei der Dames- Abstimmung ließen sich die arischen Shylocks durch Aussaugungskonzessionen am Bolte erkaufen. Das deutsche Bolf erhält jezt die schmerzliche Quittung dafür, sich seine Megger als Interessenhüter in den Reichstag bestellt zu haben. Mit der Aufwertung" hat man das Volk belogen und betrogen.( Stür­mische Beifallsfundgebungen.) Die hohen Zölle sollen angeblich die geeignete Basis für den Abschluß von Handelsverträgen fein. Das Gegenteil ist richtig. Betrachten wir einmal die Auswirkungen der von der Rechtsregierung geplanten Bölle. Beim Roggen ist pro Doppelzentner für das erste Jahr ein Mindeſtfaz von 3 M., für die späteren Jahre von 5 M. vorgesehen. Das bedeutet, daß das Kilo Roggen um 3 Groschen teurer werden wird. Die Getreidezölle treffen

am allerempfindlichsten die Minderbemittelfen, well gerabe bie ärmsten und finderreichsten Familien den stärksten Brotverbrauch haben. schwer um ihre nackte Existenz ringenden Familien unerschwinglich. Alle anderen Lebensmittel sind für diese Ein ungeheuerliches Unrecht ist es, welches das unersättliche Agrarier­tum an den Aermften des Boltes begehen will.( Stürmischer Beifall und Erregung.) Als eine Farce muß es bezeichnet werden, wenn das Getreidezollgefeß eine stärkere Bezahlung des weißen Mehls vor­fieht. Die Kartoffelzölle sehen eine Erhöhung des Doppelzentners Kartoffeln um 4 M. vor. Die Belegung gerade dieses für die breiten Maffen des Boltes so notwendigen Lebensmittels mit einem sehr

Bananenschalen und Kirschkerne.

Das Fleisch der Bananen ist wohlschmeckend und nahrhaft und daher bei jung und alt beliebt. Die Bananenschalen sind ungenieß­bar; doch schuf sie die Natur vielleicht in weiser Borsicht, damit man das weiche flebrige Fruchtfleisch beim Verspeisen halten fann, ohne sich die Finger zu beschmuzen. Ist es perzehrt, so sind die Schalen völlig wertlos und man vermeidet eine unnötige Belastung, wenn man sich auf der Stelle ihrer entledigt. Da man Bananen gern unterwegs verspeist, so wirft man die Schalen zweckmäßig auf den Bürgersteig. Sollte man bie Früchte aber auch mit in die Wohnung nehmen, so lassen sich die Schalen mit Leichtigkeit aus dem Fenster oder vom Ballon auf die Straße befördern. Dort bilden fie eine Art Aufmerksamkeitsprüfung für die Bassanten. Im allgemeinen werden nur alte Leute, Elige und fleine Kinder sie nicht bestehen, sofern die Früchte noch in schönem Gelb leuchteten. Waren fie aber schon über­reif und ihre Schalen braunschwarz, so wird die Anzahl berer, bie darüber ausgleiten, beträchtlich größer sein. Doch sicherlich werden alle aufrichtige Dankbarkeit für die Spender der Schalen empfinden, die so menschenfreundlich ihre Mitbürger zur Aufmerksamkeit auf der Straße erziehen. Sollte trotzdem diejer oder jener andere Gefühle gegen fie begen, so ift er nur auf die jetzt beginnende. Kirschenzeit hingewiesen. Wie will er ungefährdet die Kerne und faulen Früchte umgehen, die die Straße schmücken, wenn er nicht vorher am größeren Objekt, an den Bananenschalen, seine Geschicklichkeit übte!

Protefte der Hebammen.

Der Deutsche Hebammenbund, der dem Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter angeschlossen ist, hatte gestern seine Mitglieder zu einer Bersammlung nach der Ludauer Straße ein berufen. Auf dem Programm stand ein Vortrag des Rechtsanwalts Dr. Bahn über die Gefahren des§ 219 für die Hebammen( Bei­hilfe zur Abtreibung). Rechtsanwalt Dr. Bahn behandelte diesen Baragraphen in Zusammenhang mit dem§ 218 und führte an Hand eines fehr reichhaltigen Materials, Berurteilungen, Berhaftungen usm., die Gefährlichkeit gerade dieser Paragraphen für die Heb­ammen vor Augen. Fast teine Woche vergeht, wo nicht Hebammen verhaftet oder verurteilt werden. Er wies darauf hin, daß die Heb­ammen feine Vorsichtsmaßregeln außer Acht lassen sollen, die sie bavor schüßen, unter dem Berdacht der Beihilfe zur Abtreibung Eingriffe getan zu haben. Schutzlos stehen die Hebammen diesen Paragraphen gegenüber. Die Abtreibungen haben seit 1870, ganz besonders aber nach dem Kriege, unendlich zugenommen. In der Hauptsache bedingt durch die sozialen Berhältnisse, die Wohnungsnot usw. Wenn vor dem Krieg in den oberen Kreisen die Wohnungsnot usw. Wenn vor dem Krieg in den oberen Kreisen das von Frankreich übernommene Zweifindersystem schon üblich war, so hat auch heute das Proletariat über dieses System hinaus längst den Kinderfegen eingeschränkt oder ganz einstellen müssen. Ein Paragraph aber, der nicht perhindern kann, was er bestraft, Ein Paragraph aber, der nicht perhindern tann, was er bestraft, hat seine Daseinsberechtigung verloren. Mit aller Macht muß dafür gefämpft werden, daß diese verschwinden, die so ungeheures Elend getämpft werden, daß diese verschwinden, die so ungeheures Clend auf Tausende von Familien, Frauen, Hebammen und Aerzte her­aufbeschmören.

Unglücksfall eines Sprungkünstlers.

Gestern abend verunglückte im Ulap am Lehrter Bahnhof bei seinem ersten Debut der obesspringer Cliff Aeros , ber pon cinem 30 Meter hohen Mast den Feuersprung mit einem vierfachen Saltemortale ausführen wollte. Das Unglück geschah dadurch, daß die etwa 20 meter lange Bahn start mit Tau belegt war und so dem Springer feinen Widerstand bot. Cliff Aeros hat eine starke Hüftverlegung davongetragen und liegt augenblicklich bewußtlos im Krankenhaus.

Künstlerfest im Lunapark.

Daß Berlin zu wenig Geschmad, nicht genügend Zeit, Geist und Lust befigt, um wirklich feste feiern zu können, hat der letzte Winter bewiesen. Und nun feiert man Sommerfeste, die ebenso ohne Kultur sind, deren Luftigkeit auf den Beobachter wieder krampfhaft Künstlerfest geladen wird, dann erwartet es von vornherein und verzerrt wirft. Wenn das Publikum obendrein zu einem etwas ganz Besonderes. In dieser Beziehung dürften viele Besucher des Lunaparts enttäuscht gewesen sein, als sie sich zum Künstlerfest der Deutschen Bühnengenossenschaft einfanden. der Deutschen Bühnengenossenschaft einfanden. Das schöne Better hatte Tausende hinausgelockt, oder war es bloß die Das harmlose Aussicht, ein Automobil gewinnen zu fönnen?! Brogramm fand mehr oder weniger Beifall, je nach der Anspruchs losigkeit der Gäste: Holländer dirigierte mit Schmiß seinen Traumwalzer und wurde lebhaft applaudiert; ben Einzug der Clowns fah man mit gemischten Gefühlen; am meisten amüsierte die Filmaufnahme unter Mitwirkung des Publifums, bie natürlich nicht edyt war, Kammerfänger Egenieff sang mit dem Orchester des Lunaparts, und das Staatsballett tanzte, darunter die Grube, Terpis und Harald Kreuzberg, von bunten Scheinwerfern über alles im Freien. Zum Schluß wurden noch lebende goffen Stulpturen gestellt. Der Chor der Brominenten" bildete den cin= zigen Konner des Publifums mit den Prominenten, die spärlich

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Bas babsichtigt man alles zu verzollen? Den Reis, der immer mehr zu einem wichtigen Bolfsernährungsmittel geworden ist, die Hülsenfrüchte, das Schmalz, das Obst, dessen unsere unter­ernährten Arbeiterfinder so bitter dringend benötigen, das Gefrier­fleisch, mit dem sich der schwer arbeitende Proletarier für seine zermürbende Arbeit notdürftig stärkt. Ein unerhörtes Ver­brechen will die jeder Strupel bare Reaktion inszenieren. Ihr ist jedes Mittel, auch das der Verelendung des Boltes, recht, um ben Staat wieder in die Hände zu bekommen.

Die deutsche Ernährung muß vom Ausland unabhängig ge­macht werden, sagen die Schwarzweißroten. Welch lächerlicher Schwindel, mit dem man seinen verbrecherischen Egoismus be. mäntein will! Es gilt, das Bolt aus seiner Lethargie aufzurütteln. Kampf den Aushungerungsattentätern mit allen parlamentarischen Mitteln, entschiedenster Kampf auf der ganzen Linie, das ist unsere Barole.( Wiederholte stürmische Beifallskundgebungen.)

Nach einer furzen Diskussion, in der n. a. auch eine Kom­munistin sprach, wurde nach einem Schlußwort der Genossin Bohm­Schuch folgende, spontan aus der Mitte der Bersammlung gestellte Entschließung

angenommen:

Die am 24. Juni im Bittoriagarten" Wilmersdorf von der Sozialdemokratie einberufene öffentliche Versammlung protestiert gegen die schamlose Ausbeutung des arbeitenden Wolfes, die sich schon feht in der ungeheuren Berfeuerung der Lebensmittel auswirkt. Die Bersammlung erwartet vom Reichstag, insbesondere von der Sozialdemokratie, daß sie die jetzt eingebrachte Zollvorlage mit allen parlamentarischen Mitteln zu Fall bringt, um eine völlige Ver­elendung des schaffenden Volkes zu verhindern."

vertreten maren, obwohl die erlesensten Namen angefündigt waren. Nach einem Galafeuerwert" versant der fühle Lunapark mit seinen prächtigen Terraffen in Dunkelheit und Stille.

Mit dem Zeppelin zum Nordpol ?

Der Erbauer des nach Amerita abgelieferten Zeppelins, Dr. Edener, verfolgt seit längerer Zeit den Plan, mit einem 3eppelinluftschiff nach dem Nordpol zu fliegen. Die Abficht hat jetzt greifbare Gestalt angenommen. Heute mittag be­gannen im Reichsverfehrsministerium Besprechungen mit Dr. Edener. Wie verlautet, soll er bereits mit Amundsen in Verbindung stehen, um mit diesem gemeinsam eine Erpe­bition auszurüften. Amundsen ist diesem Bẞlan nicht abgeneigt, um so mehr, als die von deutschen Firmen gelieferten Flugzeuge und Meßgeräte, bie er bei seiner legten Expedition benutzte, ihn in polistem Maße befriedigten.

Berliner Turn- und Sportwoche.

Der 4. Tag brachte auf Beranlassung der Turngemeinde Ber­einigung Berliner Lehrer die Berliner Knabengemeinde­[ chulen auf dem Tiergartensportplag zu einem großen Sport­e ft. 60 Berliner Gemeindeschulen hatten je 10 ihrer besten Turner zu der Beranstaltung gesandt. Die Spiele gingen in schneller Folge bor fich. Es galt im Laufen, Springen und Werfen das Beste her­zugeben, um den Wanderpreis der Stadt Berlin zu er­ringen. Aus diesen volkstümlichen Wettkämpfen ging die 31. Ge­meinbeschule Charlottenburg als erster Sieger und die 17. Ge­meindeschule Charlottenburg als zweiter Steger hervor. dritte Preis, eine vom Oberbürgermeister geftiftete Platette, bie der beften Läufermannschaft zufallen sollte, ging an die 17. Ge­meindeschule Charlottenburg .

Der

Einweihung der ersten schwimmenden Jugendherberge. An der Tiergartenschleuse wurde gestern im Beisein des Ober­bürgermeisters Boß und Vertretern der Staats- und Stadtbehörden die erste schwimmende Jugendherberge eingeweiht. Die schwimmende Herberge follte auf Reparationstoften an Frankreich abgeliefert werden, genügte aber nicht den Ansprüchen des franzö­schen Abnahmekontrolleurs. Das Schiff wurde umgebaut und der Jugend nutzbar gemacht. Der Zweck diefes Riefenfahnes ist, Jugend­wandernden aus allen Teilen des Reiches Nachtquartier zu gewähren und einen längeren, fast to stenlosen Aufenthalt zu bieten. Der Kahri ist 50 Meter lang und hat eine Breite von 5 Metern. Er bietet hundert Personen Schlafgelegenheit. Die Innen­ausstattung entspricht allen modernen Anforderungen. Wasser­feitungen, Borratsräume, Aufenthaltsräume fowie die Wohnräume für den ständigen Schiffswart find hell und luftig. Das Dea bietet auch bei schlechtem Wetter einen guten Aufenthaltsort. Stadt­fchulrat Reimann hielt die Taufrede und taufte die Jugend­herberge auf den Namen des Oberbürgermeisters.

Aus Feuersgefahr gerettet. Heute früh 3 Uhr brach in der Werkstatt des Tischlers Otto Heder in Treptow , Elfen str. 89, Feuer aus. Infolge der starten Rauchentmidlung war der crfte Stod nicht mehr zu erreichen. Dort befanden sich fünf Kinder der Familie Kremin im Alter von 2 bis 7 Jahren in Lebensgefahr. 3 mei Schupobeamte des Reviers 789 fletterten vom Hof aus über das Dach und holten die Kinder durch das Fenster aus der Wohnung. Die Feuerwehr konnte den Brand sehr rasch löschen. Der Brandschaden ist gering.

Der blaue Heinrich", der allabendlich die Besucher des Rose= Theaters erfreut, ist ein Graf, der außer feinem Dünfel eine gewaltige Schuldenlast und eine sehr schöne, wohlerzogene Tochter hat. Diese versteht der Herr Papa, zum Leibwefen der mitbeteiligten Schwiegersöhne, wirklich gut zu verheiraten. Schließlich landet Olympia , bie bewußte Tochter, im dritten Att bei ihrem dritten Mann, einem Tierbändiger, der selbstgewählt und nach ihrem Ge­fchmad ist. Der gräfliche Herr Bapa hat endgültig die Rolle des Weltanschauungen und Erziehungsmethoden haben die Schwank Tyrannen ausgefpielt. Das Aufeinanderplatzen der verschiedenen verfasser Otto Schwark und Georg Lengbach vornehmlich auf Situationsfomit zugeschnitten. Das nahm das Rose- Theater aus giebig wahr. So entfesselte namentlich Mar Tobien als Auguſt Schulze beim Publikum Bachstürme, die erst in den Pausen lang­lam verebbten. Ebenso taten alle anderen Darsteller das Ihre, um die Zuschauer herzlich lachen zu machen, was ihnen durch freudigen die Zuschauer herzlich lachen zu machen, was ihnen durch freudigen Beifall gelohnt wurde.

Uuläßlich der Uebergabe des Brandenburger Afers an den Berein ge­werblicher Motorschiffbefizer Groß- Berlins findet am Montag, 29. Juni, eine volkstümliche Einweihungsfahrt des Motorschiff- Geschwaders( 75 moderne Schiffe) unter Zeilnahme der zuständigen Behörden und Presse ab Brandenburger Ufer( Sannewigbrüde) nach Grünau / Mart statt. Abfahrt 2, Uhr. Der Einheitspreis für Hin und Rüdfabit, Konzert, Ball, Feuer­wert usw. ist auf 50 Bf. festgelegt worden, so daß den breitesten Berliner Boltstreifen Gelegenheit geboten wird, einen gennßreichen Nachmittag un bend an den herrlichen See- und Waldgestaden Grünaus zu perleben.