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Verhandlung ausgegeben ha!, ist ohne praktische Bedeutung. Selbst wenn man annehmet: darf, daß dies die Richtlinien ihres zurzeit den Posten des Außenministers bekleidenden Vor- fitzenden sind. Die Deutschnationalen haben bereits an diesen Richtlinien Kritik geübt, und wir wissen nicht, welche Stellung sie in Wirklichkeit zurzeit einnehmen oder gar einnehmen werden, wenn man einmal aus dem Stadium der Vorecörte- rungen herausgekommen sein wird. Wir wissen nur, daß sie jetzt keine Debatte im Reichstag wünschen, weil sie sich nicht festlegen wollen, besonders nicht, solange sie keine Gewißheit über dasSchicksaldesZolltarifs haben. Sie werden den Sicherheitspakt, der die Grenzen des Versailler Vertrages noch einmal festlegt, nur unterschreiben, wenn sie ihre Zölle erhalten. Selbst wenn sie sie erhalten haben, ist es noch keines- wegs sicher, ob sie Herrn Stresemann zu Willen sein werden. Erst die Zahlung, über die Leistung wird man nachher sprechen. Kann unter diesen Umständen die Notwendigkeit einer parlamentarischen Debatte überhaupt noch irgendjemandem zweifelhaft sein? Herr Fehrenbach sucht die Ablehnung des Zentrums mit der Bemerkung zu rechtfertigen, daß eine Diskussion vor Absendung der Note unter Umständen außen- politische Schwierigkeiten mit sich bringen könnte. Eine Ver- legenheitsausrede. Denn wenn eine Ausspräche Gefahren in sich birgt, so sind sie nicht geringer nach der Ueberreichung des deutschen Schriftstücks als vorher. Niemand verlangt ja auch, daß die Note etwa in ihrem Wortlaut im Reichstag besprochen und von ihm gebilligt werden müsse. Waswirforoern, i st nur KlarheitüberdieAbsichtenderRe gie­rung, KlarheitüberdenWillenderParteien, die angeblich oder in Wirklichkeit hinter ihr st e h e n. Solange die nicht vorhanden ist, wird man auch bei den internationalen Verhandlungen immer auf neue Schmie- rigkeiten stoßen, denn das Mißtrauen der Gegenkontrahenten gegenüber dem Wert der Erklärungen und der Unterschrift des Herrn Stresemann wird schwer zu überwinden sein. Die Räu- mung der nördlichen Rheinlandzone, die Vorbereitung einer Abrüstung unserer ehemaligen Kriegsgegner, die Schaffung einer vernünftigen Derständigungsbasis für die Nationen Europas olles dos und noch mehr wird hinausgeschoben, weil das Kabinett Luther um seiner Existenz willen eine Positik im Dunkeln treibt. Luthers Galgenfrist. Sleltestenrat erst Mittwoch 1 Uhr. In der stürmischen Geschäftsordnungsdebatte am Sonn- abend war mitgeteilt worden, daß der Reichskanzler Dr. L u th e r bereit fei, am Dienstag im Aeltcstenrat über die Gründe seines Schweigens zu sprechen. Mittlerweile ist die Sitzung des A e l t e st e n r a t s auf Wunsch des Reichskanzlers um vierundzwanzig Stunden ve r s ch o b e n worden, sie soll erst Mittwoch um 1 Uhr stattfinden. Mittwoch tritt aber auch schon um 1l) Uhr vormittags der Auswärtige Ausschuß zusammen. Ursprünglich war er auf diesen Tag einberufen worden, um, wie die Sozialdemo- traten, angeregt hatten, das Handelsprovisorium mit Groß- Britannien und andere Wirtschaftsabkommen für die Beratung im Plenum reif zu machen. Damals aber, als der Auswärtige Ausschuß zum letztenmal auseinanderging, galt es als ausge- iMOurcht. daß die P a k t po l i t i k in öffentlicher Reichstags- debatte erörtert werden solle. Da inzwischen die bekannte Wendung eingetreten ist, sieht sich der Auswärtige Ausschuß einer sogenanntenneuen Lage" gegenüber, die zur Be- sprechung geradezu herausfordert. Diesozialdemokra- tische R e i ch s t a g sf ra kti o n hat daher auch am Montag an den Borsitzenden des Auswärti- gen Ausschusse? ein Schreiben gerichtet, in dem sie, unbeschadet der Erörterung im Aeltestenrat auf die Notwendigkeit einer Aussprache im Auswärtigen Ausschuß hin- weist.

Der Kampf um öen Finanzausgleich. Reichsrat gegen Regierung. Die Stellung der Sozial- demokratie. Im Steuerausschuß des Reichstags ist es in den letzten Tagen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Finanz mini st ern der Länder und der Reichsregie- rung gekommen. Es handelt sich dabei nicht nur um die Frage, ob die Länder und Gemeinden die ihnen seit Iahren von den bürgerlichen Parteien versprochene steuerliche Selbständigkeit erhalten sollen, sondern auch um die Höhe ihrerLlnteile an den Reichssteuern. Bsrschärst wurde dieser sachliche Gegensatz durch das Verhalten der Regierungsparteien und der Reichsregierung, die einen völligen Umschwung ihrer Haltung ohne Kenntnis der Länder vornahmen. Der Gesetzentwurf der Regierung über den F i- n a n z a u s g l e'i ch sah vor, daß Länder und Gemeinden vom 1. April 1926 ab ein unbeschränktes Zuschlags- r e ch t zur Einkommen- und Körperschaftssteuer erhalten. Bis dahin sollten die Länder nach dem Porschlage der Reichs- r e g i e r u n g an der Einkommen- und Körperschastssteuer mit 7S, an der Umsatzsteuer mit 20 Proz. beteiligt sein, während der R e i ch s r a t eine Beteiligung von 90, bzw. 20 Proz. ver- langte. Beim Beginn der allgemeinen Aussprache über den Finanzausgleich mußten die Länder zu ihrem Erstaunen wahrnehmen, daß ihre treuesten Bundesgenossen sie im Stiche lieben, und daß allein die Bayerische Volkspartei für die steuerliche Selbständigkeit der Länder eintrat, während alle anderen Parteien, an der Spitze die Deutschnationalen, sie auf das schärfste bekämpften. Sie versüßten das zwar mit der Be- merkung, daß man später über die Frage des Zuschlagsrechts noch verhandeln könne, ließen aber keinen Zweifel daran, daß von einer Verwirklichung der früheren vollen Selbständigkeit nicht mehr die Rede sein könne. Hatte das bereits, was begreiflich ist, zu einer scharfen Rede des preußischen Fi nanzmini st ers geführt, so wurde die Verstimmung noch vergrößert, weil die Regie- rungsparteien statt der Regierungsvorlage einen von der Rcichsregierung ausgearbeiteten neuen Entwurf den Verhandlungen zugrunde legten, der dem Reichsrat und den Oppositionsparteien völlig unbekannt war. In diesem Entwurf ist vorgesehen, 1. daß die Beteiligung der Länder an den Reichssteuern nach dem Vorschlage der Reichsregie- rung erfolgen, 2. daß die Frage des Z u s ch l a g s r e ch t s bis 1 927 vertagt wird und 3. daß zuvor olle Unter- lagen vorliegen müssen, die eine genaue Nachprü- sung des Finanzgebarens von Ländern und Ge- meinden ermöglicht. Diese letzte Forderung, die tief in die Rechte der Länder und in die Selbstverwaltung der Gemeinden eingreift, stieß auf den erbitterten Wider st and der Länder. Und wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Rechtsparteien in der doch gar nicht soweit zurückliegenden Zeit ihrer Opposition den heftigsten Kampf gegen solcheUebergriffe" undAn- maßungen" des Reichs geführt haben, so wird man nicht ab- streiten können, daß der plötzliche Gesinnungs- Wechsel und die Form seiner Durchführung auf Widerstand stoßen müßte. Das scharfe Auftreten der Länder hat die Regierungs- Parteien. und die Reichsregisrung zu einem kleinen Ent- gegentömmen veranlaßt. In der gestrigen Sitzung des Steuerausschusses ist beschlossen worden, daß der Allteil der Länder an der Umsatzsteuer bis zum 31. März 1926 3 S und später 30 Proz. beträgt. Soweit also haben die Länder gesiegt und das Unannehmbar der Reichsregierung zu- Nichte gemacht. Der Konflikt selbst ist damit noch nicht beendet. Im Namen des Reichsrats hat der preußische Finanzminister im Steuerausschuß erklärt, man wolle vorläufig den Versuch einer Verständigung machen und behalten sich deshalb die Stellung für die zweite Lesung vor. Die Sozialdemokratie hat sich im Steuerausschuß

bei der Austragung dieses Konfliktes zunächst neutral ver, halten. Auch sie ist durch das Vorgehen der Regierungs- Parteien vor vollendete Tarsachen gestellt worden. Ihre Stellungnahme zur Höhe der Beteiligung an den Reichssteuern aber hängt von der Gestaltung der Hauszinssteuer, der Er- Mäßigung der Umsatzsteuer und der Höhe der Lasten ab, die Länder und Gemeinden durch die Reichsgesetzgebung auferlegt werden. Au f keinem Fall gedenkt die Sozial- demokratie dazu beizutragen, daß durch eine Kürzung der Sreuerüberweisungen an die Länder und Gemeinden die Hauszins st euer erhöhtoderdiesozialenundkulturellenAus- gabenderLänderundGemeindenbeeinträch- tigt werden. So wenig sie partikularistische Neigungen der Länder zu fördern gewillt ist, so wenig wird sie auch die reaktionäre Absicht fördern,. die sich in dem Vorgehen der Reichsregierung und der Regierungsparteien deutlich er- kennen läßt. 4- In der fortgesetzten Debatte über den Finanzausgleich am Montag gab der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Zlschosf namens der Länder eine Erklärung ab, die sich gegen den Antrag der Regierungsparteien wendet. Keine Annahme werde es den Ländern und Gemeinden unmöglich machen, ihre Haushaltspläne ms Gleichgewicht zu bringen, wenn sie nicht die R-aifteuern in einem lue die Wirtjchast unerträglichen Maße anspannen sollen..er Antrag enthalte außerdem Bestimmungen, die die Finanzhoheit und Selbst- Verwaltung einschränken und nach der Meinung der Oänder rnch. durchführbar sind. In der ersten Lesung würden die Lander aus weitere grundsätzliche Ausführungen verzichten.._, Der Antrag der Regierungsparteien will, daß vom 1. Oktober 1925 ab die Länder 75 Proz. der Einkommen- und Korpelschasts- steucr und 30 Proz. der Umsatzsteuer erhalten. Abg. Dr. Zische:. Köln(Dem.) beantragt, das gegenwärtige Beteiligungsvcrholmis 90 Proz. bei der Einkommensteuer und 20 Proz. Umsatzsteuer bis zum ZI. März 1926 ausrcchtzüerhalten. Reichsfinanzminister v. Schlieben erklärt, daß an der Beteil!» gung des Reichs in höhe von 25 Proz. bei der Elnkommonsteuer nicht gerüttelt werden dürfe. E» fei aber zu erwägen,- ab rncht durch die Erhöhung bei der Beteiligung an der Umsatzsteuer e,n Aus- gleich geschaffen werden könne. Auch Staatssekretär Dr. Popitz be> zeichnet den demokratischen Antrag als unannehmbar. iie Regierungsparkcien mit Ausnahme der Bayerischen Bolkspartei und der Wiktschastspartei beantragen, daß der Anteil der Länder an der Umsatzsteuer in der Zeil vom 1. Oktober 1925 bis 31. Marz 1926 au? 35 Proz., von da ab auf 30 Proz. festgesetzt werde. Die Bayerisch ;} Voltsparlei beantragt, die Beteiligung an der Einkommensteuer auf 90 Proz. festzusetzen.,,_,. Die Sozialdemokraten und Demokraten verlangten Aussetzung der Abstimmung, damit die Verhandlungen Zwischen dem Reich und den Ländern sortgesetzt werden könnten. Der Antrag wurde o bgelehnt. Angenommen wurde der Antrag der Regierung?. Parteien, wonach die Länder und Gemeinden an der Einkommen- fleuer tnil 75 Proz an der Ilmsatzsteuer mit 35 proz. und vom 1. April 1926 ab mit 30 Proz. beteiligt sind. Eine längere Debatte entspann sich über den 8 ä des Antrages der Regierungsparteien, der die Länder berechtigt, den Genieindcn die Anteile an der Einkommensteurr zukürzen. angenommen.

_____ unter gewissen Voraussetzungen Gegen die Stimmen der Linken wurde der Antrag

Die Gböuktionsärzte berichtigen sich. Absichtliche oder akzidentelle Selbsttötung? Im hÄfle-Ausschuß wurden gestern wieder pie drei obduzierenden Aerzte. Dr. Straßmann. �Dr. Störmer und Dr. kv per vernommen, die selbst in Aussicht gestellt hatten, die Schlußsätze ihres Gutachtens, wonach a b fi chtl i ch e selb st- t ö t u n g vorliege, zu korrigieren. Sie taten dies recht zögernd und widerwillig. Besonders Dr. Straß mann erklärte, die Absicht der Selbsttötung sei das Wahrscheinlicher«, obwohl auch er u n ab- sichtlich« Selbsttötung als möglich zugab. Dr. Störmer meinte, die Selbsttötunq sei in einem Zustande seelischer Depression«rsolgr. die ein« freie Willensbestimmung ausschloß. Dr. Kipper änderte sein Gutachten dahin, daß er jetzt eine chronische Dcrgijtung an- nehme, und nicht mehr eine akute. Darüber gab es eine länger« wissenschaftliche Debatte, namentlich mit den Sachverständigen:

Mein Nachbar hat ein Grammophon. Don Iwan heilbut. Mein Zimmernachbar hat ein Grammophon. Am Sonntag, von morgens Halbzehn bis abends um sieben läßt er es spielen. Er entschädigt sich dann gewissermaßen für die strenge Arbeitswoche. Denn am Montag und Donnerstag muh er kegeln, am Dienstag boxt er. ain Mittwoch und Sonnabend fingt er im Bund: und am Frettag ist Kartenabend..Die Reihe geht um,' sagen die Leute von kiesen Kartenabenden. Wenn also die Reihe an meinem Nachbar ist, tagt sein Verein in der Stube, die rechts an die meinige grenzt. Und während sie sich bemogeln mit ihren Damen, Buben und Königen, bei Becherklang und Geschrei läuft die arme Platte ruhlos immer im Kreise herum. Uebrigens er hat nur diese eine, ober sie macht auf beiden Seiten Musik. Und zwar ist diesseits der chohenfriedc- bergcr«instudiert, jenseits aber das Intcrmerro sinfonico au» Cavtileria rusticana. Indessen wiederholen sich diese Kartenabende nur in Abständen von Monaten. Alle in Berracht kommenden Frei- rage sind auf meinem Kalender schwarz umrandet, damit das Konzert mich vorbereicet das heißt: nicht zu Hause findet. Aber am Sonntag sitze ich gern zu Hause. Run mache mir das aber Einer vor; neben diesem Schreihals von Trichter! Eine Menschenkehlc wird doch wenigstens heiser solch ein Schallrohr nie! Neulich, an einem Sonnabendnachmittag wußte ich's einzu- richten, daß mein Nachbar mich in seine Stube lud. Wir sprachen r-on den Fortschritten der Technik, von Straßenbahnbremsen, Rotor- schissen... und da kam ich denn sachte auf das Grammophon zu plaudern, diese prächtige Erfindung des Menschengeistcs!Ein 'chöner Apparat", sagte ich, nahm die Platte von der Walze, besah mir den Hohcnfriedebergcr Marsch in der musikalischen Stenographie: dann drehte ich die Platte um und da nun. und da siel sie mir aus den Händen. 0," sagte ich und zog sogleich meine Geldtasche hervor,sie ist wohl entzwei.' Aber leider war sie nicht in lausend Teile zerschlagen, sondern hatte nur einen Sprung abge- kriegt. Ich biß mir ärgerlich die Lippen. Er hielt die Platte in Händen und untersuchte. Ich sagte:Nehmen Sie', und streckte ihm einige Scheine hin,und ich rate Ihnen: Kaufen Sie einen Radio» Hörer statt einer neuen Platte.' ,.Jwo.' meinte er,damit läßt sich noch Musik« machen, behalten Sie nur Ihr Pflaster auf das Malheur! Aufgepaßt!' Er tat die Platte auf die Filzscheibe, lchraubte eine neue Nadel ein Hurra, da ging's los. der Hohen- incdberger: und jedesmal, wenn die Nadel über den Sprung ilreifte. krachte es, knack. Ich berechnete schan nach den Zeitobständen: Zetzt kommt er, der Knack... knack... und in meinem Gehirne knackte es mit. Mein Nachbar oeravschicdetc sich, um in den Sängerbund zu gehen: denn es war Sonnabend. Ich blieb zu Hause. Morgen ist Sonntag. Bei der Lampe rechnete ich au», wieviel Male derKnack' am Sonntag von morgens halb zehn bis bis abends um sieben sich

wiederholen würde. Mit diesemungefähren Ueberschlag' so nennen die Kaufleute solch ein« Kalkulation, kam ich nicht zu Ende. Aber es stand fest, daß mein Gehirn selber am Sonntagabend eben- falls einenKnack' haben würde. Da beschloß ich. am nächsten Tage einen Ausflug ins Freie zu unternehmen und legte mich zeitig schlafen. Aber der Morgen war regnerisch, die Sonne wollte nicht kommen... sie wußte wohl nicht, daß Sonntag war. Endlich, als die Stund« schlug die ersten Takte knackten bereits nahm ich den Hut, ging durch den Regen und trat erst gegen Mittag in eine Wirtschaft ein. Ich ging sogleich ans Büfett und fragte, ob gute Musik zu hören wäre etwa Orchestrion? Oder vielleicht ein Grammophon?Nein, leider nichts dergleichen,' anwortcte die freundliche Wirtin. Und zu ihrer Ueber- raschung war die Folge ihrer Antwort, daß ich mich an einem der kleinen Tische niederließ. Dort habe ich zum ersten Male in meinem Leben mich zu betrinken oersucht. Wie unanständig sagen Sic? Bitte, schenken Sie ihrem Zimmernachbar ein« doppelseitig« schab- hoste Platte nur eine einzige, dos ist der springend« Punkt bei dieser gesprungenen Platte! aber im übrigen tadellos in Funktion. Vielleicht werden Sie dann zögern, den ersten Stein gegen mich zu knipsen?-- Am kleinen Tisch in der stillen Wirt- schast sehen wir uns wieder.

Menfthenliebe in üer Praxis. Chronisch kranke und sieche Menschen, die monatelang oder jahrelang, recht oft bis zu ihrem Hinscheiden in Hospitälern, Siechen- anstaltcn und Altersheimen untergebracht sind, stellen gewöhnlich an das Leben nur noch geringe Ansprüche. Sie haben vereinzelte Wünsche, wenige kleine Freuden. Ganz zweifellos legen aber die meisten alten Leutchen einen gewissen Wert auf«ine schmackhafte, ausreichende und bekömmliche Beköstigung, auf ein Essen, das abwechslungsreich undmit Liebe gekocht' ist. Die Mahlzeiten spielen im Alltagsleben der Hospitaliten eine große Rolle: dies weiß jeder, der das Anstaltswesen kennt. Allzu hoch beziffert sich auch wahrlich nicht der Geldauiwand, der erforderlich ist. um den Insassen der Hospitäler eine genügende Beköstigung zu gewähren. Die Stadt Berlin gibt im Jahresdurch- schnitt 90 Ps. täglich für die Verpflegung der einzelnen Hospitaliten aus. Dieser Kostensatz genügt, um ein Essen zu oerteilen, mit dem die alten Leutchen meist durchaus zufrieden sind. Freilich gibt es andere Verwaltungen, die tüchtig mit dem Daumen auf den Beutel drücken, wenn die Kastenregelung der Verpflegung von Anstaltsinsassen zur Debatte steht. Da bekommt man nicht selten recht merkwürdigewohlmeinende' Aussprüche zu hören. So erging es auch mir neulich, als ich Gelegenheit hatte, einen großen, fern von Berlin gelegenen fremden Anstaltsbetrieb zu be- sichtigen. Der Oberinspektor führte. Ein alter Feldwebel, wie er im Buche steht. Fest davon überzeugt, seine Anstalt sei die beste und schönste und wirtschaftlich vollkommenste aus der Welt. Ja, die Berliner , meinte er, hätten immer die Spendierhosen an. Berlin pcrderbe die Preise und mache die Menschen anjpruchsooll und

übermütig. Ein täglicher Kostensatz von 90 Pf. für die Perliner Hospitaliten der wirtlich gerade angemessen ist schien ihm schwindelhaft hoch zu sein.Ich komme mit einem Satze von 54 Pf. aus', sagte er triumphierend. Dann aber fuhr er mit der Hand über sein« Denkerstirn und sprach als patentierter Wirtichasts- Politiker und echter Menschenfreund die geradezu klassischen Worte: Wozu geben Sie denn den Leuten in den Hosvitälern soviel zu essen? Sie werden ja doch nicht wieder gesund! Nun, der ehrenwerte Herr Oberinspektor sei demBerein zur Bekämpfung der Magenerweiterung' als Vorsitzender bestens empfohlen. Dr. med. Alfred K o r a ch. Ein intereffonler Streit zwischen Presse und Radio. Die Pariser ZeitungL'Europe Nouvelle' berichtete kürzlich von einem inter - esianten Streit, der sich gegenwärtig in Genf abspielt. Ein ainerika- nischer Geschäftsmann versucht vom Dölkerbundssekretariat gegen Leistung einer hohen jährlichen Zahlung die Erlaubnis zu erhalten, von der nächsten Sitzungsperiode des Bundes ab eine Anzahl Mikru- phvnc auf dem Bcratungstisch auszustellen. Dadurch würde der Völkerbund Gelegenheit zu einer großzügigen Propaganda erhalten, die ihm nichts kostet, sondern noch einen Gewinn verschafft. Er könnte leicht die Reden seiner Mitglieder ollen Empfangsstationen der Nachbarländer übermitteln. Der amerikanische Geschäftsmann ist indessen noch nicht so schnell zu seinem Ziele gekommen, da der Verband der in Genf eingeführten Journalisten rechtzeitig von der Sache hörte. Dos Rundfunkunternehmen will nicht nur die De- batten, fondern auch zusammenfassende Berichte und Erläuterungen der Radiowelt übermitteln. Dadurch fühlten sich die Journalisten in ihrem Beruf geschädigt und legten sofort scharfen Protest ein. Sie hoben hervor, daß diese Art Nachrichtenübermittlung leicht für besondere politische Interessen benutzt werden könnte, etwa auf die Art. daß die Berichte im Sinne der Nation der Äonzessionsinhaber beeinflußt würden. Da die Angelegenheit noch nicht entschieden ist, ist man allgemein gespannt, wie der Streit ausläuft. Allerdings werden die Journalisten auf die Dauer einen schweren Stand hoben gegenüber den Bestrebungen. Reden durch Radio zu übermitteln. Prinzipiell kann die Entscheidung auch für die übrige Welt, wo gelegentlich schon ähnliche Dijferenzen auftauchen, von ausschlag- gebender Bedeutung sein._ verewhelilichiing der Wimderthealerarbeit w INiiteldevtschlaod. Die Spielorte dt» mit dem Mitteldeutschen LandeStdeater in Halle verschmolzenen Städtebundtbeater« WettzenieU werden in der kommenden Spielzeit vom LandeSIheater versorgt. Die Direktion des Mitteldeutichen LandcStheaterS führen auch künftig Ernst R es ch t e un- Hermann Lang «. Elnrichwng einer Schauspielschule. Der Kultusminister bat, dem Amte liche» Pi eutzischen Pressedienst zujolge, der.Sinrichtung einer Schautpielschuld bei der Staatlichen Hochschule für Berlin zugestimmt und den Inten, danten Leopold Jeh ner mit der Leitung dieser neuen Abteilung beauftragt. Goldvortommen In der lltralvc. Wie die ukrainischen Blätter melden. sollen in einigen Kreisen der nördlichen Ukraine Moldvorkümmen sestgeitellt sein. Prof. Tulkowski, Mitglied der russischen Akademie der Wissenschasten, ist der Meinung, dag man eS bier mit Goldvorkoniinen zu tun bat, deren Ausbeute lobnend sein wirh. und aus seine Anregung wird sich bereits in allernächster Zeit ein- wissenschaftliche Kommission zur genaueren U»lcr!uchui!- der/ in Frage kommenden Ortjchasten dorthin begebe».