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Was wir aus dem Soden wehr herausholen können, das ist ge- fundenes Geld. Diese Summen können in die Milliarden gehen. Wir brauche» keine Furcht davor zu haben, daß die Inten- sivierung zu weit getrieben werden könnte. Die In- tensioierung der Landwirtschast kann nach zwei Richtungen, einmal bei Getreide, wo sie aber vor einer gewissen Grenze halt macht, zweitens durch den U ebergang zu einel! Kultur, die aus einem größeren Arbeitssassungsoermögen beruht. Rur durch die Förderung dieser Kultur, die unsere Arbeitskräfte beschäftigt und das Möglichste aus dem Boden herausholt, können wir uns der extensiven Wirtschaft wieder entziehen. Wir müssen also zur Veredlungserzeuguag in der Laudwirtschafl übergehen. Die Sorge davor, daß die Beoölteung die Qualitätserzeugnisse nicht kaufen könne, dürfe uns nicht davon abhalten, in dieser Richtung zu arbeiten. Das beste Mittel dagegen ist, da» Einkommen der breiten Masse zu heben, es ist zugleich das beste Mittel, um den Markt für die veredelten Erzeugnisse zu schassen. Dieser Zustand ist noch lange nicht da. Gewiß hat der Osten ungünstigere natür- liche Bedingungen als der Westen, aber sie sind doch nicht so, daß sie sich allzu sehr von denen des Westens unterscheiden. Da» zeigt sich doch besonders bei den Ergebnissen der bäuerlichen Siede- lungen im Westen. Hier ist eine starke Zunahme der Bieh- Produktion usw. erzielt worden. Wenn wir in dieser Weise fort- fahren, so könnten wir im Osten noch mehrere hundert Millionen Mark mehr als bisher herausholen, wir würden die Möglichkeit schaffen, daß sich auch die Bevölkerung im Osten vermehren kann. Der Rückgang in der Einfuhr von Futter- Mitteln ist nur zum Teil dadurch zu erklären, daß mehr Getreide verfüttert wurde. Eine weitere Ursache ist der Rückgang unseres Viehstapels, der sowohl nach der Stückzahl wie nach dem Durch- schnittsgewicht sich noch unter dem Vorkriegsstand befindet. Die Frage ist: wie können wir diesen Rückgang bekämpfen? Dadurch, daß wir mehr Kraftfuttermittel einführen, um die Viehproduktton zu vermehren. Das würde nicht erziett werden, wenn wir die Futter- mittel mit Zöllen belegen. Die Folgerungen aus den heute vor- getragenen Zahlen sind also die, daß wir die Produktion aus eigenem Soden steigern müssen, nicht so sehr der Quantität nach, sondern viel- mehr in bezug aus die Qualität. Die Steigerung des Futtermittel- Imports bewirkt aber zugleich auch eine Intensivierung des Getreide- baus wie des ganzen Ackerbaus. Es ist zugleich eine Düngemittel- einfuhr, denn gerade die notwendigsten Bestandteile für den Ackerbau können durch Vermehrung der Viehproduktion zugänglich gemacht werden. Einen praktischen Beweis dafür bildet Dänemark , wo man die Körnerprodukte zollfrei einließ. Dort ist der Getreidebau nicht zurückgegangen, er ist stärker als damals, zugleich wurde eine Menge Düngemittel für den gesamten Ackerbau übrig. Dabei hat Dänemark schlechtere natürliche Bedingungen asfi weite Kreise unseres Landes. Prof. Sering betont in Ergänzung der Ausführungen Davids, daß der lückenlose Zolltarif der Gesamtwirtschaft nicht im mindesten nühl, daß er dagegen in erster Linie der Landwlrlschast schadet. Die künstliche Hochschraubung der Preise verursacht eine Senkung der Kaufkraft. Das würde aber nicht dazu führen, um eine bessere Handelsbilanz zu schaffen. Mit der Intensivierung der Land- Wirtschaft würde«ine außerordentlich« Nachfrage nach Industrie- Produkten verbunden sein, und das würde eine Auslösung der Kaufkraft für veredelte Agrarprodukte bedeuten. Wir könnten also auf diese Weise auf dem Inlandsmarkt die industriellen Erzeugnisse wieder stärken und so den Ausgangspunkt wie den W i e d e r a u f- bau unserer Volkswirtschaft gewinnen. Wir brauchen keine Sorge dauernd zu haben, daß wir zuviel aus dem Boden herausholen: im Gegenteil müßte es unsere Hoffnung sein, so viel wie nur irgend möglich unsere Produktion zu steigern.

Eiseazoll. Das internationale Eisenkartell. Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages erledigte am Freitag die chemischen Produkte und begann mit dem großen Kapitel Eisen und Eisenwaren".

Jeöen Morgen. Jeden Morgen, wenn die Stadt erwacht Und Millionen ins Malwerk schleudert, Gehe auch ich in der endlosen Reihe Und stürze hin in die Arbeit. Wir fahren über und unter der Erde Hin zu den Bureaus und großen Fabriken, Die schweren Autos büffeln über die Straßen, Die Stadtbahnzüge sind überfüllt. In diesem großen, mächtigen Atemholen Der Arbeit am frühen Morgen Gehen wir hin, Männer und Frauen, Mädchen, Jünglinge und halbe Kinder. Gärten gibt es und Hügel mit Wiesenschaumkraut, Bibliotheken, Honigwaben des Wissens, Meere, smaragden und blau. Tanzplan der Stürme, Schiffe fahren vom Norden zum strahlenden Süden... Wir, eingeschmiedet im Werk, wissen es kaum. Manchmal stößt durch das offene Fenster ein Wind, Der um die Brüste funkelnder Berge spielte Und Glanz und Dust schöner Blumen mitbringt. Manchmal halten wir inne im Schassen, Laut hämmert das Herz, und hinter den eisernen Türen, Den großen Maschinen, sehen wir Licht. Aussteigt eine neue psalmende Sonne. Max Barthel .

Neuorünang See �ntiken-Sammlung. Die Sammlung der anttken Bildwerke im Berliner Alten und Reuen Museum hat in der letzten Zeit eine durchgreifende Neuordnung erfahren. In früherer Zeit war es hier das Be- streben, alle in den Berliner Museen vorhandenen Stücke als Bau- steine für die griechisch« Kunstgeschichte zu bewerten. Aber mtt den Jahren wuchs die Einsicht, daß ein Kunstmuseum anderen Ab- sichten dient als ein« archäologische Sammlung von Abgüssen, daß Kopien und Original« möglichst zu trennen sind und daß schlechte Kopien und die meisten sind schlecht ins Magazin gehören. So wurde immer wieder gesichtet und das minder Wertvolle bis auf einige unentbehrliche Lückenbüßer ausgesondert. Das Ergebnis dieser Sichtung ist die nun abgeschlossene Neuaufstellung, über die Prof. Bruno Schröder im neuen Heft der Berichte aus den preußi- schen Kunstsammlungen referiert. Mit den Werten der römischen Zell hat Watzinger die Reu- aufstellung im Ostsaal« des Alten Museums begonnen. Schröder hat dann die Mass« der griechischen Bildwerke aus die Säle ver- teilt. Die herrliche Rotunde Schinkels erhielt im unteren Um- gang die großen, detoratw wirksam«, Stücke und oben, in den

Di« Debatte wurde mit vertraulichen Erklärungen der Regierung über den Stand der deutsch -sranzösischen Handels» vertragsoerhandlungen eröffnet, soweit dabei die Eisen- Industrie in Frage kommt. In bezug auf die Verhandlungen zwischen der Eisen schaffenden und Eisen verarbeitenden Industrie, worüber Genosse Hilserding eine Auskunft oerlangte, schwieg sich die Regierung aus mit der Begründung, daß diese Verhandlungen noch zu sehr im Fluß seien. Darüber entspann sich eine längere Debatte, in der auch das Zentrum die Forderung der Linken nock näheren Angaben unterstützte, während die Volkspartei durch den Abg. o. R a u m e r unter anderem erklären ließ, daß diese Ver- einbaruugen privatrechtticher Natur seien und deshalb nicht der Zu- ständigkeit des Reichstages unterständen. Die Regierungsvertreter hatten zwischendurch eine Besprechung mit dem Reichs- kanzler wegen dieser Frage; als sie zurückkamen, redeten sie erneut um die ganze Sache herum und erklärten«n Ende sogar, daß die Verhandlungen zwischen Essen schaffender und Eisen ver- arbeitender Industrie mit der Zollvorlage nicht das geringste zu tun hätten. Daraufhin richtete Abg. Lämmer»(Z.) die Frage an Abg. v. Räumer, ab er nicht über die Sache berichten könne, namentlich in bezug darauf, wieweit durch die Vereinbarungen der Eisenbezug für die verarbeitende Industrie sichergestellt würde. Dem entsprach dann auch dieser Führer der Essen oerarbeitenden Industrie, wobei er sich jedoch ebenfalls Vertraulichkeit ausbedang. Ramner ließ keinen Zweifel darüber, daß ein scharfer Interessen- gegen faß zwischen beiden Industrien besteht, daß jedoch die Ver- braucher über den Charakter der Vereinbarungen beruhigt sein könn- ten, da die Eisen oerarbeitende Industrie auf den Export und damit auf möglichst niedrige Preise angewiesen sei. Er betonte wetterhtn, daß die Ausführung des Abkommens durch die Eisen schaffende Industrie ab g e w a r t e t werden müsse und daß er gern bereit sei, die Regierung durch Annahme einer Entschiießung zu veranlassen, schnellstens die sndgiltige Zollvorlage einzubringen. Abgesehen davon sieht auch er das Ziel in einem europäischen Eisenkartell. Ergänzend dazu teilte die Regierung mit, daß auch der Eisen- Handel an den Verhandlungen beteiligt sei. In der Generaldebatte selber sprach zunächst Genosse Dtßmann. Er betonte die Bedeutung der ganzen deutschen Eisenindustrie, indem er darauf hinwies, daß darin zweieinhalb Millionen Menschen beschäftigt seien. und der Export dabei eine große Rolle spiele. Umso strenger müßten die Eisenzölle durchgesehen werden, weil sie eine allgemeine Ver- teuerung hervorrufen. Das fei um so notwendiger, als die Eisen vrarbeitende Industrie in hervorragendem Maße von der Eisen schaffenden Industrie abhänge, die anscheinend vor den Rohstoffprodu. zenten die Segel gestrichen hätten. Darüber hinaus führten die Zölle nur dazu, den Export zu erschweren, und starke Konflikte mit dem gesamten Auslande herbeizuführen. Die Eisenindustrie leide gewiß ebenso unter der Wirtschaftskrise wie die übrigen Industrien, aber das fei eine internaiionale Erscheinung und durch Zölle in keiner Weise zu beheben, wohl aber noch zu verschlechtern. Die Betriebe müßten durchorganisiert, die Waren normisiert werden, damit die Preise sinken, und die Kaufkraft der Verbraucher steigt. Die Sozial- demokratie lehne daher aus allen diesen Gründen die Eisenzölle ab im Interesse der Wirtschaft und der Verbraucher.

Das Ende eines Rummels. Die Porzellanwanufaktur im.Hauptausschuft. Wer entsinnt sich nicht der großen Auseinandersetzungen, die im Vorjahre bei der Beratung des Haushaltsplanes der Staatlichen Porzellanmanufaktur gepflogen wurden und des großen Geschreis, das von der Rechtspresse über angebliche ungeheuerliche Mißstände in der Porzellanmarmfaktur gemacht wurde. Damals wurde ein besonderer Untersuchungsausschuß emgesetzt, der die schweren" Verfehlungen des Direktoriums der Porzellcmmanufaktur, verschiedener Minister usw. untersuchen sollte. Um so bezeichnender ist es, daß bei der jetzigen Beratung im Hauptausschuß von allen Fraktionen, insbesondere auch von den Fraktionen der Rechten, dringend gewünscht wurde, man möge doch die ganzen Angelegen- Helten die im vorigen Jahre so ungeheuer wichtig dargestellt wurden nun endlich ruhen lassen! Man einigte sich schließlich dahin, daß im Plenum des Ladtages die Entschließung de? Unter- suchungsausschusses ohne Debatte zur Kenntnis ge- nommen werden soll.

wiedergeöffneten Nischen, die früher durch die Teppich« Raffaels verdeckt waren, kleinere Arbeiten, meistens idyllischen Charakters. In den neuen Räumen der Vasen-Sammlung im Reuen Museum wurde eine größere Anzahl von Bildwerken aufgestellt, so daß sie sowohl dekorativ wirken und das Einerlei der Vasenschränke an- genehm unterbrechen, als auch allgemein zugänglich geblieben sind, ohne die Wirkung der originalen Bildwerke zu schädigen. Ein Saal ist dort zu einer Bildnisgalerie umgestaltet worden, in der sich mehrere der größten Griechen finden, darunter ein neuentdeckter Aristoteles als Mann von jüngeren Iahren. Und an den rämi- schen Köpfen läßt sich da die Entwicklung der römischen Porträtkunst bequem ablesen. Die kleineren Arbeiten und Bruchstücke wurden im Vorraum des Antiquariums im Oberstock des Allen Museums aufgestellt, wo sie zu der Klein-Plastik der Terrakotten überleiten. Die Werke aus der Zeit der römischen Republik wurden von der Kaiserzeit getrennt und in den griechischen Saal übernommen, wohin sie mit ihrem Realismus als Erzeugnisse einer zu Ende gehenden Epoche gehören. Der römische Saal beginnt nun nKt dem Klassizismus der Zeit des Augustus. in seinen weiteren Ab- teilungen stehen Werke mit immer stärkerer Tendenz nach male- rischer Wirkung abwechselnd mit archäisierenden und reaktionär klassizistischen Arbeiten, und mit dem Bildnis des Kaisers Arcadius schließt die antike Entwicklung ab. zugleich mit einem Ausblick auf die byzantinische Kunst. Auch der Zustand der Bildwerte wurde gründlich geändert. Schon unter der Museumsdirektion Kekules von Stradvnitz waren viele der störenden Ergänzungen aus der Periode von Rauch und Tieck entfernt worden." Dies wurde fortgesetzt, namentlich wurden viele Bildnisköpfe von ihren barocken Büsten genommen und dadurch die Einordnung in den zeitlichen Zusammenhang ohne Fälschung der originalen Wirkung erst möglich. Andere Köpsx wurden auf Grund der Halsmuskulatur in die richtige Stellung gebracht und dadurch erst wieder ihres ursprünglichen Ausdruckes teilhaftig. Auch die lange als Bürgen der Echtheit hochgeschätzten Sinterschichten wurden beseitigt nicht, wie es früher geschehen, mit Säuren, sondern unter Beobachtung aller Vorsicht mit mecha- nischen Mitteln, und schließlich wurden Rasen und Ohren, wo ihr Fehlen die ästhetische Wirkung zu sehr stört« und wo sich der ur- sprüngliche Zustand mtt einiger Gewißheit feststellen ließ, in Gips ergänzt. Damit ist nun die ganze Sammlung nach einheitlichen Grund- säßen aufgestellt und die Entwicklung der antiken Bildhauerei vom ersten bi» zum letzten Saal zu verfolgen. Es war das Bestreben, die schöne Schinkelsche Architektur möglichst wenig in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen und so eine Sammlung zu schäfien. die nicht durch Ueberfülle oder betonte lehrhaste Ablichten ermüdet, sondern im Einklang mit ihrem Rahmen durch Güte, originale Arbett, unaus. dringliche zeitliche Abfolge und ruhig wirkende Anordnung zum Genuß der Antike einlädt.

ver sechste deotfche RIchlerkag findet Dom 12. Wi 15. September in Aügsdnrg statt Sprechen werden Oberreich�anlvalt Dr. Eiermeper oder den Sntn-nri eine? neuen deutschen StralgrietzbucheS, LandgerichtZdireitor Dr. Wunderst ch-LeiPzia. M. d. Zt.. über die Stellung de? deutschen Richter?, Ob-rlandesgerichtSrat Pros. Dr. Silberschmidt-Münche» üb« den letzten Eni- Wurf zam ArdeitZgerichtsgesetz.

Der englisth-ruPsthe Gegensatz. Tie iunerpolitische Wirkung. Von unserem Londoner Korrespondenten wird uns ge- schrieben: Die Atmosphäre äußerster Spannung, die nach einer Zeit des Waffenstillstandes zwischen England und Moskau herrscht und in den Reden Lord Birkenheads und Tschitscherins Ausdruck fand, hat zu Gerüchten geführt, daß das britische Kabinett in seiner jüngsten Sitzung beschlossen habe, eine Rote an die Sowjet» regierung zu senden, in der gegen die Propaganda im Fernen Osten in schärfster Weise protestiert wird. In politisch gut unterrichteten Kreisen oerlautet, daß dies Gerücht den Tatsachen nicht entjpricht, zumindest vorauseilt. Es ist zwar richtig, daß anläßlich der jüngsten Beratungen im Kabinett die bolschewistische Propaganda im Osten im Vordergrund« stand und daß im Kabinett darüber Einigkeit herrscht, die ch i n e s i» schen Unruhen hätten ohne das Hineinspielen der b o l s ch e- wistischen Propaganda niemals den gegenwärtigen Um- fang und Charakter annehmen können. Besteht über diese Tatsachen zwar Einigkeit, so sind die Meinungen im Sabiaett jedoch über die Zweckmäßigkeit eines Eingreifens gegen Moskau geteilt: während ein Teil des Kabinetts, das übrigens schon die ganze Zeit an innerer Uneinigkeit viel zu leiden hat, nicht nur die Absenkung einer solchen Rote, sondern darüber hinaus die sofortige Aushebung der diplomatischen Rechte für russische Diplo- maten, also indirekt einen Abbruch der diplomati - schen Beziehungen mit Rußland überhaupt befürwortet, ist der ander« Teil des Kabinetts zu dem auch der Staatssekretär des Aeußern Chamberlain gehören soll der Meinung, daß ein solcher Schritt nur geeignet wäre, die antibritische Propa- g a n d o, die Moskau in den Kolonien, in Aegypten und Indien entfallet, über das bisherige Maß hinaus zu verschärfen. da dann alle zurzeit bestehenden Rücksichten auf die offiziellen diplomatischen Beziehungen fortfallen würden. Die russisch-englische Spaimung hat für England eine be- sondere Bedeutung: während bis vor kurzem die britische öffciu- liche Meinung das Problem Moskau hauptsächlich unter inner- politischen Gesichtspunkten gesehen hat, beginnt man sich nunmehr klar zu werden, daß für England die Moskauer Propa- g a n d a viel weniger eine innerpolitische Gefahr als ein kolonialpolitisches Problem darstellt. Eng- l a n d selbst ist aller menschlichen Voraussicht nach vom Komwu- niemus nicht gefährdet, hingegen wird es immer deu:- licher, daß im Zersetzungsprozeß des britischen Empire der Bolschewismus ein wichtiges Ferment darstellt. In- dem Moskau überall dort, wo politische Schwierigkeiten orf- treten, wo sich eine Spannung zwischen den erwachenden Nitio- nalitäten und London ergibt, mit verstärkter Propa- g a n d a einsetzt, übersteigert es den Prozeß und gefährdet die Möglichkeiten friedlicher Lösungen. Es ist nicht schwer vorauszusagen, daß dies, einmal erkannt, der antikom- munistischen Propaganda einen viel stärkeren Anstoß und eine viel stärkere Krall oerleihen wird, als alle Versuche der Komintern in England selbst zu agitieren und Unheil anzustisten! Russische Besorguisse. toudon. ff>. Juli.Daily Expreß " zufolge ist man in russischen Regierungstreisen über die drohende Störung der diplomatischen Be- ziehungen zu Großbritannien beunruhigt und Rakowski fei an- gewiesen worden, den Versuch zu einer engeren Gestallung sowohl der diplomatischen als auch der Handelsbeziehungen zu machen.

Berichtigung. In dem gestrigen Bericht über die Rede des Genossen K i r s ch m a n n sind zwei Irrtümer unterlausen. Es muß heißen: Aus dem besetzen Gctnete waren ausgewiesen 160 000 Personen, davon allein 140 000 Eisenbahncr ein- schließlich ihrer Familienangehörigen. Außerdem: für die Wohnungsbauten sind nicht 30 Millionen Mark zur Ver- fügung gestellt, sondern einschließlich der neubewilligten 8�5 Million Mark 13 Millionen. Die 30 Millionen waren errechnet von den Landesversicherungsanstalten als notwendige Summe zur Durch­führung beantragter Kuren.

Studium ohne Reifeprüfung. Bekanntlich hat da» preußische Kultusministerium vor zwei Iahren Bestimmungen ergehen lassen, nach denen es besonders befähigten Personen mit hervorragender wissenschaftticher Begabung und guter Allgemeinbildung möglich ist. ohne Reifezeugnis zum Universitätsstudium und zu den betreffenden Prüfungen zugelassen zu werden. Wie wir erfahren, werden diese Vorschriften, die sich anscheinend bewährt haben, demnächst auf die landwirtschaftlichen, tierärztlichen und forstlichen Hochschulen aus­gedehnt werden. Eine solche Maßnahme wird im Interesse derer, die aus einem äußeren Grunde nicht da» Reifezeugnis erwerben konnten, lebhaft zu begrüßen sein. Die Anträge sind an diePrii- sungsstelle für die Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis", Berlin , Unter den Linden 4, zu richten. Die Laokoon-Sruppe im Vatikan nur eine Rachbildung? Ganz Paris bewundert zurzeit die Ausstellung altgriechischer Kunstwerke. die Graf Wladimir de Gruneisen, der ehemalige Direktor des russischen archäologischen Instituts in Rom , in der Galerie Bing ausgestellt hat. Was besonders die Aufmerksamkeit der Kenner aus sich lenkt, sst ein Laokocm-Kopf aus pentilischem Marmor, ein Werk des Bildhauers Agejander aus Rhades, das au» dem zweiten Jahr- huntert vor Christi stammt. Viele» spricht dafür, daß dieser Kopf ursprünglich der Originalgruppe angehörte, die da» Geschick des Laokoon und seiner beiden Söhne darstellt und heute einen der herrlichsten Schätze des Vatikanischen Museums in Rom bildet. Schon früher lenkte sich die Aufmerksamkeit auf die Gruppe, wegen der Aehnlichkeit in Auffassung und Behandlung mit den später aus- gefundenen Skulpturen von Pergamon , und well man in Laokoon besonders die Nachbildung einer Figur und eines Kopfe» des perga- menischen Altarfrieses zu erblicken glaubte. Wenn der in Paris aufgestellte Kopf wirklich der ursprünglichen Gruppe angehörte, so würde damit der Beweis erbracht fein, daß es sich bei der Vatikanischen Laokoon-Gruppe nur um eine, allerdings wunderschöne Kopie handelt, die unter Kaiser Hadrian entstanden sein dürfte. Lyachstakistik. Man kennt die grausam« Selbsthilfe, die in den entlegenen Gegenden des amerikanischen Wilden Westen " von jeher insbesondere gegen Schwarze geübt wurde und man weiß auch, daß diese Justizmethodcn hier und da noch in den letzten Iahren an- gewandt worden ist. Welche Opfer diese grausame Justiz gefordert hat, tonn man aus einer neuerding» veröffentlichten Lynchstatistik schließen. Obwohl sie erst mit dem Jahre 188S also zu verhältnis­mäßig spätem Zeitpunkt einsetzt, zählt sie für dies Jahr noch 4203 Fälle von Lynchjustiz. Fast genau ein Viertel davon waren Weiße, der Rest Reger. Seitdem Hai sich die Zahl naturgemäß ver- ringert, aber es überrascht doch, zu hören, daß der Durchschnitt an Lynchfällen in den letzten 40 Iahren immer noch 105 beträgt. 1926 soll ein.Iz-ncWe-s year* werden, ein Jahr ohne Lynchfälle, und man hat bereit» mit einer starken Propaganda dafür begonnen. v« deutsch « Slevozrapheolumd(Babelsberger hält vom 25. bi« 23. Juli in München seinen lZ. Bundestag ab, der durch leine Stellung- nadme zur EinheitSkurzschrtft, nachdem sich einelBmideSoertreter. Versammlung der GobelSberger Schule bereit? sür die SinbeitSkurziibr'st ausgesprochen hat, besondere Bedeutung erhallen wird. Dem Ehrenautschu« der Tagung gehören u. a. der Runsttrpräfident Dr. Held und der Sülms. minist« Dr. Matt an.