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! Seilage öes vorwärts

SoaaabenS, 71. Jnü 1425

Sit tletne GS rtn erstacht« bringt einen Strauß rofo blühen­der Tentaurea(Gattung Kornblume) w da» Zimmer und stellt ihn m die vas«. Auf die Bemertung:.Twe hübsche Blume wirb die Antwort:»Ad« unverkäuflich. Olumen finS Lmms. Wenn du ans deinem G-rrten oder mit chilfe deines Geldes ein paar Blumen verschenken kannst, so wirst du bei jedermann, ob oll ooer jung, arm oder reich, dankbarer Freude begegnen..Bier Rosen einen Groschen' sollte man nicht meinen, daß iede Berlinerin mit den leuchtenden Kindern des prangenden Sommers geschmückt wäre, daß in'eder Wohnung ein Busch sich vorfände? Zugegeben, daß für große Massen der Bevölkerung da» Haushalten mit dein Zehn- psennigslück eine bitter« Notwendigkeit ist, aber, so wird man fragen können, gibt es tn einer Millionenstadt wie Berlin doch nicht Hunderttausende, die für ebenfalls Ueberflüssiges Geld ausgeben, und liieist mehr als die Pfennige, die ein paar Blumen kosten? Im Winter, wo mit ziemlichen Kosten herangezogene Blumen, durch Glas geschützt und durch Heizung zum frühzeitigen Blühen gebracht, allein in unserer kargen Natur sprießen, kann naturgemäß der Blumenpreis kein so billiger sein, daß der Minderbemittelte sie zu erstehen in der Lage ist. Aber jetzt im Sommer sollte der Blumen- absatz ein größerer sein. Durch die Ausdehnung der Laubenkolonien und durch die Einbeziehung auch besser bemittelter Kreise in die Schar d«r Kolonisten ist zweifellos auf der einen Celle die Liebe zur Blume geweckt, gesteigert, aus der anderen Seile die Zahl der Säuser von Blumen vermindert worden, denn der Garten llesert für den .eigenen Bedarf'(manchmal sogar noch darüber hinaus). Aber all« diese Momente berücksichtigend, wird man doch dem Berlin « eine zu große Blumenfreudigkell nicht zugestehen können, die naiv« Lust des sich Schmückens, und sei es auch nur auf wenig« Stunden, ist anderen Völkern mehr zu eigen. Ja, es scheint, als ob ein Rück- gang in der Lust stattgefunden hat. Die Blume im Knopfloch ist aus der Mode' gekommen und die Weltdame verschmäht es nicht, sich einen Tuff künstllcher Blumen auf Kleid und Mantel und Muff aufnähen zu lassen eine Geschmacklosigkeit sondergleichen! v!e Ursachen üer Unverkäuflichkeit. Die Blumen find her Mode nnlerworfen. Wie es heute kurz« und enge, morgen lange und welle Kleider gibt, so find heut« rot« und weiße Blumen und morgen gelbe und blaue begehrt. Ein alte- Gärtnerwort sagt:Wie mans macht, ist es falsch.' Wenn einer weiße Leokojen seilbietet, will die Schar der Abnehmer aus- gerechnet rote und blaue usw. Das sind Eigentümlichketten, in deren

Grund einzudringen kam» möglich ist. Laase Zahre hindurch hieß es, gelb« Blumen find nicht beliebt: heute ist«an von diesem Vor­urteil abgekommen. Es war da, Verdienst de» Kunstgelehrten Lichtwark, daß« gegen diese Latenvorurteil« Sturm lles. daß er nicht nur das scheu ckliche.Makartbuketf fortfegt«, sonder» de» Leuten auch die Erkenntnis ins Bewußtsein hämmert«, daß jede Blume in iher Art ein Kunstwerk bedeute. Ab« lassen wir dies« Farbenfragen und wenden wir uns einem anderen Modegrund« zu: der B«fein«ung tn d« Erscheinung der Blumen. Wissenschaft und Praxis arbeiten stetig an der B«edlung d« Produkte d« Natur. Größe der Blumen, Länge des Stieles, stärkerer Duft, leuchtendere Farbe, größere Haltbarkell, früheres Blühen, kein einziges Moment in der Skala der Erscheinungsformen ist von dieser Arbeit unberührt geblieben. Selbst die bescheidensten prodokle. wie Veilchen and verglßmeinnichl, haben den Prozeß d« Hochzüchtung durchmachen müssen. Nun ist es gewiß Sache des Produzenten, sich diesen An- fordcrungen, die die Abnehmer stellen, anzupassen: ab« auch hier sollte es heißen, das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Nicht jede Neuerung, Verbesserung ist lebensfähig gewesen; manch« Um- stellung hat sich als ein Fehlschlog«wiesen und die ausgewandten Kosten und Mühen waren vergeblich. Bor allem ist es ob« doch eine Widersinnigkeit, das Alte ohne triftigen Grund für abgesetzt zu erklären. So erleben wir jetzt auf dem Gebiete d« Rosen eine »Testont'-Rlüdigkeil(beim Publikum od« beim Handel?). Man will stall der herrlichen, seidenglänzenden, prächtig-rosafarbenen Ma- dame-Caroline-Teftout-Rosen and«e Sorten, die seitdem entstanden sind. Als aber die ersten goldig-schimmernden Rosen einer neuen Klasse, der Perneliana-Rosen, austauchten, hieß e», da» wäre nur etwas für Kenn« und d« Absatz war schwierig. Lei den Dahlien und Chrysanlhemen hat man wohl die größten Modeschwankung eu tn»«zeichnen. Die Kaktus-Dahlien mit den spitzen Blütenblättern stellten eine Zeitlang alle« in den Schatten, ab« auch da gab es Wechsel in der Mode; bald war die eine, bald die andere Farbe bevorzugt. Daß neue Sorten, die z. B. besser«, straffere Haltung der Blumen auf den Stengeln und größere Blumen zeigen, andere Sorten verdrängen, ist begreiflich, aber die Mode Holl über diese Notwendigkeiten hinaus wahllos ihre Lieblinge hervor. Auf dem Gebiet der Dahlien ist noch ein anderes charakteristisches Moment zu verzeichnen: die im Juli schon erscheinenden Blumen sind nur in seltenen Fällen abzusetzen.»Mao kansl noch keine Dahlien' eine Ansicht, die dem wahren Blumenfreund doch nur ein Lächeln entlocken kann. Dahlien.gehen' dann, wenn die Herbstfröste den ganzen Flor in einer Nacht zerstören können ist das nicht ein rechtes Abbild unserer kapitalistischen Kultur? Bei den Chrysanthemen war vor einigen Jahren �Lionnet' großer Liebling: die Farbe» ein« Mischung von Gelb, Sapser, Rot, war durchaus nicht Überwältigend

schön. Man hat seitdem mehr in sattem Rot schimmernde.Sports' gezüchtet, dt« dt« Urforte»«drängen. UeberproSutttov. Komme» wir nochmals auf den vom Pobvkum zu zahlenden Detailpreis:»4 Rosen 10 Pf.', zurück, so beleuchtet dies« Preis doch wahrlich blitzartig die Situation. Nicht d« Preis an sich denn w« wäre nicht für billige Preise?, sondern d« Umstand, daß trotz dieses Preises viele lausende Rosen«»»«käuflich sind, ist das Eharattensiiichc. Hat eine Fabrik zuviel Ware hergestellt, so speichert sie sie auf und sucht mit Muße den geeigneten Zeitpunkt. sie, eventuell mit geringem Nutzen, abzustoßen. Die Blumen ver- tragen ein solches Aufspeichern, selbst m Kühlräunien, nur kurze Zeit. Haufenweise werden sie, nachdem sie oberflächlich abgebrochen und auf den Boden geworfen sind, als Kehricht fortgefegt auch das ein Zeichen unserer kapitalistischen Aera! Gibl es eine Abhilfe? Schwerlich, solange nicht die Kaufkraft und Kauflust des Publikums sich stärker entfalten, lind daß diese von den allgemeinen Wirtschaft- lichen V«hällnissen abhängig sst, liegt auf d« Hand. Wohl könnte durch Benutzung von Blumen zum Schmuck der Schaufenster ein Anreiz für da» flanierende Publikum gegeben werden, auch seiner- seits den Kindern der Flora nicht nur ein platonisches Interesse ent- gegenzubringen. Wie prächtig sich ein Blumenstrauß inmitten der zarten Gewebe moderner Frauenkleidung ausnimmt, zeigen die wenigen Versuch«, die blumenfreudige Geschäftsinhaber schon cmge- stellt haben. Ab« die Mehrzahl wird die neuen Kosten im Hin- bück auf sonstige Lasten ablehnen. Und so ist es auch w den Restaurant». Wie oft trifft man in besseren Lokalen die steii?'? künstlichen Blumen, reichlich bestaubt, als Tafesschmuck. * Arm« Blumen noch oft genug werdet ihr den Weg zum Komposthaufen antreten müssen, ohne den schönen Beruf erfüllt zu haben, die Brust eine» Zungen Mädchens und die Tafel im eigenen Heim zu schmücken! Und wieder Stralauer Fischzuiz. Zum SSL Mal«. Wobei die vielen Jahr«, in denen das Fest nicht gefeiert wurde, mitgezählt sind. Man will diesmal die Sache großartiger als im vorigen Jahre gestalten. Bon einem richtigen D olksfest, etwa wie in der Tuschkasten-Koloni« Faltenberg bei Grünau, wird man aber wohl nichts zu sehen bekommen. Die V«- anstoltimgen kamen m den letzten Jahrzehnten über einen Fischzug der Stralauer Gastwirte, denen man natürlich die Extra- einnahm« während der zwei Festwochen im August gern gönnen

Die Vaumwollpflücker. 181 Roman von V. Trauen. Oopyiieht 1929 by B. Tntwn, Colombai, Tam-nlip«. Hexlea, In diesen Gedankengängen bewegte sich nnser Tisch- gespräch, weil wir der besseren Verdauung wegen während des Essens nichts Gedankenschweres in unserem Hirn herum- wälzen wollten und weil man beim Essen nur vom Esseo sprechen soll. Ich führe dieses Gespräch hier auch nur an. um zu zeigen, daß wir keine ungebildeten Leute oder was viel schlimmer ist. etwa gar revolutionäre Arbeiter waren. Denn das kann man so sehr leicht werden, wenn man sich gehen läßt und nachgibt, besonders wenn man augenblicklich keine andere Zutunfts- Möglichkeit vor Augen sieht als eine fünfzehn- bis siebzehn- stündige Arbeitszeit für anderhalb Pesos. Für diese Mahlzeit zahlten wir jeder fünfzig Centavos, alles einbegriffen. Es war der übliche Preis in einer chine- fischen Speisewirtschaft. Jeder Weiße und jeder Mexikaner, der es versucht und es wird immer wieder versucht für dasselbe Gelli die gleiche Mahlzeit mit allem genannten Zubehör zu geben, geht zu- gründe. Das Allerwenigste, was� ein Nicht-Chinese fordern muß, sind achtzig Centavos. Wie der GJinese das fertig bekommt und dabei noch verdient und zu Wohlstand gelangt, ist eins der vielen Geheimnisse» die um den Chinesen ge- häuft sind. Antonio goß sich noch ein Glas Wasser em, spülte sich gründlich Mund und spuckte dos Wasser auf den Fußboden. Sauberen Mund und saubere Zähne zu haben ist dem Mexi­kaner wichtiger als ein trockener Fußboden. Die nimmermüde tropische Sonne trocknete ja den Fußboden, ehe sich der nächste Gast an unseren Tisch setzt. 15. Nun segelten wir zuerst einmal zu der Bäckerei. Ich ging in den Laden und fragte den Verkäufer nach dem Prinzipal. Sind Sie Bäcker?' fragte der Inhaber. »jawohl, Brot- und Kuchenbäcker,' sagte ich. iWo haben Sie denn zuletzt gearbeitet?' V"3n Monterrey .' Gut, dann können Sie heute abend anfangen. Freie Kost, Wohnung und Wäsche und ein und einen halben Peso jür den Tag.'!*

Halt!' sagte er plötzlich,sind Sie sicher auf Torten. «mf Torten mit Gußornamenten?' Ich habe in meiner letzten Stellima in Monterrey nur Torten mit Eußornamenten gebacken.' .Jas ist fein! Da will ich aber doch erst mal mit meinem Meister sprechen, was der dazu sagt. Ein sehr tüchtiger Meister, won dem können Sie viel lernen.' Er ging mit mir in die Kammer, wo der Meister sich gerade die Stiefel anzog, um auszugehen. Hier ist ein Bäcker von Monterrey , der Arbeit focht. Hören Sie mal, ob Sie ihn brauchen können.' Der Inhaber ging wieder in fem Zimmer und ließ«ns beide allein. Der Meister, ein kleiner dicker Bursche mit Sommer- sprossen, zog sich ruhig erst die Stiefel an, dann setzte er sich auf den Bettrand und zündete sich eine Zigarre an. Nachdem er ein paar Züge getan hatte, detracbtete er mich mißtrauisch von oben bis unten und sagte endlich: Sie sind Bäcker?' Nein, ich habe kein« blasse Ahnung vom Backen.' So!?' sagte er darauf, immer noch mißtrauisch Berstehen Sie was von Torten?' Gegessen habe ich schon welch«,' sagte ichaber wie sie gemacht werden, davon habe ich keinen Begriff. Ich wollte das gerade lernen.' Hier haben Sie eine Zigarre. Sie können anfangen, heute abend um zehn Uhr. Aber pünktlich! Wollen Sie was essen?' Nein, dank«! Nicht jetzt.' Gut, ich werde mit dem Alten sprechen. Ich will Ihnen mm Ihr Bett zeigen.' Sein Mißtrauen war geschwunden und er war sehr freundlich. Ich werde einen tüchtigen Bäcker und Konditor aus Ihnen machen, wenn Sie gut aufpassen und willig sind.' .Jafür würde ich Ihnen sehr dankbar sein, Sennor. Bäcker und Konditor wollte ich schon immer werden.' Wenn Sie nun wollen, können Sie schlafen gehen oder sich die Stadt ansehen. Ganz, wie Sie wollen.' «Gut!' sagte ich,bann will ich in die Stadt gehen.' Also um zehn Uhr, nicht wahr?' Ich traf, wie verabredet, Antonio im Park auf der Bank. Na?' begrüßte er mich. »Ich fange heute abend aa,' c_....1 i

Das ist gut,' sagte er, vielleicht gehe ich später mit Ihnen runter nach Columbien.' Ich setzte mich zu ihm. Weil ich nicht recht wußte, was ich mit ihm reden sollte und um ein Gesprächsthema zu haben, dachte ich, jetzt ist der gegebene Zeitpunkt, nach Gonzalo zu fragen. Es war mir eigentlich nicht so sehr darum zu tun, nur zu schwätzen, als vielmehr zu beobachten, wie er sich benehmen würde, wie sich ein Mensch beträgt, der einen Raubmord auf dem Gewissen hat und den man damit überrascht, daß man ihm sagt, man wisse es. Tin« Gefahr war freilich damit vertnüpst. War Antonio in Wahrheit ein echter Mörder, dann würde er bei erster Ge- legenheit mich auf die Seite schassen als Mitwisser. Aber darauf wollte ich es ankommen lassen. Diese Gefahr kitzelte mich erst recht, auf den Busch zu klopfen. Ich war ja vor- bereitet und konnte mich meiner Haut wehren. Mit ihm allein durch den Busch, vielleicht gar nach Columbien zn trampen, würde ich dann schon wohlweislich vermeiden. Wissen Sie, Antonio,' sagte ich plötzlich aus heiler Haut heraus,daß Sie von der Polizei gesucht werden?' Ich?" erwiderte er ganz erstaunt. Ja, Sie!" Weswegen denn? Ich weiß nicht, daß ich etwas ver- brachen habe.' Es klang sehr aufrichtig: zu aufrichtig, um echt zu fein. Wegen Mord! Wegen Raubmord!' setzte ich hinzu. Sie sind wohl verrückt, Gale. Ich wegen Raubmord? Do sirtd Sie aber böse im Irrtum. Vielleicht«tue Namens- ähnlichkeit.' Wissen Sie, daß Gonzalo tot ist?' Was?" Er schrie es beinahe. Ja," sagte ich ruhig, ihn im Auge behaltend. Gonzalo ist tot. Ermordet und beraubt.' ,Ier arme Kerl! Er war ein guter Bursche,' sagte Antonio bedauerd. Ja,' bestätigte ich,er war ein braver Kerl! Und es ist schade um ihn. Wo haben Sie ihn denn zuletzt gesehen, Antonio?' In dem Hause, wo wir alle wohnten." Mr. Shin« erzählte mir, daß ihr drei, Sie, Gonzalo und Sam zusammen am Montag morgen fortgegangen seid.' Wenn Mr. Shine das sagt, dann irrt er Gonzalo sst zurückgeblieben. Wir zwei nur, Sam und ich sind zur Station gegangen.'(Fortsetzung folgt.)