Unterhaltung unö Wissen
öellag» des vorwärt»
Hauszinssteuer.
,5amose Iüee: Jt mehr von dem Pöbel in einer Stube haust, desto mehr muß er berappen. nimmt er keine anständige Wohnung..
Warum
�Ohne Kragen'. Zu der Skizze von Felix Fechenbach in Nr. Z3S schreibt uns ein Leser: Das„wahre Geschichtchen' erinnert mich an einen ganz gleichen Vorfall in— Neukölln! Aus dem Wege von einer Versammlung nach fjouse, kehrt« ich abends noch kurz in einem „Äaffeehaus mit Musik' am chermannplatz ein. An den Tischen— Portotassenjünglinge mit Fräulein Braut, daneben viel«„Neureiche', Raffkes mit protzigem Gebaren. Plötzlich— zwei Arbeiter kommen und streben einem Tisch zu. Sauber gekleidet, aber— ohne Kragen! Kellner, Geschäftsführer— letzterer ein treudeutscher Recke mit E. K. II im Knopfloch—, kurzer Disput und— die Arbeiter sagen kein Wort. Sie schauen sich gegenseitig an, nicken mit dem Kopf und schleichen davon, als wären sie auf verbotener Tat ertappt. Nur— das Nachspiel war anders als in Fechenbachs Kaffeehaus. In Neukölln— der Arbesterstadt!— rührte und regt« sich nichts gegen dielen Arbeiterfeind! Bcmklehrlinge und Raffkes schmunzelten verständnisinnig, wie eben nur Renegoten zu lächeln verstehen: töricht und dreist! Ich rief den Kellner, zähste und versteh die gastliche Stätte. Lsteransch« Zigeuner sind em leichtes Völkchen, impulsiv und erfüllt vom Drang noch Recht und Freiheit! Neuköllner Spießer aber reißen kein« Kragen und Aramasten herunter! Ihnen ist selbst der schmutzigst« Stehtragen heilig als Wahrzeichen ihrer Zuaehörigkett zu den.Hesseren Kreisen'. Hier tut noch sehr viel Aufklärung not! Der unaufhaltsame Aufstieg der Arbestertlasse einersests und der immer fühlbarer werdende„Segen' der �Hindenburg-Wahl' werden dazu bestragen, diese Aufklärung zu erleichtern und den künstlich erhallenen Unterschied zwischen Prole» toriern und Proletaristerten zu oerwischen! Bis dahin aber-- Arbeiter!— meidet solche Lokale, in denen man euch nicht gern sieht!
Ehesitten in Togoland . In der letzten Ausgabe des alljährlich zur Veröffentlichung gelangenden Verwästungsberichtes der britischen Kolonialbehörden in logoland ist unter anderem eine interessante Schilderung der Ehesitten der Eingeborenen enthalten. Es gibt in Togoland drei Arten von Ehen: die christliche, die sehr selten ist, dann die Eingeboreneneh« unter Erwachsenen, sowie endlich die Kinder ehe. Am häusigsten ist die dritte. Sie wird von den Eltern der für einander bestimmten Kinder kurz nach deren Geburt vereinbart. Das Mädchen muß, sobald es die Jahr« der Reife erreicht hat. die An. gehörigen des Bräutigams aussuchen, um chnen mitzuteilen, daß sie letzt bereit sei, in seiner Hütte zu wohnen. Es ist üblich, daß die Mädchen bei dieser Gelegenhest den ganzen Familienschmuck an- legen, den chnen dem allgemeinen Brauch zusola» die Mutter an diesem Tage aushändigt. Außer dem Schmuck, so verzeichnet der Bericht ausdrucklich, pflegen sie meist nichts anzuhaben. Der Bräutigam sucht, sobald da» Mädchen leine Eltern besucht hat, seiner. fest» die Estern des Mädchens auf. Er bringt allerhand kleine Ge- schenke mst. Rum für die Asten, bunt« Tücher für die Jungen und ein oder das andere Kleidungsstück für die Braut. Die Annahme dieser Geschenke besiegest die Verlobung. Bricht das Mädchen die Treu«, so ist der Bräutigam berechtigt. Schadenersatz zu verlangen. Kurz nach der Verlobung findet ohne besondere Feierlichkesten die Hochzeit statt. Sie besteht meist nur darin, daß die Braut von ihrer Muster oder einer anderen weiblichen Angehörigen vor die Hütte des Bräutigams geführt wird, der sie bei der Hand faßt und ins Innere der Hütte führt. Di« Scheidung ist leicht und kann jederzeit von jedem der beiden Teil« beantragt werden. Nimmt es die Frau mst der ehelichen Treue nicht genau, so ist das weiter kein Unglück. Sie muß nur den Mann, mst dem sie sich oergangen hat, heirate». und wenn dieser dem betrogenen Ehemann das übliche Schmerzens- leid zahlt, ist der Ehre genug getan, und man bleibt wester gut 'reund.
Vonoerstag £5. 7uU ly2S
Der Sund. van Max BetnotM. Claars hatte einen Fund gemacht: er hatte ausgehalten. Di« anderen, die mst ihm nach dem neuen Diamantfeld gezogen waren. hatten längst den Spaten in den gelben Sand geworfen und waren mißmutig zurück zur Station gewandert. Sech» Tagreisen. Ein Nigger, den sie wegen Diebstahl auspeitschten, hatte ihnen in seinen tausend Schmerzen und Qualen das Feld verraten. Man glaubte ihm, hatte ihm den Rest der Strafe geschenkt und hatte die Expedi- tton unternommen. Jetzt waren sie aus dem Rückweg. Den Neger wollten sie lynchen. Claars war aus Eigensinn geblieben. Aus demselben Eigen- sinn heraus, der ihn vor sieben Iahren nach Australien auswandern lieh. Lieber hier verrecken als wieder an die Station zurück. Hier konnte man wenigstens hoffen. Ionny, der blaue Jonnq war auch zuAickgeblieben. Als Claars in die Zelthütte trat, überlegte er noch, ob er von feinem Fund Mitteilung machen sollte. Dort streckt« Jonnq alle Viere von sich und rauchtt. Verschlafen blinzelt« er nach Elaars. Nein— er würde ihm nicht» sagen. Hier nicht. Don Melbourne au» konnte er ihm«inen Scheck senden. „Na-?' Du—?' Beide schüttelten mst dem Kopf. Claars fühtte mst der Hand nach seinem Stein in der Hosen- lasche. Jetzt hielt er darin«in« Fahrkarte 2. Klasse nach Hamburg . einen Zigarrenladen dort und«in Landhaus an der Ell»« und, ja— und die blonde Paula-- Er biß die Zähne zusammen, um nicht zu schreie». Ionny reichte ihm eine Virginier. Er war doch«in guter Kerl. Herrgott, wenn man ihm doch trauen könnte! Das er wohl dazu sagen würde? Ja, jetzt würde er zum Schein noch einig« Tage bleibe» und dann mißmutig und verdammt obzi«l)en. Dumm, daß man nicht schlafen konnte, aber mein Gott —— Dunkle Nacht legte sich jäh über das Feld. Ein Raubvieh schlich draußen umher und sucht« die verlassenen Lagerstätten ab. Claars hörte«in« leere Konservenbüchse tönen. „Also nicht» gefunden?' nahm nach einer halbstündigen Unter» brechnng Ionny das Gespräch auf. „Nein— nichts.' Claars war froh, sprechen zu können. „Ich bleibe auch nicht mehr lang«.' fuhr er fort. „So.—* Pause. „Was treibst du mst dem Geld, wenn du— „Ich fahre nach Hamburg heiraten.' „Will ss« dich noch—?' „O jetzt— sicher, ich denk««».' J)m.—' „Ich würde dir auch abgebe».' „Pah—!' Lange Pause. Dann Jonnq, der sich aufgerichtet hatte: „Du!' Schweigen. „Du host gefunden!' .Ionny!!' „Schuft— ich sah den Griff in die Tasche (Claars riß den Revolver berau». Da knallre es. Jonnq war schneller gewesen. Elaars svrana auf. Seiner Hand entglitt die Waffe Das Hemd färbte sich rat Er schwankte und fiel vornüber. Ionny hiest ihn aus. Au» der Zuckung heraus. Fallende» aufzufangen. Elaars Hände krampst«» noch Ionnys Hals. Und die Finger llammten wie Eisenbänder. Ionny stürzte und schlug mit Füßen und Armen. Das Eisen am Hals war im Todestrampf geschmiedet Aus einer Tasche kollerte«in nußgraßer. Wasserfarben«? Stein. Dann Ruhe, kein Laut mehr. Das kleine Oellicht flackert« und verlosch. Schwarze Nacht Tausend Sterne formten in Pracht da» südlich« Kreuz. Ein Raubtier umschlich die Hütte. Ahnend. Einen Fund. Und hatte recht—
Ein Ueberbleibsel. LI Boa Martin Andersen Nexö (Konstanz ). Römer war eben mst den Netzen fertig und wollte heimfahren, als ein« Bö sich über die Felswand herunterwarf. Er sah, wie sich die Wogen unter Land kräuselten, und sprang vor, um da» Segel zu bergen, aber im selben Augenblick kenterte das Boot, es lief voll Wasser und sank. Auf einem unter dem Wasser liegenden Felsblock blieb es stehen, die Spitz« des Mast«» ragte noch heraus. Römer war «in tüchtiger Schwimmer, aber er bekam beim Kentern de» Bootes einen Schlag In die Seite und hatte gerade noch soviel Kraft, ssch an die Mastspitze zu klammern, die hin und her schvankt« und ihn fortgesetzt untertaucht«. Nicht weit davon entfernt lag da« Boot mst Kofod» Leuten, die sich reichlich Zest ließen, schließlich aber doch auf Römer zu- ruderten. .Heute gibst du sicher klein bei, du Geiztragen!' rief einer der Knechte. Römer gab keine Antwort, aber sein« Augen glühten vor Haß und Verlangen, zu leben und sich zu rächen. .Seht nur. wie sein Haarschops brennt wenn nur-ich« ha» Meer Feuer fängt!' rief der zweite Knecht, indem er in der Rich- tung von Römers rotem Haar ausspuckte..Lösch es doch, beim Satan! Ob es übrigens wahr sst. was dl« Leute sagen, daß du so- wohl Vater als auch Mutter deiner»Inder bist?' .Er ein Zwitter? Nichts ist er. gar nichts— er hat zuviel Käse gegessen.' höhnte ein anderer..Oder ist e» vielleicht eine Lüge, daß deine Frau sich bei anderen etwas leihen muß? Frag' den Knecht, der zuletzt bei dir gedient hat!' Römer war zu erschöpft Gleiche» mst Gleichem zu vergelten: deshalb schwieg er. Auch siel es ihm sehr schwer, den Mund»Iber Wasser zu holten. Der junge Kofod beteiligt« sich nicht an dem Geplänkel, sondern saß nur höhnisch grinsend da. .Wenn du mit heim willst, so sag'?!' sagte er endlich..Wir können nicht ewig hier liegen und warten. Oder bist du vielleicht zu vornehm, da» Maul aufzumachen?' -2ch will weder betteln, noch mich bedanken.' erwidert« Römer finster. »Eines von beiden wirft du doch tun müssen— und obendrein nl* Taugenichts dastehen!' rief der Knecht wieder:.du, der trockene» Brot zum gesalzenen Hering ißt und bei einem Fist kentert!' Sie hielten sich mit Hilfe der Ruder in seiner Nähe, wußten aber nicht recht, was sie tun sollten. Am liebsten wären si» ohne weitere» heimgefohr«,, und hätten ihn seinem Schicksal überlassen» ober das wagten sie doch nicht. .Fischt ihn auf!' rief der Nachborsohn plötzlich und brach in
ein erzwungene» Lachen au»..Was wir im Meer finden gehört uns. Der Kopf eignet sich vorzüglich als Vogelscheuche, und au» der Haut kann man immerhin ein paar Stiefelschäste machen I' Er stellte sich mst einem Bootshaken vornhin in« Boot, als wollte er«inen Seehund harpunieren, und sie ruderten vorwärts. Aber Römer ließ den Mast los und schwamm aufs Land zu. Er arbestet« mühsam im Wasser und entfernte sich langsam land- einwärts. Mst jedem Stoß nahmen seine Kräfte ab. und al» er «inen Steinwurf weit weg war, machte er plötzlich kehrt und steuert« auf da» Boot zu mst übereilten, krampfhaften Bewegungen, die ihn nicht von der Stelle brachten. In seinem Mund gurgelte das Wasser, aber die Augen baten für ihn, und so ruderten ihm die anderen rasch entgegen. Doch«he sie Ihn erreicht hatten, reckte er sich in seiner Todesangst in den Wogen hoch auf, wandte ihnen sein rotes Gesicht mit einem fürchterlichen Ausdruck zu. zuckte dann im Wasser zu einem Bündel zusammen und verschwand. Auf dem nachfolgenden Geschlecht log dieses Ereignis wie ein Alpdruck und hielt die Feindschaft im Zaum. Don den Felsen au» hatte Ol« Römer seinen asternden Dater vom Boot wegschwimmen und versinten sehen. Er begriff, worum, dachte aber nicht an Rache— das Entsetzen haste ihn in Besitz genommen. Auch die anderen überkam das Grausen. Sie hatten den Haß al« Selbstvernichter gesehen, hatten gesehen, wie er sich auf seinen Ausüber stürzte und ihn verzehrte i und dieser Dorfall warf ein grelles Licht auf den ganzen schrecklichen Geschlechtskampf— so war dieser ja von jeher gewesen— selbstoernichtend. Es kam dazu, daß sie sich vor sich selber und voreinander fürchteten und sich aus dem Wege gingen, wo es nur immer möglich war. Das war allen klar, daß e» mit dem Haß nun bald vorbei sein mußt«. Die Angst, zusammenzuprallen, legte Ihn in Zaum, so daß er nie zu heftigen Ausbruche» kam. Er würde gewiß mit dem tetzigen Geschlecht aussterben— au» Mangel an Nahrung. Die jungen Leute der beiden Höf« kannten nicht einmal die Angst, sondern verkehrten heimlich miteinander. In dieser Auffassung wurde man bestärkt, als es kund wurde, Jens Römer— ein Enkel des Ertrunkenen— und Nachbars An« seien Brautleute. .Sie sind auf dem richtigen Weg', sagten die allen Leute. Aber die beiden Familien selbst sträubten sich mit Händen und Füßen gegen diese Verbindung, und die zwei konnten nur heimlich zusammenkommen. Leute halsen Ihnen und gewährten ihnen Unter- schlupf, als ihnen das Warten zu lang wurde: und eines Tages waren Anes Röcke zu eng. Da» brach den Widerstand ihrer Eltern: si« gaben nun ihre Einwilligung zur Heirat und erklärten sich bereit Jens Römer den Hof zu überlassen. Aber als alles zur Hochzeit berett war und in die Kirche gefahren werden sollt«, ereignete sich etwas höchst Merkwürdiges: der Bräutt- gam war nirgends zu finden.
„Sie hat ihn nippen lassen— deshalb hat er die Lust verloren". sagten die Bewohner des Kirchspiels kopfschüttelnd. Wer hat je einen Bräutigam gekannt, der seiner Braut, dem Brautbett und allem davongelaufen wäre? Doch das kommt von diesem neu- modischen Treiben.' Daß sie den jungen Leuten selbst Unterschlupf gewährt hatten, vergaßen sie jetzt vollständig. Mittlerweile verdarb der Hachzeitsschmau» in den Vorrats« kammern. Ane rang weinend die Hände unter der Schürze und ihre Ellern zitterten vor Witt. Nach Derlauf einer Woche fand man Jens Römer in einer Felsenhöhle am Strand drunten, Er war abgemagert, sah schrecklich aus und wollte nicht sprechen. Es war die allgemeine Meinung, er sei verrückt geworden. Dies versöhnte Anes Eltern einigermaßen mit seinem Benehmen: aber von einer Heirat wollten sie nichts mehr wissen, obgleich er mst der Zeit wieder vernünstiger wurde und sein Benehmen bereute. Ane durste daheim bleiben, aber sie wurde von ihren Eltern ziemlich schlecht behandelt. Dagegen waren sie gegen ihr Kind— ein Sohn— sehr lieb. Sie vergötterten ihn geradezu und bewirt. schafteten den Hos bis in ihr hohes Aller hinein, wo der Enkel dann all genug war, ihn zu übernehmen. Ane selbst gall bei ihnen weniger als ein Dienstbote, und so oft sie und Jens Römer sich einander näherten und zusammen- kommen wollten, jagten die Eltern sie auseinander. Und keines von ihnen hatte den Mut. sich sein Recht Wiederau verschaffen. Dann wendete sich An« der Mission zu. die gerade zu jener Zeit auf der Insel Fuß zu fassen begann. Jens Römer, der zu Hause als Auswurf angesehen wurde, weil er die günstige Gelegenheit, auf dem Nachbarhose Hofbauer zu werden, verpaßt hatte, landete schließlich auch da. Und noch vielen Iahren, als die Alten starben, heirateten die beiden doch noch und wurden sofort von dem Sohn aufs Alten- tell gesetzt. Auf diese Weise konnten sie nie selbst über etwas oerfügen und hatten außerdem den Kummer, daß niemand ihren ehelichen Namen fortführte. Denn ihr Sohn nannte sich jetzt noch nach seinen Großettern kofod. und im ganzen Kirchspiel hieß er, auch nach der Verheiratung seiner Eltern, noch immer„da» Liebestind'. Er— der Sohn— fühlte sich durch und durch als ein kofod, und in seinem Gemüt hatte das Benehmen seines Baters einen Stachel himerlassen— er grollte der Familie Römer. Bei seinen stark ausgeprägten Gefühlen war« der Haß durch ihn vielleicht noch einmal aufgeflammt: aber die Mission bemächtigte sich seines Grolls und spanMe ihn ins Joch. Außer einem tüchtigen Landwirt wurde er auch ein eifriger Laienprediger und verfolgte die Nachbarn so lange mst seiner Verkündigung, bis sie sich bekehrten. (Fortsetzung folgt.)