Mittwoch 29. Mi 7925
ües Vorwärts
Svenö Tpborgs Haus. von Grete ZNafsS. (Schluß.) Die Insel dort unten mit ihren Dillen und Hotels hat nicht mehr Platz, die Fremden zu beherbergen. Die müssen umher» schweife» und entlegene Plätze und Häuser aufsuchen. Selbst im Dorf ist jede Kammer besetzt von einem Gast und wo ein Haus steht, finden ssch auch Leute ein. die um Aufnahme bitten. Als Daniel an einem Abend vom Fischfang heimkehrt. HSrt er Kajsas Gesang schon draußen. Er ist nicht mehr dünn und leise wie das Zirpen einer Grille, sondern ein unbekümmertes Schmettern und ein jauchzendes, lustiges Trällern. Drinnen findet Daniel Gad« im Oberstock die singende Kajsa mit geschürztem Kleiderrock, auf- gekrempelten Aermeln, in der Hand die Scheuerbürste und umsprüht vom farbig schimmernden, schäumenden Seifenschaum. „Was soll'»/ fragt Daniel erstaunt,»daß du scheuerst und wäschst, hier oben, wo niemand wohnt?" Kajsa hängt sich an seinen Arm, leicht und leuchtend mit ihren vox Eifer glühenden Wangen, den fröhlich strahlenden Augen, dem blanken, weißen Hals mit einer kleinen glänzenden Kette, die sie noch nie getragen, seit sie eingekehrt in ßvend Tyborgs Haus. .Ich habe die Zimmer vermietet an Badegäste," sagt sie heiter. ..Wir werden Geld bekommen. Und Menschen werden um uns sein, Menschen." Sie hat sich losgelöst von ihm und steht da mit sehnsüchtig au«- gebreiteten Armen und einer Gier nach neuem Erleben im Gestcht. Dann taucht sie die Bürste in den Seifenschaum und scheuert an der Tür, die bald die einlassen soll, die von draußen kommen. Die Fremden sind eingezogen in den Oberstock. Ein Ehepaar mit dem Bruder der Frau. Tagsüber sind sie am Meer, dessen Schönheit und Gewalt anzustaunen sie nicht müde werden. Des Morgens aber und de» Abends sitzt die Frau auf der Veranda und schreibt mit engen, kleinen Buchstaben in ein Tagebuch, ihr Mann srtzt daneben und raucht und liest und der junge Mensche der Bruder der Frau, singt und klimpert auf einer Mandoline. Kajsa ist nicht wiederzuerkennen. In nichts gleicht fie dem Häufchen Elend mehr, al» das Daniel Gade sie aus dem Kranken- haus geholt. Ihre Augen sind so blau und tief, ihr nachgewachsenes Haar lockt sich braun um di« Schläfen und kräuselt sich im Nacken. ihr Mund ist rot wie purpurne Nelken..Will sie denn gar nicht altern?", denkt Damel Gad« und betrachtet im Spiegel die grauen Fäden, die sich durch sein eigenes Haar ziehen und die scharfen Falten um den Mund.»Sie ist doch nur vier Jahre jünger als ich. Aber sie blüht wie einst und di« Zeit geht an ihr vorüber, ohne ihr eine Spur zu hinterlassen." Draußen auf dem Meere sagen es die Fischer dem Daniel Gade, daß sein Weib es mit dem jungen Burschen hält, der in Soend Ty- borgs Haus zur Miete wohnt. Daniel Gade stiert vor sich hin. Das Netz mit Fischen in seinen Händen wird so schwer, als wolle es ihn niederziehen bis zum Grund. - Der Tor, der er war! Hat er wirksich geglaubt, Kassa würde sich ändsrn und würde Treue hallen. Kajsa. die nie altert, die ewig glüht und blüht und deren Lachen wie Taubengirren klingt? Ein Schmerz ist in seiner Bnlst, den er kennt. E» ist derselbe Schmerz den er vor siebzehn Jahren empfunden, bis er Schluß gemacht, Kajsa verlassen und sich angesiedell in Soend Tyborgs einsamem und finsterem Hau». Nun liegt er in allen Nächten wach, starrt ins Dunkel und wälzt seine Gedanken hin und her. Neben ihm geht der ruhige Atem der Frau, die ihn wieder betrügt wie vor Jahren, die mit dem blonden, jungen Burschen in die Dünen läuft und sich herzen und küssen läßt. Kajsa hat kein Gewissen, Kajsa keunt keine Reue. Ihr Atem geht darum nicht schwerer, weil sie Unrecht tut. ihr Herz schlägt nicht ängstlicher, weil es voll Schuld ist. Unbekümmert und sorglos liegt sie in den Kissen und lächelt im Traum wie ein un- schuldiges Kind. Daniel Gade aber denkt daran, daß auch Soend Tybor; dess« Haus er bewohnt, viele hundert Nächte grübelnd im Dunkeln ge- legen. Auch Soend Tyborg mag in den Ecken des Zimmers dunkle Tiere, uralten Meerungeheuern gleich, gesehen haben, die sich be- wegen und drohend emporrichten. Auch Soend Tyborg mag auf die Atemzüge der ungetreuen Frau gelauscht hoben, mag von ihren träumenden Lippen den Namen des anderen gehört, mag die Hand ausgestreckt und die Finger an die Kehle der Schlummernden ge- legt haben, kämpfend mit dem Wunsche, zuzudrücken. Auf einmal ist er dem fremden Manne so nahe, fühlt alles, was er gefühlt. leidet alles, was er gelitten. Nur gegen das Letzt« wehrt er sich noch. Eine Frau hmabschleudern von den Klippen in da» Meer, sehen, wie die Kreise des Wassers sich schließen über ihrem Haupt, sehen, wie die großen Wogen gleichgültig hinrollen über ein srsches Grab. Nein! Nein! Das nicht! Das nicht! Aber die dunklen Gewalten in seiner Bnist schlafen nicht ein. Tagsüber, in den Dünen oder auf dem Meere, da geht es ja. Aber sobald er im Hause ist, beginnt es In seinen Schläfen zu hämmern. Vom Hause au» strömt der Seist Soend Tyborg» in ihn hinein. Von den Treppen, den Stiegen, den Eimsen, den Mauern, den Balken scheint auszuglühen, was in diesem Hause einmal ein Feuer gewesen und ein Brand,«s ist ihm. als kröche sein eigenes Selbst immer mehr in sich zusammen, säße irgendwo zusammengekauert und zusammengezogen und Soend Tyborg nähme von seinem ganzen Leibe Besitz. Soend Tyborg ist es. der im Finstern ein kleine, Kätzchen abwürgt, das der junge Bursche Kajsa ins Haus gebracht. Soend Tyborg ist es. der in den dunkeln Winkeln des Hauses lauert. bereit, mordend h-rvorzustürzen. wenn er Kajsa in den Armen des Jungen findet. Soend Tyborg ist es. der sich schlaflos in den end- losen Nächten auf dem Lager wälzt, die Faust hebt und in sich die Gier bezwingen muß. sie nicht niedersausen zu lassen auf die Stirne d«r Schlafenden., Der Daniel Gade in ihm kämpft gegen den Soend Tyborg in ihm. aber Soend wächst und seine Macht hat keine Grenzen mehr. Und in einer Nacht, da fühlt er. nichts in ihm ist mehr Daniel Gade. alles ist Soend. Er steht auf und nimmt die Schlafende empor. Die schlägt erschrocken die Lugen auf und beginnt zu wimmern, wie sie über sich das entstellte Gesicht sieht. Es hängt wie eine Gewitter» wölke über ihrem Haupte, seine Blicke sind Blitze und sein Atem«in Keuchen, der nichts Menschliches an sich hat. Und er stößt mit dem Fuße die Haustür auf und geht den Weg. den einmal Soend Tyborg gegangen. Der Wind der Nacht braust um ihn her und die Dünen ruhen grau im Mondenlicht. Langsam schreitet er aufwärt» und hört da» Rauschen des Meere» näher und näher. Er steht aus der Klippe und will die Arme heben, die Ungetreue hinabzuschleudern iß den Grund. Aber da regt sich der Daniel Gade in ihm. Kajsa!
Kajsa hat er doch einmal geliebt mit aller Kraft! Kajsa muß er noch einmal ins Angesicht sehen, bevor das Meer sie empfängt. Und wie er auf die Frau in seinen Armen schaut, sieht er, daß er eine Tote trägt. Der Herzschlag muh sie getroffen haben mitten In ihrer ungeheuersten Angst, denn ihre Züge tragen den Ausdruck namen- losen Entsetzens. Langsam läßt er die Tote niedergleiten auf den Boden. Der fremde Geist weicht von ihm und alles, was sich in Soend Tyborgs Haus in ihn hineingewühlt und hineingefressen. Schluchzend wirft sich Daniel Gade, der schwache, hilflose, gutmütige Mann, der sich niemals rächen, der immer nur verzeihen und dulden konnte, nieder und küßt Kajsas kalten, angstverzerrten Mund. Dann springt er von der Klippe herab ins Meer.
Monömärchen.
.haben 5e wak verloren, del Se so emsig kieken?" .Ach. ich suche einen sozialen Gedanken in der 5leuer- vorläge der Retterregierung." ' die Verzauberung öer Namen. von Lola Landau . Namenlos sind die Bäume im Walde. Dicht aneinander- fedrängt, Scharen an Scharen, im Gelock des Laube» oder schwarz- trähnig mit struppigen Schöpfen wiegen sie alle nur den einen großen Himmel. Namenlose Wiesen verlieren sich in Wäldern, Wälder verirren sich in tieferem Dickicht. Namenloses Geriesel des Wassers, das durch Dunkel und Helle, hierhin und dorthin schlüpft! Keinen Namen kennt die große Natur, und in ihren unendlichen Windungen und Derschlingungen findet die Einzelseele sich selber nicht wieder. Aber betritt der Mensch die stummen gespenstischen Stätten der Wildnis, so will er alle Wesen dem Schweigen entreißen. In Grauen und Ehrfurcht vor diesem Versinken des heißen selbstischen Lebens im Allrausch, das ihn selbst erst im Tode lockt, möchte er doch diese Gebannten, diese keuchenden Leiber der Bäume, diese brennenden Münder der Blumen dem Vergessen entwinden und zu seinem menschlichen Jchglück erlösen. So leiht er ihnen sein eigenes menschliches Gefühl und gibt ihnen Namen. Nie hat er zartere, schönere gefunden, nie aus sich selber tiefer das Innerste geschnitten. Und um die Bäum«, behängt mit dem glitzernden Schmuck der Namen, um diese umschwärmten Plätze wittert von nun an die ge- heimnisoolle Lust menschlicher Schicksale. In unserem Dorf«, das nichts ist als eine Lichtung, die Menschen mitten in den Wald geschnitten haben, gibt es wundersame Namen der Landschaft. Wer kennt dort nicht die„Zärtliche Buche", so berühmt wie Julia, die große Liebende, die sich dem Sohne des verfeindeten Hauses untrennbar vermählte. Liebend umschlingt„die zärtliche Buche" eine hohe Kiefer mit ihren herrlichen Armen. Drei- mal, von dem Erdboden bis zu dem zitternden Gipfel des Baumes umwinden ihre Aeste den Stamm der Kiefer in einer umkreisenden, schließenden Umarmung, während der Nachbarbaum sich leise in der gleichen erhabenen Höhe an sie lehnt. Nicht anders sieht es aus, als preßte„die zärtliche Buche" leidenschaftlich ihren Geliebten an sich, um ihn nie wieder aus ihren Armen zu lassen, ihn, den Kiefern- sproß, den Stämmling einer fremden Rasse, welche mit ihrer Familie auf Tod und Leben um jeden Wurzelbreit Boden kämpft. Aller Feindschaft ihrer Geschlechter spottend, in strotzendem Jubel der
Schönheit und des Wachstums ragen die beiden unlösbar Ver- schlungenen aus demselben schmalen Erdbett auf. Dicht schmiegt sich die glatte silbrige Haut an die rauhere, das helle Geriesel der Laub- haare umspielt das düstere ernste Haupt. Vor diesem Wunder mögen Liebende in glücklichem Staunen stehen bleiben. Aber sie wissen nicht, daß sie auf demselben Wege, der sich wie ein grüner Knäul am See entwirrt,«ine Schwesterbuche treffen werden, die zu einem furchtbaren Morterstein der Liebe ge- worden ist. Man nennt sie die„S e l b st m ö r d e r b u ch e". Denn an ihrem Stamm tötete sich«in Liebender, als das heiße Lachen seiner Geliebten hinter einem anderen herlief und ihn mit tausend höhnischen Echos umgellte. Zusammen mit einer Freudesschar war er an einem Sonntagsmorgen ausgezogen, vielleicht mn in dem weiten Atem der Wälder die gräßliche Beklemmung der Eifersucht zu verlieren. Aber gerade hier zerriß ihn das schamlose Lachen der Frau wie ein wildes Tier, dos aus dem Dickicht springt. Er blieb etwas zurück hinter dem lärmenden Zug der Wandernden. Dort auf offenem Wege, in seinem Jammer ganz den hellen lächelnden Augen des Sees entblößt, hob er die Waffe gegen sich. Das Blut spritzte hoch gegen den Stamm der Buche. Sieht man nicht jetzt noch den Blutfleck auf der Rinde? Moos und grüne Flechten sind darüber gewachsen: und doch ist dieser Baum nun für immer gezeichnet wie ein Galgen und mit Blut geimpft, daß die Blätter sich dunkelrot färben müßten. Vielleicht aber war die„Selbstmörderbuche" die Trösterin des Verzweifelten. Sie war das letzte lebende Wesen, an das er den Kops legte, in ihr Blätterrauschen mischte er sein Flüstern. Sein letzter Blick sah in den wehenden grünen Himmel ihres Laubes. Auf dem Rückweg gehen wir an dem„Bahnhof " vorüber. Aber welche Totenstille! Kein Lärm, kein Gewimmel von Stimmen und Rufen erfüllen uns mit der Erregung der Reise. Ist dieser Bahnhof ausgestorben oder niedergerissen? Nein, hier gespenstert nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Dieser Bahnhof ist nur ein breites viereckiges Brachfeld, mit Baumstämmen besät, das vor Iahren abgeholzt wurde, um für das Dorf den lange ersehnten Dahnhof zu bauen. Aber der Krieg und Nachkrieg verhinderte bis heute den Bau der Bahn, und nur das Getriller, di« Schreie und Pfiffe der Vögel streichen über den Bahnhof und geben die Signale ihrer unbezähmbaren Reiselust. Aber die Zukunft geht hier um. Nachts, halb im Traum hört man bisweilen da« gespenstische dumpfe Rasseln von Wagen, gellende Pfiffe und da» dunkle Getöse der Lokomotive, die durch den Wald braust, um ihre Still» mit dem großen Laut der Welt aufzureißen. Ehe wir in das Dorf zurückkehren, steigen wir noch einmal einen kleinen Wiesenhügel hinauf zum„Mutterblick". Gibt es etwas Liebevolleres, Zärtlicheres als diesen Namen? Dort überschaut man alle Häuser, die sich wie Kinder nebeneinander in einem halboffenen Kreise aufgestellt haben. Dort leuchtet der rote Kopfputz eines zier- lichen Hauses, die Fenster blinzeln golden in da» Abendlicht. Es ist der Blick einer unsichtbaren Mutter, die vom Hügel aus all« Wesen in Liebe behütet und umfängt. Der Blick der Mutter, der mit klarer Milde olle» sieht und durchdringt. Hier oben am„Mutter- blick" ist keine Unruhe vom Walde zurückgeblieben, und dt« Landschaft schwingt in leisen Wellenlinien am Rand« der Wolken auf und nieder. Und doch ist dieser Mutter ein Kwd entlaufen, und chr Blick sucht vergeblich den„Verlorenen Sohn". Wo hält er fich verborgen?„Der verlorene Sohn" ist eine versteckte Waldwiese, von Wasser burchstckert. von wildem Kraut überwuchert. Hier wächst die Brennessel in Büschen, brennende Ranken schleichen wie Schlan- gen am Boden, aber auch der ganze bunt« Schaum der Blumen tollt durcheinander. Denn der Boden ist feucht, fast morastig, fo daß es scheint, die Wiese wird einmal ganz in den See versinken, der sie mit seinen spitzen Wellenzungen umschmeichelt. Kehrt der ver- loren« Sohn zu der Mutter zurück oder geht er hinab zu den Schllsgöttern, den Sumpsgeistern? Noch einmal sehen wir vom MutterbUck hinab in das Dorf. Mit den zauberischen Namen der Urschicksale schmückten diese Menschen ihre Landschast aus. Liebe, Tod, Mutterschaft, die großen Gewallen des Lebens wachsen nun in Rinde und Blüte weiter und können nicht oergehn._ Geographie der Kleidung. Die Stoffe und Sachen, die aus „fernen Gegenden" kamen, waren in alter Zeit natürlich besonders kostbar, und deshalb nur von den Reichen erschwinglich. Heutzutage trägt jede Frau Sachen an sich, die aus fernen Weltteilen stammen, und die wenigsten denken daran, wie weit die Rohstoffe oder Fabri- kate reisen muhten. Immerhin ist die„Geographie der Kleidung". di« beständig bereichert wird, ein interessantes Kapitel. Die Motive der heute so beliebten Stickereien stammen vielfach au» dem Orient. aus Indien , aus China , aus Aegypten . Die billigen Lederhand- schuhe werden hauptsächlich aus Lammfell hergestellt, aber die elegantesten Glacehandschuhe kommen von lappländischen Renn- tieren und österreichischen Gemsen. Manche Stosfe künden schon in ihrem Namen Ihre weite Herkunft an. So heißt Kaliko nach der südindischen Stadt Kalkutta , aus der der beste Kaliko kam, bevor sich englische Und deutsche Fabriken der Herstellung annahmen. Der Musseline wurde ürsorünglich aus Mosul eingeführt, der großen Handelsstadt an den Ufern des Tigris . Die Bezeichnung Serge weist auf China als Geburtsland hin, denn das Himmlische Reich hieß früher das„Land der Serer" und China lateinisch Serica, wovon Serge abgeleitet ist. Die große Zahl französischer Namen für Mode- stofse zeigt, daß viele Stosfe von dort ihren Ausgang genommen haben. Die Seid« der Damenkleider stammt in seltenen Fällen aus dem fernen Osten, aus Indien und Japan , meisten» aus Italien , Frankreich und der Schweis Die Wolle sür unftre Kleider stammt vielleicht aus Nordamerika oder au» den Hinterwäldern von Australien , und bei Pelzen und Edelsteinen, bei Federn, Reihern ist es die ganze weite Welt, die geplündert wird. Japanische Schildkrökensarmen. Ein Tierbostand von 60000 Köpfen ist sicher für einen lottdwirtschafllichen Betrieb«in unge- wohnlich stattlicher, ja riesiger Besitz, den man am allerwenigsten in der japanischen Landwirtschaft suchen würde. Es bandest sich aller- dings nur mn 60 000— Schildkröten, di« auf einer Farm nahe Tokio leben und gedeihen. Sie produzieren jichrlich 100 000 Eier. die auf dem japanischen Markte als Leckerbissen sehr geschätzt werden. Daneben sichern ober die Schildkröten mit ihrem Fleisch und ihrer Panzerschole dem klugen Manne, der sich ihrer Zucht gewidmet hat, einen sehr ansehnlichen Ertrag, der obendrein ziemlich mühelos ge-- mannen wird. Eine ähnliche Form befindet sich in Mufaka. Hier wird die Schildkrötenzucht jedoch nur als Nebenberuf neben der Vieh- zucht betrieben. Sie beschränkt sich überdies ausschließlich aus die Züchtung von Schildkröten indischer Herkunft, und zwar wird nur eine einzige Art gezüchtet, die wegen ihres hochwertigen Schildpatts besonders geschätzt wird. welche Gegenden der Erde sind noch unerforscht? Man sollte es kaum glauben, daß noch ein volles Siebentel der Erdoberfläche ganz m, erforschtes Land ist. Selbst wenn man von den mit ewigen, Schnee bedecken Nord- und Südpolargegenden absieht und nur be- wohnte oder doch wenigstens degangen« Gegenden ins Auge faßt. bleibt immer noch ein rundes Zehntel übrig, das auf unseren Karten als kahle Stell« erscheint, weil noch kaum ein Forscher seinen Fuß hineingesetzt hat. Da» größte bisher unerforschte Gebiet liegt in Arabien . Es umfaßt etwa 600 000 Quadratmeilen, ist also fast doppelt so groß wie das Deutsch « Reich und liegt im Innern der Halbinsel. Kaum ein Forschnngsreisender ist bisher in das Innere dieses Gebietes gedrungen und zuverlässige Angaben über Boden- beschaffenheit, Bewohner, Flußlaufe fehlen ganz. Di« Küsten- bewohner sprechen von einem„Voll der Leere", das da wohnen soll.