.. Unterhaltung unö A9lssen
Der Schauspieler. von August Skrindberg. Die Kunst des Schauspielers ist die schwerste und die leichteste van allen Künsten. Aber sie ist, wie das Schöne, fast unmöglich zu definieren. Sie ist nicht Verstellungskunst, denn der grohe Schau- spieler verstellt sich nicht, sondern ist aufrichtig, wahr, ungeschminkt: nur der niedrige Komiker tut alles, um sich durch Maske und Kostüm zu verstellen. Sie ist nicht Nachahmung, denn schlechte Schauspieler besitzen sehr ost eine dämonische Fähigkeit, bekannte Personen zu imitieren, während dem wirklichen Künstler diese Gabe fehlt. Der Schauspieler ist auch nicht ganz das Medium des Dichters, nur in ge- wisser Weise und mit Vorbehalten. Die Kunst des Schauspielers wird in der Aesthetik nicht zu den selbständigen Künsten gerechnet, sondern zu den abhängigen. Sie kann ja nicht für sich existieren, ohne den Text des Dichters. Ein Schauspieler kann einen Dichter nicht entbehren. Ich habe nie den zweiten Teil von Goethes.Faust" aufführen sehen, nie Schillers .Don Carlos", nie Shakespeares.Sturm", aber ich habe sie doch gesehen, als ich sie las: und es gibt gute Stücke, die nicht aufgeführt werden dürfen, es nicht vertrogen, gesehen zu werden. Aber es gibt schlechte Stücke, die gespielt werden müssen, um leben zu können: die von der Kunst des Schauspielers vervollständigt und veredelt werden. Der Dichter weiß im allgemeinen, für was er dem Schau- spieler zu danken hat, und er ist gewöhnlich dankbar. Das ist auch der überlegene Schauspieler gegen seineu Dichter, und ich sähe am liebsten, sie dankten einander, da die Verpflichtungen gegenseitig sind; aber im besten Einverständnis würden sie leben, wenn die unberufene Frage nie gestellt würde. Aber sie wird oft von ein- gebildeten Narren und von Sternen gestellt, wenn sie zufällig»in untergegangenes verdientes Stück zu Ehren gebrocht haben. Für die ist der Dichter ein notwendiges Uebel oder jemand, der den Text zu ihrer Rolle schreibt, da ja ein Text da sein muß. Die Kunst des Schauspielers scheint die leichteste von allen Künsten zu sein da ja jeder Mensch im Alltagsleben sprechen, gehen, stehen, Gebärden und Mienen machen kann. Aber dann spielt er sich selbst, und das erweist sich bald als etwas anderes: soll er eine Nolle lernen und wiedergeben, wird er auf die Bühne gelassen, so merkt man bald, daß der kenntnisreichste, tiefsinnigste, stärkste Charakter unmöglich ist, während sich eine sehr einfache Natur sofort zu Hause fühlt. Den einen ist die Kunst der Wiedergab« angeboren. die anderen haben diese Kunst nicht erhalten. Aber es ist immer schwer, über einen Anfänger zu urteilen, denn Anlagen können vorhanden sein, ohne sich sogleich zu offenbaren, und große Talente hoben oft einen recht dürftigen Anfang gehabt. Darum müsten Direktor und Regisieur vorsichtig im Urteil sein, denn sie haben da» Schicksal eines jungen Menschen in ihrer Hand. Was den Schauspieler macht und welche Eigenschaften er haben muß, ist sehr schwer zu sagen, aber ich will versuchen, einige anzu- geben. Zuerst soll er seine Aufmerksamkeit auf die Rolle richten, alle seine Gedanken auf sie konzentrieren können, darf sich nicht zer- streuen lassen. Wer ein Instrument spielt, weiß, was es zu be> deuten hat, wenn die Gedanken ihr Spiel zu treiben anfangen. Dann verschwinden die Noten, die Finger irren umher, machen Fehler. und man bleibt stecken, auch wenn man da» Stück kann. DI« zweite Bindung ist wohl: Phantasie besitzen, das heißt hier: sich Gestall und Situation so lebendig vorstellen zu können, daß sie Form annehmen. Ich vermute, der Künstler wird in eine Trance versetzt, vergißt sich selber und wird schließlich der, den er vorstellen soll. Das erinnert an Schlafwandeln, ist aber wohl nicht ganz das- selbe. Kein« Kunstart ist so unselbständig wie die des Schauspielers: er kann sein Kunstwerk nicht isolieren vorzeigen und sagen: da, ist mein». Findet er nämlich nicht Resonanz beim Gegenspieler, wird er von diesem nicht unterstützt, so wird er niedergezogen, in falsche Tonlagen gelockt: auch wenn er sein Bestes tut, es nimmt sich nicht aus. Die Schauspieler haben einander in Händen: es gibt un- gewöhnliche Egoisten, die den Rivalen niederspielen. ihn in den Hintergrund drängen, um selber und allein in den Vordergrund zu treten.
Der Hochverräter. 7] Erinnerungen ans schweren Tagen. Bon Adolph Hoffmann . Bei Dunkelwerden wurde die Gasflamm« über dem Tisch — sogenannter Schnittbrenner— angesteckt, der punkt 8 von außen aus- gedreht wurde. Das war das Signal zum �Langmachen." Kaum war dos geschehen, ging ein unglaubliches, allseitiges Klopfen an den Wänden los. Telegraphieren. Lange Zeit brauchte ich. das System zu ergründen— und es war doch so einfach. Während die Heiz- röhren als Telephon mit gutem Erfolg dienten, waren Wände und Fingerknöchel der Morseapparat der Telegraphie. Jeder Takt war in der Reihenfolge des Alphabets«in Buchstabe. Aus den so ge- gebenen Buchstaben wurden Worte zusammengesetzt und hinter den letzten Buchstaben des Wortes ein doppeltes Schlußzeichen gegeben. Die Beendigung des Telegramms wurde durch Scharren mit der flachen Hand und folgendes flinkes Trommeln mit allen Fingern gegeben Der Empfänger des Telegramms antwortete als Beweis, daß er verstanden hätte, mit demselben Zeichen hinter jedem Wort und Schluß. Im Telegraphieren selbst habe ich da. da ich es nicht versuchte, keine Uebuna erhalten, aber verstanden habe ich in schlaflosen Nöcbten lehr gut und manches Interessante gehört. Auch wie Alibis geschaffen werden. Wenn einer ein schweres Ding gedreht hat. das ihn übern Berg'(ins Zuchthaus) bringen kann, gibt ihm«in anderer den man nach langem telegraphischen Suchen ausfindig gemacht hat Einzelheiten über eine leichte Sache, die zur gleichen Zeit.aedrebt" ist so daß der Zuchthauskandidat durch Eingeständnis dieser Sichren Tot beweist, daß er bei der schweren Kiste gar nicht dabei gewesen sein kann. Ja. Gefängnisse sind Hochschulen des Verbrechens: auch das drei- fach streng überwachte Untersuchungsgefängnis. Die Insassen tele- graphieren erst, wenn sie ihr Loger eingenommen haben. Da es unter der Schlafdecke geschieht, kann auch der kontrollierende Nacht- aufseher sie selten erwischen. Uebrigens hatte mein Zellennachbar Recht behalten. Ich war schon nach acht Tagen sroh. wenn er�sich mü mir was erzählte. Nachdem ich bei einem Bärentanz(Frei. stunde. Rundgang) ihn persönlich gesehen halte, riskierte ich es, von Zeit zu Zeit an den Heizungsröhren mit ihm zu plauschen.
Darum ist der Geist, ein gutes Verhältnis, beim Theater von größter Bedeutung, damit das Stück wirkt und sich ausnimmt. Die Schauspieler müssen sich über- und unterordnen, sich ein- und neben- ordnen, vor allem ober sich zusammenordnen. Das ist viel verlangt von Menschen, besonders auf einem Feld, auf dem ein löblicher Ehrgeiz jeden antreibt, sich bemerkbar zu machen, Anerkennung zu erringen und mit erlaubten Mitteln einen wohlverdienten Preis zu gewinnen.
Trost.
Wasserlinsen. Entengrütze nennt sie bezeichnenderwesse da» Bokk. Run sind Enten nicht gerade Pflanzenfresser. Aber indem sie unge- zählte Mengen der kleinen Pflänzchen durch ihren Schnabel schlabbern, erwischen sie Legionen des kleinen Getiers, das an, unter und zwischen den Wasserlinsen lebt. Man kann sich leicht von dem Reichtum dieser Lebewelt überzeugen, wenn man mit dem Kätscher oder noch besser mit einem nicht wasserdurchlässigen Gefäß einen Klumpen der grünen Scheibchen herausfischt und daheim, etwa in einem Einmacheglas, wieder in Wasser �auflöst". Klein« Wasser- köser, rote kugelrunde Wassermilben, klein« Schnecken, die als „lebendes Fischsutter' bekannten Daphnien und zahlreich« andere winzig« Vertreter au» der weiteren Verwandtschaft der Krebstiere pflegen rasch das Wasser zu bevölkern, während die Linsen sich von selbst wieder zu einer grünen Decke zusammenschließ«». Aus der Mitte jedes Scheibchens senkt sich nach unten eine oder mehrere fadenförmige Wurzeln, die wie ein Senkblei das Scheibchen am Umkippen hindern. Beschaut man da» untere Ende dieser Würzelchen mit einem gewöhnlichen Vergrößerungsglas, so sieht man, daß ihm wie ein spitzer Trichter eine zarte Haube aufsitzt. Diese sogenannte Wurzelhaube ist den Wurzelspitzen aller höheren Pflanzen eigen, aber bei keiner so leicht zu beobachten, wie bei der Wasserlins«. Wenn nach einiger Zeit das Wasser in dem Gefäß völlig zur Ruhe gekommen ist, dann findet man fast regelmäßig an der Unterseite der Scheibchen und an den Würzelchen hier und da eine der«igen- artigsten unserer niederen Tiersormen, den Wasserpolypen. Er be- steht äußerlich betrachtet aus einem etwa zentimeterlangen Stielchen, da» mit dem einem End« an der Pflanze festsitzt, am anderen Ende ober nicht, noch dünnere Fongarme aussendet, die die winzige Mund- öffnung des schlauchförmigen Polypen umstehen. Di« Fangarnie sind mit mikroskopisch kleinen Nesselapparaten besetzt, die jedes nahende kleine und kleinste Lebewesen mit giftigen Schleudergeschossen in kurzer Zeit kampfunfähig machen, woraus sie dem Schlauch einver- leibt werden.
Hermetisch abgeschlossen von der Welt, in Einzelhaft, da» macht selbst Menschen mit Nerven wie die Schifsstaue auf die Dauer ver- rückt, und doch protestierte ich eines Tages dagegen, gemeinschaftlich gelegt zu werden. Zwei Dinge v«ran lohten mich dazu: Ersten» das Menschen- Material, da» ich am Molkenmarkt kennen gelernt hatte und dann die eigentümliche Art meines Hochverrats, bei dem falsche Zeugen- aussagen geradezu in der Luft lagen. Warum wir Gefängnisse brauchen. ver erste Sonntagl Ich begreife die Gefangenen, welche b'e Sonntage als gräßlich bezeichnen. In der Woche gab es allerlei Unterhaltung. Die beiden Glocken in der Zentrale spielten fast ununterbrochen. Die große— ein bis fünf Schläge— gab die Flügel A. bis E. an und die kleine die Etagen. Dann hörte man den Schließer der gerufenen Etagen den Beamten, der in der Mitte de» Rondells der Zentrale saß, zurufen:.Was ist los?" und eine Nummer zurückschallen. So wußte man es auch, wenn man selbst geholt wurde, eher, als es der Schließer einem mitteilen konnte. Beim Vor- und Rllcksühren gab es allerlei Kurzweil: heulende. fluchende oder tobend« Gefangene, oder auch wilde Männer. Sonn- tags aber herrschte Friedhofsstille. Es war daher eine wirklich angenehme Unterbrechung, als am Sonntag vonnittag die Tür aufgestoßen wurde und plötzlich ein« mir unbekannte Größe, ein Beamter in langem hellen Mantel gegen- über stand. Ehe ich was sagen konnte, kam es von seinen Lippen: .Was wollen Sie hier?" Auf meine Antwort:.Können Sie mir das nicht sagen," erwiderte er:.Nein, ich bin nur der Arbeits- Inspektor und wollte mal hören, ob Ei« nicht Lust hätten zu arbeiten." .Was haben Sie denn?" fragte ich mißtrauisch..Düten kleben oder Wolle zupfen tue ich nicht." .Hallen Sie sich dafür zu schade," entgegnet« er spitz..Da, wird bei uns nur im Gemeinschaftssaal gemacht." »Da gehe ich nicht rein!" .Na also," gab er zurück und holt« aus einem Mantel ein Paar Strümpfe heraus..Ich habe hier Sttümpfe zum Ketteln. Eine schöne saubere Arbeit." Der Herr Arbeitsinspektor hotte sich aus meinen Tisch gesetzt und zeigte mir, wie die auf der Maschine gestrickten Strümpse mit einer Kloppnadel an den Spitzen. Versen und Schäften zugekettelt wurden und erkundigte sich dabei interessiert nach dem Grund meines Hierseins.
Seilage Ses vorwärts
In botanischer Hinsicht sind die Wasserlinsen bemerkenswert als die kleinsten aller Blütenpslanzen. Bisweilen sieht man, unter der Lupe, die Scheibchen am Rande gespalten und in jedem Spalt sitzt dann entweder ein Staubgefäß oder ein Stempel. Aber die Pflanze blüht sellen, und die außerordentliche Verbreitung der verschiedenen Arten von Wasserlinsen fast über die ganze Welt verdankt sie ihrer ungeschlechtlichen Vermehrung durch„Sprossung", indem aus jedem Scheibchen seitlich neue herauswachsen. Die Natur, die, bcispiels- weise bei den Orchideen und Cacteen, die Mannigfaltigkeit der Formen auf die Spitze getrieben hat, hat andererseits an den Wasserlinsen, die sich aus höher entwickellen Pflairzen in ihre heutige Kleinheit zurückentwickelt haben, gezeigt, was sie auch auf dem Gebiete der Vereinfachung der Formen zu leisten vermag, ohne deren Lebens- fähigkeit damit zu beschränken. Es würde, im Gegenteil, wahrschein- lich viel leichter sein, alle Eichenbäume auszurotten, als die Wasser- linsen. Und niemand sieht diesen Gewächsen an, daß sie einer großen Pflonzenklasse mit zum Teil prachtvoller Beblöttexung und auffälligen Blüten angehören, zu denen viele unserer Zierpflanzen (z. B. Calla und Anthurium) und übrigens auch unser Kalmus gehören. Es ist«ine Well voller Wunder für sich, ein« in sich geschlossene Lebensgemeinschaft, diese grüne Decke auf unseren Teichen, die unsere Enten leider besser zu fchätzen wissen, als der meist achtlos vorüber- streifend« Wanderer. _ L. L. verbrechcrfang mit Zwirnsfäden. List ist im Kampfe mit der Verbrecherwelt eine ebenso wertvolle Waffe wie Stärke und offene Ueberleqenheit. Zu den kleinen Mitteln, mit denen oft der Kampf gegen das nächtliche Treiben der Spitzbuben aufgenommen wird. gehören die von den Hütern des Gesetzes quer über die sichernden Schlösser oder Torwege gespannten feinen Daumwoll- und Zwirns- fäden, deren Beschädigung ein sicheres Zeichen bieten. So wurde in London kürzlich das Eindringen von Verbrechern in einen Juwelier- laden an der Verletzung einer solchen.Schutzmarke" festgestellt. Der Polizist benachrichtigte sofort von seiner Wahrnehmung einen zweiten, und die beiden entdeckten zwei Diebe, die sich vergeblich in dem Dunkel einer Ecke zu verbergen suchten. Bei einem derselben wurde ein Zettel entdeckt, der die Adresse eine» der Hehlerei Ver- dächtigen trug.-Der Polizist eilte sofort in den bezeichneten Laden, verhaftet« den Geschäftsinhaber und spielte in dessen Kleidung einig« Stunden lang die Rolle des Verhafteten, mit dem Erfolg, daß er noch vier andere Diebe abfing, die gestohlenes Gut verkaufen wollten. Alle diese Verbrecher hatte er also mit einem Zwirnsfaden gefangen. Eine andere ebenso grtte Waffe im Kampf gegen die Wilddiebe hatte ein Wachtmann in einem englischen Dorfe in einer Spule feiner Seide gefunden, die er im Eingang de« Hauses eines der Wilddieberei verdächtigen Mannes so befestigt hatte, daß der Herausgehend« sie ein« Streck« weit mitschleppen und den Faden abspulen mußte. Dadurch war die Richtung, die er einschlug, verraten. Bisweilen freillch werden natürlich auch diese.Marken" von den Einbrechern erkannt, die dann bemüht sind, den Tatort, nachdem sie ihn betreten, wieder genau in den früheren Zustand zu versetzen, so daß der draußen vor übergehende Polizist die Fäden, Hölzchen, Papierstücke oder was sonst ihm al» Erkennungszeichen dienen sollte, unverändert findet. M« man ein Z«hamNNoust«l Millimeter mißt. Die El«k. tronenröhre, die beim Radio«ine so große Rolle spielt, hat jetzt ein« neue überraschend« Anwendung erfahren, indem man sie zu einer überaus empfindlichen Mehvorrichtung ausbildete.� Jeder Radioamateur weiß, daß bei ganz geringfügigen Kapazitätsände- rungen im Röhrenkrei» lautes Heulen und Pfeifen im Kopfhörer entsteht. Diese Erscheinung fft nun. wie Erich Echwandt in der .Umschau" berichtet, dazu ausgenützt worden, ein« sehr empfindliche Mikrometeranordnung zu bauen, die selbst ein Zehnmillionstel Millimeter zu messen vermag, also fast den Durchmesser eines Wasseratoms. Diese Mehvorrichtung kann durch geringe Aenderungen auch als Thermometer benutzt werden und gestattet dann, Temperaturschwankungen von einem Sechzehn- tausendstel Grad Celsius festzustellen. Die Erfindung, die in dem Aufsatz näher beschrieben wird, beruht auf der Anwendung der Elektronenröhre, die überhaupt der messenden Wissenschaft noch große Dienste leisten wird..Es wird immer klarer," sagt der Ver- fasser,.daß die Elekttonenröhre nicht nur für die drahtlose Tele- graphie und Telephoni« ein unschätzbares und durch nichts anderes ersetzbares Univerfalinstrument ist: auch auf anderen Gebieten der Wissenschaft und Technik findet sie«ine immer ausgedehntere An- wendung, besonder» zur qualitativen und quantttattven Bestimmung physikalischer Eigenschaften. E» ist zu erwarten, daß uns die nächste Zell in dieser Beziehung überraschend« Neuerungen bringt."
Al» ich ihm da», was ich wußte, mitgeteiv hatte, sagt« er: .Ra, und wenn es so ist, wi« Sie sagen, ist e» doch dumm, daß ein junger Mensch sich mit Politik einläßt." Ich antwortete beleidig«: .Erlauben Sie, ich bin bereit» 25 Jahre alt, also schon wahlberechtigt." .Na ja." meinte er wegwerfend,.aber warum lassen Sie sich mit der Sozialdemokratie ein. Sehen Sie die Führer an. wie die in Saus und Braus leben." .Wer denn?" fragt« ich. .Sehen Sie mal, so«in armer Schlucker, wie der Hasenclever war, und jetzt wohnt er in einer eleganten Villa in Halle," erklärte der Arbeitsinspektor. .Wer hat Ihnen denn den Schwindel aufgebunden?" stieß ich hervor. .Erlauben Sie. das ist wahr. Ich weiß es von meinem Kriegs- kollegen, der Aufseher am Halleschen Zuchthaus ist." »Sagen Sie ihm nur. e» wäre der gemeinste Schwindel. Ich habe Hasenclever erst vor einigen Monaten in Halle besucht. Und wenn Ihnen mal wieder jemand solchen Bären ausbinden will, dann sogen Sie ihm. er wohnt Anhaltstraße 9 in Halle und hat eine Mietswohnung, mit der Sie nicht tauschen." Meine Erregtheit paßte ihm nicht..Na. wenn Sie so gut orientiert sind, dann werden Sie auch wissen, warum Sie hier sind." antwortete er gereizt und setzte, ehe ich entgegnen konnte hinzu:.Aber was wollen Sie denn. Sehen Sie mal, die Sozial- demokraten wollen doch auch die Gefängnisarbeit abschaffen. Sie haben ja jetzt kennen gelernt, daß da» für die Gefangenen zum V-r- rücktwerden wäre." .Wir wollen nicht di« Arbeit der Gefangenen, sondern nur die dem freien Arbeller als Schmutzkonturrenz gegenübertretende Arbell beseittgen." »Was sollen sie denn arbeiten?" fragte er erstaunt. .Einmal, wa, sie selbst brauchen, also für das Gefängnis. Wenn di« Arbeit nicht zureicht, entlasse man di« Oetonomiehandwerker beim Militär und fertige dies« Sachen im Gefängnis an. Dann behalten die Bauern, di« Kleingewerbetreibenden und Handwerker, die armen Witwen ihre Söhne." Ich war äußerst erregt geworden: ihm schien di« Situation un- angenehm zu sein. Er stand auf, sagte ziemlich kurz:.Sehn Sie mal zu, ob es geht. Ich bringe Ihnen nachher noch Strümpse." Legt« mir das eine Paar hin und verschwand. (Fortsetzung folgt.)