Die Deomten und die Stadtwahlen. Es läßt sich nicht leugnen, sehr viele Beamte, Lehrer und An- gestellte in öffentlichen Diensten stehen dem politischen Leben noch immer fremd gegenüber. Ueberlegen sagen sie, die Politik kümmere sie nicht, womit sie freilich nicht verhindern können, daß die Politik sich um s i e kümmert. Als Konsumenten, als Staatsbürger und Beamte sind sie dauernd Objekt der Gesetz. gebung. Diese Gleichgültigkeit den politischen Tagesströmungcir gegenüber bringt es mit sich, daß die Beamten über ihre eigenen Interessen und über die Parteien, die sich ihrer annehmen, vielfach nicht genügend unterrichtet sind. Sie fallen deswegen auch leicht der demagogislyen Berhetzung reaktionärer Politiker zum Opfer. Diese tun alles, den Beamten vor der Sozialdemokratie graulich zu machen, sie als eine Feindin der„F e st b e s o l d e t e n"' hinzustellen. In Wirklichkeit hat der durch die Revolution geschaffene D o l k s st a a t und die unter starkem Einfluß der Sozialdemokratie entstandene Weimarer Verfassung die Beamten erst zu freien, gleichberechtigten Staatsbürgern gemacht. Im„O b ri g k e i t s st aa t* war der Beamte tatsächlich der un- freieste Mensch in der staatlichen Gemeinschaft. Sein Dasein hing. nicht bloß dienstlich, sondern auch außerdien st lich ganz und gar von dem.Wohlwollen' seiner vorgesetzten Dienstbehörde ab. Ihre Organisationen, soweit solche überhaupt bestanden bzw. erlaubt wurden, hatten für die Staatsdiener nur geringen Wert, denn auch sie standen ganz unter dem Einfluß der Borgesetzten. Den Beamten war es verboten, sich mit Beschwerden an die Vertreter des Volkes in den Parlamenten zu wenden, Petitionen an diese gelangen zu lassen. Wollten sie heiraten, mußten sie dies melden oder gar die Erlaubnis dazu einholen. Heute können die Beamten sich nach Wunsch organisieren und sich als freie Staatsbürger betätigen. Dos versprochene Deamtenrecht, das die besonderen Verhältnisse der Beamten regeln soll, ist von der Sozialdemokratie wiederholt gefordert worden. Für die Erhöhung der Gehälter der Gruppen 1 bis 7, für eine ein- malige Unterstützung ist die sozialdemokratische Partei mit aller Energie eingetreten: die setzige deutschnational-oolks- parteiliche Regierung hat jedes Entgegenkommen abgelehnt. Als Konsumenten sind die Beamten wie die Arbeiter und Angestell. tan durch die Zoll, und Steuerpolitik der Regierung aufs s ch w e r st e betroffen. Für sie hat der deutschnationale tfinanzminister nichts übrig, obgleich sie durch die„L o h n st e u e r' mit am meisten zum Haushalt des Reichs beitragen. In der Gemeinde Berlin war es die sozialdemokratisch« Fraktion, die immer wieder die Aushebung der Abbau» und Sperrgesetze gefordert hat. Sie hat auch dafür gesorgt, daß der Unfug der Geheimakten verschwunden, daß die Einsicht. nähme der Personalakten gestattet werden muß. Bei Reugruppie- rungen und Neueinstellungen haben die Bertreter der Beamten das Recht der Mitwirkung. Diese Rechte auszubauen, liegt im Pro» gramm der Sozialdemokratischen Partei begründet. Hier liegt der große Unterschied zwischen der Sozialdemokratie und den bürgerlichen Parteien. Diese oersprechen vor den Wahlen aus agitatorischen Gründen in der Regel alles Mögliche, um es nach den Wahlen nicht zu halten. Siehe Auswertung. Die Sozialdemo. kratie ist auf Grund ihre» Programm», ihrer ganzen Ziel« ge- radezu verpflichtet, für die Interessen der großen Masse der Lohn» und Gehaltsempfänger einzutreten. weil sie in diesen Klassen die wahren Träger des Staates und der Gesellschaft sieht. Je mehr die Macht der Sozialdemokratie gestärkt wird,, desto mehr ihrer Forderungen vermag sie durchzusetzen. Zeder Beamte und Angestellte hat deswegen im eigenen Interesse die UZflicht. am 25. Oktober zur Wahl zu gehen und sein« Stimme für die sozialdemokratische Liste abzugeben. Das Jugenüamt üer Staöt öerlia hat soeben seinen zweiten Tätigkeitsbericht herausgegeben, der die Zeit vom 1. Januar 1923 bis 31. März 1925 umfaßt. Ein stattliches Buch von 128 Seiten mit 49 Abbildungen und Anlagen. Bei der parteigenöfsischen Frage:»Was hat der sozialistische Ma- «istrat, was hat die sozialistische Mehrheit im Rathaus geleistet', braucht man nur auf diesen Bericht, aus die Tätigkeit des Jugend- rmte» zu verweisen, um die hämischen Kritiker zum Schweigen zu bringen. Mit unermüdlichem Fleiß und zäher Ausdauer hat das Jugendamt, das unter der Leitung der Genossin Stadtrat W e y l steht, gearbeitet und e» sind bereits schöne Erfolge erzielt worden. Alle Abteilungen de» Jugendamtes sind jetzt in der Post- st r a ß e 1 ö, im ehemaligen„Ephraimschen Palais', untergebracht. Die Kindergruppen, die als Statuetten und Reliefbilder da» Gebäude schmücken, erscheinen wie Sinnbilder der Arbeit, die in diesem Hause für die Jugend geleistet wird. Im Jugendamt ist die Zentralisation und Dezentralisation in glücklicher Weise durch. geführt. Mit dem Hauptjugendamt zusammen arbeiten die Bezirks- ämter durch ihre Dezernenten: engste Verbindung sst geschossen mit dem Gesundheitsamt, Berussamt, mit der Zentralarbsitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, den Schul- und den Polizeibehörden. Alle Gebiete der Jugendpflege und-fürsorge hat das Jugendamt organisatorisch unter sein« Fittiche genommen: die vorbeugende, die Heilfürsorge, wie für aufsichts-. lose Kinder und für K r ü p p e l, wie für beruflich tätige Kinder und Jugendliche. Feiner die Jugendberatung, Bekämpfung de» Alkoholmißbrauches. Jugendgerichtshilfe, die Sorge für sittlich gefährdete Mädchen und Frauen. In zehn städtischen Anstalten werden Kinder und Jugendliche in Erziehung genommen, in landwirtschaftlicher und gewerblicher Arbeit unterrichtet. Andere sind zu Heil- und Er» holungszwecken in eigenen Heimen untergebracht. Wir unterlassen es für heute, auf alle die interessanten Einzelheiten des Berichts einzugehen und behalten uns vor, später noch manches nachzuholen. Rur «ine Zahl sei angeführt, um den Umfang dieses Liebeswerkes der Stadt Berlin an den Kindern zu kennzeichnen: am 31. März 1925 befanden sich insgesamt 13152 Pflegekinder in städtischer Pflege. Man darf dabei nicht übersehen, daß zu dieser Zeit der Höhepunkt der Jnflationskatastrophe erst 1� Jahr hinter uns lag. Die Befriedigung über das gute Resultat wird die Sozialdemokratie nicht verleiden, in ihrem Interesse und ihrer Sorge um die heran- wachsende Jugend zu erlahmen. Nach den Wahlen, die ihr hosfent- lich einen weit höheren Machtbereich bringen, wird auch die Arbeit zieMar fortgesetzt werden._ Knüppel-Kunze in Neukölln . Mit großem Tamtam und allen bekannten Reklametricks hatte die Deutschsoziale Partei, alias Knüppel-Kunze , eine öffentliche Ver- fammlung nach dem Karlsgarten einberufen. Zahlreich waren die Neuköllner Arbeiter erschienen, um diesen.Wahrheitsverkünder' persönlich kennen zu lernen. Lange mußte die Versammlung warten. Als die Anwesenden ungeduldig wurden, bemühte sich ein„Anbeter' Kunzes, über»Politik und Geschäft' zu orakeln. Da der angesagte Kunze immer noch nicht erschienen war, wurde diskutiert und Ge- nosse Heitmann erhielt mit unbeschränkter Redezeit das Wort. Kaum begonnen, betrat..Er', Kunze, den Saal, vom größten Teil der Dersaminlung mit nicht gerade schmeichelhaften Zurufen emp- SNgen. Nun sollte Heitmann abtreten, damit Kunze„reden' könne. as ließ die Versammlung nicht zu, sie verlangte stürmisch, daß
Gen. Heitmann weiter red«. Da» mit Kunze-Gardisten besetzte Bureau wollte auf keinen Fall dal auf eingehen. Nun steigerte sich die Unruhe soweit, daß aus der Versammlung herau» ein Antrag gestellt wurde, die unfähige Leitung durch zwei kundigere Leute zu ersetzen. Jetzt wurde Kunze erregt. Ein Ueberfallkommondo sollte Helsen . Da die Kunze-Mannen sich aus nichts einließen, stieg die Erregung der Versammlung so, daß sich die Polizei oeranlaßt fühlte, den Saal zu räumen. Kunze blieb mit seinen Anhängern. eiwa 15 Mann, allein. So konnte dieser deutschsozialc Held seine Wahltiraden in dem Arbeiterbezirk Neukölln nicht an den Mann bringen._ f\u6 den Sezkrten. 16. Bezirk— Köpenick. Die wahrscheinlich letzte Bczirksverordnetensitzung hatte nur eine kurze Tagesordnung zu erledigen, war aber dasür um so bedeut- samer. Unter den Eingängen besand sich eine Mitteilung des Bezirks- amts an die Bezirksversammlung. wonach das Amt den Druck eines Bücherkatalogs der Städtischen Bibllothek dem Bezirks- oerordneten Stein als dem Mindest fordernden übertragen habe, demselben Stein, der vor einiger Zeit in einer öffentlichen Er- klärung vom hohen Roß jeden Mitbewerb um städtische Arbeiten in Abrede gestellt hatte. Die Angelegenheit gab unserer Fraktion Veranlassung, an das Bezirksamt einige Fragen über tarifliche Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Betriebe des Auftragnehmers zu stellen. Die Frag« dürfte von Organisationswegen nachgeprüft werden, da nach der Erklärung de» Bezirksamts Gegenteiliges nicht bekannt ist. Der Hauptpunkt der Tagesordnung betraf Einver- ständniserklärunq zum Bau einer Turnhalle in Rahns- dorf. Bei dieser Gelegenheit führte der deutschnational« Bezirks» verordnete M i e r«inen Ja- und Nein-Sagetanz auf, um der mit der ganzen Angelegenheit zusammenhängenden Zentralschule— Bauangelcgenheit für die Ortsteile Rahnsdorf , Wilhelmshagen und Hessenwinkel— das Rückgrat zu brechen. Sein« Bemühungen waren aber refultallos. Die Bezirksamtsvorlage wurde abgelehnt und damit der Weg freigemacht für die dringend notwendige Rege- lung der Schulverhältnisse dieser Ortsteile. Die sozialdemokratische Fraktion hatte ferner«ine Anfrage betreffend Einleitung von Maß- nahmen zur Milderung der in Aussicht stehenden Arbeits- l o s i g k e i t an das Bezirksamt gerichtet, die in befriedigender Weise von Genossen Stadtrat H « r b st beantwortet wurde. Hemelnöe-Vemokratte. Unter diesem Titel ergreift in der»Bosstschen Zetwng' vom Mittwoch abend der demokratisch« Stadtverordnete Dave da» Wort zu den bevorstehenden Gemeindewahlen. Unter den Demo- kraten Männer von wahrhast demokratischer Gesinnung zu finden ist sehr schwer: Dave gehört zu den sellenen Exemplaren aufrechter Demokraten. Daher kann er auch nicht umhin, seinen Freunden etliche schwere Sünden aus der Zeit ihrer unbeschränkten Herrschast im Sladtparlament vorzuhalten. In seinen beachtenswerten Aus- führungen spricht er von dem Aufstieg der Arbeiterklosse und sagt wörtlich: »Die dritte Klasse der Wählerschaft ging allmählich ganz in da» sozialdemokratische Lager über. In sophistischer Begründung suchte der um seine Kommunalherrschaft besorgt« „Kommunalfreisinn' die Gewährung des allgemeinen gleichen Wahlrechts, das er in Reich und Staat anstrebt« und in jenem erreichte, für die Gemeinde abzulehnen: hier Handel« es sich um«ine Teilnahme an der Verwaltung, nicht wie im Staatsleben um die Gesetzgebung. Als wenn nicht auch in der Verwaltung die verschiedenen Klassenintercssen Anspruch auf gleiche Berücksichtigung in den Grenzen der staotllchen Rechtsord» nung hätten.' In diesen wenigen Worten istdieganzeISmmerlichteit des Berliner Kommunalfreisinns, aus dem dl« Demo- kraten entstanden sind, Haarschars gekennzeichnet. Und wie in Berlin , so war es auch in den Vororten. Aus Charlottenburg vermag ich ein bezeichnendes Beispiel anzuführen. Al» ich dort— es mögen zwanzig Jahre her sein—«inen Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrecht» auch für die Gemeinden be- gründete, trat mir ein Freisinniger— übrigens einer, den ich sonst wegen seiner demokratischen Gesinnung schätzte, und der heute einer der Führer der Demokraten im Landtag sst— entgegen und setzte sich zwar nicht für Beibehaltung de» Dreiklassenwahlrechts, aber für Beibehaltung des»Housbesitzerprivileg»' für die Gemeindewahlen ein. Heute mögen sich die Herren wohl nicht gern an solche Ding« erinnern, die mit Schuld sind, daß in immer weitere Kreis« die Ueberzeugung eindrang, die einzigen wirklichen Vertreter demo- kratischer Weltanschauung und der Demokratisierung der Staats- und Verwaltungseinrichtungen seien die Sozialdemokraten. Wir aber haben allen Anlaß, an diese zwar vor der Staatsumwälzung liegenden Dinge zu erinnern— bilden sie doch für alle werktätig schaffenden Männer und Frauen«ine ernste Mahnung, am 25. Oktober nur wirklichen Demokraten, also Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben._ Dr. Bruno Borchardt. Vorsicht beim WohnnugStausch. Nach dem zurzeit geltenden Wohnungsmangelgesetz haben Parteien, die ihre Wohnungen miteinander tauschen wollen, die Ge- nchmigung hierzu bei der Gemeindebehörde(Wohnungsamt) unter Beifügung der schriftlich gegebenen Zustimmung des Vermieters einzuholen. Es kommt in der Praxis häufig vor. daß der Der- näeter oder dessen Vertreter die Zustimmung verweigert. In diesen Fällen haben die Tauschparieien das Recht, das Mieteinigungs- omt anzurufen. Von diesem kann nach mündlicher Verhandlung, sofern die Einwendungen des Vermieters nicht als berechtigt an- gesehen werden, die Zustimmung zum Tausch ausgesprochen worden und die Parteien können nunmehr die Wohnungen tauschen. E» ist in diesem Verfahren aber von den Tauschpartnern größte Vor- ficht zu üben. Nach einer Entscheidung de» Kammergerichtes <17 P 98'24 vom 5 Januar 25)„tritt durch einen Wohnungstausch, bei dem das Mieteinigungsamt die Zustimmung des Vermieters zum Wohnungstausch ersetzt hat, der anziehende Mieter in die Rechte und Pflichten des abziehenden Mieters dem Vermieter gegen- über ein". Es hat sich im Bereiche des Bezirks Friedrichshain der rraurige Fall ereignet, daß eine Witwe ihre Hauswartwohnung tauschen mußte, weil sie die Arbeiten nicht mehr oersehen konnte. Sie tauschte und erhielt die versagte Genehmigung des Wirtes durch das Mieteinigungsamt ersetzt. Da der Vermieter keinen neuen Vertrag schloß und der abziehende Mieter noch erhebliche Mictrück stände schuldete, wird sie von ihm nun auf Zahlung der Rückstände bzw. Räumung der Wohnung verklagt. Sie steht in Gefahr, ihre Wohnung ganz zu verlieren und obdachlos zu werden. Es ist daher geboten, sich bei allen Wobnnngstaulchen vorher genau zu vergewissern, welche Rechte und Pflichten man mit seiner neuen Tauschwohnung übernehmen muß und will.
Reaktionäre Schulpolitik in Pankow . Auf dem Gebiete der Schule konnten schon immer Erfolge nur gesichert werden im schärfsten Kampfe mit den bürgerlichen Parteien. ob unter dem DreiNassenwahlrecht in den Einzelgemeinden oder heute im neuen Berlin . Zur Wahrnehmung der Interessen der Schulen sind gebildet für die Volks schulen die Schuldeputation und für die so- genannten höheren Schulen der S ch u l a u s s ch u ß. In den beiden Kommissionen sitzen nun fast ausschließlich Fachleute, vom Direktor bis herab zum Lehrer. Was haben nun diese Fachleute zur Weiterentwicklung unseres Schulwesens geleistet? Eine große Enttäuschung wird die Antwort auf die gestellt« Frage sein. Es hat sich immer mehr bestätigt, daß beide Kommissionen überwiegend als reine Jnteressenorganisation für Lehrerinteressen angesehen werden müssen. Die Elternschaft des Bezirks Pankow forderte die Errichtung einer Gemeinschaftsschule nach dem Paulienschen System. Bezirksoersammlung wie auch Schuldeputation lehnten unter heftigsten Angriffen auf Paulsen und die Sozialdemokratie die Errichtung einer Gemeinschaftsschule ob. Nach langem, zähem Kampf« durch unsere Genossen und unermüdlicher Arbeit mit den Eltern konnte schließlich doch noch aus Grund einer ministeriellen Anordnung die Gemeinschaftsschule in der Bismarckschule in Nieder- schönhausen eingerichtet werden. Nun setzte in den Schulen eine beispiellose Hetze gegen die neue Schule ein, um doch noch manches Kind von dem Besuch abzuschrecken. Der Schöpfer des neuen Systems, unser Genosse Schulrat Paulsen, st zwar von den Bürger- lichen und den Kommunisten abgebaut, aber unsere Schul« hat sich unter der Führung des Rektors und des Lehrerkollegium» als lebensfähig erwiesen. Nicht nur haben Kinder und Eltern ihre helle Freude an der Entwicklung ihrer Schule, wiederholt haben auch Vorführungen der Gemeinschassen vor anderen Kollegien Freude und Anerkennung ausgelöst.— Die Kinderfreunde, getreu nach�dem Muster unserer Genossen in Oesterreich gebildet, hotten in Schulräumen Kinder versammelt und in bewunderns- würdiger Weife bei Spiel und Arbeit einige Stunden beschäftigt. Das konnte die Schuldeputation nicht dulden. Sie beschloß, die Her- gäbe der Räume zurückzuziehen. Und die Begründung? Es bestände ein«„hygienische Gefahr' für die übrigen Kinderl Damit war also gesagt, daß dieselben Kinder, die in den Vormittagsstunden die Klassenräume bevölkern, eine gesundheitlich« Gefahr bedeuten, wenn sie des Nachmittags bei den Kinderfreunden wellen. Da die Tätigkeit unserer Genossen durchaus anerkannt werden mußt«, sollten nunmehr von allen anderen Schulen sofort auch ähnliche Veranstal- tungen arrangiert werden. Es stellten sich zwar Kinder ein, aber die Lehrer fanden sich nicht bereit, unentgeltlich eine solch« Tätigkeit aufzunehmen. Paulsen hat vor wenigen Tagen an dieser Stell« ausgeführt: „Nichts würde Berlin oder andere Gemeinden hindern, über die staatlichen Mindestgrundsätze hinaus den Unterricht der Volksschule gualitativ so auszubauen, ihre Leistungsfähigkeit zu überhöhen, daß sie bei aller Eigenart und Selbständigkeit ihres Erziehungs- und Arbeitsprogramms zur vollwertigen Schwesterorganisation der höheren Schule wird, neben der diese als ihre Fortsetzung und Er- gänzung erschien«.' Wie findet hier diese Auffassung Anwendung? Indem man unablässig an der Grundschule rüttelt und soviel Schüler als möglich schon mit drei Jahren zur höheren Schule nimmt. Die gegenseitige Konkurrenz der höheren Schulen macht es notwendig, recht viel Neuaufnahmen verzeichnen zu können. Die Notwendigkeit, solch« Kinder noch in der Volksschule zu halten, findet kein Verständnis bei den Studienräten und Direktoren. Als bei der Oberrealchule der Errichtung einer dritten Sexta vom Standpunkte der Stadt Berlin nicht zugestimmt werden konnte, wurde ein« niederträchtige, verleumderische Hetze gegen den Schul- rat und den Bürgermeister eingeleitet. In ihrer sachlichen Kampfes- weife warfen sie dem Schulrat vor, er beherrsche nicht einmal das kleine Einmaleins und dem Bürgermeister, er wäre bildungsfeindlich. Als der Schulrat gegen ein Mitglied des Kollegiums das D i s z i- plinarverfahren einleitete, war es erst nach Monaten und nachdem man der Katze die Schelle umgehängt hatte, möglich, eine befriedigende Antwort zu erhalten. So muß sich der Gemeinschafts- gedanke der großen Stadt Berlin erst durchsetzen gegenüber den Interessen der einzelnen Schulen. Im ständigen Kampfe mit diesen Kirchturmsinteressen konnten trotzdem auch allgemein« Wünsche und Forderungen berücksichtigt werden. In der Inflationszeit war es den Eltern zeitweise unmöglich. Lernmittel für die Kinder zu beschossen. Das Schulamt sicherte sich große Posten und gab diese billiger als im Einzelhandel erhältlich, an die Eltern ab. Der Werkstättenunterricht wurde ausgebaut. Heute sind in allen Schulen Einrichtungen und Werkzeuge vorhanden für Papp- und Holzarbeiten. In den Mädchenschulen, in denen K o ch k ü ch e n vorhanden sind, ist der Unterricht darin durchgeführt. Leider ist es immer noch nicht möglich gewesen, für Buchholz eine Turnhall« zu bauen. Die Weiterentwicklung unsere» Schulwesens muh der Kampfruf bei den Stadtverordneten - wählen sein._ kprechchor für Vrolekarlsche Aelerflundea. AetzungSstnnbe am Freitag, den 16. O t t o b e r(nicht Donnerstag) im Gesangs- saal der Sophienschule, Weinmeisterstr . 16/l7. „Aas zv« Kamps»m die freie V»lk»schal«t» Die NrkeitSgemeinschall sreigeistiger Verbände, QrlSqriipve Berlin , beruft»um Freitag, den 16. Oktober, abends 7'/, Ubr, in Habcrlands Fcftiäle», Reue Friedrichktr. 36, eine össentliche vcr-ammlung mit vorstehendem Thema ein. Neserent: Stadtrat Dr. L ö w e n st e i n. Zille Gegner der Verkirchlichung und Zerlib lagung der Volksschule und alle Freunde der Wclllichkeit dcS gesamten Schulwesen» werden um ihr Erscheinen gebeten. Berllner Lehrerverei». Am Freitag, den 16. Oktober 1SZ5 abend» Vf, Uhr, im großen Festsaal de» UehrcivcreinShauIe». Alexanderstraße 41, Vereinsversammlung.— Tagesordnung:.Der ReichSschulgesetzcntwmst. Vortragender: Herr Joh. TewS.— Gäste willkommen!
Ms echten hottäncftschen