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Gewerkschaftsbewegung

Beamtenstreik in Oesterreich .

Beschluß der Beamtenerefufive.

len, 3. november.( WIB.) Der Erefufivausschuß der Bundesbeamtenschaft hat befchloffen, das Angebot der Regierung afs ungenügend abzulehnen und den Beamtenstreit, be­ginnend am 5. November, zu proklamieren. Vom Streit find nicht betroffen, die staatlichen Betriebe, wie eisenbahn, Poft, Tele­graph Ausgenommen find ferner jene Betriebe, deren Arbeit für die Bevölkerung lebenswichtig find, fo Polizei, Gendarmerie, Justiz, Aerzte, Apotheker und ein Teil der Jollbeamten.

Auch die Bäder streiken.

Es hat gesessen.

Da die tommunistische Bresse die bedeutsame Resolution, die der Vorstand der Kommunistischen Partei Rußlands über die Arbeit in den Gewertschaften vor zwei Wochen faßte, ihren Lesern vorenthielt, hielten wir es für nüglich und notwendig, dicse Lücke auszufüllen. Darüber ist nun die Rote Fahne " sehr erboft. Wir haben weiter aus derfelben Nummer des Trud vom 17. Ottober einen Artikel des Führers der russischen Metallarbeiter Reselem veröffentlicht. Beide Aeußerungen ftimmen darüber überein, daß bie russischen Gewerffchaften, bie von der Rommu­nistischen Partei zu allen möglichen politischen und administrativen Aufgaben mißbraucht wurden, dadurch ihre eigentlichen Aufgaben vernachlässigt haben.

treters des Reichs- und Staatsfommissars ein Schiedsspruch gefällt, der das alte Lohnabkommen mit Wirfung ab 1. November 1925 mit der Maßgabe wieder in Kraft setzt, daß die in§ 1 sowie in§ 2 unter a und b festgesezten Löhne und Vergütungen um 5 Pro. erhöht werden. Die Erklärungsfrist läuft bis 9. November mittags 12 Uhr.

Berhandlungen in der chemischen Industrie.

Frankfurt , 2. November. ( 2.) Um eine Einigung im Lohn­fampf in der chemischen Industrie herbeizuführen, hat das Reichs­arbeitsministerium die Parteien auf Donnerstag, den 5. November, zu einer Aussprache nach Berlin geladen.

Nicht tragbar.

Warum ift die Rote Fahne " über diese Beröffentlichung wich­tiger tommunistischer Rundgebungen aufgebracht? Sehr einfach des halb, weil die KPD. in derselben Weise die deutschen Gemert- Bremen , 2. November. ( Eigener Drahtbericht.) Der Bezirk fdjaften von ihren eigentlichen Aufgaben ablenten möchte. Mit Ge Nordwest des Verbandes der Staats- und Gemeinde­Wien, 3. November. ( Eigener Drahtbericht.) Am heutigen Tage walt möchte fie z. B., daß die Berliner Gewerkschaften ihre wirt arbeiter richtete an den zuständigen Arbeitgeberverband eine beginnt in ganz Desterreich der Streit der Bäckerei und Brotschaftlichen Aufgaben vernachlässigen und sich der Forderung auf Erhöhung der öhne, da der bisherige Gemeindepolitik widmen sollen. Wochenlohn gegenüber dem Wochenlohn des Jahres 1914 um fabrikangestellten. Der Beschluß, in den Ausstand zu treten, wurde Mas wäre damit erreicht? Die Gewerkschaften werben wahr. 12 m. niedriger ist. Die Bezirksschiedsstelle hat die 2ohn­von den Bäckereiarbeitern am Montagabend einmütig gefaßt, da das scheinlich weber eine gute Gemeindepolitit, noch eine gute Gemert- erböbung abgelebt, da sie von Staat und Gemeinde an­Lohneinigungsomt sich nicht entschließen fonnte, fofort eine Entschaftspolitik betreiben tönnen. Da in politischen Fragen die An- geblich nicht getragen werden kann. Die Arbeitnehmer beschlossen fcheidung in der Streiffrage herbeizuführen. baraufbin, den Sentralausius in Berlin um seine Entscheidung anzurufen und gegebenenfalls den Streit zu proklamieren.

Die Arbeitszeitpolitik des Reichsarbeitsministeriums. Achteinhalb Stunden für Feuerarbeiter.

In dem Stampf in der Glasindustrie fanden am 29. Oktober im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen unter dem Borfiz des Oberregierungsrats brecht statt. Es handelt sich bekanntlich in der Hauptsache um die Arbeitszeit und die Löhne. Es tam schließ. lich zu einem Schiedsspruch, in dem es heißt:

Die Arbeitszeit der in den Glashütten beschäftigten Arbeit­nehmer dari 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Bährend der Dauer der gegenwärtigen schwierigen Wirtschaftsverhältnisse und bis zum Infrafttreten einer etwaigen gefeßlichen Regelung, längstens bis zum 30. April 1926, darf in den Glashütten nach Anhörung der Betriebsvertretung a) für die mit der Verarbeitung der Glasmasse vor dem Ofen beschäftigten Arbeitnehmer eine eberarbeit von einer halben

Stunde, b) für die übrigen Arbeitnehmer eine le berarbeit von einer Stunde stattfinden. Für die Zeit nach dem 30. April 1926 bis zum 31. Auguft 1926 verkürzt sich die nach Saz 1 zulässige Ueberarbeit für die oben unter a) genannten Ur­

beitnehmer auf eine Biertelstunde. Für die Gruppe I des Sauz

verbandes Deutscher Glasfabriken verbleibt es hinsichtlich der Ueberarbeit der nicht am Glasofen beschäftigten Arbeitnehmer bei

der bisherigen Regelung. Für die Ueberarbeit ist ein Lohnzuschloe

von 20 Broz. zu gewähren. Diese Arbeitszeitregelung fann mit vier. möchentlicher rift, frühestens bis zum 1. September 1926, ge­fündigt werden."

Braktisch bedeutet das in Wirklichkeit die achteinhalb stündige Arbeitszeit für die Feuerarbeiter und die neunstündige Arbeitszeit für die übrigen Arbeiter. Bom 1. April ab bleibt es für die nicht am Ofen beschäftigten Arbeiter auch meiter bei der neunstündigen Arbeitszeit, während die Feuer­arbeiter die Arbeitszeit um eine Biertelstunde gekürzt bekommen.

Daß gerade die Arbeit an den Defen eine äußerst gesundheits­schädliche ift, darüber bestand schon vor dem Kriege teine Meinungs­verschiedenheit. Auch darüber, daß für diese Arbeiter der§ 7 der Arbeitszeitverordnung in Betracht toramt, fann es teine Meinungs­verschiedenheit geben. Es ist bezeitynend für den Geist, der im Reichsarbeitsministerium herrscht, wenn man es wagt, zwei Jahre nach Beröffentlichung der Arbeitszeitverordnung noch einen der artigen Schiedsspruch zu fällen. Im übrigen denft man im Reichs­arbeitsministerium gar nicht daran, etwa den Unternehmern der Glasindustrie unangenehm zu werden, indem man die Bestimmun­gen des§ 7 der Arbeitszeitverordnung auch durchführt. Die Redensart von den gegenwärtigen schwierigen Birtschaftsverhält­nissen" ist eine taule Ausrede, die man gedankenlos den

Unternehmern nachredet.

Seit über sieben Wochen stehen die Glasarbeiter im Stampi, weil fie den gesetzlichen Achtstundentag durchsetzen wollen und insbe­sondere mit den Bestimmungen des Schiedsspruches vom 31. August nicht zufrieden sind. Der Schiedsspruch vom 29. Oktober bleibt aber noch hinter dem Schiedsspruch vom 31. August zurüd. Damals wurde eine Lohnerhöhung von 6 bzw. 8 Proz. aus­

fichten der Gewerkschaftsmitglieder notwendig auseinander gehen, wurde auch die größte uneinigteit in die Gewerkschaften pofitit ift die Spaltung und Schwächung der Gemert­hineingetragen werden. Das Ziel der KẞD. in der Gewerkschafts­schaften, um so die gespaltenen und geschwächten Gewerkschaften inden Dienst der KPD. zu zwingen. Da wir diese Absicht aufgedeckt haben und die verheerenden Folgen der kommunistischen Politif aufgezeigt haben an den Ergebnissen in Rußland , ist die Note Fahne" darüber sehr verärgert. Was mir mit Befrie­bigung feststellen.

Sanierung auf Roften der Arbeiterschaft.

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Die zum Kahntonzern gehörige Firma Stod Motor pflug geht nach der erfolgten Sanierung des Konzerns dazu über, bie Atfordlöhne teilweise bis zu 30 Broz. zu fürzen. Nicht genug bamit, daß zur Sanierung ein starter Brozentsaz der Belegschaft entlassen wurde, will man sich jetzt auf Kosten der Arbeiter über

bie Geldtrife hinweghelfen,

Bei den Verhandlungen, die wegen der Empörung der Beleg schaft mit dem Metallarbeiterverband und Berkehrsbund gepflogen wurden, machten die Firma sowohl wie auch die Konzernvertreter feine flaren Angaben über die geplanten Betriebseinschränkungen und Lohnreduzierungen. Es wurde nur immer betont, daß die Prodution nicht rentabel gemug sei und einzelne Fabritate jogar mit Berluft verfauft worden seien. Weiter hätten auch einzelne och verbiener bewiesen, daß die Afforblöhne zu hoch faltuliert feien.

Die Belegschaft nahm zu den Dingen in einer Betriebsversamm. lung am Montag Stellung. Bergmann vom Berkehrsbund fo­mie Lehmann vom DMB. beleuchteten die Schwierigkeiten bei der Firma im Zusammenhang mit den Vorgängen im Ronzern und der Gesamtwirtschaft. Sie wiesen aber auch darauf hin, daß einen er­heblichen Teil der Schuld an diesem Vorgehen der Firma die Be­legschaft treffe. Die zahlreichen, von einzelnen Arbeitern geleisteten leberstunden, die rüdsichtslose Attordschufterei, das 2bfeitsftehen vieler von ihrer Organisation, die Organisationszer. fplitterung und dergleichen mehr haben die Firma ermuntert, so gegen ihre Belegschaft vorzugehen. Sie wiesen dann die Angriffe des Ber. treters des Industrieverbandes" Müller zurüd, der das Allheil. mittel des Angriffs auf der ganzen Linie" pries und dabei vergessen hatte, daß bis zum Beginn eines solchen Rampfes die Arbeiter bei Stod verhungert feien. Sie erklärten im Namen ihrer Berbände, die Belegschaft in jeder Situation zu unterstützen und zu feinem Lohnabbau die Hand zu bieten.

Nach einer ausgedehnten Diskussion beschloß die Bersammlung, heute im Betriebe eine Ur abstimmung darüber vorzunehmen, ob dem Vorgehen durch Streit oder Berhandlungen mit den Drgani fationen begegnet werden soll

Aussperrung wegen des Achtstundentags. Dortmund , 3. Movember.( WTB.) In dem Lohnstreit der Metallindustrie des Bezirkes Hagen- Schwelm sind zwei Schiedssprüche gefällt worden. Die Arbeiter haben diese abgelehnt, während der Arbeitgeberverband den Schiedsspruch über die Arbeitszeit und die Löhne angenommen hat. Von den Arbeit gebern ist die Berbindlichteitserflärung beantragt worden. Da das Arbeitszeitabkommen Ende Oktober abgelaufen war, haben die Arbeiter heute nur a cht Stunden gearbeitet. Der Arbeit. geberverband hat vom§ 3 des Arbeitszeitgefeßes Gebrauch gemacht und hat für den Monat November von sich aus die Arbeitszeit folgt, daß heute etwa

Sämffiche am Tarifvertrag beteiligten vier Bergarbeiterverbände haben nunmehr den vom Schiedsgericht für den Ruhrbergbau gefäll ten Schiedsspruch den Ruhrbergbau angenommen und beim Ar­beitsministerium seine Berbindlichkeitserklärung beantragt.

Aus der Partei.

Deutschösterreichische Parteiarbeit.

Am 13. bs. beginnt in Wien der Partettag. Dem ausführlichen Bericht des Barteivorstandes über das verflossene Geschäftsjahr ent nehmen wir folgendes:

Zwar hat die Barteiorganisation in der Provinz Einbußen zu perzeichnen, die auf die schwere Dauerfrise zurückzuführen find, aber in Wien , wo faft ein Drittel der ganzen Bepölkerung des Staates wohnt, ist die Zahl der Parteimitglieder von 266 415 auf 301 477 gestiegen. Man vergleiche nur diese Stärke der sozialdemokratischen Organisation in der Zweimillionenstadt mit den Organisatonsverhältnissen im Deutschen Reich und auch in anderen ändern, um sofort zu erkennen, daß die deutschösterreichische Partei heute an innerer Siürfe und Rührigkeit vorbildlich ist. Aller dings bietet in Wien die politische Organisation den Mitgliedern für ihre Beträge fozusagen auch materielle Gegenleistungen, indem sie ihnen jeden Monat gratis die illustrierte Zeitschrift Der Sozial­demokrat zustellt und ihnen durch die Kunststelle der Wiener Partei Theaterbilletts zu den beften Borstellungen aller Bühnen mit großer Breisermäßigung verschafft. Eine Boltsbühne mit eigenem Haus wie Berlin hat Wien dagegen noch nicht; endlich erhalten die Wiener Barteimitglieder jedes Bierteljahr gratis eine Broschüre. In Bien ist heute jeber dritte Erwachsene Mitglied der Sozialdemokratischen Bartet!

Die Zahl der weiblichen Parteimitglieder ist in ganz Deutschösterreich gestiegen, und zwar von 154 190 auf 165 004, wo­von 93 932 in Wien leben. Dagegen wird die Mitgliederzahl der Jugend organisationen mit 28 541 in 280 Gruppen als zu ge. ring betratchet.

Die Parteipresse besteht aus den Tageblättern in Wien , Linz , Salzburg , Innsbrud, Graz und Klagenfurt , sowie einer An­aahl nicht täglich erscheinender Zeitungen. Die Biener..Arveiter­Seitung hat eine Werttagsauflage von 99 000, am Sonn­tag bedeutend mehr. Diese gewaltige Berbreitung ist start gefördert worden durch das billigere Betriebs abonnement, bei dem die Zeitung in den Betrieb geliefert und dort das Bezugsgeld ein gezogen wird. Das bedeutet natürlich eine große Ersparnis an Trägerlohn.

"

Das fehr umfangreiche Bildungswesen wird im nächsten Jahr getrönt werden durch die Eröffnung der Arbeiter hochschule in eigenem Gebäude, wofür die Mittel aus dem Verkauf der großen Hammerbrotwerte genommen werden. Dem Stand der Partei­organisation entspricht die Entwicklung der Gewerkschaften, der Ge nossenschaften, der Sport- und Kinderfreundeorganisationen und, nicht zu vergessen, bes ,, Republikanischen Schutzbundes ", jener rein sozial­demokratischen Abwehrtruppe reaktionärer Uebergriffe, die mit dem Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" in freundschaftlichem Kartell­verhältnis steht. Die deutschösterreichische Sozialdemokratie ist durch die politischen Kriegstredite bewahrt geblieben. Dadurch ist d. Moskauer Spaltungsarbeit viel wichtige Borarbeit entgangen und trotz der sehr schlimmen Elendsjahre, die Deutschösterreich nach Kriegsende und ieht wieder dant der Seipel- Bölferbundlichen Sanierung" durch­machen mußte, haben es die Kommunisten zu irgendwelcher Be deutung nicht bringen fönnen.

gesprochen. Der letzte Schiedsspruch reduziert auch diese völlig verlängert. Die Arbeiter find dem jedoch in großer Zahl nicht ge Berhältniffe im damaligen Altösterreich vor der Spaltung um

andere Lahnverschlechterungen.

Die Glasarbeiter nehmen heute zu dem Schiedsspruch Stellung in einer Urabstimmung. Im Reichsarbeitsministerium rechnet man in Uebereinstimmung mit den Unternehmern offenbar darauf, daß die Glasarbeiter, durch den langen Kampf mürbe gemacht, dem Schiedsspruch zuftimmen werden. Gefeßliche Verpflichtungen und die öffentliche Meinung spielen für die hohe Bureaukratie, die unter dem Schurze des Herrn Dr. Brauns arbeitet, feinerlei Rolle. Benigstens vorläufig unter der Rechtsregierung nicht.

8000 Tegtilarbeiter ausgesperrt. Hannover , 3. November. ( Eigener Drahtbericht.) Die Lohnver­handlungen in der hiesigen Textilindustrie führten zu feinem Er­handlungen in der hiesigen Textilindustrie führten zu feinem Er. gebnis. Infolgedessen fam es, wie wir bereits angefündigt haben, am Montag zur Aussperrung von etwa 8000 Tertilarbeitern.

Schiedsspruch in der westdeutschen Kanalschiffahrt. Dortmund , 3. November. ( WLB.) In dem Lohnstreit der west deutschen Kanalschiffahrt wurde heute unter dem Borsig eines Ber­Im Teppich­Groß- Lager

Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter : Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Gonftiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin .

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