Gewerkschaftsbewegung
Gescheiterte Verhandlungen mit der Hochbahn.
Jm Hochbahnbetriebe wurde am gestrigen Dienstag über die Lohnforderungen der Arbeiter verhandelt. Die Verhandlungen führten zu feinem Ergebnis, denn die Hochbahngefellschaft lehnte jedes Entgegenkommen ab. Sie begründete ihr Verhalten damit, daß die Teuerung nach ihrem Ermessen höchstens um 7 Proz. gestiegen wäre, und diese Teuerung sei bereits bei der Lohnaufbefferung, die im Mai erfolgt ist, ausgeglichen. Die Funktionäre werden zu dem Verhalten der Direktion am Freitag Stellung nehmen. Die Verhandlungsfommission beschloß zunächst, die Lohnverhandlungen im Dmnibusbetriebe, die am Donnerstag vor sich gehen, und die darauffolgenden Verhandlungen im Straßenbahnbetriebe abzuwarten.
Tarifschiedsspruch im Bankgewerbe.
Jm Reichsarbeitsministerium wurde gestern, wie der Allgemeine Verband der deutichen Bantangestellten mitteilt, ein Schiedsspruch gefällt, der vom 1. November 1925 bis zum 28 Februar 1926 eine Erhöhung der Gehälter der Bantangestellten um 5 Broz. borsieht. Die Tarifvarteien haben sich bis zum 16. November über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs zu erklären.
Das Koalitionsrecht der Landarbeiter. Dent Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes fam ein Schreiben folgenden Wortlauts zu Gesicht: „ Regierung
Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten
III 2bm. 1341.
Im Interesse der Aufrechterhaltung eines ordnungsmäßigen landwirtschaftlichen Betriebes ist es nicht angängig, Ihnen, nach dem Sie wegen Streits entlassen sind, einstweilen wieder Kar toffelland zuzuweisen. Es steht Ihnen frei, im Herbst gelegentlich der Kartoffelernte, Ihren Winterbedarf an Kartoffeln als Afford arbeiter zu decken, da der Affordlohn auf Wunsch auch in Kar toffeln gezahlt wird.
Wir weisen darauf hin, daß mir lediglich unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Verhältnisse von der Erhebung der gesetz lich vorgeschriebenen Berwaltungsgebühr Abstand genommen haben. Bei meiteren Schreiben in dieser Angelegenheit müßte jedoch eine solche im Mindestbetrage von 3 M. erhoben werden. gez. Kaulisch.
LS.
Beglaubigt
gez. Langebed, Regierungsfanzleisekretär."
Der Empfänger dieses bezeichnenden Schreibens ist ein wegen Streitbeteiligung entlassener Landarbeiter. Sein Wunsch war, etwas Rartoffelland zu erhalten, um den Kartoffelbedarf seiner Familie billig decken zu können. Dieser Wunsch wird ihm abge. fchlagen, nicht weil tein Land vorhanden ist, sondern weil er an einem Streit beteiligt mar.
Woher nimmt eine Regierungsstelle, selbst wenn sie in Gumbinnen ihren Eig hat, das Recht, einen Landarbeiter des halb zu maßregeln, weil er von seinem gefeglichen Roalitionsrecht Gebrauch gemacht hat? Nicht genug damit, daß ihn der Arbeitgeber entlassen hat, glaubt ihn die Regie. rungsstelle noch obendrein als rechtlos behandeln zu
fönnen.
Man läßt dem Streiffünder fühlen, daß man ihn noch auf ondere Weise paden fönne, ihm für den famojen Bescheid noch eine Gebühr von drei Mart anrechnen und sie durch den Gerichtsvollzieher beitreiben lassen tönne, und versichert ihm, daß er es lediglich der Berücksichtigung feiner persönlichen Berhältnille zu danten habe, menn man davon abgesehen hat. Der erste Absaz des Schreibens läßt deutlich erkennen, daß die Rücksicht auf die Arbeit geber mindestens nicht geringer ist.
gierungsstelle farmachen, daß die Landarbeiter nicht mehr der Gesindeordnung unterstehen, sondern das Koalitionsrecht besitzen? Das müßte inzwischen auch in Gumbinnen bekannt sein.
Wieder einmal der Buchhandel!
Man schreibt uns: Die Herren Buchhändler flagen über die schlechte Geschäftslage und nach ihren Klagen müßte man annehmen, daß es ihnen am schlechtesten ginge. Liest man jedoch den Handels: teil der Zeitungen, wird man eines besseren belehrt. So zahlte der Zeitschriftenverlag Günther u. Sohn eine Dividende von 16 Brozent, die Aktien des Verlages Bazar standen am Freitag, den 30. Oftober auf 174, die des Verlages Günther u. Sohn auf 118; so ähnlich liegen die Dinge auch bei anderen Verlagsanstalten. Nun find die Herren Arbeitgeber der Ansicht, das Bücher erst Lebens: notwendigkeiten zweiten und dritten Grades sind. Anstatt in der Höhe der Lohnsäge in ihrer Branche vorbildlich zu sein, d. h. für entsprechende Kauftraft zu sorgen, zahlen sie Löhne und Gehälter, die zur bescheidenen Eristenz nicht ausreichen. Für Orden und Ehrenzeichen in Bronze und Silber, für die Technische Nothilfe und ähnliche Dinge ist Geld genügend da, wenn jedoch die Markthelfer für eine menschenwürdige Gestaltung ihrer Löhne eintreten, droht der Arbeitgeberverband, Herr Dr. Feldgen, mit gerichtlicher Klage und denunziert die betreffenden bei ihren Arbeitgebern. So wurde dem Gruppenleiter Scha de vom Arbeitgeberverband ein Brief übermittelt, der jeder Beschreibung spottet.
Eine am 2. November im Gemertschaftshaus tagende, überaus gut besuchte öffentliche Marfthelferversammlung beschäftigte sich mit der Haltung des Arbeitgeberverbandes und gab in einer Entschließung der Entrüstung darüber Ausdrud. Sie sprach dem Gruppenleiter ihre volle Befriedigung über sein Verhalten aus und beauftragte den Verkehrsbund, mit allen Mitteln eine Revision der überaus niedrigen Lohnsäze zu erwirken.
Bildungsmöglichlichkeiten für Postbeamte. Brieflicher Fernunterricht ist für die Pofibeamten von der Allgemeinen Boftgewerkschaft( Mitgliedschaft im Deutschen Verkehrsbunde) bereits vor mehr als Jahresfrist geschaffen worden. Dabei ist der Grundsah durchgeführt, daß die Unterrichtsbriefe einen regen Gedankenaustausch zwischen Lehrer und Schüler fördern müssen. Auf diese Weise wird es möglich, im Unterricht die Borkenntnisse des Schülers auszunuzen und den Lehrstoff der Lernbefähigung und Lernfähigkeit des Kollegen ziemlich genau anzupassen. Jeder Teilnehmer erhält den neuen Unterrichtsstoff erst dann, wenn er den alten durchgearbeitet und zur Nachprüfung eingesandt hat. Um die Lernfreudigkeit wachzuhalten und die Dentfähigkeit anzuregen, merden Fragen gestellt, auf die der Teilnehmer selbst die Antworten finden muß.
Auf erprobte Grundsätze bauen sich auch die in den großen Städten eingerichteten mündlichen Unterrichtsturse der ADP. auf. Es ist aber so auch für die Kollegen, die abseits von den großen Verkehrsmegen dienstlich tätig sein müssen, eine gute Möglichkeit geschaffen worden, sich die Kenntnisse, die sie zu ihrem Weiterkommen für die Prüfungen besigen müssen, anzueignen. Postkollegen, die an den Interlicht teilnehmen wollen, bittet die Reidsleitung der Allgemeinen Deutschen Postgewertschaft( Mitgliedschaft im Deutschen Verkehrsbunde) um unverbindliche Meldung an die Geschäftsstelle der Unterrichtsabteilung in Berlin SD. 36, Alle weiteren Mitteilungen gehen Reichenberger Straße 79/30. dann den Kcliegen von der Geschäftsstelle zu.
Entlaffungen in den Klöcknerwerken. Troisdorf bei Köln , 2. November. ( WTB.) Infolge der immer schlechter werdenden Wirtschaftslage fanden in den Klöcknerwerfen, Abteilung Mannstädtwerte, meitere Arbeiterentlassungen statt. Seit der Stillegung des Hochofens, der übrigens, wie wir hören, umgebaut werden soll, wurden bis jezt etwa 230 Arbeiter entlassen.
Schiedsspruch für die schlesischen Ziegeleiarbeiter.
Breslau , 8. November. ( Eigener Drabtbericht.) Für die schlefischen Ziegeleiarbeiter wurde beute ein Schiedsspruch gefällt, der den Spizenlohn auf 50 Pf. für die Stunde festlegt. Der Spruch wurde von beiden Teilen angenommen.
Diese rücksichtsvolle Regierung muß schon einmal darüber auf geklärt werden, daß sie bei der Behandlung eines Antrages auf 3u weisung von Kartoffelland rein fachlich zu entscheiden hat. Daß der Antragsteller an einem Streit beteiligt war, ist durchaus fein Die Zimmerleute in Bochum forderten die Erhöhung ihres Grund für die Zurückweisung seines Gesuches. Muß erst noch das Stundenlohnes auf 1,25 M. und traten, als diese Forderung abgeBreußische Staatsministerium seiner Gumbinner Relehnt wurde, gestern in den Streit.
Mengenabgabe vorbehalten
WOHLFEILE
Wien , 3. November. ( Eigener Drahtbericht.) Die Bäckereiarbeiter Wiens , 7000 an der Zahl, stehen seit Wochen in einer Cohnbewegung. Sie fordern 12 Prozent Lohnerhöhung. Die Unternehmer weigerten sich anhaltend, zu bewilligen; die Regierung erflärte, eine Brotpreiserhöhung nicht zulassen zu wollen. Da schließlich auch ein Ultimatum der Arbeiter nicht verfing, sind sie heute früh sämtlich in den Ausstand getreten. Auch die wenigen nicht freigewerkschaftlich Organisierten ftreifen mit. Es gibt feine Streifbrecher. Heute sind Brot und Semmeln nicht mehr hergestellt worden; jedoch dürfen 13 Bäckereien für die Krankenhäuser und ein Betrieb für die Gefängnisse, unter strenger Lieferungskontrolle, weiterarbeiten; sie müssen aber die geforderten 12 Prozent mehr zahlen. Morgen Mittwoch dürfte im Einigungsamt ein Schiedsfpruch gefällt werden.
Heute früh drängten fich die Käufer in zahlreicher Menge vor den Geschäften und fauften in furzer Zeit alle Borräte auf. Ein Brotzufuhr von außerhalb kommt vorläufig nicht in Frage. D Restaurants rationieren Gästen das Brot. Ein ernster Mangel c Restaurants rationieren Gästen das Brot. Ein ernſter Mangel Ga Badware dürfte fich erft am Mittwoch bemerkbar machen.
Donnerstag: Streit der Reichsbeamten.
mien, 3. November. ( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag rormittag hat der 25er- Ausschuß der Bundesbeamten einstimmig beschlossen, mit Rücksicht auf die Haltung der Regierung, die nicht mehr als ein Viertel- Monatsgehalt als einmalige Beihilfe bewilligen wollte, am Donnerstag früh mit dem Generalstreit der Bundesbeamten zu beginnen. Ausgenommen von dem Etreit sind Polizei und Gendarmerie, ferner die Justiz machen bei den Gerichten sowie die Aerzte und Apotheker in Staatsdiensten sowie die bei der Auszahlung von Arbeitslöhnen und Arbeitslosenunterstützung beschäftigten Beamten. Vorhnen und Arbeitslosenunterstützung beschäftigten Beamten. Vorläufig sollen sich auch die 3011 beamten am Streif nicht beteiligen. Bu gegebener Zeit dürfte der Streif aber auf sie ausgedehnt werden. Auch die Post und Telegraphenangestellten find an dem Streif nicht beteiligt, da sie eine eigene Organisation und ihre eigenen Personalvertretungen haben. Das gleiche trifft für die Eisen. bahner zu, seitdem die Eisenbahnen nicht mehr zu den Bundesbetrieben gehören.
U
Die Beamtenschaft hat ihre ursprünglich auf 50 Prozent lautende Forderung auf 30 Prozent ermäßigt. Wie der Bundesfanzler dem Streifausschuß mitgeteilt hat, beträgt die vom Völkerbundkommissar festgesetzte Höchstgrenze des gesamten Staatshaus. haltes für 1926 insgesamt 712 Millionen Schilling, davon bekommen bic aftiven Beamten 360, die pensionierten 224 Millionen, zusammen 584 Millionen. Würden die Forderungen der Beamtenschaft bewilligt, so würde das weitere 100 Millionen erfordern.
Achtung, Bauarbeiter! Bei der Firma Huta, Baustelle Ulstein in Tempelhof , Berliners, Ede Burggrafenstraße, sind die Einschaler, Zimmerer und Flechter ausgesperrt. Stollegen Bauarbeiter und Zimmerer! Die Baustelle ist gesperrt. lebt Solidarität mit den Ausgesperrten!
Deutscher Baugewertsbund, Baugewerkschaft Berlin . Zentralverband der Zimmerer.
Achtung, SPD.- Gemeinde- und Staatsarbeiter!
Am Donnerstag, ben 5. Rovember, 7 Uhr, im Rofenthaler Sof, Rosenthaler Straße 11/12, Bersammlung aller SPD. - Funktionäre, Generalversammlungs belegierten, Betriebsräte und Bertrauensleute. Stellungnahme zur General versammlung. Rahlreichen Bartei und Gewerkschaftsausweis legitimiert. Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. Adung, Ofenfeger! Der neue Tarif für Töpferträger ist abgefchloffen und im Bureau des Baugewertsbundes, Rimmer 58, zu haben. Am Sonntag, den 8. Stovember, vormittags 10 Uhr, bei Burg, Brenzlauer Allee Ede Roumer. Straße, Bersammlung der Töpferträger und hilfsabeiter.. Die Fachgruppenleitung.
Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter ; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin . Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Borwärts.Buchdruderet und Berlagsanstalt Vaul Singer u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen".
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