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Durch märkisches Gebirgsland.
Man soll Sonntags auch mal wagemutig sein und über die Vorortzone hinausfahren. Dann wird man bald gewahr werden, wie schnell dort draußen die Provinz, wie schnell auch die Natur anfängt. Und ein schöner Herbsttag erschließt dem Wanderer in der Mart mancherlei Erquidung. In wenig mehr denn eineinhalb Stunden fährt man mit billiger Sonntagstarte nach Freienwalde an der Ober. An dem Städtchen selbst ist nicht viel zu sehen, und seine Kur- und Badeanlagen, durch die es befannt geworden ist und die jetzt natürlich still liegen, machen teilweise einen etwas unmodernen Eindruck. Man hat das Empfinden, daß man in
zu modernisieren.
vorzeitig entdeckt, man brachte ihn nach dem Krantenhaus Best end, wo es der Kunst der Aerzte gelang, ihn am Leben zu erhalten. Gestern nun glüdte es R., von seinem Bettnachbar im Krantenhaus ein Taschenmesser zu erhalten, das er sofort verschludte. Dieser siebente Versuch mißlang gleichfalls, denn durch eine fofortige Operation wurde dieser gefährliche Gegenstand aus seinem Körper entfernt, so daß sein Wunsch, zu sterben, wieder nicht in Erfüllung ging.
Revolutions- Gedenkfeier
Freienwalde feine Entschlußkraft besitzt, den Betrieb umzustellen und Montag, den 9. November, abends 7 Uhr, im großen Saal der neuen Welt, Hasenheide Ansprache: Aufführung revolutionärer Szenen Der Bezirksvorstand.
Aber die Umgebung dieses Städtchens ist und bleibt einzigartig in der Mart. Das Ganze ist nämlich ein richtiges fleines Gebirgs: land. Das fängt schon mitten in der Stadt an. Da liegt, von zwei Wohnstraßen umfangen, ein Stüd Bergland, das sich Monte Caprino nennt. Das ist italienisch und heißt Biegenberg". Man hat daraus einen Gedächtnisacker für die Toten des Weltkrieges gemacht. Jeder hat dort einen Baum, eine märkische Kiefer als Gedächtnisbaum befommen. Am Fuß des Baumes eine Tafel mit dem Namen des im fernen Land spurlos Verschwundenen. Ein melancholischer, ein erschütternder Anblick. Aber dann muß man die recht beträcht liche Höhe verlassen, steigt in ein Tal hinab, um nach fünf Minuten mieder einen recht netten Berg emporzufrageln. Und dieser Berg hat o weh, deutschnationales Freienwalde wieder einen italienischen Namen und heißt Casa rivera. Wieder hinab und wieder empor, zur Königshöhe mit schöner Aussicht. Von dort ab wärts zu einem tief im Grund liegenden Teufelssee und abermals empor zu dem in reizvollsten Bindungen am Berghang sich hinziehenden Majorsweg". Weiter über Berghänge in das tief eingeschnittene Brunnental" und auf abwechslungsreichem Spaziergang zum Baasce. Dabei von Zeit zu Zeit Fernsichten, Einblicke, in tiefe
Täler.
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Der Wanderer, dem Unraft und Sehnsucht das Herz schwellt, und der wohl gar ein paar Tage Zeit hat, fann auf herrlichsten Waldpfaden, durch Täler und über Berge nach Eberswalde gehen, fann wohl gar jenem geologisch höchst bemerkenswerten Einschnitt zu streben, der in 25 Kilometer Länge unter dem Namen„ Gamen grund" vom Dorf Köthen bis Strausberg verläuft und kann endlich, ohne jemals den Wald zu verlassen, bis Strausberg und weiter bis zur Märktischen Schweiz gehen. Aber man verfehe sich mit guten Spezialfarten, denn in diefem ffeinen märkischen Gebirge ist ein Verlaufen sehr wohl möglich, und es fann lange dauern, che man wieder aus dem Waldesdunkel ans Tageslicht taucht. Dieser Wald birgt auch, wenig bekannt, allerlei Heimlichkeiten, Tunnel und verlassene Stollen, die an früher ausgeübten Bergbau gemahnen.
Der Prozeß der Gräfin v. Bothmer.
Die erfien Zeugenvernehmungen.
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Im Laufe der Berhandlung tamen zuerst die Beziehungen der Gräfin zum Hauptmann Hefter weiter zur Sprache. Borf: Wie haben Sie mit Hefter in Polzin gewohnt? Angel: Zimmer an Zimmer mit Berbindungstür. Bors: Wem gehörte das Auto? A n'get 1: Mir und Hefter halb und halb. Borf.: Konnten Sie sich solchen Lurus leisten, Sie stedten doch in Potsdam in Schulden? Angefl: Ja, ich hatte einen Gönner in Schweden , der erfüllte mir jeden Wunsch. Bors: Durch was hat denn Ihr Mann jetzt die Schulden beinahe gededt?- Angefl.: Wir hatten in Potsdam Darlehen zu Bucherzinjen aufgenommen. Dann werden die Leihattionen der Angeklagten näher beleuchtet. Die Verhältnisse im Haufe des Regierungsrats v. Bothmer müffen als sehr unendlich trostlos bezeichnet werden. Die Angeklagte hat Zimmereinrichtungen an Potsdamer Geldverleiher verpfändet, und sie muß zugeben, daß ihr Mann davon gemußt hat. Bors.: Der Abschiedsbrief Ihres Mannes spricht dech davon, daß Sie ihn zugrunde gerichtet haben. Hat Ihr Mann Angefl: a türlich, er weiß alles von mir. Bors.: Wie kommt der aus diener Stangen in diese Sache hinein? Angefl: Er fam am 14. Oftober in meine Potsdamer Wohnung und bezeichnete fich als den Polziner Dieb. Ich gab ihm einen Liför und Sigaretten, und beim zweiten Besuch fuhren wir zu den Behörden nach Berlin . Bors: Also müssen Sie doch in schlechten Verhältnissen gelebt haben? Angefl: Bon 650 Mart Gehalt fann man als Regierungsrat in Potsdam auch nicht leben.
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denn alles von den vielen Schulden gewußt?
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21s erste Zeugin wird die bestohlene Recht's anwaltsgattin Frau Dr. Dommert aus Berlin vernommen. Sie hat die Gräfin in Polzin 1924 fennen gelernt. In diesem Jahr war Hauptmann Hefter, Frau Dr. Dommer und die Gräfin im Kaiser bab Polzin zur Kur. Die Zeugin schildert die Autofahrten, wobei ihr 100 Mart aus einer Handtasche gestohlen wurden. Die Handtasche fand man später ohne Geld auf einer Chaussee. Dann werden die Gelddiebstähle aus dem Koffer der Frau Dommert näher erläutert. Zu diesem Koffer besaß Frau Dommert zwei Schlüssel. Einer davon war ihr auf der Autofahrt mit den 100 Mark abhanden gekommen. Nach diesen Diebstählen wurden Durchsuchungen im Kaiserbad vorgenommen, und man fand bei der Gräfin 600 Mart im Koffer. Auf einige Zwischenfragen des Vorfizenden erklärte die Zeugin, daß sie fich mit Hauptmann Hefter geduzt habe und daß Hefter ein großer Damenfreund sei. Der darauf vernommene Bolizeiaffiftent Runte aus Polzin hat zueift Anzeige von den Diebstählen im Sanatorium bekommen. Ihm gegenüber hat die Gräfin zugegeben, daß sie gewußt hat, wo das Geld von Frau Dommer im Roffer gelegen hat. Auch der Versteck der Kofferschlüssel war der Gräfin bekannt. Bei der Durchsuchung machte Hauptmann Hefter dem Polizeiassistenten allerlei Schwierig feiten. Er verlangte den Bürgermeister von Bolzin zur Beschwerde und anderes mehr. Bei der Durchsuchung fand der Beamte etwa 400 Mart in Scheinen, die mit dem Buchstaben der Gräfin gezeichnet waren. 3ahlungsbefehle lagen da und dort im Zimmer umber. Dem Zeugen gegenüber hat Frau Dr. Dommert den Verdacht geäußert, daß die Gräfin die HotelDiebin ist. Hauptmann Hefter hat sich sehr selbstherrisch benommen und verlangte, daß die ganzen Kurgäfte untersucht werden sollten. Unter großer Spannung wird der Direttor Rösler vom Kaiserbad Polzin als Zeuge vernommen. Vors.: Sind bei Ihnen im Sanatorium Diebstähle vorgekommen? 3euge: Angeblich follen der Gräfin, als fie mit Hefter bei uns wohnte, 100 Mart meg getommen fein. Sonst habe ich von Diebstählen nichts gehört. Auch ihm gegenüber hat Frau Dr. Dommert geäußert, daß die Gräfin die Diebin jei. Die Zustände mit den beiden waren derart, daß schließfich die Gräfin, die allzu fout war, aus dem Sanatorium verwiesen werden mußte. Hauptmann Hefter aber verlangte, daß er, der Direktor, nichts über die Diebstähle seiner Behörde melden folic. Auf eine Frage des Ersten Staatsanwalts Gerlach erklärte der Zeuge, daß er nahezu den Eindrud gehabt habe, als ob Hauptmann Hefter die Polziner Beamten an der Durchsuchung des gräflichen Bimmers fraft feines Hauptmannsranges habe verhindern wollen. Um 7 Uhr wird die Berhandlung auf morgen 410 Uhr vertagt.
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Der siebente Selbstmordversuch.
Ein hartnäckiger Selbstmordkandidat ist der 31jährige Kaufmann May A. aus Charlottenburg , der aus Liebeskummer fünfmal versuchte, durch Gift, Wasser, Dolch, Erhängen und Erschießen aus dem Leben zu scheiden. Alle Versuche schlugen jedoch fehl. Bor ein paar Tagen nahm er eine gehörige Dofis Beronal; aber auch dieser Anschlag auf sein Leben wurde wieder
, welche Luft, Schupo zu sein!
Vor dem Kriege, in den Zeiten der Blüte des Militarismus, wurde zur Kennzeichnung der Freuden" des Refrutenlebens oft in grimmigem Hohn das Wort gebraucht: Ha, welche Luft, Soldat zu sein!" Auch bei der Schuhmannschaft soll damals manches vorgekommen sein, was an den Kasernenhof erinnerte und eine Stimmung erzeugte, die nicht zur Besserung des Verhältnisses zwischen Kasernenhofgeist der ehemals„ kaiserlich deutschen Armee in die Polizei und Bevölkerung beitragen fonnte. Wieviel von dem republikanische Reichswehr hinübergenommen worden ist, möge hier unerörtert bleiben. Daß auch die Schupo der Republik noch sehr an die aus dem Kasernenhof hervorgegangene Schuhmannschaft der Kaiserzeit erinnert, hat leider bei verschiedenen Gelegenheiten fest gestellt werden müssen. Die Schuld trifft nicht so sehr die Schupo Teil von der ehemaligen Armee herübergekommen sind und die mitanzuerziehen sich bemühen. Opfer dieser Erziehungsmethode sind gebrachte militärische" Schneidigkeit" ihren Leuten zuallererst die Schupobeamten selber, so daß mancher von ihnen sich wie ein Refrut von ehedem vorkommen muß und seufzen mochte: ha, welche Luft, Schupo zu sein!"
Ein paar Bolizeioffiziere echt preußischen Stils gibt es im Bezirk Wilmersdorf . Aus ihrem Birken seien hier nun einige Proben mitgeteilt. Major Dähne bringt es fertig, bei einem Appell auf dem Hofe einem Oberwachtmeister mit reichlicher Persehens ins Geficht zu sagen: Sie haben im Rahmen Dienstzeit wegen eines fleinen im Bureaudienst vorgekommenen Ihrer Dienst vorschriften überhaupt nicht denten!"
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Ueber Hauptmann Steinhausen wird uns gemeldet, daß er gegenüber Schupobeamten die Ausdrüde dumme Jungens" und" dumme Lümmels" gebraucht habe. Beim täglichen Morgengruß sagt aber derfelbe Borgesetzte jovial:' n Tag, Kameraden!" Beil der Gegengruß manchmal schwach ausfällt, hat er feinem Aerger schon oft Luft gemacht, indem er über Faulheit ju grüßen schalt. Der Hauptmann erging sich auch einmal in einer längeren Ausführung über politische Unreife" der Schupobeamten. Die Wahlberechtigung erlangt man mit Bollendung des 20. Lebensjahres, die Schupobeamten find durchschnittlich 25 Jahre alt, der Herr Hauptmann aber hat es schon auf 27 Jahre gebracht. Nebenbei bemerkt: Wen mag der wohl wählen? Auch die Beföstigung, die den Schupobeamten geliefert wird, ähnelt in mancher Beziehung dem Kasernenfutter früherer 3eiten. Eine Beschwerde hierüber tam felbft aus den Reihen der Offiziere, die an der Berpflegung teilnehmen. Dem Major Dähne gab auf Befragen der Hauptmann Steinhausen die Auskunft, das Effen sei sehr gut, die Portion sei oft sehr reichlich, im Schüßengraben sei das Effen bedeutend schlechter gewesen. Wohlgemerft: die Schupobeamten erhalten das Essen nicht umsonst, sondern müssen es mit einem Gehaltsabzug bezahlen.
Die eigenen Leistungen solcher Borgelegten merden von den Untergebenen naturgemäß besonders scharf unter die Lupe genommen. Auch hier wird die Wiedergabe weniger Broben genügen. Als im Auguſt d. 3. der Hafentreugler Dölle auf dem Steglizer Friedhof bestattet wurde, sah man bei dem Leichengefolge die üblichen Zwingenstöde. Bolizeihauptmann Stein hausen unterließ die Beschlagnahme dieser Stöde, die gewiß nicht auf eine friedfertige Gesinnung schließen ließen. Am Tage der Stadtverordnetenwahlen erlebte man auf dem Kur fürstendamm bei den Hafenkreuzlern die bekannten Provokationen, die bei den Kommunisten begreiflicherweise ein entsprechendes Echo fanden. Hatentreuzler forderten die Festnahme der Kommunisten und ihrem Wunsche ward Erfüllung. Major Dähne und Hauptmann Steinhausen famen im Bolizeiauto herangefauft, griffen ohne Not ein und sorgten dafür, daß Berwirrung und Schwierigkeiten entstanden. Der Herr Hauptmann befahl einem Schwierigkeiten entstanden. Der Herr Hauptmann befahl einem Beamten, Stellung mit dem Geficht zum Feinde" zu nehmen. Der Feind" war die angesammelte Menschenmenge. Solche und ähnliche Bortommnisse tönnen zu denten geben, nicht nur den Bewohnern Berlins , sondern auch den Schupobeamten, obwohl denen im Rahmen ihrer Dienſtvorschriften das Denten nach Major Dähne verboten ist.
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Ankündigung von Brotgewicht und Brotpreis im Laden. Im weiteren Verlauf der von der Polizei unternommenen Aktion zur herabsehung der Lebensmittelpreise hat der Polizeipräsident, um das Bublifum ftärter zur öffentlichung in Kraft tretende Polizeiverordnung erlassen, nach der Mithilfe heranzuziehen, eine mit dem Tage der Verin den gewerblichen Verkaufsstellen von Backwaren bis auf weiteres üblichen Roggengraubrotes, Weißbrotes und der Schrippen durch die Preise und das Gewicht des zum Verkauf gestellten orts: einen für jedermann von außen deutlich sichtbaren Anschlag am Bertaufslokal nach einem vorgeschriebenen Muster zur Kennt nis zu bringen sind. Der Gewichtsangabe für das RoggengrauGröße zugrunde zu legen. Für Schrippen sind in dem Anschlag brot ist das Gewicht eines 12 Stunden alten Brotes der betreffenden als Zahleneinheit 10 oder 12 Stück mit dem sich daraus ergebenden Gewicht und Preis anzugeben. Der Anschlag ist durch das zustän bige Bolizeirevier kostenfrei mit einem Stempel zu versehen und gilt für die Dauer einer Kalenderwoche. Eine Neuabstempelung ist jedoch solange nicht erforderlich, als der Anschlag über eine Woche hinaus jedenfalls für eine neue Woche Geltung behalten soll. Der Käufer tann verlangen, daß die Badware auf einer Wage mit den erforderlichen geeichten Gewichten ausgewogen wird. Als Bertaufsstellen im Sinne dieser Bolizeiverordnung geiten auch die Berkaufsstände für Backwaren auf den Wochenmärkten und in den
Das Rundfunkprogramm.
Freitag, den 6. November.
Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Konzert. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten
für die Frau( Wir und unsere Kleider"). 7 Uhr abends: Chefredakteur Heinrich Zimmermann : Das Tier in der Mystik und schreiben?( Die neuesten Forschungen über das Alter des Symbolik". 7.25 Uhr abends: Dr. Hugo Großmann: Konnte Moses Alphabets) 7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Musikwissenschaft. Geh. Reg- Rat Prof. Max Friedlaender :„ Das deutsche Volkslied". 3. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung, Schauspiel. Leitung: Alfred Braun . Das deutsche Lustspiel bis Lessing . Erster Abend. Aus einem deutschen Osterspiel( 13. oder 14. Jahrhundert). Bearbeitet von Max Bauer . Jahrmarktszene mit dem Arzt, seiner Frau und seinen beiden Dienern Rubinus und Pusterpalk. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst.
| Markthallen. Zuwiderhandlungen gegen diefe Bolizeiverordnung merden mit Geldstrafe bis zu 150 m. bestraft, an deren Stelle im Invermögensfalle Haft bis zu 14 Tagen tritt.
Fleisch, das nicht zu teuer war.
Eine gerichtliche Feststellung.
Bor der Handelserlaubnisstelle im Polizei. präsidium Berlin in der Magazinstraße fand gestern vormittag unter dem Borsiz des Polizeirats Kleinte die Verhandlung gegen den Mitinhaber und kaufmännischen Leiter P. einer bekannten großen Berliner Schlächterei statt. In einer Filiale dieser Großschlächterei war Kasseler Kotelett, das von einem ande ren Schlächter namens T. zum Engrospreise von 1,70 m. eingetauft worden war, für 2,40 m. weiterverkauft worden und ebenso Schweinekotelett für 2,35 m., während der Tagespreis nur 1,80 m. bis 2 m. betrug. Darauf war vom Polizeipräsidenten auf Grund der Verordnung über Handelsbeschränkungen vom 13. Juli 1923 die Handelsuntersagung ausgesprochen. Eine andere Berliner Fleischwarenfirma, die die von der Firma R. den Konsumenten abverlangten Preise in Erfahrung gebracht hatte, hatte Strafanzeige erstattet. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, die die Richtig feit der Anzeige ergab und zu dem Berfahren gegen die Firma führte.
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Der Berteidiger erklärte zunächst, daß man Herrn P. als Leiter der kaufmännischen Abteilung unmöglich zur Berantwortung ziehen tönnte, für Fehler, die in den Filialen begangen würden und ging dann auf die Einzelfälle näher ein und versuchte, die Preise, die Handeserlaubnisstelle von der Haltlosigkeit des Handelsverbotes bedeutend über den Tagespreis lagen, zu begründen und die gegen die Firma zu überzeugen. Der Vertreter des Polizeipräsiden ten hielt dem jedoch entgegen, daß im Interesse der Ber braucherschaft, da Unzuverlässigkeit bei der Firma bestand, diretter Anlaß zum Eingriff vorhanden war. Der Vertreter des Polizeipräsidenten forderte an Hand feiner Unterlagen Firma K. wandte sich dagegen. Der Ausschuß zog sich zu einer eine Aufrechterhaltung des Handelsverbotes. Der Berteidiger der Handelsverbot aufgehoben werde, jedoch noch nicht furzen Beratung zurück und verkündete in dem Urteil, daß das rechtsträftig sei. Gegen das Urteil legte der Borfigende Beschwerde ein. Der zweite Fall betraf den Friedenauer Schlächtermeister 2. Gegen diesen Schlächtermeister war wegen zu hoher Gefrierfleischpreise die Handelsuntersagung ergangen. Diefer hatte hierauf Beschwerde bei der Handelserlaubnisstelle eingelegt. Der Angelegenheit lag folgender Tatbestand zugrunde: Die Gattin eines Tierarztes M. hatte bei dem Schlächtermeister A. telephonisch auf der Breistafel verzeichnete Berkaufspreis für Filet betrug an Rostbeef oder Filet von Gefrierfleisch bestellt. Der dem betreffenden Tage 1,60 m. Die Kundin ließ das Fleisch durch einen Boten abholen und dieser mußte für das Pfund Fleisch jedoch 1,80 M. zahlen. Dem Gatten der Frau M. tam der Preis bedeutend zu hoch vor und er erstattete Anzeige, der auf Grund einer Kon trolle, bie bei dem Schlächter A. borgenommen wurde, stattgegeben wurde, Es wurde 3. B. festgestellt, daß der Einkaufspreis 63 Bf. betragen hatte. Nach Angaben der Preisüberwachungsftelle hätte das Fleisch( Rouladen, Filet usw.) nur 1,20 m. tosten dürfen. Da aber für Gefrierfleisch teine Höchstpreise bestehen und fich A. berechtigt, für das Pfund 1,80 m. zu verlangen. Als Tierfür besonders gute Stücke ein Aufgeld genommen werden darf, fühlte arzt behauptete Herr M., daß das Fleisch feineswegs ein gutes Filet st üd, wie der Schlächtermeister angab, mar, sondern ein nicht über dem Durchschnitt stehendes Fleischstüd. Auch hier Man erfolgte durch Urteil die Aufhebung des Berbotes. sieht, der Schutz des Publikums gegen hohe Preise nimmt mertwürdige Formen an.
Dachstuhlbrand im Krankenhaus Friedrichshain .
Gestern abend gegen 8 Uhr brach in dem Dachstuhl des Berwaltungsgebäudes des Rrantenhauses am Fried richshain Feuer aus. Die Flammen griffen mit außerordent licher Schnelligkeit um sich. Auf dem Dachstuhl mar eine Sauerftofflasche gelagert, deren Explosion heftige Deto. nationen hervorrief und dem Feuer neue Nahrung gab. Nach furzer Zeit stand ein bedeutender Komplex in hellen Flammen. Die
Behren 5, 7, 16 und 20 rückten in vier Zügen an und begannen das Feuer, das gefahrdrohend um sich griff, zu isolieren. Leider gelang das nicht ganz. Die Flammen ergriffen zwei Zimmer der unter dem Dachstuhl liegenden Wohnung des ärztlichen Leiters der Anstalt, Prof. Braun, und brannte sie pöllig aus. Auch hat das Gebäude durch eindringende Baffermengen Schaden erlitten. Soweit bis jetzt bekannt, ist wertvolles Material außer dem Mobilar der beiden Zimmer der Privatwohnung durch das Feuer nicht vernichtet worden. Ueber die Brandursache ver lautet noch nichts Genaues, doch scheint Brandstiftung ausgechloffen. In der 11. Abendstunde war das Feuer so weit gelöscht, daß ein Teil der Wehren abrüden fonnte.
Der Tod auf den Schienen.
Ein tödlicher Unglücksfall ereignete fich gestern morgen um 5 Uhr auf der Strede Berlin - Griner. Sturz vor der Ginfahrt in den Bahnhof Ertner stürzte aus einem Abteil ein junger regungslos liegen. Der Verunglückte, der einen schweren SchädelMann heraus und blieb auf dem harten Schotter des Bahnkörpers bruch davongetragen hatte, wurde sofort in das Kreiskrankenhaus Die Beriönlichkeit des Toten fonnte noch nicht festgestellt werden. openid gebracht, starb aber schon auf dem Transport dorthin Ob der junge Mann durch eigene Unvorsichtigkeit ums Leben ge tommen oder bon frember Hand aus dem Zuge gestoßen worden ist, bedarf noch der Feststellung. Mitteilungen hierzu an die Kriminalpolizei in Copenid.
Die Stadtbeilage erscheint in der Sonnabend- Morgennummer.
Lei Dir
selber treu!
Ein beherzigenswertes Sprichwort! Wer sich selbst treu ist, wird immer vor Schaden bewahrt bleiben: er wird den als gut erkannten Fabrikaten die Treue halten und sich durch nichts überreden lassen, etwas anderes zu versuchen. Wer z B das Ideale Kopfwaschmittel ,, Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" einmal gebraucht hat wird sich niemals einem anderen Fabrikat zuwenden, weil er überzeugt ist, daß es ein noch besseres Mittel zur Haar wäsche und Pflege wie Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" nicht gibt Man verlange daher beim Kauf ausdrücklich das oben genannte Fabrikat, kurz gesagt ,, Schwarzkopf Schaumpon", und achte genau auf die Schutzmarke ,, Schwarzer Kopf"