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Gewerkschaftsbewegung

Vor einem Kampf in den Verkehrsbetrieben.

Straßenbahn- Hochbahn- Aboag.

Um Freitag haben die Funktionäre der Hochbahn und der Aboag zu dem ablehnenden Verhalten der Diret. tionen Stellung genommen. Für die erregte Stimmung in den Betrieben spricht ein Untrag, in dem verlangt wurde, am Mittwoch eine Bollversammlung der beiden Berkehrsbetriebe über den Streit entscheiden zu lassen.

Es war angesichts dieser Stimmung sehr schwer, die Funktionäre dahin zu bewegen, die Verhandlungen mit der Straßenbahn am Dienstag, sowie die Schlichtungsverhandlungen mit der Hochbahn und Aboag am Mittwoch abzuwarten. Nach einer regen Diskussion wurde beschlossen, die Ergebniffe dieser Verhandlungen einer Ber­fammlung der Funktionäre aller drei Berkehrsbetriebe zu unter­breiten

Bon dem Verhalten der Straßenbahndirektion sowohl wie von

der Entscheidung des Schlichtungsausschusses wird es abhängen, ob es zu einem& ampf in den Berliner Verkehrs­betrieben fommen wird. Es ist zu erwarten, daß von den maßgebenden Stellen nichts unversucht gelassen wird, diese Be­wegung auf friedlichem Wege beizulegen.

Die Lohnbewegung der Eisenbahner. Auch die Berliner Eisenbahner stellen Forderungen. Wie wir bereits gemeldet haben, find in einer ganzen Reihe von Direktionsbezirken der Reichsbahn Forderungen der Eisenbahner eingereicht worden. Auch die Bezirksver. waltung Berlin des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands hat nunmehr an die Reichsbahndirektion Berlin den Antrag auf Verhandlungen gestellt.

Die Bewegung der Eisenbahner ist vornehmlich darauf zurück­zuführen, daß die Hauptverwaltung der Reichsbahn den letzten Schiedsspruch, der im Reichsarbeitsministerium gefällt wurde, nicht zur Durchführung gebracht hat. Dieser Schieds­spruch hat bekanntlich eine allgemeine Erhöhung der Eisen­bahnerlöhne abgelehnt und nur einzelne Kategorien mit unzu­reichenden Lohnzulagen bedacht. Selbst diesen Schiedsspruch hat die Reichsbahn nicht zur Durchführung gebracht.

Es muß dabei daran erinnert werden, daß der Reichsver band der deutschen Industrie in seinem Beschluß, der den Abbau der Pensionen der Eisenbahner fordert, ausdrück­lich Bezug nimmt auf die durch den Schiedsspruch erhöhten Personalausgaben der Reichsbahn. Also einerselts wird in der Deffentlichkeit erzählt, der Reichsbahn ermachsen durch den Schiedsspruch erhöhte Personalausgaben, während die Reichsbahn selbst diesen Schiedsspruch gar nicht durchführt

Es kann unter diesen Umständen nicht wunder nehmen, daß die Erbitterung der Eisenbahner im Wachsen ist. Die Reichsbahn­verwaltung würde gut tun, diese Bewegung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß gegen, wärtig in Berlin die gesamten Verkehrsbetriebe, d. h. die Hochbahn, die Straßenbahn und die Omnibusgesellschaft sich in einem Lohntonflikt befinden. Nunmehr treten auch die Eisenbahner in die Bewegung. Die Forderungen der Ar­beiter sind sehr bescheiden und bemegen sich durchaus in den Grenzen des Möglichen. Schon deshalb kann verlangt werden, daß man mit der bisher beliebten Berschleppungstattik endlich bricht.

Erbitterung der Eisenbahner des besetzten Gebiets. Aus Mainz wird uns berichtet:

Die Vertreter des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutsch­in Koblenz Stellung zu einer Reihe von wichtigen, das Reichsbahn­lands aus dem gesamten belegten Gebiet nahmen am Donnerstag personal betreffenden Fragen.

So wurde u. a. eine Entschließung angenommen, die in der derzeitigen Einstellung der Reichsbahn- Hauptverwaltung in bezug auf Entlohnung des Personals eine fulturunwürdige Hand lung erblickt, die geeignet sei, schwere Gefahren wirtschaftlicher und politischer Natur nach sich zu ziehen und in Verbindung mit un­erträglich langer Arbeitszeit und rücksichtsloser Aus­beutung die Betriebssicherheit gefährde. Die Folge sei eine fich die schließlich zu einer allmählichen Betriebslähmung führen immer fortwährend steigernde Erbitterung des Bersonals, müsse. Es wurde deshalb beschlossen, mit erhöhtem Nachdruck darauf hinzuwirken, daß das Verantwortungsgefühl der zuständigen Stellen der Reichsbahn- hauptverwaltung baldigft geweckt wird, um den dringendsten Lebensnotwendigkeiten des Personals gerecht zu merden.

Ebenfalls wurde beschlossen, mit der sozialdemokra tischen Reichstagsfraftion in Verbindung zu treten, um mit allem Nachdrud darauf hinzuwirken, daß der Personal. abbau auch bei der Reichsbahnverwaltung eingestellt wird und die seitherigen Abbaumaßnahmen entsprechend den Bestimmungen die seitherigen Abbaumaßnahmen entsprechend den Bestimmungen des Reichsbeamtengesetzes und Reichsbahngefeßes in bezug auf die zugeficherten wohlerworbenen Rechte einer na dh prüfung unter. 30gen werden.

"

Berjüngung."

Vor der Erfindung der Dolchstoßlegende, während der Kriegs­zeit, versicherte man den vordem schon zu alt" befundenen Arbeit nehmern, wie wertvoll ihre Arbeitskraft immerhin noch sei, versprach den Kriegsbeschädigten, alles daranzusehen, ihre Arbeitskraft mög­lichst zu erhalten, zumal man ihrer bedürfe und kein Reſt ungenützt bleiben fönne. Seit den glorreichen Tagen des sich in unausgesetztem aber zeigt sich das über unerträgliche Soziallaften stöhnende Unter­Abbau äußernden Wiederaufbaues der deutschen Wirtschaft träfte. Und zwar nicht nur bei der neueinstellung von nehmertum eifrig bemüht um die Berjüngung der Arbeits: Arbeitern. sondern insbesondere auch durch den hinaus. murf der alten Arbeiter. Gewiß, gelegentlich werden Jubilare der Arbeit gefeiert und in Werkszeitungen ihr Bild gebracht. Behe aber denen, die sich mit ihren jüngeren Arbeits­genossen im Ernstfalle solidarisch erklärten und gar gemeinsam mit Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen. Das ist dann so recht ihnen in den Streit eintraten, um eine günstigere Gestaltung der die den Arbeitgebern günstig erscheinende Gelegenheit zum Auf­räumen", zur Entlassung der bei ihnen zu alt Gewordenen. Die Handelshilfsarbeiter im Tertilgroßhandel tönnen ein Sieb davon fingen, besonders bei zwei namhaften Firmen der Kurz­marenbranche in der Klosterstraße.

Den Bogel schoß jedoch einer der prominentesten Vertreter der Großfaufleute ab, der Inhaber eines der größten Konzerne des Eisengroßhandels. Nach Beendigung des Streits im Eisen= der Arbeit. Doch nun wurde gefiebt, und in besonders rücksichts­loser und brutaler Weise wurden gerade die ältesten Leute

zurüd gemiesen Arbeiter über 60 Jahre werden nicht wieder eingestellt, hieß es, gleichviel ob sie 25, 30, 40 Jahre oder noch länger im Dienste dieser Firma maren. Cine nicht unerhebliche Zahl von diesen alten Leuten liegt auf der Straße und ist jetzt nach langjähriger treuer Pflichterfüllung Firma und nähere Einzelheiten behalten wir uns zum 150jährigen dem Elend preisgegeben. Die Veröffentlichung des Namens dieser Geschäftsjubiläum am 27. November vor, hoffen aber, daß bis dahin die Maßregelungen wieder rüd gängig gemacht werden.

Die Aussperrungen in der chemischen Industrie. Frankfurt a. M., 7. November. ( WTB.) Wie von unterrichteter triebe der chemischen und der Gummi- Industrie der Be­Seite mitgeteilt wird, werden am heutigen Tage auch die letzten Be­zirke Hessen und Hessen Nassau stillgelegt. Insgesamt tommen dadurch etwa 5500 Arbeiter außer Beschäftigung, so daß im gan. zen etwa 35 000 21rbeiter feiern müssen. Zu den heute still­gelegten Betrieben gehören u. a. die Kelsterbacher Kunstseidefabrik Kelsterbach mit 1400, die deutsche Dunlop- Gummi- Compagnie Hanau mit 1300, die Gummiwerfe A.-G. in Fulda mit 1000 und die Gold- und Silberscheideanstalt vorm. Roeßler- Frankfurt a. M. mit 360 Arbeitern. Die übrigen stillgelegten Betriebe sind kleinere Fir­Abmachung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird dagegen men, die sich über Rheingau und Odenwald verteilen. Infolge einer der Betrieb der Grube Messel bei Darmstadt aufrechterhalten, da dieser Betrieb lebenswichtig ist. Ueber neue Verhandlungen im hie­figen Bezirk ist noch nichts bekannt; dagegen sind in der bayerischen Seftion auf Veranlassung des Schlichters für die kommende Woche Berhandlungen vorgesehen.

Wie der Wiederaufbau aussicht.

Effen, 7. November. ( Eigener Drahtbericht.) Die Beche Joachim" der Mannesmann- Röhrenwerte soll nach einer Mel­dung der Berliner Berwaltungsstelle am 1. Dezember still gelegt werden. Die Belegschaft der Beche beträgt rund 1500 Mann. Auch eine Zechenanlage von Konsolidation soll ihren Betrieb ein­stellen. Vom Rhein- Elbe- Konzern wird die Zeche Pluto" mit einer Belegschaft von 3200 Arbeitern stillgelegt. Die drei 9000 2rbeitern zur Folge. Stillegungen haben die Entlassung von insgesamt

walzwert des order Vereins wird infolge Auftragmangels Bochum, 7. November. ( Eigener Drahtbericht.) Das Grobblech walzwerk des Hörder Vereins wird infolge Auftragmangels Mann starke Belegschaft sind Feierschichten eingelegt worden. vom Sonnabend ab für eine unbestimmte Zeit ruhen. Für die 250

Auf der Zeche ,, Unser Frig" werden zum 1. Dezember rund 1000 Bergarbeiter entlassen. Ob es der Verwaltung gelingen scheint sehr fraglich. wird, die entlassenen Bergleute in anderen Betrieben unterzubringen,

( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.)

Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter ; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Ekkorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin . Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin . Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Paul Einaer w Co. Berlin 68 Pirberstroke 3. Sierzu 3 Beilagen ,,, Unterhaltung und Biffen", Aus ber Film- Belt

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