Nr. 55S ♦ 42. Jahrgang
1. Heilage öes vsrVärts
Donnerstag, 26. November 7�25
„Da draußen, stets betrogen, favst die gclchüst'ge Well", da draußen brandet das Leben in wilden Wogen bis hoch hinauf zu den Zinnen und Türmen der Häuser, da hasten die Menschen, da heulen die Autos, da poltern die Wagen ihren Zielen zm In tausenderlei Gestallen ein Wille ein Wunsch, ein Karneval des Goldes, ein Totentanz, aber drinnen, hinter den Mauern der Häuser, da bildet sich Menschenschicksal, da fallen die Masken. Was draußen der Lärm der Straße übertönt, ktingi hell in die Stille der Höfe. Freude und Schmerz, Liebe und Haß. Berliner Höfe.- Finstere Schlünde der Not, stille Inseln des Friedens, rauch- geschwärzte Stätten der Arbeit, altersgraue Zeugen einer versunkenen Zeit. Berlin kennt nur, wer seine Höfe kennt, wer mit liebenden Augen in sie hineinschaut und ihr eigenes Leben versteht. ?m preletar'erviertel. Eine der endlosen Straßen des Nordens, ein Haus wie das andere, vergeblich suchen die müden Augen nach Abwechselung, Fensler reiht sich an Fenster, Laden an Laden, Bäcker, Destillen, Schlächter, Ziganengeschäile, Friseure, Eis-„Saions", Lumpenkeller, ein Kino mit brüllenden Reklamen und wieder ein Berliner Kindl, ein Schultheiß,„der grobe Ostp-euße",„der gemütliche Emil",„die sidele Lindenwirtin" und weiter in ewiger Gleichförmigkeit, bis sich in der Ferne der Dunst der Straße mit dem Qualm der Eisenbahn- züge, die wie schwarze Gespenster am Horizont dahinhuschcn, oer- bindet. Heber brüchigen, ausgetretenen Zementboden gelangt man o-f d>-n kleinen, fast quadratischen Hos. Rings ragen mit gewaltigen Mauern und tausend Augen graue Häuser gen Himmel, in einer Eck? stehen drei übervolle Müllkästen, daneben ein verwitterter Hand- wagen und ein paar alte Kisten, die Sonne bemüht sich vergeblich, den Grund dieser Stcinschlucht zu erleuchicn, in der hunderterlei Ge- räche, Gelächter, Geschrei, heulendes Keifen, kindliches Lallen, trunkenes Johlen, quarrende Grammophonmusik, die neuesten Schlager, schwermütige Volkslieder durchcinrnderwirbeln, deren stickige L4t wie mit Bleigewichten beschwert auf den matten Lungen lastet— nichts, woran das Auge sich erfreuen könnte?—'Doch! An vielen der Fenster hängt ein bunter, kleiner Garten, liebevolle Pflege uerrateno und nicht zuleszt Sehnsucht nach Licht und Luit, nach blühender Heide und raunendetn Walde, die das steinerne Meer nicht erdrücken könnt? Da wohnen nun b? Partrien eng beieinander. Draußen eilen dir Menschen gleichgüllig aneinander vorüber. Hier kennt einer den andren, hier bliT't der k'alsch wie Im k'''n'ken Darse. hier nimmt man Anteil am Geschick des Nachbarn im Gute» o.er Bösen. Geburt und Tod Wiege und Grab werden zu wichtigsten (.eignissen, ein neues Kleid, ein Krach bei Schulzens bilden den Gesp.ächsstoff von Tagen und jeder weiß von jedem, was er kocht. A.e, die da wohnen, hat ein hartes Schicksal geknetet, alle arbeiten schwer sürs tägliche Brot und hoffen kaum bis zum nächsten Tage und als ewige Mahnung zieht der schwarzblaue Rauch der Fabrik- s' lote in dicken Schwaden über das winzig kleine Stückchen Himmel. Eine ärmliche Stube, eine schmale Küche, der enge graue Hof, die Haustür als abendlicher Palaverplaß, vielleicht noch die Bank auf dem Platz mit den schwindsüchtigen Bäumen und das Kino an der i Ecke, für die AInder der Rinnstein, die Granitplatten des Bürger- steigs, von einem weisen Magistrat für..Walserzeck" und„Himmel und Hölle� geschaffen, und die herrlichen Kellergitter, unter denen unermeßliche Schätze an Sechsern und Knöpfen der Hebung durch, krummgebogene, an eine Latte gebundene Lössel harren— das ist 1
ihre Welt, das heißt eine Welt! Menschensehnsucht in engen Käfig gepfercht.— Und dann Kinder! Kinder überall, Kinder an jedem Fenster, Kinder auf der Straße. Ihnen ist das harte Pflaster ein blühendes Märchenland, ein Kinderhiinmel, daß es doch nie zur Hölh würde!! Ds» öen onü-ren... Ein vornehmes Haus in einer stillen, grünen Straße, davor ein kleiner Garten mit blühenden Rosen, gegenüber der große Park, ganz aus der Ferne tönt der larsendsältige Cänn der großen Stadl herüber, nur selten ein harter Schritt, zwei„Mädchen für alles" stehen mit Henkclkörbcn an der Ecke und plauschen. Keine Kinder, keine heulenden Autos, kein wirbelnder Staub— die Zeit scheint hier stillzustehen, an einem schmiedeeisernen Gitter langweilt sich ein strahlend blauer Briefkasten, nebenan gurren Tauben, gackern echte Italiener,..Prinz" heult sehnsüchtig„Dma" nach und rasselt traurig mit der Rickelkelie, vor vielen Fenstern liegen ieste Rolljalousien.— Ucber schwarzwciße Marmorquadrate, durch eine schwere Eichentür
mit blitzenden Messinggriffen, an einer mißtrauisch blinzelnden Portierloge vorbei auf den verträumten Hof, ein kleiner Rasen- vlatz mit weißen Kacheln gesäumt, darauf ein schwermütiger Lebens- bäum, nur wenige Fenster ringsum, alle mit großen Spiegelscheiben in ernster Würde glänzend, kein übler Geruch, kein aufdringlicher Müllkasten, nur an einem Fenster ein großer Strauß Feuerlillen, und es ist so still, der Kanarienvogel im„Porticrsoutcrrain" zwitschert verschlafen, der Graupapagci im ersten' Stock kreischt zuweilen ein unverständliches Wort, halblauter Gesang eines Mädchens, der bald wieder verstummt, Geschirr klappert, irgend jemand hustet, dann wieder Stille, weither eine Autohupe, kein wilder Schrei der Sehnsucht, Haß uno Liebe, Freui e uno Schmerz wohl temperiert, vorsichtig in Watte gehüllt, daß niemand erfahre, wie es im Innern auesiebl. Jeder lebt für sieb, m"» siehi sich, man grüßt sich und schweigt sich aus— jeder hütet sein Schicksal wie ein großes Geheimais, man lebt nebeneinander, nie mitein- ander. Und dann wenig Kinder, sie ipiclen nicht„Himmel und Hölle" und„Wasscrzcck", augein nicht nach verlorenen Sechsern, ach, wie gerne möchten sie das, ihr Kinderhimmel ist voll entthronter Götter, denn für ein richiwes Kind ist eine leere Streichholzschachtel oft wundervoller als die komplizierteste Eisenbahn. Jabrikhöft. Bier Höfe hintereinander. Hnchbepockte Wagen rollen donneriid durch die Enge der Torwege, Lasten stürzen polternd zu Boden, lchweißtiicsende Männer schieben kleine Karren hin und her, wälzen riesige Ballen zu den Auszügen, schieben Wagen bciscirc, schaufeln Kohlen, Frauen, junge Mädchen mit weißen Tüchern um den Kops laufen geschäftig durcheincinder, lachen, kichern— kräftige Worte fliegen voir den Männern herüber und kehren ebenso kräftig zurück, dazwischen hupen Lastautos, fluchen Kutscher, schrillen Glocken, brausen unzählige Maschinen, stanipsen, heulen, kreischen, surren und singen ein inseenalisches Konzert, und über allem liegt schmesel- gelber Dunst, weißblauer Dampf, brauner dicker Qualm. In einer Ecke hat sich ein Leierkasten etabliert und dudelt in schmelzenden Tönen.„Nur eine Nacht sollst du mir gehören"— wer singen kann, singt mit, und die anderen erst recht— mit anzüglichem Lächeln die meisten— manche aber mit einem seltsam weltfremden Blick in den Augen, ungestillte Sehnsucht, die aus Qualm und Schmutz und Schweiß hinausfliegt ins Märchenland der Wolkenburgen, der Worte nicht achtend, allein durch die Töne fortgeführt ins Reich ewig unerfüllter Träume. Vergangenheit... Ein großes Portal mit kunstvollem Gitter, ein weiter hos mii holperlgem Pflaster, ernste graue Gebäude, spitze Giebel , von dicken Quadern umrahmte Fenster, zwischen den Steinen wächst Gras und goldgelber Löwenzahn— die Zeit ist tot!— Jahrhund-rte? Ein Nichts! Aus der Tür wr Rechten tritt ein kleiner gebeugter Mann im blauen abgeschabten Rock, bleibt sinnend mitten auf dem 5)ofe stehen, streicht mir der Hand über die hohe Stirn, als wollte er finstere Gedanken bannen, die weit in die Vergangenheit gehen. Gras wächst zwischen den Steinen und goldgelber Löwenzahn.— Viele Geschlechter gingen dahin, der bunte Wechsel menschlichen Lebens zog vorüber, ernst blicken rings die grauen Häuser. Sie sahen zu viel, um sich zu wundern.
Einzichung von Nentenbankscheineu. Durch Bekanntmachung vom 24. November 1925 ruft die Deutsche Nentenbank die R e n t e n b a n k s ch e i n e zu 19 Ren- t e n m a r k— ohne Kopfbildnis— mit dem Ausfertigungsdatum 1. November 19 2 3 zur Einziehung auf. Die aufgervsenen Scheine können bei den mtentlichen Kassen noch bis 31. Dezember 1925 in Zahlung gegeben, vei den Kassen der Reichs- dank aber bis 39. April 1926 gegen andere Rentenbankschcine odek gegen gesetzliche Zahlungsmittel"umgetauscht werden. Mit Ablaus des 3 9. April 1926 werden die"ausgerufenen Rentenbank'cheine kraftlos, und es erlischt damit auch die Umtausch- und Einlösungs- Pflicht der Deutschen Rentenbank. An Stelle der durch diese Ve- kanntmach-.-ng aufgerufenen Rentenbankschcine gelangen neue Scheine zu 19 Rentenmark vom 3. Juli 1925— mit dem Kopfbildnis einer Landfrau—, wie solche sich bereits seit September 1925 in, .Verkehr befinden, zur Ausgabe. Sozlaldrmokrolische Skudenlcni Wir bitten die Genossinnen und Genosien herzlichst, unseren Mitgliedern, die zur Zeit iiiiincr noch ohne Wohnung sind. Zimmer anzulveisrn. Tie Adressen sind zu senden an: Neinefeld. Köpenick . Nabenstclnsir. S.
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Die Passion. Roman von Clara Riebig.
Als der Sommer nahte, hatte Eva Llussicht, mit in eine Ferienkolonie an die Oftsee zu kommen. Das würde ihr sehr gut tun. Olga hoffte darauf, und auch Eva hoffte. Sie hatte aus der Schulbibliothek ein Luch mit nach Haufe gebracht, darin stand eine Geschichte vom Meer. Die las sie, wenn sie a-f einer Bank im Tiergarten faß, und die Stunden verrannen ihr darüber wie Minuten. Wenn der Wind in den hohen E-chen und Rüstern des Parkes rauschte, glaubte sie, das Meer rauschen zu hören: segelte ein losgerissenes Blatt durch die Luft und sank vor ihr nieder, so schnellte sie auf: ein Fisch, ein Fisch! Jeder Kiesel war ein Stück Bernstein , jedes Schneckenhaus eine Muschel mit einer kostbaren Perle darin: und die Menschen, die da drüben jenseits des großen Rasens vorübergingen, das waren Schiffe aus fernen Welten, stolze Fregatten mit geblähten Segeln, mächtige Dampfschiffe, deren Maschinen schnaufend arbeiteten, kleine Kähne, die nach» gezogen wurden. Sie alle glitten an ihr vorbei, erschienen und vers.< wanden am Hori'vnt. Und sie selbst war das Wesen, das unten im Wasser wohnte, das auftauchte, niedertauchte und den Knaben mit sich hinabzog, der ihrem Smgen ver» traute. Ach, wenn sie nur erst in Wirklichkeit im Meerwasser baden könnte! S'e konnte es nicht erwarten. „Ich würde Eoa'n nicht mit an de Ostsee geben," sagte Frau Vullmann. Sie war eine eingefleischte Berlinerin, n'rgendwo war es besser.„Wenn's denn absolut Wasser sein muß, dann schicken se ihr doch in de Bolksbadeanstalt. Oder«n de Krumme Lanks. Da sind Badehäuschen, da kann ihr nischt passieren. Aber an de Ostse»'?.Man ja nich!" Auch Wilkowski riet ab. Er fand Eva sehr zart, jedenfalls zu zart für einen-solchen Masscnbetrieb. Der Bruder war ganz unvermutet an einem Sonntag herangekommen, als er m.'t seiner Fanulic einen Ausflug nach dem.Zoologischen gemacht hatte. Die anderen fuhren mit der Stadtbahn nach Hause, er kam hier vorbei. Das Gewisien statte ihm geschlagen: so lange sich nicht um die Schwester?n kümmern! Nun Frau Ella nicht zugegen war, war er wieder der alte, gutmütige Stefan. Olga freute sich aufrichtig: es hatte sie oftmals zum Bruder gezogen, aber ihr Siolr verbot ihr, hinzugehen: sie hatten es ihr doch zu nbscheutich gemacht, sie war niemals mehr in der Alexanderstraße gewesen. Nun bat sie:„Bleib
bei uns zum Abendessen!" Sie brachte herzu, was sie nur irgend hatte, und Eva lief ins Restaurant an der Friedrich- Wilhelm-Vrücke und holte ein Seidel Münchener . Sie zeigten es ihm, daß sie sich freuten. Er fand die Wohnung ganz nett, am hellen Tag, wenn von außen mehr Licht hineinkam, mußte sie sogar sehr nett sein: besonders nett aber fand er feine Schwester als Hausfrau. Wie zierlich hatte sie alles her- gerichtet, aus Wenigem schnell ein Biel gemacht! Das war wieder die Olga, von der der Vater immer so viel des Rühmens gewußt halte. Er lachte:„Du solltest dich noch verheiraten!" Sie wurde rot:„Ich denke nicht dran." Da wurde er ernsthaft:„Aber warum denn nicht? Einer i Dummheit wegen dein ganzes Leben vertrauern? Du könntest 'neu Mann wirklich glücklich machen und selbst auch glücklich sein. Und für die Eva wäre cs sicher die glücklichste Lösung." Für Eva die glücklichste Lösung— die Worte des Bruders gingen ihr lange durch den Kopf. Ja, das wäre es vielleicht: die glücklichste Lösung. Dann hatte ihre kleine Eva den Vater, nach dem sie sich schon oft für die gesehnt hatte. Sie brauchte dann auch nicht mehr heimlich zu zittern für das eigene Leben, so bange zu sein. Außer ihren zwei Augen waren dann noch zwei Augen da. die auf das Kind schauten. Aber sie würde nur einen heiraten, der gut, aufopfernd gut zu Eva war. 10. Eva war an der Ostsee . Olga hatte sich nach längerem Zaudern dam cntscblossen. Sie war io ungewiß gewesen und hätte Eva, die Tag und Nacht quälte, dieses Mal nicht nachgegeben, wenn Fräulein Mefaß ihr nicht ernstlich zuge- redet hätte:„Lassen Sie Eva mitgehen, es wird ihr gut tun. Lasten Sie sie doch einmal ganz Kind unter Kindern sein. Das ist noch mehr wert als die Seeluft. Es gehen zwei tüchtige Helferinnen mit dem Transport. Fräulein Müller ist mir persönlich bekannt, ich werde ihr Eva besonders ans Herz legen." Olga hatte das Kind, seit es lebte, viele Jahre fremden Händen überlasten müssen, es war ihr nichts Ungewohntes, ihre kleine Ena tagelang nicht zu sehen, die gan'e Woche nicht. aber dieses Mal war es für sebr lange. Viele Wochen sollten die Kinder dort bleiben. Die Schwachen und die Bedürftigen waren ausgesucht wordm. eine gründlich? S'ärt"nq sollte ibnen zuteil werden. können ganz rnhi-z sein." halte die Lehrern gesagt: aber die Mutter war doch nicht ruhig. Eva fieberte in der letzten Nacht vor der Abreise. Die Mutter hatte ihr kalte Kompressen gemacht aus das Herz, auf
die Stirn, und sie zu sich ins Bett genommen. Es war das Fieber der Erwartung, der Freude, das Eva gepackt hatte. Ans Meer, ans Meer, eine große Reife! Nie war Eva so schnell in die Kleider gekommen, nie hatte ihre Stimme so fröhlich geklungen. Olga behielt noch lange das Bild vor Augen, wie ihre Kleine sich zum Kupee- fenster hinausneigte und winkte, immerzu noch selig winkte. Das rote Kleid stand ihr niedlich, niedlich der weiße Helgo- länder, der für die See angeschafft worden war. Keines der anderen Kinder war gleich hübsch gekleidet. Und ausgerüstet war Eva wie eine richtige Reisende: mit einem Handkoffer, einem Lodencape für schlechtes Wetter, einer Thermosflasche und einer Blechbüchse mit viel zu vielen Butterbroten. Auch mit einem grünen Blecheimerchen nebst Spaten und Holz- schaufel zum Sandschippen und Burgenbauen. Olga hatte sich sehr verausgabt: nun sie allein war, würde sie sparen. Sonst kochte sie sich, wenn sie abends aus dein Geschäft kam, noch ein warmes Essen — schon Eoas wegen—, nun würde sie das selbstverständlich wegfallen lassen. Es war Sonntag, als die Kinder abreisten. Olga brauchte nicht ins Geschäft. Noch war der Zug nicht außer Sehweite, so gähnte schon um sie die Einsamkeit. Ob ste ein- mal zu den Wilkowskis ging? Der Bruder hatte sie bei seinem Besuch aufgefordert:„Komm doch auch mal," aber nein, so einsam war sie doch nicht. Ohne daß sie es sich weiter überlegt hatte, wanderte sie jetzt die Chaussecstraße hinunter und dann in die Friedrichstraße. Sie ging lang- sam: es war noch sehr früh. So zeitig durite man wohl noch nicht in die Rosmarienstraße kommen. Sa zeitig nicht— nein! Als ihr das einfiel, stieg ihr eine Röte ins Gesicht. In dem schon alten, abgebrauchten Haus, das an sich nichts Ein- ladendes hatte, stieg Olga die zwei Treppen zu Fräulein Helenes Wohnung hinan. Mit jeder Stufe wurde sie lang- samer, sie hatte ordentlich Angst: wenn ihr etwa noch jemand begegnen würde?! Aber totenstill blieb es auf den Treppen. Dies Haus war ein Geschäftshaus, und heute war Sonntag. Als sie leise klingelte, zeigte sich innen am Guckloch ein Auge; dann wurde aufgemacht, aber nur spaltbreit, die Sicherheits- kette blieb noch vorgelegt. „Ach so!" Die Wirtin, in einen schlampigen Morgenrock gehüllt, die Haare noch unfrisiert, sträbnig um den Ko�f hängend, erkannte d'e �--'«�d-n istrer M'-lle-'n t''"her: nr dt- Mir n n t">. Ja. misstn 3?. cIt Fräulein ichläst noch. Sie ist erst spät zu Hause gekommen. Ich lasse sie gerne ausschlafen, wenn sie mal Zeit hat." 'Fortsetzung folgt.)