Inzwischen verfloß die Zeit und alles drängte auf| duftionsbetriebe die Wirtschaft zum Stillstand. Jede Sozialisierung Bildung einer Regierung hin. Als die Zentrumsvertreter Dom Kasseler Parteitag zurückkehrten, wurden die Berhand lungen wieder aufgenommen; die Volksparteiler hatten inzwischen wegen des Verbots, beim Hindenburg - Besuch in Karlsruhe schwarzweißrote Fahnen zu führen, die Regierungsparteien maßlos und tölpelhaft angegriffen, so daß das Bentrum gleichfalls Bedenken trug, mit dieser Partei in eine Regierungsfoalition zu gehen. Die Weimarer Koalition schien also wieder zu marschieren!
Aber wenn sie wieber, um des technischen Charakters des Staates willen, in die Koalition gehen, in eine Koalition, in der sie mit ihren 29 Mandaten fast einflußlos sein wer den, in der die Macht der Agrarier und der Klerifalen fie er drücken wird, dann gefährden sie damit die nächste Zukunft des demokratischen Sozialismus in der Tschechoslowakei . Natürlich nicht seine Zukunft überhaupt, aber seine nächste Entwicklung. Daß fie von 1 600 000 Stimmen, die fie 1920 befamen, rund eine Million Stimmen verloren haben, zum großen Teile an die Kommunisten, die nichts mehr auf den tschechischen Charakter des Da faßten die De motrat en am vorigen Sonntag einen Staates geben, die nicht mehr auf seiner Integrität beharren, Beschluß, in dem sie erklärten, daß bei dem derzeitigen Stand sondern das Recht der Selbstbestimmung der Minderheits der Dinge eine Fortsetzung der Verhandlungen über die Erpölfer bis zur Loslösung propagieren das muß ihnen doch neuerung der bisherigen Koalition zwedlos fei. Nach ihrer fagen, daß die Mehrheit des tschechischen Proletariats von( der Demokraten ) Meinung hätte ihnen das Rentum, falls der ihrer bisherigen Roalitonspolitif nichts wissen will. Daß auch demokratische Kultusminister in der neuen Regierung beibedie deutsche Sozialdemokratie sich nicht fortzuentwickeln verhalten werden solle, unwürdige Zumutungen gestellt! mag, daß sie sich nur knapp zu behaupten vermochte, daß im deutschen Bolt die Kommunisten und vor allem die Hafen freuzler und die Klerikalen anwuchsen das muß ihnen zeigen, daß ihre Koalitionspolitit, daß die Politik der all notionalen Koalition, die den wirtschaftlichen Kräfteverhält niffen auch im tschechischen Bolke so sehr widerspricht, zu einer Gefahr für den gesamten demokratischen Sozialismus in der Tschechoslowakei geworden ist.
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Es ist sehr viel einzuwenden gegen die allnationale Koalition und ihre Politik. Aber selbst wenn nur wenig gegen fie zu sagen wäre. eine proletarische Partei fann nicht ungestraft eine Politik machen, die dem so deutlich befundeten Willen der Mehrheit des Proletariats widerspricht. Tut sie es doch, dann muß sie es in Zukunft noch schwerer büßen. Und mit der tschechoslowakischen Sozialdemokratie werden auch jene sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakei ge troffen, die gegen die Politik, gegen die fich der Unwille fo großer proletarischer Massen wendet, von allem Anfange an gefämpft haben.
Die tschechischen Sozialdemokraten werden vermutlich für diese Feststellungen und Warnungen ihrer deutschen Genossen nicht viel Beachtung übrig haben. Sie sind immer noch des Glaubens, im Interesse der tschechischen Arbeiter und des Sozialismus zu handeln. Sie werden also wieder an einer allnationalen Koalition teilnehmen. Aber es soll schon jetzt vor der sozialistischen Welt auf die ungeheure Berant wortung verwiesen werden, die sie damit auf fich laden. Berantwortlich sind sie nicht allein für das Geschid ihrer Partei. In ihren Händen liegt auch die Ber antwortung für das Geschid der anderen fozialistischen Parteien in diesem Staate, für das Schicksal des Sozialismus in der Tschechoslowatei.
Die neue Regierung in Baden. Koalition des Zentrums und der Sozialdemokratie. Aus Ba den wird uns geschrieben:
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Da in feinem der Länder seit 1918 nur einmal vorübergehend im Reiche eine Regierungstoalition zwischen dem 3entrum und der Sozialdemokratie bestanden hat, dürfte es auch außerhalb Badens intereffieren, wie diese Koalition zustande gekommen ist. Die badische Sozialdemokratie fann mit gutem Gewissen diefe Koalition vor der Partei und vor der politischen Deffentlichkeit verant worten.
Nachdem die Landtagswahl vom 25. Ottober für die bis her bestandene Weimarer Roalition eine Mehrheit von 50 Mandaten bei 72 Sigen ergeben hatte, war das parteitaktische Ziel der Sozialdemokratie, die alte Roalition ( Zentrum, Sozialdemokratie und Demokratie) wiederherzu stellen. Das Zentrum wollte aber die große Koalition, da die Deutsche Bolkspartei ein Mandat mehr als die Demokraten( 6) erhalten hatte. Eine Landeskonferenz der Sozialdemokratie lehnte mit Zweidrittel- Mehrheit ein Zusammengehen mit der Bolkspartei und damit die große Koalition ab.
Volksbühne.
Lunatichariti:„ Der befreite Don Quichotte". Lunaticharsti, der russische Volkskommissar für Wissen schaft und schöne Künfte, muß bei seinen fanatischsten Parteigönnern als ein Romantifer, wenn nicht gar als ein Reaktionär des Gefühls gelten. Denn als Dichter begibt er sich vollkommen in eine Bergangenheit zurüd, die feinen Landsleuten schon verwerflich scheint. Er pflegt nämlich jenes fomplizierte Gedankendrama, das fehr tief in die einzelnen Seelen hineinsteigt. Der Dichter schlägt sich mit seiner eigenen Bersönlichkeit und mit dem schwierigen Charakter feiner dramatischen Personen herum. Dabei ist es gar nicht bequem, die Linie zu finden, auf der Lunaticharifi seine Ideen zusammen rethen möchte. In seinem russischen Vaterlande ist heute dieses tomplizierte Theater nicht beliebt. Die Reformatoren des Dramas und seiner szenischen Verwirklichung lehnen das Theater als morú lifche Anstalt ab. Lunaticharsti hält also fest an dem altmodischen Theater. Die Worte, die er sucht, werden spißig ausgegrübelt oder auch träumerisch hingesagt. Ales das spricht dafür, daß Lunatscharfti zu einer Klasse von Dichtern gehört, die noch der Inspiration vertrauen und sich nicht allein auf die Agitation verlassen. So möchte man glauben, daß der politische Bolkskommissar Lunaticharsti ein anderer ist als der Dichter. Bor seinen deutschen Hörern, die in der Bhilharmonie zusammenströmen, verteidigt der politische Bolts. kommissar den absoluten Run auf die Schwärmerideen der Ber: gangenheit. Der Mensch, der Gelehrte, und der Künstler endlich haben sich artig und gehorsam dem Marxismus zu überliefern, mie er fomietistisch ausgelegt und unterlegt wird. Der isolierten Ber fönlichkeit, die sich genial verschwenden möchte, wird ein Maulforb angedroht. Aber Lunaticharfti beweist durch sein eigenes Wert, Er hat ein Recht dazu. Sein Sinnspiel vom„ Befreiten Don Quichotte" ist wirklich ein sinnreiches und reifes Berf. Der Dichter will wohl die Ereigniffe, die ihn unmittelbar ergriffen und bestimmt auch ungeheuer erregten, in die Ewigkeitsgeschichte einbauen, aber er tut es beinahe tendenzlos. Er ist der objektivste Betrachter dessen, was gewesen war. Bernimmt man, daß seine hr fritischen Landsleute ihn auspfiffen, als sein Don- Quichotte Drama über die Moskauer Bretter ging, dann wundert man sich faum. Lunatscharfti sieht in Don Quichotte den Menschen der underlöschlichen Güte, den großen Einfältigen der Bibel, der alles zum Besten wenden möchte nach dem brennenden Trieb seines Herzens. Dieser besondere Bille lohnt sich nun bei Don Quichotte fo, baß der in Güte überschmengliche Held stets gestraft, stets verPanst und als unnüz oder gemeingefährlich zum Teufel gejagt wird. Don Quichotte tönnte der alte Tolstoi sein. Lunatscharffi hat in der Sd- neiz als verbannter Revolutionär diesen Ideen gehuldigt. Go vergißt er nicht. So bricht er nicht fanatisch mit diesem Dogma der Aufopferung, das sehr feindselia im Gegensatz zu dem anariffs. lustigen Staatsdogma seiner politischen Freunde steht. Selbst der Träger der revolutionären Gewalt, der das Gewesene zerfchmettert, legt seinen Kopf voll Sehnsucht an die Bruft des weichen Philan tropen, damit er deffen Segen empfängt. Es mischen sich die Er. eigniffe diefes Stüdes aus Aftuellem und Phantastischem zusammen.
daß er für sich selber den Maulforb ablehnt
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Die Regierungsbildung fonnte- vier Wochen nach der Wahl nicht noch länger verschoben werden; es galt jest, zu handeln! Rentrum und Sozialdemokratie beschlossen, unter allen Umständen nunmehr eine Regierung zu bilden, um den vielen Kritifen zu begegnen und dem Lande nicht das Schauspiel einer schleichenden politischen Krise zu geben. Man besetzte das Kultusministerium nicht endgültig, sondern übertrug die Wahrung seiner Geschäfte dem sozialistischen Innenminister Remmele, um den Demokraten jederzeit eine Rückkehr zur Weimarer Koalition zu ermöglichen. Die zwei anderen Ministerien, das der Finanzen und der Justiz, verwalten wie bisher die Herren Dr. Köhler und Trunt als Angehörige des Zentrums. Trunt hat man zugleich zum Staatspräsidenten( welcher in Baden alljährlich wechselt) be stimmt. Damit im Kabinett eine Partei die andere nicht majorisieren fann, hat die Sozialdemokratie einen weiteren Staatsrat in dem Genossen Maier Heidelberg erhalten, so daß in der badischen Regierung die Genoffen Remmele ( Minister), Marum und Maier( Staatsräte) neben brei Zentrumsvertretern sitzen. Das ist die schwarzrote Koalition, wie man sie scherzhaft in Baden nennt! Sie hat bei 72 Abgeordneten eine feste Mehrheit, da das Zentrum über 28, die Sozialdemokratie über 16 Size verfügt.
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Man erhofft von ihr, besonders im Hinblick auf die auch in Baden herrschende starke Arbeitslosigkeit, qute foziale Arbeit und den Schutz der Republik ! In diesem Reichen wird und muß die neue Regierung tätig sein. Beim Beginn der nächsten Woche entwickelt sie im Landtag ihr Programm.
Renner über Sozialisierung.
Vortrag bei den sozialdemokratischen Studenten.
Im Saale der ,, Hochschule für Politif" hielt Staatskanzler a. D. Genoffe Dr. Karl Renner Wien Freitag abend einen Vortrag über„ aren probuftion und Sozialisierung". An der Hand der österreichischen Erfahrungen gab der Redner die Gründe, warum diese Sozialisierungsversuche scheitern mußten. Ver. einzelte Kriegsindustrien, die stillgelegt waren, wurden zur Soziali. fierung bestimmt, ohne daß für die Umstellung die erforderlichen Kapitalien und ohne daß für die neue Produktion irgend ein Absatz gesichert oder nur auffindbar war. Es wurde offenbar, daß die Sozialisierung nicht bei einzelnen zusammenhanglosen Produktionsstätten begonnen werden tann. Die fapitalistische Produktion ist Warenproduktion. Ohne Regelung des Marktes, d. i. des 3irkulationsprozeffes, find fozialisierte Betriebe inmitten der tapitaliftischen Wirtschaftsweise unhaltbar. Der Vortragende entwidelte nun die Gesetze der Zirkulation und der Mehrwertverteilung auf fapitalistischer Basis. Die Grundfunktion des Kapitals ift die des 3irkulators der Waren und des Affumulators der aufgehäuften Mehrwerte. Diese Funktionen müssen auch in einer fozia liftischen Gesellschaftsordnung erfüllt werden, freilich nicht im Dienste des Privattapitals, sondern im Dienste der Gesell schaft. Indem man die Bedeutung des Zirkulationsprozesses über fah, brachte man z. B. in Rußland durch die Sozialisierung der Pro
Das Spanien , in dem alles stürzt, ist das heutige Rußland . Die Dynastie, die gestürzt wird, ist die russische Dynastie. Die Todes qual der enthronten Herrscher und die Leidenschaft der Rotgardisten, die den Kalender der neuen Sowjetordnung anreißen, ohne daß eine Welt besonders durch Lob oder Tadel ausgezeichnet wird. Lunatscharski ist sehr gerecht. Er zeigt sogar die Blutschrecken der roten Revolution, Räubergefahr und Mörderluft. Das Staatsprogramm, das sich aus seiner Dichtung herauslesen läßt, ist durch aus im Einklang mit harmonischer Gesittung. Nicht einmal die Revolution wird übermäßig gefeiert. Don Quichotte, der ein wenig das Spiegelbild des Dichters ist, weil der Kopf des Dichters fich bemüht, nach allen Seiten hin zu verstehen und zu versöhnen, wirkt als liebenswürdigste Gestalt. Die einzelnen Bilder des Dramas zeigen Erfindungskraft, Poesie und Humor. Ja, der Humor, den Sancho Panja, Don Quichottes treuer Gefährte, verbreitet, gehört zum Besten der Dichtung. Durch diesen Humor schützt sich der Dichter dagegen, daß ihm ein unvorsichtiger Fanatismus aus dem Herzen in die Feder rinnt.
Man hat diefes Schauspiel im Theater am Bülowplag mit großer Liebe beschenkt. 3ft Friedrich Kayler auch nicht lichen Schmerze, ist Friedrich Kayßler auch eher ein Apostel und der nervöse Don Quichotte, der zusammenzucht vor jedem mensch Prediger als ein Ritter von der traurigen Gestalt, so erfüllt er doch feine Don- Quichotte- Rolle mit viel gewinnender Pathetik. Entzückend einfältig wirfte Bittor Schwannete als Knappe Don Quichottes. Die schlichte Ungelenfigkeit und die ungelente Treue be herrschten jede Bewegung dieses Schauspielers, der über viel Ge chicklichkeiten und Tugenden verfügt. Die Künstler waren offenbar sehr froh, mit Hingabe diesem belehrenden und gleichzeitig unterhaltenden Stücke dienen zu können. Herr Granach und Herr Reuß bezeugten diesen Willen durch eine außerordentliche Diszipliniertheit. Die Schauspieler versuchten gar nicht, ihre scharfe Bersönlichkeit hervorzudrängen. Berloren und tief verbunden hielten fie zu ihrer Truppe. Fris Holl, ber Regiffeur, durfte zu frieden sein. Mar Hochdorf.
Protestversammlung des Opernpersonals.
Nach Schluß der Vorstellungen in den staatlichen Overnhäusern fand gestern abend um 11 Uhr in der Singakademie eine Protestkundgebung des gesamten fünstlerischen und technischen Bersonals der staatlichen Oper gegen die fristlose Entlassung des Inten banten v. Schillings statt.
Dr. Paul Hensel verlas die Rechtfertigungsschrift, die der Kultusminister am Nachmittag der Berliner Presse zugestellt hatte, und suchte sie Punkt für Bunft zu widerlegen. Schillings befände fich seit einiger Zeit im Kampf mit gewissen Elementen, die unter dem Deckmantel der Anonymität bemüht seien, den Einfluß und die Etellung des Intendanten zu untergraben. Wer diese Elemente feien, wiffe jeder, der mit der Staatsoper vertraut sei. Kein einziger der angeführten Gründe rechtfertige den rigorosen Schritt des Mi nifteriums. Die beiden Hauptpunkte, die Dr. Becker gegen Schillings ins Feld führte, nämlich die holländische Gastspielreise und den Vertrag, den der Intendant angeblich mit Barbara Kemp geschlossen habe, zeugten eher gegen das Kultusministerium als gegen den Intendanten. Der Bertrag mit der Kemp sei von Geheimrat Winter
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muß daher ausgehen von der Zirkulation. Der Gildensozialist Cole sagt:„ Den Kapitalismus zerstören ist einfach, ihn ersetzen ist schwer". Jede Sozialisierung in großem Maßstab muß also ausgehen von der Neuordnung der Zirkulation und Akkumulation, muß also beginnen bei Handelskapital und Bankwesen. Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft sind auch die Ansätze vorhanden, die wir zu benutzen haben. Auf fapitalistischer Basis arbeiten Kartell, Trust und Konzern vor; fie find zunächst auf den Staat zu überführen. Noch bedeutsamere Vorarbeit leisten aber die Genossenschaften. Die Konsumgenossenschaften insbesondere gehen von der Zirkulation aus und greifen durch die Eigenproduktion hinüber auf das Gebiet der Produktion. Sie allein ersetzen die Warenprobuftion für den Markt durch die Bedarfsdeckung für den Konsum. Ein großer Teil unserer Wirtschaft kann durch die Genossenschaften sozialisiert werden. Es find also zwei Träger der Sozialifierung gegeben: einerseits der Staat, die Gemeinden und die öffentlichen Körperschaften, andererseits die Be nossenschaften. Eine vernünftige Arbeitsteilung zwischen beiden ist anzustreben. Auf jeden Fall aber braucht das Proletariat, um alle Hemmungen zu überwinden vorerst die politische macht. Es muß den Staat beherrschen, um zu sozialisieren. Die tapitalistische Herrschaft über den Staat macht jeden Versuch im einzelnen zu einem vergeblichen Experiment. Die zweite Bedingung ist, daß die Bolkswirtschaft einen solchen Grad der Reife befizt, daß sie die Voraussetzungen der Sozialisierung bietet: der Sozialismus fann nur der Erbe des Kapitalismus sein, nicht aber sein Ronfursmasseverwalter. Die Arbeiterklasse muß sich mit ökono mischer Ertenntnis erfüllen, um zu dem Werke reif zu sein, in der Stunde, wo sie die politische Macht erobert hat.
Eine lebhafte Diskussion schloß sich an den Vortrag. Die gut besuchte Versammlung nahm Vortrag und Diskussion mit lebhaftestem Intereffe auf.
Der Dolchstoß- General.
Ein Mann mit sozialem Herzen" sucht Stellung.
In unserem Stuttgarter Parteiblatt, der Schwäbischen Tags macht", nimmt Genosse Wilhelm Reil einen General Teich mann unter die Lupe, der auch zu den Verehrern der Dolchstoß lüge gehört. Diesen Teichmann traf Keil eines Tages in der Eisenbahn. Ueber die Unterhaltung, die beide führten, gibt Genosse Reil diesen reizvollen Bericht:
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General v. Teichmann nahm gemeinsam mit einem jungen Herrn in der einen Hälfte des Abteils Play, während ich mich in die andere Hälfte setzte und meine Zeitung zu lesen begann. Nachdem Teichmann mich erblickt hatte, sprach er mit lauter, im ganzen Abteil vernehmbarer Stimme zu seinem Begleiter über den Böltischen Beobachter" und vom Völkischen Kurier", wo man den Dolch stoßprozeß verfolgen und sehen fonne, wie es „ die roten Hunde" getrieben hätten. Darauf sprach ich den General an und bedeutete ihm, wenn er mit diesen Bemerfungen etwa auf mich ziele, so fönnte ich ihm sagen, wo die Hunde zu finden seien. Mutig schrie er zurüd: Was geht Sie mein Gespräch an usw. Und nun ging's erst recht los, wie auf dem Fischmarkt. Das seien die Menschen, die den Eid der Treue geleistet hätten und meineidig geworden feien usw. Ich ermahnte ihn nun, nicht so unvorsichtig zu sein, sonst müßte ich ihn daran erinnern, wie er nach der Revolution bei mir, als dem Führer der Sozialdemokraten, um eine Stelle gebettelt habe. In etwas gedämpftem Tone erwiderte er, das jei nicht wahr, da müsse eine Berwechslung" vorliegen. Jetzt antwortete ich ihm, daß er die Tatsache noch wegzuleugnen suche."
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Dieser General v. Teichmann hatte nämlich seinerzeit nach dem Zusammenbruch der Militärmonarchie sein republitanisches Herz entbedt und den Abgeordneten Keil, der von der verfaffunggebenden Landesversammlung zu ihrem Präsidenten gewählt worden war, in seinem Dienstzimmer besucht, um ihm mitzuteilen, daß er ganz auf dem Boden der neuen staatlichen Verhältniffe stehe. Er sei schon immer ein sozial" gesinnter Diensch gewesen und wäre sehr gern bereit, ein Amt zu übernehmen, in dem er feine fozialen Anschauungen bekräftigen fönne...
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| unterzeichnet worden und das holländische Gastspiel habe sich in denfelben Formen vollzogen wie das nordische, gegen das fein Mensch etwas einwandte. Merkwürdig sei, daß Geheimrat Winter den Intendanten gebeten habe, ihn nach Holland begleiten zu dürfen, und daß das Ministerium diesen Etat strich, worauf Geheimrat Winter programmäßig frant wurde. Auch der Vorwurf der schlechten Geschäftsführung breche in sich zusammen, wenn man in Rechnung sehe, daß der Zuschuß, den vor dem Kriege beide königlichen Theater erhielten, 1 Million betrug und der heutige 2 Millionen nicht übersteige. Man dürfe dabei außerdem nicht vergessen, daß es fich früher nur um zwei Theater handelte, von denen das Schauspielhaus seinen Etat ausbalanzierte, und daß heute vier Theater vorhanden seien und das Schauspiel augenblicklich ein Drittel der Summe als Zuschuß gebrauche. Wo hier eine schlechte Geschäftsführung bei der Oper vorliege, fönne fein Einsichtiger erkennen. Schillings habe besonders in den schwierigen Zeiten der Inflation und Deflation be wiesen, daß er sehr wohl fähig ist, ein Unternehmen wie die Oper vor dem Untergang zu bewahren, und Minister Boelig, der Vorgänger Beckers, habe öfters dem Intendanten seinen wärmsten Dant für seine fünstlerischen und geschäftlichen Bemühungen ausgesprochen. Barum also heute der Sturm gegen Schillings?
Die abfolute Knebelung des Künstlers durch ein in bureaukratischen Formen verfalftes Ministerium sei der wahre Grund für den Sturz des Intendanten, darüber täuschten auch die schönsten Worte nicht hinweg. Bemerkenswert sei es auch, daß an dem Tage, da Dr. Becker den Intendanten fristlos entließ, der deutsche Außenminister Dr. Stresemann ein großes Bankett zu Ehren Schillings veranstaltet habe.
Nachdem der Borsigende des Betriebsrats der Oper gesprochen und der Borsigende der Bühnengenossenschaft Wallauer, der darauf hingewiesen hatte, daß der Fall Schillings einen unerhörten, in der Theatergeschichte einzig daftehenden Fall eines Eingriffs der pedantifchen Bureaukratie in das Schaffen eines hochbegabten Künstlers bedeute, nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der sie schärfsten Protest gegen die entwürdigenden Formen der Entlassung Schillings erhob, eine Rückgängigmachung verlangte und dem Intendanten ihr volles Bertrauen aussprach.
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Zur Schillingsfrise. Der Kultusminister hat den Run ft. Ausschuß des Landtags für Montag zu einer Besprechung des Falles Schillings eingeladen. Die Genossenschaft der deutschen Bühnenangehörigen, der Schußverband der Schriftsteller, der GoetheBund, der Verband konzertierender Künstler planen eine gemein. fame Protestaktion gegen das Vorgehen des Kultusministe riums. Ein Bertreter der Telegraphen- Union hatte Gelegenheit, mit dem zurückgetretenen Intendanten der Staatstheater, Professor Jeßner, ausführlich über seinen Rücktritt zu sprechen. Intendant Jeßner erklärte unumwunden, daß er seinen Rücktritt als eine Frage des Tattes und des Gefühls auffaffe, weil die Form, in der das Kultusministerium den Generalintendanten der Staatsoper entlassen habe, eine solche Handlung des in unmittelbarer Nachbarschaft arbeitenden Staatstheaterintendanten notwendig gemacht habe. Ge wiß," so erklärte Prof. Jeßner, ich bestreite nicht, daß ich in vielen Dingen nicht derselben Auffassung wie Herr v. Schillings war und daß es viele fachlich begreifliche Differenzen zwischen dem Kultus.