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2« l�Ol�tDOIrtd Sonntag. 2�. November ly2S

Taten uaö Worte. Kartelltag«ad Autamobilausstelluag. Vo7gest«r7«. FreLog,»«anstaliet« dt« Industrie«inen Kar« t«lltoy. über den wir ausführlich und kritisch berichtet haben. Wenn man die Zleußerungen. die da gefallen sind, unter die Lupe nimmt, ahnt man bereits, wo die wahren Ursachen der schweren Wirtschaftskrise liegen. Was nämlich an volkswirtschaftlicher Er- tenntni« im großen Saal» des Herrenhauses verzapst wurde, war wirklich manchmal derart, daß schon jedes Dort der Diskussion dazu zu schade war. llartrlle, die die Konkurrenz ausschiießen, sollten da die Reinigung der Wirtschaft sördern. tonnt« man hören. Kar- tell« sind nicht zur Preishochhaltung bestimmt wenn man sie ober sprengt, dann bricht die Wirtschast zusammen.... Dies« und ähnlich« Ding«, die von der Industrie gesagt oder wider- spruchelos hingenommen wurden, wären, hätte sie ein Mann aus der Arbeiterschaft ourgesplvchcn. Gegenstand des Gespötts der ganzen Tages preste. Aber es waren Industrievertreter, die solch« Dort« fanden. Und wo»ie Wirtschast' spricht, hat man eben zu staunen. Da» gehört halt einmal zum guten Ton. Nun haben die Unternehmersyndtzi und Direktoren es sich Herr- kich leicht gemach:, sie wollten die Kartelle verteiduien soviel Gutes sich von manchen Bestrebungen der Kartelle thecretisch sagen läßt, das System, wie es sich im Schutze der Kriegs- und der In. flatianswirtschost herausgebildet hat. t st aber nicht m e h r zu v«r< teidigen. Es ist so faul, daß au» der Industrie selbst die Klagen über die künstliche Hochhall�ng der Roh- und Halbsiosspreis» sich täglich mehren, daß«in Herr U2. v. Opel, der bekannte Zlutosabrikant, selbst dagegen die Feder ergriff. Da, freilich war«in Derbrechen in den Augen derjenigen, denen die Preise nicht hoch, die Löhn« nicht tief genug sein können und die sich obendrein noch erdreisten, mit dem Geld, das sie nicht haben, nicht zu kaufen. Aber mit dem Geld. das man nicht hat. kann man doch nicht kaufen, wird der naiv« Leser sagen. Er wird sich beruhigen wüsten bei der Feststellung. daß die Herren von der Industrie, die ja die ökonomisch« und den größte» Teil der politischen Macht haben, doch dieser Meinung sind. Sonst könnten sie nicht in einem Atem über hohe Löhn« und mangelnden Absatz scwi« unzureichend« Blldung von Spar- kapital klage«. Es ist schon so. daß man in der Industrie die Bor- aussetzung der Wirtschaftstätigkeit im kapitalistischen System, die Weckung der Nachfrage nach Daren nicht mehr beachtete. Man kann aber Nachfrage nicht erzielen, wenn man in voller Er- kenntnia der Totsache, daß die breiten Volksmasten kausunsähig sind, sich weigert, durch Steigerung de» Neallohne» dem Markt neue Antriebsträste zu verleihen. Da die Notenprcfle dafür nicht in Betracht lammt, führt der We� zu diesem Ziel allein über «in« bessere, bctliebswirtschafllich vollkommener« Praduk- tion. die den Preisabbau oder die Erhöhung de» Nominallohne» bei gleichen Preisen zuläßt. Nur insoweit Kartell« sich diesem Ziel entgegenstellen, sind sie zu bekämpfen. Di« Indstrietagung mochte sich über dies« Problemstellung wenig Gedanken, obwohl sie von einem Volkswirt darauf hingewiesen wurde. Sie versuhr wie der Boxer, der trainiert. Dieser hängt vor sich«inen großen Ball und malträtiert ihn mit wuchtigen Stößen. Der Boll kann nicht schreien, kann sich nicht wehren. Aber er wackelt. Di« Industrie stellte nun einen Satz aus, den niemand außer dem verstorbenen Hugo Stinne» s« sich zu eigen gemocht hat. Sie tat so, als s« der Zweck der Kartellbe- tämpfung nicht der. Mißgriss« zu verhindern, sondern als wolle man die Kartelle überhaupt beseitigen. An diesem Trainings» ball erprobt« sie zwar nicht ihr« Fäuste, aber die Zungenfertigkeit ihrer Repräsentanten. Wae herauskommt, ist«in« Enquete. Da die Enquete von falschen Voraussetzungen ausgeht und sich gegen einen Gegner richtet, der gor nicht vorhanden ist. kann man gespannt sein, wa« dabei herauskommen wird. Man könnte getrost über diese Art der Industrie Politik lachen. Aber den Arbeitern, die in wachsender Zahl die Stätte ihrer Be- schäftigung verlassen müssen, die kein« Arbeit finden und nun im harten Winter bitterer N o t ausgesetzt sind ihnen ist das Lachen längst vergangen.... Venn sie sehen« wohin es führt. Geht nur. ihr Herren Indu- striellen. hinaus nach dem Kaiserdamm zur Automobila.sstel- lung. vergleicht die Name» der Firmen, die ihr dort lest, mit den Konkursmeldungen der letzten Zeit, seht euch die Preis« an und vergleicht sie mit dem Lohn, den«in« Arbeiterschaft im besten Fall« und bei mühevollster Arbeit verdienen kann und ihr wißt. worum die Ind.strie keine Arbelt findet. Plakate künden: Deutsche, kaust deutsche Kraftwagen! Blau auf Gelb ist da» schöne Plakat gedruckt, das verlangt, man solle lieber«inen Veberprei» für«inen deutschen Wogen zahlen als«inen au». kändischen kaufen. Weil nun einmal in De tschland die Preis« über olle» sind. Dabei ist die Vaterlandsliebe der Industriellen so groß, daß man aus der Ausstellung nicht einmal«ine deutsch« Fahne finden kam».

Die?agö nach den Gelfelöern. Weltwirtschaftliche Umschau.

inierepen rm axoiMigemer reajr veoeureno. ine ueic bildeten vor Kriegsausbruch Gegenstand einer z« s s i o n. die in der Turkesh Petroleum Eo. zusa Beteiligt waren daran die englische Anglo-Perstan

Das Velkapital macht in der Weltpolitik und WeLwirt- schast wieder viel von sich reden. Ei» wichtiges Oekgebist. das zur. zeit unter englischer Verwaltung stehende Mossul, soll durch Beschluß des Völkerbundes seine endgültig« Grenze nach der Türkei hin erhalten. Der internationale Gerichtshof hat im Laufe dieser Woche «in Gutachten erstattet, demzufolge die kommend» Entscheidung des Dölkerbundsrats dem Vertrag von Lausanne zufolge für beide Teil« bindend sein soll; die Entscheidung muß jedoch einstimmig erfolgen. Di« englisch « Außenpolitik muß nun ihr« ganze diplo- malische Geschicklichkeit einsetzen, um die Einmütigkeit des Beschlustes herbeizuführen. Amerikanische Interesse» in Atossut. Ein sehr wichtiger Interessent des Mostul-Petroleums aber, die Bereinigten Staaten von Amerika , haben durch ihr Fernbleiben vom Völkerbund « keinen unmittelbaren diplomatischen Einfluß auf die bevorstehende Entscheidung. Dabei sind die amerikanischen Kapital- interesten im Mossulgebiet recht bedeutend. Die Oelquellen von Mossul Gegenstand einer türkischen Kon- >usammeng«soßt war. an Oelgesellschoft mit 50 Proz., der engtisch-bataoische Shell-Trust mit L5Prvz. und«ine deutsche Gruppe unter Führung der Deutschen Bant mit 25 Proz. Der deutsch « Anteil wurde nach dem verlorenen Krieg auf Grund des Der- träges von San Nemo lS20 dem französischen Kapital überlasten. Der amerikanischen Diplomatie, die nüt dieser Regelung höchst unzufrieden war. gelang es. dürchzusetzen, daß auch das amerikanische Oelkapital beteiligt wurde und zu diesem Zweck mußt« die A n g l o- P e r s i a n A.- G.. deren Aktienmehrheit sich im Besitz der englischen Regierung befindet, die Hälft« ihrer Aktien an eine amenkamsch« Gruppe abtreten, die die Standard Dil und andere amerikanische Oelgesellschasten umfaßt. Die Ausdeutung der Oelquellen von Mossul wurde noch nicht in Angriff genommen, doch sie gehören zu den umfangreichsten der Well und haben ange» sichts der Möglichkeit einer in absehbarer Zell auftretenden Der» tnappung der Oelvorräte eine sehr große Bedeutung. Nun hall« das amerikanische Oelkapital bereits vor dem Kriege durch den in den letzten Iahren viel genannten Admirol Ehester, hinter dem die Standard Oilgruppe steht,«ine Konzession für die Ausbeutung der Oelquellen von Mesliti von der Türkei erlangt, deren rechtliche Gültigkeit jedoch zweiselhaft ist. Wird Mossul durch Entscheidung de» ÄSlkerbundes politisch dem Königreich Irak angegliedert, so wird der Wert dieser Konzession fraglich, weil da» unter englischem Mandat stehend« Irak sie vielleicht nicht anzuerkennen braucht. Dagegen könnt« da» amerikanisch « Oelkapital. falls Mossul der Türkei zugesprochen wird, seine angeblichen Rechte au» der Ehester-Konzession wieder geltend machen. Allerding»«rklörte der Präsident der Standard Oll vor kurzem, in Mossul kein« Sonder» Politik versoigen zu wollen, doch wird die Aufrichtigkeit dieser Be» Häuptling bezweifelt. Ein anderer Streitpunkt ist der Anteil de» Amerikaner» Gulbenkian, de»Talleyrond des Petroleum»', dem seinerzeit für seine Bemühungen beim Zustandekommen der Oel - Vereinbarung ein Sprozentiger Anteil zugebilligt wurde, und dessen Gülligkeit jetzt angegriffen wird. Weitere Verkrustung der amerikunischea Petroleumindnstrte. vor kurze«, ist in der amerikanischen Oellndustri« eine Fusion zustandegekommen, die als die größte Petroleumtrans» aktion der Welttbe bissest oil.deaJ' von der amerika­nischen Press« bezeichnet wurde. Die Standard Ollgrupp« der größte vellrust der Well Hai sich den Doheny- Konzern. den größten der bisherunabhängig' gebliebenen Konzern« ange- gliedert. Edward L. D o h e n y, der Begründer und Leller der Pan-American-Gruppe, hatte es noch einer wechselvollen Laufbahn als Aufseher in einem Indionerterrllorium, Goldgräber, Rechts- anwall und Lehrer zum Oeldiktator Mexikos gebrocht. In seinem Konzern ist ein Felderbesitz von außerordentlicher Größe

vereinigt, ungeheuere Oelfelder in Mexiko . Kalifornien und Brasilien . Zu dem Felderbesitz gesellt sich ein« vollkommen ausgebaut« vertikal« Gewinnung»-, Transport-, Derarbeitungs- und vertaufsorganisa- tion. Di« Staudard-Oil-Gruppe hat somit den größtenUnab- hängigen' ganz unter ihre Kontrolle gebracht und zu dem zwellen,

Sinclair, steht sie berells ll» Beziehungen, die eines Tage» aucy zu einer Verschmelzung führen können. Nach der Beteiligung an den Oelseldern Mesopotamien », nach der Sicherung der meisten Bor - kommen in Mittel, und Südamerika kam mtt der Gewinnung der Doheny-Srllpp« die Einnahme der stärk st«n Position in Mexiko . Gleichzellig mit ihr hat auch der Anschluß des mächtigen Rohölkapitallsten Lord Inversorth und des unter seinem Einflüsse stehenden Agwi-Konzerns stattgefunden. Damit ist die Standard- Oil-Gruppe auch aus den britischen Markt und nach Venezuela vor- gedrungen. Es ist bezeichnend für die Macht des amerikanischen TrustkapUol», daß die größte Petroleumtransaktion der Meli von

der amerikanischen Oesfeittlichtell nicht ungünstig aufgenommen wurde. Dies« ist von der Trustpresse bearbeitet und trustfromm ge- worden. Bei der Auseinandersetzung über die Mossul-Frag« und ander« Petrolemnvorkommen wurde das amerikanische Verbraucher- Publikum zum höheren Nutzen der Standard Oil über diebösen Absichten der britischen Politik' aufgeklärt, die sich olle Petroleumreserven gesichert habe und die Standard Oil nicht an ihnen beteiligen wolle, die doch nichts anderes im Aug« habe als die Versorgung der amerikanischen Flotte und de» kleinen Mannes und Ford-Wagenbesttzers mll dem erforderlichen Betriebsstoff. Auch de« der jüngsten Transaktion hat die Trustpresse wiederum die Inter- essen des amerikanischen Vaterlandes und des kleinen Autobcsitzers vorgeschoben. Di« nationalistische Welle und die Welle der Kon- junktur, die dem kleinen Mann zu seinem Auto verhalf, werden so von der mächtigsten Kopitalistenkonzentration geschickt für ihre Zwecke ausgenutzt. Die SapUalmacht da Skoadard-Oil-tSruppc, Don der Kopitalmacht der Stand ard-OU-Gruppe mögen einig« Ziffern, die sich noch auf den Zustand vor den oben behandelten Verschmelzungen beziehen, einen Begriff geben. Di« Siandard-Oil- Gruppe ine sich infolge des amerikanischen Trustgesetzes in«in« An- zahl von Gesellschaften auflösen mußt«, besteht aus ZI Gesellschaften, die früher all« in der Standard Oil of Jersey zusammengefaßt waren. Da» Bkttenkopital dieser Gesellschaften beträgt im Nominalwert bei-

nah« 2 Milliarden Dollar, ihr Börsenwert deläuft sich auf nahezu « Milliarden Doiior. Die größte von ihnen, die Standard Oil os New Jersey , versügt über ein Aktienkapttal von 700 Millionen Dollar mtt einem Börs»nwert von 1100 Millionen Dollar. Di« Standard Oil os New Bork rrhöbte ihr Nominalkapital vor kurzem von 235 aus S75 Millionen Dollar, und ist damit an die zweite Stelle gerückt, vor Standard Oil os Ealiiornia und S. O. of Indiana . Die Gelellschasten der Gruppe verteilten im letzten Jahr ein« D i v t- den de von ISO Millionen Dollar gegenüber 51 Mil- lionen im Jahre 1S12. Die leitend« Geselllchast, Ct. O. of New Jersey hat ISA den vierfachen Betrog einer jeden Aktie in Form von Genuß scheinen vergütet. Da» Oelkapital in Albanien . In Albanien wurde, wie au» dem letzten Bericht de» eng-

iischen Oeltrust» Anglo-Periian hervorgeht, mit der Ausbeutung des Oels begonnen. Die Anglo-Perstan besitzt Konz «" 80 000 Acres, die sie gemeinsam mtt den ttalicmschen Einsenbahnen

ausbeutet. In Tirana wurde berett» ein« beträchtlich« Förderung erreicht. Der Erwerd dieser Konzessionen hat einen polttischen Hintergrund. Fan Noll, der frühere Machthaber Albaniens , wurde vor einem Jahr gestürzt, und sein Nebenbuhler Achmed Zog« g«> langt« zur Machte Fan Noll beabsichtigte, die Konzessionen dem amerikanischen Kapital zu geben, woraufhin er. der übrig.ns im Kampfe mtt dem feudalen Achmed Zogu die Interessen des Klein- besitze» im Lande vertrat, mit Hilf« Italiens gestürzt wurde vor seiner Machtergreifung mußt« Achmed Zogu die Gewährung der Oelkonzessionen an die italienisch- englisch« Gruppe zu- sichern. In jüngster Zett scheint ober dos Verhältnis der Oelgruppe zu Achmed Zogu gestört zu sein. Di« die Beziehungen sich gestallten werden, läßt sich natürlich nicht voraussagen. Er ist aber über- au» charakteristisch dafür, wie die internotil.!ialen wirtschaft­lichen Interessenkonslikte der beteiligten großen Kapital- gruppen tief in die national« Selbstbestimmung der Völker ein- greisen und da» besonder» da. wo dos betroffene Land ökonomisch noch nicht weit genug entwickelt ist, um da» Kapital für die Cr- schließung seiner Bodenschätze selbst aufbringen zu können. A. H.

Mit großem Pomp und vielem Reklameauswond hat man hier ein« Ausstellung hergerichtet, di« in Einzelheiten viel Erfind: ngskunft und emsige Arbeit zeigt, die im ganzen jedoch geradezu symbolisch für die inner« Schwäche der deutschen Industrie ist. Zwei Jahre nach der Stabilisierung der Währung noch ist die Automobilindustrie nur deshalb am Leben, weil man ein« Mauer von Hochschutzzöllen gegen die billige Auslandskonkurrenz errichtet hat. Gewiß: di« Zeit verstrich nicht nutzlos, tn«inigen Fabriken ist die S« r i e n h e r st e l l u n g eingeführt. Da» Durchschnittsnioeau der Preis« für Gebrauchswagen aber ist unerschwinglich geblieben. Und warum? Die Automobilindustrie behauptet, weil noch immer

die Materiolkosten zu hoch sind. Die Materialpreise aber werden von den großen Kartellen der Roh- und Halb- stoffindustrien bestimmt. Darum liegt dt« Industrie danieder und st« kämpft mtt Plakaten anstatt mit niedrigen Preisen um den Absatz. Es kommt noch hinzu, daß infolge des italienischen Handelsvertrage« die Zölle auf ausländisch« Gebrauchswaren stark beim Fordwagen um 600 di» 700 Markl herabgesetzt werden. Dann wird die Konkurrenz wieder wachsen. Die Kundschaft, der das Geld auch nicht gerade in der Hand juckt, wird natürlich warten, wie die Preise sich dann, nach Eintritt der Konkurrenz stellen«erden. Dem konnte nur vorgebeugt werden,