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Rückgabe des deutschen Eigentums.

Ergebnis der Verhandlungen mit Amerika . Gleichzeitig mit der Beröffentlichung der Rongreßbotschaft Coo­lidges, die uns in allgemeinen Worten von Berhandlungen über die Rückgabe des im Kriege beschlagnahmten deutschen Eigentums spricht, wird von deutscher Seite eine amtliche Darstellung über die in den letzten Monaten geführten Berhandlungen ver­öffentlicht.

Die deutschen Eigentümer ihres in den Bereinigten Staaten beschlagnahmten Bermögens erftreben seit langem die Frei gabe ihres Eigentums. Der den Krieg zwischen Deutschland und den Bereinigten Staaten formell abschließende Vertrag von Berlin jedoch beließ den Bereinigten Staaten das Recht, die Schaden erfagforderungen der amerikanischen Staats. angehörigen aus dem beschlagnahmten deutschen Eigentum abzudecken. Diesen Gegensch der beiden Interessentengruppen hat man zu überbrüden versucht. Es handelte sich dabei also nicht um eine zwischenstaatliche", sondern um eine zwischengruppliche Verständigung privater Natur. Es ist jetzt ein Plan des Ver­gleichs zuftende gekommen, der sowohl vom amerikanischen Kabinett wie auch von der deutschen Regierung für eine annehmbare Lösung des Freigabeproblems gehalten wird.

Die amerikanischen Ansprüche Privater übersteigen nicht den Betrag von 180 Millionen Dollar. Das beschlagnahmte deutsche Eigentum beträgt etwa 150 millionen Dollar in bar( d. h. in Gold oder in Stüden der Freiheitsanleihe) und etwa 80 bis 100 mil. lionen Dollar in nicht realisierbaren Werten. Für den Ausgleich zwischen den beiden Interessentengruppen werden die gesamten, von Deutschland an die Bereinigten Staaten zu leistenden Dames. 3ahlungen herangezonen. Auf ihrer Grundlage sollen bie Bereinigten Staaten in Höhe von 250 Millionen Dollar Wert. papiere ausgeben, die in spätestens 25 Jahren rüdzahlbar sind, ausgeloft und von den Bereinigten Staaten garantiert werden. Durch diese Einschaltung der Dawes- Zahlungen sollen die deut. schen Eigentümer ihr Bermögen mit der Makgabe zurüd. erhalten, daß fie bis zu 150 millionen Dollar in Bonds erhalten. Die a meritanischen Gläubiger ihrer feits erhalten 50 Millionen Dollar in bar und 100 millionen in Bonds . Die Aufgabe ist mun, daß die deutschen Intereffenten sich in den nächsten Monaten auf diesen Plan einigen. Geschicht bas, so wird die endgültige Beschlußfaffung des amerikanischen Kongreffes hierüber möglich.

Die Annahme diefes Planes durch den amerikanischen Kongreß würde, in den Worten der amtlichen deutschen Darstellung, der tapitalarmen deutschen Wirtschaft eine nicht hoch genug ein­zuschäßende Belebung zuteil werden laffen."

Amerika wünscht Abrüstung.

Eine Botschaft des Präsidenten Coolidge . Washington , 8. Dezember. ( WTB.) In seiner Jahresbotschaft an den Kongreß führt Präsident Coolidge u. a. aus: Hinsichtlich unferer auswärtigen Beziehungen ruht unsere Politit lediglich auf der Grundlage des Friedens, des guten Willens und guter Dienste. Im Berkehr mit anderen Nationen suchten wir auf dem Wege der Verhandlungen und im Austausch der Meinungen als vernünftige Leute ein gegenseitiges befferes Berstehen zu fördern. Das Ergeb. nis war, och allmählich die Auseinandersetzungen aufhörten und daß ich

Fort mit dem Monarchistenspuk!

Eine Massenversammlung in der Neuen Welt".

Während gestern Behntausende von Beamten auf dem Gen darmenmarkt gegen die Finanz- und Steuerpolitik der zusammen­gebrochenen Rechtsregierung protestierten, veranstaltete die Sozial. demokratische Partei in der Neuen Welt" in der Hasenheide eine Kundgebung gegen die ehemaligen Monarchen und die monar chistischen Verbände, die nicht weniger machtvoll verlief. Der Saal mar schon vor Beginn der Veranstaltung bis auf den letzten Platz gefüllt, fo daß Tausende an der Bersammlung vom Borraum aus teilnehmen mußten. Die Spannung und die Erregung, mit denen die Zuhörer den Ausführungen der Rebner folgten, zeigten, welche Erbitterung die Haltung der ehemaligen Fürsten und das Berhalten der Gerichte zu ihren zum Teil unerfüllbaren Forderungen hervor. gerufen hat. Sie zeigten aber auch, daß die breite Masse des Bolles nicht bereit ist, sich den republikanischen Boltsstaat von irgendeiner Seite zerschlagen zu lassen. Während Gen. Saenger München einen Ueberblick über das Ziel und die Entwicklung der rechtsradi. falen Berbände gab und nachwies, daß alle Bühlereien der letzten Jahre das Fundament der Republit nicht zu erschüttern vermochten, beleuchtete Gen. Scheidemann den schamlosen Raubzug der ehemaligen Fürsten, die das Bolt in der Stunde des Zusammen­bruchs im Stich gelassen haben und es jetzt, in der Zeit schlimmster Berarmung, auch noch aussaugen wollen. In zwet Refolu. tionen, die einmütige Annahme fanden, sprach die Versammlung den Willen aus, gegen diese Berberber des Bolles und der Republik mit unveränderter Energie anzufämpfen. Als erster Redner nahm

das Wort:

Genoffe Alwin Saenger - München

Der Zusammenbruch der drei größten Kaiserreiche Europas im november 1918 ließ mit elementarer Gewalt ertennen, daß es ein vergebliches Bemühen ist, dauernd gegen den Gedanten der Demotratte anzufämpfen. Heute, me sich die neue Staats form immer mehr tonjolidiert zeigt, versucht die Reaktion, versuchen die Faschisten ihre Mörderhand gegen den neuen Staat zu er heben. Bon Italien ausgehend, schickt sich diese Bewegung auch in Deutschland an, sich auszubreiten, indem sie alle Landsknechtsnaturen unter ihre Fahne zu sammeln sucht. Der Faschismus bedeutet in Deutschland ein legter Galvanisierungsversuch an dem zusammen. gebrochenen Militarismus, er bedeutet den Krieg im Frieden, er ist die Romantik der Wurzellosgewordenen. Noch vor einem Jahre hatten wir in Deutschland 73 rechtsputschistische Organisationen und Berbände, die zu dem Zweck gegründet waren, durch militärisch aufgezogene Minierarbeit ihre außen- und innenpolitischen Biele zu erreichen.

Eine forrupte Juff, des Unternehmertum und die mehr als eigentümliche politische Leitung der Reichswehr waren die Grund

lagen, auf denen fich der Faschismus entwickeln fonnte. Bayern ging in Deutschland veran in dem Bestreben, den aus patriotischen Motiven" operierenden Faschisten eine Freistatt zu ge währen. In Bayern durfte ungestört unser Barteieigentum ver. nichtet werden, von bayerischen Beamten tonnte den Erzberger. mördern ein fyl angeboten werden, in Bayern verkehrt der Hochperräter Erhardt mit hohen und höchsten Regierungsstellen, ja ber bayerische Justizminister pflegt persönlichen Umgang mit biefem stedbrieflich verfolgten Berbrecher, ohne daß er den Sted. brief zur Ausführung bringen läßt Bahlreich sind die Bettel briefe, die die Faschistenleitung an die deutschen Unternehmer ge schrieben hat. Nicht geringe Beträge haben unsere notleidenden schrieben hat. Nicht geringe Beträge haben unsere notleidenden Industriellen diefen staatsfeindlichen Organisationen gegeben. Die polifische Leitung der Reichswehr hat es den Faschisten leicht ge­macht, fich unter dem Geßlerhut in Ministerium zu beugen. Wir erlebten die Bildung der[ chwarzen Reichswehr , aus beren Reihen bie ememörder hervorgingen. So sehen mir, daß der deutsche Faschismus durch die Unterstügung der öffentlichen und privaten Machthaber großgezüchtet wurde.

Was aber ist das Wesen des Faschismus? In wenigen Worten ist das gesagt:

der falte, berechnende und berechnete Mord, das ist Gedanke und Tätigkeit der Puffchisten.

Die Berleumdung und Beschimpfung aller Richtfaschisten, vor allem aber derjenigen, bie das deutsche Volt aus der schweren Zeit heraus. bringen wollen, erftredt sich heute schon bis auf den Reichspräfi benten. Vielleicht erleben wir noch, daß auch Hindenburg ein marristischer Voltsverräter genannt wird von denselben Leuten, die ihn als Retter" wählten. In den faschistischen Zeitungen ist er fchon nicht mehr fähig, deutsche Ehre und Deutschlands Zukunft zu be wahren", er bedeutet schon eine Gefahr für den nationalen Willen". ( Verständnisvoller Beifall.)

zwischen Amerika und der übrigen Welt eine feftere Freundschaft als je zubor bifbete. Unfer Beispiel war nicht ohne Einfluß auf die anderen Bölfer. Auf diese Weile murde in dem schwierigen Reparations, problem ein Ausgleich zuftande gebracht. Dies war der zweite Schritt auf dem Wege zum Frieden in Europa ; es war dies auch zugleich die Wegbereitung für die in der Konferenz von Locarno abgeschloffenen Uebereintommen. Wenn diese Abfommen ratifiglert sein werden, wird der dritte Schritt zum Frieden getan sein. Wenn biese Ablommen auch noch nicht aus fich selbst heraus die wirt. schaftliche Wiederherstellung, die für den Fortschritt in Europa not­wendig ist, ergeben, so vermindern sie doch durch eine Er höhung der Friedensgarantien tie Notwendigkeit großer Rüstun. gen. Wenn die jetzt für militärische Swede aufgewandten Kräfte produttiven Zweden zugeführt werden, fo wird der wirt fche ftliche Fortschritt in meitem Maße einen Antrieb erhalten. Die Abkommen von Locarno wurden von den unmittelbar intereffierten europäischen Mächten abgefchloffen, ohne daß sich Amerifa formel beteiligte, obwohl ich am 3. Juli in meiner Ansprache in Maffachu fetts öffentlich für den Abschluß dieser Abkommen eingetreten bin. Wir haben uns ständig von einer Einmischung ferngehalten, außer in den Fällen, in denen man unsere Hilfe erbat und in denen wir den Eindrud hatten, daß diese Hilfe in wirffcmer Beise gegeben werden könne. Dies war z. B. bei der Regelung der Reparations­frage und bei der Konferenz von London der Fall. Die Locarno Abkommen stellten einen Erfolg dieser Politik dar, die wir ständig verfolgt haben und die angerommen wurde, damit die europäischen Bölfer thre eigenen politischen Brobleme ohne Eingreifen Ameritas nehmigung erteilt. fo würde es als flug erscheinen, an jeder die Be­ordnen. Diefer Anfang fcheint darzutun, daß diefe Politik geschränkung der Rüftungen betreffenden Konferenz tellzu fund ift. Es ist außerordentlich erfreulich, einen solchen Fort - nehmen, die auf Grund von Bedingungen zufammentritt, bie schritt festzustellen, der vielversprechend ist, es ist erfreulich, feftzu einen erfolgreichen Abschluß versprechen. stellen, daß er sich zu einem Segen für die Welt entwickelt. Benn bie Abkommen von Locarno endgültig angenommen fein werden, werden Friedensgarantien geschaffen sein, die in einigen Teilen Europas das zurzeit vorwiegend geltende

Vertrauen auf Macht weit weniger notwendig

erscheinen laffen.

Das natürliche Storrelat zu diefen Berträgen follten nun neue internationale Berträge über eine Begrenzung der Rüftun gen sein. Auf diesem Gebiete begannen die Arbeiten in erfolg reicher Weise mit der Washingtoner Konferenz. Damals wurde hinsichtlich der Abrüftung zu Lande nichts vereinbart, da euro. päische Mächte Einwendungen machten.

Die Stärte unseres

ftehenden Heeres ift auf rund 118 000 ann herabgelegt worden. Das ist für ein 115- Millionen- Bolt die etwa erforderliche Bolize starfe. Unsere Landmacht bedroht niemanden, sie ist vielmehr ein Schuh für jedermann. Die Frage der Abrüstung zu Lande ist daher prattisch eine vornehmlich europäische Frage, so daß Amerita mit befonberem Dante jede Attion aufnehmen würde, die die europäischen Länder unternehmen würden, um ihre milltärischen Streitkräfte zu vermindern. Dies stimmt überein mit unferer Bolitit, uns nicht in europäische Angelegenheiten einzumischen, es sei denn, daß die europäischen Mächte nicht in der Lage sind, zu einem Einvernehmen zu gelangen, und unsere Unterstügung nach suchen. Benn die europäischen Mächte aber zu einer Einigung aus sich heraus kommen, so ist das für uns besonders begrüßenswert und solche Uebereinkommen werden sicherlich unsere Sympathie finden. Es erscheint klar, daß

die Herabfehung der Landstreiffcäfte noch mehr als die der Seeftreitkräfte für die Welt von hervorragender Bedeutung in der jehlgen Zeit

ist. Auf die in dieser Richtung erfolgenden Anstrengungen blicken wir mit Befriedigung, billigen und ermutigen fie. Benn die Frage der Abrüstung zu Lande geregelt werden kann, fo werden wir um so eher eine weitere Einschränkung der Rüftungen zur See in Erwägung ziehen fönnen, in welcher Beziehung Amerifa ja ftets feine Bereitwilligkeit zur Einberufung einer entsprechenden Ronferenz zu ertennen gegeben hat. Benn der Rongreß feine Ge­

Der Faschismus ist aufgebaut auf Mord, Gewalt, Berleumdung. Es ist tlar, daß eine Bewegung, die eine solche moralische Grundlage hat, auch in der Einschätzung der gegenseitigen Persönlichkeiten nicht fein ist. Die Uebertreibung des faschistischen Gebantens hat zur

Die allgemeine Polifit Ameritas fritt für die Abrüffung ein. Amerika sollte nicht zögern, jeden praktischen Blan anzunehmen, der als vernünftig und erfolgversprechend betrachtet werden tann. Ame rila wird aber von jeder Konferenz fernbleiben, die in ihren Aus maßen oder in ihrer Zusammenlegung sich als höchstwahrscheinlich mertlos erweisen würde.

Französisches Dumping.

Zum Wiederbeginn der Pariser Verhandlungen. Paris, 8. Dezember. ( Eigener Drahtbericht.) Pariser Zeitungs­meldungen über die Wiederaufnahme der deutsch - französischen Handelsvertragsverhandlungen Anfang dieser Woche entsprechen nicht ganz den Tatsachen. Die deutsche Rüdäußerung auf den Mitte Oftober überreichten französischen Entwurf eines Handelsvertrages ist bereits vor einiger Zeit erfolgt; darauf hat das französische Handelsministerium bisher nicht geantwortet. Erft jetzt hat die französische Regierung offiziell mitgeteilt, baß fie auf Grund der jüngsten deutschen Ausführungen bereit sei, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Es ist anzunehmen, daß nun die deutsche Delegation in den nächsten Tagen hier eintrifft.

Während im Verlauf dieses schriftlichen Meinungsaustausches eine sehr wesentliche Annäherung der beiderseitigen Auf­faffungen zustandegekommen zu sein scheint, tft die Situation neuer dings durch die scharfe Abwärtsbewegung des Frants, die franzo fische Exportindustrien zu einem regelrechten Baluta Dumping auf den ausländischen Märkten ausnuten, nicht unbeträchlich kompli ziert worden. Die Exportprämie, die der franzöfifchen In duftrie die Differenz zwischen den rasch ansteigenben Devilen und den dahinter in weitem Abstande zurückbleibenden eigenen Ge. stehungskosten sichert, hat diese in die Lage gefeßt, wie in anderen Ländern so auch in Deutschland die dortige Industrie erfolg. reich zu unterbieten und ihr einen Teil des inneren Abfagmarties ftreitig zu machen. Das gilt insbesondere von ber französischen

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Gründung von Sonderorganisationen geführt, die sich befämpfen, daß es seine Art hat. Wenn Hitler in seinem Organ schon seine Gesinnungsgenossen von gestern als politische Leichen­fledderer und parfümierte Laufejungen bezeichnet, so ist das das Ende des Faschismus in Deutschland . Aber aus diesem schmählichen Ende einer politischen Bewegung ragt unberührt und un geschwächt die republikanische Grundlage des Staa fes, unseres Deutschlands . Das Wert der Festigung der Repu blit ist unser Zukunftswert, wir Sozialisten haben die Linie be­ftimmt, auf der die Entwicklung fortschreitet. Gestern noch das heute das Werden eines neuen Sterben der monarchistischen Welt Staates, einer neuen Welt!( Langanhaltender stürmischer Beifall.) Genosse Scheidemann

( prach dann, mit Händeklatschen begrüßt, über des Boltes Not und die Forderung der Hohenzollern . Er betonte, daß im Augenblick zwar nicht die große allgemeine Not der Nation, wohl aber die Mot des fleinen Mannes, der Erwerbslosen, der Ara better, Angestellten und Beamten behoben werden könnte. Wir wissen, daß die Wirtschaft eine große Kreditnot drückt, wir wissen ober auch, daß den Erwerbslosen das Wasser an der Kehle steht. Am schlechtesten und miserabelsten aber geht es unseren wiedergekommenen Fürsten . Unjere davongelaufenen und Landesväter verstehen es meisterhaft, ihre maßlos gesteigerten Forderungen geltend zu machen. 700 000 morgen Band, 103 Nug­grundstücke, 80 Schlösser und Parts und für den früheren Kron prinzen die Landschaft Dels, forderte man bescheidenerweise. Selbst bem Dolfsparteilichen Finanzminister Richter ging das zu weit, aber bis heute ist noch fein Abschluß da. Mit dem jährlichen Ertrag solcher Massenländereien

ließen sich 38 000 3nvaliden versorgen.( Sört, hört! und Bewegung.)

Unter dem stürmischen Beifall der Bersammlung fertigte der Redner einige Swischenrufer ab, die die früheren Boffsbeauftragten dafür verantwortlich machten, daß die Fürstenabfindung nicht früher schon erledigt wurde.

Diese wahnsinnigen Forderungen wären nicht erhoben worden, wenn Justiz und Regierungen nicht in so offensichtlicher Weise auf feiten der Hohenzollern stehen würden. Bu fordern ist, daß durch ein Reichsgesetz den Länderparlamenten die Re­gelung der Angelegenheit übertragen wird. Sollten aber die. Barla­mente persagen, so ist die Zeit gefommen, wo mit anderen Mitteln, evtl. auch mit einer Boltsabstimmung entschieden werden muß. Es ist dem Bolte nicht zu verdenken, wenn es in einer Beit schwersten wirtschaftlichen Niederganges und größter Arbeitslosig teit die Stimme machtvoller denn je erhebt gegen die niederträchti gen Ausplünderungsabsichten der Hohenzollern . Hier soll in geradezu unverschämter Weise

ein Raubzug auf das Staatsvermögen, auf die Taschen der Steuerzahler

gemacht werden. Dieselben Leute, die Deutschland und das Bolt durch ihr irrsinniges Auftreten ins Unglüd stürzten, die Schätze über Schäße errafften, die sich für ihr Müßiggängertum höchste Do. tationen zahlen ließen, dieselben Fürsten und Landespäter" wollen jetzt Millionen über Millionen aus dem armen Deutschland er preffen. Gegen solche Ausplünderung gilt es nicht nur zu prote­ftieren, sondern in gefchloffener Front in der Sozial­bemokratischen Partei anzufämpfen. Wenn die Ver­sammlung sich in dieser Richtung auswirkt, so wird in der Zukunft ben Landesvätern und ihren Helfershelfern das Handwert gelegt sein.( Stürmischer Beifall.)

Mit der Annahme folgender Entschließung

fand die impofante Bersammlung ihren Abschluß: I.

Die faschistische Bewegung in Deutschland ist ber usbrud Gebieten. Die politischen brutalfter Reaktion auf allen meuchelmorde zeigen, wie groß und gefährlich diese Bewegung ift. Die Fememorde laffen erfennen, mit welchem Fanatismus die faschistische Bewegung ihre Ziele verfolgt und was der Arbeiter. schaft bei einem Siege der Reatiion bevorstände.

Einer einigen Arbeiterschaft gegenüber wäre der Faschismus zur Ohnmacht verdammt. Deshalb werden alle Ar­beiter aufgefordert, sich der SPD. anzuschließen.

II.

Die dreisten Forderungen ber Fürstenhäuser müssen um so mehr Zorn und Erbitterung hervorrufen, je größer die Not wird, die nicht zuletzt durch die Fürsten , besonders die Hohenzollern über das deutsche Bolt heraufbeschworen worden ist.

Die Bersammlung richtet die Aufforderung an die republikanische Bevölterung, alle Kräfte zufammeln, damit die unverschäm ten Forderungen der Hohenzollern und ihrer ehemaligen Standes genoffen gebührend abgewiesen werden tönnen.

Eifenindustrie, die heute ganz Süddeutschland mit ihren Produkten überschwemmt und zahlreiche deutsche Werte zu nicht unwesentlichen Betriebseinschränkungen gezwungen hat. Während in Deutschland heute die Eisenpreise ähnlich wie in Amerifa und England etwa 25 Broz. über den Preisen der Bora friegszeit liegen, produziert Frankreich infolge der weit unter bem Niveau dieser Länder zurückbleibenden Arbeitslöhne etwa 20 Pro 3. billiger als im Jahre 1913. Die englische Regierung tft neuerdings bazu übergegangen, die eigene Induftrie gegen die Unter bietung von franzöfifcher Seite durch Einführung besonderer Balutazuschläge auf die 3ölle sicherzustellen, und es scheint, baß auch in Deutschland ähnliche Absichten bestehen. Jedenfalls zeigt sich schon jetzt, daß es außerordentlich schwierig sein wird, zu einem Ausgleich der beiderseitigen Zolltarife zu gelangen, solange die französische Währung nicht stabil fiert ist und ein neues Abwärts­gleiten des Franks die deutsche Produktion einer Gefahr eines französischen Dumpings ausfeßt.

Proteststurm gegen den Vorwärts'. Oder: Wie Parolen der Roten Fahne" befolgt werden. In der vergangenen Woche hatten wir befanntlich eine kleine Meinungsverschiedenheit mit der Roten Fahne" über die taktisch beste Art, die Frage der Fürstenvermögen zu behandeln.

Die Fahne schloß daraus, daß der Borwärts" den Fürsten ( mit oder ohne Provision) einige hundert Millionen Mark zuschanzen molle, und rief die Arbeiter zum Sturm. Sie wurden aufgefordert, in 3ufchriften an den Vorwärts" ihre Entrüftung fundzutun.,

Das war am Sonnabend, ben 5. Dezember. Heute, Mittwoch, den 9. Dezember, nach vier Tagen, glauben wir die Zahl der Ar­better endgültig feststellen zu können, die dem Ruf der Fahne" ge­folgt find.

Sie beträgt genau 1( einer). Der Berfaffer, der dem schlechten Stil nach ein Redakteur der Fahne" sein tönnie, nennt sich, tüller" und gibt teine Adreſſe an

So werden Parolen ber Fahne" befolgt!