Str. 613 42. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Illusionen der Indexziffern.
Eine notwendige Erwiderung.
Aircalich neröffentlichte das Magazin der Wirtschaft"( ber frühere Blutus") oberflächliche Bemerkungen über die Grundlagen der Reichsteuerungsziffern, die in recht eindeutigen Vorwürfen gegen die Ge mertschaften gipfelten. Go hieß es beinahe politisch- agitatorisch, daß die Gewerkschaftsvertreter in der Inderfommission eine Stre führung der Deffe ntlichkeit deden und für die Gemertfchaftsmitglieder nicht unerhebliche Schä digungen verursachen. As felbstverständlich muß fcheinen, daß die Rote Fahne" auf diefes Stichwort hin entsprechende Artikel von sich gibt.
er
As freigewerkschaftliches Mitglied der Inderlommission fandte Genosse Seinig nach vorhergegangener Aussprache der Redaktion des Magazin" eine tritische Untersuchung der erhobenen Borwürfe und eine objektive Darstellung der gewertidaftlichen Stellungnahme aur Inderziffer. Das Magazin" lehnte aber dem Schmerangegriffenen die Beröffentlichung feiner Antwort ab, mit der Begründung, zum Teil fei man anderer Auffassung, und im übrigen werde man später" und ,, in anderem Rufammenhange" einige der angeschnittenen Fragen behandeln.
Wir hängen das merkwürdig bedenkenlofe Verfahren, die Gewerb fchaftsvertreter zu beleidigen, ihnen aber die Möglichkeit zur Rlar. ftellung zu verweigern, auf die Art niedriger, daß wir Seinias Artikel hier veröffentlichen. Die Redaktion.
Eine häufige Ursache zur fritischen Betrachtung der amtlichen Teuerungsberechnung ist der bei einfachen Bergleichen deutlich sichtbare Widerspruch zwischen den Tatsachen der sozialen Not und der schmalen Beränderung der Teuerungsturve. Die positive Kritik wird dies vermeiden, sie sucht die Irrtümer zu finden, appelliert dabei verständlicherweise an Helfende, die den Willen haben, ihre Korrekturen durchzusetzen. Dazu werden die Gewerkschaftler ziemlich regelmäßig eingeladen, zum mindesten auf die Antlagebant. Das Magazin der Wissenschaft" sagte das nach seiner Auffassung Notwendige kürzlich so:
„ Die Mängel bei der Berechnung des Lebenshaltungsinder find um so verwunderlicher, als deren Feststellung durch eine Kommission erfolgt, in der auch Vertreter der Gewertschaften mitarbeiten. Auf diese Weise decken diese Organifationen eine Irreführung der Deffentlichkeit, die für ihre Mitglieder nicht unerhebliche Schädigungen im Gefolge hat."
Die„ Rote Fahne" baute auf der Kritik des" Magazin zwei Leitartikel ihres volkswirtschaftlichen Teiles auf, man wird nicht erwarten, daß dabei die Gemertschaftler meniger vormurfsvoll be= handelt wurden. Es heißt dort etwa, daß es die historische Schuld" der Gewerkschaftsleitungen sei, daß jene aus der Kritit des Magazin" erwiesenen Auswirkungen der Inderfälschungen das Proletariat treffen.
Jede Kritik, ob auf der Violine oder auf der Baute begleitet, verdient größte Aufmerksamkeit. Deswegen seien hier die Unterlagen des Magazin" untersucht; einige grundsäzliche Be merkungen zum Lebenshaltungsinder sollen dann angefügt werden.
Bei der Inderreform im Winter 1924/25 ist von den Gemertschaftsvertretern der Inderkommission auf die Nachprüfung der Ausgangsziffern der Teuerungszahlen das größte Gemicht gelegt worden. Es handelte sich dabei für den deutschen Durchschnitt um 3193 3ahlen. Auf unseren Wunsch wurden im besonderen für die Kosten der Bekleidung von uns be nannte Spezialfachverständige zugezogen. Sie haben nicht nur die derzeitigen und die Borkriegspreise nachgeprüft und neu festgescht, um alle Irrtümer auszuschließen wurden z. B. für Textilprodukte fogar die einzelnen Warenqualitäten in Stoffproben neu festgelegt. Die örtlichen Erhebungen und Nachkontrollen erfolgten sämtlich an Hand dieser Unterlagen. Für die Lebensmittelpreise und die sonstigen Grundpofitionen des Lebenshaltungsinder hatten wir nicht nur die amtlichen sondern auch unsere eigenen
Unterlagen.
Bei jener Nachprüfung hat sich herausgestellt, daß im befonderen für die Ausgangsziffern der Bekleidung erhebliche Korrekturen zu machen waren, für die Lebensmittelpreise ist es, da die Tatsachen
nichts anderes verlangten, im wesentlichen bei den schen vorhandenen
Unterlagen geblieben.
Der Inter wird in einem Einwohnergebiet von rund 26,7 millionen Menschen erhoben, von denen 7,8 Millionen in Großstädten mit über 500 000 Einwohnern, 3,8 Millionen in Orten mit 250 000 bis 500 000, 3,7 millionen in Orten mit 100 000 bis 250 000, 3,2 mil lionen in Orten mit 50 000 bis 100 000, 4,7 Millionen in Orten mit 20 000 bis 50 000 und 3,5 Millionen in Orten mit 10 000 bis 20 000 Einmehnern leben. Man wird zugeben, daß auf dieser Basis der Inder, someit sein Erhebungsgebiet in Betracht kommt, durch aus als repräsentativ angesehen merden kann.
Das
Magazin" geht bei seiner Kritit ausschließlich von den Berliner Borkriegspreisen aus und nimmt einfach an, daß es, seiner Kritik entsprechend, mit den übrigen, ven ihm nicht nachfontrollierten Ziffern, mahrscheinlich ebenso aussehen werde, das heißt, daß sie zu hoch angenommen sein sollen.
In der Statistik schließen einfache Annahmen sehr viele FehlerAber untersuchen wir die Grundlagen der angegequellen in sich. benen Berliner Breise. Sie stammen nach den Angaben des Magazin" aus Warenhausangeboten des Jahres 1913 und aus Preisen
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der Konsumvereins- Bertaufsstellen. Die Berliner Unterlagen für die Ausgangsziffern des Reichsinder sind weit umfassender. Borerst: sie entstammen aus dem Durchschnitt der Monatszahlen Oftober 1913 und Januar, April und Juli 1914. Zum anderen: es sind nicht nur Konsumvereinspreise sie allein sind ja nicht ausreichend repräsentativ für die vier Millionen Menschen, deren Nahrungsmittel in Berlin täglich gekauft werden. Warenhausangebote sind noch weniger repräsentativ, vorerft, weil sie nicht regelmäßig vorhanden sind, und dann, weil sie häufig genug als Verkäufe auf gezogen werden, deren Verlust über Reklamefonte verbucht wird. Wenn die Unterlagen für Berlin kritisch nachgeprüft werden sollen, dann müssen die Ziffern, die uns vorgelegen haben, als unrichtig nachgewiesen werden. Es waren die folgenden, die wir hier sämtlich mit genauefter Quellenangabe zur öffentlichen Kon. trolle stellen.
Lebensbedürfnisse
Die Berliner Borkriegspreise im kleinhandel. Preis für 1 Kilogr.( in Bfg.) Dftbr. Jan.| April| Juli 1913 1914 1914 1914
1913/ 14
Preis b. 1913 / 141)
28,55 28,03 27,72 29,65 28,49
28
40
40
40
40
40
40
50
50
50
50
50
50
6
6
6
13
8.
180
178
172
170
175
175
168
160
146
138
153
155
270
278
274
262 271
270
( 160)
( 160)
( 160)
( 160)||( 160)
140
140
140
140
130 188
138
45
45
44
45
45
45
9
10
7
8
9
9
24
24
24
24
24
Roggenbrot2). Erbsen, gelbe) Speisebohnen³) Kartoffeln) Rindfleisch), Schweinefleisch). Butter) Margarines) Schweineschmalz Zuder). Eiers) Vollmilchs).
24
Die eingeklammerten Preise beruhen auf Angaben der Konsum genoffenschaft Berlin und Umgegend e. G. m. b. H. Solange die obigen Ziffern nicht als falsch nachgewiesen sind, die Kritik des„ Magazin" irrig.
ist
Und nun zu den grundsäglichen Bemerkungen. Wenn die Reichsinderziffer richtig bewertet werden soll, muß man sehr genau damit vertraut sein, was sie nicht sein fann sammenfegung und Berechnung der Reichsteuerungsziffer zeigt dies und was sie nicht sein will. Ein gewisser Einblick in die Zu
sehr deutlich.
einem Eristenzminimum verwechselt. Der eine Grund Vor allem: die Reichsinderziffer wird allzuhäufig noch mit dieses Irrtums liegt auf der Hand. Darüber, was ein Eristenzminimum ist, was es zu enthalten hat und wie hoch es sein muß, würden sich Gewerkschaftsvertreter mit Unternehmervertretern und Regierungsstellen wahrscheinlich überhaupt nicht einigen fönnen. hier trennen Weltanschauungen. Die Wissenschaft ist bei solchen Auseinandersegungen gern mit ihren Kalorientabellen bei der Hand. Aber damit läßt sich zuviel beweisen. Wir erinnern uns an den Ritter Edler von Braun, der nach Kriegsausbruch feststellte", daß das deutsche Volk über ernährt sei, die gefunde Kalorien- 3wangs wirtschaft des Krieges werde der Volksgesundheit förderlich sein... Der Inder ist aber auch aus zwei weiteren tatsächlichen Gründen fein Existenzminimum. In der Reichsteuerungsziffer sind weder die Steuern, noch die Kosten des notwendigen Haushalts Wiederaufbaues enthalten, ebensowenig die Leistungspflichten zur Sozialversicherung. Und im übrigen ist das Wertigkeitsschema der Teuerungsziffer schon heute fo umfangreich, daß es wie Kuczinskys Berechnungen immer mieder beweisen außerhalb der Einkaufsmöglichkeiten weiter Bolfsschichten liegt.
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Aber wenn die erwähnten Einwendungen auch sämtlich nicht zu Recht beſtünden, eine Berechnung des derzeitigen Eriſtenzminimums wäre doch unmöglich, weil ja als Ausgangspunkt ein gedachtes Existenzminimum von 1913/14 konstruiert werden müßte. Auch da gäbe es mit den Gewerkschaftlern feine Einigung.
1) Jm Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich 1924/25 ( 44. Jahrgang), S. 263 ff.
In der Vorkriegszeit beröffentlicht im:
2) Stat. Jahrb. d. Stadt Berlin 1912/14( 33. Jahrg.), S. 489. 3) Amtl. Preisber. 3. Stat. Korrefp." 1918, Nr. 53, 1914, Nr. 8, 23, 38.
4) Stat. Jahrb. b. Stadt Berlin 1912/14( 33. Jahrg.), S. 426 ff. 5) Preis zusammenst. d. Stat. Amts b. Stadt Berlin , Dft. 1918, Jan., April/ Juli 1914.
6) Amtl. Preisber. z. Stat. Korrelp." 1913, Nr. 50, 52, 1914, Nr. 8, 23, 38. Stat. Jahrb. der Stadt Berlin 1912/14( 33. Jahrg.), S. 444 ff. 8) Wie vorstehend S. 426 ff.
Keine Neujahrskarte ohne
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Mittwoch, 30. Dezember 1925
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Die Grundlagen der Reichsteuerungsziffer find nichts anderes cls eine repräsentative Zusammenfassung. Die amerikanischex Inderberechnungen gehen von einer grundsäßlich anderen Methode aus. Dort erfolgen menn wir nicht irren in 23 000 Familien tatsächliche Erhebungen. Aus ihnen werden die Querschnitte gebildet. Neben mancherlei Vorzügen hat diese Methode auch viele Nachteile, so daß der Wert der Grundlagenfeststellung praktisch durchaus der gleiche ist wie derjenige der repräsentativen Grundlagenkonstruktion. Nebenbei sei erwähnt, daß bei uns jede Einzelerhebung in jedem Ort durch Gemertschaftstertreter mit fontrolliert und verantwortlich gezeichnet wird.
Nach der deutschen Berechnungsmethode werden die örtlichen Teuerungszahlen zu Durchschnitten verarbeitet, die den oben erwähnten Ortsgrößenklassen entsprechen. Diese Durchschnittsziffern werden nicht einfach zusammengezählt, sondern gemogen mit der Einwohnerzahl ihrer Größenflassen in Beziehung gefeht, erst dann erfolgt die Berechnung der Reichsdurchschnittsziffer.
Für diese Gesamtzahl wirken sich die einzelnen Indergruppen ( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Kleidung, Verkehr und sonstige Bedürfnisse) a nteilsmäßig aus. Diese Quoten laffen sich durch einen Bergleich mit Borfriegsberech nungen( Haushaltsrechnungs- Erhebung von 1907) recht genau auf ihre Richtigkeit kontrollieren.
Aus diesen Vergleichen geht hervor, daß dem repräsentativ be rechneten Index, mit Ausnahme von Verkehr und sonstiger Be darf", im wesentlichen die Vorkriegsverhältnisse zugrunde gelegt worden sind. Man muß dabei immer an die durchschnittliche Lebenshaltung von nahezu 27 Millionen Menschen denken, die durch die Preiserhebungen praktisch erfaßt werden.
Die Inderberechnungsmethoden find während der jüngst ver gangenen zehn Jahre unendlich verfeinert morden, um das Höchstmaß an möglicher Eraktheit zu erreichen. Darin liegt nach meiner Auffassung die Hauptursache aller schein. bar berechtigten Rrititen. Durch die vielfache Quer schnittberechnung und Gewichtung wird die Reichsinderziffer zu einem Preispegel, der die Differenzen aus tausend Zuflüssen restlos ausgeglichen meldet. Ein allgemeiner Sprung der Wohnungskosten um zehn Prozent drückt sich nur im Maße der Anteilsziffer für Wohnung"( 20,35 Bro3.) im Gesamtinder aus, und eine Steigerung des Fleischpreises fann sehr leicht durch einen Preisfall der Kartoffel soweit kompensiert werden, daß beide Veränderungen in der Gesamtteuerungsziffer überhaupt nicht zum Ausdruck
tommen!
Praktisch liegt es zudem noch se, daß in dem Grade einer zu. nehmenden Teuerung, steigender Steuern und sonstiger öffentlicher Lasten der Arbeitnehmer in seinem Lebensstandard zu Verände rungen gezwungen wird, die sich zuerst in einer Abwanderung 3 น billigeren, qualitativ minderwertigeren Kleidung, Heizung, Licht und sonstiger Bedürfnisse ausdrückt. Lebensmitteln, dann aber auch in Einsparungen an Die Erhebung der Indergrundlagen wird davon nicht berührt, denn die Voraussetzung ihres Wertes ist, daß fie fortlaufend an jedem Drt immer für die gleichen Warenqualitäten erfolgt. Die ernährungemäßige Umschichtung der rund 27 Millionen, deren Lebenshaltungspreise erhoben werden, erfolgt dann cuf die Art, daß die Millionen, die unter der durchschnittlichen Ration" stehen, sich vermehren, während diejenigen Massen, die bis dahin noch darüber standen, zahlenmäßig, mehr oder weniger schnell, je nach dem Grade der Teuerung, zusammensch me I= zen. Je größer die Teuerung, um so stärter die Differenz in der Leben- alung zur Indexziffer! Und wenn ein Arbeiter durch die Teuerung gezwungen wird, ausschließlich Kartoffeln zu verzehren,
dann stimmt für ihn die ganze Ernährungskosten= 3iffer( jetzt 150,5) überhaupt nicht mehr! sehr wenig untersucht.( In der Wirtschaftskurve der„ Franks. Zeitung" find über die Streuung" der Preise einige verdienstliche Arbeiten erschienen.) Häufig genug ist beobachtet worden, daß bei
eintretender Teuerung und Abwanderung der Maffen zu billigeren Nahrungsmitteln diese im Preise anziehen, während die qualitativ besseren Lebensmittel eher abbröckelnde Preise zeigen,( Henriette Fürth hat solche Feststellung örtlich gemacht.) Bei Durchschnitts berechnungen können sich diese beiden Bewegungen gegenseitig aufheben, dann ergibt sich leicht jener Zustand, daß die Gesamtkosten der Lebenshaltung, wie sie sich in der Reichsinderziffer ausdrücken, nahezu oder gar völlig gleich bleiben, also im scheinbaren Widerspruch zur Wirklichkeit stehen.
Die Gewerkschaften haben noch qus manchen anderen Gründen gegen die Inderberechnungen erhebliche Einwände. Hier sei mir darauf hingewiesen, daß ja bei den Wohnungspreisvergleichen eigentlich ganz ungleichwertige Größen perglichen werden. Die Wohnungen sind heute viel dichter belegt als vor dem Krieg, sie sind in wesentlich schlechterem Zustand, die freiwilligen Aufwendungen des Mieters für seine Wohnung sind erheblich umfangreicher als jemals früher, der Wohnplay liegt un
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