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Unterhaltung unö Wissen

Seilage ües vorwärts

Münchener Mattage 191�.

Major Schulz: ,Es war eiae peinliche Sache." Major Lützow: ,{0 war noch nicht genug!"

öootsm-nn Uhl. Don Hon» Vlunck-Oldemaren. Bootsmann Uhl hatte sich mitten in de» Segeimachers Leinen» bergen ein Lager errichtet, lehnte sich halb gegen«in« offen« Luke und erzählte eintönig vor sich hin. Die Bark log im Passat, da mar wenig zu tun an Bord, und die beiden Jungen, die zum ersten Male die große Reis« machten, hatten sich dicht hinter Ihm«ingenistet und horchten. Bootsmann Uhl erzählte ooli Aap Horn. Er erzählte eigentlich dem alten Segelinacher, ober der kannte die meisten Geschichten. brummte mitunter vor sich hin und hörte kaum zu. Rur die Jungen lauschten und horchten den unerhörten Ereignissen, die ihm. Boots- mann Uhl, begegnet woren und e» waren unheimliche Bilder und Gefahren, die ihre Gedanken gesangen nahmen. Aus allem aber ging als letzter Bootsmann Uhl hervor, als einziger, dem Sturm und Wetter von Kap Horn nichts anhaben konnten, der einzige, um den sich der Rest der Leute schart«, wenn der Tod kommen wollt«. Die Jungen horchten auf den wunderlichen Alten, lebten mit ihm aus den einsamen Klippen von Feuerlond, wohin ihn der Stunn verschlagen hatte, und fühlten die seltsame Bestimmtheit, mit der Jan Uhl alles überstand, wie ein« Sicherheit, die von ihm ausging. kühlten sich geborgen In seiner Nähe und nahmen sich vor. eher zu ihm zu halten als zum Steuermann, wenn Kap Horn kam. Di« junge Frau des Kapitäns ging vorbei, nickte dem Boot» mann zu und lief zur Kajüte. Sie war schon oft an der Küste entlang oder von Hamburg nach England gefahren, aber es war chre erste große Reis« nach dem Süden, und sie war mitunter befangen, wenn sie an die Zeit dachte, die ihr bevorstand. Sie hielt, gut mit dem Bootsmann, der immer ein so unerschütterliches Vertrauen hatte, und wenn ihr Mann kurz über«ine Frage hinweg- ging und sich nicht stören lasten wollte, dann tat ihr des Allen behag- liche Breite wohl. Etwas Neugier kam hinzu. Ein Gerücht ging über Jan Uhl, von dem niemand recht wußte, woher es gekommen und wer es ausgebracht hatte. Es war eine der Mären, die unter den Seeleuten umlaufen: von dem Zauberwort, das seinen Träger nicht sterben läßt, bi» er müde wird und es selbst weiter gibt: von dem«underbaren Geheimni», das au» heidnischen Zeiten stammt, oder aus Arabien : ein Spruch. mit dem man drei- bis vierhundert Jahr« unter den Menschen wandeln kann, ohne sich zu verroten. Ein solches Wort sollt« Jan Uhl willen. Wenn er auch selbst nie davon sprach, so wußte man doch au» hundert Gebärden und ent- kchlüpsten Worten, wie er darüber dacht«, einig« raunten sich'zu, er Hab« schon unter Karpfanger gefahren und werde in alle Ewigkell fahren, wenn er nicht vorher müde würde und da» Zauberwort weitergäbe. Di« junge Kapilänsfrau kam wieder au, der Kajüte und vef lustig bei ihnen vorbei. .Die weiß auch noch nicht, was kommt/ sagte der Segelmacher plötzlich, raffte einen Lallen Leinwand heran und legt« einen neuen Faden in der Marlsspieker..Wenn wir nach unten kommen../ .Mir will nicht aus dem Kopf, daß wir Freitag gefahren sind/ fuhr Jan Uhl fort,.das schöne Schiff könnt einem leid tun/ Und die junge Frau, dachten sie beide, aber sie sagten es nicht. Jon Uhl iah den Segelmacher eine Welle nachdenklich an und zuckte die Achseln..Mir kann's gleich bleiben!" Er sagte das in einem so überzeugten Ton, daß den beiden Jungen ein Grausen über den Rücken lief und sie sich heimlich an- stießen und groß ansahen. Ich war mal mit'm Auswanderer nach Australien / begann Jan Uhl wieder,.ich erzähll ja schon davon. Der ging vor Malakka ver- loren, und da Hab ich mich auch allein mit so'ner jungen Deern auf 'ne Klipp« gerettet, vierzehn Tage lang, bis die Eingeborenen da >ängs kamen. Die sah beinah so aus wie Keppens Frau/ .Da» sag dem Allen nicht, der könnt dir schön in die Quer« kommen mit der einsamen Insel/ brummte der Segelmacher. Die Jungen hinter der Luke fingen an zu kichern, ein paar Leute lachten, �san Uhl konnte das nicht vertragen, stand ärgerlich auf, schüttete seine Pfeife über die weiße Leinwandballen und ging nach dem Achterdeck. Do stand wieder Kapitän Breckwoldts Frau am Kartenhaus und sie. die so selten mit einem der Seeleute sprach. lochte dem alten Lootsmonn glücklich entgegen und freute sich, daß er zu ihr kam. Jan Uhl lehnt« sich gegen den Besan und sie mußte nicht recht, wovon sie anfangen sollt«. Der Alte stopft, sich umständlich die Pfeife, schielte väterlich vertraut zu Ujr hinüber und nickte unsicher. .Wie lang Ist's noch noch Kap Horn . Bootsmann?" .Acht Daaz, jung Fru!" Wirb wohl schlecht Wetter geben?" .Ist Immer schlecht Wetter bei Kap Horn!" .Hast du da schon Havarie gehabt, Bootsmann"" Der sann einen Augenblick nach. .So fünf- bis sechsmal, jung Fru/ .Grob« Havarie?" .N' Menge/ .Wie kommt es, daß d« immer davon gekommen bist?" Sie erschrak über ihre fürwitzige Frage, wußte, daß der SS« böse würde und hatte sie doch nicht unterdrücken können. Jan Uhl sah eine Weile versonnen vor sich hin. /ja. Ich bin immer davongekommen!" wiederHolle er. Die jung« Frau wartete eine Weile und hoffte, daß er mehr erzählen würde. Dann brach ihre Neugier vor den kommenden schweren Togen durch. .Wie kommt es, daß du immer davongekommen bist?" .Weißt so selbst, was die Leute sagen!" Da mußte sie noch einmal fragen, ob st« wollt« oder nicht. »Ist das wahr, Bootsmann?" Der wandte sich jäh zu ihr und blickte sie aus den fliegenden buschigen Brauen hart an: .Was fragst mich?" Aber in der jungen Frau stieg ein Gefühl des Geborgenseins auf. Sie empfand, daß sie die einzige war. die den Bootsmann da- noch aushorchen durfte, und ihr war. als erkaufte sie sich ihre Ruh« durch die paar harten Worte des Alten. .Ich Hab' mitunter Angst vor Kap Horn ! .Laß man fein, mein Deern, ich werd' schon aufpassen!" Cr sagte es so bestimmt und schaute sie dabei so warm und treuherzig an. daß die scheue, junge Frau suhlte, wie ihr das Blut zu Kopf stieg. Der Ave sah es. aber er verstand es nicht. .Brauchst dich nicht z« ichömen. liitt Deern, sind schon«ndere bang« gewesen vor Kap Horn!" .Läßt uns nicht allein. Bootsmann?" .Hab' schon andern geHolsen."

«Ich meine mich und den Keppen!" fügt« sie rasch hinzu. Sie fiihlt«, daß sie unrecht rat, ihren Mann hineinzuziehen, dem Boots- mann gegenüber. Und doch zwang sie die weibliche Freud« an dem unerschütterlichen Glauben des Allen. Es war wie ein Segen, der von ihm ausging, ein Zauber, der alle gefeit haben konnte gegen ein lauerndes Unglück. .Ich mein mich und den Keppen!" sagte sie noch einmal drängend. Da fuhr der andere bös auf.»Und ich frag', warum ist er am Freitag gefahren, war das nötig'?" Er sah sich scheu um, als könnte jemand seine Worte hören, der es nicht durste, dann sah er die Frau wieder gutmütig an. .Hast ja keine Schuld, kleine Deern. will schon für dich sorgen?" Das junge Weib nahm sich ein Herz. .Erzähl' doch mal davon. Bootsmann, ich möchts gern hören!" Jan Uhl blickte sie eine Welle prüfend an und sah über die Weit«. Ganz fern lag ein Segler aus der Kimmung, wie ein paar dunkle Strich«. Der Himmel war in einen leichten Dunst gehüllt, er- schien über und über sonnengelb und trug doch einen Widerschein der tiefen unergründlichen Farben des Meeres. .Ist nicht viel dabei zu erzählen, lütt Deern". sagte der Alle plötzlich..Ms ich noch ein Jungkerl war, hotten wir'n allen Burschen an Bord, der hatt' das Won und war müde vom Leben geworden. Und der hott' mich wobl gerne. Eines Tages kam er zu mir, sogt' mir Bescheid, wies damit wäre imd sagf mir das Wort, damit er zur Ruhe käme, denn er hatt' wohl'n eisgraue Zeit auf dem Rücken. Am nächsten Tag kam dann auch ein Sturm vor Corwall. und er ist über Bord gegangen." Di« jung« Frau schüttell« sich.»Wie du olle» so ruhig erzählst, Lootsmonn, man kann rein ängstlich werden davon." Der Alte nickte ihr auf einmal glücklich z«. Sei du man nicht bange. Deern!"(Schluß folgt.)

Eisenbahn gegen flutoZ In den Bereinigten Staaten sehen kühne Phantasten nnd anoeblich sogar elliche pessimistische Eisenbahnsharesbesitzer den Kampf zwischen Aiito und Eisenbahn bereits endgültig zugunsten des Autos entickieden Das kommt daher, well die Amerikaner mll einer wahren wirtschaftlichen Tollkühnheit jeder Neuerung Raum zur Entwicklung geben, die Chancen Hot. reichlich» Prozent« abzuwerfen. So ist der technisch-wirtlchcislliche Kreislaus der Automobtlbe- Nutzung dort bereits must-rhast durchorganisiert. Gewiß haben dort die besonderen Berhältnisie eine solch« gnindstürzende Umstellung er- leichtert. Do» Gebiet der Dereinigten Staaten ist ISmol so groß wie Deutschland und bat nur knapp doppell so viel Einwohner, die also mit ihren rund 20 Millionen Autos noch Raum haben, sich zu bewegen Besäße in Deutschland , wie in den Bereinigten Staaten jeder sünste Einwohner ein Auto,. so stände, gesetzt, daß man sich alle Autos unt-rwegs und gleichmäßig verteilt dächte, alle 11 Meter ein Auto auf den Straßen und Ehausieen, während auf den 5 Millionen Kilometern Straßen in den Bereinigten Staaten jedes Auto im gleichen Falle 250 Meter Spielraum hätte. Zudem hat man es in Amerika verstanden wie schon ange» tontet den Kreislaus derAutomobilkultur" vollendet auszubauen. Die amerikanische Autobetriebsstoffsteuer wird in vollem Umfang zum Straßenbau verwandt. Da nun der Betriebsstosfverbrauch fast matbematllch genau der tatsächlichen Stroßenbe- und»Abnutzung durch die Auto» entspricht, ist die Möglichkeit gewährleistet, mit ihrer klUfe den Zustand der Automobilstraßen dauernd auf der Höhe zu erhalten und auch die Amortisation des Ursprungsaufwandes und der Kosten für Reuanlagen zu sichern. Am weitesten im Hintertreffen steht von den großen Landern Europa « hinsichtlich der Nutzung der BerkehrsmögNchkeiten, die das Auto bietet. Deutschland , dos Land der gründlichsten Automobil» wisicnschafi und der geschultesten Motorenbauer. Mitte 1925 kam in Deutschland erst aus 214 Einwohner ein Auto, m der Schweiz aus

130, in Frankreich auf 71, in Schweden auf 95, in England auf 60. lieber die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigteit des enormen Zoll- fchutzes, mll Hilfe dessen in Deutschland die Unwirtschastlichkeit der Erzeugungsmethoden geschützt wird, ist kaum noch ein Wort zu ver- lieren. Mll Nachdruck aber muß daraus hingewiesen werden, wie oerkehrt die Politik ist, mit der in Deutschland mit einer in Europa (außer vielleicht in der Schweiz , wo die Eisenbohnen bezeichnender- weise auch Staatsbahnen find) beispiellosen Hartnäckigkeit die Eisen- bahn, ehemals dos liebste, weil meiswerdienende Kind des Staate», den Schutz der Gesetzgebung gegen die Konkurrenz de» Auto», ins- besondere der regelmäßigen Automobillinien anrust. In den Bereinigten Staaten, Frankreich , England, Italien hat man längst erkannt, daß die einzige Lösung und zugleich eine höchst fruchtbare Lösung de» Konkurrenzkampfes zwischen Auto und Eisen- bahn darin liegt, ein möglichst enges Zusammenarbeiten herbeizu» fübren und zwar sowohl sur den Personen- wie für den Güterver- keyr. In den genannten Staaten hat man aus solche Weise nicht nur seglichen wesentlichen Derkehrsverlust, sondern eine ganz erheb- liche Belebung und Oekonomisierung des Derkehrs aus beiden Seiten erzielt, vi« regelmäßigen Butomobillinien dienen aus Strecken, auf denen sich selbständige Eisenbahnverbindungen nicht rentieren würden. als Fracht- und Personenzubringer und haben so zuschußbedürftig« Nebenstrecken der Eisenbahnen berells in rentable Autolimen sich»er- wandeln lasten. Es ist hoch an der Zeit, aus dem Kampf Eisenbahn gegen Auto eine Gemeinschaft werden zu lasten. Der Einwand, daß nun einmal in Deutschland die Dinge so lägen, daß efsektiv da, Auto ein Besitz der oberen Zehntausend bleiben werde, wird hinfällig, wenn man bedenkt, in welch außerordentlichem Maße die Ausgestaltung der Autoomnibuhlimen über ihren gegenwärtigen Zustand hinaus zur Lösung des drückenden Wohn» und Siedlungsproblem» der Jnduftrio- bevölkerung beitragen könnte.

Oer Schuß ins /lll. Herr Hermann G an»w in dt schreibt uns: In dem Aufsatz Ihrer geschätzten Zeitung»Der Schuß in» All" vom 11. vor. Mts. wird gesagt, daß.ein großer weltwendender Gedanke immer gleichzeitig in vielen Gehirnen austauchte". Da» ist so generell nicht in allen Fällen richtig. Speziell meine bekannten, meist schon in den siebziger Jahren gemochten Erfindungen habe ich sämtlich allein ton- zipiert und erst in zahlreichen Vorträgen in vielen Städten Deutsch - lands erläutert und schließlich in den Werten»Die Lenkbarkett des Luftschiffes"(1884) und.Da» jüngste Gericht"(1898) behandelt. Erst viel später haben, nachdem ich unter Aufopferung meines Dar- mögen» den größten Teil meiner Erfindungen, darunter das Flug« zeug im Boroersuch 1888/89 und fliegend 1901, auch al» erster und einziger mit Erfolg in die Praxi» übertrogen hatte, andere, dies« Ideen ausgenommen, und nach dem Verfallen meiner Patente haben kapltalkröftigere Leute sie verwertet. So soll es jetzt auch mll meiner, in dem genannten Aufsatz besonder» behandelten.Riesen- ratete" von mirWeltenfahrzeug" genannt von dem ameri- konischen Professor Goddard und dem rumänischen Prosessor Oberth gemacht werden, welche Erfindung ich auch schon in den siebziger Jahren, also noch vor Jules Dernes physikalischen Scherzen gemacht habe. Prosesior Oberth hat mir aber aus Grund meines Nochweise» meiner Priorität in einem Briese vom 10. Mai 1925 zugestanden, daß er schon als Kind selbst In seiner s«rn«n Heimat von dieser meiner Idee gehört habe und fährt dann fort:.Sie können also dl» Ehre sür sich in Anspruch nehmen, al» Erster Im Ernst den Bau eine, Raumschiffe, versucht zu haben." Abbildungen desselben habe ich schon seit 1896 wiederholt sogar an den Litfaßsäulen veröffrnt- licht, wie ältere Berliner sich wobl noch»rinnern dürften, und ich habe dabei nicht den Fehler wie Goddard und Oberth gemacht, da» Raumschiff im luftleeren Weltraum,«o es kein Führungsmedium wie in Lust und Wasser gibt, durch die Explosionen schieben zu wollen, statt es zu ziehen! Auch habe ich bei meinem Fahrzeug da» Problem gelöst, das unerträgliche Aufhören der Erdenschwer« während der Fahrt, beim zeitweisen Abstoppen der Antriebskraft, durch Rotation des Fohrzsuges selbst und die dadurch erzielte Zerttri- fugalkrast gleich der Erdenschwere zu beseitigen.