Nr. 37 43. Jahrg. Ausgabe A fr. 19
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Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands
Sonnabend, den 23. Januar 1926
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Die Aufgaben des Internationalen Arbeitsamts.
Dittmanns Anklagerede.
Mit einer politischen Rede, wie man sie sonst zu hören pflegt, hatte der fast vierstündige Bortrag, den Gen. Ditt Im überfüllten großen Saale des Berliner Gewerkschaftshauses gemacht. Die große Schwierigkeit sei, sie zu vereinheitlichen. Es Aehnlichkeit. Er war nichts als eine Zusammenballung von mann gestern im Untersuchungsausschuß hielt, faum eine sprach gestern abend der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, wäre von einer großen Bedeutung für die Arbeiterschaft, wenn sie Tatsachen, eine Häufung von wörtlichen Zitaten aus Aften Genosse Albert Thomas zu den Bertretern der Freien Gewert bei der Diskussion mit den Unternehmern sich solcher ein heit. Tatsachen, eine Häufung von wörtlichen Zitaten aus Aften schaften. Genoffe Thomas sprach trotz erheblicher Schwierigkeiten licher Statistit en bebienen tönne. Gewiß, in Deutsch zwischen einzelnen Gliedern die Berbindungen herstellen, find und amtlichen Urkunden. Eigene Ueberlegungen, die deutsch . Einleitend erinnerte er zunächst an die Borgeschichte land seien die Arbeiter in der Regel in der Lage, mit den Unter- wischen einzelnen Gliedern die Verbindungen herstellen, find der internationalen Organisation der Arbeit. Im Teil 13 des nehmern zu diskutieren, aber nicht in allen Ländern sei auf das Mindestmaß des Notwendigsten beschränkt. Es fehlt Friedensvertrages wird in der Präambel auf die Notwendigkeit der das fo. Es gebe sogar noch in Frankreich Unternehmer, die sich so gut wie ganz der Appell an das Gefühl. Mit einer fast sozialen hebung der Arbeiterklasse der ganzen Welt weigern, mit den Arbeitern über die Arbeitsbedingungen zu dis gewaltsamen Selbstdisziplin hat es der Redner verstanden, die Tatsachen, nichts als Tatsachen sprechen zu und auf den Schuß der Frauen und Mütter hingewiesen. futieren. Notwendig sei, daß bei diesen Erhebungen und Ver- lassen. Daraus gerade erklärt sich auch die ungeheure Bir Um diese Notwendigkeiten durchzuführen, wurde die Internationale handlungen fung auf die Zuhörer, die, von Stunde zu Stunde stärker geOrganisation der Arbeit. d. h. das Internationale Arbeitsamt geschaffen. Es sei das erstemal, daß in einem Friedensvertrage pact, ihre Erregung faum noch meistern fonnten, und auf die Hunderttausende, die gestern abend den Bericht über diese nicht nur die Grenzen der Länder und die eventuellen Kontributionen Rede mit stockendem Atem lafen. festgelegt wurden, sondern daß auch
der internationale Schuh der Arbeit
die Arbeiterschaft der ganzen Welt gleichberechtigt mit beteiligt sei. Es sei von einer nicht zu unterschäßenden Bedeutung, wenn alljährlich zur Internationalen Arbeitskonferenz in Genf die Bertreter der Arbeiterschaft der ganzen Welt, die sonst aus den entfernten Ueberseeländern, gar nicht die Mitteln aufbringen allen beteiligten Staaten zur Pflicht gemacht worden ist. In der lönnten, einen Delegierten zu entfenden, nach Genf auf Kosten ihrer Geschichte der Menschheit sel das ein nicht zu unterschäßender Fort- Regierung fahren fönnen, um dort selbstverständlich unter Umständen schritt. Die Arbeit dieser internationalen Organisation sei eine gegen die Regierung stimmen und mit den Vertretern der Arbeiter breifache. Das Internationale Arbeitsamt habe die Abrom schaft der ganzen Welt sich verständigen können. Die Arbeiter men und Empfehlungen, die von den internationalen Arbeitschaft sei weiter noch gespalten, nicht nur international, fonferenzen beschlossen werden, von den verschiedenen Ländern sondern auch in den einzelnen Ländern. Es sei auch von einer ratifizieren zu lassen. Das sei mit großen Schwie großen Bedeutung, wenn die Gewerkschaftsvertreter aller Richtungen rigteiten verknüpft. Bon den 54 Staaten, die dem Inter auf gemeinsamem Boden zusammenkommen und gemeinsam die Innationalen Arbeitsamt angeschlossen find, haben bis jest die verteressen der Arbeiterschaft vertreten. fchiedenen Bänder insgesamt erst 136 Ratifitationen aus gesprochen, von etwa 800, bie vollzogen werden müßten. Dabei dürfe man jedoch nicht vergessen, daß vor dem Kriege, um nur das Berbot der Verwendung des weißen Phosphers durchzu. führen, es eines Beitraumes von 14 Jahren bedurfte, um die Rati. fitation von 12 Staaten zu erreichen. Zu diesem Zwed find fortgesetzt Berhandlungen nötig. Es sei Aufgabe des Direttors des Internationalen Arbeitsamtes. alljährlich von Land zu Land zu reisen, um diese Ratifitationen zu erlangen. Ein guter Freund habe ihn deshalb einmal den Ewigen Juden der Sozialpolitit genannt.( Große Heiterteit.) Es sei fein Los, fügte Albert Thomas hinzu, wenn er am Anfang des Jahres feine Reife beginne, nach Deutschland tomme, inmitten einer Regierungsfiife anzukommen. Bor zwei Jahren war es die Regierung Stresemann , voriges Jahr die Regierung Luther und diesmal die Regierung Luther 11.( Heiterfeit.) Er müsse jedesmal wegen der Ausarbeitung eines Gefeßertwurfes mit der Regierung in den Wandelgången des Reichst ges verhandeln und wenn es manchmal gelinge, diesen Ent. wurf auszuarbeiten und fertigzustellen, dann tommt eine neue Regierung, der Entwurf muß umgearbeitet werden, die Arbeit beginne von neuem und so ist es in allen Ländern. Dazu tommt, daß seit 1920 in allen Ländern, wenn auch nicht gleichzeitig, finan. zielle und wirtschaftliche Schwierigkeiten und Krisen bestehen. Bir hatten z. B. in Deutschland die finanzielle Krise während der Jn. flation, wir haben jeßt die große Wirtschaftsfrise. Bir haben heute in Frankreich die Inflation und wir werden morgen in Frankreich die Wirtschaftskrise haben. In der ganzen Welt ist
noch nicht das wirtschaftliche und finanzielle Gleichgewicht erreicht worden. Außer diesen beiden Aufgaben der Ratifizierungen und der Verhandlungen habe das Internationale Arbeitsamt die Aufgabe, die Berbindungen zwischen ben ver. schiedenen Ländern in diesen Fragen herzustellen. Dazu fet 3. B. notwendig, daß einheitliche Erhebungen über die wirtschaftliche Lage in der Industrie gepflogen werben. Gegenwärtig wird im Internationalen Arbeitsamt an einer Erhebung über die Produktion im Bergbau, ins besondere was die Arbeitsbedingungen betrifft, gearbeitet. Es habe fich dabei herausgestellt, daß in feiner Industrie so große Statistiken in allen Einzelheiten bestehen, wie gerade im Bergbau. Aber diese Statistiken werden fast in jedem Lande nach einer anderen Methode
Der Volksentscheid.
Grundsägliche Einigkeit der beteiligten Organisationen. Im Reichstag traten gestern nachmittag unter dem Borsig eines Bertreters des ADG B. Vertreter der Sozial demokratischen Partei, der kommunistischen Partei und des Ausschusses zur Durchführung des Volks entscheids zusammen, um eine Einigung aller Beteiligten auf einen gemeinsamen Entwurf für ein Gefeß qur entschädigungslosen Enteignung der Fürstenhäuser herbeizuführen. Es ergab sich, daß über die grundsäglichen Fragen Einigkeit bestand, und daß auch die beiden Entwürfe, der bereits eingereichte und der von der Sozialdemokratischen Partei vorgelegte, grundfäßlich nicht von einander abweichen. Eine engere Rommiffion wurde eingesetzt, die unter Zugrundelegung beider Entwürfe einen gemeinsamen Entwurf ausarbeiten soll. Der Gesamtausschuß wird heute nachmittag wieder zusammen treten, um möglichst einen endgültigen Beschluß über ben einzureichenden gemeinsamen Antrag zu faffen.
Albert Thomas weist dann auf die Sprachschwierig. feiten hin. Er wolle nicht auf die Einzelheiten der Boften im Internationalen Arbeitsamt eingehen, um nicht auf die peinliche Diskussion über die Posten im Völkerbund zurückzukommen. Deutsche land verlange, und nach seiner persönlichen Meinung mit Recht, daß die deutsche Sprache als dritte, offizielle Sprache zugelaffen werde. Aber die Vertreter der Arbeiterschaft Deutsch lands , die hier in diesem Saal sind, werden mir beipflichten, wenn ich sage, daß wir heute in diesem Punkte erheblich weiter find als vor einigen Jahren. Alle Protokolle der Sigungen der Plenar. verhandlungen, alle Anträge und Dokumente werden in deutscher Sprache herausgegeben. Alle Uebersetzungen erfolgen auch in deutscher Sprache. Und für den Genossen Hermann Müller vom ADGB. , der hier anwesend ist, ist im Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes ein eigener Uebersetzer tätig. Genosse Thomas fügt hinzu, daß er überzeugt sei, daß in einigen Jahren auch die deutsche Sprache, insbesondere nach dem Beitritt Deutschlands in den Bölkerbund die dritte offizielle Verhandlungssprache sein werde. Genoffe Albert Thomas weist zum Schluß auf den Geist von Locarno hin. Vielleicht bestände nicht die Begeisterung und die große Bewegung, die man nach Locarno gehofft habe. Aber die ganze Welt habe in den letzten Jahren so viele Enttäusuchungen gehabt und soviel gelitten, daß man fürchte, fich Illusionen hinzugeben. Wir müssen aber wenigstens mit dem Verstande uns einsehen für den Geist von Locarno . Bir müssen darauf hinarbeiten, daß die Bereinigten Staaten von Europa zunächst wenigstens wirtschaftlich verwirklicht werden. Und hier habe insbesondere das Internationale Arbeitsamt eine große Auf gabe zu erfüllen, die Aufgabe der Ausgleichung und Angleichung in den Arbeitsbedingungen, die Aufgabe des sozialen Fortschrittes. Thomas appellierte zum Schluß an die tätige und freudige mit arbeit der deutschen Gewerkschaften, um diese Aufgabe zu erfüllen. ( Langer andauernder Beifall.)
Da niemand das Wort verlangte, dankte der Vorsitzende, Genoffe Sabath, Genoffen Albert Thomas für seine Ausführungen und versicherte ihn, daß die deutschen Gewerkschaften nach wie vor ihre Pflicht erfüllen werden, um für den Weltfrieden und für die Berständigung der Völker und für die internationale Arbeit zu wirten.
Reichsernährungsminister Has Linde. Endgültig ernannt.
Amtlich wird gemeldet:
Der Neichspräsident hat ben Regierungspräsidenten in Münster , Dr. Has- Linde, zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt.
Horthy - Waffen beschlagnahmt.
In Deutschösterreich.
Wien , 22. Januar. ( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag wurde in Graz ein Transport von 40 Kiffen mit Gewehren, Maschinengewehren und Munition angehalten, der aus Jtalien nach Ungarn gehen follte. Die Eifenbahner, denen die er Transport verdächtig war, verftäubigten fotort die Polizei, die die genze Sendung beschlagnahmte. Auf dem Frachtbrief ift als Empfänger das Hee esminifterium bezeichnet, doch betrachtel die Polizei diesen Bermert als fingiert.
Verstehen heißt hier nicht Berzeihen, aber man muß zu verstehen suchen. Dittmann selbst hat den Schlüffel zum Ber ständnis geliefert, indem er in einer gelegentlichen Bemer fung von der Welt der Herren und der Welt der Stlaven sprach, die in der kaiserlichen Marine einander gegenüberstanden. Es waren harte Herren, die als Offiziere auf den faiserlichen Schiffen hausten. In ihren unpolitischen Gehirnen mochte so etwas dämmern wie der Schein eines patriotischen Ideals. Nur daß es bei ihnen nicht fo weit reichte zu begreifen, daß der Dienst an diesem Ideal von ihnen mehr verlangte als die Bereitschaft, den Heldentod zu fterben. Richtig verstanden hätte er von ihnen verlangt, daß fie Sorge und Not mit den Mannschaften teilten, daß sie für die Gefühls- und Gebantenwelt dieser ihnen untergebenen Menschen Verständnis aufbrachten und damit ein wirkliches Band der Kamerabschaft herstellten, ohne das jede scheinbar noch so festgefügte Organisation brüchig werden muß. Daran fehlte es, und dieser Mangel wurde zum Berhängnis.
Was wußten diese Offiziere von politischen Dingen? Sie Unbefiegbarkeit Deutschlands , und jede ausschweifende Phan waren zur Machtanbetung erzogen, glaubten an die tasie von der Möglichkeit des deutschen Endfieges, der fommenden deutschen Weltherrschaft fand in ihr unfritisches Denken Eingang. Sie aßen gut, fie tranten gut, und sahen in dem, was unter ihnen war, nur das willenlose Berkzeug zur Ausführung der Pläne, die sie schmiedeten. Was wußten sie von den politischen Parteien? Was ins besondere von den Sozialdemokraten? Daß sie paterlandslose Gesellen waren, nicht wert, den Namen Deutsche zu tragen, daß man sie zerschmettern müsse und daß es unter solchen Umständen ein gefälliges Wert sein könne, auf Bater und Mutter zu schießen. Nichts ist für sie fennzeichnender, als das immer wieder zutagetretende Bestreben alles, was socialbemokratisch ist, Unabhängige und Mehrheitssozialisten, über einen Samm zu scheren. Bon den inneren Kämpfen, die damals in der Arbeiterbewegung ausgetragen wurden, ver standen sie höchstens soviel, daß die USP. noch gefähr licher" sei als die Mehrheitspartei.
Die USB. war der geheimnisvolle unsichtbar wirkende innere Feind". Ihn für alles verantwortlich zu machen, war ein ausgezeichneter Ausweg für jede geistige und moralische Bequemlichkeit. Der Wurm, der getreten wird, frümmt fich nur, weil die USB. in ihm stedt. Das Aufbäumen der Kreatur gegen unerträgliches Leid und Unrecht, was fonnte es anders sein als eine Folge der geheimen Wühlarbeit der USP.? Was man selbst verschuldet hatte, schrieb man der USB. aufs Schuldkonto.
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Das erklärt die sogenannte geistige Einstellung" der Offiziere und ihrer Kriegsgerichtsräte. Aber es entschuldigt nicht die ehrlose und verbrecherische Art, in der fie ihren Kampf führten. Diese Anmerbung von Lodipigeln, um die Mannschaften zu gesezwidrigen Handlungen zu ver leiten, diese forgfältig ausgeflügelte Beranstaltung von Berbrechen, um nachher in heuchlerischen Berichten an den Flottenchef über sie zu flagen, dieses Erpressen von sogenannten Geständnissen" unter Todesdrohung, das alles ist der Ausfluß einer Gesinnung, die mit Menschlichkeit und Ehrenhaftigkeit nichts mehr zu tun hat.
Was an Reich pietsch und Röbis geschehen iſt, tann man einen Justiz morb faum noch nennen, es war ein Mord! Der Justizmord ist die Folge eines richterlichen 3rr tums, der aus einer häufung von Scheinbeweisen der Schuld oder aus richterlicher Boreingenommenheit entstehen kann. Hier war fein Irrtum! Hier war das flare Wissen, daß der Tatbestand zur Fällung von Todesurteilen nicht ausreichte und dennoch wurden Todesurteile gefällt, Todes. urteile vollstreckt! Die zu dem Rechtsgutachten geltend ge machten Bedenken erkenne ich an." Ich bestätige das Urteil bezüglich der Angeklagten Reichpie ich und Röbis unverändert. Der Mann, der diese beiden Säße geschrieben hat, der Admiral v. Scheer, maq felber fagen, wie sie miteinander zu vereinbaren find! Er mag felber sagen, ob fie etwas anderes heißen fönnen als dies:„ Ich weiß, daß diefe beiden Menschen nichts begangen haben, wofür sie nach dem Geset
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