eine durchaus ungeeignete Kandidatur endgültig erledigt wäre.
genossen auf den Tribünen aus, als endlich das erlöfende Bort| Uns fönnte übrigens ein amtliches Dementi nur recht sein, da somit gesprochen und mitgeteilt werden konnte, daß endlich ein Weg zur Lösung gefunden worden sei. Boller Freude wurden die Mitteilungen des Genossen Lipinfti aufgenommen, aus denen hervorging, daß in den Verhandlungen, die die Instanzen geführt haben, ein befriedigendes Ergebnis erzielt worden sei. Als einziger Referent nahm Genosse Arzt das Wort, der in seinen mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen die Probleme der Politik und der Sozialpolitik behandelte. Das Heer der Erwerbslosen sei zu Millionen angeschwollen. Die sozialdemokratische Fraktion des Landtags hat sich beretterklärt, im Landtag energisch vorzugehen, um die Not der Massen so weit wie möglich zu mildern.
Dieses Referat des Genossen Arzt auf dem Parteitage wird von der ganzen sozialdemokratischen Arbeiterschaft im Lande mit Freude begrüßt werden. Die Parteigenossen find des Streites müde und ver langen mit Recht, daß sich ihre Führer zusammenfinden in gemein semer Arbeit und alle Streitigekiten beiseite stellen. Ueberall wird es begrüßt werden, daß die Genossen von der Mehrheit der Fraktion das von ihnen verlangte Beispiel von Disziplin gegeben haben.
Kriegsgerichtsrat Loesch: ,, Wenn einer die Wahrheit gesagt hat, ist es Calmus."
Ueber die Glaubwürdigkeit des Zeugen Calmus äußert sich jetzt auch der Zollassistent Feuersänger, der im Jahre 1917 Obermaat auf der Rheinland " war und der Vernehmung beigewohnt hat, im Deutschen Tageblatt". Er versichert:
Wenn Calmus das Geständnis erpreßt worden wäre, so hätte er nach meiner Ueberzeugung ganz anders gesprochen; in dieser Hin sicht kannte ich Calmus sehr gut. So machte er aber auf mich den Eindruck, daß er gefehlt hatte und jetzt fühnen wollte. Kriegsgerichtsrat Loefch war davon überzeugt, daß C. die reine Wahrheit gesagt hatte und brachte es den übrigen Untersuchungsgefangenen gegenüber zum Ausdruck. Bei der Gegenüberstellung war ich zu gegen. Es war ein erregtes Durcheinander, so daß ich mich der Einzelheiten nicht mehr genau entfinnen tann. Nur die Worte des Kriegsgerichtsrats Loesch weiß ich noch bestimmt. Indem er auf C. deutete, sagte er:„ Wenn einer die Wahrheit gefagt hat, so ift es Calmus."
Den Eindruck hatte ich damals auch und habe ihn heute noch. Ich bin bereit, meine Aussagen vor dem Untersuchungsausschuß zu
wiederholen.
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Abgesehen davon, daß die Aussage des Matrosen Calmus der berühmte Kinoroman" vom Schwur auf den Degen und dem Getlimper mit dem Geldbeutel für jeden nicht völlig verblödeten Menschen von vornherein den Charakter einer fomischen Erfindung trägt, hat Calmus inzwischen betanntlich selbst feine damalige Aussage für erfunden erflärt. Belastend ist die Erklärung Feuersängers daher nur für den Kriegsgerichtsrat Loesch und für die Methode, nach der Todesurteile zustande gebracht und hochpolitische Attionen inszeniert wurden. Wir hoffen mit Herrn Feuersänger, daß sich der Untersuchungsausschuß mit dieser Methode noch sehr genau beschäftigen wird.
Gegen die Fürstenabfindung. Gewaltige Kundgebung in Kiel .
Stel, 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag vor mittag fand in Kiel in der neuen Messehalle eine von den Ge=
Warum Dr. Beer für einen Völkerbundsposten ungeeignet sei, haben wir ausführlich begründet. Der Korrespondent der„ Köl nischen Zeitung " bestreitet zwar nicht, daß er bis vor kurzem zu den Gegnern des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund gehörte und daß er in seinem Blatte die deutschen Propagandisten dieses Eintritts als freiwillige diplomatische Fremdenlegionäre Frankreichs " bezeichnet hat, eine Bezeichnung, die seither wiederholt und mit Wonne von der deutschnationalen Presse übernommen wurde. Er leugnet lediglich jeden Konneg mit dem Standalfeldzug der Hugenberg- Presse. Wir bringen dieses Dementi zur Kenntnis unserer Leser, müssen aber hinzufügen, daß der Korrespondent der Rölnischen Zeitung" diesem Feldzug durch eigene Telegramme an sein Blatt( siehe zweite Morgenausgabe der„ K. 3." vom 29. Dezember) Nahrung geliefert hat.
Bar es also fein Zusammenarbeiten, so doch zumindest ein paralleles Arbeiten zwischen den Hugenberg- Organen und dem Genfer Bertreter der Kölnischen Zeitung ".
Hannoverscher Provinziallandtag. Die Groß- Hamburger Frage. Wahlen zum Staatsrat und Ausschuß.
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Hannover , 1. Februar. ( Eigener Drahtbericht.) Der neugewählte Hannoversche Provinziallandtag, der vom Mittwoch bis Sonnabend voriger Woche tagte, hatte sich unter anderem mit der Groß- hamburger Frage zu befassen. Es wurde hierzu ein fast einstimmiger Beschluß gefaßt, in dem eine baldige Klärung dieser Frage von der Preußischen Regierung gewünscht wird. Gebietsabtretungen Preußens follen nur so weit in Frage kommen, soweit es die Entwicklung des Hamburger Hafens unbedingt verlangt. Der Provinziallandtag spricht sich aber entschieden gegen eine Abtretung der Stadt Wilhelms burg an Hamburg aus. In der Frage der Unterweservertiefung wurde dagegen protestiert, daß das Reich im einseitigen Interesse Bremens vorgegangen sei.
Bei der Wahl der Mitglieder zum Staatsrat tam eine Liftenverbindung zwischen SPD. , Demokraten, Zentrum und Sparerfraktion zustande. Gewählt wurden: von den Sozialdemofraten Landesrat Andrée Hannover und Arbeiterfekretär Andreas Müller Harburg . In den Provinzialaus: schuß, der sich aus 13 Mitgliedern zusammensetzt, wurden fünf Sozialdemokraten, 6 Vertreter der Rechtsparteien, 1 3en trumsmann und 1 Demokrat gewählt.
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Bei der Wahl des Mitgliedes zum Reichsrat unterlag der bisherige Bertreter der Provinz, Landschaftsrat von der Winse- Bargfeld, Deutschhannoveraner, mit einer Stimme Mehrheit wurde Landgerichtsdirektor Breitenstein Hildesheim( 3tr.) gewählt.
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Die Bertretung Ameritas in Genf bewilligt. Der Senat hat Freitag die Vorlage angenommen, die 50 000 Dollar für die Ver tretung der Vereinigten Staaten auf der vorbereitenden Konferenz für die Abrüstung in Genf vorfieht. Da das Repräsentantenhaus bereits am 18. Januar der Borlage zustimmte, hat die Teilnahme Ameritas an den Genfer Berhandlungen somit die nötige Billigung der beiten gefeßgebenden Körperschaften gefunden.
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Für Geschädigte nichts für die Fürsten alles! Kundgebung im Friedrichshain .
Die Arbeitsgemeinschaft der Interessenver. tretungen für den Erfag von Kriegs- und Verlands- und kolonialdeutscher Organisationen, hatte für Sonntagvor drängungsschäden, eine Dachorganisation verschiedenster ausmittag zu einer Protesttunbgebung gegen die Entschädi gungstomödie der Reichsregierung in den Saalbau Fried richshain aufgerufen. Der riefige Saal war bis zum Brechen gefüllt, auf den Treppen ftauten sich die Maffen, so daß eine Parallelverfammlung im fleinen Saal stattfinden mußte. Die Versammlung nahm einen sehr erregten, teilweise tumultarischen Verlauf. Als erster Redner ergriff Geheimrat Groffe vom Bund der Auslandsdeutschen das Wort. Er betonte, daß den Ausgleichsschuldnern volle Entlastung hinsichtlich ihrer Verbindlichkeiten im Auslande, und zwar in Höhe von 2,3 Milliarden zuteil geworden wäre. 600 Millionen in Gold, also rund 25 Proz. der Schulden, habe das Reich davon in bar abgetragen. Die Abdeckung sei zu einer Zeit erfolgt, da man den liquidationsgeschädigten Auslands- und Grenzlandsdeutschen nur nichtsbedeutende Promillesäge im Entschädigungsverfahren angeboten habe. 5 Prez. erhielten die Geschädigten, 95 Broz. wurden anderweitig verbraucht. Der Redner kam dann Privateigentum zu refpeftieren" fei. Dieses rief einige Unruhe auf die Frage der Fürstenabfindung" zu sprechen, betonte, daß das hervor. Dr. Purper vom Hilfsbund für die Elsaß- Lothringer im Deutschen Reiche bewies an Hand zahlreicher Tatsachen, wie jämmerlich schlecht für die Bertriebenen und Liquidierten gesorgt worden ist. Der Redner forderte zum Schluß eine Notstandsaktion Bundesdirektor Ginschel vom Deutschen Oftbund gab weitere für die alten gebrechlichen und erwerbsunfähigen Bertriebenen. Einzelheiten der ungenügenden Entschädigungssätze. Dann kam Herr Laverrenz im Namen der deutschnationalen Reichstagsfraktion. Er sprach unter häufigen erregten Zwischenrufen und starter Unruhe. Stürmische Zustimmung fand der Genosse Künstler, als er mit aller Entschiedenheit für eine gerechte Entschädigung im cintrat. Die Regierung aber, die den Ruhrindustriellen 700 MillinRahmen der finanziellen Möglichkeiten des notleidenden Landes nen nachgeworfen hätte, sei für die Kleingeschädigten nicht zu sprechen. Genosse Künstler ging dann in Ermiderung auf die Ausführungen von Grosse und Laverrenz auf die Fürstenabfindung" ein. Es handele sich bei den Fürsten um das Eigentum des Volkes, das der Nation gehöre.( Stürmischer, anhaltender Beifall.) Obendied von den Kommunisten unterstrich Künstlers Ausführungen. Eine Resolution, die die Linderung der Not der höhung des Härtefonds, insbesondere zugunsten der alten und erBeschädigten verlangt, ftellt folgende Forderungen auf: eine Erwerbsunfähigen Vertriebenen, Gewährung von Mittelstandsdarlehen. Gewährung von Entschädigungen oder Kredithilfe für folche Geschädigte, deren anerkannte Schäden nach den geltenden Richtlinien nur zum Teil berücksichtigt werden.
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3249 Verkehrsunfälle im vierten Quartal 1925. Folgen des schnellen Fahrens: 36 Tofe. in Charlottenburg entnehmen wir, daß die Zahl der zuAus einer Statistik der Hauptverkehrsstelle des Polizeipräsidiums jammenstöße im letzten Quartal des vergangenen Jahres gegen das dritte Vierteljahr infolge der Zunahme der Verkehrsmittel ge= stiegen ist, und zwar von 3034 auf 3249. Insgesamt lind dabei 36 Berjonen( gegen 33) getötet und 1339( 1369) verlegt worden. An der Spige der Berursacher dieser Unfälle marschieren die Personentraftwagen mit 718( 693) Fällen. Dann folgen die 5945( 5040) Rraftdroschten mit 675( 649), die 8309( 8255) Lastkraftwagen mit 389( 368), die Treträder mit 357 ( 332), die 3335( 3218) Straßenbahnmagen mit 304( 306), bied9625 ( 9578) Krafträder mit 281( 229), die Pferdegespanne mit 274( 285) Zusammenstößen. Die geringste 3ahl von Unfällen. gegen 64. Bemerkenswert ist, daß am Jahresschluß nur 14823 Bersonenkraftwagen gezählt wurden gegen 14970 am Ende des 3. Quartals. Die Schuld an den Zusammenstößen wurde zugeschrieben in 448( 442) Fällen den Personenkraftwagen, in 390( 364) den Kraftdroschten, in 258( 297) den Treträdern, in 243( 193) den Lastkraftwagen usw. Als Ursache ist in den weitaus meisten Fällen übermäßig schnelles Fahren ermittelt worden, auf Truntenheit sind 63( 59) Fälle zurückzuführen. Bon den beteiligten Kraftfahrzeugführern befaßen 23( 26) teinen Führerschein, 58( 93) flüchteten nach dem Unfall. In diesem Zu fammenhang jei erwähnt, daß in der legten Zeit die Beleuchtung der Nummern sehr zu wünschen übrig läßt. Hier muß schnelle Aenderung einsetzen.
wertschaften und der Sozialdemokratischen Partei Röln, vielleicht etwas weniger, und in der Zeit der Postkutsche mußte haben die etwa 300 Kraftomnibuffe aufzumeifen, nämlich 81
veranstaltete Rundgebung statt. Es hatten sich über 10000 Per sonen, eingefunden, die den Worten des Referenten, des Reichstagspräsidenten Genossen Löbe und der Reichstagsabgeordneten Genoffin Luise Schröder lebhafte Zustimmung zollten. Folgende Entschließung gelangte als Willenskundgebung der Kieler Bevölke rung einstimmig zur Annahme: Die heute am Sonntag, den 31. Januar, in Riel in der Nordostseehalle tagende, von über 10 000 Bersonen besuchte Versammlung fordert die Enteignung der Fürsten chne Entschädigung. Das enteignete Bermögen foll zugunsten der Erwerbslosen und Rentenempfänger verwandt werden. Um die immer größer werdende Not der Erwerbslosen sofort zu lindern, wird ferner von den zuständigen Reichs- und Staatsbehörden gefordert: 1. Eine weitere Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung: 2. Zahlung der Erwerbslosenunterstützung während der Dauer der Arbeitslosigkeit; 3. Einführung der Kurzarbeiterunterstützung; 4. Sofortige Verabschiedung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes. Die Bersammelten erklären, daß sie gewillt sind, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchführung dieser Forderungen Nach Schluß der Versammlung formierte sich ein Demonstrationszug, der unter Borantritt der Reichsbannerkapelle durch die Stadt marschierte und viel Aufsehen erregte.
zu fämpfen."
Kundgekung in Königsberg . Königsberg , 1. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Eine vom Reichsbanner veranstaltete Rundgebung gegen die Forderungen der Fürsten an das notleidende Bolt gestaltete sich zu einer riesigen Demonstration. Als Redner waren bestellt worden: der frühere Reichskanzler Wirth, der Landtagsabgeordnete Hermann und der Abgeordnete Scheidemann . Wirth war durch den Tod seiner Mutter am Sprechen verhindert. Für ihn sprangen Königsberger Redner ein. In drei großen Sälen mußten Scheidemann und Siering reden. Scheidemann begann in dem größten Saal der Stadthalle mit dem Hinweis auf die Befreiung Kölns und schloß mit den Worten: Treu wie das Rheinland zum Reich geftanden ist, wird auch der Often zur jungen deutschen Republik ftehen". Die Demonstration nahm einen für Rönigsberg ungeahnten Verlauf. Die ganze Stadt war auf den Beinen, und Tausende konnten teinen Zutritt zum Versammlungslokal finden. Eine Resolution, die die Zutritt zum Versammlungslokal finden. Eine Resolution, die die Forderungen der Fürsten ablehnt, wurde überall einstimmig an
genommen.
Völkerbundsfeinde als Völkerbundsbeamte?
Eine Erklärung von Dr. Max Beer .
Zu unserer Notiz in der Sonnabent- Abendausgabe erhalten wir aus Genf eine telegraphische Erklärung des Korrespondenten der Kölnischen Zeitung ", Dr. Mag Beer, der entschieben be. streitet, daß er sich um einen Bosten beim Völkerbund beworben hätte; ferner stellt er in Abrede, daß er irgendwelche Beziehungen zur Hugenberg- Breffe unterhalte und mit dem Genfer Standalfeld zug dieser Blätter etwas zu tun gehabt hätte. Auch Dr. Kriegt dementiert in einer Zuschrift an uns tie Eriftenz besonderer Bes ziehungen zwischen ihm und Dr. Beer.
Wir nehmen von diesen Erklärungen Renntnis, müssen aber bemerken, daß hier nicht behauptet wurde, Dr. Beer hätte sich um eine Stellung im Bölferbund beworben". Wir schrieben nur, doß er in Aussicht genommen" sei. Diese, uns von ver schiedenen durchaus gut unterrichteten Stellen zugegangene Mitteilung wird weber von Dr. Beer, noch amtlicherseits bestritten.
Mit dem Schnellzug fährt man zehn Stunden von Berlin bis man als gewissenhafter Mensch vor dieser Reise ein Testament machen. Ehemals zwei getrennte Welten, heute eine verbundene Einheit! Die moderne Technik schlägt Brücken, gleicht aus, schweißt zusammen. Eben beendete die Jazz- Kapelle im Borhaus den letzten Step, eben verklang das Deutschlandlied, und man hört die Deutsche Glode" in Köln , man vernimmt den verworrenen Lärm der begeisterten Menge auf dem Kölner Domplaß. Gibt es noch Entfernungen? Was sind heute siebenhundert Kilometer? Entfernungen
trennen nicht mehr.
Ein summendes Geräusch, verwirrt, verklingend, dann wieder anschwellend, ein gestaltloses Wogen, dazwischen zählt jemand, um Brausen zu einem ohrenbetäubenden Lärm. Ja, es ist, als ob man die Einstellung der Apparate zu prüfen. Allmählich wächst das selbst unter der Menge wäre, selbst auf dem Kölner Domplatz stände und darauf warte, daß die Deutsche Glocke" die Stunde der Befreiung verkünde. Plößlich verstummt der Lärm, mit schweren Schlägen setzt der Gesang der Glocke ein. Aber das fann nicht Köln sein, in irgendeiner Berliner Kirche wird geläutet, so nah und start klingt alles. Die Töne erfüllten das Zimmer. Und selbst im Garten hört man noch die Glocke. Dann spricht Oberbürgermeister Adenauer, feine Stimme flingt voll und klar, als ob er vom Borhaus einen Bortrag halte. Er spricht Worte der Versöhnung und Berständigung, er widmet den abziehenden Engländern Anerkennung für ihr muster haftes Betragen. Die Menge singt das Deutschlandlied. Tausende Menschen müssen auf dem Domplatz sein, das Zimmer dröhnt. Und selbst hier in Berlin wird man mitgeriffen von der Begeisterung. Dann wird es undeutlicher, Brauns Rede klingt hin und wieder ver wischt, die Illusion läßt nach. Doch manche Säge werden scharf gegeben, Sätze, in denen er den Dank der Regierung den Rheinländern ausspricht. Die Menge jubelt, die Glocken läuten, ein Chor fingt. Der Gongschlag verkündet das Ende der Uebertragung, der Anfager spricht einige abschließende Worte. Der Zauber ist verftummt. Das Zimmer liegt wieder still da.
blieben. Es murde die Feuerwehr alarmiert, die bei ihrem Ein
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Am Sonntagnachmittag gegen 2 Uhr ereignete sich auf der Chaussee Wannsee- Stahnsdorf in der Nähe der Bahnunterführung der Bismardstraße in Wannsee am Raiserpavillon ein schwerer Automobilunfall. Ein mit vier Personen besetztes Automobil fuhr gegen einen Baum, überschlug sich, so daß die Insassen herausgeschleudert wurden und besinnungslos liegen treffen nur den zertrümmerten Wagen vorfand. Einige von den zahlreich hier vorüberfahenden Automobilen hatte die Berlekten mit genommen. Ein weiterer Unfall ereignete sich am Vormittag in Botsdam in der Nähe des Luftschiffhafens, wo ein gleichfalls mit vier Personen befeztes Automobil gegen einen Wagen der Straßenbahnlinie A fuhr. Die Infaffen des Autos, ein Ingenieur Dierts aus Schönfließ, dessen Frau, sowie zwei weibliche Begleiterinnen wurden erheblich verlegt und mußten in das Potsdamer Krankenhaus transportiert werden. Während Frau Dierks, die schwerer verlegt ist, im Krankenhaus verbleiben mußte, tonnten die anderen am Abend nach Anlegung von Berbänden nach Berlin zurückgebracht werden. Zu dem Unfall in Wannsee wollen wir darauf hinweisen, daß an dieser Stelle, die zu den gefähr lichsten in Groß- Berlin gehört, am geftrigen Sonntag abend gegen 6 Uhr fein Polizeiposten zu fehen war. Um diese Zelt fonnten in 5 minuten 45 Automobile, und dabei einmal in einer minute 16 Automobile gezählt werden. Eine foiche Stelle, die durch ihre Autounfälle berüchtigt ist, muß am Sonntag ft ändige Aufsicht haben,
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Die neue städtische Autosteuer beschlossen.
Heute vormittag hat sich im Rathaus unter Beteiligung des Stadtbaurats Hahn der Stadtverordnetenausschuß zum legtenmal mit der Magistratsvorlage über die Erhebung von joge nannten Vorausleistungen zur Wegeunterhaltung beschäftigt. Es wurden noch einmal Interessentenvertreter gehört,
u. a. ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer und ein Ber treter des Verkehrsbundes. Für die Vertagung der Steuervorlagen bis zur endgültigen Verabschiedung der neuen Reichskraftfahrzeugsteuer erhob sich nur eine Stimme. Der Ausschuß trat der Auffassung des Stadtbaurats Hahn bei, daß Berlin niemals bei der Berteilung der Steuererträgnisse besser, megfommen wird, solange es nicht durch die Einführung einer eigenen Steuer felber einen Druck in dieser Richtung ausübt. Deswegen erfolgte schließlich in der Endabstimmung die Annahme der Steuer auch einstimmig durch die Bertreter aller Fraktionen. Gegenüber der ursprünglichen Vorlage find nur insofern Veränderungen vorge nommen worden, als die Kraft broschten nur mit dem halben Satz herangezogen werden sollen und die Belastung der Aboag auf höchstens 1 Proz. ihres Bruttoumfazes zu begrenzen ist. Die Borlage felber foll am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung zur Berabschiedung kommen. Sie steht bereits auf der Teges ordmung. Ihre Annahme ist nach dem Gang der Ausschußverhandlungen, wie wir bereits vorausgesagt haben, absolut sicher.
Ein Neubau in Flammen. Großfeuer, bei dem mehrere Be amte der Feuerwehrver letzt wurden, entstand am Sonntag nachm. gegen 2 Uhr in einem Neubau in der Trühfchlerstraße ohne Nummer in Niederschönemeide, angeblich durch einen brennenden Kotsforb. Als die Feuerwehr an der Brandstelle anfam, brannte schon das Erdgeschoß, sowie das erste und zweite Stod werf in solcher Ausdehnung, Schlauchleitungen von Motorsprizen stundenlang tüchtig föschen mußten, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten, Der Schaden ist sehr erheblich. Der Neubau sollte in einigen Wochen fertiggestellt werden. Baurat Sauer erlitt eine Mustelzerrung, Feuerwehr mann Chrift el Berlegungen im Rüden durch herabfallende Glassplitter und sein Kollege Barujul Brandwunden an beiden Händen.
baß die Feuerwachen aus dem Drt und der Nachbarschaft mit vier
Der Versuchung erlegen.
Mit 8500 m. verschwunden ist seit Sonnabend nachmittag die 17 Jahre alte Stenotypistin Elisabeth R., die bei ihren Eltern in der Rudolfstraße wohnte und seit sechs Wochen bei einer Firma in der Mauerstraße angestellt war. Das Mädchen hatte den Auftrag erhalten, das Geld noch vor Bankschluß bei einer biesigen Bant ein zuzahlen, tam aber nicht wieder ins Geschäft zurüd. Eine Anfrage bei ihren Angehörigen ergab, baß sie sich auch dort nicht hatte sehen lassen. Es wird daher vermutet, daß die R. mit dem Gelde dura gebrannt ist. In ihrer Begleitung befindet sich möglicherweise ein ihr bekannter junger Mann,