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7. Heilage ües Vorwärts
Sonntag, 7. Februar 1�26
Umsonst ist der Tod: das ist ein altes Sprichwort. Und wie alle diese Allgemeinwei-heitcn ist es nicht mal wahr. Denn zu einen, richligen, anständigen Tod gehört schlichlich auch dos Sc- grabcuwerden, und das kostet scldst dann Geld, wenn das letzte Haus ein von der Zlrmcnvcrwaltung gelieferter„lliasenquetscher" ist 3in Leben aber wird uns nichts geschenkt, alles müssen wir bezahlen, mit der oder jener Münze. Di«„WohUSterei* ist ein« Illusion. von den herrschenden Klassen erfunden, um das arbeitende Volk in seiner jahrhundertelangen Wüsten Wanderung mit dieser Fato Morgana immer wieder auf Irrwege zu lecken. Das Ding wechselt wohl Nomen und Gestalt: nie sein Wesen. Es bleibt immer«in Bichls— eine leer«, trügerische Luftspiegelung. Und immer muh dakür gezahlt werden— Denn gar nichts anderes, dann mit einem demütigen Dank: Donk und bescheidene Bitte da, wo das Recht zu- steht, zu fordern.— Und von allen Wänden höhnt auf den Hilferuf der Armut die Antwort: .Wenn du aber gar nichts hast, Ach, so lasse dich begraben: Denn«in Recht zum Leben, Lump, Haben nur, die etwas habenr Die Selbstmordziffern dieses horten Winters zeigen nur zu deut- lich, dah viel verzweifelte Menschen die Antwort verstanden... Aber der Mensch ist zäh. Immer wieder muh man sich verwundern darüber, ,wat de minschliche Natur uthollen kann". Und ver- zweifelt greift der des Elend» hilflos Herumgetriebene nach jedem Strohholm— er könnte vielleicht doch tragen! Ach. nur ein Weil' chen noch! Und dann muh das erste, bittere Bittwort gesprochen werden. Dann geht der Weg zu den.zuständigen Instanzen*, auf dem jede Treppe zum Kalvarienderge wird. Bis schvehlich die .Rente* erkämpft, erbettelt ist, die immer»zum Verhungern zu viel. zum Sattessen zu wenig* ist. Ehe man aber den ersten armen Groschen in die leer« Tasche stecken darf, muß man noch ein ge- wichtiges Papier unterschreiben: Die llebertrogung de, Erbrecht, auf die Stadl. Jeder, der laufend au» öffentlichen Mitteln unterstützt wird. muh. selbst wenn er nächste Angehörig« hinterläßt, die ihn infolge eigener Notlage nicht unterstützen können, noch dem Art. lZS de» BGB. , den näheren Bestimmungen des Allgemeinen Landrechts dazu und nach dem Hofreskript von 1801 seinen gesamten Nachlaß der ihn unterstützenden Stelle hinterlasiert. Da» ist die erste Bedingung für jede laufende Unterstützung. Und so ist Frau Berolina zur .Erbberechtigten* Ijeworden. erbt an jedem Tage, hat sich schon «inen ganzen Apparat für ihre Nachlahaffären aufbauen müssen, füllt Speicher und Hallen mit.Erbgut*. Was fängt die symbolische Madame bloß damit an. GeriZmpeltragSSien. Da, Hau» Markusstrohe 13 ist einer der sechs städtischen Möbelspeicher Alt-Berlins; es beherbergt die städtische Zladilah- rfcmaltumj für die Bezirke verlia-MUle und Kreuzberg . Da» Quer- gebäude ist vom Keller bis zun, obersten Boden gestopft voller Möbel, Velten . Wirtschafledinge. Jeder Nachlaß steht beieinander, und dem nachdenklichen Besucher erzählen dies« eng zusammen- gedrängten Wrackstückc unendlich viel aus dem Leben ihrer Besitzer. Es stehen nicht nur Nochkahsachen hier. Die Möbel der Unglück-
lichen, die, oft für lange Frist, ins Irrenhaus oder in andere Heil- anstalten geschickt werden, die Sachen der Exmittierlea. die klug genug waren, ihre Möbel noch vor dem Transport in die Pfand- kammer zu retten(davon wird noch zu reden sein), stehen hier neben den Nachlässen der Unterstützungsempfänger. Was für Geschichten erzählen diese Dinge! Da stehen die sorglich gepflegten Mövel aus dem Nachlaß einer allen Frau. Das gute, mit grünem Samt über- zogen« Kanapee, das frühere Glanzstück der.guten Swbe* krönt topfstehend den ganzen Nachlaß. Bis ins letzte Elend, bis in die arme Stube-Küche- oder auch Dachstubenexistenz konnte sich die Alle nicht von diesem Zeugen verschwundener Pracht trennen. Da steht Werkzeug im elenden Hausrat eines Exmillterten.«Hand- werk hat goldenen Boden!* War das nicht die" Erziehungsweisheit. die uns die Schule einpaukte?— Nun steht die tote Werkbank hier- daran lehnt der auf dem Transport zusammengesallene Schrank. Wo blleb der»golden« Boden?*——— Daneben ein Elends» Hausrat. Nur tumpen. Gerümpel. Und oben drauf ein zer- broebenes Kinderstühlchen. Wo ist das Kind, das darauf herum- rutschte?— In irgendeinem Kellerloch bei Verwandten oder unter den hindern der Stadt* im städtischen Obdach? Wie wird sein« Heimkehr sein? Heimkehr* in diesen Lumpenhauseu, in irgendeine Bodenkammer, in ein« der entsetzlichen, feuchten, ungesunden Woh- nungen. die trotz aller Mängel doch noch immer Abnehmer finden. Uebrigen» ist es wichtig für Ermiltiert«. zu wissen, daß man prak- tischer Weife vor Erscheinen de» Gerichtsvollziehers räumt. Geht man dann sofort zum Bezirksamt und bittet um Abtronsport der Möbel, so spart man die Kosten für den Gerichtsvollzieher, den in diesem Falle der Wirt zahlen muh, und oermeidet, dah die Sachen gegen hohe Miete in der Pfandkammer untergestellt werden, wo sie ihm, weil er die Kosten nicht aufbringen kann, endgültig verloren gehen. Geht der Exmittierte vor Ankunft de» Gericht»- Vollziehers freiwillig aus der Wohnung, so muh der Wirt den Gerichtsvollzieher zahlen. Wendet mau sich in dieser Notlage an da, zuständige Bezirksamt, so können die Möbel in die Speicher der Nochlahoerwaltunq gebracht werden.— Die Aufbewahrung hier ist kostenfrei, und die Sachen stehen hier sicher nicht schlechter als in der Pfandkammer.
was wirü aus üeu Sachen! Die Möbel der Exmittierten nehmen ihre Eigenlümer zurück, sobald sie Wohnung gesunden haben. Auch die aus den Anstallen Entlasienen finden hier ihr Eigentum wieder vor. Von den Nachlaß- fachen wird ein Test als Leihgabe wieder von den Bezirksoerwal- tungen ausgegeben, ein anderer Teil verkaust. Wer sind die Emp- sänger?— Alle, Gebrechliche, bei denen die Not das letzte Stückchen eigenen Hausrats aufgezehrt hat, kinderreiche Familien, bei denen der Verdienst des Familienvater» nicht auslangt, um die durch Vergrößerung der Familie notwendigen Anschasfungen zu machen und— junge Leute, di« sich vor Iahren schon in die Liste der Wohnungsuchenden eintrogen liehen. Nun endlich blühie ihnen dos Glück, nun endlich«rhiellcn sie die sehnlichst begehrte Wohnung— um trostlos zwischen den vier leeren Wänden zu stehen. Ach, man Halle sich? so schön gedacht, in den Jahre», di« man>.möbliert* Hausen mußte oder bei den Ellern unter! chlüpfte, unermüdlich olles zum eigenen Nest zusammenzutragen. Aber Krise folgte auf Krise. mal hatte e r, mal s i e keine Arbeit, die paar verdienten Groschen fraß der nackte Lebensunterhalt. Und nun. was nun?— Auch hier greift die Stadt ein, gibt die»öligsten Möbel al» Leihgabe her. Schrank, Stühle, Küchenmöbel— ja, wenn das Glück besonders groß ist, erhält man vielleicht sogar Betten. Betten! Ach, die sind eine gefragte Ware! Fast aus all den Zetteln, die das Bezirksamt eben geschickt hat, steht als erster Posten:.Betten!*— Ooer zur Abwechslung mal Bettstellen, Bezüge, Matratzen. Und die Borräte an diesen begehrten Artikeln sind erschöpft, es liegen sogar noch Vormerkungen aus die nächsten Nachlässe vor, deren Inhaber sich heut noch des Lebens.freuen*..Da*— meint der leitende Bc- amte—.da steht nun dick.dringend* drauf, die arme Person wird's wohl recht nötig haben. Aber bis sie ranlommt, kann es Frühiahr werden ich weiß gar nicht, wo ich die Betten immer hernehmen soll!* Keiner der alle» Leute hinlcrläßl mehr, al» er selbst in seinen lehtra Tage» bravchle. es ist schon eine Ausnahme, wenn noch ein zweiter Stand Betten vorhanden ist.— Aber auch um andere Dinge wird ackeren: um einen Lehnstuhl für den allen Vater, um einen Schrank, der die Kleider vor dem Verderben an den feuchten Wänden de? Wohnlochs schützen soll, um eine Nähmaschine, sogar um eine Tischlampe, um ein Plürteisen. U»d soweit irgendmöglich, werden all« diese Wünsche erfüllt. was auf Sie fluktion kommt. Es gibt aber auch Ding«, di« oercurkttoniert werden. Das sind entweder die zerbräche aen Sacheu, die man nicht ohne weiteres mehr verleihen kann, oder die.Perlen* der Nachlässe, Dinge, deren Ausgabe an die Unterstützten unzweckmäßig wäre. Denn die Stadt gleicht hier nicht den.Wohllätern*. die alle Ballschuhe und Seiden- lumpen weggeben. Was soll ein Büfett in der ärmlichen Stube, di« kaum für Betten, Schrank und Tisch Platz hat?— Büfett?— Ja, auch solche Rachläsie kommen vor. Es muß jetzt mancher aus össentlichen Mitteln unterstützt werden, der früher nie daran dachte, daß ihn das Schicksal so herunterbringen würde. Dann steht auch mal so eine autbürgerliche, solide und komplette Dreizimmerwohnung zum Verkauf. Oder es passiert, daß irgendein verschrumpftes altes Mütterchen wunderbare alle Biedermeiermöbel hinterläßt. So stand kürzllch ein« schöne birkene Einrichtung aus dem Jahre 1822 zum Verkauf. Diese Fäll« sind aber sehr selten und werden in den Annoncen extra angekündigt, um mehr Käufer heranzuziehen. Auch sonst kaust mancher Privatmann hier ein oder das andere Einzel- stück, den Rest kaufen kleine Tischler, di« die Schäden oft leicht wieder flicken können und die Sachen dann mit oft erheblichem Nutze» wetterverkausen. Weil aber alles so„aller Kram* ist, haben die Händler wenig Interesse für diese Auktionen.
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.Soll sie nicht all« der Teufel holen? Warum hast du Tag gemacht? Dir genügt nicht der Tag. brauchst auch noch die Nacht? Die Kinder zogen schnell di« Decken über die Köpf« und stellten sich schlafend, schnarchten laut. Di« Jüngst« aber konnte sich nicht zurückhalten und platzte mit hellem Lachen heraus: die anderen stimmten ein, und helles Kinderlachen widerhallte in dem kleinen Zimmer. Auch Aaron hatte die Decke Über den Kopf gezogen, weil er Furcht vor feiner Frau hatte. Der Kinder Lochen und Freude entfesielle in ihm neue Ströme von Energie. Mit einem Male begriff er den Sinn, der darin lag, Hosen zu nähen.... Er begriff die acht Jahre seines Lebens, in denen er in der Bovery bei vnkel Moses gesesien hatte, begriff. warum er es getan hatte, und war entschlossen, sich unbedingt wieder der Nadel zu verschreiben— all das bewirkte das Lachen der Kinder. 3. Am Morgen. Es war noch Nacht, als die Sorg« varon Melnik au» dem Zimmer trieb. In den Betten schliefen noch all«. Frau und Kinder. Aaron Melnik kleidete sich leise an. Er ging in die Küche, hob den Topf auf, unter welchem sein« Frau das Brot für die Kinder versteckt hatte und wollte da» Stück Brot mitnehmen. Da erinnerte er sich an etwas, macht« ei« Hand- KV-«rn bei .Du bist es. Mascha? Warum bist du so früh aus- gestanden:? Sofort zurück in» Bett!* .Ich habe gesehen, daß du dich angezogen hast. Ich laste dich nicht fort. Ä habe Angst, daß du nicht mehr zurück- kommst.*... � Ein trvtzig-bitteres Lächeln umsptette Aanm, Lippen: .Dummer Fratz, zurück ins Bett, millst du mir Schritt auf Schritt nachgehen? Ich geh- Zü Onkel Barl, uh muß mich mit ihm beraten, wir werden dann zusammen zum Onkel Moses gehen.* Mascha sah dem Dater in die Augen: .Wirst du am Abend nach Hause kommen? .Natürlich werde ich nach Hause kommen, wohm soll tch denn gehen?* Mascha vergaß, daß sie schon ein großes Mädchen war. Es überkam sie. Nh warf sie sich dem Vater an den Hals, vergrub ihr Köpfchen an seiner Beruft und sagte: .Sorge dich nicht. Warum sorgst du dich so? War werden uns schon helfen.,,, Ich werde beim Delikatessen-
Händler borgen, er wird mir borgen.... Sorge dich nicht, Papa, es wird allright sein.* Mascha» Wort« verdrossen Aaron ein wenig und er murmelte: .Allright, goodby!* Hastig versieh er das Haus. Ueber Down-Town ging die Sonne auf: wie ein Fremder. der zum erstenmal ein Land betritt, irrte sie über die un- geheure Weite des Himmels: vor sich her goß sie Wellen Lichtes, welche über groß« Flächen des Himmels dahinströmten. Noch ruht« in tiefem Schlaf di« Stille der Nacht über den einsamen Türmen und Dächern der Wolkenkratzer von Down- Town. Sie schienen aus dem Schlaf zu erwachen— und tausend und aber tausend Fensterwände begannen dem Licht des Morgens entgegenzufunken. Das Licht des Morgens weckte alles: auch der eiserne Riese, die Williamsburgbrücke, der über dem Flusse liegt erwachte aus dem Schlaf, reckte Arme und Beine und begann seine erste Morgenarbeit— er lieh einen verschlafenen Cor über sich hinüber, in der Aaron Melnik und ein schlafender Schaffner saßen.... In den Straßen von Down-Town tauchten di« ersten Menschen auf ... vereinzelt... Menschen, deren Leben sich bei Tag abspielt, dann Milchwagen und Brotwagen, Zeitungsträger. ... Das große New Port erwacht erst.... Da. die ersten Stimmen... irgendwo klingelt ein Ear, rattert ein ver- einzelter Hochbahnzug über den Köpfen.... Auf den Straßen liegen noch die Ueberreste des gestrigen Tages. Aschenkübel. halbverkohlte Kisten, welche Gassenbuben gestern angezündet haben, alte Möbelstücke, die aus den Wohnungen S. morsen wurden.... Auf den Fensterbrettern lüften peisen von gestern.... Zum Trocknen ausgehängte Wäschestücke tanzen wie Morgendämmergeister aus den Feuerleitern und Schnüren.... Die Nacht ist vom Tage überrascht worden und entdeckt dem Licht all ihre Geheimnisse. Mit schuldbewußtem Lächeln stieg Aaron die finstere Treppe empor. Schwerer Geruch von gestrigem Essen, von schlafenden Menschen, von ungelüftetem Bettzeug schlug aus allen Türen.... Kinderstimmen ertönten aus Wiegen: aus einigen Türen war Zank von Mann und Frau zu hören. Aus all diesen Geräuschen hörte Aaron vom letzten Stock her des Bruders wohlbekannten Gemarasingsang heraus. Er traf den Bruder in Tallis in Tefilin am Tisch sitzen; in einem sauberen Küchenwmkel lernte er laut. Sein Sing- sang aber weckte nicht Charsie, seinen Sohn, welcher in einem Klappbett im gegenüberliegenden Winkel der Küche schlief. Als Berl seinen Bruder sah, hielt er im Lernen inne und rief mit einer Freude, die wie Taubengefieder aus seinen hellen Lugen glänzte: .Sieh da, ein Gast; Aaron, wo» führt dich so früh Her?*
.Ich bin hergekommen, um dich lernen zu hören. Ich weiß, daß du am Morgen lernst, bevor du zur Arbeit gehst." Der Bruder sah sich um. ob ihn niemand hörte, dann entgegnete er leise: .Warum hast du dich böse gestellt? Und mit wem? Mit Frau und Kindern? Dos tut doch kein Jude; gestern war dein Mädel hier, die Mascha, sie hat dich gesucht. Es ist, daß Gott erbarm! Was tust du eigentlich?" .Ich bitte dich, sprich mir nicht davon"— erwiderte Aaron unwillig—,.sonst gehe ich sofort. Ich bin zu dir gekommen... ich möchte dich fragen... ist vielleicht bei dir in der Werkstatt«ine stei« Stelle?" .Was, bei Schürzen, zwischen Christenmädchcn? Wie- viel wirst du da verdienen. Und wie steht es mit Onkel Moses? Man hat mir erzählt, du wolltest dich zum Einkäufer aus- bilden— und Onkel Moses sei einverstanden." »Hol ihn der Teufel. Seine Schwelle betrete ich nicht mehr— ich schenke ihm das Glück, das dabei herauskommt. Schluß mit der Verwandtschaft, bei Verwandten arbeiten, ist ärger als die Hölle! Genug, ich will's bei Fremden versuchen." „Aber bei Schürzen, zwischen alten Juden und Christen- mädchen? Es ist ja gar nicht in einem Atem zu nennen, du. ein Bater von vier Kindern— was millst du denn da ver- dienen?" .Ich nehme alles, was sich findet— wenn es nur etwas Neues— etwas anderes ist.— Wir wollen sehen. Komm. wir wollen zusammen gehen.* Genendel kam aus dem zweiten Zimmer. Obwohl Genendel schon ein Enkelkind in Golizien hatte und selbst schon zwölf Jahre in Amerika lebte und fünf Kinder in Kost hielt. aus denen sie mit Müh« und Aengsten das Kostgeld heraus- preßt«, so trug Genend«! doch die gleiche elegante Scheitel- perücke mit den drei Locken aus der glänzenden Stirn, in der sie daheim in Polen mit allem Prunk am Sabbat und an Feiertagen in die Schule gegangen war. Während Amerika auf chren Mann Berl«ine geradezu verheerende Wirkung ausgeübt, ihn in ganz kurzer Zeit zu einem alte« Mann mit krummem Rücken gemacht hatte, war die Wirkung mst seine Frau Genendel genau entgegengesetzt gewesen. Genendel war in Amerika jünger geworden. Sie wurde hier.liberal". Statt der.Zcena-Werena"(das jüdische Frauenandachts- buch), welche daheim ihre geistige Nahrung gebildet hatte, las sie hier jüdische Zeitungen und hatte für alles in der Welt Interesse. Ihre Kinder nahmen sie oft ms jüdische Theater mit. an dem sie großes Vergnügen hatte. Sie liebte es auch, sich mit den veriretenen Stiefeln oder abgetrageneu Kleidern ihrer Töchter zu putzten, so daß Genendel in gewissem Sinne mit der Mode Schritt hielt— nur um ein weniges verspätet. (Fortsetzung folgt.)