maschine" zu bezeichnen. Es ist auch ein Unsinn, über die reine Demokratie" zu höhnen, die den Arbeitern„ von der Bourgeoisie geschenkt" sei. Wer hat wem etwas geschenkt? Waren die englischen Chartisten, die französischen Junitämpfer, die österreichischen, die belgischen, die preußischen Wahlrechtsfämpfer Bourgeois? Standen die demokratischen Forde rungen, die in der Verfassung von Weimar verwirklicht sind - allgemeines, gleiches Berhältniswahlrecht für Männer und Frauen, direkte Gesezgebung durch das Volk ufm, etwa im Programm der Krupp, Stinnes und Oldenburg v. Januschau oder nicht im Erfurter Programm, im Programm Bebels und Liebknechts?
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War es ein Irrtum des europäischen Proletariats, daß es um politische Rechte tämpfte? Sind diese Rechte nicht Eroberungen, sind sie Geschenke, Danaergeschenke der Bourgeoisie?
Doch was sollen all diese wunderlichen Kreuz- und Quersprünge, nachdem die Fahne" selbst zugegeben hat, daß die Demokratie geeignete Mittel zur Berbesserung der Lage der Arbeiter" bietet?
Indem die Kommunisten für den Boltsentscheid zur Fürstenenteignung eintraten, haben sie ihr Damaskus gefunden. Gibt es von da noch einen Rückweg zur Theorie der gewaltsamen Machtergreifung? Nein, diesen Rückweg gibt es nicht! Würden die Kommunisten noch einmal ihre Anhänger dazu auffordern, ihr Leben und ihre Freiheit für den Zweck der gewaltsamen Machtergreifung in die Schanze zu schlagen, so hätten sie von ihnen die Antwort zu erwarten, ,, Ja, warum versucht ihr es nicht mit dem Wahlrecht, mit dem diretten Stimmrecht nicht mit den legalen Mitteln der Demofratie?" Und wenn dann die Kommunisten zu beweisen verfuchten, daß der Weg der Gewalt der fürzere und bequemere sei, wer würde ihnen das glauben?
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Es gibt die Kommunisten werden die letzten sein, das zu bestreiten Fragen, die tiefer in das wirtschaftliche Leben einschneiden als die Fürstenfrage. Diese ist politisch von höchster Wichtigkeit, und jeder Republikaner muß über die erzielten Ergebnisse frohlocken, aber wirtschaftlich ist sie gegenüber anderen Fragen doch nur von untergeordneter Bedeutung. Vielleicht sind diese Fragen zum Bolfsentscheid noch nicht reifaber wenn sie das nicht sind, so find fię erst recht nicht reif zu einer gewaltsamen Lösung.
Zum Sachsenstreit.
mit 4 Monaten 4 Wochen und bei Kerftan mit 5 Monaten in Ans rechnung gebracht. Blodom, Kerſtan und Jost wird auf die Dauer abgesprochen. Die Bestechungsgelder und gegenstände werden eingezogen und die Kosten des Verfahrens den Angeklagten auferlegt.
Bon der sächsischen Fraktions mehrheit erhalten wir folgende von je drei Jahren die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter
Buschrift:
In Nr. 143 des" Borwärts" wird in dem Artikel Ber: schärfung des Sachsenfonflitts" behauptet: Sowohl in den wei teren Verhandlungen als auch auf dem Landesparteitage selbst [ pielte die Erflärung der Fraktionsmehrheit, eventuell auch ohne politischen Grund aufzulösen, die Hauptrolle. Diese Darstellung ist unrichtig. Bahr ist, daß die Fraktionsmehrheit am Tage der Landesversammlung Sachsens , am 31. Januar, einen für die Landesversammlung bestimmten Antrag der Landesinstanzen, der befagte, werden die Anträge abgelehnt oder löst sich der Landtag bis Ende Februar nicht selbst auf, so ist der Antrag auf Auflösung zu stellen, mit der Begründung beanstan dete und ablehnte, daß er gegen den Heidelberger Be= schluß verstoße. Die Fraktion beschloß auf Grund dieses Ein spruchs, den Abschnitt als gegenstandslos zu erklären und der Landesversammlung nicht vorzulegen. Damit ist eindeutig be
In der Urteilsbegründung wird mit vollem Recht auf die Mängel in der Organisation der Staatsbank hingewiesen, die den Verurteilten ihre Handlungsweise erleichtert haben. Wenn es aber in der Begründung unter starter Hervorhebung der früheren" Zeiten weiter heißt, daß sich die Verhältnisse und die Integrität der Persönlichkeiten in raditaler Weise" geändert hätten, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß sich der Personenkreis in der Staatsbank gegen früher" taum verändert hat. Die Mängel, die fich herausgestellt haben, treffen diesen Personenkreis des alten Regimes mit voller Schärfe. Das darf nicht vertuscht werden.
wieſen, daß die Fraktion nie daran gedacht hat, den Landtag auch Wiederaufleben der Pariser Finanzdebatte.
ohne politischen Grund aufzulösen.
Hierzu wird uns aus dem Bureau des Parteivorstandes geschrieben: Diese Berichtigung schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß Fraktion und Organisationen sich einig waren, daß dieser Landtag im März der Auflösung verfallen solle.
Eine Reichsbahnkorruptionsaffäre.
Die Vorgänge bei der Direktion Often. Durch den Selbstmord des Reichseisenbahnrats Fölfing in Frankfurt a. d. Oder erhält die Deffentlichkeit endlich Kenntnis von Borgängen bei der Reichsbahndirettion Often, mit deren Untersuchung drei Staatsanwaltschaften schon über ein Jaht lang angeblich fieberhaft tätig sind, ohne sie zu einem Ende zu bringen. Wie die„ Boffische Zeitung" zu berichten weiß, fann faum mehr ein Zweifel bestehen, daß Beamte der Reichsbahndirektion Often in Frankfurt a. d. Oder sich gemeinsam mit dem Bauunternehmer Schmidt- Rosengarten, der den Auftrag zur Herstellung der Gebäude des Grenzbahnhofes Neu- Bentschen, zur Errichtung einer umfangreichen Beamtensiedlung in der Nähe des Grenzbahnhofes und zum Umbau des Hauptbahnhofes Frankfurt a. d. Oder erhalten hatte, zusammengetan und die Reichsbahn um außer ordentlich hohe Summen geschädigt haben. Die Es bleibt also dabei: Die Frage, ob die politische Macht ersten Anzeigen gehen bereits auf das Jahr 1924 zurüd, wo ein im Rampfe gegen die Demokratie oder mit Hilfe der Demo- abgebauter Oberbahnwärter der Hauptverwaltung der Reichsbahn fratie zu erobern ist, diese Frage ist durch das Berhalten der ziemlich genaue Angaben über Unregelmäßigkeiten bei den Neubauten Kommunisten praktisch erledigt zugunsten der Demo- machte. Später erfuhr die Reichsbahn aus Anzeigen ven Konkurrenzfratie. Bon jezt ab müßten vernünftigerweise alle So- firmen, daß der Bauunternehmer Schmidt- Rosengarten die Reichs. zialisten ihre gemeinsamen Anstrengungen auf das Ziel bahndirektion unter Mitwirkung von Beamten in großzügiger Weise richten, die sozialen Probleme mit den Mitteln der Demo- betrogen hatte. Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft ergab fratie zu lösen. dann, daß die Reichsbahndirektion unrichtige Rech Ein Kommunismus, der mit den Mitteln der Demokratie nungen erhalten hatte. Nachdem zunächst drei Staatsoperiert, hat aber neben der Sozialdemokratie feine Er ist en 3- anwaltschaften von Guben , Frankfurt a. d. Oder und Meserit sich berechtigung mehr. Was übrig bleibt, ist eine Schein- mit den Vorgängen beschäftigt hatten und nachdem der Bauunterexistenz, die mit Schimpfereien auf die grundsäglich sieg nehmer Schmidt- Rosengarten verhaftet worden war, gelang endlich reiche Sozialdemokratie fümmerlich aufrechterhalten wird. nach Jahresfrist eine Zentralisierung der Untersuchung, die dann zur Das geht so eine Weile, aber es geht nicht lange. Berhaftung mehrerer Beamter, darunter auch des Fölsing führte.
Das große Fliegen.
Hamburg , 3. April. ( Eigener Drahtbericht.) Der Führer der Hamburger Kommunisten, von Borstel, ist aus der Partei ausgefchloffen worden. Weitere Ausschlüsse stehen bevor. sib
Theodor Liebknecht und Schwarzrotgold. Theodor Liebknecht berichtigt die Angabe der„ Roten Fahne", er sei entschlossen gewesen, Schwarzrotgoldene Schleifen vom Grab seines Vaters zu entfernen. Diese Angabe entbehre jeder Unterlage.
Teno und Stahlhelm. Zu der Meldung der„ Roten Fahne", monach die Hallenser Technische Nothilfe ihre Lastkraftwagen für die bevorstehenden Stahlhelmmanöver zur Verfügung gestellt habe, teilt die Hauptstelle der Technischen Nothilfe mit, daß diese Meldung frei
erfunden ist.
Zwischenruf.
Le prince gamelle", der Kochgeschirrprinz von yrankreich, ist dieser Tage in Palermo gestorben. Prinz Louis Philipp von Orléans machte zum erstenmal von sich reden, als er nach Bollendung des 20. Lebensjahres in Paris erschien, um- seiner Dienstpflicht zu genügen, obwohl alle Sprossen des Hauses Bourbon des Landes verwiesen waren. Der Zweck seiner Reise zum Kommiß" war übrigens rasch erreicht: alles redete von ihm und lachte über den hoffnungsvollen Sprößling des ancien régime .
Die Kredite der Staatsbank.
Das Urteil im Bestechungsprozek. Im Prozeß gegen Angestellte der Seehandlung wurde am Sonnabend vormittag folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten werden unter Freisprechung von der Berleitung zur Untreue bzw. von der Untreue selbst verurteilt und zwar Feld wegen aktiver Bestechung in zwei Fällen zu 8 Monaten Gefängnis, Blodom wegen pasfiver Bestechung in fünf Fällen zu 1 Jahr 4 Monaten Gefängnis, erst an wegen passiver Bestechung in sechs Fällen zu 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis, Jost wegen passiver Bestechung in vier Fällen zu 9 Monaten Gefängnis und Neigel wegen passiver Beftechung in brei Fällen zu 6 Monaten Gefängnis. Die erlittene Untersuchungshaft wird bei Feld mit vier Monaten, bei Blodow
Herzöge und Künstler.
Es ist in diesen Tagen des Boltsbegehrens nicht ohne Reiz, die Es ist in diesen Tagen des Boltsbegehrens nicht ohne Reiz, die Herzöge Karl Eduard von Sachsen- Coburg- Gotha und Bernhard von Weimar in einem Denkmals- Ausschuß wirken zu sehen, der sich die entschädigungslose Enteignung" derjenigen Rünstler zum Ziele gesetzt hat, die das Glück hatten, ehedem als Gothaer" Untertanen" das Licht der Welt zu erblicken. Für die Gefallenen eines Regiments soll ein Denkmal errichtet werden. Künstlerisch begabte„ Landeskinder" erhielten Schreiben, in denen der Denkmals Ausschuß ihnen mitteilte, sie würden in die 3ahl der engeren Konkurrenten aufgenommen werden, wenn fie unentgeltlich und ohne jede Verbindlichkeit Entwürfe liefern wollten. Denn da unzählige" Bewerber alles umsonst machen wollten, so könnte der Ausschuß( nebst zwei schwerreichen Herzögen) sich nicht binden", das heißt: teine Preise aussehen.
Nur einer lachte nicht, der Polizeiminister Constant. Der ließ Louis Philipp kurzerhand einsperren, zu einer empfind lichen Gefängnisstrafe verurteilen und auch absizen! Da dem Brinzen feinerlei Vergünstigungen bei seiner Haft eingeräumt wurUnd siehe, viele famen, um dankerfüllten Herzens ihre Gaben darzubringen, diese unzähligen", die man nach unvorsichtig entden, mußte er sein Essen nach Soldatenmanier im„ Kochgeschirrschlüpften Worten„ um Geld und Zeit brachte". Auf der herzoglichen dedel", in der„ gamelle"" faffen", wie jeder andere Strafgefangene Burg in Gotha wurden die armen Gaben reicher Künstler der auch. Das Erlebnis trug ihm den Namen" prince gamelle" ein, Deffentlichkeit zugänglich gemacht. Hochherzig stiftete der Landesden er bis an sein Lebensende behielt. Die Sänger in den Kabaretfs vcter dazu eine tostenlose Schloßbesichtigung, an der und die Straßenfänger in den Höfen von Paris fangen seinen auch die tonfurrierenden Künstler teilnehmen durften. Es wurde Ruhm, bis der Prinz die Geschichte jatt hatte und sich zu einem eine erhebende Feier. In selig ersterbender Ehrfurcht( wenn auch Begnadigungsgesuch entschloß. schlaffen und leeren Beutels) blidten unsere Künstler zum Schloßberg empor, und ihre Hochrufe auf den herzoglichen Denkmals- Ausschuß durchzitterten die stille Abendluft.
Lächerlichkeit tötet in Frankreich . Und so hat die Thronanwartschaft der Bourbonen durch die Kochgeschirraffäre Louis Philipps vielleicht den empfindlichsten Steß erhalten. Ein Thron prätendant, der mit der Refrutenmüße und dem Kochgeschirrdedel seine„ Erbswurst"" faßt", so ein Bild vergißt der Franzose nicht. Er lacht und erschlägt damit am besten den, den er meint.
Und wir? Unser" Dauphin" hat es, Gott sei Dank, gar nicht nölig, mit dem Kochgeschirrdeckel zum Fassen anzutreten. Er hat für solche Zwecke den Silberauffah" der deutschen Städte; er dehnt und streckt sich auf seinem„ Thronlehen", dem gefeßmäßigen Eigentum des Threnprätendanten und verzehrt seine Generalspension und wehe dem Gendarm oder Polizeiminister, der ihm Unbequem lichkeiten macht.
Warum hier zweierlei Maß? Weil in Frankreich trog aller Bürgerkönige" und napoleonischer Marschälle 1789 eine mirtliche Revolution vor sich gegangen ist, während unser Bürgertum trotz aller innerer Krisen 1848 und 1918 eine Schlafmüßen- und Lalaiengesellschaft geblieben ist. Nur die Arbeiterklasse wird sie einmal aus dem Schlummer schrecken! Bis dahin bleibt tem Kronprinzen" fein Silbergeschirr und dem„ Dauphin" sein Kochgeschirr.
Jum Besten der Hedwig- Wangel - Hilfe findet am 11., nadm. 3 Uhr, im Romibienhaus eine Sonderborstellung des Garten Eden" zu den üblichen Abendpreisen statt.
Müßte das deutsche Volt sich nicht schämen, seine angestammten Fürsten zu enteignen, die in jo erhabener, opferwilliger Weise der Pflege von Kunst und Wissenschaft fich widmen?
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Friz Hellwag.
Der Senat macht Schwierigkeiten.
Man hätte erwarten dürfen, daß, nachdem die französische Deputiertenkammer sich schließlich auf die Finanzvorlage BriandPérét geeinigt hat, nunmehr die Zustimmung des Senats nur noch eine Formfache sein würde. Zunächst schien es auch, als ob im französischen„ Oberhaus" alles glatt gehen würde. Nach den neuesten Meldungen will aber die rückschrittliche Mehrheit des Sc nats gerade die Teile der von der Kammer angenommenen Bor
lage wieder streichen, die einen fortschrittlichen Charakter aufweisen, nämlich das staatliche Monopol auf die Zucker- und Betroleumeinfuhr. Wenn dies geschieht, so müßte, wie überhaupt bei jeder noch so geringfügigen Aenderung durch den Senat, die gesamte Borlage wieder an die Kammer zurückgehen, die nunmehr entweder die im Senat vorgenommenen Aenderungen billigen oder auf ihrer Fassung beharren würde.
Solches Hin und Her, den sogenannten" Bendelverfehr" zwischen Kammer und Senat, erlebt man freilich bei der Berab schiedung eines jeden Gesezentwurfes, insbesondere des Budgets. In diesem Falle aber fönnte eine solche Stellungnahme des Senats sehr ernste Folgen haben. Denn die Regierung ist ja nur durch die Stimmenthaltung der Sozialisten gerettet worden, wie überhaupt viele Abgeordnete des Linksblocks der Péretschen Vorlage nur zugestimmt haben, um endlich Schluß zu machen und in der Ueberzeugung, daß ein besseres Steuerprogramm im Senat doch nicht durchzubringen sein würde. Sollte aber der Senat felbft diesen mangelhaften Entwurf noch verschlechtern, dann könnte es fehr leicht passieren, daß vielen Abgeordneten der Linken die Geduld reißt und daß, unbefümmert um die Osterfeiertage, eine Minstertrise entsteht, die durch eine regelrechte Verfassungskrise, nämlich einen zugespitzten Konfliki zwischen Kammer und Senat, verschlimmert wäre. Einstweilen versucht Briand durch Verhandungen mit den Parteiführern des Senats diese Gefahr abzuwenden. Die Entscheidung des Senats foll heut nachmittag fallen, und um 6 Uhr ist eine neue Sitzung der Deputiertenkammer auf alle Fälle angesetzt.
Der Senat berät.
Paris , 3. April. ( WIB.) Der Senat hat heute vormittag dis Beratung über die von der Rammer angenommenen Steuergefeze begonnen. Ministerpräsident Briand und Finanzminister Deret wohnten der Sigung bei. Senator Chéron ergreift als Berichts erstatter das Wort, um sich über die Steuergesetze im einzelnen aus zulaffen und um den Standpuntt, den der Finanzausschuß in dieser Frage eingenommen hat, zu rechtfertigen. Die Sigung dauert
noch an.
Paul Boncour in Warschau . Am Freitag traf der franzöfif he Delegierte beim Völkerbund, Genosse Paul Boncour , in Warschau etn. Paul Boncour bleibt bis zum 14. April. Er beabsichtigt eine Reise durch ganz Polen , in der Hauptsache auch nach den Randgebieten, so nach Wilna , Lemberg , Krafau und nach der polnischlitauischen Grenze, zu unternehmen. Boncour wird auch Posen und Oberschlesien besuchen.
hat, weil er befürchten muß, daß die Schaffung einzelstaatlicher hat und willkürlicher Geschmacsdiktatur das Tor öffnet. Der SDS. Prüfftellen eine unübersichtliche und verwirrte Rechtslage zur Folge erhebt ungeachtet seiner grundsäglichen Bedenken gegen den Gesetzentwurf die bringende Forderung, daß statt der vorgesehenen Landesprüfstellen eine Reichsprüfstelle gebildet wird und die Ent scheidungen nicht mit einfacher, sondern mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden."
Arbeitslose jagen Mäuse! Der bekannte russische Filmregisseur Meyerhold dreht gegenwärtig einen Film, der die Schäden dartun foll, welche die Menschheit durch Mäuseplagen zu erleiden hatte. Meyerhold benötigte zu diesem Monumentalfilm gegen hundert. tausend Mäuse, die herbeizuschaffen keine Kleinigkeit war. Es blieb nichts anderes übrig als durch Anzeigen in großen Petersburger Blättern Arbeitslose zur Mäusejagd aufzufordern, und für die Her. beischaffung jeder Maus einen Betrag festzusetzen. Die Petersburger Arbeitslosen fingen also etwa zwei Wochen hindurch eifrig Mäuse und Meyerhold und sein Stab mußten die zuerst eingelieferten Wäuse forgfältig unterbringen und verpflegen, damit sie durch Abgang ins Jenseits vor Einlieferung der übrigen Mäusescharen nicht einen Strich durch die Rechnung machten. Die Mäuse waren endlich beisammen und das Budget des Filmunternehmens weist ein startes Baffivum auf, da die unvorhergesehene Mäusejagd ziemlich viel foftete. Aber eine Reflame, wie man fich fie nicht beffer wünschen tann, ist durch die Mäusejagd dem Film beschieden gewesen.
Ein Denkmal für einen russischen Rebellen. An der Küfte des Kaspischen Meeres, etwa 12 Kilometer von Baku entfernt, soll auf einem Felsen ein Denkmal für Stefan Rasin errichtet merden, der im 17. Jahrhundert einen gefährlichen Auftand gegen die Mosfauer Barenregierung erregte. Die große Popularität, die der Rebellenführer seinerzeit bei den Volksmassen gewann, führte dazu, daß sich allmählich allerlei Sagen um ihn spannen und er auch in Volksliedern bejungen wurde. Die Sowjetregierung, die ja überhaupt bestrebt ist, das Andenken an alle Revolutionäre und Rebellen wach zu erhalten, will nun auch diesem Gegner des Zarentums ein Monument errichten lassen. Das Denkmal soll die überlebensgroße Gestalt Rafins darstellen und so groß werden, daß sie von den Schiffern auf dem Kaspischen Meer schon von weitem gesehen
werden tann.
Jm Theater in der Kommandantenstraße gastiert das Kaba. rett der Komiter. Es will, wie der luftige Konferenzier Kurt Robitschef mitteilt, feine differenzierte Kunst, sondern nur einige heitere Stunden bieten, was ihm auch gelingt, wenn man während den Tanzdarbietungen Fiametta Hildegarder allerdings unentwegt beide Augen zudrückt. Aber trotz allem bleibt ein Mißverhältnis bestehen. Eins schickt sich aber nicht für alle, und wenn der Blaue Bogel" auch mit Recht auf einer Theaterbühne umherflattert, die Komiter schuhplatteln wirtungsvoller sicher im Kabarett. Im Theater ist man, froß aller, aller Luftigkeit, doch immerhin ein bißchen kunstkritisch eingestellt, und, du lieber Gott, was foll man angesichts der Komifer damit anfangen? Etwa das Märchen im Schnee" von Robitschef und Morgan mit der Musik von Stolz, das sich stolz Operette nennt, aus dem Gefichtswinkel des Musik- und Theaterreferenten betrachten? Dann bleibt nichts davon übrig als Morgans wundervoller Fahrdienst. leiter Johann Nepomuk Bondratschet, der durch den lustigen Unsinn Die Geheimniffe der Tierfeele." Sonnab.( 5, 7), Sonnt doch einen Funten echten Menschentums flimmern läßt.
Tes.
Der Schuhverband deutscher Schriftsteller hat in seiner Hauptversammlung zur Borlage des Sch und und Schmugge leges folgende Resolution gefaßt: Der Schuhverband deutscher Schriftsteller verfolgt mit Sorge die Gestaltung, die der Gesezent wurf zum Schutze der Jugend vor Schmuz und Schund angenommen
Erffaufführugen der Woche. Donnerstag: Staatsober: Ariadne auf Naxos ". Freitag: Th. i. d. Klosterstraße: Stein unter Steinen". Sonnabend.: Städt. Dper:" Barbier von Sevilla ". Urania - Borträge. Montg.( 5, 9), Dienstg.( 5, 7), Mittw.( 5), Donn ( 5, 9), Freit.( 5, 9):„ Das Blumenwunder". Montg.( 7), Dienstg.( 9), Mittw.( 9), Donn.( 7), Freit.( 7), Sonnab.( 9), Sannt.( 9): „ Bald. und eibetiere in Menschenhand: Mitim.( 7): ( 5, 7):„ Die Schate des Meeres."
Boltsbühnenvereine beschlossen, sich an der am 15. April beginnenden Aus. Wie die Zeifung Boltsbühne" meldet, hat der Berband der deutschen ftellung der revolutionären Kunst des Abendlandes in Mostau zu beteiligen Berichtebenes Material, besonders Bühnenbilber zu„ Der befreite Don Dui hotte" von Lunatscharstij und zu Paquets Sturmflut find abgefands worden.