ursprünglich die Absicht gehabt, auf den Papft zu schießen.
Erwünscht ist natürlich auch, daß die Hand Gottes sichtbar zu Mussolinis Schub gewaltet hat", mas bei dem vorigen Attentat nicht behauptet werden konnte. In der Tat grenzt der Hergang ans Unglaubliche: auf wenige Schritte Distanz ins Geficht getroffen werden und dabei nur eine belanglose Hautverlegung davontragen, mit Eintritt und Austritt der Kugel, bas dürfte in der Geschichte der Attentate einzig da stehen.
Aber der Hauptvorteil des Attentats für den Faschismus liegt darin, daß es an dem Tage, geschah, an dem Amen dola starb. An diesem Toten drückt sich der Faschismus nur angftvoll vorbei. Aber der Rummel des Attentats übertönte die unheimliche Stille. Und so schöpften die Leute Mut, die mußten, daß Amendola an den Folgen eines faschistischen Angriffs starb und nahmen zur Lüge Zuflucht. Bie Fari nacci Matteotti sterben läßt mit dem Geständnis, an dem Morde eines Faschisten schuld zu sein, so hat man dem ster benden Amendola die Worte angedichtet, die die Telegraphenbureaus in alle Welt getragen haben. Aber bei Matteottis Lode waren nur Leute zugegen, die einen Farinacci nie
dementieren werden; an Amendolas Sterbebette standen feine Kollegen, die fein angebliches lehtes Wort als erlogen erilären. Und hier haben wir einen ärztlichen Befund, nicht ein Sachverständigengutachten über ein paar Knochen, und der Befund spricht von einem traumatischen Hämatom als Todesurfache. Dabei hat sich das Organ Mussolinis verschnappt, wenn es schreibt, daß man wieder einmal auf einen natürlichen Tod spekulieren wollte"! D, dieses Wiedereinmal, das an die Lungenblutung Matteottis antaüpft....
Soziale Schreckensbilder.
Die Kinder der Arbeiter verelenden. An den Hungeraufstand der gemarterten Weber von Langenbielau und Beterswaldau erinnern die Schredensbilder, die uns aus Schlesien gesandt werden.
Neuerdings haben Kreisausschuß und Kreisarzt des Kreises Landesbut über die sozialen Zustände des Kreiſes eine Dentfchrift herausgegeben. Es ist ein erschütterndes
Drama, das sich da entrollt.
Zunächst einige Zahlen, wie es um die Kinder aussieht: 2400 Kinder wurden auf Gesundheit und soziale Verhältnisse
der Eltern untersucht.
Gegenüber den Durchschnittszahlen für den Kreis Landeshut blieben 40 bis 70 Proz. der Kinder von Textilarbeitern und Bergarbeitern im Gewicht, in der Länge und im Brufumfang zurüd.
111 Kinder können wegen Mangel an Kleidung teine Schule befudhen, 350 baben feine warme Unterkleidung, 562 feinen Mantel. Ban 3594 Schülern aus Textilarbeiter und Bergarbeiter. familien fomumen 200 ohne Frühstüc in die Schule, 119 erhalten zu Hause fein regelmäßiges warmes Mittagessen, 142 besigen nur ein Hemb, 1165 besigen nur ein Paar Schuhe.
1485 Kinder der Tegtilarbeiter und Bergarbeiter haben ein eigenes Bett, 99( chlafen zufammen mit dem Bater, 283 mit der Mutter. 1069 mit Geschwistern, 14 mti fremden Personen und 26 Kinder schlafen auf dem Fußboden.
Rachstehende Angaben beleuchten die furchtbaren allge: meinen sozialen Notstände:
Bon den Wohnungen der Textilarbeiter und Bergarbeiter haben 1804 nur einen Raum ohne Küche oder Hammer, in 258 dieser Wohnungen befinden sich Krante. In 706 Fällen wird der Raum von mehr als drei Personen. in 608 Fällen von mehr als sechs Perjonen bewohnt. In 286 Fällen wohnen außer der Familie noch Fremde in dem Raum; in 279 Fällen ist der Raum dunkel; in 236 Fällen feucht.
Der Durchschnittsverbien st eines volljährigen Tertil arbeiters beträgt wöchentlich(!) 8,84 bis 11,02 m., der einer noll jährigen Tertilarbeiterin 6,60 bis 8,31 M. Wochenverdienste von 3 bis 4 M. find feine Seltenheit. Eine große Zahl der Belegschaften der Landeshuter Textilindustrie mohnt in den umliegenden Orten.
Die Drohung.
Nachbars Lene hat es schmer. Den ganzen Nachmittag muß fie auf die fünfjährige Trude aufpassen, aufpassen, daß sie nicht jedem Sund nachrennt, daß sie nicht auf die Laternenpfähle lettert und nicht auf den Damm läuft. Denn Trubchen kann durchaus nicht einsehen, wozu der Damm da ist, wenn nicht zum Spielen, mo man jowieso so menig Blah hat und sich ein Wagen oder gar ein Auto doch nur selten in die engen Gassen des Arbeiterviertels verirrt. Und selbst wir Großen schen ja selten ein, daß wir etwas laffen sollen, das nur unter Umständen schlimme Folgen haben fann. Sie fann auch nicht einsehen, daß Lene schließlich noch wichtigere Dinge zu tun hat, als nur immer mit ihr zu spielen, daß sie z. B. mit den anderen großen" Mädchen erzählen muß, vom Schuster nebenan, der wieder einmal betrunken nach Hause gekommen ist, vom Portier, der seine Frau geschlagen hat, und von dem neuen Kleid, das die Lotte en hat und das nur aus dem alten ihrer großen Schwester gemacht ist.
Bem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Kraft oder die Macht, es auszuführen, meint man im allgemeinen. Aber Lene hat wohl ein Amt, doch nicht die Macht dazu. Denn Trubchen weiß recht wohl, daß sie die Jüngste und der Liebling zu Hause ist, und mennt die Große schimpft: Ich fag's Batan!", droht fie au pegen, daß Lene die verlorene" Haarschleife gegen einen neuen Triesel der faupelt hat.
Doch Lene ist hell, sie hat wohl aufgepaßt, wie man Rinder erzieht. Der Lehrer droht mit Brügel, die Mutter droht mit Batern erzieht. Der Lehrer droht mit Brügel, die Mutter droht mit Batern und Bater droht auch mit Prügel. Hauen barf sie nicht, aber drohen fann fie. Und sie droht mit allem, was ihrer elfjährigen Phantafle au Gebote steht: mit dem schwarzen Mann oder mit dem Grünen", mit Himmel und Hölle schließlich.
Aber Proletariertinder sind gottlos. Sie glauben nur an den Hinterhof, der ihre Heimat ist, und nicht einmal fest an die Abende brotftulle. Es fehlt ihnen die deutsche Märchenseele, well fein Balb und fein Brunnen in ihre ersten Tage gerauscht hat, weil sie weder die Muhme noch deren geheimnisvollen alten schwarzen Rater tennen , weder die Ofenbant noch das furrende Spinnrad.
Also droht Lene umsonst. Sie hat es wirklich schwer. Davon ift fie schließlich so überzeugt, daß sie aus tefftem Herzen, ganz ohne Absicht, aus Bersehen beinahe, feufzt: Ach Trubchen, ich habe dich gar nicht mehr lieb!"
Da geschicht etwas absolut Verblüffendes: Die Kleine, die eben noch weit die Junge herausftredte, fällt der Großen um den Hals und weint und schlucht und bringt nur immer stammelnd hervor: Bieber liebhaben, ich will auch immer artig sein und hören, nur
wieder liebhaben!"
Darauf wird die Lene sehr erstaunt und dann sehr nachdenklich. Da ist plößlich etwas, was mohl buntel in ihr lebte, zu den Eltern, zu der ffeinen Schwefter und zu vielen fchönen Dingen. Aber es
Um Fahrgelb und Stiefelsohlen zu sparen, bleiben diefe armen Menschen nachts in den Betrieben.
Was ist gegen dieses Elend zu tun? Es müssen aus= reichende Mittel für den Wohnungsbau bewilligt werden, es müssen Mittel für Nahrung und Kleidung bereit gestellt werden. Zur Besserung der Lohnverhältnisse ist der gewerkschaftliche Zusammenschluß erforderlich, Auch der Staat darf hier nicht tatenlos zusehen. Bei solchen schändlichen Löhnen werden die Menschen zugrunde gerichtet.
Der Forderung nach Staatshilfe wird in der Regel als Antwort zuteil: Es ist fein Geld da. Abgesehen davon, daß dieser Einwand nicht stichhaltig ist, steht er auch im Wider spruch zu der Tatsache, daß der Benediktiner Orden vor einiger Zeit vom preußischen Staat das Kloster Grüßau zu einem recht billigen Preis erwarb. Der Orden hatte an den Kreis dafür an Grunderwerbssteuer 32 000 m. zu zahlen. Auf Nachsuchen st undete der Kreis die Steuer. nach den letzten Mitteilungen soll der preußische Finanzminister dem Orben diese Steuer ganz geschenkt
haben.
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Kirche und Volksentscheid.
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Eine Anmaßung der Kirchenbehörde. Genosse Pfarrer Bleier erhielt folgendes Schreiben: Der Superintendent des Kirchenkreises Friedrichswerder 2.
Berlin- Schöneberg , am 10. April 1926. Berschiedene Preffeäußerungen gehen dahin, daß Euer Hochehra würden in der Deffentlichkeit sowohl für die entschädis gungslose Enteignung der Fürstenvermögen als auch gegen das jogenannte Gemeindebestimmungsrecht auftreten. Ich erbitte mir dazu eine recht baldige Aeußerung.
gez. Raad."
Genoffe Bleier tritt schon seit Jahren für die Antialkoholbewegung und für das Gemeindebeſtimmungsrecht öffentlich ein. Der zweite Teil der Anfrage soll auch nur den ersten decken. Die Attacke des Bischofs von Passau gegen die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte hat dem Superintendenten Raad feine Ruhe gelaffen. Er mußte sich ebenfalls als Barteigänger der Fürsten vorstellen.
Unterbringung ausscheidender Wehrmachtsangehöriger, Zum Wehrmachtversorgungsgesetz.
Außerdem aber haben angesichts solcher amtlichen Elend szahlen, wie sie hier aus dem Kreise Landeshut vorliegen, wie der Vorwärts" fie erst vor furzem aus albenburg und Sagan veröffentlichte und wie fie Bom Reichsbund der Zivildienstberechtigten wird uns geschrieben: aus faft allen Gegenden Deutschlands , nicht zuletzt aus Der zum Eintritt in die Reichswehr bereite junge Mann, ber Berlin selbst, aufgeführt werden können, die Fürsten sich auf zwölf Jahre- also die besten Jahre feines Lebens- verDiener noch immer ben Mut, die Milliardengepflichtet, muß Gewißheit darüber haben, was mit ihm geschicht, schenfeandie abgedankten Nichtstuer für gött- wenn er dem Staate zwölf Jahre lang Dienste geleistet hat. Es liches Recht" zu erklären. Man laffe endlich den Bolts- fann feinem Zweifel unterliegen, daß ein guter Erfag für die Reichs. entscheid vor sich gehen, damit die Herrensiße der Fürsten " wehr auf die Dauer nur zu gewinnen ist, wenn den Soldaten nach zu Nuz und Frommen der Berelendeten verwendet werden dem Ausscheiden aus dem militärischen Dienst eine Existenz für das fönnen. Leben gesichert wird. Es ist natürlich, daß die Soldaten diese Eristenssicherung im Staatsdienst begehren.
100 200
Wilhelms Gärtnerei.
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Selbst die Monarchisten wollen nichts von ihm wiffen. Das Berliner Tageblatt" berichtet über einen neuen Monarchistenbund, der die besondere Aufgabe hat, den Doorner Deserteur wieder populär zu machen. Das Ganze nennt sich„ Gärtnerei". In jeder Provinz fizt irgendeine abgehalfterte Erzellenz als„ Ober. gärtner" und hat" Bärtner" zur Seite. Alle diese Exzellenzen bemühen sich, in ihren rechtsstehenden Kreisen Wilhelm anzupreisen. Das scheint nicht ganz einfach zu sein. Einer der„ Obergärtner",
ein Herr von Stusbus, jammert in einem Vortrag:
Was ich mir am allerwenigften erklären fann, meine Feber sträubt sich, es nieberzuschreiben, ist der Umstand, daß Offiziere höheren Grades einem die falte Schulfer zeigen, wenn man mit Ihnen auf den Kaifer zu sprechen tommt... Ebenso scheint es, als ob die Erfahrung bezüglich unserer Frauen Gemeingut aller Mitarbeiter geworden ist. Sie haben sich perrannt in der Anficht, der Kaiser hätte nicht nach Holland gehen dürfen, und eigen finnig, wie nun Frauen find, tommen zum Schluß eines Gepräches mit derartigem Inhalt, nachdem sie scheinbar durch die Cinwände, bie man ihnen gemacht hat, fich haben überzeugen laffen, zu dem merkwürdigen Schluß, nach echter Frauenart: Ja, alles ganz schön, aber nach Holland durfte er nicht gehen." Es sind aber nicht nur die höheren Offiziere" und die Frauen", die dem Obergärtner mißfallen. Auch die deutschnationale Bresse Dorfagte nach seiner Meinung. Er erklärt:
„ Die Wahrnehmung, daß Tageszeitungen zurzeit noch nicht sehr geneigt find, Artikel mit monarchistischem Hintergrund auf zunehmen, ist mir von vielen Seiten bestätigt worden, Sch bebaure biefen Standpunkt jehr und finde, daß wir rechtseingestellten Leute zu rücfichtsvoll und stets voller Bedenken sind. Es ist an der Zeit, wo der deutsche Michel aufwachen und wo wir für unsere Biele stolz und mannhaft einzutreten haben, das sollten sich die fogenannten nationalen Tagesblätter hinter die Ohren schreiben. Die Abneigung der Rechtspresse gegen monarchistische Artikel hat eben ihre Gründe. Das ganze Bolt will weder von dem weggelaufenen Wilhelm, noch von den übrigen Landespätern etwas wiffen. Es hat alle miteinander reichlich satt. Der bedauernswerte Obergärtner" ist dafür nur ein neuer unfreiwilliger, aber dafür um so beweisträftigerer Zeuge.
wurde nie so recht ausgesprochen. Und nun ist es auf einmal aus ihr herausgebrochen, ganz ohne ihr Zutun, und wird ihr von der Kleinen so warm zurückgebracht. Sie ahnt nichts von den 3ufammenhängen, Liebe Ineinanderfügen Gehorsam- Er ziehung? Sie schüttelt nachdenklich das elfjährige Haupt. Aber vielleicht hat sie es nun etwas leichter mit der Meinen Schwester. §. 3.
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Ein Berliner Theater- Großkonzern.
Eine Berliner Korrespondenz verbreitet folgenbe in eingeweihten Kreisen bereits länger besprochene Nachricht: Die Not der Seit macht ungewöhnliche Maßnahmen erforderlich. Film, Rundfunt und Geldfnappheit haben in Berlin zusammengemirft, um die Schauspiel: häufer zu leeren. Es ist für eine gedeihliche Entwicklung der Theater notwendig, die großen Untoften zu verringern, um die Bühnen lebensfähig zu erhalten. Die drei größten Schauspielbirettoren Berlins , Reinhardt, Barnowsty und Robert haben sich deshalb entfchloffen, einen großen einheitlichen Theater- Konzern zu bilben, beffen Ziele hauptsächlich wirtschaftlicher Natur sein sollen. Reinhardt Deutsches Theater" und Kammerspiele", Barnowskys Komödienhaus" und" Theater in der Königgräger Straße", das Berliner Theater" und die Tribüne" sollen der gemeinschaftlichen Verwaltung des Bruders von Mar Reinhardt, Edmund Reinhardt. und der künstlerischen Leitung der brei bisherigen Direktoren unter stellt werden. Diese Arbeitsgemeinschaft soll erstens eine Berbilligung des Betriebes, zweitens eine dadurch bedingte Verbilligung der Eintrittspreise, drittens eine straffe Bufammenfaffung der fünfte Theater publikums ermöglichen, mit der man das Bublikum richen Ziele und endlich eine inftematische Organisation des für das Theater neu zu gewinnen hofft. Diesem 3wed foll in erster Reihe die Gestaltung des Spielplanes dienen. In Zukunft sollen die verschiedenen Theater die verschiedenen Interessenkreise der Theaterbesucher berücksichtigen, so daß immer nur eine Bühne ein Stück mit befonderem Einschlag bringt. Die Folge ift eine größere Sicherheit des Spielplans und eine größere Bielseitigkeit der tünstlerischen Leistungen. Neben diese fünstlerische Organisation foll auch eine wirt schaftliche Organisation des Theaterpublifums treten, die sich auf neuartige Abonnementsbedingungen fügt.
Ban anderer Seite verlautet, daß ein Gesamtabonnement der dem Konzern angeschlossenen Theater beabsichtigt ist. Die Senfung der Kaffenpreise joll gleichzeitig der Anlaß zur Herablegung der Schauspielergagen geben, denen man dafür Zehn monatsverträge bieten will. Da bie Einzelheiten des Blanes noch nicht feststehen, brauchen sie auch noch nicht tritisch glossiert zu werben. Bon Bedeutung ist aber das Zugeſtändnis, daß sich die auf dem freien Wettbewerb beruhenbe Theaterwirtschaft überlebt hat und daß eine teilweise Blanwirtschaft von den Unternehmern selbst perfucht wird. Andererseits wird auch der Versuch gemacht, das genossenschaftliche Prinzip der Volksbühne, die Organisation der Be fucher, auszunugen. Aber Planwirtschaft wie Besucher organisation tönnen ihre Heberlegenheit und Frugtbarteit nur entfalten, wenn sie auf gemein nügiger Basis erwachse
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Die amtlichen Stellen bemühen sich seit langem, die ausfcheidenden Soldaten im freien Erwerbsleben unterzubringen. Die Möglichkeit hierzu d. h. die Möglichkeit, diesen Beruf ausüben zu fönnen gibt man durch theoretischen Unterricht in der Reichswehr und durch Gewährung von Geldmitteln. Dabei barf bemerkt werden, daß erst fürzlich bei Beratung des Reichswehretats im Reichstag feſtgeſtellt wurde, daß die Möglichkeit, auf diesem Gebiete ben Soldaten eine Existenzsicherung zu bieten, außerordentlich gering ift. Ein Mensch, der zwölf Jahre lang dem freien Wirtschaftsleben ent3egen ist, fann unmöglich die nur im andauernden Wirtschaftskampfe zu erwerbenden Fähigkeiten in dem notwendigen Maße haben, um in der freien Wirtschaft wettbewerbsfähig bestehen zu können. So ist es denn allzu natürlich, daß der größte Teil der ausscheidenden Soldaten durch Beantragung des Zivildienstscheines, der eine Anstellung im Beamtenkörper des Reiches, der Länder und Gemeinden sichern soll, diese Bersorgung begehren. Die Erfahrung lehrt, daß die Versorgungsberechtigten gerade für diese Verwendung aus der Militärdienstzeit die allerbesten Eigenschaften mitbringen. Durch entsprechende Gesetzgebung hat das Reich ja perfügt, daß ein ganz bestimmter Teil der Beamtenstellen mit Bersorgungsanwärtern( jo nennt man die Soldaten nach dem Ausscheiden) besezt werden sollen.
Nun ist aber jedem bekannt, daß in Deutschland einmal durch ben Beamtenabbau die Beamtenschaft gemissermaßen verjüngt ist, und zum anderen hörte man bei ben diesjährigen Etatberatungen im Reichstag das Wort sparen in allen Tonarten. Zu diesem Sparen rechnet der Reichstag auch das Einsparen von Beamtenstellen. Außerdem verlangt der Reichstag zur Einsparung von Pensionen und artegeldern bie Wiederverwendung von abgebauten Beamten ( Bartegeldempfänger).
Aus der Reichswehr allein scheiden alljährlich etwa 12 000 Soldaten, die Eristenzsicherung begehren, aus. Wenn man die Zahl der noch nicht angestellten, bisher ausgeschiedenen Versorgungsanwärter mit 20 000 einfchäßt, dann ist dies sicher nicht zu hoch gegriffen. Das Reich gibt zwar den ausscheidenden Soldaten eine Zeit lang ( höchstens bis zu drei Jahren) Uebergangsgebührnisse; ist diese Zeit abgelaufen, verweist das Reich seine Staatsdiener auf den Unter ftügungsweg. Es wird höchste Zeit, daß alle verantwortlichen Stellen des Reichs( Regierung, Reichstag usw.) sich ernstlich für die Unterbringung der Versorgungsanwärter im Staatsdienst einsetzen.
„ Das Alpenland im Eismeer". Unter diesem Titel wird in der Urania bas Filmergebnis der deutschen Spizbergen- Expedition 1925 vorgeführt. Dr. Mag Grothewahl und feine Begleiter traten mit dem Dampfer München ", der offenbar sehr viele Kameraleute an Bord gehabt hat, die Reife an. Von dieser Fahrt hat man schon oft Filmbilder gesehen, doch bleiben sie stets reizvoll, weil eben jeber Aufnahme die eigene Beobachtung und landschaftliche Erfassung des Operateurs zugrunde liegt. Manches Interessante wird von Island übermittelt, mag es sich nun um die Trocknung von Klippfischen oder um die Ausnugung der heißen Quellen als natürliche Baschküchen handeln. Während auf Island noch munteres Leben herrscht, lagert über die Magdalenenbucht die große, ftarre Einfamfeit. In den Monaten Juli- Auguft wurden die wissenschaftlichen Streifzüge durch Nordwestfpißbergen angetreten. Man bebiente fich der zusammen legbaren Klepperboote, bie man bislang bei folchen Reifen noch nicht als Beförderungsmittel gebraudyte, Der Zuschauer wird mit der Pflanzen und Tierwelt nach Möglichkeit durch eine genaue Bildberichterstattung befanntgemacht. Man bemerkt, daß die Tiere, fo die Seehunde, gar nicht folche große Scheu vor dem Menschen haben, weil sie diefes gefährliche Raubtier noch nicht fennen. Ungeheure Schwierigkeiten hat felbst der Forscher von heute noch zu überwinden, wenn er auch mit seiner Radiostation Nauen auf 7000 Kilometer Entfernung hört. Die düstere Landschaft Spizbergens übt auch auf den Nichtwiffenfchaftler einen großen Reiz aus.
' e. b.
Wie fie die deutsche Sprache meistern! Ludendorffs Leibblättchen schreibt:„ Ein würdiger Auftakt zum Hindenburg- Sonntage in Köln bildete schon der porherige Samstagabend. Nach dem der Frontkriegerbund e. V. mit seiner Befreiungsfeier in der Nacht Köln verlassen hatte, in die Deffentlichkeit trat, war es wiederum des 31. Januar in seinem Vereinshaus, schon bevor der letzte Brite tem FKB. und auf seine Aufforderung hin, den im Tannenbergbunde vereinigten Verbänden vergönnt, als erft er ver allen ande ren Organisationen auf die Straße unter die Massen zu gehen... Alles in allem ein würdiges Hervortreten, das dem Tannenbergbunde a n Ansehen und Achtung eingetragen hat."- Ein würdigeres Hervortreten als mit dieser Art deutscher Sprache scheint uns faum noch möglich.
Die Bücher und die Bühne des Tages behandelt Julius Bab in 5 Bortragen, bie Donnerstag vormittag 11 Uhr in dem Auguft- Forster- Saal, Seitbftr. 11, beginnen.
ben die Boltsbühne am 14. April im Ritteriaal der Oper am Königsplas Borlesung Rudolf Leonhard . Der Vortragsabend bon Rudolf Leonhard. veranstaltet, beginnt pünktlich um 8 Uhr. Ginlaßtarten au 60 Pf. am Saaleingang.
Die Cinten Ceute geben ihren nächsten Abend Donnerstag, braz. 8, Uhr in der Secession, Surfürstendamm 282. Ga lesen: Sans Bauer( Rede an die Schwarze Reichspehr" und anderes), Kurt Siller( Für Partei"), Balter Webring( Abenteuer des Balt Merin"), Erich Beineri ( Altaden"). Bauline Narbi( Karl Kraus ).
Der VI. Infernaflenate Kongreß für Philosophle wird vom 13.- 17. Sept. an der Harvard Universität( Maffabuletis) lagen. Die Bhilofopben aller Rationen, darunter auch Deutschlands , find eingeladen. Deutsch gehört zu ben offiziellen Kongressprachen. Anfragen an Prof. John J. Coy, Columbin
Uninerfüät, Rem gorl