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Nr. 20643.Jahrgang

Das Rummelsburger unglück.

1. Beilage des Vorwärts

Beschlüffe des Stadtverordnetenausschusses. Nach der am Freitag vorgenommenen Besichtigung der Unglücksstelle in Rummelsburg durch den Oberbürgermeister und die Stadtverordneten hat gestern nachmittag der Stadtverord: netenausschuß noch einmal zu der ganzen Angelegenheit Stellung genommen. Nach längerer Beratung sind eine Reihe Be­schlüsse gefaßt worden, die am Donnerstag der Stadtverordneten versammlung vorgelegt werden sollen. Es wurde beschlossen:

1. Sofort Anweisung zu geben, daß nicht länger als 8 Stunden gearbeitet wird.

2. Ausreichende Sanitätsmaßnahmen zu schaffen, im Beson deren die Schaffung eines Krankenwagens und Errichtung einer ftändigen Sanitätswache unter ärztlicher Leitung.

3. Genügende Schuhrüstungen, hergestellt durch Facharbeiter. 4. Unterstützung der Berunglückten und deren Familien. 5. Einstellung der Arbeitskräfte nur durch die zuständigen städtischen Arbeitsnachweise in Verbindung mit den Betriesräten.

6. Zahlung von tariflichen Löhnen nebst den entsprechenden Gefahrenzuschlägen.

7. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Oberbürger­meister als Dirigenten der Baupolizei, diese anzuweisen, daß fie in Verbindung mit den Bautontrolleuren und den Be­triebsräten mit der rücksichtslosesten Schärfe alle vorhandenen und entstehenden Mißstände befämpft. Anzuordnen ist, daß Tag und Nacht die notwendige Zahl der Baukontrolleure neben der Baupolizei den Bau bewachen.

Die Beschlüsse 3, 4 und 6 wurden einstimmig, die übrigen mit Mehrheit gefaßt. Die Stadtverordnetenversammlung wird zweifellos den Beschlüssen beitreten.

Die Kirche darf's!

Ber Geld von einem vermeintlichen Schuldner fordert, muß den Beweis bringen, daß sein Anspruch berechtigt ist. Kann er das nicht, dann hat er das Nachsehen und muß obenein die ent standenen Kosten tragen. Was geschieht aber, wenn ein Disi dent, der längst mit der Kirche gebrochen und in vorgeschriebener Form seinen Austritt erklärt hat, noch mit einer unberechtigten Rirchensteuerforderung belästigt wird? Dann soll er den Beweis erbringen, daß er zur Zahlung der geforderten Kirchen­Steuer nicht verpflichtet ist, und die Kosten dieser Schererei will man ihm aufpaden! Die Kirche ist durch Gesetz bevorrechtet und darf daher ohne Sorge mitansehen, wie die Einforderung der als Kirchen steuer bezeichneten Beiträge ihrer Mitglieder in einer Weise betrieben wird, die mit den sonst im Geldverkehr üblichen Rechtsanschauungen schwer zu vereinen ist.

Diese Dinge sind oft genug im Vorwärts" besprochen worden, und viele unserer Leser haben selber derartige Belästigungen erlebt. Nachdem wir erst vor furzem wieder mehrere Klagen über un­berechtigte Kirchensteuerforderungen veröffentlicht hatten, sind uns inzwischen schon wieder einige Fälle gemeldet worden. Eine Diffi­dentin, die bereits seit dem Jahre 1906 aus der evangelischen Landeskirche ausgeschieden ist, er hielt noch im April 1926 vom Berliner Finanzamt Greifswalder Straße eine Veranlagung zur Kirchen steuer für 1925. Auf einem angeklebten Zettelchen machte die Berliner Stadtfynode( die, nebenbei bemerkt, nicht eine städtische, sondern eine firchliche Körper schaft ist) die fast spaßhaft flingende Mitteilung: Shre Beranlagung zur Kirchensteuer. fonnte erst jetzt durchgeführt werden." De tommt die Stadtfynode um volle 20 Jahre zu spät. In dem blinden Eifer, der geldbedürftigen Kirche zu ihren Steuern zu verhelfen, hat man irrtümlich fogar für die niemals getaufte und jeßt er wachsene Tochter der erwähnten Diffidentin eine Kirchen­freuerveranlagung geschickt. Immer wieder wird in solchen Schriftstüden gemahnt, Einspruch müsse unter Beibringungn von Beweismitteln binnen vier Wochen erhoben werden, aber die Ver­pflichtung für einstweilige Zahlung werde dadurch nicht aufgehalten. Wie kann man den Nachweis führen, daß man niemals Mitglied der Kirche war? Auch aus dem Gebiet des Berliner Finanzamtes Mühlenberg teilt uns ein in der Lychener Straße wohnender Dissi­dent mit, daß er, der gleichfalls schon vor 20 Jahren aus der Kirche ausschied, noch jetzt im Jahre 1926 mit einer Kirchensteuer­forderung belästigt wird. Er hat sogleich eine Mahnung erhalten, obwohl er nichts davon weiß, daß ihm vorher cine Veranlagung zugegangen wäre. Einen Dissidenten nach 20 Jahren noch für firchensteuerpflichtig zu halten, das ist doch eine Gipfelleistung! Ein Bewohner Niederschönhausens flagt, daß man ihn im dritten Jahr nach seiner Kirchenaustrittserklärung noch mit einer Kirchen

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Yamile unter den Zedern.

Bon Henri Bordeaux.

( Berechtigte Ueberfegung von J. Kunde.)

In Tripolis .

Am anderen Morgen brachen wir frühzeitig von Chrar auf, um Tripolis , unser Reiseziel, zu erreichen. Es war Zeit. Der durch unsere Anwesenheit beunruhigte Mudir schickte zu dem ängstlichen Dusuf Abdud, um ihn zu befragen. Butros, der an der Spize unserer fleinen Rarawane ritt, ließ sich von feiner Stute führen. Diese war ihres Weges sicher. Sie folgte einem ziemlich gut erkennbaren Pfad längs dem Nebenfluß des Nahr- el- Bared. Der mündete in den Hauptfluß und der Pfad begleitete nun diesen. Wir hatten nicht mehr die enge Schlucht des Höllentales, sondern einen breiten, mit Maul beerplantagen bewachsenen Grund vor uns. Nachdem wir eine letzte Hügelkette hinter uns hatten, entdeckten wir in ge­ringer Tiefe unter uns, wie von einer Terraffe, die fruchtbare Ebene von Atta, die der Schlamm des Meeres umbrandete.

steuerforderung heimgesucht habe. Er versichert, daß er bei der Personenstandsaufnahme ganz bestimmt sich als Dissident eingetragen habe. Man sieht, daß auch das feinen zuver­läffigen Schuß gewährt. Vom Finanzamt Andreas ist ein in der Hohenlohestraße wohnender, vor 12 Jahren qus der Kirche ausge: schiedener Dissident jetzt zur Kirchensteuerzahlung aufgefordert worden. Er hat Recht, sich über solch eine Buchführung" zu wun­hat es jogar in drei verschiedenen Jahren erlebt, daß dern. Ein Charlottenburger, der vor 18 Jahren ausgeschieden ist, nicht geschützt, daß er sich in die Personenstandsliste als Diffident man noch Kirchensteuern von ihm haben wollte. Auch ihn hat es eintrug.

Geschützt ist nur die Kirche. Sie darf Kirchensteuern fordern, ohne daß sie nötig hat, sich hinreichend zu vergewissern, wer zur Zahlung verpflichtet ist und wer nicht. Das Gesetz gibt ihr das Vorrecht, daß ihre Steuern zusammen mit den anderen Steuern eingetrieben und die ihr zustehenden Beträge dann an sie abgeführt werden. Wenn Fehler gemacht werden, fönnen die Verteidiger der Kirche darauf hinweisen, daß die Schuld nicht die Kirche, sondern die Steuerverwaltung trifft. Nicht ein­mal zum Ersayder Unkosten, die bei dem Einspruch gegen eine unberechtigte Kirchensteuerforderung dem nicht steuerpflichtigen Diffidenten entstehen, fann die Kirche herangezogen werden, obwohl glieder bestand die eigentliche Ursache der meisten Mißgriffe der Mangel einer Buchführung über ihren Mit­ist. Wann wird diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende gemacht

werden?

Der Kutisker- Prozeß.

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Der Abenteurer Strieter. Die geldreiche Stein- Bank. Für den Kriminalpsychologen, vielleicht auch Psychopathologen, wird der Kutister- Prozeß, je weiter er fortschreitet, desto interessanter. Allein schon der Abschluß der Affäre mit dem Hanauer Lager spricht Bände. Eben hatte Kutister glücklich durch die raffiniert inszenierte Schein beschlagnahme des Hanauer Lagers dem Rumänen Des­calesku die Möglichkeit gegeben, von dem Schein vertrag zurüd­zutreten, eben erst war Michael auf Veranlassung Strieters und Holzmanns, die von Kutister inspiriert waren, sich als Treuhänder in bezug auf das Hanauer Lager gegenüber dem Rumänen auf­getreten, als er gegen denselben Michael einen Arrest herausbringt unter dem Vorwande, er habe ihm durch sein Dazwischentreten für 9 600 000 Goldmark geschädigt. falschen eidesstattlichen Versicherung Holzmanns und Und dieser Arrest wird dank der Strieters ermöglicht. Holzmann sagt, er habe geglaubt, die eides­stattliche Versicherung wäre allein für den häuslichen Ge brauch erforderlich gewesen. Er gibt zu, eine große Summe Geldes dafür erhalten zu haben. Kaum sind die Beziehungen zu dem Rumänen glücklich gelöst worden, als sich Holzmann bereits mit dem Direktor der Staatsbant, Hellwig, nach Baris begibt, um dort wieder mit dem Rumänen zu verhandeln. Natürlich erhält er dafür von Kutister neue Geldsummen. Kutiskers Verteidiger Dr. Pindar hat beantragt, Holzmann psychiatrisch untersuchen zu lassen. ist eine exotische Abenteurernatur. Er sträubt sich dagegen, daß der psychiatrische Sachverständige in diesem Etadium des Prozesses das Gutachten über ihn abgebe. Der Sach­verständige spricht von frankhafter Steigerung des Gefühlslebens und gesteigerter Phantasietätigkeit, vor. einem Grenzzustand zwischen Gesunder und franker Binche .

Der Dritte Strieter

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Endlich können nun die Zeugen aufmarschieren. Die erste Gruppe schildert, wie Grobe, der nichts besaß, Kutisker die Freund­fchaftswechsel auf hohe Summen ausgestellt hat. Die zweite Gruppe von Zeugen bringt mand intereffante Einzel beit darüber, wie Kutister den Grieger in seinen Wechseln ein­gewickelt hat, so daß die Mechanische Treibriemenweberei schließlich ihm zugefallen ist. Es entbehrt nicht einer gewiffen Pifanterie, wie der Profuristin der Mechanischen Treibriemenweberei, Fräulein Bretsch, gewissermaßen mit Gewalt ihr Material über den Betrieb fortgenommen wurde, wie bei ihr durch den mit Herrn Kutister befreundeten Kriminalbeamten eine Haussuchung abgehalten wurde und wie ihr Herr v. Kohl selbst mit Verhaftung gedroht hat. Dieser dänische Bürger Baron Louis v. Kohl, der sich als Schrift ſteller bezeichnet und als Kutisters Privatsekretär fungierte, scheint überhaupt seines Prinzipals würdig gewesen zu sein. So erzählte zum Beispiel der Zeuge Hennetämper, ehemaliger Geschäftsführer der Westdeutschen Textil- A.- G. in Bremen , einer Tochtergesell­schaft der Mechanischen Treibriemenweberei, wie der Baron ihn habe veranlassen wollen, schriftlich Ungünstiges über Grieger zu geben, das nicht ganz der Wahrheit entsprach: tut er's, so erfolgt Gehaltserhöhung, tut er's nicht, fliegt er hinaus. Rechtsanwalt Bahn hält dem Zeugen v. Kohl auch vor, daß er einmal Schecks auf Amerika unterschrieben habe, die feine Deckung hatten. Der Beuge bleibt vorläufig unvereidigt. Das Rätsel aber, wieso sich alle diese Grobe, Grieger und Blau von Kutister haben düpieren lassen,

welche die Ohren spijte, wie wenn sie die Wichtigkeit ihres Auftrages begriffe. Die Fuchsstute wählte zwischen El- Mina, der Hafenstadt, und der oberen Stadt, Kubbe, die Straße, welche zur alten Stadt führt, ging über die Brücke des Ka­discha, unseres heiligen Flusses, der durch Bescherre fließt und am Fuß der Zedern entspringt, betrat die Hauptstraße, an der die mit Waren wohlversehenen, von starkem Geschäftsverkehr belebten Fandaks" liegen und lenkte in eine schmale, auch von Menschen wimmelnde Gasse ein. Die Händler tamen ins Gedränge und rafften ihre Teppiche, Gewebe, Babuschen aus rotem Leder zusammen; denn alles breitete sich zu den Füßen unserer Pferde aus. Die Stute hielt vor einer Pforte, die unter einem vorspringenden Torbogen neben einem Brunnen lag. Hier löschte sie ihren Durst, wie wenn sie das so gewohnt gewesen wäre.

,, Gut," sagte Butros ,,, hier ist es."

Wir durften jetzt nicht einfach umtehren, das hätte die Auf­mertfamfeit auf uns gelenkt. Bir mußten unsere Kavalkade irgendwie erklären. Butros rief einen Händler heran, der, am Boden fauernd, mit beiden Händen seinen durcheinander geworfenen Basar zufammenlas.

aus Atta?"

Ist hier nicht das Haus des Abdul- Rajat- Bei- el- Osman Der Befragte nahm eine fniende Stellung ein, als bäte er um Entschuldigung, daß er feine Auskunft geben könne. Ich weiß es nicht, Herr."

Wir hatten bereits einen Bolfsauflauf verursacht. Lun gern in den Städten des Orients nicht stets müßige Gaffer herum, die damit rechnen, daß die Erlebnisse anderer ihnen Berdienst oder zerstreuung verfchaffen? Ein langer Araber, der unter einem Burnus von Kamelfell von schmutzig weißer Farbe fast verschwand und einen grünen Turban, das Privileg aller Meffapilger, trug, trennte mit seinem Stab die Menge und gab uns mit wichtiger Miene Bescheid:

Butros hielt plötzlich seine Stute an. Er betrachtete die Gegend mit den Augen des Landwirtes, und ihnen tat der Anblid dieser üppigen, wohlbewäfferten Kulturen wohl, der Anblick der schönen Gersten- und Haferfelder. Das Gebirge öffnete sich, um seine Flüsse herausschießen zu lassen, und die blühende, mit Ernten bedeckte Ebene sentte sich der Küste zu, die den Reichtum dieses fruchtbaren Bodens einzusaugen schien. Die Bedeutung des Seehandels trat mit ihrem Reiz plöglich in Erscheinung. Riesige Schafherden wurden von Hirten, Beduinen, die auf Kamelen ritten, vorwärts getrieben. Diese Tiere wiegten verächtlich, in rhythmischer Kadenz, ihre langen Köpfe. Die Herden waren ohne Zweifel bestimmt, auf Lastschiffen abtransportiert zu werden, um der Verpflegung Aegyptens oder Europas zu dienen; sie erfüllten einen Augen­blick den Raum vor uns wie ein vorüberflutender Strom. Aber ich hatte fein Ohr für Butros bewundernde Ausrufe. Das Blau des Meeres gemahnte mich an die Augen Vamiles. Bei der Flußmündung stießen wir auf die große Straße, welche, dem Lauf der Küste folgend, in die unmittelbare Nähe Don Tripolis führt. Butros machte mir ein Beichen, daß nun unfere Schwierigkeiten begännen. Er streichelte Saima, I schroff ab:

,, Nein, Herr, das ist nicht sein Haus, sondern das von Omar- Bei- el- Hussein. Ich bin aus Atta und tenne ihn. Aber ich weiß, wo der wohnt, den du suchst, und werde dich gleich zu ihm führen.

Er ergriff schon den Zügel Salmas. Butros wußte ihm für seine Dienstbeslissenheit feinen Dant und wies ihn

Dienstag, 4. Mai 1926

löst in einem Satz die frühere Buchhalterin Kutisters, Fräulein George, die auch selbst auf Blaus Veranlassung für Kutister Ge­fälligkeitswechsel hatte unterschreiben müssen. Als sie gegenüber Blau ihre Zweifel in bezug auf diese Wechsel äußerte, meinte diefer: Keine Bank in Berlin hat Geld, nur die Stein- Bant." So jah sie aus.

Fünf Selbstmorde innerhalb zweier Stunden.

Die Statistik der Selbstmorde, in der wirtschaftliche und seelische Fall bereichert worden: Fünf Selbstmorde innerhalb nur zweier Nöte des Volkes furchtbar sich spiegeln, ist um einen grauenhaften Stunden. Infolge Arbeitslosigkeit vergiftete sich gestern nach­Wohnung in der Belziger Straße 48 in Schöneberg mit Leuchtgas. mittag gegen 1 Uhr der 45jährige Invalide Otto Rief in seiner Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Gegen 2 Uhr nachmittags des dritten Stocks des Hauses Schönholzer Straße 8 auf den Hof stürzte sich die 60jährige Ehefrau Diemer aus dem Flurfenster gerufener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Zur gleichen hinab, wo sie mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Ein hinzu­58jährige Kaufmann Johannes Danner mit Leuchtgas . Auch Zeit vergiftete sich in seiner Wohnung Zehdenicker Straße 26 der hier waren Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Seine in Berlin wohnenden Angehörigen hatte er schriftlich benachrichtigt, und als Um 3 Uhr wurde in der elterlichen Wohnung in der Gartenfeld­Grund für seine Tat schlechten Geschäftsgang angegeben. straße 48 in Haselhorst die Hausangestellte Hildegard Gierte mit Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden. Der Grund der Tat ift unbekannt. Kurze Zeit darauf erschoß sich in seiner Wohnung Brenzlauer Straße 42 der 36jährige Schneidermeister Walter Talch. Der Grund zu der Tat ist bisher noch unbekannt, dürfte versuchte sich im Schiffahrtkanal ein Mädchen zu ertränken, das aber in geschäftlichen Schwierigkeiten zu suchen sein. Weiterhin jedoch von Schupsbeamten im letzten Augenblick gerettet werden fonnte. Auch das Vorhaben einer Näherin im Norden Berlins , fich mit Leuchtgas zu vergiften, fonnte verhindert werden. Die Selbst­mordkandidatin fand im Krankenhause Aufnahme.

Der Lützow - Prozeß.

In dem endlosen Lüzow- Prozeß ist nun endlich am Sonnabend der berüchtigte Fall Maschte zur Sprache gekommen, von dent diese ganze unerquickliche Gerichtsverhandlung seinen Anfang ge­nommen hat. Wer weiß, ob nicht manche Prozeßwoche es ist dies bereits die zwölfte erspart geblieben wäre, wenn man diesent Fall als ersten vorgenommen hätte. Der für sein Alter nur gering entwickelte, zarte und blasse Junge, der selbst in der Hilfsschule nid; t mitkommen fonnte und deshalb nach 3offen gebracht worden mar, machte den Eindruck eines Knaben, dessen Aussagen jedenfalls nur mit Vorsicht aufgenommen werden dürften. Im Laufe der Verhand lung erklärte das Gericht auch, es nehme nicht an, der fleine Maschke sage bewußt etwas unwahres. Das Gericht wollte damit mehl gesagt haben, daß es ihm eine unbewußte Unwahrheit wohl outraue. Dieser Zeuge hatte insofern eine schwer belastende Aus lage gemacht, als er in der Voruntersuchung behauptet hatte, Lüzom hätte ihn veranlaßt, ihn unfittlich zu berühren. Die Demonstration, die der Junge im Gerichtssaal auf Lüzows Schoß vorführen mußte, rerursachte eine Spaltung unter den Sachverständigen. Die einen meinten, die Berührung sei in dieser Lage unmöglich, den anderen schien ihre Möglichkeit gegeben. Die Bernehmung der Mutter und des Kriminalkommissars Streve ergab, daß die ursprüngliche Aussage des Jungen eigentlich nicht von einer direkten unfittlichen Berührung bekundete, daß der Inhalt vielleicht aber durch die Ausfrager selbst in den Jungen hineinsuggeriert sein fonnte. Es bleibt nunmeh noch der Fall Weib. Dieferlegte und vielleicht schwerste Fall och der Fall Weiß. Dieser legte und vielleicht schwerste Fall tommt am 11. Mai zur Erörterung,

Die Wohlfahrtspflege in Notstandszeiten.

Die Not, die auf meiten Kreisen der unbemittelten Bevölkerung laftet, hat für die städtische Wohlfahrtspflege Berlins die Folge gehabt, daß ihre Ausgaben in dem jezt zu Ende gegangenen Rechnungsjahr 1925( Dom 1, April 1925 bis zum 30. März 1926 reichend) den Voranschlag um volle 4 Millionen Mart überschreiten mußten. Für viele Unterstützte mußten im Laufe des Jahres die Unterstützungsfäße erhöht werden, weil selbst die dürftigste Lebenshaltung von der fortschreitenden Ber= teuerung aller Lebensmittel und des sonstigen Bedarfs nicht verschont bleiben fonnte. Dazu fam, daß auch die Gesamtzahl der laufend unterstützten Fürsorgebedürftigen stieg, mas wiederum zu Mehrausgaben führte. Weiter hat auch die andauernd ungünstige Lage des Arbeitsmarktes und die weitreichende Arbeitslosigkeit die Inanspruchnahme der städtischen Wohl­fahrtspflege gesteigert. Im ganzen Rechnungsjahr stellten sich die erforderlich gewordenen Mehrausgaben für Sozialrentner auf 256 100 m., für Kleinrentner auf 1 469 300 m., für sonstige Unter­

,, Unnötig. Ich brauche feinen Führer."

,, Du wirst es nicht finden. Es ist in der oberen Stadt." ,, Laß uns, fag ich; wir wollen erst später dahin."

Und wir beeilten uns, unter den Verwünschungen der in ihren Geschäften gestörten Händler aus der engen Gasse zu tommen. Wir hatten alle Ursache, uns rasch zu entfernen, damit die neugierig auf uns gerichteten Blicke sich unsere Züge nicht genau einprägten, denn wir mußten zurückkehren und uns unauffällig in das abgelegene Haus einschmuggeln, um uns Vamiles zu bemächtigen. Aber meine Augen suchten hinter die Mauern zu dringen. Hinter dem Torbogen ver­mutete ich einen Gang; in diesem eine Pforte, welche ohne zweifel einen geräumigen, mit Marmor belegten Hof erschloß, in dessen Mitte sich ein Springbrunnen und an den Seiten Beete befanden. Die Gemächer des Balastes gingen auf den fühlen, blumengeschmückten Hof hinaus. Alle muselmanischen Häuser sind nach solchem Modell erbaut. Yamile lag um diese Abendstunde auf einem Diwan, in dem Patio, der mit Mo­saiten geschmückt war; oder sie saß am Rand der Mastaba und warf lässig, wie jene, deren Glück erhaben über die Zeit ist, eine Jasminblüte in das fließende Wasser und verfolgte, als wäre es ein Abbild ihres Lebens, die langsam durch die zahllosen Mäanderlinien des Baffins mitgeführte Blume. So vergrößerte ich unablässig durch neue Frauen meinen Harem Don Chrar. Aber die Sehnsucht, sie selbst und nicht nur ihr Phantom zu erbliden, machte meine Lippen trocken wie lech­zender Durst bei einem Ritt durch die Wüste. War ich, um diesen Durst zu löschen, bereit, dem fanatischen Butros bis zum Berbrechen Gefolgschaft zu leisten?

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Der Scheit Raschid- el- Hame hatte uns große Geldsummen eingehändigt es gibt feinen besseren Helfer als das Geld- und einen Empfehlungsbrief an einen reichen Händler in Tri­ polis , der auch Maronit war und an den er Vieh verkauft hatte. Dieser Adib Saade empfing uns fürstlich in seinem Palast in El- Mina; das Haus vereinigte reizvoll europäische Bauart mit arabischen Kolonaden. Die Fenster meines Zim­mers gewährten den Blick auf den Hafen. Lange Stunden sah ich dem Schiffsverkehr auf der Reede zu. Abends zeich­neten sich die Masten scharf auf dem Gold des Sonnenunter ganges ab. Aber das Meer lockte mich nur, wenn es die Farbe von Damiles Augen annahm( Fortsetzung folgt.)

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