Um das Achtstundentag- Abkommen.
Was der deutsche Regierungsvertreter dazu sagt.
Wie wir bereits im gestrigen Morgenblatt berichteten, haben die Arbeitnehmervertreter auf der internationalen Arbeitskonferenz die Regierungsvertreter aufgefordert, in der Frage der Ratifizie ung des Washingtoner Achstundentag- Abkommens nicht länger wie die Katze um den heißen Brei herumzugehen, sondern endlich einmal Farbe zu bekennen.
Der Vertreter der englischen Regierung, Wolfe, erklärte, daß die englische Regierung ihren guten Willen durch Einberufung der Londoner Konferenz bewiesen habe. Sie sei aber, mie er unter Hinweis auf die Wirtschafts- und Arbeitslage in England hinzufügte, bis heute noch nicht in der Lage gewesen, die Ratifizierung zu vollziehen.
Es wäre wichtiger zu erfahren, wann man in England das Abkommen zu ratifizieren gedenkt. Die Bestrebungen, die Arbeitszeit der Bergarbeiter zu verlängern, laffen nicht darauf schließen, daß dies in nächster Zeit geschehen wird.
Die Erklärung des englischen Vertreters war für den deutschen Regierungsvertreter, Ministerialdirektor Feig, von vornherein eine gute Entschuldigung. Er führte nach dem WTB.- Bericht aus:
,, Seit dem Vorjahre ist ein sehr wichtiges Ereignis eingetreten, in dem zweifellos auch die Regierungen der Konferenzteilnehmer einen wesentlichen Fortschritt auf dem Wege zur Ratifizierung der Konvention über den Achtstundentag erblicken werden, nämlich die Konferenz in London . Die deutsche Regierung ist für die Initiative des englischen Arbeitsministers sehr dankbar gewesen und glaubt, daß die Einigung der wichtigsten Industriestaaten über die Auslegung verschiedener zweifelhafter Punkte des Washingtoner Abkommen in den beteiligten Staaten, aber auch über sie hinaus, den Weg für die Ratifizierung dieses Abkommens ebnen wird. Die deutsche Regierung hat nicht gezögért, aus dem Ergebnis der Londoner Konferenz die Folgerungen zu ziehen. Schon früher ist im deutschen Arbeitsministerium der Entwurf eines Gefeges vorbereitet worden, in dem außer dem sonstigen Arbeiterschuß die Arbeitszeit geregelt
Die Reichsindexziffer im Mai.
Berlin , 1. Juni. ( WTB.) Die Reichsinderziffer für die Lebens haltungskosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Be fleidung und sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Mai auf 139,9 gegen 139,6 im Vormonat. Sie hat sich sonach um 0,3 Broz. erhöht. Bei den Ernährungsausgaben wurden Preissteige. rungen für Brot und Mehl, Gemüse und Kartoffeln durch das weitere Nachgeben der Preise für Milch und Milcherzeugnisse und Eier zum großen Teil ausgeglichen. In einzelnen Teilen des Reiches sind auch die Ausgaben für Wohnung gestiegen.
Der Streifbrecherfang für Rummelsburg . Bezeichnend ist, daß die Unternehmer selbst von dem völkischen Arbeitsnachweis nur unter Vorspiegelung falscher Tat. fachen und auf allerlei Umwegen Arbeitswillige nach Rummelsburg bekommen fönnen. Die Leute werden im Auto zu nächst an Stellen gebracht, nach Mariendorf , Wilmersdorf und sonstwo, und erst von da aus zur Baustelle des Großkraftmerfes in Rummelsburg . Nicht alle Arbeitslosen, die auf diese Weise hinters Licht zu führen versucht werden, laffen sich das gefallen, sondern viele weigern sich, sobald fie erfahren, daß fie nach Rummelsburg geschleppt werden sollen, mitzu
fommen.
Am Dienstag vormittag hatten die Bauarbeiter es sich angelegen fein laffen, während der Frühstückspause mit den arbeitswilligen Eisenkonstruktionsarbeitern in Berührung zu kommen,
Zum englischen Bergarbelterstreit.
London , 1. Juni. ( Eigener Drahtbericht.) Im Unterhaus be gann am Dienstag die große innerpolitische Aussprache über die Lösung der Kohlenkrise. Für die Arbeiterpartei ergriff Macdonald das Wort und warf der Regierung un tätigkeit und Pflichtversäumnis vor. Das Rabinett
werden sollte. Dieser Entwurf ist auf Grund der Ergebnisse der begnüge sich damit, seine Auffassung zu verkünden, habe aber nicht Londoner Konferenz um gearbeitet worden.
Es handelt sich um einen vorläufigen Entwurf, der im Arbeitsministerium ausgearbeitet worden ist, über den aber eine Beschlußfassung des Kabinetts noch nicht erfolgt ist. Dieser Entwurf wird gerade in diesen Tagen mit den Regierungen der deutschen Länder sowie mit den Hauptverbänden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besprochen. Es ist bestimmt zu hoffen, daß er noch im Laufe dieses Sommers dem Kabinett und von diesem den gefeßgebenden Körperschaften vorgelegt wird. Ich habe es bei früheren Gelegenheiten ausgesprochen und möchte es heute wiederholen, daß Deutschland auf dem grund= fäglichen Standpunkt steht, fein Abkommen zu ratifizieren, ehe es nicht seine Gesetzgebung in volle Uebereinstimmung mit dem Inhalt des Abkommensvertrages gebracht hat.
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Der gegenwärtig ausgearbeitete Entwurf des Arbeitsschutzgesetzes ist so gefaßt, daß er die Ratifizierung einer ganzen Reihe von internationalen Uebereinkommensentwürfen insbesondere aber des Achtstundentag- lebereinkommens ermöglichen würde. Der Bollzug der Ratifitation wird von der gleichzeitigen Ratifitation durch die anderen Hauptindustriestaaten abhängig sein, aber die Hoffnung ist sicherlich berechtigt, daß diese gleichzeitige Ratifikation durch das Werk von London nicht nur ermöglicht, sondern herbeigeführt werden wird."
Wir zweifeln nicht daran, daß die Ratifizierung des Achtstundentagabfemmens nicht ganz und gar aussichtslos ist, wenn die Arbeitnehmerschaft der einzelnen Länder gehörig darauf dringt. Für uns dreht es sich mehr um den schließlichen Termin, an dem die Hoffnung, die unser Regierungsvertreter für berechtigt hält, in Erfüllung gehen soll. Uns scheint, der Worte feien genug gewechselt, wir möchten Taten sehen. Doch von all den vorläufigen Entwürfen bis zu bestimmten Vorschlägen und von da bis zu der Verwirklichung ist ein gar weiter Weg. Das menig muntere Spiel der gegen feitigen Berufung der einen Regierung auf die andere wirft nach gerade etwas ermüdend. Hoffen wir einstweilen weiter auf die nächste Konferenz.
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mit dem Erfolg, daß die Arbeitswilligen die Ar. beit einstellten. Die Frühstückspause dehnte sich dabei allerdings etwas länger aus als vorgesehen, doch entstanden den am Streif unbeteiligten Bauarbeitern teine Schwierigteiten deswegen. Nur die Firma Bosma u. Knauer suchte daraus eine Aftion zu machen. Die Bauarbeiter waren um 9 Uhr wieder an der Arbeit, bis auf einen Rest von etwa 50 Mann, die später famen. Man ließ diese Arbeiter nicht weiter arbeiten, zog sie von.9% Uhr bis zum Mittag hin, um ihnen dann ihre Entlassung anzufündigen. ermuntert, hat eine andere Firma nachdem ebenfalls einen Teil Offenbar durch dieses forsche" Beispiel im Umgang mit Arbeitern ihrer Belegschaft entlassen. Die Metallindustriellen hatten sich bald wieder einigen Arbeitswilligenerfaz befchafft.
Bedauerlich ist, daß die Stadt Berlin fich so wenig Einfluß auf die Unternehmer gesichert hat, daß diese nicht nur unorganisierte Arbeiter einstellen, sondern auch die Löhne in so schändlicher Weise drücken konnten. Dabei war vorauszusehen, daß die beteiligten Unternehmer die Erwerbslofennot ausschlachten würden, um möglichst große Profite einzuheimſen. Damit zugleich aber, daß dabei die Arbeiten feinen ungestörten Verlauf nehmen fonnten. Bollte die Stadt die rechtzeitige Fertigstellung des Großfraftwerkes sichern und all den üblen Folgen einer rüdsichtslosen Profitwirtschaft von vornherein begegnen, bann mußte fie porfichtiger verfahren bei der Vergebung ihrer Aufträge. Kommt es nicht bald zu einer annehmbaren Regelung des Konfliktes bei den Eisentonstruktionsarbeitern, dann werden auch die Bauarbeiter noch mit hineingezogen. Selbst wenn das Wert Don Streifbrechern aufgeführt werden könnte, so bedeutete dies Wert zeitlich noch qualitativ eine Förderung desselben. Darüber sollte man sich endlich flar werden.
den ernsten Willen, wirklich eine Lösung herbeizuführen. Macdonald bezeichnete im weiteren Verlauf seiner Ausführungen die die Subventionen des Staates an den Kohlenbergbau als im nationalen Interesse liegend und forderte die Regierung auf, die Vorschläge des Kohlenberichts über die Lohnregelung, die sich der Gewertschaftskongreß zu eigen gemacht hat, anzunehmen und die Umstellung des Bergbaues in Angriff zu nehmen.
London , 1. Juni. ( TU.) Die Führer der Bergarbeitergewerf. schaften traten heute zu einer weiteren Besprechung der Lage zusammen. Der GSekretär der Bergarbeitergewerkschaft, Cook, erklärte hiernach, daß alle Gerüchte über Einigungsverhandlungen zurzeit jeder Begründung entbehrten. Gegenstand der heutigen Besprechung sei u. a. die Frage des Einfuhrverbotes von Kohlen gewesen. Man hoffe auf die Hilfe aller Transportarbeitergewerkschaften sowohl in England als auch im Ausland, um den Transport von Kohle unmöglich zu machen.
Hilfsaktion für die englischen Arbeiter.
Amfterdam, 1. Juni. ( WTB.) Am Montag fand im Gebäude des Internationalen Gewerkschaftsbundes eine interne Sigung statt, an der Vertreter verschiedener nationaler Gewerkschaftszentralen, die Sekretäre des Internationalen Gewerkschaftsbundes: Brown, Qubegeeft und Sassenbach und eine aus Purcell , Citrine und Hide bestehende Abordnung der englischen Gewerkschaften teilnahmen. Gegenstand der Besprechung war die Frage der Beschaffung einer Anleihe in Höhe von einer Million Pfund Sterling zur Unterftügung der durch den Generalstreif arbeitslos gewordenen englischen Arbeiter.
Verhandlungsgegenstände interner Besprechungen werden in der Regel nicht an die große Glode gehängt. Es ist dennoch möglich, daß der WEB.- Berichterstatter richtig informiert wurde.
Achtung, Bauarbeiter! Die Sperre über die Firma Smolny. beschäftigt bei der Firma Holzmann in Brig , wird hiermit aufgehoben.
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Seinbesprechung. Bericht von der Bfinaftfahrt.
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