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was ER alles haben soll.
Versöhnung. von Hans Ar. Llunck. Schon Hans Appen» Vater und der alte Detlef Brand hatten «inen unversöhnlichen Haß gegeneinander getragen. Niemand wußte woher der kain und wie er entstanden war, und die beiden selbst erinnerten sich wohl kaum. Aber die Leute wußten: wenn einer von ihnen in der Schänke war, durfte der andere nicht dazukommen, dursten auch seine Freunde nicht hinein. Denn im Trunk ging der 5)aß weit über den einzelnen hinaus. Einmai, als die beiden sich einsam auf der Straße getroffen hatten, hatte ein Wortwechsel begonnen, der erst damit endete, daß Detlef Brand und der alte Ewersührer Jan Apen bewußtlos liegen blieben. Das Gericht hat später dem Jüngeren die Schuld zugeschoben. er hat ein oder zwei Jahre allein für sich verbringen müssen. Aber was macht das aus, wenn der haß schwelt zwischen zwei Geschlech. tern. Denn Hans Appen, der Jüngere, der heranwuchs, erbte ihn, wie er die dicken knotigen Stirnadern von seinem Vater hatte. Und die kleine Wieb, die mutterlos aus Detlef Brands Ewer groß wurde, hörte nur das eine wieder und wieder, das über ihr alltägliches Leben hinausragte: Den unerbittlichen Zorn gegen die Appens. Und sie lernte bald, daß,«wenn der Holzewer von Schweden kam, Detlef Brands Freunde kamen und acht gaben, daß er nicht von Bord ging, daß in den Tagen viel getrunken wurde, und daß die Männer mehr als einmal hinübergrölten zu dem braunen hoch- gestapelten Schwedenfahrer, der totenstill an der Mole lag und sich wohl ängstlich duckte, wenn er das Schreien hörte. Und Wieb Brand, die scheu hinüberblickte, wunderte sich, daß der andere so ruhig liegen blieb und sich nicht verkroch vor der Wut all der bär- tigen Fischer, die mit ihrem' Vater zusammensaßen. Dann, als Wieb schon lange Kleider trug und auf dem Ewer anpacken mußte wie ein Bestivann, brachte ihr Detlef Brand eines Tages eine Zeitung mit, i» der stand, daß der braune Holzewer gesunken sei, und daß von den vier Mann, die an Bord gewesen, nur Han» Appen , der Sohn, halbtot vom Schiff geholt sei. An dem Tage trank der Seesischer nicht, sondern lag langausgestreckt an Deck und grübelt« vor sich hin. Wieb Brand aber wunderte sich, und in ihren aussliegenden Gedanken sah sie den Sturm und die Not des Schwedenfahrer», sah die Seen, die Jan Appen über Bord spülten und sah das Boot, das Hans�Appen au» dem Mast holte, gerade, ehe der Ewer zerbrach. Wie Hans Appen wohl aussah? Ob der ebenso war wie das Bild, das sie von ihm in ihren Ge- danken trug? Es ist eine lange Zeit vergangen, bevor Wieb Brand ihn ge. sehen hat. Aus dem Jahrmarkt ist'e gewesen, irgendeiner hatte ihr flüchtig einen Nomen genannt, und das Mädchen hatte voll Schrecken gefühlt, daß es Jan Appens Sohn war. der drüben mit seinen Ge. sellen zusammen war. Und daß er fast genau so war, wie sie sich ihn gedacht hatte. Nur etwa» größer schien er und straffer und lustiger. Sie hatte sich heimlich vom Ewer sortgeschlichen, denn Detlef Brand hätte ihr nie erlaubt, den Markt zu besuchen. Er litt nicht, wenn sie sich putzlo. Sein Jung und sein bester Nudertnecht war sie für Ihn, wqs wollte der unter den Frauensleuten? Für das Mädchen war es wie ein Rausch, den einen zu sehen, dessen Bild oll ihr« jungen Gedanken wieder und wieder gezeichnet hasten, heimlich und zornig, aber nie ohne wildes unbändiges Mannestum. Wie kam es, daß Wieb Brand Hans Appen lieb gewann? An jenem Tage sprachen sie sich zuerst, lachend und trotzend. Und als Hans Appen im nächsten Jahre vor der Zeit heimkehrte, um zum Markt zurechtzukommen, sagte er ihr, daß er sich vorgenommen hätte, sie wiederzusehen. Und er kam noch einmal, und Wieb Brand schien, als begänne die Welt erst mit dem Tage, an dem sie den anderen zuerst gesehen hatte. Und dann eine» Tages, als Hans Appen wieder aus dem Hasen fuhr, war Wieb Brand sein Weib und stand am Großsegel, so wie der Knecht vorher. Seit dem Tage glaubte Detlef Brand, ihr Vater, daß er Hans Appen erschlagen dürfe. Aber die beiden wußten sich wohl zu wahren, fuhren lange zwischen fremden Häsen, und der Seesischer, der von der Dogger- bank bi, zur Elbmündung kreuzte, sah nichts mehr von Wieb und dem Schwedenfahrer. Nur in Gedanken folgte er ihnen, so wie sich ein Brand über die Heide frißt, jagte hinter Han» Appen her, und in seiner Kajüte zog er bunte Striche über seine Karte, wenn er aus Zeitungsnachrichten von dem Holzewer erfuhr. Seine Tochter hatte er fast vergessen. Seitdem er den einäugigen Peer Stöwer an Bord hatte, der auch ein guter Bestmann war, entbehrte er sie wenig. Der. den er haßte, war Hans Appen. Hatte der Wieb nicht sinnlos gemacht,— oder bewußtlos, als er sie an Bord schleppte? Natürlich, das hatte er wohl, und Detlef Brands Sache war's, den dafür zu strafen, der ihm seine Tochter genommen hatte. .Hatte Jan Appen, der Alte, ihm nicht auch den Knecht genommen, damals, als sie sich halbtot schlugen? Eine lange Weile dauerte es, bis Hans Appen sich wieder vor die Elbe wogte. Med hatte ihm drüben in Schweden einen Jungen geboren: er fuhr heim, um ihn In seinem Dorfe taufen zu lassen. Ueber die Nordsee fuhr ein leichter Nordwest, jagte lange tief. grüne Wogen über die Weite und trieb eine salzige feuchte Lust zum Lande. Die Sonne schien hell aus dem graublauen Himmel und weckte tausend gelbe Flecke, die in wunderlichem Heerbann von Gischt zu Gischtkronen sprangen und sich wie eine bunte Kette um Han, Appens Ewer legten. Das Fahrzeug läuft vor'm Wind, und die junge Frau hat Zeit, mit dem Kinde zu spielen. Drüben laufen drei Fischerkutter vor der Kurre, halten auf die Elbmündung zu wie sie: aber südlicher, als wollten sie jenseits von Helgoland vorbei. Da kommt ein Ruf vom Ruder her. daß das junge Weib auffährt und ängstlich hinüberhorcht. .Kennst die Ewer. Wieb?' Sie versucht die Zahlen zu lesen. Die Fahrzeuge sind nähergekommen, und e» gelingt ihr mit Mühe. «7. 84 und 85 stehen oben im braunen Tuch. Einen Augenblick fähr« sie erschrocken zusammen, aber dann lacht sie über ihre eigene Angst, .Rechts ist Daters Kutter. Hans.' Der nickt, will zu ihr hin- überlachcn und fühlt nur. wie sich feine Züge krampsen. Ihm ist. als sei 85 ausgeichoren. hätte die Kmrre eingezogen und hielt aus den Halzewer. Warum weint das Kind? Ach so. Wieb spielt nicht mehr mit ihm. Die sieht mit großen Augen zu den Seesischern hinüber. Was sie wohl denkt? Hans Appen sieht prüsend hinüber. Ob sie Angst hat? Sie hatte doch soviel Mut. damals, soviel Mut! Han» Appen lacht leise vor sich hin wie in einer glücklichen Erinne. nmfr Wae genau jolch D-tt« gewesen, al, R* hinaWsphren und
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Die Kommihstlebel. die uns lange drückten, die Pickelhaube. den Schuhmannvsäbel au» der Drei-kilassen-Wahlrechtszeit mitsamt der berühmten eisernen Aaust. Jawohl, da» geben wir gern.
in der Frühe unter Helgoland kamen. Hatten sie damals nicht auch nach ollen Fischerkuttern gesichtet, die hinter ihnen aufkamen, und laut gelacht, als sie ihren eigenen Weg nach Norden fuhren? Und als die anderen zurückblieben, kleiner und kleiner in der grauen Kimmung. Ganz laut hatten sie gelacht.— ja, das hatten sie. Hätte er doch einen Knecht mitgenommen,— aber er hat keinen bekommen können, und hatte es noch einmal mit Wieb gewagt. Hans Appens Blick gleitet über das Deck, als suchte er irgend etwas, das er in die Faust nehmen könnte. Warum schreit Wieb, was sagt sie? Die Segel lärmen sol Ach so, der Kutter da drüben, was will der? Der legt sich ja gerade in ihren Weg: warum tut er das? Hans Appen lachte trotzig auf, nahm das Ruder fester in die Faust und versuchte unruhig, das Schiff In bessere Fahrt zu legen. Wär die verwünschte Holzladung nicht I Die bohrte den Bug in die See, daß er kaum Lust holen konnte, Wa» schrie Wieb? Sie war doch nicht ängstlich, jetzt, nach all der Zeit, die sie zusammen- gewesen waren? Ach so,— de» Kinde» Wegen! Wa» sagte sie? Sie winkte, natürlich, der Ewer kam näher, der kreuzte ihre Fahrt, irgendwo geradeaus. Als ob Detlef Brand sie laufen lieh! Der junge Schiffer schrie plötzlich etwas nach vorn, riß die Schotten an und warf das Ruder herum. Haste wenig Zweck, der Kutter war doppett so rasch wie der schwere Ewer? Aha. der solgte ihm schon! Warum weint« Wieb? Dumme Deern.— er wollt's dem Alten schon zeigen, wenn der kam!«Bring das Kind hinunter!' Der Himmel steht eisblau mit gläsernen grauen Sträußen. Die Wellen springen höher und der Wind reißt die Gischt von den Kämmen wie weihe, flatternde Fahnen. Schräg zum Ewer jagt der Kutter, kommt näher und näher, als wollte er den Steeven tief in den Holzewer bohren. Was will der? Warum ruft drüben keiner, als wäre niemand an Bord? Hans Appen reißt noch ein- mal mit aller Kraft das Steuer herum, zerrt an den Schoten und muß den Befan doch schlagen lassen, ein-, zweimal, bis Wieb zu Hilse kommt. Da geht der andere über Staat und kommt von Steuerbord hinter seinem Heck auf, ganz dickt, näher und näher. Warum ist niemand an Bord drüben? Wieb soll nach unten gehen! Hon» Appen bindet da» Ruder fest, er hat eine Spiere in der Faust, Wieb soll nach unten, verwünscht, Ist die unsinnig, was will sie? Was will der andere mit der Leine, der Bestmann da drüben, ist der verrückt? Herrgott im Himmel, warum wendet er nicht? Jetzt fährt er mit dem ganzen Geschirr hinein. Ein Krochen ist es. als ob beide Schiffe bersten wollten. Ob der Kutter das aushält? Der Ewer schafft'». Aha, der Befan drüben, der ging drauf. Natürlich, aber das ist jetzt einerlei, das mußte doch einmal sein zwischen ihm und dem Fischer, so wie zwischen Jon Appen und Brand. Wenn er ihn doch erst vor sich hätte! Wo ist Wieb? Die ist wohl unten mit dem Jungen! Aha. jetzt kommt der Alte! Wie der aussieht, ganz blau ist er im Gesicht! Hans Appen lacht plötzlich und krampst die Faust feste? um die Spiere. Warum grinst der Einäugig« da drüben? Mit dem wird er auch noch fertig. Ob er Mut hat? „Kumm ran. Detlef Brand, kumm ran!' Wi� das birst und prassest dq vorne, dos sind die Steven oder
Orden, Titel und Diplome, SEINE Reden sowie die allen Gesetzesbücher und was sonst an albernen Emblemen au» .herrlicher' Jett in Truhen und Kommoden schlummert, herzlichst sei e» IHM gegönnt.
--- nur an unser Voltsvermögen. nein, da lassen wir IHN nichl ran!!
das Geschirr vom Großmast. Warum läuft der andere dahin? Ach, so, der will herüberkommen! Oder jetzt ist er wohl schon da? Er kann ihn nicht sehen vor'm Befan! Aber setzt kommt er! Han, Appen fühlt plötzlich, al« bliebe sein Herz stehen. Wieb steht zwkschen ihnen und hat Blut am Arm. Oder am Hals Ist es, man kann's ja nicht sehen vor'm Segel. Waren wohl Splitter vom Steeven! Und hoch im Arm trägt sie das Kind. Der Alte Ist stehengeblieben. Sie streicht sich mit der freien Hand das Blut aus den Haaren!„Dat's dien Wert, du!' Sie schreit's ihrem Vater entgegen, so wie er sie noch nie gehört hatte. „Slah em dotl' Hans Appen dringt mit der Spiere nach vorn, aber das Weib hält ihn zurück mit übermenschlicher Kraft. .Denk an mien Kind, Baddcr!' Wieb kreischt schrill auf, hält die Arme mit den Windeln wie zum Schutz hoch, und der Fisch,? stiert auf sie. scheint zu horchen. als traute er seinen Ohren nicht mehr. .Dien Kindt' .Mien Kind, Vadder. denk an mien Kind!' Detlef Brand steht eine Weile wie unsinnig. Er reckt den freien Arm weit aus. streicht sich über den Wirbel, tastet ungläubig über die warme Haut der Tochter und schrickt plötzlich zusammen, als er das Blut sickern steht. Einen Augenblick stiert er wieder>n unsäglichem Haß auf den Schisser und sucht seinen Blick. Da wimmert das Weib auf und steht taumelnd und totenblaß. .Geh vun Bord. Badderl' Der sieht starr auf die Windeln, wie auf etwas Unfaßliches, und dann, als stiege eine wunderliche Freude in ihm auf. knurrt er wie«in Tier, klettert ganz langsam zurück mit schweren gesangencn Gliedern und springt aus den Kutter. Nur der Einäugige grinst hinüber und versucht das Tauwert zu tappen, um die Schisse sreizubetommen.
George Sanö. Zu ihrem 50. Todestage, ö. Juni. Bon Dr. P a�u l L a n d a u. Als Borkämpfcrin für Frauenrecht und Frauenbefreiung wird heute George Sand begeisterter gefeiert, denn als Dichterin, und die jungen Spörtdamen unserer Tage, die Mädchen mit Bubikopf und der Zigarette im Wunde, berufen sich wohl aus die.Amazone' in Münnerkleidung und Reitstiesetn. die nach der Julirevoiution ihre Schwestern auf die geistigen Barrikaden rief zum Komps gegen die .heiligsten Vorurteile'. Seit den Tagen Sappdos stellte sie zum erstenmal die weibliche Begabung ebenbürtig n�ken die männliche, richtete mit dem weithin schallenden Ruf ihrer Werke zahllose träge Herzen auf und zerbrach die Schranken einer veralteten Gesellschafts- ordnung. Aber George Sand hat ihre Tat nicht vollbracht, indem sie versuchte, männlich zu sein und den Männern nachzueifern, sondern ihr« Größe beruht daraus, daß sie ganz Frau war und aus ihrer Weiblichkeit Kräfte und Wunder entfaltete, die bis dahin in Kunst und Leben noch nie so machtvoll hervorgetreten waren. Rur da Ist sie unsterblich, hat lhr Dichten Notwendigkeit, wo diese Stimm« einer Frau deuilich ertönt, klagend und anklagend, liebestruntcn und anbetend, enttäuscht und angeekelt, doch stet» au» einem uner- schütterlicheu Glauben an das Gut«.und dl« Natur quellend. Di« Dinge, für dl« sie sich einsetzte, die Probleme, die sie behandelte, die