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Gewerkschaftsbewegung

Generalversammlung der Bergarbeiter.

Erster Berhandlungstag.

Saarbrüden, 5. Juli. ( Eigener Drahtbericht.) Der erste Ver­handlungstag der 25. Generalversammlung des Ber: bandes der Bergarbeiter Deutschlands war den Ge= schäftsberichten des Borsstandes, ihrer Diskussion und den dazu gestellten Anträgen vorbehalten. Husemann umriß in feinem Geschäftsbericht in großen flaren Linien zunächst die natio­nale und internationale Bergbaulage. Er zeigte die Folgen der Kräfteverschiebung in der Kraftstoffproduktion der Welt durch die be­fannten Erscheinungen des Bordringens der Braunkohle, des Erdöls und ging dann auf die törichte Preispolitik der Kartelle und Trusts ein, um so von diesen Erscheinungen die Schlußfolgerung abzuleiten, daß sich leider die Hoffnungen der Dres­ dener Generalversammlung des Jahres 1924 auf eine baldige Beise­rung der allgemeinen Wirtschaftslage, insbesondere der Lage im Bergbau, nicht erfüllt haben. Er fennzeichnete scharf die In tätig feit und Unfähigkeit der bürgerlichen Regierung gegenüber der fatastrophalen Lage an der Ruhr und das Törichte des Versuchs, einer weiteren Absazkrise im Kohlenbergbau mit den verbrauchten Methoden der Verlängerung der Arbeits­zeit, Senfung der Löhne und Verschlechterung der spnstigen Arbeitsbedingungen begegnen zu wollen. Spon­tanen Beifall fanden seine

Worte, die er der Saar widmete:

Wir Bergarbeiter fönnen nur münschen, daß die Währung in Frankreich stabilisiert wird und daß, was noch besser ist, möglichst bald der Zeitpunkt kommt, an dem die Regierungen und Bölfer einsehen, daß es für alle Teile besser ist, daß das Saargebiet bald wieder endgültig zu Deutschland kommt."

Husemann berührte dann die Arbeit der Arbeitnehmervertreter in den Gemeinwirtschaftsförpern: Reichstalirat, Kali­fyndikat, Reichsfohlenverband, Reichsfohlenrat und Kohlenjynditat und die Tätigkeit unserer Abgeordneten im Reichswirtschafts­rat, im Reichstag und in den Landtagen und stellte als Ergebnis feft: Ohne unseren Einfluß in diesen Vertretungen wäre die Lage der Arbeiterschaft weit schlimmer als sie heute schon ist. Besondere Schuld an der Lage im Bergbau träfe die Bergarbeiter, die der Organisation fern blieben und trotz aller Warnungen zu leberschichten drängen, so daß sie im Monat statt 24 und 25 30 und mehr Schichten verfahren. Die Mitgliederbewegung sei start dadurch gehemmt gewesen, daß es

allein im Ruhrbergbau 200 000 Arbeitsloje gibt. Besondere Beachtung verdiene die volkswirtschaftliche Abteilung des Verbandes und ihre Zeitschrift Verband und Wirtschaft".

Borgschulze Bochum gab anschließend ein sehr in struttives Referat über" Sozialpolitische Fragen". Er bedauerte, daß trop Reichsverfassung ein einheitliches Arbeitsrecht bis heute noch nicht geschaffen sei und eine Vereinheitlichung der Arbeitsrechtsgesetzgebung beständigen Anfeindungen der Unternehmer ausgesetzt sei. Die Lage der Sozialversicherung und ihr Mitglieder zuwachs bewiesen, daß eine weitgehende Proletarisierung früherer Mittelschichten eingetreten sei. Die Verbesserungen, die im Reichs­fnappschaftsgesetz durchgeführt worden seien, wären nur möglich ge­morden durch einen außerordentlich hartnäckigen Rampf gegen die Unternehmer, die mit eiserner Stirn den Abbau der Sozial politif durchzuführen versuchten.

Der Kassenbericht des Haupttassierers Bittner fonnte die erfreuliche Tatsache feststellen, daß die Beitragseinnahmen im allgemeinen unter Beachtung der schweren Krise im Bergbau als befriedigend zu bezeichnen sind. Insbesondere stellte er an Hand der Beitragssteigerungen fest, daß der Verband in der

3eit der größten Rrife 1924/25 ffabil geblieben fei. Der vor Jahren aufgestellte Grundsay Ein Stundenlohn als Wochenbeitrag ist im ganzen Verbandsgebiet restlos durchgeführt und in einzelnen Bezirken bereits überholt. Der Verband hat in den beiden Berichtsjahren 1924/25 eine Rücklage von 2,1 milionen Mart gemacht und berechnet sein Gesamtver mögen heute auf 42 Millionen gegenüber 3 Millionen im Normaljahr 1913, menngleich sein Vermögen nicht die gleiche Li­quidität besize wie im Jahre 1913.

Die Diskussion am Nachmittag und die Antragsbesprechung ergaben das Bild eines starken inneren Lebens in den Verbands: reihen wie auch den unmittelbaren Eindruck einer erfreulichen Ge­schlossenheit des alten Verbandes.

Die Siemensfirmen wälzen soziale Lasten ab.

Wer über drei Wochen frank ist wird entlassen. Die Siemens Firmen machen seit langem große Reflame mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen und mit ihrer sozialen Fürsorge, die sie ihren Arbeitnehmern angedeihen lassen. Wie fieht es in Wirklichkeit damit aus? In letzter Zeit geht man dazu über, Arbeitnehmer, die länger als drei Wochen frant sind, zu entlassen. Dies trifft speziell auf Arbeiter und Arbeiterinnen zu. In den Kündigungsschreiben, die diese Arbeiter erhalten, sagt die Firma zu, daß sich der Betreffende na ch wiederhergestellter Gesundheit in der Arbeiteran­nahme meiden möchte, es kann ihm dann evtl. erneut Arbeit nachgewiesen werden. Das geschieht jedoch nur in wenigen Fällen.

Untersucht man, warum die Siemens- Firmen zu dieser Maß­nahme schreiten, so muß man feststellen, daß es ihnen nur darauf ankommt, den geringfügigen Urlaub zu sparen, der den Arbeitern und Arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie nach dem Tarifvertrag zusteht. Jeder Urlaubsanspruch, eines auf diese Art und Weise zur Entlassung Gekommenen, wird von der Firma brüst abgelehnt. Diese Entlassungen haben allerdings noch einen anderen Grund. Durch die in letzter Zeit in fast allen Betrieben durchgeführten Rationalisierungsmethoden, die beim deutschen Unternehmer lediglich darauf hinauslaufen, ein großes Quantum Mehrleistung bei noch niedrigeren Löhnen zu erzielen, ist der Gesundheitszustand der Be legschaft start herabgemindert worden. Das macht sich besonders in der Kranfenfasse bemerkbar, welche jetzt in er­höhtem Maße in Anspruch genommen wird. Die soziale Maß nahme" der Firma, jeden, der länger als drei Wochen frank ist, zu entlassen, bewirkt, daß jeder Arbeitnehmer eine Krankmeldung mög: licht vermeidet und sich trok Erkrankung bis zum legten Augenblick vor dem Zusammenbruch an die Arbeitsstätte schleppt. Die Folge davon ist, daß zwar die Krankenziffer im Laufe der Zeit finfen muß, mogegen sich ein An steigen der durchschnitt lichen Krankheitstage bemerkbar macht.

Klagt ein Entlassener beim Gewerbegericht gegen seine Entlassung, so weist die Firma darauf hin, daß sie sich zur Ent faffung verpflichtet fühlte, weil sie den Arbeitspla ander meitig befehen mußte. Eine unbillige Härte" stellt ihre Handlungsweise nicht dar, da es dem Arbeitnehmer möglich sei, sich während seiner Krankheit nach anderer Arbeit umzusehen(!).

Eine solche Methode, wie sie hier angewendet wird, ist äußerst verwerflich und unsozial. Es verstößt direkt gegen die guten Sitten, menn man einem Kranten zumutet, sich nach anderer Arbeit umzusehen. Es ist unmöglich, daß jemand, der frank ist, durch den Arbeitsnachweis vermittelt werden kann.

Der Fall zeigt, daß die Sparsamkeit der Industrie, vornehmlich aber die der Siemens- Firmen, auf Kosten der Lebenshaltung und der Gesundheit der Arbeitnehmer geht. Bei der Arbeitnehmerschaft erfolgt Abbau auf Abbau, während in den höchsten Stellen der Geschäftsleitungen noch eine 3unahme der Direktoren zu verzeichnen ist.

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Eine unzulässige Anfrage? Fuhrunternehmer Schneidemühl hat die Kohlentransporte nach einem großen Krankenhause auszuführen. Den mit dem Ab­laden beschäftigten Arbeitern zahlte er einen Akkordlohn von 4 Pfg. für den Zentner. Als neuerdings ein solcher Kohlentransport ausgeführt wurde, erhielten die Arbeiter nur 3 Pf. für den Zentner. Verwundert fragten sie sich, was wohl der Grund für den bedeutenden Lohnabzug sein könnte, ob der Unternehmer viel­leicht einen niedrigeren Preis wie früher von seinem Auftraggeber erhalte. Wäre es so, dann könnte man meinten die Arbeiter das Berhalten des Unternehmers vielleicht verstehen. Einer der Arbeiter fragte also bei einem Angestellten der Krankenhausver waltung an, welchen Preis sie dem Fuhrunternehmer zahle. Die gewünschte Auskunft erhielt der Arbeiter nicht, aber er murde. entlassen. Der Unternehmer hält es für ein schweres Vergehen, menn ein Arbeiter versucht, ihm in die Karten zu gucken. Aber so einfach, wie es sich der Unternehmer gedacht haben mag, war der Fall nicht erledigt. Der Entlassene war Mitglied des Be­triebsrats und der Unternehmer hatte die Zustimmung des Betriebsrats zur Entlassung nicht eingeholt.

Das Gewerbegericht, an das sich der entlassene Arbeiter wandte, hätte den Unternehmer ſelbſtverſtändlich zur Weiterzahlung des Lohnes verurteilen müssen, denn die Anfrage des Arbeiters bei der Krankenhausverwaltung ist keiner der in der Gewerbeordnung ange­führten zur fristlosen Entlassung berechtigenden Gründe. Der Vor­fizende, Magistratsrat Krause, bemühte sich aber, einen Bergleich zustande zu bringen, der denn auch dahin abgeschlossen wurde, daß der Kläger mit 200 Marf abgefunden wird.

Magistratsrat Krause hatte, um die Parteien zum Vergleich zu bewegen, darauf hingewiesen, daß für den Kläger nicht mehr herauskommen tönne, wenn der Beklagte beim Arbeitsgericht den Antrag auf Zustimmung zur Entlassung des Betriebsratsmit­gliedes( Klägers) stellen würde.

Daß das Arbeitsgericht einem solchen Antrage zustimmen würde, scheint Magistratsrat Krause für selbstverständlich zu halten. Anders sind seine rechtsbelehrenden Ausführungen nicht zu verstehen. Wir meinen dagegen, das Verhalten des Klägers fann feinem unbefange nen Richter Beranlassung geben, sich für die Entlassung des Betriebs­ratsmitglieds zu entscheiden, denn wo liegt hier eine Berlegung der Pflichten des Betriebsrats. Der Arbeiter hat doch ohne Zweifel das Recht, sich zu erkundigen, ob eine Lohnherabsetzung durch eine etwaige Preisherabsetzung begründet ist oder nicht.

Berlorengegangene Kaffenbücher. Am Montag, den 5. Juli, abends 7% Uhr, hat der Bezirksfassierer des Zimmererverbandes Karl Disin, wohnhaft Berlin NW. , Birkenstr. 22, in der Straßenbahn Linie 3 an der Perleberger Ede Rathenower Straße ein Paket in grauem Papier, Inhalt zwei Kassenbücher mit Bei­tragsmarken vom Zimmererverband, liegen gelassen. Der ehrliche Finder wird gebeten, diese Bücher bei Ossin oder im Verbands­bureau, Engelufer 24/25, 3immer 50, abzugeben.

Zentralverband der Zimmerer. Zahlstelle Berlin u. Umg.

Freie Gewerkschaftsjugend. Heute, Dienstag, 6. Juli, Uhr, tagen die Gruppen: Landsberger Blag: Jugendheim Diestelmenerstr. 5. Heimbesprechung und Liederabend. Frankfurter Allee : Jugendheim Tilsiter Str. 4/5, 1 Treppe. Heimbesprechung, Diskussion: Sport und Rörperkultur". Lichtenberg : Jugendheim Doffeftr. 22. Heimbesprechung, Diskussion: Körperkultur". Treptow : Jugendheim Wildenbruchstr. 53/54. Heimbesprechung. Wir lesen aus R. Rwing: Die Geschichte der freien Gewerkschaften". Spandau : Jugendheim Lindenufer 1. Wir spielen im Freien. Oberschöneweide : Wir spielen auf dem Sportplas der Metallarbeiter an der Oberspree. Köpenick : Wir spielen auf dem Sportplak det Metallarbeiter an der Oberspree. Nordkreis trifft sich zum Baden in Plößensee um Uhr Amruner Ede Afrikanische Straße.

AfA- Mitglieder der Geldschrankfabriken und Bauschlossereien.. Mittwoch, 7. Juli, 7% Uhr, in Haverlands Festfälen, Neue Friedrich- Ecke Rochstraße ,. Afa- Mitgliederversammlung. Stellungnahme zu dem neuen Rahmen- und Gehaltstarifvertrag. Butab. DWB. Zb.

Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter ; Wirtschaft: Artur Saternus:

Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales

und Sonstiges: Frik Karstadt : Anzeigen: Tb. Glode; sämtlich in Berlin . Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Baul Ginaer u. Co.. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen".

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